Wissen – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 13 Jan 2026 10:48:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Entschleunigung am Spinnrad https://www.tiefgang.net/13106-2/ Wed, 14 Jan 2026 10:40:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13106 [...]]]> Wer an ein Krankenhausfoyer denkt, hat meistens sterile Emsigkeit, das leise Quietschen von Gummirollen und eine gewisse Anspannung vor Augen. Doch am 25. Januar wird alles anders.

Das Museum im Marstall bricht aus seinen historischen Mauern aus und bringt eine ordentliche Portion norddeutsche Seele direkt dorthin, wo man sie am wenigsten erwartet: in das Krankenhaus Winsen.

Von 14 bis 16 Uhr wird das Warten zur Nebensache. Unter dem Titel „Kulturpause“ verwandelt sich das Foyer in eine lebendige Aktionsfläche für traditionelle Handwerkstechniken. Es ist die zweite von insgesamt sechs geplanten Begegnungen zwischen Kultur und Medizin, gefördert durch die GiRoWi-Stiftung und den Förderverein des Krankenhauses.

Ehrenamtliche der Spinngruppe und der Museumsweberei zeigen, was passiert, wenn Handwerk auf Leidenschaft trifft. Wo heute sterile Textilien den Alltag bestimmen, wurde früher aus Flachs mühsam Leinen gewonnen. Es ist eine Rückbesinnung auf eine Zeit, in der das Spinnen nicht nur Arbeit war, sondern das soziale Schmiermittel der Region – ein Ort für Austausch, Gespräche und Gemeinschaft.

Besucher*innen können den Weber*innen über die Schulter schauen oder beobachten, wie an den Spinnrädern aus loser Wolle ein fester Faden entsteht. Es geht dabei um mehr als nur Nostalgie. Es geht um Digital Literacy des Analogen: Wie entsteht eigentlich das, was wir auf der Haut tragen?

Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich an alle – Patient*innen, Mitarbeiter*innen, Angehörige und neugierige Winsener*innen, die Lust auf einen Plausch jenseits des Krankenbett-Alltags haben. Informationstafeln ergänzen die Vorführungen, während die Ehrenamtlichen bereitstehen, um jede Fachfrage mit Herzblut zu beantworten.

Kultur als Brücke

Dass ein Museum seine Schätze in ein Krankenhaus trägt, ist ein starkes Zeichen für eine Stadtgesellschaft, die zusammenrückt. Es zeigt, dass Kultur überall dort hingehört, wo Menschen sind. Wer also Lust auf eine kleine Flucht aus dem Alltag hat oder einfach nur wissen will, wie ein historischer Webrahmen funktioniert, sollte diesen Sonntagnachmittag im Marstall-Stil im Kalender markieren.

Sonntag, 25. Januar, 14 bis 16 Uhr: Vorführung traditioneller Handwerkstechniken (Spinnen & Weben)

Foyer des Krankenhauses Winsen, Friedrich-Lichtenauer-Straße 22, 21423 Winsen (Luhe) | www.museum-im-marstall.de

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Denkmal für den „Winsener Anzeiger“ https://www.tiefgang.net/denkmal-fuer-den-winsener-anzeiger/ Fri, 02 Jan 2026 12:09:28 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13055 [...]]]> Cognac am Schreibtisch, rauchende Köpfe in der Setzerei und ein Rollenbild, das heute mindestens für hochgezogene Augenbrauen sorgt: Willkommen in den 1970er Jahren. Willkommen in Störenbek. Doch wer genau hinsieht, erkennt hinter dem fiktiven Namen der Kultserie „Lokalseite unten links“ ein sehr reales Gesicht: Winsen (Luhe).

Das Museum im Marstall lädt am So., 11. Januar zur mittlerweile traditionellen Serienschau und beweist einmal mehr, dass Geschichte nicht immer staubig sein muss – manchmal flimmert sie auch charmant über die Leinwand.

Die Serie, die einst ein Millionenpublikum vor die Bildschirme lockte, ist für Winsen weit mehr als nur Unterhaltung. Sie ist ein konserviertes Stück Stadtgeschichte. Die Szenen, die in der Druckerei der Lokalzeitung spielen, wurden in den damaligen Räumen des Winsener Anzeigers gedreht. Wer die Folgen heute sieht, blickt direkt in das Maschinenraum-Herz der Stadt, wie es vor fast 50 Jahren schlug.

Es ist dieser hohe Grad an Erinnerungskultur, der den Filmnachmittag so wertvoll macht. Wenn die Protagonist*innen mit dem Auto durch die Marktstraße brausen, sieht man im Hintergrund Stadtansichten, die längst aus dem Stadtbild verschwunden sind. Es ist eine visuelle Archäologie des Alltags.

Gezeigt werden diesmal zwei besondere Leckerbissen: Die allererste Folge mit dem vielsagenden Titel „Alarm“ und die Folge 37, „Besuch von Drüben“. Dabei geht es nicht nur um Nostalgie für jene, die damals schon dabei waren. Auch für Jüngere bietet die Vorführung einen faszinierenden, manchmal amüsierten Blick auf den Lebensstil einer Ära, die uns heute seltsam fremd und doch vertraut erscheint.

