Artothek Hamburg – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 13 Jan 2022 07:42:01 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Installation DATA MORGANA https://www.tiefgang.net/installation-data-morgana/ Fri, 07 Jan 2022 23:44:49 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8686 [...]]]> Das Jahr 2022 beginnt in der Kunstleihe Harburg ganz im Zeichen der Corona-Pandemie: digital.
Dunkle Jahreszeit, farbige Eindrücke im Schau-Fenster der Kunstleihe … Täglich von 18 bis mindestens 20 Uhr und bis Ende Januar 2022 ist im Vorraum der Kunstleihe die Kunst-Installation DATA MORGANA von Karl-Heinz Maukel und Werner Jarmatz zu sehen und lädt zum Verweilen. Bei dieser Kunst-Installation interagieren amorphe Drahtskulpturen mit programmierten Lichtmustern. Oder doch ein Hologramm?!

Ein gehäkeltes Drahtobjekt wird auf verblüffende Weise in Szene gesetzt, so dass die Betrachter*innen mit Lichteffekten verzaubert werden. Erreicht wird das mit viel Draht, Dunkelheit, Computer, Beamer und Programmierung. Die Künstler haben aus diesen Zutaten in vielen gemeinsamen Sitzungen ein stimmiges dreidimensionales Objekt geschaffen, dass man sich unbedingt für einige Minuten oder mehr ansehen sollte.
Das Team der Kunstleihe will so vor allem den Anwohnenden ein wenig “Licht am Ende des Tunnels“ bildhaft machen, der dunklen und kalten Jahreszeit ein Kontra geben. Einige wenige konnten dieses Projekt bereits im Rieckhof an einem Tag bewundern. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten hatte sich die Kunstleihe entschieden, dieser Installation noch einmal einen längeren Zeitraum zum „Kennenlernen“ einzuräumen und just zum Jahresbeginn nun soll dies ein deutliches Zeichen auch der Hoffnung für die Kunst nach Corona setzen. Zugleich weist es auf die künftige Möglichkeit hin, sich in der Kunstleihe auch VIDEO-KUNST leihen zu können. Ideal z.B. für Plätze an denen man wartet …

Kunstleihe Harburg, Meyerstr. 26, 21075 Hamburg-Heimfeld, www.kunstleihe-harburg.de, Tel.: 040 – 300 969 48

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Kunst kontaktlos leihen in Corona-Zeiten https://www.tiefgang.net/kunst-kontaktlos-leihen-in-corona-zeiten/ Fri, 03 Apr 2020 22:01:56 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6656 [...]]]> Corona und keine Kunst? Die Harburger Kunstleihe hält dagegen und sorgt für frischen Wind an der Wand.

Die Corona-Krise hat auch in der Kunstwelt zum Stillstand geführt. Keine Ausstellungen und die heimischen Bilder kennt man nun zu genüge. Die Harburger Kunstleihe bietet nun Abhilfe und bietet frische Kunst zur kontaktlosen Leihe an!

Fällt gerade irgendwem die Decke auf den Kopf oder kann wer die eigenen  vier Wände samt Wandschmuck nicht mehr sehen? Dann ist das vielleicht der geeignete Moment, einen neuen Blick zu wagen! Das Team der Kunstleihe Hamburg-Harburg bietet jetzt vielleicht die beste Gelegenheit, sich in aller Ruhe und ganz individuell mit meist zeitgenössischen Bildern zu beschäftigen, die das Zuhause nicht nur verschönern, sondern uns darüber hinaus anregen oder ablenken können.

Die Kunstleihe Hamburg-Harburg ist die erste Hamburger nichtkommerzielle Artothek und hat rund 200 Werke meist lokaler zeitgenössischer Künstler*innen im Bestand, die für sage und schreibe 6,- € im Vierteljahr leihbar sind und so dem eigenen Heim einen neuen Touch geben. Das Kunstleihe-Team hat nun den Bestand im „Werksverzeichnis“ online gestellt: Kunstleihe Werksverzeichnis

Dort kann man die Werke – so sie nicht zur Zeit bereits verliehen sind – anschauen, findet die Maße und Techniken dazu, so dass man in Ruhe ausmessen kann, wo und wie es passen könnte. Per Mail kunstleihe@sued-kultur.de oder Telefon 040 – 300 969-48 kann man dann das Werk reservieren und es wird zur (ggf. kontaktlosen) Ausleihe bereit gemacht.

