Atelier am Reeseberg https://www.tiefgang.net Sun, 04 Nov 2018 14:50:01 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Kunst mit göttlichen Funken https://www.tiefgang.net/kunst-mit-goettlichen-funken/ Fri, 02 Nov 2018 23:02:02 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4474 [...]]]> Thomas Helbing Plastik, Raimund Pallusseck Radierung und Alexandra Seils Malerei laden am 15. Harburger Kulturtag in die Welt der Götter ein. Der Titel macht neugierig: „Wenn der Mensch mit dem Scheitel den Himmel berührt“.

Wer sich in der griechischen Mythologie auskennt weiß, dass Intrigen, Machtmissbrauch, Liebe und Zuneigung absolut göttlich sind, denn Prometheus, Bruder von Göttervater Zeus, erschafft den Menschen als ein gottgleiches Wesen. Wen wundert es da, wenn der ein oder andere bei weitgreifenden (politischen) Entscheidungen vielleicht vergisst, dass er doch sterblich ist?

Diesem Gedanken, vom „göttlichen Funken in uns“, gehen die drei Künstler nach. Ihre intensive Auseinandersetzung mit „göttlicher / menschlicher“ Schöpfung und Zerstörung bringt eine große Bandbreite an Werken. Die unterschiedlichen Blickwinkel – von einer positiv blickenden Seele, einem Kritiker und Mahner und einem neugierigen Träumer – auf die mythologische Götterwelt machen die Ausstellung spannend.

Hier geht es nicht nur um große Heldentaten und göttlichen Großmut. Liebe und Verrat, Weisheit und Machtmissbrauch, Zuneigung und Intrigen, Aufbau und Auslöschung begleiten das Wirken der Götter genauso wie die Taten der Menschen. Schließlich hat Prometheus, Bruder von Göttervater Zeus, den Menschen als gottgleiches Wesen erschaffen. Und obwohl Menschen sterblich sind, was sie manchmal selbst gern vergessen, sind sie doch zu Großem fähig, denn sie tragen göttliches Potenzial in sich.
Diesem „göttlichen Funken in uns“ gehen die drei Künstler in ihren Werken nach und nehmen den Betrachter mit auf eine aufregende Odyssee für Auge und Geist. Der Besucher erlebt die Auseinandersetzung mit göttlicher und menschlicher Schöpfung und Zerstörung aus verschiedenen Blickwinkeln – mal aus der Sicht einer positiv blickenden Seele, mal durch die Brille eines Kritikers und Mahners und mal durch die Augen eines Träumers.
Gemeinsam zeigen Helbing, Pallussek und Seils, dass die griechische Mythologie nichts von ihrer Faszination verloren hat, und erzählen die alten Geschichten auf tiefgründige Weise neu.

Helbing: Sysiphos, Gips, 2005, 72 x 20 x 24 cm

Die Ausstellung ist über 2 Räume konzipiert. Einem sehr hellen, der Oberwelt, es ist als dürfe man tatsächlich Zeus auf dem Olymp besuchen und einem dunklen, einer Welt allen Lebens mit allen Facetten.

Als Bildhauer kennt Thomas Helbing das Gefühl eine Figur „Kraft der Gedanken“ lebendig zu machen, auch bekannt als Pygmalion-Mythos.

Helbings Skulpturen und Plastiken haben einen eigenen Realitätscharakter und eine greifbare physische Präsenz. Sie können der Auslöser einer komplexen Wanderung durch die Welt der menschlichen Gefühle sein. Eine Brücke, um uns mit den Träumen der Vorfahren und unseren eigenen zu verbinden. www.ThHelbing.de

Von den Mythen berührt, nähert sich Alexandra Seils auf der Leinwand den Schönheiten der Natur, den göttlichen Weissagungen von Schöpfung und Vernichtung. Die großformatigen Ölgemälde mit dramatischen Landschaften bilden die Kulisse der Götterversammlung, die mit niederschmetterndem Urteil für die Existenz der Menschheit endet.

Daneben stehen friedliche Landschaften und Gärten und es würde nicht verwundern, wenn Gaia, Schöpferin der Erde, der Wälder und Tiere, aus ihnen herausträte. (Abbildung oben: Daphne, Öl auf Leinwand, 80x100cm)

Raimund Pallusseck: Sintflut, Radierung auf Bütten, 14,5x11cm

„Versuch einer Annäherung“ – Die Metamorphosen des Ovid stehen im Mittelpunkt der Radierungen von Raimund Pallusseck. Mit einer Kraft, die tief aus dem Inneren kommt, erzählen die Linien Geschichten vom Sturz der Giganten oder singen klagend über den Zustand der Menschheit. www.AtelierPallusseck.de 

Atelier Alexandra Seils, Reeseberg 3, 21079 Hamburg: „Wenn der Mensch mit dem Scheitel den Himmel berührt“, Vorschau am 3. November ’18, 16-21 Uhr; 15. Harburger Kulturtag am 4. November ’18, 12-20 Uhr

Weiterführender Link: www.alexandraseils.de

 

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Bestechende Kunst der Insekten https://www.tiefgang.net/bestechende-kunst-der-insekten/ Sat, 26 Aug 2017 05:41:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1903 [...]]]> Die Erinnerungen eines Insektenforschers waren ihre künstlerische Inspiration. Nun stellt sie einige Arbeiten beim Harburger Kulturtag aus und die sind wundervoll: Ute Lübbe.

