Archäologisches Museum Hamburg – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 17 Apr 2025 14:39:04 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Vier auf einen Streich https://www.tiefgang.net/vier-auf-einen-streich/ Fri, 18 Apr 2025 22:35:49 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11691 [...]]]> Zur Langen Nacht der Museen am Samstag, dem 26. April 2025 präsentiert sich das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg allen Nachtschwärmern.

Eine tolle Gelegenheit für Kulturhungrige, die Ausstellungen des Museums zu besuchen und die exklusiv für diesen Tag zusammengestellten Programme zu erleben. Die Sonderausstellungen „Lost Places – Archäologie der Gegenwart“, „Hamburg von oben: Ein historischer Rundflug“ sowie die archäologische Ausstellung „Abenteuer Archäologie“ und das Museum „Die Bischofsburg“ haben nachts geöffnet. Das Museum bietet in dieser Nacht eine abwechslungsreiche Mischung aus spektakulären Vorführungen und spannenden Aktionen zum Mitmachen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Harburg-Streifzug, bei dem man die größte Freiraumgalerie für Urban Art entdecken kann? Oder einem humorvollen Porträt, das der Karikaturist Jens Natter von den Gästen in nur fünf Minuten erstellt?

Ausstellungsbesuch: Vier auf einen Streich

Das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg bietet zur Langen Nacht der Museen die Möglichkeit, gleich vier Ausstellungen zu besuchen: In der aktuellen Sonderausstellung „Lost Places – Archäologie der Gegenwart“ können Interessierte in vergessene Orte eintauchen und dabei die verborgene Schönheit hinter den verfallenden Gemäuern entdecken. Die archäologische Dauerausstellung bietet den Besucherinnen und Besuchern eine archäologische Erlebniswelt und sie erhalten faszinierende Einblicke in die Vor- und Frühgeschichte Norddeutschlands. Und alle Hamburg-Fans können in der Sonderausstellung „Hamburg von oben“ die Stadt einmal wie ein Vogel von oben betrachten: Historische Luftbilder ermöglichen einmalige Perspektiven. Ein besonderes Erlebnis bietet zudem „Die Bischofsburg“ in der Hamburger Altstadt. Tief unter dem Straßenniveau gelegen, präsentiert sich eines der bedeutendsten Bodendenkmale der Hansestadt. Das Museum wird bis in die späten Abendstunden für das Publikum öffnen und ein umfangreiches Sonderprogramm auf die Beine stellen.

Insgesamt nehmen an der Langen Nacht der Museen über 50 Hamburger Museen und Ausstellungshäuser teil und bieten von 18:00 bis 1:00 Uhr ein vielfältiges Programm mit Ausstellungen, Führungen, Kulinarischem, Musik, Tanz und Film. Ein Gemeinschaftserlebnis bei dem man mit Freunden Hamburgs Museumslandschaft entdecken kann. Zwischen den Museen können Gäste der Langen Nacht der Museen mit extra eingerichteten Busshuttle-Linien, Elbbarkassen und allen regulären HVV-Linien verkehren.

Das Programm im Archäologischen Museum Hamburg:

Kurzführungen: Worauf wir stehen

Unter Straßen, Plätzen, Feldern und Wäldern liegt unsere Vergangenheit verborgen. Durch Ausgrabungen werden Orte mit einer besonderen Geschichte wieder ans Licht gebracht. Die Fundstücke in der Ausstellung „Abenteuer Archäologie“ erzählen von der spannenden Geschichte unserer Vorfahren.

19:30 – 20:00 Uhr | 20:30 bis 21:00 Uhr | 22:30 bis 23:00 Uhr | 23:30 bis 00:00 Uhr

Mitmachaktion: Kunstvoll kleben

Offener Workshop mit Tape-Art-Künstlerin Anne Bracht, bei dem man das kreative Potenzial von farbigen Folien entdecken und coole Sticker gestaltet kann. Der Kurs ist geeignet für Kinder und Familien und alle, die Spaß am Scherenschnitt und bunten Folien haben.

18:00 – 22:00 Uhr

Aktion: Lustige Portraits

Comiczeichner und Karikaturist Jens Natter, Zeichner der Graphic Novel „Hammaburg“ und „Der Kopf der Hanse“ porträtiert in nur fünf Minuten die Ausstellungsgäste humorvoll und mit treffsicherer Ähnlichkeit.

19:00 – 23:00 Uhr

Kurzführung: Lost Places

Industrieanlagen, Bunker, Bahnhöfe oder Kirchen: Die Besucherinnen und Besucher erfahren spannende Geschichten ausgewählter Lost Places und können in den morbiden Charme des Zerfalls eintauchen.

19:00 – 19:30 Uhr | 20:00 – 20:30 Uhr | 21:00 – 21:30 Uhr | 22:00 – 22:30 Uhr | 23:00 – 23:30 Uhr | 00:00 – 00:30 Uhr

Aktion: Bitte lächeln!

Das Museum bietet seinen Gästen eine tolle Foto-Gelegenheit: Accessoires aussuchen und ab geht es in die Fotobox. Dann lächeln, Knopf drücken und fertig ist das Erinnerungs-Selfie!

18:00 – 01:00 Uhr

Stadtführung: Walls Can Dance

Gemeinsam mit den Initiatorinnen und Initiatoren können die Besucherinnen und Besucher die größte Freiraumgalerie für Urban Art entdecken.

Anmeldung unter: https://app.guestoo.de/public/event/654d31da-99d2-4668-b236-1d1387aea485?lang=de

18:00 – 19:30 Uhr

Die Bischofsburg – Ein Besuch der spektakulären Museumsdependance in der Hamburg Innenstadt

Tief unter dem Straßenniveau gelegen, präsentiert sich eines der bedeutendsten Bodendenkmale der Hansestadt: Das Museum „Die Bischofsburg“. Die einzigartige Kombination aus historischem Denkmal und moderner Ausstellung macht das Fundament aus dem 12. Jahrhundert zu einem einzigartigen Ort, an dem die Frühzeit Hamburgs hautnah zu erleben ist.

18:00 – 00:00 Uhr

Ort: Speersort 10 (Ecke Kreuslerstraße), 20095 Hamburg

Nordisch, lecker, handgemacht

Mit den Eiskreationen der Eismanufaktur „Eisbrecher“ wird der Besucher des Museums „Die Bischofsburg“ auch zu einem kulinarischen Erlebnis.

18:00 – 00:00 Uhr

Treffpunkt: Speersort 10 (Ecke Kreuslerstraße), 20095 Hamburg

Kulinarisches: Orient trifft Okzident

Köstliche Speisen serviert die Helms Lounge am Museumsplatz 2.

18:00 – 22:00 Uhr

Informationen zu den Tickets

Das Ticket ermöglicht den Eintritt in alle teilnehmenden Museen am Samstag, den 26. April 2025 von 18 bis 1 Uhr. Es kostet 17 Euro regulär, 12 Euro ermäßigt und 4 Euro für die Junge Nacht (13-17 Jahre).

Tickets sind online im Ticket-Shop der Langen Nacht erhältlich sowie in den teilnehmenden Museen und allen Hamburger Vorverkaufsstellen.

Informationen:

Veranstaltungsorte: Archäologisches Museum Hamburg, Harburger Rathausplatz 5 und Museumsplatz 2, 21073 Hamburg und Speersort 10, 20095 Hamburg (Museum „Die Bischofsburg“)

Termin:                  Samstag, der 26. April 2025

Öffnungszeiten:       18:00 bis 1:00 Uhr

Tickets:                  17 Euro, ermäßigt 12 Euro, 4 Euro „Junge Nacht“ (13-17 Jahre)

 

 

]]>
Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg starten Kulturangebot https://www.tiefgang.net/archaeologisches-museum-hamburg-und-stadtmuseum-harburg-starten-kulturangebot/ Fri, 21 Feb 2025 23:13:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11517 [...]]]> Seit dem 20. Februar ist das ehemalige Karstadt-Kaufhaus in der Harburger Innenstadt ein kreativer Kultur-Treffpunkt.So verlautet es aus dem Senat.