Einfach Termin vereinbaren, dann an der Kunstleihe Meyerstraße 26 /Ecke Bansenstraße klingeln und das Werk wird transportgerecht herausgegeben. Entsprechende Kartonagen und Verpackungen werden kostenfrei mitgegeben.

Voraussetzung ist die einmalige Aufnahme in die Kunstleihe. Hierzu sollte der Personalausweis eingescannt per Mail an kunstleihe@sued-kultur.de oder per Fax (040 – 300 969-42) übermittelt werden und 12,- € einmalige Aufnahmegebühr sind zu entrichten (per Überweisung vorab auf das Konto Kunstleihe Hamburg, GLS-Bank, Konto IBAN: DE37430609671041701000; BIC GENODEM1GLS oder vor Ort in bar). Im Gegenzug bekommt der Leihende samt geliehenem Bild seinen Leihausweis vor Ort mit.

Auch ein Gutschein für eine Mitgliedschaft bei der Kunstleihe Harburg für „bessere Zeiten“  eröffnet einen neuartigen Zugang zu Kunst. Einfach anfragen und schon jetzt den Weg zur (leihbaren) Kunst für sich oder Freunde eröffnen!

Ein Fernsehbeitrag des NDR zur Kunstleihe Harburg, als sie vorübergehend im „Exil“ in der Eißendorfer Straße war.

Diejenigen, die bereits zu Kunstleihern wurden, sind begeistert vom Konzept und kommen immer wieder, um sich aus dem vielseitigen Angebot etwas auszusuchen, was den eigenen Geschmack trifft oder Neugierde weckt. Drei Monate sind dann der Zeitrahmen, in dem das Werk unverbindlich seine Wirkung in den eigenen Räumen entfalten kann. Im Ausnahmefall, der gar nicht so selten vorkommt, dürfen Liebhaber um weitere drei Monate verlängern. Und: Da ein Großteil der Kunstwerke dank großen Engagements der lokalen Künstler*innen Leihgaben sind – sie sich also meist im Eigentum der Künstler*innen selbst befinden – sind sie meist auch käuflich erwerbbar.

„Das ist im Grunde nicht unser Ziel“, so Sabine Schnell vom Kunstleihe-Team. „Aber gerade in diesen Zeiten, in denen Ausstellungen und Galerien nicht präsent sind, fallen den Künstler*innen ein wesentlicher Teil ihrer Einnahmen weg. Daher bieten wir ganz bewusst auch den Kauf an und vermitteln zwischen Interessierten und  Künstler*innen dann den Kontakt.“

Die Kunstleihe Hamburg-Harburg ist selbst ein gemeinnützig anerkannter Verein und arbeitet unentgeltlich ehrenamtlich. Aber auch der Verein hat seine Kosten für die Miete und Strom und Wasser zu tragen und ist daher ebenso erfreut, wenn Kunstaffine sie mit Spenden unterstützen.

Spendenkonto: 

Kunstleihe Hamburg, GLS-Bank, Konto IBAN: DE37430609671041701000; BIC GENODEM1GLS

 Ergreifen Sie also die Chance! Hier bietet sich die günstige Gelegenheit, das eigene Zuhause zu einem abwechslungsreichen Kulturort zu machen und die ganz eigene Ausstellung zu kreieren. Und ganz nebenbei wird die regionale Kunstszene in der Wahrnehmung und Wertschätzung gestärkt!

12 Euro Aufnahmegebühr, 6 Euro Leihgebühr für 3 Monate.

Kontakt:

Kunstleihe Hamburg-Harburg e.V.

Meyerstr. 26 / Ecke Bansenstraße

21075 Hamburg-Heimfeld (Nähe S-Bahn-Station)

www.sued-kultur.de/kunstleihe

kunstleihe@sued-kultur.de

Tel. /Fax: 040 – 300 969-48 / -42

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Entdecke Dich durch Kunst https://www.tiefgang.net/entdecke-dich-durch-kunst/ Fri, 25 Jan 2019 23:05:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4805 [...]]]> Was ein Auflauf! Vergangenen Mittwoch lud die Initiative SuedKultur zur Einweihung der Kunstleihe für Harburg und ganz Hamburg und der Andrang war groß! Ab Sonntag darf dann jeder leihen.Im Obergeschoss des Kulturprojektes „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche Neue Str. 44 im Harburger Zentrum wurde es kurz nach 18 Uhr sichtlich eng. Das Team vom Irish Pub „The Old Dubliner“ aus der Nachbarschaft reichte Sekt und Häppchen, ein Quartett der Akademie für Musik und Kultur aus Harburgs Hafen spielte auf und knapp hundert Menschen tummelten sich inmitten von Kunst verschiedenster Machart. SuedKultur  im wahrsten Sinne.

