Kunst – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 22 Apr 2026 09:50:56 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Das Auge der Epoche https://www.tiefgang.net/das-auge-der-epoche/ Wed, 22 Apr 2026 09:50:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13671 [...]]]> Es gibt Namen, die untrennbar mit dem visuellen Gedächtnis einer Stadt verwoben sind. In Hamburg ist dieser Name F.C. Gundlach.

Pünktlich zu seinem 100. Geburtstag am 16. Juli 2026 beschenkt sich die Hansestadt Hamburg nun selbst mit einer Nachricht, die das Erbe dieses Visionärs für die nächste Generation zementiert: Die Sammlung F.C. Gundlach bleibt nicht nur in Hamburg, sie wächst und wird für mindestens zwanzig weitere Jahre das Herzstück des Hauses der Photographie in den Deichtorhallen bilden.

Gundlach war weit mehr als ein Modefotograf. Er war Netzwerker, Sammler, Kurator und der Gründungsdirektor jenes Hauses, das heute international als eine der ersten Adressen für die Kunstform Fotografie gilt. Sein Credo war zeitlebens die Überzeugung, dass ein Sammler eine moralische Verpflichtung hat, Teile seiner Sammlung oder ihr Ganzes öffentlich zu machen. Er sah seine Schätze als lebendigen Organismus, der auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren muss. Dieser Geist weht nun durch einen neuen Kooperationsvertrag, der die bisherige Leihgabe von 9.000 auf stolze 14.000 Werke erweitert.

Wer war dieser Mann, der die Fotografie in Deutschland aus ihrem Nischendasein als bloßes Handwerk in den Olymp der bildenden Kunst hob? Gundlach kam in den 1950er Jahren nach Hamburg und machte die Stadt zur Zentrale seiner Arbeit. Er fotografierte für die großen Magazine – von Film und Frau bis hin zur Brigitte. Doch seine Bilder waren nie bloße Kleiderständer-Dramaturgien. Er verstand es, Mode als Spiegelbild gesellschaftlicher Identitäten zu inszenieren.

Betrachtet man seine ikonischen Werke, etwa die Aufnahme (Titelbild) der deutschen Models in Santiago de Chile aus dem Jahr 1963, erkennt man seine Meisterschaft: Es ist ein Massenauflauf der Neugier, eine Begegnung zwischen der Eleganz der alten Welt und der dynamischen Realität Südamerikas. Gundlach fing hier nicht nur Stoffe ein, sondern den Moment, in dem Mode zum öffentlichen Ereignis wird. Ebenso legendär ist sein Porträt von Uschi Obermaier in Hamburg 1970.

Uschi Obermaier, Hamburg 1970

In ihrem Blick und ihrer Haltung manifestiert sich der Umbruch einer ganzen Generation – weg von der steifen Etikette, hin zur Freiheit der 68er.

Gundlachs Blick war stets präzise, fast architektonisch. Er setzte den Menschen in Bezug zu seiner Umgebung, sei es vor den ägyptischen Pyramiden oder in den kühlen Betonfluchten der Moderne. Für ihn war Fotografie nie isoliert. Der Titel der kommenden großen Ausstellung im Bucerius Kunst Forum, You’ll Never Watch Alone, bringt es auf den Punkt: Fotografie geschieht durch Austausch, durch Allianzen und das Wirken in Netzwerken.

Die Nachricht der Vertragsverlängerung ist ein Meilenstein für die Hamburger Kulturlandschaft. Dr. Carsten Brosda bezeichnet die Erweiterung als einen Gewinn für die Kulturstadt, um die Position des Hauses der Photographie als international führendes Zentrum zu stärken. Bis 2028 wird die südliche Deichtorhalle umfassend saniert. Wenn sie ihre Pforten wieder öffnet, wird die Sammlung F.C. Gundlach einen völlig neuen Raum erhalten.

Im ersten Obergeschoss entsteht ein Bereich, der die Grenzen zwischen Archiv, Forschung und Erlebnis auflöst. 200 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche, ein Schaudepot und die über 10.000 Bände umfassende Sammlerbibliothek werden dort ein neues Zuhause finden. Es ist die Erfüllung eines visionären Traums: Die Sammlung wird zur lebendigen Ressource für die 200-jährige Geschichte der Fotografie und gleichzeitig zum Labor für die Zukunft des Mediums. Künftig werden neben dem zentralen Thema Das Bild des Menschen auch Schwerpunkte wie abstrakte, subjektive sowie Landschafts- und Objektfotografie dauerhaft präsent sein.

Die Triennale als Fest des Sehens

Während die Deichtorhallen aber aktuell noch saniert werden, feiert die Stadt das Medium Fotografie bereits jetzt im Rahmen der 9. Triennale der Photographie. Diese von Gundlach einst initiierte Großveranstaltung macht die Stadt im Sommer 2026 zum Schauplatz für elf Ausstellungen. Das Bucerius Kunst Forum widmet sich dabei Gundlachs Rolle als unermüdlicher Förderer und Sammler. In der Ausstellung werden neben seinen eigenen Ikonen auch Werke von Weggefährt*innen wie Ute Mahler gezeigt, deren Bild Zwei Models im Kreuzgang von 1989 die melancholische Strenge und grafische Kraft illustriert, die Gundlach in der Fotografie so schätzte.

Ute Mahler – Zwei Models im Kreuzgang, 1989 (Fotorechte: Ute Mahler)

Es ist diese Kombination aus dem eigenen Schaffen und dem Blick für die Qualität anderer, die Gundlach so einzigartig machte. Er sammelte nicht für den Tresor, sondern für die Erkenntnis.

F.C. Gundlach hat uns gelehrt, dass ein Foto nie nur ein Abbild der Realität ist, sondern immer auch eine Konstruktion von Wahrheit, Sehnsucht und Zeitgeist. Sein Erbe in Hamburg ist kein staubiges Denkmal, sondern eine Aufforderung zum genauen Hinsehen. Mit der nun gesicherten Zukunft seiner Sammlung in den Deichtorhallen bleibt Hamburg ein Ort, an dem die Fotografie atmen, sich verwandeln und uns immer wieder neu befragen kann. Ein würdigeres Geschenk hätte man dem großen Visionär zu seinem 100. Geburtstag kaum machen können.

