Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 07 May 2026 08:53:47 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Rost trifft Kaviar https://www.tiefgang.net/rost-trifft-kaviar/ Fri, 08 May 2026 13:50:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13805 [...]]]> Hamburgs schwimmendes Kulturgut geht wieder auf Reise – allerdings nur ein paar Schiffslängen weiter. Die Kulturbehörde verkündete stolz den neuen Liegeplatz für die MS Stubnitz: Ab Sommer 2026 soll der ehemalige DDR-Kühlschifffrachter am Baakenhöft festmachen.

Doch wer genau hinschaut, erkennt hinter der vermeintlichen Rettung ein altbekanntes Muster, das Kulturschaffenden in dieser Stadt den Angstschweiß auf die Stirn treiben dürfte.

Der neue Platz am Baakenhöft ist nicht irgendein Kai. Es ist das Areal, das sich der Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne für sein Herzensprojekt ausgesucht hat: die neue Hamburger Staatsoper. Hier prallen Welten aufeinander. Auf der einen Seite die Stubnitz: ein rostiges, charmantes Industriedenkmal, ein Zentrum für experimentelle Musik, Industrial und Subkultur. Auf der anderen Seite die Vision einer Hochglanz-Oper, finanziert durch privates Mäzenatentum, das so gar nicht zum rauen Charme des Kirchenpauers passt.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda lässt sich in der Pressemitteilung zitieren: „Mit dem neuen Liegeplatz am Baakenhöft sichern wir der MS Stubnitz eine attraktive und zentrale Perspektive im Hafen.“ Doch man fragt sich: Wie lange wird der Bass der Stubnitz-Anlage wummern dürfen, bevor die ersten Beschwerden über die „Lärmbelästigung“ der feinen Operngäste eintreffen? Es wirkt fast so, als wolle man die Subkultur als cooles Beiwerk behalten, solange sie das Image der HafenCity aufwertet, aber bitte nur so lange, bis die echten Bagger für die Oper anrollen.

Das ewige Provisorium: Ein Déjà-vu zum Molotow

Viel schwerer wiegt jedoch die politische Botschaft hinter dem Umzug. Wieder einmal ist von einer „Zwischenlösung“ die Rede. Die Behörde betont zwar: „Das Baakenhöft bietet ideale Bedingungen für den Weiterbetrieb des Kulturschiffs“, verschweigt aber, dass auch dieser Hafenplatz ein Ablaufdatum hat.

Die Geschichte der Hamburger Clubkultur ist gepflastert mit solchen Versprechen. Wir erinnern uns mit Grausen an das Molotow: Erst die Vertreibung von der Reeperbahn durch die maroden Esso-Häuser, dann die jahrelange Wanderung durch Exile und Provisorien. Jedes Mal hieß es, man suche eine dauerhafte Lösung, und jedes Mal endete es in einer neuen, temporären Notunterkunft. Dass Brosda nun von einer „wichtigen Brücke für die Zukunft“ spricht, klingt in den Ohren derer, die das Molotow-Dilemma miterlebt haben, eher nach einer Vertröstungstaktik.

Dass die Stadt es auch nach Jahrzehnten nicht schafft, einem international renommierten Kulturdenkmal wie der Stubnitz einen festen, unumstößlichen Liegeplatz zu garantieren, ist ein Armutszeugnis. Ein echtes Bekenntnis zum schwimmenden Club sieht anders aus. Stattdessen wird die Stubnitz wie eine Schachfigur auf dem Hafen-Spielbrett hin- und hergeschoben, immer dorthin, wo gerade noch Platz ist, bevor der nächste Investor zuschlägt.

Die Stubnitz am Baakenhöft – das klingt nach Abenteuer, nach Freiheit und nach Hafen. Doch es schmeckt auch nach der nächsten Vertreibung auf Raten. Wer die Kultur einer Stadt nur in Provisorien denkt, riskiert, sie irgendwann ganz zu verlieren. Es wird Zeit, dass die Politik aufhört, schockiert zu sein, wenn ein Provisorium endet, und stattdessen endlich den Mut aufbringt, Räume für Subkultur dauerhaft zu schützen. Auch wenn sie keinen Opernfrack tragen.

