Glitzer bleibt haften – nicht nur in der Kulturgeschichte. Die NordArt 2025 in Schleswig-Holstein erzählt die Geschichte unserer Zeit.
Im malerischen Schleswig-Holstein, wo einst Eisen schmolz, pulsiert heute ein Schmelztiegel ganz anderer Art: Die NordArt, eine der größten Kunstausstellungen Europas, begeistert bereits seit Anfang Juni ihr Publikum. Sie läuft noch bis zum 5. Oktober und hat sich in den monumentalen Hallen der ehemaligen Gießerei und im 80.000 Quadratmeter großen Skulpturenpark etabliert, um einen Raum für einen nonverbalen Dialog zu schaffen, der die Menschen miteinander verbindet.
Gastgeber*innen der Ausstellung sind Hans-Julius und Johanna Ahlmann, die das Gelände 1997 kauften und damit die Geburtsstunde des „Kunstwerk Carlshütte“ einläuteten. Die NordArt, die sich aus jährlich rund 3.000 Bewerbungen aus aller Welt speist, hat die Grundidee, die gemeinsame Geschichte unserer Zeit zu erzählen und das, was uns alle bewegt, in einer universellen Sprache darzustellen: der Kunst.
Die Ausstellung in diesem Jahr setzt gleich mehrere faszinierende Schwerpunkte, die das Publikum bereits in ihren Bann ziehen:
Das Herzstück bildet das Fokusprojekt „DO / dat_code“, das das japanische Denken, seine Kultur und Kunst in seiner ganzen Fülle zeigt und bewusst dem westlichen Denken gegenüberstellt. Die Kuratoren Ralph Tepel und Rainer Junghanns betonen, dass es hier nicht um Nationalität geht, sondern um den „Geist Japans“, der als „Schlüssel zur japanischen Kultur, ein Türöffner, ein erster Einblick“ fungiert. Zu sehen sind Werke von 39 Künstler*innen, die sich mit verschiedenen Wegen auseinandersetzen – vom Teeweg (Chado) über Pilgerwege bis hin zu den Wegen der Natur und einem verlorenen Stern in der Zukunft.
Zeitgenössische Kunst aus CHINA

Seit vielen Jahren hat sich die NordArt als bedeutende Plattform für zeitgenössische chinesische Kunst etabliert. Die Arbeiten von 22 chinesischen Künstler*innen beeindrucken nicht nur durch ihre Ästhetik und ihr handwerkliches Können, sondern bieten auch oft einen kritischen Blick auf die Gesellschaft. Besondere Highlights sind die Installationen „Tower of Sound“ und „Contemplative Thinking“ der Künstlerin YIN Xiuzhen sowie die sechs Meter hohe Bronzeskulptur „The Walking Man“ von SU Xinping, die im Skulpturenpark die beschleunigte Entwicklung im heutigen China verkörpert. Auch die NordArt-Preisträgerin des Vorjahres, XIANG Jing, zeigt weitere ihrer figurativen Schlüsselwerke.
Sonderprojekte: Von Polen bis Chile
Die NordArt 2025 versammelt zudem weitere beeindruckende Sonderprojekte. Unter dem Titel „DIRECTIONS – POLAND“ werden ausgewählte Werke von 14 polnischen Künstlerinnen präsentiert, die den Wandel der polnischen Kunst um die Jahrtausendwende im Kontext des Falls der Berliner Mauer und des EU-Beitritts veranschaulichen. Ein Teil dieses Projekts ist die Installation „Dubious ist die Welt“ von Wiesław Smętek, die als eindringlicher Kommentar zur Fragilität des Friedens dient. Zudem sind Werke aus der Mongolei zu sehen, die traditionelles Nomaden-Erbe mit modernen Ausdrucksformen verbinden. Ein zentrales Highlight ist hier ein 17 Meter langes Gemälde von ZAYASAIKHAN Sambuu, das die spirituelle Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart thematisiert. Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung Landschafts-Impressionen von sechs chilenischen Künstlerinnen und multimediale Installationen des israelischen Künstlers Ronen Sharabani, die Teil des 60. Jubiläums diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland sind.
Die NordArt bleibt ihrem Credo treu, ein Ort der Begegnung zu sein, an dem die Vielfalt künstlerischer Stimmen einen gemeinsamen Resonanzraum findet. Die ausgewählten Werke von 200 Künstler*innen aus aller Welt stehen für den Austausch verschiedener Kulturen. Wie Chefkurator Wolfgang Gramm es treffend formuliert: „Kunst kann die Seele träumen lassen und Zuversicht schaffen – in einer Sprache, die alle Menschen verstehen“.
NordArt 2025: noch bis 05. Okt. 2025
Vorwerksallee | 24782 Büdelsdorf | Kontakt: 04331-354 695 | info@nordart.de | www.nordart.de
Öffnungszeiten: Di–So 11–19 Uhr, montags geschlossen
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