Die Ausstellung: F.C. Gundlach. You’ll Never Watch Alone | Laufzeit 8. Mai bis 16. August 2026

Bucerius Kunst Forum | Alter Wall 12, 20457 Hamburg | www.buceriuskunstforum.de

Die Sammlung F.C. Gundlach wird ab der Wiedereröffnung des sanierten Hauses der Photographie in den Deichtorhallen (voraussichtlich 2028) dauerhaft in neuen Räumlichkeiten präsentiert. Aktuelle Informationen zu den Baufortschritten und Interims-Projekten finden Sie unter www.deichtorhallen.de.

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Vögel auf dem Drahtseil https://www.tiefgang.net/voegel-auf-dem-drahtseil/ Tue, 14 Apr 2026 22:38:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13630 [...]]]> Es gibt Traditionen, die eine Stadt nicht nur schmücken, sondern sie im Kern definieren. In Buxtehude ist das die Kunstinsel.

Seit 2009 verwandelt sich der kleine Ponton auf der Este alljährlich in eine Bühne für die regionale Kunstszene. Initiiert wurde das Ganze einst von Jürgen K.F. Rohde, und seitdem hat sich die schwimmende Plattform zu einem echten Leuchtturm im öffentlichen Raum entwickelt. In diesem Jahr, zur 18. Ausgabe, kehrt ein alter Bekannter zurück: Folkert Bockentien bespielt die Insel zum dritten Mal und bringt eine Installation mit, die so leichtfüßig daherkommt, wie ihr Titel es verspricht, und doch eine enorme Tiefe in den Wellen verbirgt.

Der Titel der Installation, balance 3, birds in balance, weckt sofort Assoziationen. Wer denkt bei Vögeln auf einer Stange nicht unweigerlich an Leonard Cohens unsterbliche Zeile like a bird on a wire? Bockentien fängt genau dieses Gefühl ein: den Moment zwischen Innehalten und Abflug, zwischen absoluter Ruhe und plötzlicher Bewegung.

Das Spannende an seiner Arbeit ist ihre Reaktivität. Diese drei stilisierten Vögel aus gelbem und blauem Sperrholz sind keine statischen Monumente. Sie reagieren auf den Wind, der durch das Estetal zieht, und auf die Wellen, die gegen den Ponton schlagen. Es ist ein lebendiger Dialog mit der Natur. Was auf den ersten Blick wie eine spielerische Skulptur wirkt, ist eine technisch präzise ausbalancierte Konstruktion, bei der im Inneren Bleigewichte dafür sorgen, dass das fragile Gleichgewicht gewahrt bleibt – ein schönes Sinnbild für unsere eigene Suche nach Stabilität in bewegten Zeiten.

Die Farbwahl in Gelb und Blau ist ein kluger, vielschichtiger Schachzug. Natürlich sind es die Farben der Hansestadt Buxtehude, eine klare Liebeserklärung an die Heimat. Doch im Jahr 2026 schwingt in dieser Kombination unvermeidlich auch die Solidarität mit der Ukraine mit. Es ist bezeichnend für Bockentiens Prozess, dass er sich von der ursprünglichen Idee – dem Schwarz-Weiß-Blau der Elstern in seinem Garten – weg zum Leuchtenden, Signalhaften bewegt hat. Er möchte ein buntes Stückchen Buxtehude schaffen, das die Sinne anregt und den Blick weitet.

Doch hinter der ästhetischen Freude verbirgt sich eine ernste ökologische Reflexion. Der Titel spielt auf eine Balance an, die in der Realität längst verloren gegangen ist. Während die hölzernen Vögel auf der Este sanft im Wind schaukeln, schlägt der NABU Deutschland Alarm: Die Bestände der Feldvögel sind seit 1980 um bis zu 88 Prozent eingebrochen.

Bockentiens Werk wird so zu einem Mahnmal der Abwesenheit. Es macht auf das aufmerksam, was wir immer seltener hören und sehen. Die Kunstinsel wird zum Resonanzraum für ein Thema, das uns alle angeht. Es ist diese Mischung aus lokaler Verbundenheit, handwerklicher Präzision und globaler Relevanz, die die Kunstinsel Jahr für Jahr so unverzichtbar macht.

Bevor die Vögel ihre Balance auf dem Wasser finden, ist Muskelkraft gefragt. Wie in jedem Jahr wird die Insel mit tatkräftiger Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr zu Wasser gelassen – ein wunderbares Beispiel für das Ineinandergreifen von Kultur und bürgerschaftlichem Engagement in der Stadt. Wenn am 25. April die offizielle Eröffnung gefeiert wird, wird Buxtehude einmal mehr beweisen, dass Kunst nicht in geschlossene Räume gehört, sondern mitten ins Leben, dorthin, wo das Wasser fließt und der Wind weht.

Installation: Folkert Bockentien – balance 3, birds in balance

Eröffnung: Samstag, 25. April 2026, 13 Uhr

Auf der Este, Höhe Stadtpark / Zwischen den Brücken 8, 21614 Buxtehude

Die Installation wird für ein Jahr auf der Este und bei freiem Eintritt zu sehen sein.

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Eine Hommage an Heidi Meyer https://www.tiefgang.net/eine-hommage-an-heidi-meyer/ Mon, 13 Apr 2026 22:33:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13593 [...]]]> Die Buxtehuder Künstlerin Heidi Meyer verabschiedet sich mit einer beeindruckenden Werkschau vom Kunstbetrieb.

Wenn sich am Die., 28. April 2026 die Türen des Buxtehuder Marschtorzwingers für die Ausstellung Geschriebene Farben öffnen, schließt sich ein beeindruckender Lebenskreis. Für die in Hamburg geborene und heute in Buxtehude lebende Künstlerin Heidi Meyer ist diese Schau die letzte ihrer öffentlichen Karriere. Es ist ein Abschied voller Dankbarkeit, ein bewusster Rückzug aus dem Ausstellungsbetrieb, der jedoch keineswegs ein Verstummen bedeutet. Vielmehr ist es die Krönung eines Werkes, das die Grenzen zwischen Kontinenten, Techniken und philosophischen Ansätzen über Jahrzehnte hinweg aufgelöst hat.