„Wir freuen uns auf die kommenden Jahre am Baakenhöft“, lässt das Team der Stubnitz verlauten – ein Zweckoptimismus, den man ihnen kaum verübeln kann. Doch Gehen wir also an Bord, solange wir noch dürfen. Denn in Hamburg weiß man nie, wie lange ein „Sommerplatz“ wirklich hält. Wer einen Konzertbesuch wagen will: https://www.stubnitz.com/


Tiefgang statt Bezahlschranke: Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert? Mit einer Spende via PayPal hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten.

per paypal (siehe QR-Code) oder direkt auf das Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“


]]>
Rund 160.000 Besucher*innen bei Sommerkultur https://www.tiefgang.net/rund-160-000-besucherinnen-bei-sommerkultur/ Fri, 18 Nov 2022 23:40:11 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9499 [...]]]> 82 Projekte, 840 Veranstaltungen und rund 160.000 Besuchende – das ist die Bilanz des Förderprogramms der Kulturbehörde, um der Hamburger Kulturszene noch mal einen klaren Impuls in der Post-Corona-Zeit zu geben …

Mit zwei einmaligen Förderprogrammen hat die Behörde für Kultur und Medien in diesem Sommer Live-Kulturveranstaltungen mit insgesamt 5,1 Millionen Euro gefördert, um der Hamburger Kultur im dritten Corona-Jahr nochmals einen deutlichen Impuls zu geben und die guten Erfahrungen aus dem Kultursommer im letzten Jahr wieder aufzugreifen. Mit der Outdoorförderung und dem Programm SOMMERKINDERkultur wurden insgesamt 82 Projekte unterstützt. STADTKULTUR HAMBURG führte beide Förderprogramme durch. Entstanden sind insgesamt 840 Veranstaltungen, die von rund 160.000 Personen besucht wurden, darunter vielfältige Veranstaltungsformate unter freiem Himmel in unterschiedlichen Stadtteilen, von der Open-Air-Bühne auf der Alster über Oper im Park bis hin zum Literaturfest für Kinder. Die geförderten Projekte fanden von Juni bis Ende Oktober statt. Mit der Outdoorförderung in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro wurden 23 große Veranstaltungsformate aller Kultursparten, verteilt in der ganzen Stadt, realisiert. Für die SOMMERKINDERkultur-Förderung wurden 59 Projekte aus dem Bereich Kinder- und Jugendkultur ausgewählt. Hierfür standen Fördermittel in Höhe von 1,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Dieses Jahr hat für die Kultur erneut große Herausforderungen gebracht. Mit den guten Erfahrungen aus dem Kultursommer 2021 konnten wir zusammen mit STADTKULTUR HAMBURG erfolgreich die Outdoorförderung und das SOMMERKINDERkultur-Programm umsetzen. Mit den beiden Förderprogrammen haben wir ein vielfältiges Kulturangebot ermöglicht, das Kunst und Kultur aller Sparten in unsere Stadt gebracht hat. Damit konnten wir ganz praktisch den Künstlerinnen und Künstlern in Hamburg helfen und wichtige künstlerische Impulse in der ganzen Stadt setzen. Gleichzeitig haben wir die Hamburger Kulturveranstalterinnen und -veranstalter dabei unterstützt, ihre Ideen zu realisieren. Die zahlreichen Anträge für kreative Projekte zeigen, wie vital Hamburgs Kultur trotz schwieriger Zeiten ist. Auch als Gesellschaft bewegt uns gerade viel. Deshalb brauchen wir die Inspiration durch die Kunst und das gemeinsame Erleben von Kultur ganz besonders. Für die Durchführung der Förderprogramme danke ich dem Team von STADTKULTUR HAMBURG, das wie schon im letzten Jahr beim Kultursommer hervorragende Arbeit geleistet hat.“

Corinne Eichner, Geschäftsführerin von STADTKULTUR HAMBURG: „Mit dem Rückenwind aus der Outdoorförderung und dem SOMMERKINDERkultur-Programm hat die Hamburger Kultur in Zeiten multipler Krisen spartenübergreifend sehr besondere und kreative Projekte umgesetzt, die die Vielfalt der Hamburger Kultur zeigten und neue Netzwerke innerhalb der Kultur entstehen ließen. Wir freuen uns, dass wir als Dachverband der lokalen Kultur und kulturellen Bildung dabei unterstützen konnten. Unser Dank geht an die Kulturschaffenden, deren schöpferische Kraft selbst unter schwierigsten Bedingungen weiter blüht und die weiter Außergewöhnliches auf die Beine stellten, und der Stadt Hamburg, die die Mittel dafür bereitgestellt hat. Die Ergebnisse der Förderprogramme zeigen wie der Kultursommer 2021, welchen hohen Wert Kulturförderung für die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner hervorbringen kann. Diesen Wert und die dazugehörenden Strukturen gilt es nun über Projekte hinaus auch langfristig zu bewahren.“

Mit der Outdoorförderung wurden 23 großangelegte Veranstaltungsformate mit überregionaler Strahlkraft unterstützt, darunter vor allem Livemusik-Veranstaltungen wie Festivals und Konzerte. Das Programm kam damit auch der Clubkultur und der Musikwirtschaft zugute. Mit Rock, Pop, Elektro, Jazz, Weltmusik oder Klassik war die musikalische Bandbreite groß. Darüber hinaus gab es spartenübergreifende Veranstaltungen, Bildende und Darstellende Kunst, Tanz und Literatur. Die geförderten Veranstaltungen wurden von rund 110.000 Personen besucht.

