Alexander Schulz – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 09 Oct 2025 14:44:17 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Hamburgs tonales Kapital https://www.tiefgang.net/hamburgs-tonales-kapital/ Fri, 17 Oct 2025 22:37:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12665 [...]]]> Musik ist längst kein „Nice-to-have“ in der Freizeit mehr, sondern messbarer Reiseanlass. Für 62 Prozent der befragten Tourist*innen sind Konzerte, Musicals oder Festivals ein Grund für ihre Reise nach Hamburg.

Das gleißende Licht des Reeperbahn Festivals ist kaum erloschen, da rührt Hamburgs Musikwirtschaft bereits den nächsten Trommelwirbel: Eine neue, umfassende Image-Studie belegt, dass die Musikszene der Hansestadt nicht nur ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor ist, sondern das emotionalste und wirksamste Kapital der gesamten Metropole.

Nachdem erst im September, im Rahmen des Reeperbahn-Festivals, die prekäre und zugleich kulturell unverzichtbare Rolle der Musikfestivals durch eine tiefgreifende Branchenstudie herausgearbeitet wurde, liegt der Fokus nun auf der Gesamtattraktivität: Musik ist der Herzschlag dieser Stadt und ihr entscheidender Vorteil im globalen Wettbewerb um Köpfe und Gäste.

Die „Musikwirtschaft Hamburg Studie 2025“ – beauftragt von Hamburg Music und der Handelskammer – ergänzt die harten ökonomischen Fakten der Vorjahre (über eine Milliarde Euro Bruttowertschöpfung der Branche) um die entscheidende psychologische Komponente. Das Fazit ist bestechend: Musikangebote sind für 71 Prozent der Hamburger*innen ein direkter, positiver Einfluss auf ihre Lebensqualität.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, fasst diese identitätsstiftende Kraft daher prägnant zusammen: „Musik gehört untrennbar zur kulturellen Identität Hamburgs.“ Sie reicht eben von der Elbphilharmonie bis hin zur vielfältigen Clubkultur, die gerade wieder beim Reeperbahn Festival Besuch aus der ganzen Welt angezogen hat.

Tourismus-Magnet Musik

Musik ist längst kein „Nice-to-have“ der Freizeitgestaltung mehr, sondern ein messbarer Reiseanlass. Für 62 Prozent der befragten Tourist*innen aus dem In- und Ausland sind Konzerte, Musicals oder Festivals ein ausschlaggebender Grund für ihre Reise nach Hamburg. National wird Hamburg sogar als Stadt mit dem attraktivsten Musikangebot wahrgenommen – ein Spitzenplatz, der Berlin im Städtevergleich hinter sich lässt.

Besonders im Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte wirkt das Musikangebot als unsichtbare, aber mächtige Anziehungskraft. Prof. Norbert Aust, Präses der Handelskammer, betont, dass diese lebendige Szene „uns auch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Ringen um dringend benötigte Arbeitskräfte verschafft.“ Musik, so die Quintessenz, macht die Stadt nicht nur liebenswert, sondern wirtschaftlich relevant.

Ebenso interessant ist die Rolle der Clubs. Obwohl Kino, Musicals und Gastronomie als Freizeitmöglichkeit höher bewertet werden, prägen Musikclubs (wie die Große Freiheit 36) das Image der Hamburger Musikszene stark. Sie sind der Ort, wo die vielfältige Clubkultur lebt.

Die Studie zeigt jedoch auch eine klare Herausforderung auf, die einen Handlungsauftrag für die Politik und die Branche selbst formuliert: die demografische Kluft in der Wahrnehmung der Marke „Musikstadt Hamburg“.

Während die älteren Bevölkerungsgruppen (über 50 Jahre) die Musik als tief verwurzelten Teil der Hamburger Identität empfinden (bis zu 72 Prozent Zustimmung), ist diese Verknüpfung bei den unter 35-Jährigen (nur 45 Prozent Zustimmung) noch deutlich schwächer ausgeprägt. Paradoxerweise gilt gerade für diese junge Zielgruppe das Musikangebot aber als am attraktivsten und bindet sie emotional am stärksten an die Stadt.