Wer die großformatigen Arbeiten Heidi Meyers betrachtet, stößt auf eine faszinierende Verbindung aus fernöstlicher Zurückhaltung und westlicher Abstraktion. Die Technik, mit der sie Papier eigenhändig auf Holzrahmen aufzieht und bearbeitet, hütet sie wie ein kostbares Geheimnis. Dahinter steckt kein bloßer Schutz vor Nachahmung, sondern eine tiefgehende Überzeugung: Jede*r Künstler*in muss den eigenen Weg, die eigene Haptik und den eigenen Widerstand des Materials selbst erproben und finden. Es geht um die Freiheit des Experiments.

Diese Freiheit prägte auch ihre Zeit als Hochschuldozentin an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg. Das gemeinsame Erkunden, wie Wasser auf verschiedenen Papiersorten reagiert oder wie eine Linie im Raum atmet, war ihr wichtiger als starre Vorgaben. Ihr Werk fordert ein Nachspüren der Natur und das In-Verbindung-Setzen mit der Farbe, was ihr selbst, wie sie sagt, ein Gefühl des Seins gibt.

Zwischen Osaka, Paris und der Geest

Meyers Biografie liest sich wie eine Landkarte der Weltkunst. Lange Jahre lebte und arbeitete sie in Japan, einem Land, zu dem sie eine tiefe spirituelle und künstlerische Verbundenheit entwickelte. Ihr Stil der geschriebenen Malerei ist ohne die Einflüsse der japanischen Kalligrafie und Formensprache kaum denkbar. Dass der japanische Kaiser gleich dreimal die Schirmherrschaft für ihre Ausstellungen unter dem Titel Japan in Deutschland übernahm, unterstreicht die außergewöhnliche Relevanz ihres Schaffens im interkulturellen Dialog.

Ihre Werke hängen heute an Orten von globaler Strahlkraft: vom Rathaus in Osaka über das Goethe-Institut in Hanoi bis hin zu bedeutenden Sammlungen in Paris, Singapur und den USA. Auch nationale Institutionen wie die Staatsgalerie Stuttgart oder das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg führen ihre Arbeiten. Doch trotz dieser Weltläufigkeit blieb der Bezug zur norddeutschen Heimat stets lebendig. Nach Jahren im Ausland kehrte sie nach Buxtehude zurück, betrieb dort ihre Galerie Am Geesttor und bereicherte die regionale Kunstlandschaft nachhaltig.

Ein besonderes Juwel dieser letzten Ausstellung wird die Vorführung ihres 16-mm-Kurzfilms Es könnte Frühling werden, oder es wird sowieso Frühling oder nicht aus dem Jahr 1976 sein. Aufgenommen mit einer Bolex-Kamera, ungeschnitten und im radikalen Selbstversuch, zeigt der Film eine Künstlerin, die schon früh keine Angst vor dem Unvollkommenen und dem Prozesshaften hatte. Es ist ein Dokument des Mutes zum Sehen – ein Appell, den sie bis heute an ihre Betrachter*innen richtet: Statt Kunst vorschnell zu bewerten, solle man ihr offen begegnen und eigene Eindrücke wachsen lassen.

Die Laudatio zur Eröffnung wird Dr. Manfred Osten halten – ein Weggefährte, der sie bereits in Tokio und Paris begleitete und somit den Bogen von der Welt zurück in den Marschtorzwinger schlagen wird. Auch wenn sich Heidi Meyer nun zurückzieht, bleiben ihre Farben geschrieben – in den Sammlungen der Welt und in den Herzen derer, die ihren Ruf zum Mut zum Sehen gehört haben.

Heidi Meyer – Geschriebene Farben | 28. April bis 7. Juni 2026

Filmvorführung: Sonntag, 31. Mai 2026, 14:00 Uhr (16-mm-Kurzfilm von 1976)

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15 –18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 – 18 Uhr

Marschtorzwinger, Liebfrauenkirchhof, 21614 Buxtehude | Eintritt: Frei

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Ein Künstlerdorf zum Hafenfest https://www.tiefgang.net/ein-kuenstlerdorf-zum-hafenfest/ Sun, 12 Apr 2026 22:45:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13610 [...]]]> Wenn im Juni das 24. Harburger Binnenhafenfest die Segel setzt, geht es längst nicht mehr nur um Schiffe und Schanty-Chöre. Inmitten von Fischbrötchenduft und Takelagengeschnack entsteht 2026 etwas völlig Neues: Ein begehbares Künstlerdorf.

Hinter der Vision des „PORT ART FESTIVAL“ stecken zwei Köpfe, die man im Hamburger Süden kennt wie bunte Hunde: Resi und Bernd Muss.

Resi, die mit ihrer „Resis Art“ normalerweise den Kulturkiosk an der Blohmstraße beim „Art Cornern“ in eine Freiluftgalerie verwandelt, und Bernd Muss, der Meister des maritimen Treibguts und der Street-Art, bündeln ihre Kräfte. Ihr Plan: Eine 100 Quadratmeter große Fläche direkt am Wasser wird zum Epizentrum der lokalen Kreativszene.

„Wir wollen Kunst sichtbar machen – und zwar dort, wo das Leben tobt“, so der Tenor der Initiator*innen. Statt weißer Galeriewände gibt es weiß gestaltete Bauzaunwände, statt steriler Stille herrscht Hafenatmosphäre. Bis zu 15 Kunstschaffende aus Harburg und dem Umland sollen hier ihr Zuhause auf Zeit finden.

Das Besondere an diesem „Künstlerdorf“ ist die Unmittelbarkeit. Wer hier ausstellt, muss auch da sein. Keine anonymen Schilder, sondern echte Gespräche zwischen Pavillons und Kuchengabeln. Besucher*innen werden mit einer Postkarte begrüßt, die wie ein kleiner Kompass durch die Vielfalt der Stile führt – und ein Kuchengutschein sorgt dafür, dass die Verweildauer (und die Gesprächsbereitschaft) steigt.

Es ist dieser typische Harburger Spirit: Man macht es einfach. Man vernetzt sich. Unterstützt durch den Sponsor Schüthe Druck & Verlag, verwandelt sich eine kahle Fläche in einen Ort der Begegnung. Port Art ist dabei mehr als eine einmalige Show; es ist der Versuch, die Erfahrungen des „Art Cornerns“ in den großen, öffentlichen Raum des Hafens zu tragen.