v.l. Metin Hakverdi, Heiko Langanke, Dr. Jenny Svensson, Ansgar Wimmer (Foto: Muammer Kazanci)

Unter den Gästen fanden sich neben den sich für die Kunstleihe engagierten Institutionen Stiftungen Alfred Toepfer Stiftung, Ansgar Wimmer, Dr. Jenny Svensson von der Claussen Simon Stiftung , Joachim Bode vom Eisenbahner Bauverein wie auch Anke de Vries vom einstigen Kunstverein Kobalt Kunst international auch Prominenz wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi.

Aus der örtlichen Bezirkspolitik glänzten Heinke Ehlers und Jürgen Marek von den Grünen, aus der Bürgerschaft kam Norbert Hackbusch von der Linken. Für die Verwaltung kam stellvertretend für die Bezirksamtsleiterin Sonja Fredenhagen die auch für Kulturfragen zuständige Sozialdezernentin Dr. Anke Jobmann, vom Berufsverband der Bildenden Künste der Vorsitzende Alfred Stephan Mattes und auch das Präsidium samt Mitgliedern der dort aktiven Kunstinitiative der Technischen Universität Hamburg mit Dr. Ralf Grote oder auch Jens Brauer vom Stadtmuseum Harburg waren zugegen. Aus Buxtehude kam die Leiterin der Artothek Buxtehude, Susanne Wiegel und vom Landesverband der Artotheken Schleswig-Holstein kam Stephan Tresp. Und etliche Kunstinteressierte mehr kamen zusammen.

Jürgen Marek und Jürgen Havlik

Und am Sonntag (27. Januar) von 12 bis 17h ist nun die Kunstleihe erstmals der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich und wer will kann dann „Kunst auf Zeit“ für Zuhause, das Büro, die Kanzlei oder andere Orte entleihen.

Besonders wichtig ist den Initiator*innen der bildungsrelevante Ansatz. Mit Kunst seine persönlichen Erfahrungen zu machen, sie einfach mal in den eigenen vier Wänden, in KiTas, im Büro, der Arztpraxis oder Anwaltskanzlei über eine längere Zeit „wirken“ zu lassen, rufe bei den meisten ganz automatisch Veränderungen hervor. War es bei der spontanen Auswahl vielleicht noch die passende Farbe zum Sofa, ist es wenige Tage später doch vielleicht die Vieldeutigkeit des Motivs, die Technik oder Wirkung in unterschiedlichen Launen oder Lichtern.

Die Kunstleihe Harburg legt den Schwerpunkt dabei vor allem auf die zeitgenössische Kunst und auf die regionalen Künstler*innen. Denn so wie die Kunstvermittlung auf der einen Seite wirke, ist es zugleich eine Würdigung der lokalen Akteur*innen auf der anderen Seite. Im Bezirk Harburg, so ergab u.a. die einjährige Recherche der Initiator*innen, gibt es rund 100 Künstler*innen , die hier leben und / oder arbeiten und ausstellen. Ihnen mehr Wahrnehmung zu verschaffen und abseits der ohnehin statt findenden Einzelausstellungen Hilfestellung bei der Präsentation ihrer Kunst zu geben, ist eines der Ziele der Kunstleihe.

Dr. Ralf Grote (rechts) vom Präsidium der TUHH überreicht ein Werk für die Kunstleihe.

