Benin-Bronzen https://www.tiefgang.net Fri, 23 Dec 2022 16:19:40 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Culture´s coming home https://www.tiefgang.net/cultures-coming-home/ Fri, 23 Dec 2022 23:12:52 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9593 [...]]]> Nach 125 Jahren sind die ersten Benin-Bronzen jetzt in ihre Heimat zurückgekehrt. Kulturstaatsministerin Roth hat gemeinsam mit Außenministerin Baerbock 20 der wertvollen Kunstwerke bei einer feierlichen Zeremonie in Abuja an Nigeria übergeben. Es sei ein historischer Moment, sagte die Staatsministerin. 

„Wir geben heute Nigeria und den Menschen in diesem Land ihr kulturelles Erbe zurück“, erklärte Kulturstaatsministerin Claudia Roth anlässlich der feierlichen Übergabe der Benin-Bronzen am 20. Dezember in der nigerianischen Hauptstadt.

Gemeinsam mit Außenministerin Annalena Baerbock ist Claudia Roth nach Abuja gereist, um das erste Konvolut der Benin-Bronzen an Nigeria zurückzugeben. Dabei handelt es sich um insgesamt 20 Objekte aus den fünf deutschen Museen der Benin Dialogue Group, die sich zuvor in deren Sammlungen in Berlin, Hamburg, Leipzig, Stuttgart und Köln befanden. Darunter sind etwa Plastiken, die das Antlitz verstorbener Herrscher zeigen, ein Altarhocker sowie ein kostbares Zeremonialschwert.

Die Benin-Bronzen waren 1897 aus dem Palast des Königreichs Edo, im heutigen Nigeria, durch britische Truppen erbeutet worden. Rund 1.100 dieser Objekte befinden sich heute in den Sammlungen deutscher Museen. Am 1. Juli 2022 hatten Deutschland und Nigeria in Berlin eine Gemeinsame Erklärung zur Rückgabe von Benin-Bronzen und bilateraler Museumskooperation unterzeichnet. Sie bildet die Grundlage für die Rückgabevereinbarungen, die die fünf deutschen Museen der Benin Dialogue Group mit Nigeria getroffen haben. Beim Festakt im Juli überreichten Kulturstaatsministerin Roth und Außenministerin Baerbock bereits zwei der Bronzen an die nigerianische Delegation.

Auftakt für weitere Rückgaben

Die Übergabe der 20 Benin-Bronzen sei der Auftakt für die jetzt beginnenden Rückgaben und stehe stellvertretend für die weiteren beteiligten deutschen Museen, erklärte die Kulturstaatsministerin. „Bald werden mehr dieser wunderbaren Bronzen wieder in ihre Heimat zurückkehren“, sagte Roth. Als Leihgaben werden ausgewählte Benin-Bronzen weiterhin in deutschen Museen zu sehen sein. Das haben die Museen der Benin Dialogue Group mit den nigerianischen Partnern vereinbart. Claudia Roth dankte der nigerianischen Seite für ihre Kooperationsbereitschaft und das entgegengebrachte Vertrauen.

Beginn einer engeren Zusammenarbeit

Die Rückgabe solle die Geschichte des Raubes und des Kolonialismus nicht vergessen machen, betonte die Staatsministerin. Sie sei vielmehr wichtig, um uns mit unserer kolonialen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Zugleich sei sie ein Wendepunkt in der internationalen Kulturpolitik und der Beginn einer stärkeren Kooperation zwischen Deutschland und Nigeria.

„Dazu wollen wir die deutsche und nigerianische Zusammenarbeit bei Museen, Ausstellungen, Gegenwartskunst und Archäologie vertiefen“, sagte Roth. Exemplarisch stehen dafür auch das Projekt TheMuseumsLab sowie die Agentur für internationale Museumsarbeit, die sich derzeit im Aufbau befindet.