Aufruf an die Szene: „Wir suchen dich!

Noch ist das Dorf nicht voll besetzt. Bernd Muss und Resi rufen die lokale Kunstszene dazu auf, Teil dieser Premiere zu werden. Ob Malerei, Skulptur oder Street-Art – gesucht werden Künstler*innen, die Lust haben, ihren Elfenbeinturm gegen eine Meeresbrise einzutauschen.

Wer dabei sein will, sollte nicht lange fackeln: Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 30. April 2026. Es ist die Chance, Teil eines Formats zu werden, das Kunst nicht nur zeigt, sondern sie mitten in das Herz des Harburger Sommers pflanzt.

Der Ruf des Hafens – So seid ihr dabei:

  • PORT ART FESTIVAL im Rahmen des 24. Harburger Binnenhafenfests
  • 5. bis 7. Juni 2026
  • Bewerbung mit Foto der Arbeiten und kurzer Info an info@resis-art.de oder info@berndmuss.de
  • Deadline: 30. April 2026

Gehen wir cornern – diesmal im großen Stil am Kai!

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Crazy Creatures in City Galerie https://www.tiefgang.net/crazy-creatures-in-city-galerie/ Fri, 10 Apr 2026 22:14:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13621 [...]]]> Die KunstPassage im Durchgang der Harburger City Galerie hat seit Ostern einen Neuen Hingucker: Yvonne Lautenschläger stellt als nunmehr dirtte Künstlerin dort aus.

Wer sagt eigentlich, dass der Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen grau sein muss? In der Harburger City Galerie wird dieser Mythos gerade Stein für Stein – oder besser: Leinwand für Leinwand – abgebaut. Seit Ostern weht ein neuer, ziemlich verrückter Wind durch die KunstPassage. Yvonne Lautenschläger hat die Glasvitrinen im Durchgang zwischen Lüneburger Straße und Harburger Ring übernommen, und sie hat Gesellschaft mitgebracht: ihre „Crazy Creatures“.

Nach den abstrakten Köpfen von Frank Vaders und der tropischen Farbgewalt von Thomas Behrens schlägt die Kunstleihe Harburg nun das dritte Kapitel ihres einjährigen Projekts auf. Yvonne Lautenschlägers Ausstellung „Crazy Creatures & Patterns“ ist genau das, was der Name verspricht: eine Explosion aus Humor, leuchtenden Pigmenten und Formen, die sich nicht so recht entscheiden wollen, ob sie nun Abstraktion oder Fabelwesen sind.

Lautenschläger, die unter ihrem Künstlernamen „medea“ firmiert, kombiniert großformatige Acrylwerke mit einer fast schon plakativen Hintergrundgestaltung. Ihre Kreaturen blinzeln Passant*innen mit einem Augenzwinkern entgegen – mal verspielt, mal nachdenklich, aber immer mit einer Prise Ironie, die den Alltagstrott für einen Moment unterbricht.

Von der Wissenschaft zur wilden Leinwand

Besonders faszinierend ist die Frau hinter den Pinseln. Geboren 1964 in Bielefeld, führte ihr Weg erst über ein naturwissenschaftliches Studium und Jahre im Beruf, bevor sie sich traute, ihrem lebenslangen Traum Raum zu geben. Heute ist ihre Kunst international gefragt – von der Artfair Beijing bis hin zur Hamburger Bunkerhill Galerie.

Dass sie nun ausgerechnet in der Harburger Innenstadt ausstellt, ist ein Glücksfall für das Quartier. Unterstützt durch den Verfügungsfonds „Mitten in Harburg“, zeigt dieses Projekt einmal mehr, wie man ungenutzte Flächen im öffentlichen Raum mit Leben füllen kann. Die Kunst kommt hier nicht nur zu den Menschen, sie bleibt auch: Wer sich unsterblich in eines der Wesen verliebt, kann die Originalwerke sogar direkt über die Kunstleihe Harburg für das eigene Wohnzimmer entleihen.

Ein Farbtupfer bis zum Sommer

Die „Crazy Creatures“ bleiben uns bis Ende Juni 2026 erhalten. Es ist eine Einladung, den Blick vom Smartphone zu heben und sich von der Freude am Unerwarteten verzaubern zu lassen. Ein kleiner Urlaub für die Augen – mitten im Harburger Ring.

Ausstellung „Crazy Creatures & Patterns“: bis Ende Juni 2026 während der Öffnungszeiten der City Galerie frei zugänglich. Weitere Einblicke in das Schaffen der Künstlerin gibt es auf ihrer Website www.medeas.space. Informationen zum Ausleih-Service finden sich bei der Kunstleihe Harburg unter www.kunstleihe-harburg.de.

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Die ‚Weltmeisterschaft der Computermusik‘ https://www.tiefgang.net/die-weltmeisterschaft-der-computermusik/ Sat, 04 Apr 2026 22:50:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13565 [...]]]> Im Mai kann man erleben, wie Algorithmen tanzen lernen und der Hamburger Süden zum globalen Epizentrum einer Kunstform wird, die Mensch und Maschine auf faszinierende Weise vereint.

Wenn im kommenden Monat internationale Koryphäen der Computermusik von Boston und Shanghai nach Harburg pilgern, verwandelt sich der Binnenhafen in ein digitales Labor. Denn die ICMC (International Computer Music Conference) ist die weltweit bedeutendste Konferenz für Computermusik, findet seit über 50 Jahren statt und kommt dieses Jahr in den Süden Hamburgs.

Wer in diesen Tagen über die Brücken des Harburger Binnenhafens spaziert, spürt schon eine eigentümliche Elektrizität in der Luft. Dort, wo normalerweise rauer Industrie-Charme auf hanseatische Gelassenheit trifft, landet im Mai 2026 ein internationales Schwergewicht. Die ICMC, das weltweit bedeutendste Treffen für die Schnittstelle von Klang und Code, schlägt ihre Zelte südlich der Elbe auf.

