Alfred Lichtwark – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 11 Nov 2022 17:40:28 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Ästhetische Bildung aus Überzeugung https://www.tiefgang.net/aesthetische-bildung-aus-ueberzeugung/ Fri, 11 Nov 2022 23:34:55 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9484 [...]]]> Die Lichtwark Gesellschaft Hamburg e. V. feiert im November ihr 50-jähriges Jubiläum, für das Kulturstaatsrätin Jana Schiedek die Schirmherrschaft übernommen hat.  

Alfred Lichtwark war ein leidenschaftlicher Museumsmann und ein kompromissloser Förderer der ästhetischen Bildung. Seiner Heimatstadt Hamburg hinterließ er die renommierte Kunsthalle, deren Sammlung er als erster Direktor maßgeblich ausbaute und an die Moderne heranführte. Und er war Mitbegründer der deutschen Kunst- und Museumspädagogik. Als „Lehrer der Nation“ wie ihn sein langjähriger Freund Max Liebermann nannte, war ihm die Kunsterziehung eine Herzensangelegenheit. Sein Erbe wirkt bis heute nach, sei es mit der herausragenden Sammlung der Kunsthalle, die weit über die Grenzen Deutschlands bekannt ist. Und ebenso in seinem pädagogischen Wirken, das die Lichtwark Gesellschaft und die LichtwarkSchule in die Tat umsetzen.

Jana Schiedek, Staatsrätin der Behörde für Kultur und Medien: „Die Lichtwark-Gesellschaft setzt sich gerade auch in diesem Jubiläumsjahr mit den theoretischen Grundsätzen ihres Namensgebers aktiv auseinander und erforscht, inwiefern diese auch heute noch im Kontext der Kunst und Kunstvermittlung relevant sind. Dabei macht die Gesellschaft deutlich, dass das Ermöglichen eines niedrigschwelligen Zugangs zu und einer aktiven Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur so zeitgemäß ist wie nie zuvor! Nicht zuletzt deshalb freue ich mich sehr, die Arbeit der Lichtwark-Gesellschaft in diesem so besonderen Jubiläumsjahr als Schirmherrin unterstützen zu dürfen.“

Franziska Neubecker, Vorsitzende der Lichtwark Gesellschaft: „Lichtwark war überzeugt, dass schon die Schule zum Sehen von Kunst erziehen müsse und damit wichtige Grundlagen für die Entwicklung junger Menschen legen könne. Genau dies erleben wir, wenn wir mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und ihnen helfen, ihr kreatives Potential zu entdecken. Diese Arbeit und ihre großen Erfolge sichtbar zu machen, darauf freuen wir alle Beteiligten, Künstler und Förderer uns sehr – besonders aber auch die jungen Kreativen selbst.“

Höhepunkt der Feierlichkeiten ist eine Benefizauktion am 13. November in der Kunsthalle. Dann werden Kunstwerke versteigert, aus 50 Jahren Förderung von Hamburger und Norddeutschen Kunstschaffenden sowie ausgesuchte Bilder, Fotoarbeiten und Skulpturen aus Sammlungen. Darunter so besondere Meisterstücke wie das Lichtwark-Portrait der Hamburger Künstlerin Carolin Beyer und eine Serigraphie von Oskar Kokoschka. Eine eigens für die Lichtwark Gesellschaft geschaffene Mappe mit Grafiken von Eduard Bargheer, Tom Hops, Armin Sandig, Wolfgang Werkmeister u.v.a., Bilder aus dem Forum für Nachlässe und Skulpturen von Hanno Edelmann. Alle Erlöse der Versteigerung fließen in die Talentschmiede, mit der die Gesellschaft und LichtwarkSchule jugendliche Begabungen in der Bildenden Kunst mit Stipendien fördert.

Mit Dr. Katharina zu Sayn-Wittgenstein, übernimmt nicht nur eine renommierte Auktionatorin die Leitung der Versteigerung, es ist auch die erste Benefizauktion, die sie in ihrer Funktion als Direktorin des neu eröffneten Auktionshauses Dorotheum Hamburg durchführt.

Professorin Dorothea Wenzel, Dekanin des Department DMI (Design, Medien und Information) der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, wird eine Laudatio halten. Den Rahmen bildet die Kunsthalle, in der bereits ab dem 10. November die Abschlussarbeiten der aktuellen Absolventen ausgestellt werden.