Die offizielle Pressemiteilung:

„Der zur Finanzbehörde gehörende Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen hatte das Gebäude erworben. Das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg ist mit einer Museumsdependance in das Erdgeschoss des neuen „Planet Harburg“ eingezogen. Mit diesem Angebot kommt das Museum direkt zu seinem Publikum und lädt alle ein, in gleich mehreren Ausstellungen zur Harburger Stadtgeschichte den Hamburger Süden auf ganz neue Weise zu entdecken. Zusätzlich wird ein Multifunktionsraum für Vorträge und Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Der Senat stellt für die Museumsdependance Investitionsmittel in Höhe von 300.000 Euro bereit. Der Eintritt ist frei, alle sind willkommen. Heute, am 19. Februar, eröffnete das Museum im Beisein des Finanzsenators Dr. Andreas Dressel und des Senators für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda die neue Museumsdependance im Herzen Harburgs.

Dr. Andreas Dressel, Finanzsenator: „Wir haben das Karstadt-Gebäude im Wege des Vorkaufsrechts erworben, um einen entscheidenden Impuls für die Entwicklung der Harburger Innenstadt zu leisten. Bevor langfristige Weiterentwicklungen weiter geplant werden, kehrt mit dem ‚Planet Harburg‘ schon jetzt – PopUp im besten Sinne – sehr schnell wieder Leben ein in das ehemalige Kaufhaus in der Harburger City. Wir haben uns gemeinsam mit unserem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen, der Sprinkenhof, dem Bezirk, dem Archäologischen Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg, der Kulturbehörde und vielen anderen Beteiligten sehr intensiv darum gekümmert, das Gebäude für die Menschen im Bezirk kurzfristig zu öffnen und neue spannende Angebote zu bieten. Vor diesem Hintergrund ist das Projekt ‚Planet Harburg‘ ein toller Auftakt. Flohmärkte und viele andere Anziehungspunkte werden folgen. Harburg gewinnt!“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der ‚Planet Harburg‘ ist ein wunderbares Beispiel dafür, was Kultur in Hamburg bewirken kann. Einst ein Kaufhaus, wird das vormals leerstehende Karstadt-Gebäude nun ein kultureller Anlaufpunkt in zentraler Lage. Die Museumsdependance des Archäologischen Museums Hamburg und Stadtmuseums Harburg haucht ihm nun mit ihren stadthistorischen Ausstellungen neues Leben ein und bereichert damit nicht nur die Vielfalt der Kulturstadt Hamburg. Hier entsteht ein neuer, dynamischer Treffpunkt, der alle zum Austausch und Lernen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft einlädt – bei freiem Eintritt für alle.“

Dierk Trispel, Stellvertretender Bezirksamtsleiter Harburg: „Die Eröffnung der Museumsdependance des Archäologischen Museums Hamburg und Stadtmuseums Harburg im ‚Planet Harburg‘ ist ein bedeutender Schritt in unserer Vision, dem Gebäude neues Leben einzuhauchen und einen Ort der Kultur, des Wissens und der Begegnung für den Bezirk Harburg zu schaffen. Das Museum ist dabei ein wertvoller Partner an unserer Seite, indem es nicht nur spannende Einblicke in die Vergangenheit bietet und mit seinem Engagement den kulturellen Austausch fördert, sondern auch mit dem multifunktionalen Vortragsaal vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für Veranstaltungen und Vorträge ermöglicht.“

Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg und Stadtmuseums Harburg: „Mit der Dependance ‚Planet Harburg‘ schlägt das Museum erneut einen innovativen Weg ein, um ein niedrigschwelliges Angebot für alle gesellschaftlichen Gruppen zu schaffen. Es gibt in der Harburger Innenstadt kaum einen exponierteren Ort als das ehemalige Kaufhaus-Gebäude, und es freut uns besonders, dass wir hier mit einem kostenfreien Kulturangebot Besucher erreichen, die sonst vielleicht nicht ins Museum gehen würden.“

Informationen zum „Planet Harburg“

Mit diesem Ausstellungsprojekt schlägt das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg ein neues spannendes Kapitel auf: Zentral gelegen am Herbert-und-Greta-Wehner-Platz und in direkter Nachbarschaft zur beliebten Fußgängerzone Lüneburger Straße sowie dem Wochenmarkt am Sand, eröffnet das Museum ab Mitte Februar seine neuen Räume im ehemaligen Kaufhaus-Gebäude. Die Kultureinrichtung schafft so einen neuen attraktiven Anlaufpunkt im Stadtzentrum.

Das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg verfolgt bereits seit vielen Jahren konsequent den Ansatz, durch immer neue und unterschiedlichste Formate seine Vermittlungsarbeit breit aufzustellen. Schon mit dem ArchäoMobil, dem „Mini-Museum auf Rädern“, zeigt das Haus auf vielfältigen Veranstaltungen in und um Hamburg, wie viel Spaß ein Museumsbesuch machen und zum Erlebnis werden kann. Mit dem Projekt „Planet Harburg“ geht das Haus nun erneut innovative Wege, um Barrieren abzubauen und neue Zielgruppen anzusprechen. Das Museum kommt direkt zu den Menschen und vermittelt auf neue Art und Weise die Harburger Stadtgeschichte. Und das Beste: Dieses Kulturangebot ist für alle kostenfrei.

Harburger Stadtgeschichte neu inszeniert

Auf 400 Quadratmetern im Erdgeschoss des einstigen Kaufhauses zeigt das Museum zum Start gleich mehrere Sonderausstellungen zur Entwicklung der bis 1937 selbständigen Stadt Harburg und erzählt anhand von historischen Fotos und Dokumenten die spannenden Geschichten, die hinter diesem Wandel stecken.

Das Konzept hinter der Zwischennutzung

Das leerstehende Karstadt-Gebäude ist seit 2023 im Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg. Das Konzept „Planet Harburg“ bietet einen idealen Raum für frische Impulse in der Harburger Innenstadt: Ob Ausstellungen, Veranstaltungen oder PopUp-Stores – mit kreativen Ideen für die Zwischennutzung soll sich das Gebäude zu einem attraktiven Standort entwickeln. Die Eröffnung der Ausstellungen des Archäologischen Museums Hamburg und Stadtmuseums Harburg bildet den Startschuss für die Zukunft des prestigeträchtigen Gebäudes und die Entfaltung neuer Potentiale in der Harburger Innenstadt.

Der „Planet Harburg“ feiert am 19. Februar seine Eröffnung. Alle Interessierten haben danach ab dem 20. Februar die Gelegenheit, die neuen Ausstellungsräume des Museums zu erkunden. Der Eintritt im „Planet Harburg“ ist kostenlos.

Adresse: Planet Harburg, Herbert-und-Greta-Wehner-Platz, 21073 Hamburg-Harburg

Öffnungszeiten: ab 20. Februar 2025: Mittwoch und Donnerstag, Samstag und Sonntag, jeweils von 10:00 bis 17:00 Uhr“

 

]]>
Auf den Spuren des „Weißen Schwans“ https://www.tiefgang.net/auf-den-spuren-des-weissen-schwans/ Fri, 15 Dec 2023 23:02:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10493 [...]]]> Das Archäologische Museum Hamburg führt seit Juli 2023 im Bereich der Harburger Schloßstraße eine Ausgrabung auf einem historisch besonders bedeutsamen Areal durch. Jetzt gibt es erste Ergebnisse.