Man muss sich das Ausmaß kurz vor Augen führen: In den vergangenen Jahrzehnten residierte diese Konferenz – die man getrost als „Weltmeisterschaft der Computermusik“ bezeichnen kann – in Metropolen wie Boston, Shanghai, Berlin oder Daegu. Dass sie nun in Harburg Station macht, gleicht der Landung eines hochmodernen UFOs inmitten historischer Backsteinspeicher. Plötzlich mischen sich unter die Pendler*innen am Bahnhof internationale Gäste aus aller Welt: Koryphäen der algorithmischen Komposition und Wissenschaftler*innen, die über die Zukunft der künstlichen Intelligenz in der Kunst debattieren.

„Harburg wird im kommenden Mai zu einem internationalen Hub für Musiker*innen, Wissenschaftler*innen und Interessierte“, heißt es in der Mitteilung der Organisator*innen – und wer dann erste Klanginstallationen schon zwischen den Gleisen des Harburger Bahnhofs hört, wird ahnen, dass dies keine Übertreibung ist.

Was ist eigentlich Computermusik?

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem sperrigen Begriff? Wer bei Computermusik nur an stumpfe Techno-Beats oder piepsende Gameboys denkt, greift zu kurz. Die ICMC 2026 widmet sich der hohen Kunst der Verschmelzung von Mensch und Maschine. Es geht um Musik, die ohne den digitalen Rechenprozess nicht denkbar wäre – aber dennoch tief emotionale und physische Erfahrungen ermöglicht.

Unter dem Motto „Innovation, Translation, Participation“ wird die Grenze zwischen Bühne und Publikum aufgelöst. Es geht um Instrumente, die allein durch Handbewegungen in der Luft klingen (wie das legendäre Theremin), um VR-Brillen, die uns in begehbare Klangwelten entführen, und um Algorithmen, die in Echtzeit auf die Impulse von Musiker*innen reagieren. Der künstlerische Leiter, Prof. Dr. Georg Hajdu, betont das Ziel dieser Reise: „Die ICMC soll nicht im Elfenbeinturm stattfinden, sondern die große Öffentlichkeit in die neuesten Entwicklungen in der Computermusik einbeziehen.“ Es ist also auch ein Einladungsschreiben an alle Neugierigen, die wissen wollen, wie die Welt von morgen klingt, wenn wir den Computer als Partner im kreativen Prozess begreifen.

Das Labor am Kai: Das Ligeti Zentrum

Dass die Weltelite der Computermusik nun hier zusammenkommt, ist kein Zufall – und doch fühlt es sich wie ein glücklicher Geniestreich der Stadtplanung an. Der Dreh- und Angelpunkt ist das Ligeti Zentrum, ein interdisziplinäres Laboratorium, das erst vor wenigen Jahren im Veritasspeicher des Harburger Binnenhafens seine Zelte aufgeschlagen hat. In den obersten Etagen, mit bestem Blick über den Hafen bis hin zur Elbphilharmonie, wird hier seitdem an neuen Ideen gefeilt.

Der Namensgeber György Ligeti, einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts und langjähriger Professor an der Hamburger Musikhochschule, war ein Visionär. Seine Musik – weltbekannt durch Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum – suchte stets nach dem technisch Machbaren. Dieser Geist lebt nun in Harburg weiter. Die Ansiedlung des Zentrums war ein strategischer Glücksfall: Es fungiert als Brücke zwischen der Technischen Universität Hamburg (TUHH) und der Hochschule für Musik und Theater (HfMT). Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Eppendorf  (UKE ) und der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) ist hier ein Kraftzentrum entstanden, das Technik nicht ohne Kunst denkt.

„Das Ligeti Zentrum ist ein Ort, an dem die Grenzen zwischen den Disziplinen schmelzen“, beschreibt das Team die Mission auf der Webseite.

Das Programm der Kontraste:

Den feierlichen Auftakt macht am So., 10. Mai 2026 um 19.30 Uhr die Elbphilharmonie (Platz der Deutschen Einheit 4). Im Kleinen Saal zeigt das renommierte Ensemble Resonanz, wie digitale Präzision auf die Wärme von Streichinstrumenten trifft. Das Programm reicht von Alexander Schuberts choreographierter Komposition Scanners bis hin zu Clarence Barlows Klassiker Im Januar am Nil.

Doch nach dem glitzernden Start wendet das digitale UFO über der Elbe und nimmt Kurs auf Harburg. Während die Fachwelt in der Friedrich-Ebert-Halle (Alter Postweg 34) und der TUHH tagt, wird die Hölertwiete (Fußgängerzone, 21073 Hamburg) zum lebendigen Festivalzentrum der Off-ICMC. Hier sickert die Musik förmlich in die Straßen ein.

Highlights zum Miterleben

Das Begleitprogramm macht die digitale Kunst nahbar. Hier eine Auswahl für den Terminkalender:

  • So., 10. bis 27. Mai, Kunstverein Harburger Bahnhof (Hannoversche Str. 85): Die Ausstellung Transition | Tension | Potential verwandelt den Übergang zwischen Gleis 3 und 4 in einen Kunstraum.
  • Di., 12. Mai, 19.30 Uhr, Kultur Palast Harburg (Rieckhoffstraße 12): Beim Science-Slam Strg+Alt+Musik präsentieren Forscher*innen ihre Arbeit kurzweilig und mit Tempo.
  • Mi., 13. Mai, 12 bis 14 Uhr: Ein spezieller Proben- und Konzertbesuch für Familien erlaubt exklusive Einblicke hinter die Kulissen.
  • Mi., 13. Mai, 19.30 Uhr, Stellwerk Hamburg (Hannoversche Straße 85): Der Kontrabassist Florentin Ginot zeigt seine audiovisuelle Performance Disturbance.
  • Do., 14. Mai, 16 Uhr, TUHH (Am Irrgarten 3-9): Robert Cole Rizzi lädt zum Klangspaziergang Die Kunst des Zuhörens ein.
  • Do., 14. Mai, 18 Uhr, Hölertwiete: Das Körperfunkkollektiv verwandelt die Fußgängerzone mit dem Radioballett Fragment in eine interaktive Tanzzone.
  • Do., 14. Mai, 19 Uhr, ehemaliges Karstadt-Gebäude (Herbert-und-Greta-Wehner-Platz): Internationale Kreative Film- & Medien-Highlights beleuchten die Leinwandkunst.
  • Fr., 15. Mai, 19.30 Uhr, Ligeti Zentrum (Veritakskai 1): Die experimentelle Lesung Harburg. Das Buch verwebt Texte von Bärbel Wegner mit Klängen von Clara Nebel.
  • Fr., 15. Mai, ab 18.30 Uhr, Soundbar (Hölertwiete): Drinks und Jam-Sessions unter dem Motto Sono, ergo sum.
  • Sa., 16. Mai, 22 Uhr, Stellwerk (im BHf. HH-Harburg, Hannoversche Str. 85): Die ICMC Closing Night lässt die internationale Woche mit elektronischen Live-Sets ausklingen.

