Theater https://www.tiefgang.net Tue, 21 Jul 2026 14:53:25 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Mosaike der Perspektiven https://www.tiefgang.net/mosaike-der-perspektiven/ https://www.tiefgang.net/mosaike-der-perspektiven/#respond Tue, 14 Jul 2026 15:25:52 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14172 [...]]]> Wenn Hamburgs Kulturszene auf internationale Impulse trifft, entsteht weit mehr als nur ein künstlerischer Dialog. Mit dem Start des Stipendiat*innen-Jahrgangs 2026/2027 des Programms INTRO beweist die Hansestadt einmal mehr, wie gesellschaftliche Transformation und künstlerischer Widerstand durch geflüchtete Künstler*innen neue Formen finden. Auch Harburg ist dabei.

Das Programm, das seit 2019 erfolgreich internationale Talente fördert, die in ihren Herkunftsländern nicht mehr arbeiten können, geht nun in eine neue, besonders vielfältige Runde. Die Bedeutung dieses Austausches betonte auch Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, anlässlich des Starts: „Das INTRO-Programm ist ein wichtiges Signal für die Freiheit der Kunst und den Respekt vor der künstlerischen Arbeit. Es ermöglicht uns, von den Erfahrungen und Perspektiven der Stipendiatinnen und Stipendiaten zu lernen und unsere Stadt als einen Ort zu begreifen, der durch Vielfalt und Austausch stetig wächst.“

Die diesjährigen Tandems – bestehend aus den internationalen Künstler*innen und Hamburger Gastgebern – setzen kraftvolle Akzente. So arbeitet etwa Laila Mahmudi aus Afghanistan beim Harburger Verein „Alles wird schön“ in Heimfeld. Ihr Vorhaben ist ein berührendes Plädoyer für den nonverbalen Ausdruck: Sie nutzt Kunst als Form des Widerstands, der Heilung und sozialen Verbundenheit, um die persönlichen Geschichten afghanischer Frauen im Exil sichtbar zu machen. Der Abschluss ihrer Residenz wird eine Tanzperformance sein, die diese unsichtbaren Geschichten in den öffentlichen Raum trägt.

Neben der Zusammenarbeit in Heimfeld beleben weitere Tandems die Hamburger Quartiere:

  • Honigfabrik e. V. beherbergt den Syrer Khaldoun Shadoud, der in seinem Projekt „Pieces of Peace“ die sinnliche und kollektive Erfahrbarkeit von Frieden jenseits politischer Theorien erforscht.
  • Mut Theater / Interkulturell e. V. arbeitet mit Havin Funda Saç (Türkei/Kurdistan) zusammen, deren experimentelles Theater die Grenzen zwischen Deutsch, Türkisch und Kurdisch auflöst, um universelle menschliche Erfahrungen spürbar zu machen.
  • Verein Gängeviertel e. V. unterstützt Arsenii Kibenko aus Russland bei seinem „Memory-Mapping Lab“, in dem er persönliche Landkarten aus Erinnerungen und Erlebnissen erschafft.

Dass der Verein „Alles wird schön“ in Heimfeld in diesem Jahr als Gastgeber fungiert, ist ein Gewinn für den Bezirk Harburg. Der Verein, der sich durch sein Engagement für „ungewollte“ oder abseits akademischer Pfade agierende Künstler*innen einen Namen gemacht hat, bietet einen idealen Boden für Mahmudi. Hier, wo Kunst als gesellschaftlicher Kitt verstanden wird, wird der Stipendiat*innen-Aufenthalt zu einem lebendigen Gemeinschaftsprojekt.

Der Jahrgang 2026/2027 ist ein starkes Zeichen für ein Hamburg, das seine kulturelle Identität ständig durch den Dialog mit der Welt erweitert. Es sind diese Begegnungen in Stadtteilzentren wie in Heimfeld, die zeigen, dass Kultur nicht nur in zentralen Häusern stattfindet, sondern dort, wo sie den Menschen unmittelbar begegnet.


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Ein Sommer, ein Park https://www.tiefgang.net/ein-sommer-ein-park/ Thu, 18 Jun 2026 22:21:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14006 [...]]]> Wenn sich im Juli im Harburger Stadtpark plötzlich die ersten Takte eines Konzerts über die Außenmühle hallen, dann ist es wieder so weit: Der „Sommer im Park“ öffnet seine Tore. Vom 21. bis zum 26. Juli 2026 wird die historische Freilichtbühne zum kulturellen Epizentrum des Hamburger Südens.

Ob bei einem mitreißenden Konzert unter freiem Himmel, einer spannenden Natur-Rallye oder einfach beim Entspannen im Grünen – das Festival ist die Einladung an alle Generationen, die Stadt neu zu erleben. Mit einem bunten Mix aus lokalen Helden wie Lotto King Karl & die Barmbek Dreamboys (25.7., 20 Uhr) und innovativen Formaten setzt das Festival dieses Jahr neue Maßstäbe für ein lebendiges, solidarisches Miteinander.

Dass wir heute wieder so unbeschwert auf der Freilichtbühne feiern können, ist keineswegs selbstverständlich. Das Areal, das dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Nach den legendären „Ohne Knete keine Fete“-Zeiten, die Ende der 90er-Jahre die Massen anzogen, verfiel die Bühne in einen langen Dornröschenschlaf. Eine aufwendige Sanierung vor einigen Jahren löste das Problem zunächst nicht: Der Bühnenbau war zwar modern, doch sie blieb konzeptionell verwaist. Erst mit dem Neustart 2018 durch das Citymanagement, später Harburg Marketing e.V. – unterstützt von lokalen Kulturgrößen wie dem Stellwerk und Marias Ballroom – wurde die Bühne als „atmender Raum“ für die Stadtgesellschaft zurückerobert.

