Wir helfen der Ukraine. Und auch der ukrainischen Kultur. Gut so. Aber Kulturstaatsminister Weimer hilft vor allem sich selbst.
„Unsere Solidarität mit der Ukraine ist nicht nur militärischer und politischer Natur, sondern auch kulturell.“ So Weimer in seiner Erklärung einer jüngst vereinbarten Kulturkooperation zwischen beiden Ländern, in der er die Kulturförderung aber zugleich auf eine geopolitische Ebene hebt. Einfache Hilfe wäre vielleicht angemessener. Die Ukraine wird zum „Bollwerk gegen autoritäre Ideologie“ und zur Verteidigerin der Meinungsfreiheit, künstlerischen Freiheit und kulturellen Identität. Das ist bei Weimer nicht nur eine Beschreibung, sondern eine Haltung. Eine politische Haltung, die sich wie immer in einem glänzenden PR-Spiegelbild wiederfindet.
Der Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, und seine ukrainische Amtskollegin Tetyana Berezhna haben gerade eine vertiefte Kulturkooperation zwischen beiden Ländern vereinbart. Doch hinter den feierlichen Worten über Solidarität verbirgt sich ein politischer Akt, der nicht nur Hilfe anbietet, sondern auch die eigene Rolle im besten Licht präsentiert. Denn Weimar steht in der Kritik, selbst eine überkommene Idee von deutscher Kultur wieder hoffähig machen zu wollen. Daher bleibt auch hier der Eindruck eines Kommunikationsakts, der sich in den Mantel der Solidarität hüllt, aber vor allem das eigene politische Handeln zur Schau stellt.
Die Liste der Heldentaten
Die Vereinbarung liest sich wie eine litaneiartige Aufzählung der eigenen Verdienste: man habe bereits 28,9 Millionen Euro Kulturhilfen bereitgestellt, ein genauer, fast schon pedantischer Betrag, der das finanzielle Engagement untermauern soll. Die Hilfen aber zu glatten 30 Millionen aufzustocken, blieb dann aus. Es ist Weimers Sprache der Erfolgsmeldungen: Man hat geholfen, man hilft weiterhin und man wird in Zukunft noch mehr helfen.
Das macht auch die Aufzählung der Projekte deutlich: Die neue Förderlinie „Fokus östliches Europa“ der Kulturstiftung des Bundes ermöglicht die Kyiv Biennial 2026 im Exil. Ein starkes Zeichen, das aber auch die Frage aufwirft, wie lange die ukrainische Kulturszene denn noch in der Ferne bleiben muss. Die ukrainische Filmszene wird unterstützt – aber ehrlich gesagt mehr durch den Europäischen Solidaritätsfonds als Deutschland. Dann wird erstaunlicherweise auch noch die Rolle der Deutschen Welle im Kampf gegen Desinformation aufgeführt und die Ausstellung „Von Odesa nach Berlin“, eine Auswahl bedeutender Gemälde, die aus dem ukrainischen Museum nach Deutschland gebracht wurde.
All das sind zweifellos sinnvolle Projekte. Doch die Art der Präsentation vermischt vieles und lässt so kritische Fragen unweigerlich entstehen. Denn keine Informationen darüber, wie die Zusammenarbeit konkret gestaltet wird, wer die Akteur*innen sind oder welche Herausforderungen es im ukrainischen Kulturbetrieb gibt. Es ist eine glattgeschliffene, heroische Information, die suggeriert, dass die Hilfen reibungslos fließen.
Ein Krieg gegen Wahrheit, der auch in der Heimat tobt
„Putins Angriff ist ein Krieg gegen Wahrheit und Vielfalt – und die Ukraine hält stand.“ Mit dieser kraftvollen, aber auch simplifizierenden Aussage schließt Weimer seine Erklärung. Doch der Satz lässt sich vor allem auch auf die innerdeutsche Kulturdebatte anwenden. Das „Bollwerk gegen autoritäre Ideologie“ könnte auch eine Anspielung auf eigene innenpolitische Debatten sein. Weimers Kommunikation ist weniger eine vertiefte Analyse oder gar praxisnahe Idee einer Kulturkooperation sondern vielmehr eine Inszenierung des eigenen politischen Weltbildes. Solidarität wird betont, finanzielle Hilfe beziffert und die eigenen Maßnahmen werden gefeiert.
Man darf zweifellos stolz sein auf die geleistete Hilfe, aber die Selbstbeweihräucherung Weimers schwingt nicht nur in jedem Satz mit, sondern lässt weiter an seiner kulturpolitischen Kompetenz zweifeln. Dennoch: wir drücken den Kulturschaffenden in der Ukraine die Daumen!
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