Denn Harburg kann auf eine große Kunsttradition pochen. Es sind nicht allein die bundes- oder landesweiten relevanten Kunstorte wie die Falckenberg-Sammlung, der Kunstverein Harburger Bahnhof oder die Reihe „Kunst verbindet“ des hit-Technologieparks in Harburg, die das Kunstleben von Hamburgs Süden bestimmen. Es gibt auch etliche Ausstellungen und recht regelmäßige Orte auf lokaler Ebene. Ob vom Kunst- und Kulturverein „Alles wird schön“, die seit 40 Jahren stattfindenden Ausstellungen in der Bücherhalle Harburg, seit 15 Jahren der Harburger Kulturtag, das Atelier Seils, Kunst im Kulturhaus Süderelbe, Kulturcafé komm Du, der Kulturwerkstatt Harburg, der Fischhalle, des Ateliers Malrausch, im AKH Krankenhaus Harburg, der Kunstinitiative der Technischen Universität TUHH, den Moorburger Vereinen eldbeich e.V. oder Moorburger Art e.V.  oder der Initiative wattenbergArt – sie alle präsentieren alltäglich Kunstwerke vornehmlich lokaler Künstler*innen und haben auch ein Publikum dafür. Die Recherche ergab, dass über 70.000 Menschen jährlich allein deren Ausstellungen aber auch Kunstkurse frequentieren. Und umso größer die Wahrnehmung dieser Kunst, um so eher ist natürlich auch gegeben, dass diese Kunst gekauft wird.

Kunstleihen – meist als Artothek bezeichnet – gibt es seit den 80er Jahren in der ganzen Bundesrepublik. Als Pendant zu Biblio-, Video- oder Mediatheken kann man bei ihnen Kunst leihen. In Hamburg gab es das bisher nicht, was die Initiative SuedKultur über die Kunstleihe HH-Harburg nun ändert.

Zu leihen sind vorwiegend Werke lokaler Künstler*innen und in Formaten, die eben leihbar sind. Ob Drucke, Fotos, Stiche, Acryl- oder Ölbilder oder auch kleinere Plastiken – die Vielzahl ist nicht nur in den Techniken als auch in den Motiven und Stilisten breit aufgestellt. Und die Kunstleihe startet mit rund 100 Werken.

Das ist auch bei der zu den Ausstellungen ergänzend startenden Kunstleihe ein wünschenswerter Effekt, damit Kunst eben nicht brotlos bleibt. Ihr vorrangiges Ziel ist es aber nicht. Es ist wirklich die Auseinandersetzung mit Kunst auf Zeit. Immer mal etwas anderes an der Wand hängen zu haben, ist immer eine neue Auseinandersetzung. Und wenn es mal nicht gefällt, tauscht man es einfach schnell gegen ein anderes.

Impuls & Vorgeschichte:

Der Impuls zur ersten Hamburger Kunstleihe kam im Januar 2017 in einer Sitzung des bezirklichen Kulturausschusses. Dort lag eine Anfrage eines Verwaltungsmitarbeiters vor. Dieser hatte in den Verwaltungsgebäuden ein ihn offenbar beeindruckendes Werk gesehen, das aber leicht beschädigt war. Da er nicht wusste, wem es überhaupt gehört, ließ er auf dem Amtsweg nach Eigentümer und der Möglichkeit der Reparatur fragen. Es stellte sich heraus, dass es dem Harburger Verein „Künstler zu Gast in Harburg“ gehört, der jährlich Stipendiaten als „artists in residence“ nach arburgHarburg einlädt. Zum Ende ihrer Arbeitsphase erwirbt der Verein von ihnen zudem eines der zu der Zeit geschaffenen  Werke und überlässt sie dem Bezirk, um etwa Büroräume aufzuwerten. Eine Art interne Artothek. Aber warum nur für Behörden? Und schon war die Idee geboren.

Stephan Tresp übermittelt Glückwünsche.

Entwicklung:

Es bildete sich so im Frühjahr 2017 von der Initiative SuedKultur, in der sich rund 50 Kulturinstitutionen des Hamburger Südens vereinen, schnell eine mehrköpfige Arbeitsgruppe, die das Thema genauer ergründete. Recht bald stand auch fest: offenbar hatte seit den 80er Jahren in den wenigsten Fällen eine Artothek aus Kostengründen wohl aber aufgrund mangelnder Leidenschaft der Akteur*innen geschlossen. Andererseits gibt es viele Arten von Kunstleihen und –ansätzen. Wie würde es also am besten für Hamburg passen?