Das Programm: Mitmachen, Entdecken, Erleben

Das Festival 2026 setzt verstärkt auf Partizipation. Der Auftakt am Dienstag, den 21. Juli, steht ganz im Zeichen von „Theater & Comedy im Park“, moderiert von Jan Schröder. Bereits ab 15 Uhr sorgt die interaktive Show „Stiefel auf der Suche nach den Zirkusfarben“ für leuchtende Kinderaugen. Wer es etwas wilder mag, sollte sich die Punks von 3 Ananas und ne Mango (23.7., 17.30 Uhr) nicht entgehen lassen.

Die zweite Wochenhälfte wird musikalisch und aktiv: Am Freitag, den 24.07. um 16.15 Uhr, und Samstag, 25. Juli, 17.30 Uhr, bietet der Autor Günter Wincierz einen Geschichtsrundgang zu „100 Jahre Stadtpark“ an. Wer den Park lieber spielerisch erkundet, kann am Sonntag, 26. Juli zwischen 11 und 15 Uhr an der neuen Natur-Rallye des NABU teilnehmen. Für Freunde handgemachter Live-Musik ist der Freitag, der 24. Juli mit Lotto King Karl & die Barmbek Dreamboys um 20 Uhr ein Pflichttermin. Ebenso am Samstag, den 25. Juli, sind ab 19.30 Uhr The Volcanoes mit Soul-Musik sehr zu empfehlen. Den krönenden Abschluss bildet an dem Abend das „Glitter Gewitter“ (21.30 Uhr), das den Park in eine Tanzfläche verwandelt.

Um Kultur für alle zugänglich zu machen, setzt das Festival auch 2026 auf das bewährte „pay what you want“-Preismodell. Es basiert auf der Solidarität der Besucher*innen und ermöglicht so eine inklusive Teilhabe. Da das vollständige Angebot von Yoga-Kursen bis zu Malaktionen mit Stadtmaler Ralf Schwinge den Rahmen sprengt, lohnt sich ein Blick in den detaillierten Zeitplan: sommer-im-park-harburg.de

Ob man gezielt für ein Konzert kommt oder spontan bei den täglichen Angeboten wie Yoga (täglich ab 13 Uhr) vorbeischaut: Der Harburger Stadtpark ist in dieser Woche der Ort, an dem man sein muss.


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Das perfekte Gegenüber https://www.tiefgang.net/das-perfekte-gegenueber/ Tue, 03 Mar 2026 23:50:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13472 [...]]]> Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal mit einer KI geplaudert? Nicht über Excel-Formeln oder die schnellste Route zum Bahnhof, sondern darüber, ob du heute wirklich zu dieser Party gehen sollst oder wie du deinen miesen Tag sortiert kriegst?

Was vor wenigen Jahren noch wie ein abgefahrener Plot aus Hollywood klang, ist längst in unseren Hosentaschen gelandet. Wir teilen Intimes mit Algorithmen, lassen uns von ChatGPT trösten oder beraten. Die KI ist als menschliche Begleiter*in in unserem Alltag angekommen, oft ohne dass wir uns bewusst fragen: Wollen wir das eigentlich? Und was macht das mit uns?

Genau in diese emotionale Gemengelage stößt das Harburger Theater mit seinem neuen Stück „Ich bin dein Mensch“. Am 20. März feiert diese melancholische Komödie Premiere und stellt uns eine Frage, die unter die Haut geht: Kann ein Algorithmus uns wirklich glücklich machen?

Die Ausgangslage ist so absurd wie faszinierend: Die Altertumsforscherin Alma – herrlich unsentimental und so gar nicht der Typ für Rosenblätter-Romantik – nimmt an einer Studie teil. Ihr wird Tom „frei Haus“ geliefert. Tom ist kein Staubsaugerroboter, sondern ein humanoider Prototyp der Firma Terranaut. Sein einziger Daseinszweck? Alma glücklich zu machen.

Doch Tom startet mit einem Handicap: Er ist auf die Wünsche der deutschen Durchschnittsfrau programmiert. Und zu der gehört Alma beim besten Willen nicht. Seine ersten Versuche, sie mit Champagner und sanfter Musik zu erobern, prallen an ihrer wissenschaftlichen Nüchternheit ab wie Regen an einer Glasfassade.

Doch Tom lernt. Er passt seinen Algorithmus an, wird humorvoller, lockerer und vor allem: weniger offensichtlich in seiner Strategie. Er wird zu jemandem, der Alma gefällt. Und plötzlich stellt sich die Wissenschaftlerin die gefährlichste aller Fragen: Was kann daran falsch sein, glücklich zu sein?

Spiegelbild oder Seelenverwandtschaft?

Das Stück, das auf dem brillanten Drehbuch von Maria Schrader und Jan Schomburg basiert, ist weit mehr als eine Technikspielerei. Es ist eine Einladung, darüber nachzudenken, was Liebe eigentlich ist. Ist sie die Begegnung mit einem fremden Wesen, an dem wir uns reiben können? Oder ist die Liebe zu einem perfekt programmierten Roboter am Ende nur ein trostloses Selbstgespräch? Ein verzweifelter Versuch, der Einsamkeit zu entkommen, indem wir uns ein Gegenüber erschaffen, das uns nie widerspricht?