Festakt und Benefiz-Auktion  am 13.11. um 16 Uhr im Werner-Otto-Saal der Kunsthalle Hamburg, Glockengießerwall 5

Ausstellung Talentschmiede am 10.11. um 18 Uhr im Klingersaal der Kunsthalle Hamburg

Weitere Informationen und Anmeldung zur Benefizauktion sowie Talentschmiede unter anmeldung@lichtwarkgesellschaft.de

Lichtwark Gesellschaft Hamburg e. V.: Die Lichtwark-Gesellschaft Hamburg e. V. setzt sich seit 1972 aktiv für Künstlerinnen und Künstler ein. Seit 2004 steht auch die Förderung im Kinder- und Jugendbereich mit Kunst im Fokus. Besonders wichtig ist ein lebendiger Austausch durch Atelierbesuche, Besuche von Ausstellungen und andere Dialogformate für Hamburgerinnen und Hamburger. www.lichtwarkgesellschaft.de

LichtwarkSchule: Die LichtwarkSchule fördert Potentiale und entdeckt Talente von Kindern und Jugendlichen über soziale und kulturelle Grenzen hinweg. Im Fokus stehen Kinder, die wenig Förderung erfahren. Die Künstlerinnen und Künstler der LichtwarkSchule gehen in Hamburger Kitas und Schulen und arbeiten mit den Kindern ein Jahr lang zwei Stunden pro Woche künstlerisch und kreativ. www.lichtwarkschule.de

Die Talentschmiede (eine Kooperation zwischen der LichtwarkSchule und der Gesellschaft) ist ein einjähriges Kunst-Stipendium für künstlerisch begabte Kinder und Jugendliche. Sie ist die letzte und anspruchsvollste Stufe im Kurskonzept der LichtwarkSchule, bei der die Stipendiaten professionellen Kunstunterricht von einer/einem Künstler/Künstlerin erhalten. Die Kurse finden im Atelier der HAW – Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg statt. Am Ende des Kurses werden die Werke öffentlich ausgestellt.

 

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Das Erbe der Stadt https://www.tiefgang.net/das-erbe-der-stadt/ Sun, 03 Jan 2021 11:29:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7512 [...]]]> Am 1. Januar 1921 trat das Hamburger Denkmalschutzgesetz in Kraft und gibt seit nunmehr 100 Jahren einen wichtigen Rahmen vor, in dem die Stadt ihr baukulturelles Erbe bewahrt.

Der historische Beschluss der Hamburger Bürgerschaft war ein Meilenstein für die Entwicklung der Stadt, der maßgeblich auf die Initiative engagierter Bürger zurückgeht. Historische Bau-, Garten- und Bodendenkmale als Zeugen vergangener Lebensweisen dauerhaft zu erhalten, ist oberstes Ziel des Denkmalschutzes. Damals wie heute erfordert Denkmalschutz das Bewusstsein und die Wertschätzung gegenüber der Vergangenheit und den fairen Ausgleich privater und öffentlicher Interessen. Dieser Aufgabe stellt sich das Denkmalschutzamt und vertritt die Interessen der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes und steht Eigentümerinnen und Eigentümern beratend zur Seite, um gemeinsam Gestaltungsspielräume für moderne baukulturelle Lösungen auszuloten.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Denkmalschutz hält unser baukulturelles Erbe lebendig und sorgt dafür, dass wir bei der Entwicklung der Stadt nicht vergessen, woher wir kommen. In einer wachsenden und sich im stetigen Wandel befindende Metropole wie Hamburg braucht es engagierte Stimmen, die sich für den Erhalt unsere Denkmallandschaft einsetzen und ihre Geschichte jetzt und zukünftig erlebbar machen. Die Kolleginnen und Kollegen vom Denkmalschutzamt haben unsere vielfältige Denkmalkultur im Blick und nutzen ihre Expertise tagtäglich, um Eigentümerinnen und Eigentümer von Denkmälern zu beraten. Eine wichtige Basis, um Hamburgs Denkmalerbe und somit auch den Charakter unserer Stadt zu bewahren.“

Dr. Anna Joss, Leiterin Denkmalschutzamt: „Hamburg kann stolz sein auf seine vielfältigen Denkmäler. Ihr Schutz ist eine gemeinschaftliche Aufgabe und nur gemeinsam kann es gelingen, die Denkmäler und ihre Geschichte für Hamburgerinnen und Hamburger und Besucherinnen und Besucher der Stadt zu erhalten und erlebbar zu machen. Die herausragenden Gebäude und Anlagen aus der Zeit des 20. Jahrhunderts prägen die Freie und Hansestadt im besonderen Maße. Gerade ihnen müssen wir unser besonderes Augenmerk schenken, stehen sie doch unter hohem Erneuerungsdruck.“