Ein Antrag im bezirklichen Kulturausschuss, von dem man sich erhoffte, das Thema zumindest mit ein wenig Reisekosten unterstützt zu bekommen, lief ins Leere; Doch die Hamburger Alfred Toepfer Stiftung FVS zeigte sich dem Thema gegenüber offen und bewilligte einstweilen 2.000,- €. Und so wurde alsbald Norbert Weber vom Landesverband der Artotheken Schleswig-Holstein eingeladen, um weitere Möglichkeiten, Probleme aber auch Aspekte der Kooperation sowie inhaltliche Facetten zu beleuchten. Es folgten ein Besuch der Stadtgalerie und Stadtbilderei Kiel, die erfolgreich und enthusiastisch eine Kunstleihe auch für Firmen und ihre Büros betreibt. Ein Besuch in der nahegelegenen Artothek in Buxtehude schärfte die Perspektive für die lokalen Künstler*innen und die fundamentale Vermittlungsarbeit für die Kunst. Die Jahrestagung der Schleswig-Holsteinischen Artotheken im süddänischen Apenrade folgten wie auch der Besuch des Kunst- und Kulturzentrums sowie ihrer Artothek in Sonderburg. Am Ende standen nicht nur eine Vielzahl an Eindrücken sondern auch konkreter Austausch, Möglichkeiten der Ausrichtung sowie der Machbarkeit zur Verfügung.

Die Harburger Kunstgruppe wurde 2017 zudem auf die leerstehende Kantine des Rathauses Harburg aufmerksam gemacht, die aber dann 2018 auf einmal nicht mehr zur Verfügung stand, da dort auf Dauer Akten gelagert werden.

In dem Umwidmungsprojekt „3falt“ der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche in Harburg Neue Str. 44 kam dann im Sommer 2018 plötzlich ein Raum in Betracht, der hinsichtlich Lage, Größe und Möglichkeiten nahezu ideal scheint und auch schnell von weiteren Bildenden Künstler*innen für Kunst-Workshops und –Kurse adaptiert wurde.

Volles Haus zur Einweihung.

Alsbald ergab auch der Austausch mit der Kunstinitiative der TUHH, dass diese selbst auch Kunstwerke ihrer Ausstellungen erwirbt und ihren Studierenden und Mitarbeitenden für ihre Arbeitsräume zur Verfügung stellen will. Eines brachte Dr. Ralf Grote vom Präsidium der TUHH auch gleich mit. „Die Kunstleihe ist eine wunderbare Aktion, die wir liebend gerne unterstützen“, so Grote bei der Einweihung. „Auch wir haben ja jede Menge Kunstausstellungen in unseren Institutsräumen und meist behalten wir von den Künstlerinnen und Künstlern eines bei uns“. Und so übergab er eine Fotoarbeit von Monika Vollmer, die Ende letzten Jahres mit der Ausstellung „Wandel – Verwandlung“ sich mit dem aktuellen Thema Braunkohle und Klimawandel beschäftigte. Ebenso als Eröffnungsgabe hatte Jens Brauer, Leiter des Stadtmuseums Harburg einen Druck des Merians mit einer Harburger Stadtansicht des 17. Jahrhunderts mitgebracht. Darauf besonders schön zu sehne, die einstige Dreifaltigkeitskirche, in der die Kunstleihe nun eröffnet.

Ein persönlicher Kontakt von Toepfer-Stiftungs-Vorstand Ansgar Wimmer führte dazu, dass ein privater Sammler sich von der Idee angetan zeigte und bei der altersbedingten Verkleinerung seines Haushaltes einen beträchtlichen Teil seiner Sammlungen zeitgenössischer und teils bundesweit renommierten Kunst ebenso als Leihgabe an die Kunstleihe abtrat. „Es gibt sicher viele bürgerliche Haushalte, die kaum noch wissen, wohin mit all der Kunst! Vielleicht eine gute Anregung, Kunst allen zugänglich zu machen!“

Andreas Patommel v.d. Bücherhalle Harburg (links) und Prof. Michael Ganß im Diskurs.

Der Kontakt wiederum zur renommierten Claussen-Simon-Stiftung Hamburg, die in verschiedenen Kulturgenres jährlich Stipendien vergibt, ergab eine Schenkung der Stiftung von insgesamt acht Werken aktueller Stipendiat*innen. Von denen stammt der Photograf Philipp Meuser direkt aus dem Bezirk Harburg. Zwei weitere Künstlerinnen (Linda Hollkott und Simone Karl) wiesen zumindest durch ihre Kunst einen starken regionalen Bezug auf, da sie beispielsweise in den Phoenixhallen schon ausstellten.

Ein weiterer Austausch mit der benachbarten Dependance „arts & change“ der Medical School Hamburg will sich künftig zudem einem Kursangebot an. Unter Federführung von Prof. Michael Ganß soll elementare und erlebbare Kunstvermittlung für Kleinkinder über Schulen bis hin ins hohe Alter erarbeitet werden und anhand der Kunstleihe-Werke direkt vor Ort erfahrbar machen, welche Wirkung Kunst in vielen Belangen des Alltags hat.