Im 18. Jahrhundert stand an der Ecke Kanalplatz/Harburger Schloßstraße einst das stattliche Gasthaus „Zum Weißen Schwan“, das zu den renommiertesten Hotels in Harburg zählte. Noch bis April 2024 wird hier eine Fläche von 600 Quadratmetern untersucht. Nun stellt das Grabungsteam erste Ergebnisse vor.

Seit dem Sommer ist das Archäologische Museum Hamburg auf der Suche nach der frühen Geschichte der Stadt im Bereich der Harburger Schloßstraße. Mit einem zehnköpfigen Team wird noch bis April 2024 eine Grabungsfläche von etwa 600 Quadratmetern archäologisch untersucht. Bis zu einer Tiefe von 1,30 Meter über NN sind die Archäologen und Archäologinnen bereits vorgedrungen, dabei erfolgte ein Aushub von mehr als 360 Kubikmetern Erdreich. Aufgrund des ganzjährigen Einsatzes, auch bei winterlichen Temperaturen, wurde die Grabungsstelle mit zwei großen Zelten geschützt. Doch der Aufwand hat sich schon jetzt gelohnt: Das Team konnte bereits eine Fülle von neuen Erkenntnissen zur Harburger Siedlungsgeschichte sammeln. Diese sind für die Forschung besonders wichtig, da aus der Zeit des Gasthauses „Zum Weißen Schwan“ nur wenige archivalische Quellen vorliegen. Ziel der Ausgrabung ist es, Siedlungsreste zu erfassen, um die mittelalterliche und neuzeitliche Besiedlungsgeschichte des Areals zu klären.

Das Grundstück an der Ecke Kanalplatz/Harburger Schloßstraße in unmittelbarer Nähe zum alten Rathaus, dem Hafen und der Festung liegt im ältesten Bereich der ehemals selbstständigen Stadt Harburg. Das Archäologische Museum Hamburg hat in den vergangenen Jahren schon mehrere Grabungen in der Harburger Schloßstraße durchgeführt, doch auf die aktuelle Grabung blicken die Archäologinnen und Archäologen mit besonderer Spannung. Bekannt war bisher nur, dass der Gasthof „Zum Weißen Schwan“ an dieser Stelle von 1819 bis 1965 stand. Einige Harburgerinnen und Harburger haben das jüngste, wohl kurz nach der Franzosenzeit um 1814 errichtete Gebäude des Gasthofs, das bei Bombenangriffen 1943 beschädigt und 1965 schließlich abgebrochen wurde, sicherlich noch vor Augen. Das Grabungsareal entlang der nördlichen Harburger Schloßstraße stellt zudem eine siedlungstopografische Besonderheit dar: Der Straßenverlauf hat sich über 800 Jahre nicht verändert – beste Voraussetzungen die frühe Siedlungsgeschichte Harburgs an dieser Stelle zu erforschen.

Was haben die Archäologinnen und Archäologen bisher gefunden?

Zu den wesentlichen Ergebnissen der aktuellen Grabung gehört der Nachweis von verschiedenen aufeinanderfolgenden Bauphasen, die nun erstmals einen Einblick in die Bebauung des Areals vor der Errichtung des uns bekannten Gasthauses ermöglichen. Bei ihren Recherchen im Vorfeld waren die Archäologinnen und Archäologen in historischen Quellen auf Informationen gestoßen, wonach an dieser Stelle schon früher ein Wirtshaus gestanden haben muss: Bei einer Volkszählung im Jahr 1725 wurde ein gewisser Eberhardt Rönneborg als „Krüger“ – also Gastwirt – angegeben. Tatsächlich bestätigte sich dieser Hinweis bei den Grabungsarbeiten: Im Abraum konnte eine große Menge an Funden von Speise- und Trinkgeschirr festgestellt werden, das vermutlich aus dem Gasthaus stammte. Im weiteren Verlauf stießen die Archäologinnen und Archäologen dann auf die Fundamente des Vorgängerbaus des „Weißen Schwans“, der in den Jahren zwischen 1695 und 1709 errichtet worden sein muss. Die Datierung gelang dabei durch einen archäologischen Glücksfall: Im Bereich der massiven Feldsteinfundamente des Gebäudes fanden sich eine Silbermünze des dänischen Königs Christian V. von 1695 sowie Keramik, vor allem friesische Fayence aus derselben Zeit. Hervorzuheben ist hier besonders ein Fund: Das Fragment eines sogenannten Koppchens, einer henkellosen Tasse aus chinesischem Imari-Porzellan, das in die Kangxi-Ära datiert (1661-1722). Es belegt die weitreichenden Handelsbeziehungen der Stadt, aber auch den Reichtum der hier ansässigen Bürger.

Zu den wichtigsten historischen Fixpunkten einer Stadthistorie zählen oftmals auch Zerstörungsereignisse. Für Harburg sind drei großflächige Brände mit einer nahezu vollständigen Zerstörung der Stadt überliefert. Die beiden Stadtbrände von 1536 und 1564 konnten als Brandschichten innerhalb der aktuellen Ausgrabung bereits nachgewiesen werden. Es konnte außerdem festgestellt werden, dass das Grundstück zu dieser Zeit in kleine Parzellen unterteilt war. Die Grundstücksgrenzen dieser Parzellen aus dem 16. Jahrhundert sind durch Gräben, Feldsteinfundamente, Schwellbalken und Pfosten deutlich markiert. Im südlich gelegenen Grabungsabschnitt fanden sich zudem Hinweise auf die Anwesenheit verschiedener Handwerksberufe. So wurden Metallschlacken, Lederreste und zahlreiche Spinnwirteln gefunden sowie auch gepflasterte Kochstellen mit Feuergruben und Keramik. „Schon der bis jetzt erreichte Erkenntnisstand ist außerordentlich hoch einzuschätzen und übertrifft unsere Erwartungen“, so Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums und Landesarchäologe von Hamburg. „Die große Bandbreite der archäologischen Spuren und die Anzahl und Qualität der einzelnen Funde belegen die hohe Bedeutung, die der Region seit hunderten von Jahren nicht nur als Siedlungsgebiet, sondern auch als Verkehrsknotenpunkt zukam“, so Weiss.

Die Arbeit der Archäologinnen und Archäologen geht weiter. Mit dem Areal an der Harburger Schloßstraße zählt Harburg schon jetzt zu einer der am besten ergrabenen mittelalterlichen Städte Deutschlands und das Grabungsteam ist gespannt, welche Einblicke in Harburgs Untergrund bis April noch auf sie wartet. „Bei früheren Grabungen sind wir an vielen Stellen auf die bewegte militärische Geschichte Harburgs gestoßen. Diese spiegelt sich oftmals in einem hohen Fundaufkommen in Form von Waffen, Pistolenkugeln, Musketengabeln und Artilleriegeschossen wider. Aber auch mit Gegenständen des täglichen Lebens wie Pilgerzeichen, Schmuck und Tonpfeifen rechnen wir noch“, sagt Grabungsleiter Dr. Martin Eckert.

]]>
Der 20. Harburger Kulturtag! https://www.tiefgang.net/der-20-harburger-kulturtag/ Fri, 27 Oct 2023 22:38:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10374 [...]]]> Der Harburger Kulturtag feiert am So., 5. November sein 20-jähriges Jubiläum! 

