100 Jahre Bauhaus https://www.tiefgang.net Thu, 20 Aug 2026 16:20:30 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Die doppelte Festung des Bauhauses https://www.tiefgang.net/die-doppelte-festung-des-bauhauses/ https://www.tiefgang.net/die-doppelte-festung-des-bauhauses/#respond Thu, 20 Aug 2026 22:19:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14405 [...]]]> Die Trennlinie zwischen offener Gesellschaft und völkischem Rückzug ist selten so klar gezogen worden wie am 20. August: das Weimarer Bauhaus ist wieder Politikum.

Das Beton-Gewebe der Moderne wird wieder zum Festungsgraben. Am 20. August 2026, auf den Tag genau hundert Jahre nach der Neueröffnung des Bauhauses in Dessau, erlebt die deutsche Kulturpolitik einen seltenen Moment geschlossener Mobilmachung. Mitten im Endspurt zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zogen die politisch Verantwortlichen zwei Verteidigungslinien hoch: die Dessauer Erklärung der KMK und das von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer angeführte Bauhaus-Manifest 2026 auf der Seite des Staatsministers. Es ist die Antwort auf ein AfD-Programm, das die Ikonen der Moderne am liebsten aus der nationalen Erzählung tilgen würde.

Wer die Dokumente studiert, mag schnell eine Art Arbeitsteilung erkennen. Auf der einen Seite steht der formale Staatsakt: Die Kulturministerinnen und Kulturminister der Länder verabschiedeten ein staatsrechtliches Bekenntnis. Die Dessauer Erklärung pocht auf den Schutz von Kunst- und Meinungsfreiheit als Verfassungsauftrag. Sie ist die juristische Brandmauer gegen Versuche, Fördermittel an politische Genehmheit zu koppeln oder Spielpläne von außen zu diktieren.

Auf der anderen Seite rollt Wolfram Weimer die große gesellschaftliche Landkarte aus. Sein Bauhaus-Manifest ist kein trockener Behördenbeschluss, sondern ein emotional geladenes Bündnis. Wenn Bischöfe, Architektenkammern, Handwerksräte und die Deutsche UNESCO-Kommission im aktuellen Bericht gemeinsam unterzeichnen, verlässt die Debatte den Elfenbeinturm. „Weltoffenheit statt Nationalismus“, heißt es unter Punkt 6 des Dokuments. Weimer besetzt das Erbe von Gropius und Meyer nicht als staubiges Archivgut, sondern als Motor für eine zukunftsgewandte Identität.

Aber arbeiten KMK und Kulturstaatsminister hier zusammen oder doch eher nebeneinander? Ganz ohne Reibungsflächen sind sie ja in letzter Zeit nicht gerade. Aber hier scheint, sie agieren in einer wirkungsvollen Doppelhelix. Während die Bundesländer die administrativen Schilde hochziehen, liefert der Bund eher das verbindende Narrativ. Die Parallelschaltung ist kein Mangel an Koordination, sondern politische Notwendigkeit. Denn auf Angriffe gegen die kulturelle Freiheit braucht es sowohl den Paragrafen der Verwaltung als auch die Strahlkraft einer breiten Bewegung. Das Bauhaus, das 1932 auf Betreiben der NSDAP in Dessau vertrieben wurde, steht 2026 erneut im Zentrum der Debatte. Ob Papiere gegen Stimmenzettel helfen, bleibt offen – doch die Trennlinie zwischen offener Gesellschaft und völkischem Rückzug ist selten so klar gezogen worden wie an diesem Augusttag.


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Bauhaus bei Bossard https://www.tiefgang.net/bauhaus-bei-bossard/ Fri, 08 Nov 2019 23:37:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6014 [...]]]> Als Bauhaus Schule machte, war das zuweilen wörtlich zu nehmen. Wie ein Kellerfund von Schülerarbeiten im letzten Jahr zeigte. Nun sind diese Funde bei Bossard in Jesteburg zu sehen.

Zum 100jährigen Jubiläum des Bauhauses in Hamburg präsentiert die Kunststätte Bossard ab dem 17. November 2019 bis zum 23. Februar 2020 die Ausstellung „Bauhaus-Lehre in Hamburg“. In der Ausstellung werden entdeckte Kellerfunde von 2018 gezeigt, nämlich original Schülerarbeiten aus den Vorklassen von 1930 – 1933 von Fritz Schleifer, die Schleifer selbst in seinem Keller vor der Zerstörung und Konfiszierung durch die Nationalsozialisten versteckt hatte.

Die Schülerarbeiten dokumentieren die Einflüsse der Bauhaus-Lehre auf die damalige Landeskunstschule in Hamburg. Ihre Wiederentdeckung im Rahmen der Forschungen zum Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ bezeichnet Hans Bunge, Kurator der Ausstellung, „als eine Sensation“.

Bauhaus-Lehre in Hamburg

Der neue Direktor der Landeskunstschule in Hamburg, Max Sauerlandt, berief 1930 die Künstler Alfred Ehrhardt und Fritz Schleifer an die Landeskunstschule in Hamburg. Sie sollten ihre am Bauhaus im Vorkurs bei Josef Albers gewonnenen Erfahrungen nun erstmalig in Hamburg in den neu errichteten Vorklassen anwenden. Im Kollegium der Landeskunstschule – auch von Johann Bossard – wurden die Vorkurse kritisch gesehen. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden Sauerlandt, Ehrhardt und Schleifer noch im April 1933 entlassen. Die Arbeiten ihrer Schüler wurden, sofern sie damals noch vorhanden waren, 1937 als „Zeugnisse des Verfalls“ an die Reichskammer der bildenden Künste nach Berlin verbracht. Alfred Ehrhardt sowie Fritz Schleifer hatten allerdings vorher beide jeweils eine Mappe mit Schülerarbeiten vor der Vernichtung gerettet.

Die Ausstellung

Die Ausstellung zeigt Beispiele und zeitgenössische Fotografien von Schülerarbeiten von Alfred Ehrhardt und Fritz Schleifer, die wichtige Einblicke in die Vorklassenpädagogik der Landeskunstschule in Hamburg gewähren. Zugleich thematisiert sie die angestrebte Etablierung der Vorschulklassen mit dem kunstpädagogischen Aufsatz „Materialkunde“ von Alfred Ehrhardt von 1932 aus der Zeitschrift „Die Form“ sowie deren Ablehnung im traditioneller geprägten Kollegium der Landeskunstschule. Johann Bossard sah sich 1933 sogar zu einer „Entgegnungen“ veranlasste, die erstmals im Rahmen dieser Ausstellung zusammen mit einigen wichtigen akademisch geprägten Werken von Bossard präsentiert wird. Der Kurator dieser Ausstellung ist Hans Bunge, der zusammen mit Prof. Dr. Rüdiger Joppien die erst kürzlich 2019 erschienene Publikation „Bauhaus in Hamburg“ für die Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs veröffentlicht hat.

Eröffnung: Sonntag, 17. November um 11 Uhr; Ausstellungsdauer: 18. November 2019 – 23. Februar 2020

Öffnungszeiten: November – Februar So 11-16 Uhr. Regulärer Eintritt: 8 €, Gruppen ab 15 Pers. 7 € p.P., ermäßigt 5 €, Besucher unter 18 Jahren und Mitglieder des Freundeskreises frei

Kunststätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg

Quelle: www.bossard.de

 

 

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