Ob die ehemalige Kaserne, die Winsener Geschäfte oder die weiten Szenen am Deich – „Lokalseite unten links“ fängt das Lebensgefühl der Elbmarsch ein, wie es kaum ein anderes Dokument vermag.

Da die Plätze im historischen Marstall begehrt sind und die Serienschau regelmäßig für ein volles Haus sorgt, ist der Vorverkauf an der Museumskasse mehr als nur eine Empfehlung – er ist fast schon Pflicht für alle, die sich diesen nostalgischen Trip nicht entgehen lassen wollen.

Sonntag, 11. Januar, 14.30 Uhr: Historischer Filmabend „Lokalseite unten links“ (Folgen: „Alarm“ & „Besuch von Drüben“), Museum im Marstall, Schlossplatz 11, 21423 Winsen (Luhe)

Eintritt: 6 Euro für Erwachsene (Kinder bis 18 Jahre und Vereinsmitglieder frei)

Info: www.museum-im-marstall.de

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Bau ist nicht gleich Bau https://www.tiefgang.net/bau-ist-nicht-gleich/ Fri, 19 Dec 2025 23:26:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13044 [...]]]> Es erscheint Jahr für Jahr und wird nicht langweilig. Eben deswegen nicht. Das Jahrbuch der Hamburger Architektur.

Da liegt es nun, ein echtes Schwergewicht für den Nachttisch und den Kopf. Am 8. Dezember 2025 ist es im Junius Verlag gelandet: Architektur in Hamburg, das Jahrbuch 2025/26. Für 48 Euro bekommt man 216 Seiten geballte Baukultur, brillant bebildert und scharfzüngig analysiert. Es ist die Art von Buch, die man aufschlägt, wenn man wissen will, wie Hamburg wirklich tickt – jenseits der Hochglanzprospekte der Projektentwickler*innen.

Die Herausgeber Claas Gefroi und Ullrich Schwarz haben mal wieder ganze Arbeit geleistet. Gefroi, der als Referent der Architektenkammer und Architekturkritiker genau weiß, wo der Putz bröckelt, und der erfahrene Dr. Ullrich Schwarz führen uns durch ein Panorama, das von der Elbe bis in die City Nord reicht. Das aktuelle Porträt widmet sich dem Büro LRW Architekten, während der historische Blick den Architekten und scharfzüngigen Kritiker Hermann Funke ehrt. Ein toller Kontrast, der zeigt, dass Hamburgs Baukultur schon immer von klugen Köpfen und kritischen Geistern begleitet wurde.

Besonders spannend für alle, die nach frischem Wind suchen: In der Rubrik Positionen junger Büros stellt das Team die Arbeiten von KOSMO vor. Das macht Hoffnung, denn neben den großen Mammutprojekten braucht die Stadt genau diese neugierige, unverbrauchte Perspektive.

Das Jahrbuch legt den Finger genau in die Wunde, die auch das Opernprojekt von Klaus-Michael Kühne aufreißt. Die Kritik am Westfield Hamburg Überseequartier im Buch liest sich wie ein prophetisches Echo auf die Bedenken gegenüber der neuen Oper am Baakenhöft. Wenn im Jahrbuch konstatiert wird, dass das Überseequartier eher dem Markt als den Menschen dient, stellt das für uns alle die Frage: Vergeben wir mit der neuen Oper eine historische Chance?

Das Hamburger Feuilleton im Buch geht genau hier in die Tiefe. Es verknüpft Hafenentwicklung mit Stadtplanung und fragt nach dem Stand der Wettbewerbskultur. Ist ein Geschenk wie das von Kühne, das mit einem fertigen Architekturentwurf von BIG daherkommt, überhaupt noch ein echter Wettbewerb? Oder opfern wir die städtebauliche Heterogenität, die das Jahrbuch so wortstark verteidigt, dem Prestige eines einzelnen Mäzens?

Auch ohnedies geht ein Beitrag von Matthias Gretzschel um das Thema, dass es immer seltener offene Wettbewerbe in Hamburgs Architekturbranche zu vermelden gibt. Auch wenn es teils aufwendiger sein mag, so ist doch auch spürbar, dass es aktuell an Ideen, ganz anderen Sicht- und folglich Bauweisen mangelt. Dass der Süden Hamburgs gar nicht erst im Buch vertreten ist, es aber auch schon Bauten außerhalb Hamburgs bedarf, um ungewöhnliche Architekturen zu besprechen, mag ein und dieselbe Medaille darstellen, die hoffnungsweise an Glanz nicht verlieren wird.

Aber das Buch feiert eben auch die kleinen Siege der Baukunst. Es führt uns zur Parabel, dem neuen Kunstzentrum in der ehemaligen Nikodemuskirche – ein genialer Schachzug von WRS Architekten. Wir entdecken das Fischerhaus in Blankenese und die Scheune am Jenischpark, die zeigen, wie behutsam und liebevoll Denkmalschutz sein kann. Und wer hätte gedacht, dass eine Erweiterung der Bibliothek an der HfbK oder der Eingangspavillon der Energiewerke so viel ästhetische Kraft entfalten können? Sogar der Gigant aus der City Nord, das Signal Iduna Haus Kap5 (wegen des Kapstadtrings, an dem der Bau liegt), bekommt seinen Platz.