Kunst, Kultur, Shopping, Laternenumzug, Feuerwerk und viel Programm: zum 20. Harburger Kulturtag und am verkaufsoffenen Sonntag zeigt Harburg seine kulturelle Vielfalt in gnazer Breite! Und dieses Jubiläum ist ein wahrer Grund zum Feiern. Der Harburger Kulturtag, ein bewährtes Konzept, überzeugt die Hamburger*innen Jahr für Jahr mit einem breiten Spektrum an kulturellen Angeboten. Der Harburger Kulturtag verbindet erneut die zahlreichen Kultureinrichtungen Harburgs, die die kulturelle Anziehungskraft in Hamburgs Süden eindrucksvoll unterstreichen. Am Sonntag, dem 5. November, von 12 bis 20 Uhr präsentieren sich mehr als 25 Harburger Kulturinstitutionen mit einem speziell für diesen Tag konzipierten Jubiläumsprogramm – und das alles bei freiem Eintritt!
Zusätzlich bieten viele Harburger Schaufenster eine Fülle an Sehenswertem. Im Rahmen des Projekts „KunstSchauFenster“ der Kunstleihe Habrurg werden Werke verschiedener Künstler*innen in den Einzelhandelsgeschäften Harburgs ausgestellt, die Kunstgruppe wattenbergART präsentiert sich in der Passage der CityGalerie und selbst der ewig leerstehende Glaspavillon am Lüneburger Tor wird zum Schauplatz einer Installation des Kunstduos well-wired-Team.

Folgende Künstler:innen und Institutionen sind am Harburger Kulturtag vertreten:
antikyno, Archäologisches Museum Hamburg, Ateliergemeinschaft Atelier 32, Alles wird schön, Electrum, Fischhalle Harburg, Freundeskreis Harburger Theater e.V., Harburg Pop Up Store, Galerie 1565, Geschichtswerkstatt Harburg, Habibi-Atelier, Harburger Theater, Harburg Info, HinZimmer, KulturKiosk Blohmstraße, Kunstleihe Harburg, Künstler zu Gast in Harburg, Kunstverein Harburger Bahnhof, KulturWerkstatt Harburg e.V., Medical School Hamburg, Paul-Gerhardt-Kirche Harburg, Sammlung Falckenberg, Sparkasse Harburg-Buxtehude, TU Hamburg,
Alle teilnehmenden Institutionen und das dazugehörige Kulturprogramm werden zeitnah auf Social Media und der Website des Harburg Marketing e.V. (www.harburg-marketing.de) kommuniziert. Die Programmflyer sind in der Harburg Info, Hölertwiete 6, zu finden.

Vor 20 Jahren hatte ein Trio um den seinerzeit neuen Chef des Archäologischen Museums, Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, die Idee, Harburgs Kulturszene mal angemessen ins rechte Licht zu rücken und die Idee des Harburger Kulturtags war geboren. Ateliers, Museen und die Falckenberg-Sammlung öffneten ihre Pforten und zeigten ihre aktuellen Arbeiten. Von Jahr zu Jahr wuchs die Teilnehmerzahl und tausende von Menschen nutzten das Angebot. Vor einigen Jahren dann wurde
der Kulturtag mit dem verkaufsoffenen Sonntag im November zusammengelegt. Eine Gelegenheit, Geschäfte und Kultur zusammenzubringen. Doch zunächst liefen Geschäfts- und Kulturbetrieb weitestgehend neben- statt miteinander. Die Pandemie tat ihr übriges.
Daher nahm schon im letzten Jahr die Kunstleihe Harburg die Aktion „KunstSchauFenster“ in Angriff und konnte vor allem mit dem Verband „Unternehmer ohne Grenzen“ zehn Ladengeschäfte mit KunstSchauFenstern bestücken. Zum 20. Harburger Kulturtag und dem Erfolg des letzten Jahres werden es nun zwanzig! „Dabei wurden wir auch die Vitrinen in der Galerie-Passage in der Lüneburger Straße aufmerksam gemacht“, so Sabine Schnell vom Vorstand des Vereins Kunstleihe Hamburg. „Dort wird nun die Künstler*innengruppe wattenbergART einige ihrer Werke und Künstler*innen präsentieren.“ Und auch in der Hölertwiete fiel ein Schaukasten unangenehm auf. In diesem war offenbar seit gut 30 Jahren die Modewerbung nicht getauscht. Nun prangt ein Werk der Harburger Künstlerin Petra Hagedorn dort und schafft es so wieder als Hingucker zu fungieren.
Und auch ein weiterer Lost Place fiel dem Netzwerk rund um die Kunstleihe ins Auge: der schon lange leerstehende Glaspavillon am Lüneburger Tor / Durchgang zum Harburger Ring. „Er ist ideal für eine Installation des Künstlerduos well-wired-team geeignet“, so Sabine Schnell. Was genau ab Dunkelheit zu sehen sein wird, bleibt zunächst eine Überraschung.

Kunst-Farbbildbände und Kinderbücher gibt es am HinZimmer im Hinzeweg in Heimfeld. Nutzen Sie die Gelegenheit für einen Spaziergang in Heimfeld, während die Kunst-Initiativen geöffnet sind. Es gibt viel zu entdecken an diesem Kulturtag Harburg. Im HinZimmer kann man zwischen 15 und 18 Uhr eine wunderschöne Sammlung von Kunstbände anschauen und gegen eine Spende mitnehmen.

 

]]>
Auf Tuchfühlung mit dem Mittelalter https://www.tiefgang.net/auf-tuchfuehlung-mit-dem-mittelalter/ Fri, 11 Aug 2023 22:34:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10163 [...]]]> Ab sofort können die Besucher*innen wieder eines der bedeutendsten archäologischen Denkmale der Hansestadt entdecken: Das „Museum – Die Bischofsburg“ am Domplatz ist nach umfassender Neugestaltung wieder eröffnet.

Die Fundamente von Hamburgs ältestem erhaltenen Gebäude nahe der historischen Hammaburg wurden frisch in Szene gesetzt. Das Turmfundament aus dem 12. Jahrhundert – inszeniert mit einer innovativen Lichtinstallation – lädt nun dazu ein, auf ganz neue Weise in die mittelalterliche Geschichte Hamburgs einzutauchen. Nach neuesten Forschungen könnte es sich sogar um das Fundament des ältesten Hamburger Stadttores handeln. Der Eintritt in die Bischofsburg ist kostenlos, und Genuss und Museumsbesuch lassen sich hier verbinden: In den historischen Räumen hat die Eismanufaktur „Eisbrecher“ eine Filiale eröffnet. Am Mittwoch, 9. August, eröffnete das Museum im Beisein von Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, die Museumsdependance im Herzen der Hansestadt.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Nach einer umfassenden Umgestaltung ist die Bischofsburg nun wieder für die Besucherinnen und Besucher geöffnet und macht das Mittelalter in unmittelbarer Nähe zur Hammaburg und Neuen Burg wieder erlebbar. Im Herzen der Innenstadt kann man eintauchen in die Geschichte unserer Stadt. Die neuesten Forschungsergebnisse, die im Museum dargestellt werden, geben außerdem interessante Einblicke in Hamburgs frühe Stadtgeschichte.“

Prof. Rainer-Maria Weiss, Landesarchäologe und Direktor des Archäologischen Museums Hamburg: „Das Archäologische Museum Hamburg hat die Anfänge der Hansestadt rund um den Domplatz an Hamburgs Gründungsort gründlich erforscht und neu bewertet. Die spannenden Forschungsergebnisse werden nun vor Ort im Herzen der Stadt auch im Museum erlebbar gemacht. So hat man Hamburgs Mittelalter noch nie erlebt.“

Tief unter dem heutigen Straßenniveau gelegen, präsentiert sich nach einer dreijährigen Umbauphase die spannende Außenstelle des Archäologischen Museums Hamburg: Das „Museum – Die Bischofsburg“.  Mit der Neueröffnung schlägt das Museum ein interessantes Kapitel der frühen Stadtgeschichte auf an einem der historisch bedeutendsten Plätze Hamburgs. Das ringförmige Turmfundament aus dem 12. Jahrhundert mit seinen 19 Metern Durchmesser ist das älteste erhaltene Gebäude Hamburgs. Das historische Gemäuer präsentiert sich nun gänzlich neu gestaltet, und die Besucherinnen und Besucher können hier auf Tuchfühlung mit dem Mittelalter in Hamburg gehen. Im Mittelpunkt des „Museum – Die Bischofsburg“ steht das imposante Turmfundament, das mit einer innovativen Lichtinstallation in Szene gesetzt wurde.

