Bundeskonferenz Jazz https://www.tiefgang.net Tue, 05 Nov 2024 09:27:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Der Jazz und seine strukturellen Probleme https://www.tiefgang.net/der-jazz-und-seine-strukturellen-probleme/ Fri, 08 Nov 2024 23:44:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11305 [...]]]> Zehn Jahre sind vergangen seit dem letzten Bericht der Bundeskonferenz Jazz mit umfassender Analyse der Jazz-Landschaft in Deutschland. Jetzt liegt ein neuer Bericht vor.

aus der Pressemitteilung:

Vor einem Jahrzehnt zeigte sich die deutsche Jazz- und Improvisationsszene im Aufschwung – als vital und dynamisch, mit einer Fülle an talentierten Künstler*innen, einer breiten Palette an Spielstätten und Festivals sowie einem wachsenden Bewusstsein für die eigene gesellschaftliche Rolle und Verantwortung sowie die kulturelle Vielfalt, die der Jazz repräsentiert. Seitdem gab es wichtige Entwicklungen hin zur Etablierung von Bundesförderinstrumenten wie den Musikfonds oder den Deutschen Jazzpreis, zu wegweisenden Landesförderprogrammen, zur Planung für ein „Zentrum für Jazz und Improvisierte Musik“ in Berlin und insbesondere zum Ausbau des Stadtgarten Köln zum „Europäischen Zentrum für Jazz und Aktuelle Musik“. Diese Entwicklungen belegen eine zunehmende Verankerung dieses Genres im Kulturleben Deutschlands. Doch grundlegende Veränderungen wie die Corona-Pandemie haben auch die Jazz- und Improvisationsszene nicht von ihren Auswirkungen verschont. Die Pandemie zwang Spielstätten temporär zur Schließung, Festivals wurden abgesagt oder fanden nur in stark eingeschränktem Umfang statt. Musiker:innen sahen sich plötzlich mit einer Bedrohung ihrer Existenzgrundlage konfrontiert, die nur durch Förderungen und staatliche Unterstützung aufgefangen werden konnte, um entstandene Lücken
zu schließen.

Diese Herausforderungen sind jedoch nicht isoliert zu betrachten. Sie offenbaren tiefer liegende, strukturelle Probleme, die die deutsche Jazzszene seit Langem belasten. Die unzureichende finanzielle Unterstützung der Strukturen und Akteur*innen und infolgedessen eine unzureichende Infrastruktur für Jazzmusiker*innen sind nur einige der Probleme, die dringend angegangen werden müssen. Es bedarf nachhaltiger Strategien und kulturpolitischer Konzepte der Kulturförderung für die essentiellen Bereiche, deren Potenziale wir im Folgenden aufzeigen.

In diesem Bericht werden wir genauer analysieren und darstellen, wie sich die Jazzlandschaft in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt hat. Dabei werden sowohl die Stärken und Potenziale aufgezeigt als auch Schwachstellen deutlich benannt. Wir werfen einen Blick auf die aktuellen Bedingungen für Spielstätten und Festivals, die Veränderungen im Rundfunk und der Medienlandschaft, untersuchen die Wirksamkeit von Förderprogrammen und analysieren die soziale Situation der Jazzmusiker:innen.

Trotz der Resilienz und Innovationskraft der Jazz- und Improvisationsszene in Deutschland sind die aktuellen Krisen und drohenden finanziellen Kürzungen alarmierend. Es besteht ein dringender Handlungsbedarf seitens der Politik und der Verwaltung, um nachhaltige Unterstützungsmechanismen zu etablieren, die nicht nur die unmittelbaren Auswirkungen der Pandemie adressieren, sondern auch eine langfristige Vision für die Förderung und Weiterentwicklung des Jazz in Deutschland bieten. Dieser Bericht ist ein Appell, die Bedeutung des Jazz und der Improvisierten Musik als lebendige und verbindende Kunstform noch mehr anzuerkennen und durch konkrete Maßnahmen zu stärken.

Der gesamte Bericht zum download findet sich hier.

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„Applaus“ mit einer Hand https://www.tiefgang.net/applaus-mit-einer-hand/ Fri, 18 May 2018 22:59:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3637 [...]]]> Wenn´s um´s  Geld geht, hört bekanntlich der Spaß auf. Das ist auch bei Musikclubs nicht anders. Und dabei geht es um Applaus …

Anlässlich des Starts der Antragsphase beim Spielstättenprogrammpreis „APPLAUS“ am 14. Mai (´Tiefgang` berichtete am 12. Mai 2018) kritisieren die Bundesmusikverbände Bundeskonferenz Jazz und LiveKomm gemeinsam mit weiteren Partnern die drohende Halbierung des Budgets des Spielstättenprogrammpreises „APPLAUS“. Im vergangenen Jahr konnten noch mit insgesamt 1,8 Millionen Euro insgesamt 86 Clubs und Veranstaltungsreihen deutschlandweit prämiert werden. Im derzeit diskutierten Haushaltentwurf 2018 ist nur noch die Hälfte der Gelder vorgesehen.

