Andreas Patommel – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 09 Feb 2024 11:12:04 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Kunstgeschenk zum kleinen Jubiläum https://www.tiefgang.net/kunstgeschenk-zum-kleinen-jubilaeum/ Fri, 09 Feb 2024 23:06:09 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10564 [...]]]> Ende Januar 2024 jährte sich das Bestehen der Harburger Kunstleihe bereits zum 5 Male. Und ganz unverhofft kam Mitgründer und Künstler Jan Ratschat mit einem Geschenk aus Öl.

Der Ursprung der Idee eines ersten nichtkommerziellen Kunstverleihs geht allerdings auf das Jahr 2017 zurück. Einige Mitstreiter*innen der Harburger Kulturinitiative SuedKultur saßen zusammen und überlegten nach den erfolgreich angelaufenen Projekten der SuedKultur Music-Night sowie den SuedLese Literaturtagen, was man zur Stärkung der die Bildenden Kunst im Süden der Hansestadt auf die Beine stellen könnte. Darunter die bekannte und 2022 verstorbene Künstlerin Anke de Vries, Bücherhallen-Kunstkurator Andreas Patommel, Künstler Jan Ratschat, Künstlerin Sabine Schnell und Heiko Langanke. Neben vielen Ideen stach die der Artothek heraus, die sich seit den 80er Jahren in gut 140 Städten der Bundesrepublik etablierte. Die Idee ist kurz und gut: man stärkt die lokalen zeitgenössischen Künstler*innen, in dem man sie gemeinsam präsentiert und macht Kunst erfahrbar, in dem man sie den Interessierten für eine gewisse Zeit leiht. So kann man sich im persönlichen Umfeld mal länger mit Technik, Motiv, Künstler*in und Strahlkraft befassen.
Man machte sich schlau und holte sich Hilfe in Köln, Eckernförde, Kiel, Buxtehude und Marburg, tüftelte, stellte es einer Vielzahl von lokalen Künstler*innen vor, diskutierte und brachte es zum Test in der damaligen leerstehenden Dreifaltigkeitskirche Harburgs in der Neuen Straße auf den Weg. Im Januar 2019 und mit Unterstützung der Alfred Toepfer-, Claussen-Simon- und ZEITStiftung wurde dann im hergerichteten Gemeindesaal ganz offiziell und sogar im Beisein des Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi und zahlreichen illustren Gästen die Kunstliehe Harburg offiziell eröffnet.
Seither musste sie zwar zweimal den Standort wechseln, bis sie Anfang 2020 ihr jetziges Zuhause in der Heimfelder Meyerstraße fand. Aber sie ist eine Erfolgsgeschichte geworden, die bei Harburger und Hamburger Kunstinteressierten gleichermaßen großen Anklang findet. „Harburgs lokale Kunstszene ist nicht gerade auf Rosen gebettet“, so Jan Ratschat, der zugesteht, dass auch er anfangs seine Skepsis zu dem Projekt hatte. „Damals wurde gerade das bekannte Atelier SchauRaum selbst bei geringfügiger Förderung dicht gemacht. Und auch aktuell ist die Kunstleihe nur durch viel Ehrenamt haltbar. Aber die Zahl der Ausleihen, der engagierte Einsatz für die lokalen Künstler*innen und die gewaltige Resonanz für die Künstler*innen ist ein absoluter Beweis, dass dieses System funktioniert!“
Und als Dank für das Engagement brachte Jan Ratschat nun zum 5jährigen Bestehen zwei Ölwerke als Geschenk mit. Ratschat, der jüngst erfolgreich in Güstrow ausstellte und verkaufte, will damit das Harburger Engagement würdigen.
„Es freut uns ungemein“, so Heiko Langanke, Vorsitzender des gemeinnützigen Kunstvereins. „Schöner wäre natürlich, wenn auch wir den Dank an die unglaublich lebhafte Kunstszene in Hamburgs Süden damit würdigen könnten, dass wir hin und wieder ein Werk für unseren Bestand ankaufen könnten statt meist durch Dauerleihgaben und zu Lasten der Künstler*innen selbst Interessierte für die Kunst zu begeistern. Denn das ist im Grunde Teil der Systematik von Artotheken: lokale Künstler*innen zu würdigen und ihre Kunst dann allen und auf Zeit zur Verfügung zu stellen. Aber dass wir auch ohnedies von gut 70 Künstler*innen mittlerweile gut 400 Werke im Bestand haben, ist auch für sich sprechend. Die Szene ist lebendig und das Interesse an ihr ebenso groß!
Feiern will der ehrenamtliche Verein dieses Jahr sein kleines Jubiläum nicht, sondern setzt weiterhin auf reale Aktionen. So ist dieses Jahr ein großes vierwöchiges Kunstevent namens SuedArt24 in Arbeit und im Juni zu erwarten. Hier ergibt sich eventuell auch die Chance gemeinsam mit der nun 40jährigen Artothek in Buxtehude anzustoßen aber auch einem breiten Publikum zu erklären, wie wichtig diese ungewöhnlich niedrigschwellige Art der Kunstvermittlung im Umfeld des Kunstbetriebes ist.
Und wer dennoch der Kunstleihe gratulieren will, spendet entweder auf das Konto der Kunstleihe, GLSD Bank, IBAN: DE37430609671041701000 oder leiht sich selbst Kunst an den Öffnungstagen Do & Fr 14-18 Uhr und samstags von 12-18 Uhr. Meyerstr. 26, 21075 HH-Heimfeld, www.kunstleihe-harburg.de.