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Der Retourenschein https://www.tiefgang.net/der-retourenschein/ Fri, 16 Dec 2022 23:46:23 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9584 [...]]]> Insgesamt 179 Objekte aus dem ehemaligen Königreich Benin, die im Zuge einer kolonialen Invasion von britischen Soldaten geraubt und im Anschluss verkauft wurden, befinden sich noch im Besitz Hamburgs. Aber nicht mehr lange …

Nachdem der Bund zusammen mit Nigeria den Rahmen für die Rückgabe der Benin-Bronzen geklärt hat und Senat und Bürgerschaft der vollständigen Eigentumsübertragung der Benin-Bronzen zugestimmt haben, haben jetzt der Botschafter der Bundesrepublik Nigeria, S.E. Yusuf Maitama Tuggar, der Generaldirektor der Nationalen Behörde für Museen und Denkmäler in Nigeria, Prof. Abba Isa Tijani, Hamburgs Senator für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda und die Direktorin des Museums am Rothenbaum, Prof. Dr. Barbara Plankensteiner, im Hamburger Rathaus den Vertrag zur vollständigen Eigentumsübertragung und Rückgabe der Bronzen unterzeichnet. Im Anschluss wurden die ersten Objekte zur Rückführung nach Nigeria überreicht.

Mit der Unterzeichnung und Übergabe geht ein jahrzehntelanger Prozess um die Rückforderung von Kulturgut zu Ende. Zunächst hatten sich insbesondere die Nachfahren des Königshauses Benin dafür stark gemacht und schließlich in Europa auch zivilgesellschaftliche Initiativen. Diese mündeten 2019 in den Beschluss der Kulturministerkonferenz unter Vorsitz Hamburgs zum künftigen Umgang mit kolonial belastetem Sammlungsgut. 2021 schuf schließlich der Bund zusammen mit der Bundesrepublik Nigeria mit dem „Memorandum of Understanding on Museum Cooperation“ die Voraussetzung für die vollständige Eigentumsübertragung, die Hamburg schließlich in diesem Jahr vollzogen hat. Maßgeblich vorangetrieben wurden die Verhandlungen auch von der Benin Dialogue Group unter der Co-Gründung von Prof. Dr. Barbara Plankensteiner. Die intensive Aufarbeitung und Forschung an den Beständen, die Vermittlung und Digitalisierung, die zuletzt in das Projekt Digital Benin mündete, und schließlich auch die Ausstellung im MARKK „Benin. Geraubte Geschichte“ zeigen, wie entscheidend Museen und insbesondere das MARKK in der Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der Geschichte sind.

Mit der Bundesrepublik Nigeria ist vereinbart, dass zunächst drei Objekte übergeben werden. Zudem ist verabredet, dass rund zwei Drittel in nächster Zukunft zurückgehen werden und ein Drittel der Bronzen als Leihgaben in Hamburg verbleibt. Zukünftig sollen der internationale Austausch, Wissenstransfer und gemeinsame Wanderausstellungen die Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Benin City begleiten, dies unter anderem auch beim Aufbau des Edo Museum of West African Art (EMOWAA) und eines Royal Museums.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die heutige Rückgabe der Benin-Bronzen ist ein besonderer Meilenstein der gemeinsamen Verhandlungen zwischen Hamburg und der Bundesrepublik Nigeria. Mit der feierlichen Unterzeichnung der Rückgabevereinbarung über 179 Benin-Objekte beginnt ein neuer Abschnitt der Zukunft des gemeinsamen Kulturaustausches, auf den Tag genau ein Jahr nach der festlichen Eröffnung der Ausstellung ‚Benin. Geraubte Geschichte’. Der heutige Tag darf aber kein Endpunkt sein, sondern soll den Auftakt zu einem vertieften kulturellen Austausch zwischen Europa und Afrika bilden.“

S.E. Yusuf Maitama Tuggar, Botschafter der Bundesrepublik Nigeria: „Hamburg is the Jewel of the Hansa League and Germany’s gateway to Africa and the rest of the World. It is therefore heart-warming to witness Hamburg being a beacon in the biggest event in Cultural diplomacy”.

Prof. Abba Isa Tijani, Generaldirektor der Nationalen Behörde für Museen und Denkmäler in Nigeria: „The National Commission for Museums and Monuments of Nigeria is highly elated at this event of signing the repatriation agreements of these highly valued Benin Bronzes from the Museum am Rothenbaum (MARKK) in Hamburg. The entire nation of Nigeria is delighted. We all look forward to a future of greater collaboration on equitable terms with this great museum and the city of Hamburg.”