Die Inszenierung in der Bearbeitung von Esther Hattenbach verspricht, diese feinen Nuancen zwischen Sehnsucht und Melancholie herauszuarbeiten. Es geht um die Fragen, die uns alle umtreiben: Was macht den Menschen zum Menschen? Und reicht uns ein simuliertes Glück aus, wenn es sich echt anfühlt?

Wer nicht nur zuschauen, sondern verstehen will, wie man so eine komplexe Mensch-Maschine-Beziehung auf die Bühne bringt, sollte sich den 22. März rot im Kalender markieren. Um 13 Uhr lädt das Theater zur Matinee ein. Dort bekommt man spannende Einblicke in die Inszenierung und kann mit Oberspielleiter Georg Münzel ins Gespräch kommen. Der Eintritt ist frei und eine Voranmeldung ist nicht nötig. Ein perfekter Sonntagsausflug für alle Neugierigen und Begeisterungsfähigen unter euch.

auf einen Blick

„Ich bin Dein Mensch“ | Premiere: Freitag, 20. März 2026

Vorstellungen: täglich bis zum 27. März 2026 | Matinee: Sonntag, 22. März 2026, 13 Uhr

Harburger Theater, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg; www.harburger-theater.de

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Zwischen Normalität und Avataren https://www.tiefgang.net/zwischen-normalitaet-und-avataren/ Sun, 18 Jan 2026 15:48:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13131 [...]]]> Das Hamburger Kindertheater Treffen 2026 steht vor der Tür und bringt vom 20. bis 26. Februar eine Energie in die Stadt, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Unter dem Motto »Auf die Plätze!« zeigen die freien Kindertheater*innen, dass Bühne weit mehr sein kann als nur Märchenstunde. Es ist eine Werkschau des vergangenen Jahres, die so ziemlich alles abdeckt: von abenteuerlichen Geschichten bis hin zu utopischen Tanzperformances mit VR-Brillen.

Den Startschuss gibt das Theater Fata Morgana am 20. Februar im FUNDUS THEATER mit der Performance „Wie normal bist du denn?“. Ab 10 Jahren wird hier die Macht des Normalen hinterfragt – ein Thema, das in unserer heutigen Gesellschaft aktueller denn je ist. Wer es moderner mag, sollte sich „DANCE MACHINES“ von Regina Rossi am 24. Februar vormerken. Hier verschmelzen Gegenwart und Zukunft, wenn Menschen ab 11 Jahren mit speziellen VR-Brillen und Avataren in einen analog-virtuellen Raum eintauchen.

Das Festival ist ein Gemeinschaftsprojekt von ahap e.V. und kitsz e.V. und bespielt drei ganz unterschiedliche Orte: das FUNDUS THEATER, das HoheLuftschiff und das Flachsland – Hamburger Puppentheater. Jede Bühne hat ihren eigenen Charme, vom festen Haus bis zum Theaterschiff auf dem Wasser.

Theater für alle: Inklusion im Fokus

Besonders beeindruckend ist der diesjährige Fokus auf Barrierefreiheit. Dank zusätzlicher Förderung gibt es Angebote wie Audiodeskriptionen für Sehbeeinträchtigte, etwa bei „Nö. Ich. Zuerst.“ vom Theater am Strom am 21. Februar oder bei der Geschichte um den „Rollschuhdieb“ am 26. Februar. Auch für Menschen mit auditiven Einschränkungen wird mit „Die geheimnisvolle Kiste“ am 22. Februar gesorgt.

Die Bandbreite reicht dabei von den Allerkleinsten ab 2 Jahren bei „Wenn das Schaf nicht schläft“ bis hin zu Teenager*innen. Kultursenator Dr. Carsten Brosda betont in seinem Grußwort treffend, dass diese Stücke die Facetten unserer Gesellschaft spiegeln und Themen behandeln, die Groß und Klein gleichermaßen beschäftigen. Es geht um Gerechtigkeit mit Robin Hood, um die Kraft der Kreativität bei „Prinz Eile“ oder einfach um den Mut, jemanden zu trösten.

Das Programm im Überblick

Die Vorstellungen finden über die ganze Woche verteilt statt, wobei das Wochenende perfekt für Familienausflüge ist:

Am Freitag, den 20. Februar, startet das Festival um 18 Uhr im FUNDUS THEATER mit der Performance über Normalität. Der Samstag, 21. Februar, bietet im FUNDUS THEATER ein volles Programm: Los geht es um 11 Uhr mit „Pokko und die Trommel“, gefolgt von „Nö. Ich. Zuerst.“ um 14 Uhr und der musikalischen „Klabauter-Kapelle“ um 16 Uhr.

Der Sonntag, 22. Februar, beginnt um 11 Uhr mit „Triff Robin Hood!“ im FUNDUS THEATER, während um 14 Uhr „Prinz Eile“ übernimmt. Um 16 Uhr lädt das HoheLuftschiff zur „geheimnisvollen Kiste“ ein.

In der Woche geht es am Montag, 23. Februar, um 10 Uhr auf dem HoheLuftschiff mit dem „Super-Kräfte-Chaos“ weiter. Am Dienstag folgt zur gleichen Zeit die multimediale Bewegungserfahrung „DANCE MACHINES“ im FUNDUS THEATER. Der Mittwoch, 25. Februar, widmet sich um 10 Uhr auf dem HoheLuftschiff dem kleinen Schaf, das nicht schlafen kann. Den Abschluss macht der „Rollschuhdieb“ am Donnerstag, 26. Februar, um 10 Uhr im Flachsland.