Zur Geschichte des Hamburger Denkmalschutzgesetzes

Dem Hamburger Denkmalschutzgesetz ging ein langes Werben engagierter Bürger bzw. Wissenschaftler voraus, die sich für den Erhalt historischer Bauten eingesetzt haben. Hervorzuheben sind hier Alfred Lichtwark (ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle) und Justus Brinckmann (Gründungsdirektor des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg). Brinckmanns Mitarbeiter und späterer Leiter der Denkmalschutzbehörde des Hamburger Senats, Richard Stettiner, führte die Arbeit Brinckmanns nach dessen Tod fort und wurde Ende 1920 zum ersten Denkmalpfleger Hamburgs ernannt. Auf Basis seiner Denkschrift und seines Engagements entstand das Hamburger Denkmalschutzgesetz. Die ersten Denkmäler, die nach diesem Gesetz geschützt wurden, waren die Kirchen und Friedhöfe der Vier- und Marschlande. Heute umfasst die Denkmalliste ca. 12.300 Objekt- und ca. 3.000 Bodendenkmäler.

Am 1. Mai 2013 trat das novellierte Hamburger Denkmalschutzgesetz in Kraft. Die wichtigste Veränderung: Denkmäler genießen nun durch das Ipsa-lege-Prinzip den gebotenen Schutz, sofern sie die Denkmalwertkriterien des Gesetzes erfüllen. Dies ist gegeben, wenn die Erhaltung wegen der geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Bedeutung oder zur Bewahrung charakteristischer Eigenheiten des Stadtbildes im öffentlichen Interesse liegt. Für die Erklärung zum Denkmal ist bereits einer dieser Gründe hinreichend. Sind die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, wird das Objekt in eine nachrichtliche Denkmalliste eingetragen.

2015 wurden die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit Chilehaus in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen – es sind Hamburgs erste Welterbestätten. Das Bewerbungsverfahren wurde maßgeblich vom Denkmalschutzamt begleitet, das sich auch für den Erhalt dieses Welterbes einsetzt.

Die Bedeutung des baukulturellen Erbes und des denkmalgeschützten Bestands stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken, ist eine anhaltende Aufgabe des Denkmalschutzamtes. Um Denkmäler für kommende Generationen zu erhalten und weiterzuentwickeln, bedarf es neben der gesetzlicher Grundlagen auch zivilgesellschaftliches Engagement. In Hamburg gibt es zahlreiche lokale Initiativen, die sich für die Bau- und Denkmalkultur der Stadt engagieren und die öffentliche Debatten prägen.

Die Frage, welche Objekte, Baugattungen und Zeitschichten zukünftig für das baukulturelle Erbe der Stadt stehen sollen, erneuert den Blick auf potenzielle Denkmäler laufend. Besonders die Gebäude und Anlagen aus der Zeit nach 1975 drohen unter hohem Erneuerungsdruck zu verschwinden oder unkenntlich zu werden. Damit dies nicht geschieht und die Gesellschaft sich ihrer potenziellen Bedeutung überhaupt bewusst werden kann, beschäftigt sich das Denkmalschutzamt Hamburg aktuell mit Hamburgs junger Baugeschichte und prüft Bauten aus der Zeit zwischen 1975 und 1995 auf ihren Denkmalwert.

Weitere Informationen zum Denkmalschutz: www.hamburg.de/bkm/denkmalschutzamt

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„Kunst für uns alle“ https://www.tiefgang.net/kunst-fuer-uns-alle/ Fri, 06 Sep 2019 22:13:51 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5741 [...]]]> „Kunst für uns alle“ ist das Motto, unter dem Hamburg die 150 Jahr-Feier der Kunsthalle gestellt hat. Tschentscher lud gar zum Senatsempfang.

 In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es.