Durch das SOMMERKINDERkultur-Programm wurden Kinder- und Jugendkulturprojekte gefördert, weil Familien besonders unter der Corona-Pandemie gelitten haben. 59 vielfältige Projekte wurden zur Förderung ausgewählt, in vielen Stadtteilen umgesetzt wurden, darunter Theater und Literatur für Kinder, Kunst- und Musikprojekte, vieles zum Mitmachen und Ausprobieren. Hier kamen rund 50.000 Personen zu den Veranstaltungen.

Eine Übersicht der geförderten Projekte finden Sie im Internet unter www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/16683932/sonderfoerderung-der-kulturbehoerde.

 

]]>
Wanted: Hamburger Literatur https://www.tiefgang.net/wanted-hamburger-literatur/ Fri, 04 Mar 2022 23:44:49 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8810 [...]]]> Die Hamburger Literaturpreise werden wieder ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist ist am 30. Juni 2022.

Die Hamburger Literaturpreise, das Förderprogramm für Literatur der Behörde für Kultur und Medien, umfassen insgesamt Preisgelder von 57.000 Euro und beinhalten sieben mit je 6.000 Euro dotierte Preise für Literatur und Comic sowie drei mit je 3.000 Euro dotierte Preise für literarische Übersetzungen. Außerdem wird die Auszeichnung „Buch des Jahres“ verliehen. Die Hamburger Literaturpreise werden in sieben Kategorien vergeben: Buch des Jahres, Roman, Erzählung, Lyrik/Drama/Experimentelles, Kinder- und Jugendbuch, Comic und literarische Übersetzungen. Die Bewerbungsfrist endet am 30. Juni 2022.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit den Hamburger Literaturpreisen fördern wir die literarische Vielfalt in unserer Stadt. Für zahlreiche Autorinnen und Autoren ist ein Hamburger Literaturpreis der Anstoß, aus ihrer literarischen Ambition eine Karriere zu machen. Ich freue mich, den Weg so renommierter Autorinnen und Autoren wie Isabel Bogdan, Katrin Seddig oder Stefan Beuse zu verfolgen, der einst mit einem Hamburger Literaturpreis begann. Außerdem hat sich im Laufe der Jahre ein höchst aktives Netzwerk rund um die Literaturpreise gebildet, das gerade in den letzten Monaten für Zusammenhalt und Zuversicht in der Szene gesorgt hat.“

Die Behörde für Kultur und Medien fördert mit den Hamburger Literaturpreisen Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer sowie Zeichnerinnen und Zeichner, die in Hamburg oder im Gebiet des Hamburger Verkehrsverbundes ihren ersten Wohnsitz haben. Über die Vergabe entscheidet eine unabhängige fünfköpfige Jury, die in jedem Jahr neu zusammengestellt wird. Die Vergabe des Comic-Preises wird vom Hamburger Comicfestival e. V. begleitet, der die Comic-Übersetzerin und -Kuratorin Lilian Pithan als Expertin in die Jury entsendet. Für die Kategorie „Buch des Jahres“ ist keine Eigenbewerbung möglich. 2021 ging diese Auszeichnung an Andreas Moster für seinen Roman „Kleine Paläste“. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 284 Bewerbungen für den Wettbewerb eingereicht. Der Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda verleiht die Auszeichnungen am 5. Dezember 2022 im Literaturhaus Hamburg.

In diesem Jahr erfolgt die Bewerbung erstmals über den Online-Dienst der Behörde für Kultur und Medien.

Über die Vergabe der Hamburger Literaturpreise entscheidet eine unabhängige fünfköpfige Jury in nicht öffentlicher Sitzung mit einfacher Mehrheit.

Die Hamburger Literaturpreise werden in 7 Kategorien vergeben: 

1. Kategorie „Buch des Jahres“ (keine Eigenbewerbungen möglich)
2. Kategorie „Roman“
3. Kategorie „Erzählung“
4. Kategorie „Lyrik, Drama, Experimentelles“
5. Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“
6. Kategorie „Comic“
7. Kategorie „Literarische Übersetzungen“.

Die Hamburger Literaturpreise sind insgesamt mit 57.000 Euro dotiert. Die Preise der Kategorien 1 bis 6 sind mit jeweils 6.000 Euro, die Kategorie 7 mit jeweils 3.000 Euro dotiert.

Bewerbung Hamburger Literaturpreise

Frist: Donnerstag, 30. Juni 2022

Bewerbungen für die Hamburger Literaturpreise sind ab sofort möglich.

Alle Informationen zum Bewerbungsverfahren und den Voraussetzungen finden Sie in der aktuellen Ausschreibung.

Quelle: www.hamburg.de/bkm

]]>