Tickets und Kontakt: Die Preise variieren je nach Spielort zwischen 8,00 € und 9,00 € für Kinder sowie 10,00 € bis 12,00 € für Erwachsene. Gruppenpreise liegen meist bei 6,00 € bis 8,00 €.

Reservierungen sind direkt bei den Spielstätten möglich:

Alle weiteren Infos finden Interessierte unter www.hamburger-kindertheater.de.

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Eine Hommage an den Mut https://www.tiefgang.net/eine-hommage-an-den-mut/ Sat, 17 Jan 2026 15:24:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13126 [...]]]> Es gibt Momente in der Geschichte einer Stadt, in denen ein Funke überspringt, der weit über die Jahrzehnte hinaus leuchtet. Für Hamburg war ein solcher Moment das Jahr 1926, als Ida Dehmel die GEDOK ins Leben rief.

Heute, 100 Jahre später, blicken wir auf ein Jahrhundert geballter weiblicher Kreativität und politischer Durchsetzungskraft zurück. Die „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“, kurz Gedok, ist nicht weniger als das europaweit älteste und größte Netzwerk für Künstlerinnen aller Sparten. Und wo ließe sich dieses Jubiläum besser feiern als an seinem Geburtsort?

Ida Dehmel war eine Visionärin mit einem untrüglichen Gespür für Synergien. In einer Zeit, in der Frauen in der Kunstwelt oft noch als schmückendes Beiwerk oder bestenfalls als talentierte Dilettantinnen belächelt wurden, schuf sie eine Struktur, die Professionalität und Solidarität verband. Ihr Hamburger Wohnhaus wurde zum Epizentrum eines interdisziplinären Austauschs, der Musik, Literatur und Bildende Kunst zusammenführte. Es ging nie nur um Ästhetik, es ging um Existenzsicherung und Sichtbarkeit.

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) widmet diesem Jahrhundertprojekt nun die große Schau Künste, Frauen, Netzwerk. 100 Jahre GEDOK. Wer durch die Räume geht, spürt sofort die Energie, die von diesem Aufbruch ausging. Die Ausstellung ist weit mehr als eine historische Rückschau; sie ist eine Analyse von Machtstrukturen und der Kraft der Gemeinschaft. Besonders faszinierend ist, wie hier die Gründungsjahre in Hamburg lebendig werden. Namen wie Anita Rée oder die Textilkünstlerin Maria Brinckmann tauchen auf – Frauen, die das Gesicht der Hamburger Moderne prägten und in der GEDOK eine Heimat fanden.

Was man sich bei diesem Jubiläumsprogramm unbedingt merken sollte, ist die Vielschichtigkeit der Exponate. Es sind nicht nur Gemälde oder Skulpturen zu sehen, sondern auch Dokumente, die den zähen Kampf um Anerkennung belegen. Ein absolutes Highlight im MKG ist die Aufarbeitung der spartenübergreifenden Zusammenarbeit. Die GEDOK verstand sich von Anfang an als Brücke: Komponistinnen trafen auf Schriftstellerinnen, Fotografinnen auf Kunstgewerblerinnen. Diese Offenheit ist bis heute der Kern der Organisation.

Ein weiterer Programmpunkt, der aus der Masse heraussticht, ist die Veröffentlichung des Jubiläumsbuchs. Es ist kein klassischer Wälzer, der nur im Regal verstaubt, sondern ein lebendiges Zeugnis einer Bewegung, die sich auch durch die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte nicht gänzlich unterkriegen ließ. Die Texte beleuchten kritisch die Rolle der GEDOK während der NS-Zeit, die Vertreibung jüdischer Mitglieder – darunter auch die Gründerin Ida Dehmel selbst – und den mühsamen Wiederaufbau nach 1945. Diese Ehrlichkeit in der Aufarbeitung macht das Jubiläum erst wirklich würdig.

Hamburg feiert in diesem Jahr also nicht nur einen Verein, sondern eine Idee, die heute so aktuell ist wie eh und je. In Zeiten, in denen über Gender-Pay-Gap in der Kultur und die Repräsentanz von Frauen in großen Museen gestritten wird, wirkt das Vermächtnis von Ida Dehmel wie ein Kompass. Die GEDOK ist kein museales Relikt, sondern ein pulsierendes Netzwerk, das heute über 20 Regionalgruppen umfasst.

Wer sich für die Kulturpolitik der Hansestadt und die Rolle der Frau in der Kunst interessiert, kommt an dieser Jubiläumsschau nicht vorbei. Sie fordert uns heraus, neugierig zu bleiben und den Blick für jene Strukturen zu schärfen, die Kunst erst möglich machen. Die Ausstellung im MKG läuft als zentraler Ankerpunkt und bietet neben den visuellen Genüssen auch Raum für Diskussionen und Konzerte, die den Geist der Gründerzeit in die Gegenwart holen.

Es ist eine Hommage an den Mut, sich zusammenzuschließen, und eine Einladung, die künstlerische Qualität zu entdecken, die oft erst durch ein starkes Netzwerk im Rücken zur vollen Entfaltung kommen kann. 100 Jahre GEDOK – das ist ein verdammt guter Grund, in die Hamburger Kunstgeschichte einzutauchen und gleichzeitig die Weichen für die nächsten 100 Jahre zu stellen.