Harburg wird im Mai mal wieder beweisen, dass es weit mehr ist als ein Industriestandort. Es ist der Ort, an dem die Zukunft der Musik programmiert wird. Wer neugierig ist, wie die Welt von morgen klingt, sollte den Sprung über die Elbe nun auch ins Digitale wagen.

Alle Informationen und das vollständige Programm finden Sie unter: icmc2026.ligeti-zentrum.de

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Jetzt seid ihr dran! https://www.tiefgang.net/jetzt-seid-ihr-dran/ Mon, 23 Mar 2026 09:54:15 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13542 [...]]]> Ein spitzer Stift im alten Gemäuer: Die Karikatur findet einmal im Jahr im Schloß Agathenburg, nahe Stade, ihr perfektes Zuhause. Dieses Jahr: „Jetzt seid ihr dran!“

Wenn der historische Glanz eines Barockschlosses auf den unbändigen Spott der Gegenwart trifft, dann ist wieder Zeit für den Deutschen Karikaturenpreis auf Schloss Agathenburg. Unweit von Harburg, mit eigener S-Bahn-Station, findet alljährlich ein Ereignis statt, das beweist, dass Satire nicht nur in verrauchten Kabaretts oder auf glänzenden Smartphone-Displays funktioniert, sondern gerade in der Ruhe eines Kulturdenkmals seine volle Wucht entfaltet. Die aktuelle Ausstellung unter dem Motto „Jetzt seid ihr dran!“ ist mehr als nur eine Werkschau – es ist ein seismographisches Protokoll unserer Gesellschaft, das uns mal zum Lachen bringt und uns im nächsten Moment das Grinsen im Halse stecken lässt.

Der Deutsche Karikaturenpreis, der bereits seit dem Jahr 2000 verliehen wird und heute zu den bedeutendsten Auszeichnungen für Grafiker*innen und Satiriker*innen im deutschsprachigen Raum gehört, hat in Agathenburg eine feste norddeutsche Heimat gefunden. Was einst als Initiative der Sächsischen Zeitung und der Rheinischen Post begann, strahlt heute weit über die Grenzen der Zeitungsredaktionen hinaus. Der begehrte „Geflügelte Bleistift“ in Gold, Silber und Bronze ist der Ritterschlag für jene Künstler*innen, die es schaffen, die Komplexität der Welt in einem einzigen Bild, einer einzigen Sprechblase zu bündeln.

Das diesjährige Thema „Jetzt seid ihr dran!“ könnte aktueller kaum sein. Es ist ein Ausruf, der in viele Richtungen hallt. Ist es der Aufruf der Alten an die Jungen? Der Vorwurf der jungen Generation an die Politik? Ist es der verzweifelte Ruf der Natur im Zeichen der Klimakatastrophe? Oder ist es die direkte Aufforderung an uns Besucher*innen, endlich aus der passiven Rolle des Beobachtens auszubrechen?

Die Karikaturist*innen der diesjährigen Auswahl nehmen kein Blatt vor den Mund. Sie bearbeiten den Klimawandel, die Digitalisierung und die absurden Auswüchse der Identitätspolitik mit einer Präzision, die manchmal wehtut, aber immer notwendig ist.

In den vergangenen Jahren hat die Ausstellung in Agathenburg bereits bewiesen, wie wandlungsfähig dieses Genre ist. Ob unter dem Motto „Lass mich in Frieden“, das die Sehnsucht nach Eskapismus in einer krisengeschüttelten Welt thematisierte, oder „Spass beiseite“, das den Ernst der Lage betonte – immer schaffte es die Kuratierung, den Zeitgeist einzufangen. Die Karikatur ist dabei weit mehr als nur ein „Witzbild“. Sie ist eine hochkonzentrierte Form der Kulturkritik. In Zeiten von Fake News und algorithmisch gefütterten Filterblasen wirkt die handgezeichnete, scharfsinnige Pointe wie ein reinigendes Gewitter. In Zeiten, in denen die Meinungsfreiheit weltweit unter Druck gerät, ist die Karikatur ein Bollwerk der Demokratie. Sie erinnert uns daran, dass wir über die Dinge lachen dürfen – und müssen –, um sie zu verarbeiten.

Besonders reizvoll an der Schau in Agathenburg ist die Atmosphäre. Während man durch die herrschaftlichen Räume wandelt, begegnen einem die Werke von Größen wie Til Mette, Kittihawk oder Greser & Lenz. Dieser Kontrast zwischen der Beständigkeit des Schlosses und der Flüchtigkeit der Tagespolitik erzeugt eine ganz eigene Spannung. Man ertappt sich dabei, wie man vor einer Zeichnung verweilt, schmunzelt und dann ins Grübeln gerät. Die Qualität der Arbeiten liegt oft im Detail – in einem versteckten Gesichtsausdruck oder einer winzigen Referenz am Bildrand, die erst beim zweiten Hinsehen ihre volle Ironie entfaltet.

Damit die Ausstellung kein stilles Museumserlebnis bleibt, haben die Macher*innen ein Rahmenprogramm gestrickt, das zum Diskurs einlädt. Neben den regulären Öffnungszeiten (Dienstag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr, Eintritt 6 Euro) gibt es Sonderveranstaltungen, die den Blick hinter die Kulissen erlauben. Ein Highlight sind die Kurator*innenführungen, bei denen man erfährt, nach welchen Kriterien die Jury aus den hunderten Einsendungen die Preisträger*innen ausgewählt hat. Wer selbst aktiv werden möchte, sollte nach den Workshop-Angeboten Ausschau halten, die oft parallel zu solchen Ausstellungen stattfinden und zeigen, wie man mit wenigen Strichen eine ganze Weltanschauung erschüttert.