„Vor 150 Jahren eröffnete die Hamburger Kunsthalle. Entstanden durch das Engagement kunstsinniger Hamburger Bürgerinnen und Bürger, verfügt sie heute über eine einzigartige Sammlung, die Kunst aus acht Jahrhunderten umfasst. Damit zählt sie zu den bedeutendsten Kunstmuseen in Deutschland und ist das größte und meistbesuchte Museum Hamburgs. Dies hat der Hamburger Senat heute mit einem Senatsempfang im Rathaus gewürdigt. Zum Jubiläum, das unter dem Motto „für UNS ALLE“ steht, zeigt die Kunsthalle unter anderem die Jubiläumsausstellung „Beständig. Kontrovers. Neu“ und gibt damit Einblicke in die wechselreiche Geschichte des Museums.

Dr. Peter Tschentscher, Hamburgs Erster Bürgermeister: „Die Geschichte der Kunsthalle ist ein Beispiel für das Engagement des hanseatischen Bürgertums in Hamburg. Neben der Stadt unterstützen viele Bürger und Unternehmen die Arbeit der Stiftung „Hamburger Kunsthalle“. Sie hat sich damit zu einem der international bedeutendsten und größten Museen Deutschlands entwickelt, in dem Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart erlebt werden kann. Mit einer hervorragenden Sammlung und ihrem begleitenden Ausstellungsprogramm bietet die Hamburger Kunsthalle vielfältige kulturelle Vermittlungsangebote. Ich gratuliere der Kunsthalle zum 150. Jubiläum und wünsche ihr für die Zukunft weiterhin alles Gute“.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „In den 150 Jahren ihres Bestehens ist die Hamburger Kunsthalle im Herzen der Stadt immer ein lebendiger Ort der Kulturvermittlung gewesen. Mit viel Leidenschaft bringt uns das Haus mit vielfältigen Ausstellungen und einer herausragenden Sammlung die Entwicklung der Kunst nah und ist damit ein identitätsstiftender Teil der Kulturstadt Hamburg. Ich freue mich auf die zahlreichen bewegenden Impulse, die uns die Kunsthalle mit ihren vielseitigen Perspektiven auf Kunst und Gesellschaft auch zukünftig geben wird.“

Prof. Dr. Alexander Klar, Direktor der Hamburger Kunsthalle: „Das Jubiläum ist eine schöne Gelegenheit, den Blick auf 150 Jahre bewegte Museumsgeschichte zu richten, und gleichzeitig nach vorn zu schauen: Die Hamburger Kunsthalle war und ist ein Bürgermuseum, es ist „für uns alle“ da. Die Kunsthalle lädt zum Schauen, Denken, Entdecken und Debattieren ein. Das gilt seit 1869, heute und für die Zukunft. Diesen Ort in der Stadt mit seiner internationalen Strahlkraft weiterzuentwickeln, darauf freue ich mich.“

150 Jahre Hamburger Kunsthalle

Die Hamburger Kunsthalle wurde am 30. August 1869 im Herzen der Stadt eröffnet. Zwischen dem Hauptbahnhof und der Alster setzt die Kunsthalle seit jeher architektonische Akzente.

Seit ihrer Gründung ist die Hamburger Kunsthalle getragen vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt Hamburg: Mitte des 19. Jahrhunderts finanzierten sie den prächtigen Bau und stifteten ihre privaten Kunstschätze als Grundstock für die Sammlung.

Bereits der Gründungsdirektor Alfred Lichtwark prägte den bis heute gültigen Anspruch, das Museum für alle Menschen zu öffnen und die Kunst lebendig zu vermitteln. Das Motto „für UNS ALLE“ ruft im Jubiläumsjahr dazu auf, die Geschichte des Bürgermuseums und die Unterstützung für die Hamburger Kunsthalle gemeinsam fortzuschreiben.

Die Jubiläumsausstellung „Beständig. Kontrovers. Neu“ gibt Einblicke in die wechselreiche Geschichte der Kunsthalle. Die Besucherinnen und Besucher erwarten zudem acht weitere Ausstellungen, darunter die neu eröffneten Projekte „Rembrandt“, „100 Jahre Hamburgische Sezession“ und „UNFINISHED STORIES“.“

 Quelle: www.hamburg.de/bkm

 

 

 

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Turbulente Zeiten https://www.tiefgang.net/turbulente-zeiten/ Fri, 16 Aug 2019 22:30:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5647 [...]]]> Viele haben heutzutage das Gefühl, alles sei im Umbruch, hektisch und die Welt verändert sich rasant. Vor 100 Jahren war es ähnlich. Ein Rückblick, der lohnt …

100 Jahre Bauhaus, 100 Jahre Volkshochschule, 100 Jahre Universität, 100 Jahre Stiftung Bücherhalle … Was war denn da los – vor 100 Jahren?