Künste, Frauen, Netzwerk. 100 Jahre GEDOK bis zum 30. August 2026 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) Steintorplatz, 20099 Hamburg Telefon: 040 428134880 www.mkg-hamburg.de

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Die Pianistin, der Flügel und die Hölle https://www.tiefgang.net/die-pianistin-der-fluegel-und-die-hoelle/ Fri, 12 Dec 2025 23:16:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13002 [...]]]> Manchmal ist ein Theaterabend kein Genuss, sondern eine Notwendigkeit. Im Januar 2026 bringt das Harburger Theater ein Stück auf die Bühne, das nicht nur unterhält, sondern regelrecht in die Seele zwingt: „Alice – Spiel um dein Leben“.

Es ist die Geschichte von Alice Herz-Sommer (1903 – 2014), der ältesten Holocaust-Überlebenden der Welt, und es ist ein Abend, der die ungeheure Frage stellt: Wie bewahrt man die Liebe zur Schönheit, wenn man vom Schrecken umzingelt ist?

Die Antwort findet sich in den 80 Tasten eines Klaviers. Das musikalische Ein-Personen-Stück von Autorin Kim Langner ist ein wahres Feuerwerk an Emotion und Recherche. Es ist der Versuch, das Unfassbare greifbar zu machen: Alice Herz-Sommers Zeit im Ghetto Theresienstadt. Dort, wo Tausende auf engstem Raum starben, gab die jüdische Pianistin Konzerte – über 100 sollen es gewesen sein. Mit ihrem sechsjährigen Sohn an der Seite, kämpfte sie mit jeder gespielten Note gegen die Verzweiflung, gegen die Verbitterung.

Genau diese Diskrepanz ist das elektrisierende Zentrum des Stücks: die himmlische Schönheit von Bach oder Chopin im Angesicht der Hölle. Kann Musik tatsächlich vor dem seelischen Zusammenbruch schützen?

Die Darstellerin, Natalie O’Hara (Produktion zusammen mit Michael Hildebrandt), die von François Camus inszeniert wird und von Matthias Stötzel musikalisch geleitet wird, hat sich tief in diesen Stoff gegraben. Zwei Jahre Recherche, Reisen nach Prag, Theresienstadt und Tel Aviv, Gespräche mit Alices Familie und Schüler*innen – das ist keine oberflächliche Nacherzählung, sondern ein zutiefst persönliches Unterfangen.

Ein-Personen-Stück mit Sogwirkung

Das Format des Ein-Personen-Stücks ist dabei genial gewählt. Es bündelt die ganze Kraft der Biografie, des Klavierkonzerts und des Schauspiels in einer einzigen Darstellerin. Natalie O’Hara muss die ganze Bandbreite von Alices unerschütterlichem Optimismus bis hin zu den Grauen des Ghettos tragen. Eine schauspielerische Herausforderung, die die Wucht des Erlebten direkt ins Publikum transportiert.

Wie gut ihr das gelingt, zeigt eine hochkarätige Anerkennung: Natalie O’Hara war für ihre Leistung bereits für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2023 in der Kategorie Darsteller*in Schauspiel nominiert. Wer ausgezeichnet wird, weiß, wie man aus einer wahren Geschichte ein emotionales Theatererlebnis formt, das nachhaltig bewegt.

Das Stück feiert seine Premiere in Harburg im Januar und wird insgesamt fünfmal aufgeführt: Am Freitag, den 9. Januar, und Samstag, den 10. Januar, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am darauffolgenden Wochenende am Donnerstag, den 15. Januar, und Freitag, den 16. Januar, ebenfalls um 19.30 Uhr. Ein besonderer Termin ist der Sonntag, 11. Januar, um 15.00 Uhr, dem um 13.00 Uhr eine kostenlose Matinee vorausgeht.

Wer also im Januar in Harburg ins Theater geht, bekommt nicht nur ein Stück Zeitgeschichte präsentiert. Man begegnet der tief bewegenden Frage, was Menschlichkeit, Liebe und vor allem Musik in den dunkelsten Stunden des 20. Jahrhunderts zu leisten vermögen. Ein intensiver und wichtiger Abend, der nicht nur die Ohren öffnet, sondern auch das Herz.

Harburger Theater | Museumsplatz 2 | 21073 Hamburg | www.harburger-theater.de

Kartenreservierung: 040 376 394 65

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Harburg wird zum Gerichtssaal der Erinnerung https://www.tiefgang.net/harburg-wird-zum-gerichtssaal-der-erinnerung/ Fri, 17 Oct 2025 22:58:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12694 [...]]]> In Zeiten, in denen rechtsextreme Netzwerke erneut mit erschreckender Energie um sich greifen, ist die Kultur gefordert, sich zu positionieren. Sie muss mehr sein als nur schöne Fassade. Sie muss laut sein, fordernd, und die Leerstellen der Geschichte mit Wahrhaftigkeit füllen.

Am 6. November wird das im Herzen Hamburgs – genauer gesagt in Harburg – geschehen. Im Rahmen der Harburger Gedenkwochen im November 2025 holt der Harburger Integrationsrat zusammen mit weiteren Partnern wie der Interreligiöse Dialog in Harburg, Harburger Muslime, Omas gegen Rechts Hamburg-Süd das erfolgreiche Theaterstück „NSU-Monologe“ nach Harburg. Die Aufführung der „NSU-Monologe“ der Bühne für Menschenrechte ist nicht einfach nur Theater. Es ist eine hochpolitische Notwendigkeit. Das Stück zieht die Zuschauer*innen direkt hinein in einen der dunkelsten Komplexe der deutschen Nachkriegsgeschichte: den Terror des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und das erschütternde, langjährige Versagen staatlicher Institutionen.