Die überraschend gute Erhaltung des Steinrings zog bereits während der Ausgrabungen in den 1960er-Jahren großes Interesse auf sich. Bei Aushubarbeiten stieß man damals auf den sensationellen archäologischen Befund, der heute als „Bischofsburg” bekannt ist. Damals hat man ihn als Fundament eines mehrgeschossigen Wohnturms des Erzbischofs aus dem 11. Jahrhundert gedeutet und dementsprechend als „Bischofsburg“ bezeichnet. Jüngste Ausgrabungen des Archäologischen Museums Hamburg erbrachten inzwischen viele neue Erkenntnisse. Die Experten des Museums gehen davon aus, dass das Turmfundament möglicherweise zum ältesten Hamburger Stadttor gehörte. Denn genau hier führt die älteste befestigte Straße der Stadt, die Steinstraße, durch den Heidenwall, Hamburgs früheste Stadtbefestigung. Aber das werden erst künftige Ausgrabungen am Speersort klären können.

Archäologie aufregend inszeniert

In der neu gestalteten Museumsfiliale erwarten die Besucherinnen und Besucher ab sofort spannend aufbereitete Informationen zur Bischofsburg, aber auch zu weiteren archäologischen Entdeckungen aus dem frühen Hamburg. Mit einer Investition von 180.000 Euro, finanziert aus Sondermitteln der Behörde für Kultur und Medien und Mitteln des Archäologischen Museums Hamburg, wurde die Ausstellung nicht nur neu gestaltet, sondern auch ergänzt um die neuesten Forschungsergebnisse zu den bedeutendsten archäologischen Denkmälern der Hamburger Innenstadt: Hammaburg und Neue Burg, beide in nächster Nähe gelegen. Großformatige Illustrationen, die das frühe Hamburg realistisch zum Leben erwecken, führen auf die Spur der mittelalterlichen Hansestadt und präsentieren ein ganz neues Bild der Frühgeschichte Hamburgs.

Regelmäßig werden zukünftig archäologische Rundgänge angeboten, bei denen die Museumsgäste Hamburgs Geschichte hautnah erleben und Spannendes über Hamburg im Mittelalter erfahren können. Der Eintritt ins „Museum – Die Bischofsburg“ ist kostenlos.

Eismanufaktur „Eisbrecher“ eröffnet erste Filiale im Zentrum Hamburgs

Der Besuch der Bischofsburg lohnt sich doppelt: Als Partner des Museums betreibt die Eismanufaktur „Eisbrecher“ dort künftig ihre erste Filiale in der Hamburger Innenstadt. Das handgefertigte Eis erfreut sich im Süden Hamburgs bereits großer Beliebtheit und ist nun auch in der Bischofsburg erhältlich.

 

Informationen: Speersort 10, 20095 Hamburg (Domplatz/Ecke Speersort)

Öffnungszeiten: montags bis samstags von 11:00 Uhr bis 16:00 Uhr | Eintritt: frei

 

]]>
Auf den Spuren des alten Rathauses https://www.tiefgang.net/auf-den-spuren-des-alten-rathauses/ Fri, 23 Jun 2023 22:58:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10075 [...]]]> An der Herzkammer Winsens wird gegraben und man erwartet manche Überraschung …

Die Vorbereitungen laufen, die Baustelle ist bezogen: Von Mitte Juni bis November wird das Archäologische Museum Hamburg wieder eine archäologische Ausgrabung im Herzen der Altstadt von Winsen durchführen. Das Grabungsareal liegt auf historisch bedeutsamem Gelände, denn der nördliche Kirchvorplatz birgt ein einzigartiges Bodendenkmal-Ensemble. An dieser Stelle befanden sich seit dem Mittelalter das Rathaus der Stadt und ein städtischer Glockenturm. Darüber hinaus war die Fläche zwischen Kirche und ehemaligem Rathaus bis zum Jahr 1829 mindestens 600 Jahre lang ein Friedhof. Die Archäologen hoffen nun, dem Boden an einem der geschichtsträchtigsten Plätze Winsens seine Geheimnisse entlocken zu können, bevor die Neubebauung des Areals startet: Im Rahmen der Innenstadtsanierung „Winsen 2030“ soll hier zukünftig ein Wasserspiel errichtet werden.

 Eine Reise durch die Schichten: Was hoffen die Archäologen zu finden?

Die Altstadt von Winsen steht in den letzten Monaten wiederholt im Mittelpunkt der Stadtplanung. Aktuell soll der historische Ortskern der mehr als 850 Jahre alten Stadt im Rahmen einer Sanierung modernisiert werden. Dabei ergibt sich für die Archäologen die einmalige Gelegenheit, historisch bedeutsames Gelände zu erforschen. Schon die Voruntersuchungen des Archäologischen Museums Hamburg im März erwiesen sich als Volltreffer: Es wurden historische Mauer- und Fundamentreste sowie Bestattungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert gefunden. „Das Rathaus, der Amtssitz des Stadtrates, stellte eines der zentralen Elemente einer mittelalterlichen Stadt dar. An dieser Stelle Winsens schlug über 700 Jahre lang das Herz der Stadt, und wir erwarten bei unseren Untersuchungen spannende neue Erkenntnisse zu deren Entstehung und Entwicklung“, sagt Dr. Jochen Brandt, Kreisarchäologe am Archäologischen Museum Hamburg. Mit modernster Grabungstechnik legen die Archäologen an dieser Stelle nun systematisch die Überreste des mittelalterlichen Stadtkerns frei. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich rund um den Kirchvorplatz viele Bauschichten übereinander aufgebaut, und der Boden unweit des früheren Rathauses hält für die Wissenschaftler immer wieder neue Überraschungen bereit.

Die Winsener Innenstadt – ein spannendes Geschichtsbuch unter der Erde

Die Grabung in der Altstadt lässt ein bisher unbekanntes Bild der mittelalterlichen Stadt Winsen entstehen, das aus archivalischen Quellen allein nicht zu rekonstruieren wäre. Historische Bausubstanz und schriftliche Überlieferungen vermögen nur einen kleinen Ausschnitt der Lebenswirklichkeit dieser Zeit zu vermitteln, zumal das Winsener Stadtarchiv im 16. Jahrhundert bei einem großen Stadtbrand vernichtet wurde und nur noch wenige Urkunden im Niedersächsischen Staatsarchiv existieren. Auch das erste in historischen Aufzeichnungen erwähnte Rathaus fiel 1585 einem Feuer zum Opfer, wurde anschließend aber wiederaufgebaut und 1627 im Dreißigjährigen Krieg erneut zerstört. 1629 ließ die Stadt ein weiteres Mal ein Fachwerkhaus errichten, das bis 1928 Bestand hatte. Es wurde allerdings schon im Jahr 1895 in seiner Funktion als Rathaus abgelöst und schließlich als Gaststätte und Finanzamt genutzt. Die Ergebnisse der aktuellen Ausgrabung haben für die Erforschung der Stadtgeschichte einen besonderen Wert und gewähren einen völlig neuen Einblick in die Entstehung der Stadtstrukturen.

