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Aufbruch aus dem Schatten

Lange Zeit blieb dieses Kapitel der Kunstgeschichte im Halbdunkel der Archive, doch nun rückt das Kunsthaus Stade es mit einer energischen Geste ins Rampenlicht. Die Ausstellung Frauen machen Schule.

Wegbereiterinnen der Moderne widmet sich der Pionierarbeit Hamburger Künstlerinnen, die sich um die Jahrhundertwende den Weg in die Professionalität erkämpften. Im Zentrum der Schau steht die private Malschule von Valesca Röver, eine Institution, die 1891 in Hamburg gegründet wurde, als staatliche Akademien Frauen noch konsequent die Türen versperrten. Es ist eine Erzählung über Netzwerke, Selbstbestimmung und den Mut, eine eigene ästhetische Sprache zu finden.

Harriet Wolf, Blick aus der Kunstschule Gerda Koppel auf Glockengießerwall und Ferdinandstor, 1919, Öl auf Pappe, Kunstsammlung Hamburger Sparkasse, Foto Museen Stade, Carsten Dammann

Die Ausstellung präsentiert Werke von über zwanzig Künstlerinnen, darunter namhafte Positionen wie Alma del Banco, Gretchen Wohlwill und Lore Feldberg-Eber. Es geht dabei um weit mehr als eine reine Werkschau; beleuchtet wird das komplexe Geflecht aus Lehrkräften und Schülerinnen, das es diesen Frauen ermöglichte, sich im männlich dominierten Kulturbetrieb zu behaupten. Besonders spannend ist die visuelle Brücke in die Gegenwart: Zeitgenössische Tape Art verbindet die historischen Exponate und schafft einen Dialog zwischen der Pionierarbeit von 1900 und heutigen künstlerischen Ausdrucksformen. Es entfaltet sich ein Panorama gesellschaftlicher und ästhetischer Umbrüche, das die Modernisierung der Kunst als einen aktiven Kampf um Sichtbarkeit begreifbar macht.

Ein umfangreiches Begleitprogramm erweitert die museale Erfahrung um vielfältige Perspektiven. Neben den regelmäßigen Sonntagsführungen um 15 Uhr und den After-Work-Rundgängen an Mittwochabenden bietet das Kunsthaus vertiefende Formate an. So beleuchtet beispielsweise eine Kuratorinnenführung am 14. Februar die Hintergründe der Schau, während Workshops wie das Malen und Sticken auf Leinwand am 15. Februar dazu einladen, handwerkliche Techniken der Moderne selbst zu erproben. Auch literarische Streifzüge und spezielle Angebote für Familien wie die Tour Keine Angst vor großer Kunst sorgen dafür, dass die Themen der Ausstellung auf unterschiedlichen Ebenen erfahrbar bleiben. Online-Seminare zu nordischen Künstlerinnen und fachspezifische Rundgänge für Lehrer*innen ergänzen das Spektrum und machen das Kunsthaus in dieser Zeit zu einem Ort des lebendigen Austausches über weibliche Kunstgeschichte.

Die Ausstellung Frauen machen Schule. Wegbereiterinnen der Moderne ist vom 24. Januar bis zum 25. Mai 2026 im Kunsthaus Stade zu sehen. Das Museum befindet sich am Wasser West 7, 21682 Stade und ist für Rückfragen oder Buchungen telefonisch unter 04141 797730 erreichbar. Weiterführende Details zum Programm sowie Informationen zu den Öffnungszeiten finden sich auf der offiziellen Webseite unter www.museen-stade.de [1].

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