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Holt Euch die Kunst nachhause! https://www.tiefgang.net/holt-euch-die-kunst-nachhause/ Sat, 05 Aug 2017 04:09:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1732 [...]]]> Die Idee ist so spektakulär unspektakulär, dass es ein Wunder ist, dass es sie in Hamburg noch nicht gibt: eine Artothek. Dies will eine Gruppe Kunstinteressierter der SuedKultur nun ändern …

Und sie bekommt dabei Unterstützung von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.. Eine Artothek ist wie eine Biblio-, Audio- oder Videothek eben eine Ausleihstelle für Kunst. Bilder, Skulpturen, Grafiken oder Fotografien meist regionaler Künstler*innen sind für ein geringes Entgelt und inklusive einer Versicherung leihbar, schmücken zuhause den Wohn-, oder im Büro den Arbeitsbereich und fördern unwillkürlich die Auseinandersetzung mit Techniken, Inhalten und dem Kunstschaffenden selbst.

SuedKultur will nun in den kommenden ein bis zwei Jahren eine Expertise einholen und ein Konzept passend für Harburg erstellen, um eben im Bezirk Harburg die erste Artothek in Hamburg aufzubauen. Und für diverse Reise- und Übernachtungskosten hat sie nun die Unterstützung der Toepfer-Stiftung zugesagt bekommen.

Leihe günstiger als HVV-Tageskarte

Artotheken sind vor allem in den 80er Jahren allerorts entstanden. Bundesweit gibt es bereits mehr als 130 ihrer Art und je nach Initiatoren sehr unterschiedlicher Ausprägung. In der Nähe etwa in Buxtehude. Auch dort bezieht sich die Artothek vor allem auf regionale Künstler*innen, die dort leben und arbeiten. Und zu einem geringen Preis von 6 Euro inklusive Versicherung und für ein Vierteljahr stehen dort über 500 Werke zur Ausleihe zur Verfügung. Die Artothek Buxtehude existiert bereits seit mehr als 30 Jahren. Dort können übrigens auch Hamburger entleihen. (siehe hierzu auch den Tiefgang-Artikel vom 18. Mrz 2017).

Regionale Kunst und Kunstschaffende gibt es auch reichlich im Bezirk Harburg. Allein der jährliche Kulturtag lässt die Vielfalt und Quantität erahnen.

„Die Vielzahl der im Bezirk ansässigen Künstler lässt sich leicht aus den Teilnehmern am Harburger Kulturtag ablesen. 2016 waren insgesamt 25 Einzelkünstler und Einrichtungen beteiligt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass in vielen Einrichtungen Gruppenausstellungen stattfanden so dass die Anzahl der Einzelkünstler wesentlich höher gewesen ist“, so Anke de Vries, selbst Künstlerin aus Harburg, die vielen durch ihren Kunstverbund „Kobalt Kunst international e.V.“ seit Jahren vertraut ist und die jährlich mit einem offenen Atelier neue Bürger*innen für Kunst zu interessieren schafft.

Und in der Tat: in diesen Jahr findet im Herbst bereits zum 14. Male der Harburger Kulturtag statt, der an einem Samstag jährlich mehrere tausend Besucher in etliche Ausstellungsräume, Galerien und Ateliers in Harburg lockt und damit im Grunde das große Interesse an bildender Kunst vor allem aus dem Regionalen im Bezirk Harburg dokumentiert.