Das Jahrbuch 2025/26 ist ein Weckruf an alle Hamburger*innen. Es erinnert uns daran, dass wir die Gestaltung unserer Stadt nicht allein dem Markt überlassen dürfen. Wir brauchen eine Architektur, die Geschichten erzählt und die Geschichte des Ortes respektiert – so wie es das Projekt in Kirchwerder vormacht. Wenn wir über die neue Oper diskutieren, sollten wir dieses Buch als Kompass nutzen. Es ist eine Einladung, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und den Mut zu haben, auch von einem milliardenschweren Geschenk mehr zu verlangen als nur eine hübsch begrünte Fassade. Es geht um unsere Identität, und die ist unbezahlbar.

Architektur in HamburgJahrbuch 2025/26, 216 S., ISBN 978-3-96060-599-7; Preis: 48,00 €

www.junius-verlag.de

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Die Pianistin, der Flügel und die Hölle https://www.tiefgang.net/die-pianistin-der-fluegel-und-die-hoelle/ Fri, 12 Dec 2025 23:16:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13002 [...]]]> Manchmal ist ein Theaterabend kein Genuss, sondern eine Notwendigkeit. Im Januar 2026 bringt das Harburger Theater ein Stück auf die Bühne, das nicht nur unterhält, sondern regelrecht in die Seele zwingt: „Alice – Spiel um dein Leben“.

Es ist die Geschichte von Alice Herz-Sommer (1903 – 2014), der ältesten Holocaust-Überlebenden der Welt, und es ist ein Abend, der die ungeheure Frage stellt: Wie bewahrt man die Liebe zur Schönheit, wenn man vom Schrecken umzingelt ist?

Die Antwort findet sich in den 80 Tasten eines Klaviers. Das musikalische Ein-Personen-Stück von Autorin Kim Langner ist ein wahres Feuerwerk an Emotion und Recherche. Es ist der Versuch, das Unfassbare greifbar zu machen: Alice Herz-Sommers Zeit im Ghetto Theresienstadt. Dort, wo Tausende auf engstem Raum starben, gab die jüdische Pianistin Konzerte – über 100 sollen es gewesen sein. Mit ihrem sechsjährigen Sohn an der Seite, kämpfte sie mit jeder gespielten Note gegen die Verzweiflung, gegen die Verbitterung.

Genau diese Diskrepanz ist das elektrisierende Zentrum des Stücks: die himmlische Schönheit von Bach oder Chopin im Angesicht der Hölle. Kann Musik tatsächlich vor dem seelischen Zusammenbruch schützen?

Die Darstellerin, Natalie O’Hara (Produktion zusammen mit Michael Hildebrandt), die von François Camus inszeniert wird und von Matthias Stötzel musikalisch geleitet wird, hat sich tief in diesen Stoff gegraben. Zwei Jahre Recherche, Reisen nach Prag, Theresienstadt und Tel Aviv, Gespräche mit Alices Familie und Schüler*innen – das ist keine oberflächliche Nacherzählung, sondern ein zutiefst persönliches Unterfangen.

Ein-Personen-Stück mit Sogwirkung

Das Format des Ein-Personen-Stücks ist dabei genial gewählt. Es bündelt die ganze Kraft der Biografie, des Klavierkonzerts und des Schauspiels in einer einzigen Darstellerin. Natalie O’Hara muss die ganze Bandbreite von Alices unerschütterlichem Optimismus bis hin zu den Grauen des Ghettos tragen. Eine schauspielerische Herausforderung, die die Wucht des Erlebten direkt ins Publikum transportiert.

Wie gut ihr das gelingt, zeigt eine hochkarätige Anerkennung: Natalie O’Hara war für ihre Leistung bereits für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2023 in der Kategorie Darsteller*in Schauspiel nominiert. Wer ausgezeichnet wird, weiß, wie man aus einer wahren Geschichte ein emotionales Theatererlebnis formt, das nachhaltig bewegt.

Das Stück feiert seine Premiere in Harburg im Januar und wird insgesamt fünfmal aufgeführt: Am Freitag, den 9. Januar, und Samstag, den 10. Januar, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am darauffolgenden Wochenende am Donnerstag, den 15. Januar, und Freitag, den 16. Januar, ebenfalls um 19.30 Uhr. Ein besonderer Termin ist der Sonntag, 11. Januar, um 15.00 Uhr, dem um 13.00 Uhr eine kostenlose Matinee vorausgeht.

Wer also im Januar in Harburg ins Theater geht, bekommt nicht nur ein Stück Zeitgeschichte präsentiert. Man begegnet der tief bewegenden Frage, was Menschlichkeit, Liebe und vor allem Musik in den dunkelsten Stunden des 20. Jahrhunderts zu leisten vermögen. Ein intensiver und wichtiger Abend, der nicht nur die Ohren öffnet, sondern auch das Herz.