Das Trauma, das nicht enden darf

Zur Erinnerung: Zwischen 2000 und 2007 ermordete die rechtsextreme Terrorzelle, bestehend aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, zehn Menschen – neun Gewerbetreibende mit türkischem, kurdischem oder griechischem Migrationshintergrund sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter.

Das eigentliche, zutiefst verstörende Trauma liegt jedoch im „zweiten Schock“: Über Jahre hinweg ermittelten die Behörden in die völlig falsche Richtung. Statt rechtsextreme Täter*innen ins Visier zu nehmen, wurde das Umfeld der Opfer kriminalisiert. Familien sahen sich plötzlich im Zentrum verdächtiger Nachfragen, ihre Trauer wurde mit Misstrauen beantwortet. Sie mussten das rassistisch motivierte Morden ihrer Angehörigen und die behördliche Demütigung gleichzeitig ertragen.

Der 2018 abgeschlossene, jahrelange NSU-Prozess in München führte zwar zur Verurteilung von Beate Zschäpe und Helfer*innen, ließ aber viele drängende Fragen unbeantwortet: Wer wusste Bescheid? Wie tief reichen die Verstrickungen in die Sicherheitsbehörden? Und warum konnte dieser Terror so lange unentdeckt – und scheinbar unwidersprochen – stattfinden?

Die Bühne als Archiv der Wut und Würde

Genau hier setzt das Konzept der „NSU-Monologe“ an, das so energisch wie notwendig ist. Das Stück basiert auf wortgetreuen Dokumenten und Zeugenaussagen, die in enger Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Opfer entstanden sind. Die Bühne für Menschenrechte verzichtet auf fiktive Elemente; sie ist ein neutraler Raum, ein Archiv der Wahrhaftigkeit.

Im Mittelpunkt stehen die Geschichten von Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat. Es sind die Stimmen der Überlebenden, die nach Jahren des Schweigens und der Anschuldigungen endlich Gehör finden. Sie erzählen von ihrem Kampf um die Rehabilitierung ihrer ermordeten Söhne und Väter, von ihrer unerschütterlichen Willensstärke, die Umbenennung von Straßen zu fordern, und von ihrem Mut, sich öffentlich gegen die von Behörden verbreitete „Döner-Mord“-Lüge zu stellen.

Das Format des Monologs ist dabei so schlicht wie genial: Es gibt den Opfern ihre Individualität und ihre Würde zurück, die ihnen durch rassistische Vorurteile und institutionelles Versagen genommen wurde. Es reißt die Perspektive vom rechten Terror-Trio weg und lenkt den neugierigen und kritischen Blick der Zuschauer*innen auf diejenigen, die zurückblieben und gegen das Vergessen kämpfen mussten. Die monologische Dichte erzeugt einen Sog von Empathie und Wut zugleich, der unter die Haut kriecht.

Dieses Theaterstück ist eine Einladung an uns alle, die Lektion des NSU-Terrors endlich anzunehmen: Es gibt keine Entschuldigung für das Wegsehen, und der Kampf um eine antirassistische und demokratische Gesellschaft ist noch lange nicht gewonnen. Die „NSU-Monologe“ sind somit kein Stück über die Vergangenheit, sondern eine hochaktuelle, drängende Intervention für die Gegenwart.

Die Aufführung der „NSU-Monologe“ in Harburg wird von einer Podiumsdiskussion oder einem Publikumsgespräch begleitet, um die sozialen und politischen Konsequenzen des NSU-Komplexes tiefgehend zu erörtern.

Do., 6. Nov., 18.30 Uhr: NSU-Monologe

Feuervogel – Bürgerzentrum Phönix | Maretstraße 50 | 21073 Hamburg | Eintritt frei!

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Ein Abend voller Leidenschaft und Intrigen https://www.tiefgang.net/ein-abend-voller-leidenschaft-und-intrigen/ Fri, 08 Aug 2025 22:31:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12230 [...]]]> Ein lauschiger Sommerabend, eine idyllische Kulisse und eine Geschichte voller Tratsch und Intrigen erwartet die Besucher*innen im August im Freilichttheater auf der Kunststätte Bossard.

Die Deutsche Schauspiel-Vereinigung von 1913 e.V. gastiert erneut in Jesteburg und bringt mit Carlo Goldonis Komödie „Krach in Chiozza“ einen Hauch italienisches Lebensgefühl in die historischen Gebäude.

Die Kunststätte Bossard ist ein einzigartiger Ort, an dem sich Architektur, Bildhauerei, Gartenkunst und Malerei zu einem Gesamtkunstwerk verbinden. Geschaffen von dem Künstlerehepaar Johann Michael und Jutta Bossard, ist dieses Ensemble von beeindruckenden Gebäuden und einem verwunschenen Garten der perfekte Schauplatz für ein Theaterstück unter freiem Himmel. Inmitten dieser historischen Atmosphäre, umgeben von kunstvollen Skulpturen und der Ruhe der Natur, entfaltet sich die Geschichte von „Krach in Chiozza“ auf ganz besondere Weise.

Das Stück entführt uns in das kleine Fischerdorf Chiozza, wo die Frauen sich die Zeit mit Klatschen und Intrigen vertreiben, während ihre Männer auf See sind. Als ein Taugenichts auf die verlobte Lucietta trifft, gerät das Dorfleben aus den Fugen. Die Heimkehr der Fischer heizt die Gemüter nur noch weiter an, als sie sich unwissentlich in die Ränkespiele ihrer Partnerinnen verstricken lassen. Ein köstlicher Spaß, inszeniert von Regisseur Remco Berents, der mit spritzigen Dialogen und viel Charme das italienische Temperament auf die Bühne bringt.