Und damit nicht genug: die Bücherhalle Harburg feiert in diesem Jahr ihr 40jähriges Jubiläum ihrer Galerie, die regelmäßig in der Bücherhalle Harburg in der Eddelbüttlerstraße vor allem regionale Künstler*innen vorstellt. Und das mit großem Zuspruch. Andreas Patommel von der Bücherhalle Harburg und auch Mitinitiator der Artothek Harburg-Idee: „Bis heute hatten wir in der Bücherhalle 451 Ausstellungen mit ca. 11.520 Kunstwerken – Bilder, Skulpturen etc. – und etwa 6.885.000 Besucher. Wir erfassen so etwas ja. Die Galerie war bis heute ununterbrochen belegt –  außer während des Umzugs 1998. Die Nachfrage ist wesentlich höher als das Angebot.“

Die Würdigung regionaler Kunst

Alles Belege, dass auch in Harburg und auch Hamburg eine Artothek auf Nachfrage stößt. Heiko Langanke, Sprecher der SuedKultur: „Wichtig an der Artotheken-Idee ist vor allem, dass regionale Künstler*innen gewürdigt werden. Sie leben und arbeiten hier und verdienen unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Auf der anderen Seite ist es aber auch für den Entleihenden der beste niedrigschwellige Zugang zur Kunst. Man schaut zuhause oft auf so ein Bild, lässt es wirken und stellt sich Fragen nach Aussage, Materialien, Wirkungen von Techniken und all das. Wenn man dazu noch weiß, dass die Kunst quasi aus der Nachbarschaft stammt, wird es erst richtig spannend.“

Tolle Idee, aber wer soll das bezahlen?

„Es ist erstaunlich“, so Langanke, „aber ich habe bisher keinen Fall bundesweit gefunden, bei dem eine Artothek wegen finanzieller Schieflagen geschlossen wurde. Das hat – ganz simpel – auch damit zu tun, dass die erworbenen Kunstwerke haushalterisch meist an Wert gewinnen. Das Geld ist also entgegen allen Klischees und üblichen Vorurteile der Kulturpolitik nicht aus dem Fenster geworfen, sondern mehrt sich sogar. Und zwar weil es Kunst ist!“

Kritische Fragen erwünscht

Nun will die Artotheken-Gruppe der SuedKultur-Initiative Nägel mit Köpfen machen. Es sollen die verschiedenen Artotheken der Republik auf inhaltliche Schwerpunkte, kreative Impulse, Erfahrungswerte der Praxis, Finanzierungsmodelle und auch regionalen Bezügen geprüft und begutachtet werden. Experten sollen besucht oder eingeladen werden, um möglichst viel von den bereits anderswo gemachten Erfahrungen für Harburg zu gewinnen. Letztlich sollen aber auch die modernen Mittel der Digitalisierung und Dokumentation ergründet werden. Letztlich immer unter dem Aspekt, was für den Bezirk Harburg am besten geeignet wäre. Dies soll dann in ein Konzept fließen, das Inhalte, Strukturen, Räume aber auch Finanzen abwägt, darstellt und handhabbar macht. „Es kann auch sein, dass wir an irgendeinem Punkt feststellen müssten, dass es nicht geht. Aber ganz ehrlich? Es würde mich sehr wundern“, so Heiko Langanke schließend. Fest steht für SuedKultur aber auch: es ist keine private Initiative. Vielmehr verstehen sich die Initiatoren als Hilfe, um Verwaltung und Politik das vielfältige Spektrum zu erschließen, um es dann in kommunaler Regie umzusetzen. „Kritische Fragen sind erwünscht“, so Langanke.

Und Künstlerin de Vries: „Der Bezirk Harburg wäre der einzige in ganz Hamburg, der die Einrichtung einer Artothek fördert. Damit gliedert er sich in eine Reihe von großen und kleineren Städten ein, die ihre Artotheken betreiben, bis hin zum Bundestag, der über eine eigene Artothek verfügt. Im Bezirk befindet sich vieles im Wandel. Da ist die Zeit reif, ein eindeutiges Zeichen zu setzen und auf die Veränderungen zu reagieren.“

Interessenten an dem Projekt „Artothek Harburg“ können sich gerne per E-Mail unter kontakt(at)sued-kultur.de melden.

 

 

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