Und das war den ganzen Abend über zu spüren: angeregte Gespräche vor allem über Kunst aber auch das Kulturprojekt 3falt, über Harburg und sein kulturelles Miteinander allerorten.

Ziele:

Aus all den recherchierten und erfahrenen Eindrücken kam die Arbeitsgruppe zu der Überzeugung, dass es in einer Millionenstadt Hamburg am Sinnvollsten ist, die Kunstleihe bezirklich zu organisieren. Damit wäre ein unmittelbarer Bezug in die Nachbarschaft gegeben, der Austausch über Kunst wäre konkret und nahbar und die Vermittlung demnach vermutlich individueller und vor allem leidenschaftlicher. Um aber die Kunstleihe zum keinen politischen Strömungen und Wechseln auszusetzen, zum anderen optional auf ganz Hamburg ausweiten zu können, soll der Kunstfundus sowie Ausleihebetrieb alsbald in eine kleine, unabhängige Stiftung eingebracht werden. Eine renommierte Hamburger Anwaltskanzlei (Rose & Partner) war von der Idee angetan und erarbeitete alsbald pro bono die rechtliche Konstruktion.

Die Stiftung wird die Kunst selbst als Kapitalstock vorhalten und kann aber auch durch öffentliche Zuwendungen gefördert werden. Abhängig sollte sie aber von eben diesen nicht werden. Unter dem Dach der Stiftung könnte dann aus jedem Bezirk eine weitere Kunstleihe entstehen, die sich unabhängig organisieren, aber die Struktur der Stiftung nutzen kann.

Unterstützer:

Bisher waren es also allen voran die Alfred Toepfer-Stiftung, die nicht nur durch die erste Unterstützung zur Recherche sondern auch dem Voranbringen bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht genug gedankt werden kann, aber auch die Eisenbahnbauverein Genossenschaft sowie der lokale und nun  leider aufgelöste Kunstverein „Kobalt Kunst international e.V.“ sowie die Claussen-Simon-Stiftung, ohne die das Projekt nicht zur Verwirklichung gekommen wäre. Aber es sind auch die zahlreichen Künstler*innen vor Ort gewesen, die die Idee immer weiter trieben, die unzähligen Gespräche, die die Leidenschaft und die unzähligen Aspekte von Kunst bereichernd einbrachten und bringen. Und letztlich alle Partner der Initiative SuedKultur, die seit nunmehr 12 Jahren besteht und nun neben einer jährlichen Music-Night für Musik und den Literaturtagen Suedlese nun auch einen weiteren Schwerpunkt für die Bildenden Kunst in Hamburgs Süden setzen konnte. 

Plakat zur Kunstleihe

Die Ausleihe

Erste offizielle Öffnungstage:

So., 27. Jan in der Zeit von 12-17 Uhr sowie Sonntag, der 3. Februar ebenso von 12-17h.

Wer Kunst dann direkt entleihen möchte, möge daran denken, seinen Personalausweis, 12 € einmalige Erfassungsgebühr sowie die Entleihgebühr in Höhe von 6,- €  je Werk und für ein ganzes Vierteljahr dabei zu haben.

Um ein Werk zu leihen, bedarf es nämlich nicht viel: einen gültigen Personalausweis und eine einmalige Gebühr für die Erstellung des Kunstleihe-Ausweises in Höhe von 12,-€. Die Leihgebühr für ein Werk und für ein Vierteljahr beträgt 6,- € und liegt damit unter dem Preis eines Tagestickets der Hamburger Verkehrsbetriebe.

Die Werke werden in eigens erstellten Kartons handlich und gut transportabel mitgegeben.

Gerne würde die Kunstleihe schon jetzt weitere Entleihtage – etwa auch in der Woche – anbieten. Da aber bisher all diese Arbeit noch unentgeltlich ehrenamtlich erfolgt (Entscheidungen über Anträge zur kommunalen Unterstützung sind noch nicht gefallen), bittet die Kunstleihe um die arg eingeschränkte Leihe um Verständnis. Ebenso ist der bisherige Internetauftritt bislang nur rudimentär unter www.sued-kultur.de/kunstleihe.

weiterführend siehe auch: Hamburger Abendblatt vom 25. Januar 2019

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