Alexander Schulz, Vorstandsvorsitzender von Hamburg Music, formuliert daraus die Konsequenz: „Die Zahlen sind aber auch ein klarer Handlungsauftrag: Um unsere Spitzenposition zu halten und international aufzuholen, müssen wir gezielt in die Zukunft investieren.“ Die Musikwirtschaft fordert eine Stärkung des Musikstadt-Marketings, insbesondere bei jüngeren und internationalen Zielgruppen, um diesen unschätzbaren Standortvorteil auch zukünftig voll auszuschöpfen.

Der Blick auf die Zahlen ist nüchtern, die Botschaft aber emotional: Hamburg muss in seine musikalische Seele investieren. Denn diese Seele ist es, die Menschen anzieht, bindet und die Stadt zu dem macht, was sie ist – eine führende Metropole, deren Takt von ihrer einzigartigen Musikszene vorgegeben wird.

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„Fest für herausragende Talente „ https://www.tiefgang.net/fest-fuer-herausragende-talente/ Fri, 23 Sep 2022 22:18:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9359 [...]]]> Im Rahmen des Reeperbahn Festivals wurden sieben Künstlerinnen und Künstler, Musikunternehmerinnen und -unternehmer und Projekte mit dem zehnten VIA (VUT Indie Awards) geehrt.

Mit den Preisen zeichnet der Verband unabhängiger Musikunternehmerinnen und -unternehmer (VUT) herausragende Talente aufgrund von Qualität, Neuartigkeit und unabhängig vom kommerziellen Erfolg aus. Nach zwei Ausgaben mit pandemiebedingter digitaler bzw. hybrider Durchführung kehrte der VIA dieses Jahr zurück ins Schmidts Tivoli. Mit zahlreichen Gästen aus der unabhängigen Musikwirtschaft im Publikum, moderiert von Nina „Fiva“ Sonnenberg und mit Porträtfilmen aller Nominierter sowie Reden von Hamburgs Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda und der VUT-Vorstandsvorsitzenden Dr. Birte Wiemann feierten die ersten und einzigen Kritikerinnen- und Kritikerpreis der unabhängigen Musikbranche ihr nunmehr zehntes Jubiläum.

Die viet-deutsche Rapperin Nashi44 aus Berlin-Neukölln wurde in diesem Jahr von der Jury zur Gewinnerin in der Kategorie „Beste/Bester Newcomerin/Newcomer“ gewählt. Seit diesem Jahr erfolgt die Ermittlung der Nominierten und Gewinnerinnen und Gewinner in einem umgestalteten Abstimmungsverfahren: Die finale Entscheidung über die Shortlists der einzelnen Kategorien und die Preisträgerinnen und Preisträger treffen neu gebildete Fachjurys. Die Fachjury für die Kategorie „Bester Act“ votierte für Perera Elsewhere als Preisträgerin, die die Trophäe gerührt entgegennahm. Fachjurorin und Musikverlegerin Anika Jankowsi hielt die Laudatio auf das diesjährige „Beste Album“: Der Preis ging an Sophia Kennedy für „Monsters“.

In der Kategorie „Bestes Label“ gewann das Hamburger Label Bureau B, das sich in seinem dreizehnjährigen Wirken mit Veröffentlichungen u. a. von Faust, Hans-Joachim Roedelius, Conny Plank, Kreidler und Von Spar zu einem der führenden Vertreter der experimentellen und elektronischen Popmusik entwickelt hat. Das Bureau B-Team nahm den Preis von Fachjuror und Labelbetreiber Maurice Summen entgegen. Die Fachjurorinnen der Kategorie „Best New Music Business“, Katja Lucker und Evyonne Muhuri, zeichneten das Team von Black Artist Database mit einem VIA aus, der von Gründerin Niks Delanacy entgegengenommen wurde.