Prof. Dr. Barbara Plankensteiner, Direktorin des Museums am Rothenbaum: „Nach langen Vorbereitungen ist es nun soweit! Mit diesem Schritt setzt die Freie und Hansestadt Hamburg ein wichtiges Zeichen in der Aufarbeitung ihres kolonialen Erbes. Für uns im MARKK bedeutet es den Beginn einer neuen und intensiven Zusammenarbeit mit Nigeria. Wir freuen uns auf zukünftige gemeinsame Projekte und ein besonderes Museum in Benin City.“

Die Ausstellung „Benin. Geraubte Geschichte“ wird noch bis auf Weiteres im Museum am Rothenbaum (MARKK) zu sehen sein.

 

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Die geklaute Kunst https://www.tiefgang.net/die-geklaute-kunst/ Fri, 02 Mar 2018 23:58:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3181 [...]]]> Mächtig was los rund ums Museum für Kunst und Gewerbe. Zum einen ist es zum Vorreiter geworden, wenn es um die Aufarbeitung seines postkolonialen Vermächtnisses angeht. Zum anderen steht ihm Ende des Jahres ein Führungswechsel bevor.  

Unter dem Titel „Raubkunst? Die Bronzen aus Benin“ eröffnete das Museum in der Nähe des Hauptbahnhofs nun eine Ausstellung, die sich ausführlich mit der Provenienzforschung beschäftigt.

Die Behörde für Kultur und Medien Hamburg teilte dazu kürzlich mit:

„Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) hat die Herkunftsgeschichte der drei Benin-Bronzen aus seiner Sammlung erforscht und die Rolle des Gründungsdirektors Justus Brinckmann in diesem Zusammenhang offengelegt. Die Ergebnisse präsentiert das MKG ab dem 16. Februar 2018 im Rahmen der Ausstellung Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG und in einer begleitenden Publikation.

Die amtierende Direktorin Sabine Schulze: „Museen müssen lernen“. (Foto: Marcelo Hernandez)

Dass es sich bei den Bronzen um Raubkunst handelt, steht heute außer Frage. Britische Truppen beschlagnahmten sie 1897 zusammen mit anderen Objekten im Königspalast von Benin und verbrachten sie nach Europa. Justus Brinckmann erkannte die künstlerische Kraft und Präzision der Einzelstücke sofort. Als erster deutscher Museumsdirektor erwarb er Bronzen und setzte durch Vorträge und Veröffentlichungen eine intensive Erforschung der Benin-Kunst in Gang. Brinckmanns Begeisterung weckte auch das Interesse anderer Museen und löste einen regen, von Hamburg ausgehenden Handel aus. In der Hafenstadt Hamburg mit den in Afrika verankerten Handelsfirmen saß Brinckmann an zentraler Stelle und trat als Vermittler auf. Von den rund 50 Bronzen, die durch seine Hände gingen, blieben drei im MKG. Ein großer Teil wurde in die Sammlung des Museums für Völkerkunde Hamburg abgegeben, anderes war zum Weiterverkauf bestimmt.

Raubkunst auch online käuflich. (Bild: ebay)

Für das eigene Haus hatte Brinckmann wenige Objekte vorgesehen, die einen beispielhaften handwerklichen und künstlerischen Umgang mit dem Material Bronze veranschaulichen sollten. Da die Sammlung des MKG auch zu Lehrzwecken der im Museum ansässigen Kunstgewerbeschule genutzt wurde, hatte die kunsthandwerkliche Qualität der Objekte oberste Priorität. Mit dem Auszug der Kunstgewerbeschule Anfang des 20. Jahrhunderts ging diese didaktische Anbindung jedoch verloren. Es gibt heute keinerlei Hinweis darauf, ob und wie die Bronzen damals ausgestellt waren. Zuletzt waren sie 2010 in der Epochen und Kulturen übergreifenden Sammlungspräsentation Body & Soul zu sehen und 2012 als Gäste in der neu aufgestellten Antiken-Sammlung einbezogen.