Die Deutsche Schauspiel-Vereinigung Hamburg e. V. wurde bereits 1913 gegründet und ist eine feste Größe in der Hamburger Kulturlandschaft. Die Darsteller*innen, die neben ihrem Engagement auf der Bühne den unterschiedlichsten Berufen nachgehen, bespielen das Theater an der Marschnerstraße in Hamburg-Barmbek-Süd mit fünf verschiedenen Produktionen pro Jahr. Ihre Gastspiele auf der Kunststätte Bossard sind eine wunderbare Möglichkeit, die beeindruckende Leistung dieser engagierten Laienschauspieler*innen in einem ganz besonderen Ambiente zu erleben.

Hinweis: Bei kurzen Schlechtwetterphasen wird das Stück unterbrochen.

Deutsche Schauspiel-Vereinigung Hamburg e.V. spielt „Krach in Chiozza“

Sa./So., 16. /17. August jeweils 18.30 Uhr | Eintritt: 20 Euro (Abendkasse oder im Vorverkauf)

Museum Kunststätte Bossard, Bossardweg 100, 21266 Jesteburg

Karten können direkt an der Abendkasse oder dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr an der Museumskasse erworben oder unter der Telefonnummer 04183/5112 oder per E-Mail an info@bossard.de reserviert werden.

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Endlich mal Langfristigkeit bedacht! https://www.tiefgang.net/endlich-mal-langfristigkeit-bedacht/ Fri, 27 Jun 2025 22:03:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12053 [...]]]>

Die Freie Szene Hamburgs lebt von Experimentierfreude und unermüdlichem Engagement. Doch oft hängen große Ideen kurzweiliger Projektförderung, die Planungssicherheit Mangelware bleiben lässt. Nun ein Neustart.

Denn damit ist nun Schluss – zumindest für ausgewählte Kollektive: Die Behörde für Kultur und Medien schafft mit dem Doppelhaushalt 2025/26 eine wegweisende mehrjährige Kontinuitätsförderung und eröffnet damit neue Horizonte für die Freien Darstellenden Künste in Hamburg.

Das Ziel dieser neuen Fördersäule ist klar umrissen und ambitioniert: Etablierten Künstler*innen und Gruppen soll die notwendige Planungssicherheit geboten werden, um kontinuierliche und künstlerisch anspruchsvolle Arbeitsprozesse zu realisieren. Aber nicht nur das: Es geht auch darum, diesen Gruppen eine bessere Präsentation vor einem nationalen und internationalen Publikum zu ermöglichen. Die bestehenden Arbeitsstrukturen in der Freien Szene sollen gestärkt und ausgebaut werden, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, bringt die Bedeutung dieser Neuerung auf den Punkt: „Mit der Kontinuitätsförderung haben wir ein neues Förderinstrument geschaffen, das etablierten Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit gibt, ihre Projekte und Ideen auch langfristig zu planen und zu realisieren.“ Er betont weiter, dass dies „notwendige Freiräume für die kreative Arbeit“ schaffe und „auch die Umsetzung von größeren Projekten mit überregionaler Strahlkraft“ ermögliche. Ein wichtiger Schritt weg vom reinen Projekt-Denken hin zu einer strategischen Stärkung der Szene. Die Förderung, mit 100.000 Euro pro Spielzeit über drei Spielzeiten (insgesamt 300.000 Euro pro Kollektiv), wird alle drei Jahre neu ausgeschrieben – ein verlässlicher Rhythmus für Planung und Entwicklung.

Ein unabhängiges, spartenübergreifendes Fachgremium hat nun die ersten drei Kollektive ausgewählt, die von dieser wegweisenden Förderung profitieren werden. Und die Auswahl spiegelt die Vielfalt und den Innovationsgeist der Hamburger Freien Szene wider:

  • MEINE DAMEN UND HERREN: MORE THAN A FEELING (Arbeitstitel), PerformanceDas Kollektiv „Meine Damen und Herren“ ist bekannt für seine mutige und reflektierte Arbeitsweise als inklusives Ensemble. Sie hinterfragen kontinuierlich ihre eigenen Strukturen und entwickeln kollektive Arbeitsformen auf Augenhöhe. In ihrem neuen dreijährigen Projekt „More than a feeling“ werden sie gemeinsam mit Expert*innen Emotionen als gesellschaftlich relevante Erfahrungen erforschen und dabei die Frage stellen, wie Gefühle Zugänge zu politischen Fragen eröffnen können – künstlerisch, zwischenmenschlich und vor allem barrierearm. Ein Projekt, das nicht nur Kunst schafft, sondern auch gesellschaftliche Debatten anstößt.
  • REGINA ROSSI: OUT OF THE BOX, Tanz für junges PublikumDie Choreographin Regina Rossi geht mit ihrem Projekt „OUT OF THE BOX“ direkt in die Quartiere. Mit einem mobilen Dance-Container startet sie ein dreijähriges Community-Dance-Projekt, das Kinder und Jugendliche in Hamburger Schulen, Stadtteilen und sogar in ländlichen Räumen mit professionellen Künstler*innen unterschiedlicher Generationen über die Kunstform Tanz zusammenbringt. Eine wunderbare Initiative, die Tanz als Brücke nutzt, um junge Menschen zu erreichen und ihnen neue Ausdrucksformen zu ermöglichen.
  • BENJAMIN VAN BEBBER: [in]operabilities – Viele Werden, MusiktheaterBenjamin van Bebber und sein Team haben sich im deutschsprachigen Musiktheater eine herausragende Position im Bereich Inklusion erarbeitet. Mit „[in]operabilities – Viele Werden“ werden sie in den kommenden drei Jahren ihr breites Netzwerk nutzen, um insbesondere die Bereiche Publikum, Orchester und Chor in den Fokus zu nehmen. Ziel ist es, die vielsinnlichen Wahrnehmungszugänge im Musiktheater weiter zu erforschen und zu erweitern. Ein Projekt, das zeigt, wie Musiktheater für alle erlebbar und zugänglich gemacht werden kann.