Harburger Theater | Museumsplatz 2 | 21073 Hamburg | www.harburger-theater.de

Kartenreservierung: 040 376 394 65

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Unterrichtsfach ´Straßennamen` https://www.tiefgang.net/unterrichtsfach-strassennamen/ Fri, 05 Dec 2025 23:28:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12976 [...]]]> Die Debatte um Hamburgs koloniale Straßennamen ist festgefahren, laut und meistens auf der Straße oder in politischen Gremien zu Hause. Nicht aber im Unterricht.

Denn was passiert, wenn die Diskussion nicht im Rathaus, sondern direkt am Schul-Rechner beginnt? Die Stadt zieht die Auseinandersetzung nun mitten in den Unterricht – und holt sich dafür Expertise aus dem Hamburger Süden.

Mit „Museana“ startet ein digitales Bildungsangebot, das Lehrkräften multimediale, fundierte Materialien an die Hand gibt. Es ist ein Versuch, die Vergangenheit nicht nur zu beleuchten, sondern sie aktiv in die Gegenwart zu zerren.

Es geht um große, komplexe Fragen: Die Rolle der Hamburger Kauffamilien, der globale Kolonialismus, Widerstand und die heikle Frage, wie wir heute mit öffentlichen Erinnerungsorten umgehen. Dafür hat sich die Kulturbehörde mit starken Partnern zusammengetan. Neben dem Freilichtmuseum am Kiekeberg ist es das Archäologische Museum Hamburg – jenes Haus mit Sitz in Harburg, das normalerweise die tiefen Wurzeln der norddeutschen Geschichte erforscht. Die wissenschaftliche Begleitung wiederum lag bei Dr. Tania Mancheno von der Universität Hamburg. Diese Beteiligung ist ein klares Statement: Die Auseinandersetzung mit dem globalen Erbe endet nicht an der Elbbrücke, sondern ist zentrale Aufgabe der gesamten Stadtkultur.

Im Kern des neuen Moduls steht die Aufforderung an die Schüler*innen, selbst aktiv zu werden: Sie sollen Biografien kolonialer Akteure und Widerstandsfiguren recherchieren, Quellen sichten und die Umbenennung von Straßen kritisch diskutieren. Geschichte wird hier nicht konsumiert, sondern erarbeitet.

Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda spricht von einer „gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“. Doch es ist Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, der Direktor des Archäologischen Museums, der den entscheidenden Punkt hervorhebt: Die vielschichtigen, digitalen Anwendungsformen verschaffen dem Thema eine neue Relevanz in der jungen Zielgruppe. Und Dr. Tania Mancheno ergäntt: „Die Unterrichtsmaterialien über den deutschen und europäischen Kolonialismus, die bei Museana verfügbar sind, fördern ein kritisches Denken bei Lehrenden und Schüler*innen, indem sie die Bedeutung der Kolonialgeschichte durch Bezüge auf die Gegenwart erklären, illustrieren und diskutieren.

Genau das ist die Stärke dieses Projekts: Es liefert nicht nur Fakten, sondern den „lebensweltnahen Lernzugang“. Wo herkömmlicher Geschichtsunterricht oft abstrakt bleibt, knüpft Museana direkt an das Umfeld der Jugendlichen an. Plötzlich geht es nicht um ferne Länder, sondern um die Namen von Straßen, an denen man täglich vorbeiläuft. Die Vergangenheit wird persönlich, die Debatte wird konkret.

Diese digitale Offensive in der politischen Bildung ist längst überfällig. Sie liefert den Lehrkräften aller Schulformen das Rüstzeug, um die Diskussionen um Kolonialismus und heutigen Rassismus nicht nur zuzulassen, sondern zu lenken. Harburgs Museum hat sich damit nicht nur in die digitale Welt katapultiert, sondern auch mitten in die wichtigsten gesellschaftlichen Gespräche unserer Stadt. Die Choreografie der Zukunft beginnt eben auch hier – am Rechner, mit einem Klick auf die Spuren der Vergangenheit.

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Musikunterricht adieu! https://www.tiefgang.net/musikunterricht-adieu/ Fri, 28 Nov 2025 23:08:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12920 [...]]]> Die Zahl ist ein Schock: Mindestens 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland drohen in den kommenden Jahren ihren Platz in der Musikschule zu verlieren. Diese dramatische Prognose ist das greifbare Ergebnis der sogenannten „MiKADO-Musik“-Studie.

Das kommt einem stillen Erdbeben in den Fundamenten der Kultur gleich: „Mangel an Nachwuchs im Künstlerisch-Pädagogischen Bereich an Ausbildungsinstituten in Deutschland und Österreich“, lautet die Prognose der Studie, die nun vom Deutschen Musikrat in Berlin vorgestellt wurde. Was sich hier auftut, ist keine Krise der Nachfrage, sondern eine des Angebots, eine existenzielle Bedrohung für die musikalische Breitenbildung.