1965 im schleswig-holsteinischen Itzehoe geboren  studierte sie zunächst Medizin und praktizierte als Fachärztin für Psychiatrie. Doch die Kunst war und blieb ihre eigentliche Leidenschaft und so entschied sie sich zur Jahrtausendwende noch zu einem Studium der Grafik, Malerei und Kunstgeschichte und ging nach Marburg. Seit 2013 lebt und arbeitet sie wieder in Schleswig-Holstein – genau genommen Lübeck. Dort hat sie ein eigenes Atelier, ist im Berufsverband bildender Künstler*innen (bbk), der Gemeinschaft Lübecker Künstler*innen wie auch der Gedok, dem Verein zur Förderung von Frauen in künstlerischen Berufen organisiert. Also Profi durch und durch.

Harburgs kreative Synergie

Durch ihre zahlreiche Kontakte kam auch der zur in Harburg lebenden Künstlerin Alexandra Seils zustande. Die lud sie nun in ihr Atelier und anlässlich des Harburger Kulturtages zu einer gemeinsamen Ausstellung ein. Denn, so Lübbe: „Schnell war klar, dass es kreative Synergien zwischen uns gibt und wir uns künstlerisch in Manchem ergänzen.“

Filigran und komplex

Was von ihr zu sehen sein wird, löst bei manchem vermutlich zunächst Kopfschütteln aus: nämlich Insekten. Doch dies hat seine Bewandtnis: „Angeregt wurde ich auch durch die Lektüre von Jean Henri Fabres „Erinnerungen eines Insektenforschers“, so Lübbe. Und da sie seit jeher ein lebhaftes Interesse an der Wissenschaft, der Beobachtung und Kenntnis von Dingen gehabt habe, wurde die Inspiration zur Kunst – in vielfältiger Form.

Sie sehe Dinge in der Natur, die auch ethische Fragestellungen aufwürfen. Wie der nach dem Beginn von Bewusstsein, also eher neuroethische Gedanken. Da ist sie also wieder – die Fachärztin!

Künstlerin Ute Lübbe (Foto: Lübbe)

„Zugleich wirft die Beschäftigung mit Naturwissenschaft zahlreiche Fragen auf“, erläutert sie. „Es wird deutlich wie filigran und komplex vieles gestaltet ist und wie viel wir noch gar nicht wissen. Dies inspirierte mich, mich mit den noch unbekannten Insekten zu beschäftigen und Ihnen – quasi vor ihrer wissenschaftlichen Entdeckung – schon ein äußeres Erscheinungsbild zu geben.“

Wie ist mehr als spannend zu betrachten: denn technisch reicht ihr Repertoire von Malerei über Collage, Stickerei bis hin zur Plastik oder Installation, wobei, so Lübbe, „meine besondere Vorliebe der Zeichnung gilt.“

In Lübeck, wo Ute Lübbe lebt und arbeitet, fühlt sich die Künstlerin auch als solche heimisch und verbunden. „Die Lübecker Kunstszene ist rege und agil. Es gibt die Gemeinschaft Lübecker Künstler, deren Mitglied ich bin und die eine eigene Galerie betreibt, sowie die Gedok die ihren Sitz in Lübeck hat. Die Kunstszene wird neben städtischer Förderung vor allem durch ortsansässige Stiftungen unterstützt und auch die Presse informiert regelmäßig über anstehende Ausstellungen.“ Das macht schon mal was her und gibt auch dem eigenen Schaffen Schwung und Inspiration. Aber wie auch in Hamburg und Harburg gilt: „Die Ausstellungssituation ist allerdings prekär. Seit das Burgkloster nicht mehr zur Verfügung steht. Und wirklich preiswerter und ausreichend großer Atelierraum ist – wie wohl leider überall – rar“, gibt sich Lübbe auch nachdenklich. Am Kulturtag am 4. November werden Ute Lübbe und Alexandra Seils beide vor Ort sein und stehen den hoffentlich zahlreichen Besuchern auch gerne Frage und Antwort.

Harburger Kulturtag am Sa., 4. November 2017 von 12-20 Uhr, Atelier Seils, Reeseberg 3, 21073 Hamburg

Weiterführende Links: www.uteluebbe.de, www.AlexandraSeils.de

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