Im Rahmen der Ausgrabung gibt es noch zwei weitere Areale, die für die Wissenschaftler von besonderem Interesse sind: Direkt neben dem Rathaus hatte ein 1578 erstmals erwähnter städtischer Turm seinen Platz, in dem die Kirchenglocken hingen und der nach Zerstörungen mehrfach erneuert wurde. Dieser Turm hatte eine stolze Höhe von 50 Metern und war damit schon von weitem sichtbar. 1822 fiel er einem Blitzschlag zum Opfer und wurde 1837 abgebrochen. Die Fläche zwischen Kirche und ehemaligem Rathaus wurde außerdem bis 1829, also mindestens 600 Jahre lang, als Friedhof genutzt. Auch hier erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse.

Informationen zur Ausgrabung

Das Archäologische Museum Hamburg führt die Grabung als diejenige wissenschaftliche Institution durch, die im Landkreis Harburg und in den als Denkmalbehörde eigenständigen Städten Winsen (Luhe) und Buchholz in der Nordheide die fachlichen Aufgaben der Bodendenkmalpflege wahrnimmt.

Interessierte können sich über das aktuelle Grabungsgeschehen auf den Social-Media-Kanälen des Archäologischen Museums Hamburg informieren. Hier werden regelmäßig aktuelle Informationen über die Fortschritte auf der Grabungsstelle geboten. Am 10.09.2023, dem Tag des offenen Denkmals, bietet das Archäologische Museum Hamburg mehrere Führungen über das Gelände an.

Weitere Informationen auch unter: www.amh.de

]]>
Mittelalterfest in den Wallanlagen https://www.tiefgang.net/mittelalterfest-in-den-wallanlagen/ Fri, 19 May 2023 22:34:46 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9892 [...]]]> Hamburg hat in diesem Jahr etwas Großes zu feiern! Vor genau 1000 Jahren wurde die Neue Burg errichtet, nachdem kurz zuvor die Hammaburg aufgegeben worden war.

Hier begann der Aufstieg Hamburgs zur Metropole: Die Neue Burg war im 11. Jahrhundert die größte Burganlage Norddeutschlands. Das Gebiet rund um die Burg gilt heute als die Keimzelle der Hamburger Neustadt. Dieses Jubiläum will das Archäologische Museum Hamburg mit allen Hamburgerinnen und Hamburgern feiern: Am Wochenende des 17. und 18. Juni findet das „Mittelalterfest in den Wallanlagen“ statt, bei dem Geschichte wieder lebendig wird. Ein großes Mitmachprogramm lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, beim Festprogramm mit Bogenschießen, Waffen- und Kampfvorführungen, aber auch einer Mittelalter-Modenschau dabei zu sein. Und das Beste: Alle Veranstaltungen sind kostenfrei!
Eine mittelalterliche Burg sucht man in Hamburgs Stadtbild zwar vergebens, aber dennoch gab es sie: erst die Hammburg, dann die Neue Burg. Sie war im 11. Jahrhundert die größte Burganlage Norddeutschlands und wurde vor genau 1000 Jahren errichtet. Die Archäologen konnten erst vor Kurzem im Rahmen einer Ausgrabung das exakte Gründungsdatum der Neuen Burg feststellen. Der Baubeginn war 1021, fertiggestellt wurde die Burg 1023. Pünktlich zu diesem Jubiläum wird nun mit einem für Hamburg bisher einmaligen Living-History-Event am Samstag, dem 17. Juni und Sonntag, dem 18. Juni in Planten un Blomen gefeiert: Über 60 Darstellerinnen und Darsteller in historischen Gewändern lassen im Rahmen des „Mittelalterfests in den Wallanlagen“ das Leben im Mittelalter wieder lebendig werden. Wikinger, Altsachsen, Slawen und Ritter schlagen für zwei Tage ihr Lager mitten im Park auf und führen alte Handwerkstechniken wie Schmieden, Töpfern, Beinschnitzen, Holzdrechseln und Perlenmachen vor. Für Klein und Groß gibt es viele abwechslungsreiche und kostenfreie Mitmachangebote: Münzen schlagen, Glasperlen herstellen, Bogenschießen, Löffel schnitzen und vieles mehr. Auf zur Zeitreise ins Mittelalter!

Höhepunkte aus dem Programm

Samstag und Sonntag: 11 – 17 Uhr Schmieden für Kinder, Bogen- & Armbrustschießen, Töpfer-Workshop, Kampfschilde bemalen, Münzen prägen, Wolle spinnen
11 und 14 Uhr Fischerei-Vorführung
12 und 15 Uhr Modenschau: Mode im Mittelalter
13 Uhr Vorführung: Waffen- und Kampftechnik
16 Uhr Kurzvortrag: „Vom Erz zum Eisen“

Informationen: 1000 Jahre Neue Burg

In den letzten Jahren hatten die Experten des Archäologischen Museums Hamburg die Gelegenheit, durch zahlreiche Ausgrabungen im Zentrum der Stadt die urkundlichen Überlieferungen zur Gründung der Hansestadt mit aktuellen archäologischen Erkenntnissen abzugleichen. Bei ihren Ausgrabungen an der Neuen Burg zu Füßen des Mahnmals St. Nikolai konnten sie 1000 Jahre alte Eichenstämme sichern, die einst zum Wall der Neuen Burg aus dem 11. Jahrhundert gehörten. Die genaue Analyse der Jahrringe des Holzes verriet den Forschenden schließlich das exakte Gründungsdatum der Neuen Burg. Die eindrucksvolle Wallanlage und ihre spektakuläre Erhaltung stießen bereits während der Ausgrabungen auf großes öffentliches Interesse. Die neuen Erkenntnisse veränderten aber auch die Bewertung der historischen Abläufe, die bisher fester Bestandteil der Hamburgischen Geschichtsschreibung waren. So entstand ein ganz neues historisches Gesamtbild, das die Entstehung und Entwicklung der Hansestadt Hamburg nachzeichnet. Die neuen Erkenntnisse wurden 2021 u. a. in der großen Sonderausstellung „Burgen in Hamburg – Eine Spurensuche“ und einer Publikation vorgestellt.

Termin: 17. und 18. Juni 2023, jeweils 11-17 Uhr
Ort: Große Wallanlagen in Planten un Blomen
Kosten: Eintritt frei!

]]>
8.422,66 Tonnen Fußabdruck https://www.tiefgang.net/8-42266-tonnen-fussabdruck/ Fri, 03 Feb 2023 23:22:04 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9690 [...]]]> Über 8.422 Tonnen CO2-Belastung – das ist die Zahl für 2019, mit der sich 11 Hamburger Institutionen nun herumschlagen müssen …

Unter dem Motto „Elf zu Null – Hamburger Museen handeln“ startete im Sommer 2022 die bundesweit einmalige Initiative von elf Hamburger Museen, Ausstellungshäusern und Gedenkstätten, um gemeinsam das Thema Nachhaltigkeit und Betriebsökologie anzugehen. Jetzt werden die ersten Ergebnisse vorgestellt: Die CO2-Bilanzierung der elf Häuser hat ergeben, dass der gemeinsame Fußabdruck sich auf 8.422,66 Tonnen jährlich beläuft (Referenzjahr 2019). Der mit 90,4 % überwiegende Anteil der Emissionen resultiert dabei aus den Strom- und Wärmeverbräuchen der Häuser. Dies entspricht etwa der Klimawirkung von neun vollbesetzten Großraumflugzeugen, die von Hamburg nach New York und zurück fliegen. In einer erweiterten Bilanz wurde auch die Gästemobilität berücksichtigt, wobei diese teilweise auf Schätzwerten beruht. Inklusive Gästemobilität steigt der CO2-Fußabdruck der elf Häuser auf knapp 40.000 Tonnen, also das Viereinhalbfache. Durch die Einbeziehung der Gästemobilität in den Bilanzierungsprozess nimmt Elf zu Null eine Vorreiterrolle im Kulturbereich ein. Die Bilanzen bilden nun eine belastbare Datengrundlage für ein strategisches Umweltmanagement.