Die MiKADO-Studie liefert erstmals eine breit empirisch abgesicherte Datenbasis, die das Problem unbarmherzig quantifiziert. Bis zum Jahr 2035 müssen in Deutschland Stellen bzw. Stellenanteile neu besetzt werden, die derzeit von rund 14.700 Musikschullehrer*innen ausgefüllt werden. Demgegenüber stehen lediglich rund 4.000 erwartete Absolvent*innen künstlerisch-pädagogischer Bachelor- und Masterstudiengänge.

Selbst unter günstigsten Annahmen können damit rund 73% der freien Stellen nicht mit entsprechend qualifizierten Nachwuchskräften besetzt werden. Die Ursachen für dieses Ungleichgewicht sind tief in den Strukturen des Kulturbetriebs verwurzelt und reichen weit über die bloße Demografie hinaus. Die Studienergebnisse zeigen exemplarisch den Abwärtstrend: Die Zahl der weiblichen Studienanfänger*innen im künstlerisch-pädagogischen Bereich etwa sank von über 600 im Jahr 2010 auf nur noch rund 350 im Jahr 2022.

Die zentrale Erkenntnis der Studie ist, dass es sich hier nicht nur um einen Mangel an Talent, sondern um ein massives Attraktivitätsproblem des Berufs handelt. Der Beruf der Musikschullehrer*in leidet unter einem doppelten Malus: schlechte strukturelle Bedingungen und ein tief verwurzeltes Imageproblem.

Einerseits beklagen die Befragten die häufig unzureichende Vergütung, unsichere Verträge und die hohe Arbeitsbelastung, die das widersprüchliche Berufsbild prägen. Viele lieben ihre Arbeit als Pädagog*innen – und ringen gleichzeitig mit den Bedingungen, unter denen sie stattfindet.

Andererseits enthüllt die Studie ein erschreckendes Hierarchieproblem in der Ausbildung: Der künstlerisch-pädagogische Studiengang (Instrumental-/Gesangspädagogik, IGP) wird oft als zweite Wahl wahrgenommen. Eine zitierte Teilstudie bringt das zynische Credo auf den Punkt: „Die Besten, die wirklich was können, studieren künstlerisch, die nicht so gut sind, studieren dann halt IP [Instrumentalpädagogik]“. Wenn die Musikpädagogik als „Plan B“ oder gar als „Verschwendung von Potenzial“ abgewertet wird, ist es kaum verwunderlich, dass junge, glühend motivierte Künstler*innen lieber ihr Glück in anderen, wenn auch unsicheren, aber prestigeträchtigeren Berufsfeldern suchen.

Die Studierenden, so ein weiteres Ergebnis, können ihre künstlerischen Fähigkeiten in anderen Berufen oft besser einbringen. Diese Abwanderung der kreativen Talente zugunsten von Selbstverwirklichung und besserer Bezahlung ist das stille Geständnis eines Scheiterns der aktuellen Förder- und Vergütungssysteme.

Die absehbare Katastrophe

Dabei kommt die MiKADO-Diagnose nicht aus heiterem Himmel. Die Ergebnisse bestätigen vielmehr „zahlreiche Erfahrungen der Musikschulen“ in den Landesverbänden, wie aus Nordrhein-Westfalen gemeldet wird. Die Probleme um prekäre Honorarverträge, das fehlende Image und die mangelnde Wertschätzung sind seit Jahren bekannt und in Fachkreisen diskutiert.

Die Studie liefert nun lediglich die harte empirische Währung für eine Entwicklung, die Musikpädagog*innen und Musikschulleitungen lange kommen sahen. Die Zeit des Zauderns ist damit vorbei. Die Präsidentin des Deutschen Musikrats, Prof. Lydia Grün, betonte bei der Vorstellung der Ergebnisse: „Die Ergebnisse der ‚MiKADO-Musik‘-Studie sind ein deutlicher Weckruf! […] Wir brauchen jetzt eine breite Allianz aus politischen Entscheidungsträger*innen und Ausbildungsinstitutionen. […] Die Zeit drängt.“

Die Forderung nach einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Sicherung der außerschulischen musikalischen Bildung ist die konsequente Antwort auf die Krise. Wenn das Musikland Deutschland nicht riskieren will, dass eine halbe Million Schüler*innen den Zugang zu einer prägenden kulturellen Erfahrung verliert, muss es die Strukturen jetzt neu denken – von der Wertschätzung des Studienfachs an der Hochschule bis hin zum fairen Gehalt für Musikschullehrer*innen in der Praxis. Andernfalls droht das schöne Spiel vom musikalischen Nachwuchs in Deutschland bald verstummt zu sein.

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Harburg zum Entdecken und Verschenken https://www.tiefgang.net/harburg-zum-entdecken-und-verschenken/ Fri, 24 Oct 2025 22:08:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12746 [...]]]> Autorin Bärbel Wegner präsentierte diese Woche in der Harburger Bücherhalle ihr neuestes Werk: „Harburg. Das Buch.“ Kein trockenes Geschichtsbuch sondern Leidenschaft zum Leben südlich der Elbe.