Die Ausstellung „Jetzt seid ihr dran!“ läuft noch bis zum 3. Mai 2026. Wer also Lust auf eine ordentliche Portion Kopfkino und ein Pointengewitter hat, sollte den Weg nach Agathenburg antreten. Es ist eine Einladung, den Stachel der Satire zu spüren und gleichzeitig die Begeisterungsfähigkeit für die Kunst der Reduktion neu zu entdecken. Am Ende verlässt man das Schloss nicht nur mit einem Lächeln, sondern auch mit geschärften Sinnen für die Absurditäten unseres Alltags. Und genau das ist es, was gute Kulturarbeit leisten muss: Sie muss uns bewegen, auch wenn wir dabei nur vor einem Bild stehen.

Sondertermine und Begleitprogramm zur Ausstellung Jetzt seid ihr dran!

Freitag, 27. März 2026, 20 Uhr: Cartoon-Live-Show mit Hauck & Bauer
Die Sieger des Deutschen Karikaturenpreises in Gold präsentieren ihr Programm „Dafür haben sie Geld!“. Eine Mischung aus Lesung, Bildershow und Anekdoten.
Ort: Pferdestall / Einlass: 19.15 Uhr; Eintritt: 22,50 € (ermäßigt 5,50 €) – der Preis beinhaltet bereits den Eintritt zur Ausstellung. Tipp: Das Schloss und das Café haben an diesem Abend zur Feier des Tages bis 20 Uhr geöffnet.

Samstag, 2. Mai 2026, 16 Uhr: Finissage und Last Call für den Publikumsfavoriten Die feierliche Verabschiedung der Ausstellung mit der Bekanntgabe des Agathenburger Publikumspreises. Hier wird aufgelöst, welche Karikatur die Herzen der Besucher*innen im Norden am stärksten bewegt hat.

Öffnungszeiten (Dienstag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr, Eintritt 6 Euro) Die Ausstellung läuft bis zum 3. Mai 2026.

Stiftung Schloss Agathenburg | Hauptstraße 45 | 21684 Agathenburg | Telefon: 04141 64011 | E-Mail: info@schlossagathenburg.de | Webseite: www.schlossagathenburg.de

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Mehr als Pelz und Pfoten https://www.tiefgang.net/mehr-als-pelz-und-pfoten/ Wed, 04 Mar 2026 23:49:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13455 [...]]]> Wer an Märchen denkt, hat meistens Prinzessinnen, mutige Schneiderlein oder finstere Wälder im Kopf. Doch schauen wir mal genau hin: Wer rettet denn den Helden aus der Patsche? Wer flüstert denn der Müllerstochter die entscheidenden Worte zu? Es sind die Tiere. Und sie sind weit mehr als nur schmückendes Beiwerk. Am 12. März lädt das Buxtehude Museum zu einer Expedition in das tierische Unterholz der Erzählkunst ein – geleitet von einer echten Expertin.

Dr. Hanna Dose, die jahrelang das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum in Bad Oeynhausen leitete, bringt Licht ins Dunkel der Fabelwesen. Denn im Märchen ist nichts, wie es scheint. Ein Löwe ist hier selten einfach nur ein Raubtier, und ein Krokodil trägt vielleicht die Weisheit der Jahrhunderte in sich.

Tiere im Märchen sind Grenzgänger*innen. Sie sprechen, sie lieben, sie leiden und sie rächen sich. Oft sind sie verzauberte Menschen, die erst durch eine schier unlösbare Aufgabe zu ihrer wahren Gestalt zurückfinden. Diese enge, fast magische Verbindung zwischen Mensch und Tier ist ein radikaler Gegenentwurf zu unserer heutigen, oft rein rationalen oder über-emotionalisierten Sicht auf unsere Mitgeschöpfe.

Warum ist der Fuchs eigentlich schlau und der Wolf böse? Dr. Dose wird in ihrem Vortrag aufzeigen, dass diese Charakterisierungen oft mehr über uns Menschen verraten als über die Tiere selbst. Wir spiegeln unsere eigenen Ängste, Sehnsüchte und Moralvorstellungen in den stummen (oder eben sprechenden) Protagonisten. Die Tiere agieren als Helfer, Ratgeber oder eben als gefährliche Gegenspieler*innen, die uns an unsere Grenzen führen.

Der Abend ist eingebettet in die aktuelle Sonderausstellung „Läuft…! Hase und Igel im Wandel der Zeit“. Vor dem Vortrag, ab 18 Uhr, können die Besucher*innen exklusiv erkunden, warum gerade Buxtehude diese ganz besondere Aura als Märchenstadt genießt. Kuratorin Tanja Gissel gibt dabei spannende Einblicke in die Spurensuche rund um den berühmtesten Wettlauf der Welt.

Es ist diese Mischung aus wissenschaftlicher Tiefe und lokaler Leidenschaft, die den Abend so versprechend macht. Und wer danach noch nicht genug hat, kann am Büchertisch der Buchhandlung „Schwarz auf Weiß“ direkt Nachschub für die eigene Hausbibliothek sichern.

Ein Muss für alle, die wissen wollen, was uns Tiere heute noch zu sagen haben – und warum wir ohne ihre magische Hilfe im Märchenwald wohl ziemlich verloren wären.

auf einen Blick:

Die Veranstaltung findet am Do., 12. März 2026, um 19 Uhr im Buxtehude Museum statt. Für 7,00 Euro ist der exklusive Besuch der Sonderausstellung (ab 18 Uhr) bereits inklusive. Da die Plätze im Märchenkosmos begehrt sind, wird eine Anmeldung unter buchung@buxtehudemuseum.de oder telefonisch unter 04161 50797-0 empfohlen.

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Museale Inspiration und praktisches Tun https://www.tiefgang.net/museale-inspiration-und-praktisches-tun/ Wed, 25 Feb 2026 23:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13371 [...]]]> Manchmal braucht die Muse keinen Kuss, sondern einfach nur den richtigen Ort und ein wenig Handwerkszeug. Wer schon einmal durch die verwunschenen Gartenanlagen der Kunststätte Bossard in Jesteburg gewandelt ist, weiß: Dieser Ort ist ein Kunstwerk an sich.