Die Revolution von 1918/19 markiert eines der epochalen Ereignisse in der Geschichte. Sie steht nicht nur am Anfang der modernen demokratischen Ordnung des Stadtstaates, sondern ist zugleich der erste historische Umbruch des 20. Jahrhunderts in Hamburg. Diese Zeit des Epochenwechsels brachte auch für Hamburg massive Einschnitte und Veränderungen mit sich – für die Bürgerinnen und Bürger auf politischer Ebene, für die Wirtschaft und den Hafen.

Unter dem Motto „Hamburg 1918.1919 – Aufbruch in die Demokratie“ gibt es in und für Hamburg ein breit angelegtes Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Publikationsprogramm. Damit werden ein umfassender Beitrag zur Kenntnis, zum Verständnis und zur Bedeutung dieser komplexen Zeit in der Freien und Hansestadt Hamburg vermittelt und gleichzeitig Aktualitätsbezüge zu Funktionsweisen demokratisch verfasster Gesellschaften geschaffen.

Liest man die Chronologie der Ereignisse von 1918 und 1919 nach, wird deutlich, wie stark diese Jahre das Bewusstsein der Menschen geprägt haben muss. Ebenso macht es dem heutigen Menschen deutlich, wie selbstverständlich manche Dinge geworden, aber es von Haus aus eben nicht sind.

„Januarstreik“

Deutschland­weit fand ein Massen­streik der Arbeiter statt, im Rahmen dessen bessere Arbeits- und Lebens­bedingungen gefordert wurden. In Hamburg schlossen sich vor allem die Werft- und Metall­arbeiter dem Streik an.

20.4.1918

Carl Petersen wird in den Senat gewählt. Petersen war 1924-29 und 1932/33 Hamburgs Erster Bürger­meister und 1930/31 Zweiter Bürger­meister.

5.11.1918

Versammlung in Hamburg

Erste Zeitungs­berichte erscheinen über die revolutionären Vorgänge in Kiel. In Hamburg entwaffnen Matrosen im Hafen Besatzungen der Torpedo­boote, besetzen den Elbtunnel und sichern das Gewerkschaftshaus.

Am Abend formuliert eine Versammlung im Gewerkschafts­haus jene Forderungen:

  • Sofortige Herbeiführung des Friedens
  • Rücktritt der Hohenzollern
  • Sofortige weitgehendste Demokratie im Reich und in den Bundesstaaten
  • Amnestie und sofortige Freilassung aller politisch Inhaftierten
  • Sofortige Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für beide Geschlechter vom vollendeten 20. Lebensjahr an

6.11.1918

Der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt die Macht

Bürgermeister Werner von Melle und Senator Carl Petersen erklären die Bereit­schaft von Senat und Bürger­schaft, sich in den Dienst der „neuen Zeit“ zu stellen. Auf dem Heiligen­geistfeld findet eine Massen­kundgebung statt. Das Stell­vertretende General­kommando flieht aus Altona.

Die Bürgerschaft beschließt einstimmig die Errichtung des Arbeitsamtes

11.11.1918

Kriegsende — Inkrafttreten des Waffenstillstands

Die SPD-Bürger­schafts­fraktion setzt sich für umgehende Neuwahlen der Bürger­schaft ein. Der spätere Hamburger Bürger­meister Max Brauer wird Senator der Stadt Altona.

12.11.1918

Vollständige Machtübernahme des Arbeiter und Soldatenrates

18.11.1918

Senat und Bürgerschaft werden für abgesetzt erklärt (letztendlich nur für 6 Tage), der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt vollständig die politische Macht. Die Exekutive der beiden Räte besteht aus je drei Vertretern der MSPD, USPD und der Links­radikalen sowie 18 Delegierte aus Hamburger Betrieben.

8.11.1918

Senat und Bürgerschaft werden wieder in ihre Befugnisse zur „Aufrechter­haltung der hamburgischen Verwaltung“ eingesetzt, da die Kredit­fähigkeit der Stadt in Gefahr geraten war.

30.11.1918

Das neue Reichswahl­gesetz tritt in Kraft (Frauenwahlrecht, Verhältniswahl, Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre)

20.12.1918

Beginn der öffentlichen Wohnbauförderung

Die Bürgerschaft beschließt ein Gesetz zur Förderung des Baus kleiner Wohnung mit öffentlichen Mitteln.