Das Buch ist ein Muss für alle, die das Gefühl lieben, durch die eigene Stadt zu streifen und hinter jeder Ecke eine neue Geschichte zu entdecken. Die Autorin Bärbel „Bascha“ Wegner, die selbst im Landkreis Harburg lebt und tief in der lokalen Materie verwurzelt ist, schreibt unter anderem für die Harburger Eisenbahnbaugenossenschaft und hat nun zusammen mit dem gebürtigen Harburger Fotografen Steven Haberland ein echtes Entdeckerbuch geschaffen. Der Tenor ist dabei klar: „Vielfalt und Kontraste liegen in der Stadt und dem Bezirk südlich der Elbe eng beieinander.“

Und das spürt man auf jeder Seite! Das Buch ist kein pflichtschuldiges Abbild mit dem typischerweise gezeigten Rathaus oder der Alten Elbbrücke. Ausgerechnet die findet man hier nicht. Wohl aber eine energische Einladung zum Schlendern und Entdecken. Und mit absolut ästethischen Fotos von Steven Haberland. Es führt zu den Anfängen im Binnenhafen, zeigt uns, wie Harburg wohnt und speist, und wirft einen intimen Blick auf die Menschen und ihre Netzwerke, die diesen Ort bunt und lebenswert machen. Hier geht es um Kultur und Natur, um Orte für Kinder und Orte des Wissens, um die vielfältigen Projekte und Initiativen in der Region Süderelbe.

Und die Gliederungen sind gelungen: Wir tauchen ein in das „Engagierte Harburg“, sehen das pulsierende „Junge Harburg“ und genießen das „Gastliche Harburg“. Die Reise führt weiter zum „Kulturellen Harburg“, dem „Klugen Harburg“, dem „Grünen Harburg“ und endet beim „Gebauten Harburg“.

Der Satz „Adressiert ist dieses Buch an alle, die ebenfalls neugierig sind auf die Vielfalt Harburgs“ fasst es im Grunde zusammen. Es ist ein erzählerisches Zeitdokument, das nicht vollständig sein will, sondern ehrlich, ästhetisch hochwertig und menschlich.

Ein ideales Geschenk

Gerade jetzt, mit Blick auf die kommenden Feiertage, ist „Harburg. Das Buch“ ein guter Griff. Es ist das ideale Geschenk zur Weihnachtszeit für alle Harburg-Liebhaber*innen und vor allem für Neuzugezogene, die sich schnell und emotional in ihrer neuen Heimat verwurzeln wollen.

Bärbel Wegner: Harburg. Das Buch. Stadt, Kultur und Natur, Junius Verlag, ISBN 978-3-96060-594-2, Preis 24,90 €

Erhältlich ist dieses Schmuckstück unter anderem in der Buchhandlung am Sand oder in Neugraben – unterstützen Sie den lokalen Buchhandel!

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China und die Moderne https://www.tiefgang.net/china-und-die-moderne/ Fri, 19 Sep 2025 22:40:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12504 [...]]]> Als China Anfang des letzten Jahrhunderts für die Moderne stand, war es nicht nur eine neue Weltoffenheit sondern auch klares Marketing. Eine Ausstellung im Museum am Rothenbaum gibt nun neue Einblicke. 

Was, wenn ein unscheinbares Werbeplakat mehr verrät als eine Geschichtsstunde? Wenn es nicht nur für ein Produkt wirbt, sondern den Aufbruch einer ganzen Epoche im Bild festhält? Das Museum am Rothenbaum (MARKK) lädt uns ein, in genau diese Momente einzutauchen: Eine Zeit, in der das Kaiserreich fiel und revolutionäre Drucktechnologien das Bild Chinas für immer veränderten. Die Ausstellung „Druckfrisch aus den Zwanzigern“ öffnet ein faszinierendes Fenster in eine Welt, die von glitzernden Werbebildern, politischer Propaganda und der Entstehung einer neuen Identität geprägt war.

Chinas neue Frau: Glamour und Emanzipation im Druck

Wir sehen sie auf dem Ausstellungsplakat: Zwei junge Frauen in eleganten Qipao-Kleidern, die sich lächelnd in einem ehemaligen kaiserlichen Park unterhalten. Sie sind das visuelle Symbol für den Wandel, der sich in den Metropolen wie Shanghai vollzog. Die „neue Frau“ betrat die Öffentlichkeit, sie trat in Bildung und Beruf ein und wurde zur Projektionsfläche politischer Debatten über Emanzipation und Nation. Aber dieses Bild hatte einen doppelten Boden. Ursprünglich war es ein Werbeplakat des deutschen Chemiekonzerns I.G. Farben, produziert von einem chinesischen Studio. Die Ausstellung entblättert diese komplexen Zusammenhänge und zeigt, wie Bilder, Mode und Konsumkultur die Gesellschaft prägten und wie sogar Theaterstars zu den Influencer*innen ihrer Zeit avancierten. Die Schau verdeutlicht, dass die moderne Druckkultur nicht nur eine Flut an Nachrichten, sondern auch eine neue Art von Massenmedien schuf, die das Lebensgefühl einer ganzen Generation veränderte.