Darüber hinaus erhalten 17 Transformationsmanagerinnen und Transformationsmanager ein Zertifikat über den erfolgreichen Abschluss ihrer Fortbildung. Sie verfügen nun über methodische und fachliche Kompetenzen für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien in ihren Häusern. Die Behörde für Kultur und Medien Hamburg wird die erfolgreiche Initiative auch in 2023 und 2024 unterstützen, um die praktische Umsetzung in den Häusern zu gewährleisten und die Vernetzung weiter zu fördern.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Elf zu Null ist ein hervorragendes Beispiel, wie Kultureinrichtungen die Herausforderungen der Zukunft annehmen. Erstmals liegt eine belastbare Klimabilanz vor, auf der die Häuser nun konkrete Einsparmaßnahmen aufbauen können. Dank der guten Zusammenarbeit können dabei alle von den besten Ideen lernen. Im Rahmen des Mieter-Vermieter-Modells sind wir bei der energetischen Sanierung der Einrichtungen schon einen großen Schritt voran gekommen. Mit den Ergebnissen von Elf zu Null können wir nun den Betrieb der Museen und Ausstellungshäuser nachhaltiger gestalten und beim Schutz des Klimas weiter vorankommen. Der Senat wird dies weiterhin unterstützen, indem er unter anderem Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs fördert.“

Alexander Stockinger, Kaufmännischer Geschäftsführer Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg: „Wir sind mit großem Tempo ins Handeln gekommen: Innerhalb von wenigen Monaten haben wir ein hochmotiviertes Team aus versierten Kolleginnen und Kollegen gebildet und mit den Klimabilanzen eine solide Datengrundlage geschaffen. Daran kann nun die langfristige Arbeit an der Transformation unserer Häuser anknüpfen. Ich danke der Behörde für Kultur und Medien, dass wir unseren Weg im Schulterschluss fortsetzen können und unsere Initiative für zwei weitere Jahre unterstützt wird. Bereits jetzt wird Elf zu Null bundesweit als Good Practice wahrgenommen – unser handlungsorientierter Ansatz und unser geschlossenes Vorgehen inspirieren andere. Das motiviert uns!“

Jacob Sylvester Bilabel, Geschäftsleiter des Aktionsnetzwerks Nachhaltigkeit in Kultur und Medien: „Für mich eine Sensation: Die elf Hamburger Museen legen den ersten deutschen Standard zur Klimabilanzierung der Häuser samt Publikumsverkehr vor und dokumentieren diesen transparent für alle. So etwas gab es bis jetzt noch nicht. Ich bin mir sicher, dass viele in Zukunft von der Vorarbeit des Projektes werden profitieren können. Denn: Der datenbasierte Blick der Hamburger Museen auf die eigenen CO2-Emissionen und die Ursachen dafür schafft Transparenz und ermöglicht so einen strategischen Umgang mit steigenden Energiekosten.“

 Ergebnisse CO2-Bilanzierung

Die CO2-Bilanzierung macht deutlich, an welchem Punkt die Museen ökologisch stehen und bilden den Handlungsrahmen für die künftige Einsparung von Emissionen. Dafür werden nun pro Haus passgenaue Strategien zur Verbesserung der Umweltwirkung entwickelt und in Nachhaltigkeitskonzepten zusammengefasst.

Bereits jetzt wurden zahlreiche Maßnahmen entwickelt oder umgesetzt, so zum Beispiel die Installation smarter Heizkörperthermostate, die Durchführung hydraulischer Abgleiche und die Umrüstung auf LED-Beleuchtung in fast allen Häusern; erweiterte Klimakorridore; großflächige Fenstertausche im MK&G, dem Archäologischen Museum und der Hamburger Kunsthalle; sowie die Nachrüstungen der Gebäudeleittechnik und Anlagensteuerung in mehreren beteiligten Häusern. Auch die Installation von Photovoltaik-Anlagen ist in Planung, so zum Beispiel auf dem Altonaer Museum. Weitgehend finden diese Arbeiten in Zusammenarbeit mit der Sprinkenhof GmbH als Vermieterin der städtischen Kulturimmobilien statt.

Die CO2-Bilanzen wurden einheitlich nach ISO 14064 erstellt und sind damit international vergleichbar. Für den Bereich der Gästemobilität wurde ein eigener Elf zu Null-Standard entwickelt. Dieser legt fest, zu welchem Anteil Emissionen aus der An- und Abreise des Publikums berücksichtigt werden.

Fortbildung erfolgreich abgeschlossen

17 Personen aus den beteiligten Häusern wurden im Rahmen einer Weiterbildung als „Transformationsmanagerinnen und Transformationsmanager für nachhaltige Kultur“ qualifiziert und unterstützen nun ihre Institutionen mit Fachwissen und Methodenkompetenz. Sie fungieren dabei als Übersetzerinnen und Übersetzer, Fürsprecherinnen und Fürsprecher, Ideengeberinnen und Ideengeber und Macherinnen und Macher, um Nachhaltigkeit in allen Prozessen zu verankern und den Veränderungsprozess in die Teams zu vermitteln.

 Wie geht es weiter?

Die Arbeit erfolgt in zwei Strängen: Zum einen werden die Häuser individuell Steuerungsmaßnahmen zur Reduktion von Emissionen entwickeln und umsetzen. Zum anderen wird die erfolgreiche Arbeit in der Elf zu Null-Community fortgesetzt. Dort liegt der Fokus auf Wissenstransfer, Kompetenzaufbau und Vernetzung. Geplant sind Weiterbildungs- und Informationsveranstaltungen, öffentliche Angebote und Publikationen, ein regelmäßiger Austausch und Exkursionen. Außerdem sollen zusätzliche Mittel für gemeinsame Projekte eingeworben werden. So wird die Transformation gestärkt und beschleunigt. Um die elf Häuser in den kommenden zwei Jahren bei diesem Programm zu unterstützen, wird mit Hilfe der Förderung der Behörde für Kultur und Medien eine Stelle als Netzwerkmanagerin bzw. Netzwerkmanager geschaffen.

 Allgemein „Elf zu Null“

Die Federführung der Initiative „Elf zu Null – Hamburger Museen handeln“ liegt beim Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G), die weiteren beteiligten Häuser sind das Altonaer Museum, das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg, das Bucerius Kunst Forum, die Deichtorhallen Hamburg, das Deutsche Hafenmuseum, die Hamburger Kunsthalle, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, das Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK), das Museum der Arbeit und das Museum für Hamburgische Geschichte.

Elf zu Null kooperiert mit dem bundesweiten Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien und wird durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg gefördert.

 

]]>
Wer kommt eigentlich? https://www.tiefgang.net/wer-kommt-eigentlich/ Fri, 13 Jan 2023 23:04:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9637 [...]]]> Wer besucht in Hamburg eigentlich welche Kultureinrichtung? Wie informiert sich das Publikum über Kulturangebote und wie wird die Hamburger Kulturszene wahrgenommen? Die Kulturbehörde will es wissen …

Was hat sich eigentlich seit Beginn der Pandemie verändert? Viele Fragen, denen man noch nicht wirklich nachgegangen ist. Ihre Antworten könnten aber zukunftsweisend sein.