1.1.1919

Demonstration auf dem Heiligengeistfeld

Protestversammlung der MSPD, der USPD, KPD und der Hamburger Linksradikalen auf dem Heiligen­geistfeld gegen die Regierung. Auf der Moorweide findet gleich­zeitig eine von der SPD und den Gewerk­schaften veran­staltete Massen­kund­gebung für Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann statt.

7.1.1919

Aufhebung des Zölibats bei Lehrerinnen.

9.1.1919

Die SPD und Gewerkschaften rufen zum Generalstreik am 11.1.1919 auf.

6.3.1919

Mit dem Architekten Emil Maetzel, zugleich Künstler und Mitbegründer der Sezession, tritt eine treibende Kraft der Kultur­szene das Amt des Bau­in­spektors, eine Schlüssel­stellung innerhalb der Bau­verwaltung, an.

16.3.1919

Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft.

Erste gleiche, geheime, freie und allgemeine Wahlen eines Hamburger Parlaments. Ebenso erste Wahlen für Frauen auf Hamburgischer Ebene.

24.3.1919

Erste Sitzung der demokratisch gewählten Hamburgischen Bürgerschaft: Erstmals eröffnet eine Frau ein Parlament in Deutschland: Alters­präsidentin Helene Lange.

26.3.1919

Nach dem Erlass von 135 Verordnungen durch den Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat überträgt dieser wieder die politische Macht an Senat und Bürgerschaft.

28.3.1919

Die neu zusammengesetzte Bürgerschaft wählt den neuen Senat. Werner von Melle wird anschließend zum Ersten, Otto Stolten zum Zweiten Bürgermeister gewählt.

1.4.1919

Spatenstich für die Steenkamp-Siedlung, die erste Kleinhaus­siedlung im Altonaer Raum nach dem Ersten Weltkrieg. Der Garten­stadt­gedanke leitete den Entwurf.

Walter Gropius gründet in Weimar das Bauhaus, die wichtigste Schule für Kunst, Architektur und Design im 20. Jahrhundert.

7.5.1919

Bürgerschaft beschließt Kleinhaus-Siedlung

Angesichts der großen Wohnungsnot beschließt die Bürgerschaft als Bauträger die vollständige Finanzierung einer Siedlung in Langenhorn mit 800 Kleinhäusern.

10.5.1919

Eröffnung der Universität Hamburg

30.5.1919

Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus ist die Neuordnung der Kunsthalle im Sinne des Reformkonzepts Alfred Lichtwarks abgeschlossen und damit der modernen Kunst in Hamburg ein wichtiges Forum geboten.

1.6.1919

Gründung des Hamburger Sportvereins (HSV). SC Germania von 1887, Hamburger FC von 1888 und SC Falke von 1906 schließen sich zusammen

23.-24.6.1919

Hamburger Sülzeunruhen

Auslöser des Aufstands war die Vermutung, dass verfaulte Kadaver zu Sülze verarbeitet wurden. Gewalt gegen Besitzer von Fleisch­fabriken brach aus und auf dem Rathaus­markt wurde ein öffentlicher Pranger aufgestellt. Es kommt zu einer Belagerung des Rathauses. Am 1.7.1919 marschieren Reichswehr- und Freikorps-Truppen in die Stadt ein, um die Unruhen zu beenden, obwohl sich die Lage beruhigt hatte. Durch das rigorose Vorgehen der Truppen kam es insgesamt zu 80 Toten.

28.6.1919

Der Versailler Vertrag wird unterzeichnet.

1.8.1919

Antrag zur Umwandlung der Bücherhallen in eine öffentliche Einrichtung

Die Bücherhallen, die 1899 von der Patriotischen Gesellschaft gegründet wurden, wurden Anfang 1920 zur Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen (HÖB)

1.10.1919

Zusammenschluss der Ortskran­kenkassen und weiterer Kassen zu Allgemeinen Ortskrankenkasse Hamburg (AOK)

5.12.1919

Versammlung der im Wohl­fahrts­bereich tätigen Sozial­demokrat­innen und Sozial­demokraten, in deren Folge im Februar 1920 die Arbeiter­wohlfahrt („Hamburger Ausschuss für soziale Fürsorge“) gegründet wird

Weiterführend: hamburg-18-19.de

Veranstaltungen: hamburg-18-19.de/veranstaltungen

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