Konsum als patriotische Pflicht

Ausstellungsansicht „Druckfrisch aus den Zwanzigern. Einblicke in Chinas Moderne“

Ein besonders spannender Aspekt ist die Verknüpfung von Konsum und Patriotismus. Die „Nationale Produktbewegung“ rief die Bevölkerung auf, heimische Produkte zu kaufen, um eine starke Nation aufzubauen und den Import ausländischer Waren zu begrenzen. Diese Ausstellung macht sichtbar, wie die neu entstandene Werbeindustrie diese patriotische Botschaft geschickt verbreitete. Die Sammlung des MARKK, die den Großteil der Exponate stellt, ist dabei selbst ein historisches Zeugnis: Sie entstand in einer einzigartigen deutsch-chinesischen Forschungskooperation zwischen 1927 und 1932. Die Kuratorin Ricarda Brosch bezeichnet die Ausstellung als ein „faszinierendes Kapitel transkontinentaler Museumsgeschichte.“

Begleitprogramm und Praktisches:

Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, hat dazu bei verschiedenen Veranstaltungen die Möglichkeit. Das Begleitprogramm lädt ein, die Ausstellung zu erleben und mehr über die Hintergründe zu erfahren.

  • Werkstattgespräch: Am Donnerstag, den 25. September um 19 Uhr, findet ein Werkstattgespräch mit den Kurator*innen Ricarda Brosch und Bernd Spyra und dem Ausstellungsdesigner Weng Xinyu statt. Sie geben Einblicke in den Entstehungsprozess der Ausstellung und die besonderen Herausforderungen.
  • Stick-Workshop: Ein offener Workshop mit Anke Sievers am Donnerstag, 13. November um 18 Uhr, lädt dazu ein, mit Nadel und Faden Motive des MARKK auf Textilien zu verewigen.
  • Vortrag: Am Mittwoch, 10. Dezember um 18 Uhr, hält die Kunsthistorikerin Clarissa von Spee einen Vortrag über die Darstellung von Frauen in der chinesischen Malerei und Druckgrafik.

Führungen:

  • Kurator*innenführungen: Am Samstag, 20. September um 12 Uhr, Sonntag, 21. September um 14 Uhr, und Donnerstag, 23. Oktober um 18 Uhr.
  • Englische Führungen: „HOT OFF THE PRESS“ am Samstag, 20. September um 14 Uhr, und Samstag, 4. Oktober um 14 Uhr.
  • Elternzeit-Führung: Eine kulturelle Auszeit für Eltern und ihre Babys gibt es am Mittwoch, 1. Oktober von 10 bis 11 Uhr.

Ausstellung „Druckfrisch aus den Zwanzigern

Museum am Rothenbaum (MARKK), Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg; 19. September 2025 bis 12. Juli 2026

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr, Donnerstag: 10 bis 21 Uhr. Montags ist das Museum geschlossen. Eintritt: Regulär 9,50 €, ermäßigt 5,00 €

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Gegen die stille Gewalt https://www.tiefgang.net/gegen-die-stille-gewalt/ Fri, 12 Sep 2025 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12403 [...]]]> Die Stadtbibliothek Buxtehude lädt zu einer Lesung, die mehr ist als eine bloße Buchvorstellung: Am 23. September um 19 Uhr präsentiert die Rechtsanwältin und Autorin Asha Hedayati ihr Werk „Die stille Gewalt“.

Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche literarische Veranstaltung wirkt, ist in Wahrheit die Ankündigung einer schonungslosen Analyse – und ein Aufruf, nicht länger wegzusehen.

Hedayati beschäftigt sich in ihrem Buch mit einem Thema, das für den Leser und die Leserin oftmals nur eine abstrakte Statistik ist: Jede vierte Frau erlebt in ihrer Partnerschaft Gewalt. Die Autorin, die seit fast einem Jahrzehnt als Familienrechtsanwältin tätig ist, gibt Zahlen aber eine Stimme und ein Bild. Und sie legt eine scharfe Kritik an den Tag und zeigt, wie der Staat die betroffenen Frauen nicht nur unzureichend schützt, sondern in seinen eigenen Strukturen Teil des Problems wird.

Partnerschaftsgewalt ist, wie Hedayati es nennt, ein „blinder Fleck“ bei Familiengerichten, der Polizei und den Jugendämtern. „Strukturelle Probleme“, will heißen: es handelt sich nicht um Einzelfälle von Inkompetenz, sondern um tief verankerte, systemische Schwachstellen, die den Opfern den Weg aus der Gewalt unnötig erschweren. Es ist diese Praxisnähe, die Hedayati als Anwältin mitbringt, die ihr Werk so dringlich macht. Sie schreibt nicht aus einer theoretischen Distanz, sondern aus der konkreten Erfahrung, dem Leid der Frauen, die sie vertritt.

Asha Hedayati, die 1984 in Teheran geboren wurde und an der Humboldt-Universität Rechtswissenschaften studierte, nutzt ihre Expertise, um Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen. Ihre Arbeit ist ein wichtiger Beitrag zur juristischen und gesellschaftlichen Aufklärung.