In der Kultur ihres Heimatlandes, dem Königreich Benin in Nigeria, werden sie nicht nur als Kunstwerke angesehen, sondern haben eine identitätsstiftende Bedeutung. Dieser Umstand verlangt nach einer angemessenen Würdigung ihrer ursprünglichen Bestimmung, die das Museum für Völkerkunde Hamburg im Kontext seiner Sammlungen besser leisten kann. Deshalb werden sie im Anschluss an ihre Präsentation im Rahmen der Raubkunst?-Ausstellung im MKG an das Museum für Völkerkunde Hamburg übergeben, das vor dem Hintergrund seiner umfangreichen Sammlung afrikanischer Kulturgüter und seiner ausgewiesenen Kompetenz den notwendigen Zusammenhang für die weitere Erforschung der Herkunftsgeschichte und den transnationalen Austausch mit Nigeria und dem Königshaus bietet.

„Größter kolonialer Kunstraub“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Es ist sinnvoll und wichtig, dass die Provenienzforschung auf Objekte ausgeweitet wird, die in der Kolonialzeit erworben wurden. Als bedeutende Hafen- und Handelsstadt profitierte Hamburg jahrhundertelang von der europäischen Expansion nach Übersee und entwickelte sich schließlich zur Kolonialmetropole des deutschen Kaiserreichs. Auch im Zusammenhang mit einem der wohl größten Kunstraube der Kolonialgeschichte – der Plünderung des Königspalasts von Benin-City 1897 durch die britische Kolonialarmee – kommt Hamburg als Drehscheibe des internationalen (Kunst-)Handels eine zentrale Rolle zu. Die vom MKG erforschten Objektbiografien veranschaulichen die Komplexität der kolonialen Verflechtungsgeschichte, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.“

„Museen werden lernen müssen“

Prof. Dr. Sabine Schulze, Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg: „Die besondere künstlerische Qualität der Bronzen aus Benin hat Brinckmann treffend eingeschätzt, in Publikationen und Vorträgen hat er die Kenntnis der Bildwerke in Europa verbreitet und damit auch die anhaltende Wertschätzung dieser Kunstwerke mit etabliert. Durch diese Leistung des Gründungsdirektors bleiben die drei Objekte in der Geschichte des Museums verankert, auch wenn wir sie jetzt an die ethnologische Sammlung übergeben. Nicht alles, was wir schätzen und interpretierend in unseren kulturellen Horizont aufnehmen, müssen wir auch physisch besitzen. Museen werden in Zukunft lernen müssen, sich von Beständen zu trennen, denen sie in der Gegenwart nicht mehr gerecht werden.“

Prof. Dr. Barbara Plankensteiner, Direktorin des Museums für Völkerkunde Hamburg: „Wir haben in Hamburg heute die Chance, eine Vorreiterrolle im Umgang mit dem schwierigen Erbe der Benin-Kunstschätze einzunehmen. Damit könnten wir das Vermächtnis Justus Brinckmanns, als jenem, der die Initialzündung zum Forschungs- und Sammelinteresse im deutschsprachigen Raum gegeben hat, in eine neue Richtung lenken und Schritte zur Verständigung einleiten. Ich freue mich, diesen Prozess im Auftrag der Stadt aktiv anzugehen und zu lenken.“

Tulga Beyerle kommt

Und nun steht fest, dass Tulga Beyerle zum 1. Dezember 2018 die neue Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg wird und somit die Nachfolge von Prof. Dr. Sabine Schulze antritt, die ihre eigentlich beendet Amtszeit noch mal um ein halbes verlängerte. Tulga Beyerle ist zur Zeit noch   Direktorin des Dresdner Kunstgewerbemuseums. Hierzu verkündete die Behörde für Kultur und Medien:

Tulga Beyerle (Bild: Katharina Gossow)

„Der Stiftungsrat des Museums für Kunst und Gewerbe unter Vorsitz von Senator Dr. Carsten Brosda hat beschlossen, Tulga Beyerle zum 1. Dezember 2018 die künstlerische und wissenschaftliche Leitung des Museums für Kunst und Gewerbe zu übertragen. Beyerle ist seit 2014 Direktorin des Dresdner Kunstgewerbemuseums, Schloss Pillnitz, einem der renommiertesten Kunstgewerbemuseen Deutschlands. Um einen guten Übergang zu gewährleisten, verlängert die derzeitige Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, Prof. Dr. Sabine Schulze, ihren Anstellungsvertrag noch einmal um sechs Monate bis 30. November 2018.