Um repräsentative Daten zur Publikumsstruktur in den Hamburger Kultureinrichtungen zu gewinnen, startet die Behörde für Kultur und Medien in enger Absprache mit Hamburger Kultureinrichtungen im Januar eine breit angelegte Befragung von Besucher*innen, die an verschiedenen Terminen im gesamten Jahr 2023 stattfinden wird. Zunächst wird stichprobenartig das Publikum in den staatlichen Häusern wie den Museumsstiftungen oder den Staatstheatern befragt. Im Laufe des Jahres können sich auch private Kulturinstitutionen an der Befragung beteiligen. Ergänzt wird die Erhebung durch eine Nicht-Besucherbefragung im Laufe des Jahres.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Nach den großen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sehen wir ein sehr uneinheitliches Bild bei den Besucherzahlen: Während einige Kulturveranstaltungen wieder ausverkauft sind, werden andere weiter eher zögerlich besucht. Wir wollen genauer wissen, woran das jeweils liegt und welche Strategien sich lohnen, um das Publikum noch besser anzusprechen. Der erste Schritt ist daher eine breit angelegte Besucherbefragung. Wir wollen erfahren, wie sich das Publikum unserer Kultureinrichtungen zusammensetzt und welche Bedürfnisse es hat. Wir brauchen repräsentative Daten zum Publikum der Kultureinrichtungen und zur Kulturstadt Hamburg. Die Ergebnisse können eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der Kulturstadt Hamburg in den nächsten Jahren sein. Die Kultureinrichtungen können mit dieser Basis noch gezielter auch ein neues Publikum ansprechen und ihre Reichweite vergrößern. Denn wir alle brauchen Kultur.“

Die Befragung der Besucher*innen war ursprünglich für das Jahr 2020 geplant und musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Sie beginnt im Januar und findet in verschiedenen Kultureinrichtungen über das gesamte Jahr 2023 statt. Sie wird vom Leipziger Marktforschungsunternehmen CONOSCOPE durchgeführt und startet in den staatlichen Kulturinstitutionen: Archäologisches Museum Hamburg, Bergedorfer Museumslandschaft, Deichtorhallen Hamburg, Deutsches Schauspielhaus, Hamburg Musik (Elbphilharmonie, Plaza und Laeiszhalle), Hamburger Kunsthalle, Hamburgische Staatsoper, Kampnagel, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, MARKK – Museum am Rothenbaum, Museum für Kunst und Gewerbe, Philharmonisches Staatsorchester, Planetarium Hamburg, Thalia Theater und die Häuser der Stiftung Historische Museen Hamburg.

In jeder Kultureinrichtung werden so viele Besucher*innen befragt, dass die Daten repräsentativ für das jeweilige Haus sind. Alle erhobenen Daten werden außerdem gesammelt ausgewertet, sodass darüber hinaus auch aussagekräftige Ergebnisse zur Publikumsstruktur der Kulturstadt Hamburg insgesamt entstehen. Insgesamt sollen rund 15.000 Besucherinnen und Besucher befragt werden. Geschulte Interviewerinnen und Interviewer werden an mit den Kultureinrichtungen abgestimmten Terminen die Besucher*innen auf Basis eines Fragebogens interviewen. Der Fragebogen kann analog oder digital ausgefüllt werden.

In allen Kultureinrichtungen wird ein identischer Basisfragebogen genutzt. Jede Kultureinrichtung kann außerdem noch eigene Fragen hinzufügen und so Antworten auf individuelle Fragestellungen erhalten.  In den nächsten Monaten können sich außerdem private Kultureinrichtungen anschließen und in ihren Häusern ebenfalls die Besucher*innen befragen. Darüber hinaus soll in einer ergänzenden Nicht-Besucherbefragung im Laufe des Jahres näher untersucht werden, warum Menschen sich gegen den Besuch einer Kultureinrichtung entscheiden und wie sich das Verhalten der Besucher*innen von Kultureinrichtungen in den letzten drei Jahren verändert hat. Es ist geplant, nach rund sechs Monaten ein erstes Zwischenergebnis vorzulegen. Für die Befragung steht insgesamt ein Budget von rund 160.000 Euro zur Verfügung.

]]>
Archäologie on tour https://www.tiefgang.net/archaeologie-on-tour/ Fri, 22 Jul 2022 22:12:06 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9237 [...]]]> Ob beim Hafengeburtstag, den Cruise-Days oder dem Reeperbahn-Festival, bei Stadtteilfesten, verkaufsoffenen Sonntagen oder dem Triathlon, überall in Hamburg und Umgebung kann zukünftig das ArchäoMobil des Archäologischen Museums Hamburg anzutreffen sein und für Archäologie begeistern.

Um mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ins Gespräch zu kommen, besucht das Museum mit seinem neuen mobilen Bildungsprogramm große Events, aber auch Kitas, Schulen und Bibliotheken. Am 21. Juli präsentierte das Museum zusammen mit Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, das „Mini-Museum auf Rädern“ auf dem Hamburger Rathausmarkt erstmals der Öffentlichkeit.

Archäologie ist identitätsstiftend und geeignet, Brücken zu bauen. Sie erklärt auf spannende und faszinierende Weise, woher wir stammen und wie wir früher gelebt haben. Diese Faszination erschließt sich insbesondere, wenn das erforderliche Hintergrundwissen anschaulich und partizipativ vermittelt wird. Mit dem ArchäoMobil geht das Archäologische Museum Hamburg nun neue Wege, um Barrieren abzubauen und neue Zielgruppen anzusprechen.

Das „Mini-Museum auf Rädern“ ist ein Unikat auf Hamburgs Straßen und schon von außen ein echter Hingucker, der neugierig darauf macht, was es mit diesem ungewöhnlichen Fahrzeug auf sich hat. Herzstück des mobilen Museums ist die kleine Ausstellung im Fahrzeuginneren. 15 archäologische Highlight-Objekte, die angefasst, erlebt und erkundet werden können, sind in großen, bunt lackierten Boxen untergebracht. Zudem gibt es Multimedia-Anwendungen, die Hintergrundwissen vermitteln. Ein besonderes Highlight für Kinder ist die kleine Ausgrabungsstätte am Heck des Fahrzeugs. Ein „ArchäoMobil-Team“ begleitet jede Fahrt und bietet individuell auf den Einsatzort ausgerichtete Programme an.

Das Angebot des ArchäoMobils ist für Groß und Klein kostenfrei nutzbar. Nach der Einführungsphase ist geplant, dass das ArchäoMobil auch von Institutionen und Gruppen gebucht werden kann.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit dem ArchäoMobil kommt das Archäologische Museum Hamburg direkt zu den Menschen. Es vermittelt auf neue Art und Weise Archäologie für Alle und zum Anfassen. Das ArchäoMobil macht Lust, sich mit Archäologie auseinanderzusetzen und selbst unsere Geschichte zu erforschen. Es ist ein gutes Beispiel, wie sich die Museen in Hamburg immer mehr öffnen und neue, innovative Wege der Vermittlung gehen. Genau solche Projekte fördert die Kulturbehörde mit den Innovationsmitteln für die Museen.“

Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Landesarchäologe der Freien und Hansestadt Hamburg und Direktor des Archäologischen Museums Hamburg: „Das Archäologische Museum verfolgt schon seit vielen Jahren konsequent den Ansatz, durch immer neue und unterschiedlichste Formate die Vermittlungsarbeit breiter aufzustellen. Mit dem ArchäoMobil kommt nun ein weiterer Baustein dazu, der aufgrund seiner Flexibilität hervorragend dafür geeignet ist, die Faszination der Archäologie anschaulich und an jedem Einsatzort zu vermitteln.“

Gefördert wird das ArchäoMobil mit insgesamt 220.000 Euro aus Mitteln der Innovationsoffensive der Museen der Behörde für Kultur und Medien sowie mit 20.000 Euro der Johann-Max-Böttcher Stiftung und 30.000 Euro Eigenmitteln des Archäologischen Museums Hamburg.

 

 

]]>