Die klare, analytische Stimme der Autorin findet auch in der Fachwelt Anklang. Die Journalistin Teresa Bücker lobt die entschiedene und präzise Beschreibung bei Hedayati, die Literaturwissenschaftlerin Asal Dardan die „klare, hellsichtige und bestärkende Stimme“ des Buches. Es sind diese Merkmale, die das Werk zu einer unverzichtbaren Lektüre für alle machen, die die gesellschaftliche Dimension häuslicher Gewalt verstehen und verändern möchten.

Die Lesung in Buxtehude, die in Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro der Hansestadt stattfindet, ist Teil des bundesweiten Projektes „Land.schafft.Demokratie“. Dieses fördert Bibliotheken als Orte des Dialogs und der Vielfalt. In diesem Rahmen bietet die Veranstaltung eine wichtige Plattform, um die „stille Gewalt“ zu thematisieren.

Lesung mit Asha Hedayati aus „Die stille Gewalt“ | Do., 23. September, 19 Uhr, Stadtbibliothek Buxtehude, Fischerstraße 2. Eintritt frei, Anmeldung online oder direkt in der Stadtbibliothek ist erwünscht.

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Zeitreise in Harburgs Herz https://www.tiefgang.net/zeitreise-in-harburgs-herz/ Fri, 12 Sep 2025 22:32:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12420 [...]]]> Der »Planet Harburg«, das Kulturzentrum im ehemaligen Karstadt-Kaufhaus, hat seine Pforten für eine neue Sonderausstellung geöffnet. Und es wird historisch: Das Stadtmuseum Harburg lädt seit dem 11. September mit der neuen Sonderausstellung »1975 – Harburg vor 50 Jahren« zu einer faszinierenden Zeitreise ein.

Passend dazu feiert ein besonderes Foto-Projekt sein goldenes Jubiläum.

Im Jahr 1975 war Harburg im Wandel. Die Innenstadt erlebte einen massiven Umbruch: Der Bau der S-Bahn, der neue Harburger Ring und die entstehende Fußgängerzone in der Lüneburger Straße formten das Stadtbild neu. In dieser Umbruchszeit rief die Werbegemeinschaft City Harburg zu einem Fotowettbewerb auf, um das Leben im Stadtteil einzufangen. Fast 1.000 Fotos wurden damals eingereicht.

Jetzt, 50 Jahre später, werden die beeindruckendsten Aufnahmen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bilder atmen den Zeitgeist der 70er Jahre, zeigen den Alltag, persönliche Momente und das pulsierende Stadtleben. Sie erzählen eine Geschichte von Aufbruch und Wandel.

Film ab: Die 70er auf der Kinoleinwand

Doch damit nicht genug: Die Kinemathek Hamburg begleitet die Ausstellung mit einem umfangreichen Filmprogramm. Bis April 2026 werden über 75 internationale und Hamburger Filme aus dem Jahrzehnt gezeigt. Die Retrospektive ist nicht nur cineastisch ein Genuss, sondern knüpft direkt an die Themen der Ausstellung an – von Popkultur über die Frauenbewegung bis hin zu gesellschaftlichen Milieustudien.

Die Filmreihe präsentiert eine Bandbreite von Genres, von Politthrillern bis hin zu Musicals. Es gibt sogar eine »70er-Jahre-Jukebox« im Foyer und Hamburger Kulturschaffende teilen ihre persönlichen Lieblingsfilme. Die begleitende Filmreihe der Kinemathek Hamburg umfasst etwa 40 Titel aus den 1970er Jahren sowie zeitgenössische Filme aus dem Genre des Fotofilms. Filmschaffende wie Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, Rosa von Praunheim und Helke Sander haben in dieser Zeit ihre Karriere begonnen und sich durch ihre kompromisslose Auseinandersetzung mit brisanten gesellschaftlichen Themen einen Namen gemacht. Neben der Wiederaufführung restaurierter Filmklassiker von 1975 (Jeanne Dielmann, Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Im Lauf der Zeit, Der weiße Hai, Hundstage, Nashville) wird die Filmreihe über die Zeitspanne des gesamten Jahrzehnts an die verschiedenen Themenfelder der Ausstellung anknüpfen. Musikfilme (The Last Waltz, Control, Pink Floyd: Live at Pompeii, The Wiz, Saturday Night Fever, Hair) dokumentieren zusätzlich die innovative Kraft des Rock-, Funk- und Disco-Jahrzehnts, aus dem zahlreiche stilprägende Künstler*innen hervorgegangen sind. Vorträge und Publikumsgespräche mit Filmgästen, Filmwissenschaftler*innen runden die Vorstellungen ab.

Alle Infos auf einen Blick:

  • »1975 – Harburg vor 50 Jahren« | 11. September 2025 bis 3. Mai 2026
  • Filmreihe „1975 – Die Welt vor 50 Jahren“ |September 2025 bis April 2026
    • Tickets online auf www.metropoliskino.de/planetharburg oder an der Kinokasse im Planet Harburg, die 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn öffnet.
    • Planet Harburg, Herbert-und-Greta-Wehner-Platz, 21073 Hamburg-Harburg

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