Die Einführung der Kontinuitätsförderung ist ein klares Bekenntnis der Stadt Hamburg zu ihrer Freien Darstellenden Szene. Senator Brosda betont: „Gleichzeitig profitiert die gesamte Szene durch die damit verbundene Festigung von Arbeitsstrukturen und den Ausbau von Netzwerken.“ Die drei geförderten Projekte sind gute Beispiele dafür, wie Kunst aus unterschiedlichen Blickwinkeln wirkt und für ein vielfältiges Publikum erlebbar gemacht wird. Ein echter Meilenstein, der Hamburgs Ruf als lebendige und zukunftsweisende Kulturmetropole weiter festigt und Künstler*innen die Freiheit gibt, ihre Visionen mit der nötigen Ruhe und Sicherheit zu entwickeln.

 

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Münchhausens Abenteuer erobern den Norden https://www.tiefgang.net/muenchhausens-abenteuer-erobern-den-norden/ Fri, 30 May 2025 22:32:13 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11871 [...]]]>

Die freie Theatergruppe DIE DELIKATEN, bekannt für ihre fantasievollen Inszenierungen, entführt das Publikum im Norden diesen Sommer in die Welt des Barons von Münchhausen.

In ihrem neuen Stück „Baron Münchhausen auf weiter Flur“ erwecken sie die haarsträubenden Lügengeschichten des berühmten Barons zum Leben – und das unter freiem Himmel.

Wer kennt ihn nicht, den Baron von Münchhausen? Keiner vermag so unglaubliche Geschichten mit solch ehrlicher Miene zu erzählen wie er. Doch wie genau kommt er in die Hansestadt Stade? Fliegt er auf einer Kanonenkugel an? Zieht er sich gar selbst am Schopf aus dem Sumpf? Taucht er mit einem Walfisch aus der Schwinge auf? Oder kommt er gar direkt vom Mond oder gar der Hölle? Diesen Fragen und noch viel mehr Unglaublichem und Ungeheuerlichem widmen sich DIE DELIKATEN auf der Museumsinsel in Stade.

„Theater unter freiem Himmel“ – so beschreibt die Gruppe ihre Inszenierung selbst. Das Publikum erwartet ein Picknicktheater für die ganze Familie, das interaktive Spielszenen beinhaltet. Dabei werden sowohl Kinder als auch Erwachsene so in das Geschehen einbezogen, dass es ohne sie kaum denkbar wäre. Die eigens von den Musikern komponierten Stücke laden zum Mitsingen und Mittanzen ein und versprechen ein lebhaftes Theatererlebnis.

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Inszenierung gefällig? Münchhausen selbst stellt sich dem Publikum vor: „Darf ich mich vorstellen. Ihr habt sicherlich schon von mir gehört. Ich bin der rastlose Held, der gefürchtete Kavalier mit geistreichem Charme…“ Doch Luise unterbricht ihn: „Es reicht Hieronymus!“. Und auch Leo Läufer mahnt zur Kürze: „Herr Baron, in der Kürze liegt die Würze!“. Woraufhin Münchhausen sich kurz und knapp fasst: „Ach ja, kurz: Hieronymus Carl Freiherr von Münchhausen“.

Die Aufführung dauert etwas mehr als eine Stunde und kommt auch ohne Pause aus.

Ein talentiertes Ensemble erweckt die Figuren zum Leben: Ben Soyka schlüpft in die Rolle des Barons Münchhausen, Oscar Diaz spielt Alfonso, Michaela Lisa Soyka verkörpert Luise, Liudmyla Vasylieva ist Katarina, Ralf Bettinger gibt Leo Läufer, Jurij Kandelja ist Kleinbeethoven, Gudrun Wunderlich spielt Luna und Viola Livera ist Sofia.

Für Buch und Regie zeichnet Viola Livera verantwortlich, die Produktionsassistenz übernimmt Gudrun Wunderlich.

DIE DELIKATEN sind „Das Theater im Norden“. Wer mehr über die Gruppe und ihre Arbeit erfahren möchte, findet auf ihrer Webseite weitere Informationen: https://diedelikaten.de

Die wichtigsten Termine im Überblick:

  • Samstag, 28.06., 15:00 Uhr, Stadtpark Winterhude, Heckengarten hinter der Parkvilla, Otto-Wels-Straße 6a, 22303 Hamburg-Nord

  • Sonntag, 29.06., 15:00 Uhr, Theaterwiese Isebekpark, Kaiser-Friedrich-Ufer 8, 20253 Hamburg-Eimsbüttel

  • Freitag, 04.07., 19:15 Uhr, Lange Nacht in Stade, Museumsinsel, b.d. Insel 1, 21680 Stade

  • Samstag, 05.07., 15:00 Uhr, Jenischpark, Theaterwiese Alte Eiche, Baron-Voght-Straße 50, 22609 Hamburg-Altona

  • Sonntag, 06.07., 15:00 Uhr, Freilichtbühne Harburger Stadtpark, Marmstorfer Weg, 21077 Hamburg-Harburg

 

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