„Erfahren und innovativ“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit Tulga Beyerle übernimmt eine erfahrene und zugleich innovative Museumsdirektorin die Leitung des Museums für Kunst und Gewerbe. Sie ist international anerkannt und steht für eine moderne und attraktive Museumsentwicklung. Als Direktorin des Kunstgewerbemuseums Dresden ist es ihr gelungen, dem Haus zu neuem Glanz zu verhelfen und es innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gut zu platzieren. Mit Tulga Beyerle haben wir eine Persönlichkeit gefunden, die das Museum für Kunst und Gewerbe und die großartige Entwicklung, die das Haus in den letzten Jahren genommen hat, mit neuen Impulsen bereichern wird. Ich danke auch Prof. Dr. Sabine Schulze, dass sie das Haus ein weiteres halbes Jahr führen wird, um so einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.“

„Großartig aufgestelltes Haus“

Tulga Beyerle: „Prof. Dr. Sabine Schulze hinterlässt ein großartig aufgestelltes Haus, das sich in den Jahren ihrer Leitung einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. In diese Fußstapfen zu treten ist eine Herausforderung, aber auch eine große Freude und Ehre. In den letzten vier Jahren konnte ich am Kunstgewerbemuseum in Dresden, unterstützt durch den Verbund der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und mit einem großartigen Team, die Sammlung neu erschließen und ihr Aktualität und Sichtbarkeit geben. In Hamburg stellen sich, aufbauend auf der erfolgreichen bisherigen Linie, neue Aufgaben, wie zum Beispiel das Haus durchlässiger zu machen, sich lokal bis international zu vernetzen, die Forschung zu stärken. Das Museum für Kunst und Gewerbe ist mit Sicherheit das lebendigste und mit seiner Sammlung wahrscheinlich das spannendste Haus für angewandte Kunst in Deutschland und weit darüber hinaus. Dazu beizutragen, dass zentrale Themen unserer Gegenwart und Zukunft in Hamburg diskutiert werden und das Museum in dieser Diskussion führend ist, ist mein langfristiges Ziel. Das Thema ist letztlich die Gestaltung unserer Welt. In diesem Sinne trägt das Museum für Kunst und Gewerbe eine hohe Verantwortung und ist von großer Relevanz.“

Prof. Dr. Sabine Schulze: „Ich freue mich sehr über diese Wahl. Tulga Beyerle war immer meine Wunschkandidatin! Ihr Engagement für zeitgenössische Gestaltung bewundere ich, ihre Begeisterung ist ansteckend. Sie wird das Museum für Kunst und Gewerbe in eine gute Zukunft führen.“

Tulga Beyerle ist seit 2014 Direktorin des Kunstgewerbemuseums Dresden, Schloss Pillnitz, und zugleich Mitglied der Geschäftsführung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, einem der führenden Museumsverbunde Deutschlands. 2006 gründete sie die Vienna Design Week und war bis 2013 eine ihrer Leiterinnen. Zuvor war sie als selbstständige Kuratorin in Wien und Glasgow erfolgreich tätig.

Diskurs auf hohem Niveau

Ihre derzeitige Wirkungsstätte, das Dresdner Kunstgewerbemuseum, Schloss Pillnitz, ist Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Das Museum verfügt über eine hochkarätige Sammlung und ist eines der ältesten Kunstgewerbemuseen Deutschlands. Es entstand, ebenso wie das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, ursprünglich in Verbindung mit einer Schule. Dieser programmatische Gründungsgedanke, sich durch Inspiration für die beste Gestaltung der Gegenwart und der Zukunft einzusetzen, ist auch das zentrale Anliegen Tulga Beyerles, die das Museum als Möglichkeitsraum und Plattform für Diskurs und Verhandlung, möglichst ohne Schwellen, aber auf höchstem Niveau verstanden wissen möchte.

Gelernte Tischlerin

Tulga Beyerle wurde 1964 in Wien geboren. Nach einer mit Gesellenprüfung abgeschlossenen Tischlerlehre studierte sie Industrial Design in Wien und unterrichtete an der dortigen Universität für angewandte Kunst im Anschluss für rund sieben Jahre Designgeschichte und Theorie. Tulga Beyerle verfügt über hervorragende nationale wie internationale Beziehungen. Sie ist unter anderem Beiratsmitglied des Bundeskanzleramts für Kunst und Kultur in Österreich und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Mudac, dem Museum für angewandte Kunst in Lausanne.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

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