Ab diesem Jahr wird dieser Atem kanalisiert. In einer neuen, engen Kooperation bündeln das Museum Kunststätte Bossard und die Kreisvolkshochschule Landkreis Harburg (KVHS) ihre Kompetenzen, um das lebenslange Lernen in der Region künstlerisch aufzuladen.

Es ist eine klassische Win-Win-Situation. Die KVHS bringt ihre Erfahrung in der Erwachsenenbildung und ein modernes, digitales Buchungssystem mit, während die Kunststätte Bossard die wohl inspirierendste Kulisse bietet, die man sich für einen Workshop vorstellen kann. „Zusammen mit dem Museum können wir unser Bildungsangebot regional und vielfältig gestalten,“ freut sich Gabriele Dilger, Fachbereichsleiterin bei der KVHS.

Das Besondere: Die Teilnehmenden sitzen nicht in sterilen Kursräumen. Sie haben freien Zugang zum Gesamtkunstwerk des Künstlerehepaares Bossard. Ob Malerei oder die filigrane Kunst des Buchbindens – die historischen Anknüpfungspunkte sind überall zu finden. Sophie Wellner, Referentin für Bildung und Vermittlung bei Bossard, betont den Mehrwert: Die Verbindung von musealer Inspiration und praktischem Tun erreicht ganz neue Zielgruppen.

Ein schöner Nebeneffekt der Zusammenarbeit ist die soziale Komponente. Durch die Bündelung der Ressourcen können die Kurse deutlich preiswerter angeboten werden als bisher. Kunst wird damit zugänglicher, die Schwellenangst sinkt. Die Anmeldung erfolgt unkompliziert über die Website der KVHS – ein Klick, und der Weg zum eigenen kreativen Projekt ist frei.

Ob für Anfänger*innen, die zum ersten Mal den Pinsel schwingen, oder Fortgeschrittene, die ihre Technik im Schatten expressionistischer Architektur verfeinern wollen: Die Kooperation macht deutlich, dass Bildung und Kultur in Harburg keine getrennten Silos sind, sondern ein lebendiger Organismus.

Wer selbst kreativ werden möchte, findet alle Termine und Details auf den Portalen der Partner. Es ist Zeit, die eigenen Talente aus dem Winterschlaf zu wecken.

Service-Informationen: Die Anmeldung für die Kreativ-Workshops ist ab sofort möglich. Detaillierte Kursbeschreibungen und Termine finden Interessierte auf den Websites www.bossard.de und www.kvhs-harburg.de.

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Der Hafen als nächtlicher Spielraum https://www.tiefgang.net/der-hafen-als-naechtlicher-spielraum/ Thu, 19 Feb 2026 10:28:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13352 [...]]]> Hamburgs öffentliche Räume werden bei Dunkelheit neu besetzt. ´Nightshift` ist ein Projekt, das dorthin geht, wo die Stadt eigentlich nie schläft.

Die Fähre 73 schneidet durch das dunkle Elbwasser, während die Lichter der Landungsbrücken im Rücken langsam verblassen. Das Ziel dieser Reise ist Wilhelmsburg, genauer gesagt der Reiherstiegdeich 55. Hier, auf dem weitläufigen Gelände der Containerfirma Unitainer, wird am 27. Feb. um 18 Uhr eine ganz besondere Schicht angetreten. Night Shifts nennt sich das ehrgeizige, achtteilige Jahresprogramm, das Hamburgs öffentliche Räume bei Dunkelheit neu besetzt. Es ist ein Projekt, das mutig dorthin geht, wo die Stadt eigentlich nie schläft, aber oft übersehen wird.

Das Kurator*innenteam um Rosanna Graf, Lisa Klosterkötter und Gesa Troch hat ein Konzept entworfen, das die Finsternis als produktive Chance begreift. Zum Auftakt begegnet uns die Malerei von Cecilie Norgaard. Ihre Arbeiten, die speziell für diesen industriellen Ort produziert wurden, bewegen sich virtuos zwischen der Banalität des Alltags und einer entrückten Realität. Norgaard greift die Symbole und Logiken der globalen Warenströme auf und übersetzt sie in einen künstlerischen Kosmos, der radikal mit unseren Sehgewohnheiten spielt. Wenn Alltagsgegenstände ihre Größe verändern und Realitäten sich verschieben, wirkt der funktionale Hafen plötzlich wie eine geheimnisvolle Bühne für das Unaussprechliche.

Drei Nachtwächterinnen führen das Publikum durch die Dämmerung und verwandeln bereits den Weg von der Ernst-August-Schleuse zum Werksgelände in eine performative Reise. Es ist dieser Mix aus Neugier und Begeisterungsfähigkeit, der das Programm so spannend macht. Night Shifts beleuchtet das komplexe Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Verborgensein. Während die Nacht in der Stadt oft mit Unsicherheit assoziiert wird, rücken die Künstler*innen hier die Schutz- und Spielräume für Selbstentfaltung, Visionen und sogar den Exzess in den Fokus.

Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, wird Teil einer Zirkulation, die weit über das rein Materielle hinausgeht. Es geht um die Rhythmen der Stadt, um das Spiel von Licht und Schatten und um die existenzielle Frage, wer wir im Dunkeln eigentlich sind. Gefördert durch den Elbkulturfonds der Behörde für Kultur und Medien sowie namhafte Stiftungen, verspricht dieses Projekt ein echtes Highlight des Hamburger Kulturjahres 2026 zu werden. Die Nacht ist jung, der Hafen wartet und bietet eine Perspektive auf die Stadt, die Besucher*innen so schnell nicht vergessen werden.

Ablauf und Anreise:

Der Abend beginnt um 18 Uhr direkt am Reiherstiegdeich. Für ein authentisches Erlebnis empfiehlt sich die Anreise mit der Fähre 73 ab Landungsbrücken (Abfahrt 17.30 Uhr). Von der Ernst-August-Schleuse führt eine der Nachtwächterinnen die Gruppe zum Ort des Geschehens. Da die Fähren im Hafen oft ihren eigenen Takt haben, lohnt sich ein frühzeitiges Erscheinen am Anleger für die Rückfahrt gegen 21.10 Uhr oder 21.50 Uhr. Weitere Informationen zu den kommenden sieben Stationen in Orten wie der City Nord oder St. Pauli finden Interessierte unter www.night-shifts.com.

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