Zum „Besten Experiment“ wurde in diesem Jahr das Avatar-Konzert der Band Messer gewählt. Darin bespielte die Band einen digitalen Raum und erkundete so, wie Konzerte im Streaming jenseits des bloßen Abfilmens einer Konzertbühne aussehen können. Das Publikum konnte mit oder ohne VR-Brillen zuschauen und sich mit eigenen Avataren bewegen. Aida Baghernejad, freie Journalistin und Wissenschaftlerin, überreichte den Preis an Hendrik Otremba (Messer), Gloria Schulz (Konzept und Gestaltung) und Jenny Bohn (Burg Hülshoff – Center for Literature).

Den VIA-Sonderpreis für besondere Verdienste für die unabhängige Musikbranche ging in diesem Jahr an Musiker ohne Grenzen e.V. Der Verein begründet ein weltweites Netzwerk kreativer Musikprojekte, um Menschen unabhängig von ihrer Lebenssituation einen Zugang zur Musik, insbesondere das Erlernen eines Instrumentes, zu ermöglichen und durch die Kraft der Musik sozialen Wandel anzustoßen. VUT-Vorstandsmitglied und Musiker Frank Spilker überreichte den Preis an die Vereinsgründer Frederik Köller und Jan Dellwisch.

Dr. Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien: „Die Awards sind ein Fest für die herausragenden Talente und die hohe Kreativität der unabhängigen Musikszene. Sie zeigen uns aber auch jedes Jahr aufs Neue, wie wichtig gerade auch hier faire Bedingungen sind, um mit Musik und von Musik leben zu können und um auch künftig die Vielfalt der Szene zu sichern. Schön, dass mit dem VIA seit zehn Ausgaben die unabhängige Musikbranche einen festen Hafen im Rahmen des Reeperbahn Festivals hat.“

„Zur zehnten und damit Jubiläumsedition des VIA mit frischem Rebranding konnten wir für das generalüberholte Abstimmungsprozedere in jedem Bereich hochkarätige Mitglieder für die neu berufenen Fachjurys gewinnen. Was die Umstellung nicht geändert hat: Wir konnten mindestens ebenso hochkarätige Gewinnerinnen und Gewinner ehren und einmal mehr das Scheinwerferlicht auf unsere weiterhin unglaublich produktive und kreative Independent-Musiklandschaft mit ihren Künstlerinnen und Künstlern, Labels und Projekten richten. Das macht uns jedes Jahr wieder sehr stolz, wobei die runde Zehn mit dem Rückblick auf die strahlenden Gewinnerinnen und Gewinner der letzten Jahre wie Antilopen Gang, Audiolith, Noga Erez, Grönland Records, BOY, The Notwist oder Staatsakt, neben denen sich die 2022er Gewinnerinnen und Gewinner qualitativ nahtlos einreihen, noch mal ein Quäntchen draufsetzt,“ resümiert Dr. Birte Wiemann, Vorstandsvorsitzende des VUT.

Alexander Schulz, CEO Reeperbahn Festival: „Dass die Jubiläumsausgabe zum zehnten Indie Award des VUT im Rahmen des Reeperbahn Festivals stattfindet, freut uns außerordentlich! Gleichzeitig ist dieser Preis ein enorm wichtiges Signal dafür, dass die Bewertung musikalischer Inhalte anhand ihrer Originalität und Qualität eine deutlich nachhaltigere Auszeichnung darstellt, als sich ausschließlich an Absatzzahlen zu orientieren. Allein die Anerkennung und Bewertung durch das erneut hochkarätig besetzte Gremium ist ein Prädikat für sich.“

Der VUT dankt insbesondere der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, Merlin und der GVL als Hauptförderer der Awards, dem Reeperbahn Festival, der GEMA, Phononet, allen VUT-Freundinnen und -Freunden und Unterstützerinnen und Unterstützern sowie den diesjährigen Medienpartnern ByteFM, DIFFUS, Kaput Mag und MusikWoche. Aufgrund der Großzügigkeit eines Hamburger Musikliebhabers werden die VIA Awards wieder mit 10.000 Euro dotiert, dafür dankt der VUT herzlich. Den Gewinnerinnen und Gewinnern in der Kategorie „Bestes Label“ schenkt der Medienpartner MusikWoche außerdem eine ganzseitige Anzeige.

 

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