Die Verbände: „Sollten Bundestag und Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters nicht erreichen, die Summe aus 2017 auch weiterhin sicherzustellen, so verliert die Bundeskulturpolitik den wichtigen Schwung, mit dem in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland die Landschaft der Musik-Clubs belebt wurde. An den vielen prämierten Orten hochwertiger Live-Musik aus den bisherigen fünf Jahren des Preises, sind die überaus positiven Effekte des APPLAUS unübersehbar. Daher darf die Weiterentwicklung dieser einzigartigen, hoch wirksamen und wichtigen Unterstützung nicht gestoppt werden.“

Weiter heißt es: „Insgesamt wurden bislang 327 Preisträger – Spielstätten und Musikinitiativen – in den vergangenen fünf Jahren mit dem APPLAUS gewürdigt und konnten die Ehrung in ihrer Arbeit nutzen, insbesondere dann, wenn es um den Erhalt oder die Weiterentwicklung ihrer Spielstätte ging. Jeder Club für Live-Musik bedeutet einen essenziellen Bestandteil der Kulturlandschaft in Deutschland.

Als gemeinsamer Preis für Jazz, Rock und Pop ist APPLAUS ein gelungenes Beispiel der Zusammenarbeit zum Teil sehr unterschiedlicher Musikgenres und Szenen. Er würdigt die herausragende kulturelle Leistung der kleinen Spielstätten des Jazz, Rock und Pop, stärkt sie strukturell und lässt ihnen kommunal wie regional höhere Aufmerksamkeit zukommen. Somit ist der Preis für die qualitative Arbeit der Spielstätten inzwischen unverzichtbar, denn die Veranstalter*innen benötigen für ihre wichtige Arbeit die finanzielle Unterstützung und Anerkennung, sowohl der Kommunen als auch der Länder und des Bundes.

Durch das in 2017 auf zwei Millionen Euro erhöhte Budget konnten mehr preiswürdige Programme mit höheren Preisgeldern ausgezeichnet werden, so dass es nicht nur mehr ausgezeichnete Spielstätten geben konnte, die den Preis überaus verdient hatten, sondern diese auch zusätzliche Konzerte mit höheren Gagen für die Musiker*innen durchführen können.

Spielstätten aktueller Musik sind bedeutende Kulturträger und wichtige Repräsentanten eines neuen, oftmals auch jüngeren Kulturverständnisses, die mit ihren herausragenden Live-Musikprogrammen maßgeblich zum Erhalt der kulturellen Vielfalt in Deutschland beitragen. Damit sind gerade sie mit verantwortlich für die kulturelle Attraktivität von Städten und dienen zugleich als Leuchttürme von Kunst und Kultur im ländlichen Raum.

Spielstätten und ihre Konzertprogramme sind essentiell für die Weiterentwicklung aktueller Musik und deren Künstler*innen. Sie sind Katalysator für neue Projekte, sie fördern Newcomer genauso wie sie jenseits kommerzieller Interessen hochwertige und innovative Musiker*innen unterstützen und unter angemessenen Bedingungen präsentieren. Sie sind Schnittstelle zu Publikum und Medien, und sie tragen eine wichtige gesellschaftliche Rolle als weltoffene und tolerante Orte des nicht nur künstlerischen Austausches, der kulturellen Bildung und der (inter-)kulturellen Begegnung.

APPLAUS ist damit ein wichtiger Beitrag zur Pflege der kulturellen Zukunft. Der Preis macht die Spielstätten aktueller Musik bekannt und ihre engagierte Arbeit öffentlich. Er regt Diskussionen an, die die Verantwortlichen in den Städten und Ländern mit einbeziehen.“

 

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Ein Applaus an die deutsche Clubszene https://www.tiefgang.net/ein-applaus-an-die-deutsche-clubszene/ Sat, 03 Jun 2017 07:34:11 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1262 [...]]]> In der ganzen Republik wird gerockt, gejazzt und gepopt, was das Zeug hält. Da will auch das Kulturstaatsministerium fetzen und zahlt einen hohen Eintritt.

Zum vierten Male wird der einst als „Bundesspielstättenpreis“ titulierte Fördertitel für überwiegend privat finanzierte Musikclubs in Deutschland ausgeschrieben. Mittlerweile heißt er „APPLAUS“ und wird von der Kulturstaatsministerin der Bundesregierung, zur Zeit Monika Grütters, vergeben.

Es geht summa summarum um 1,85 Millionen Euro. Damit ist der Preis der höchstdotierte Bundesmusikpreis. Der APPLAUS-Preis wird dabei in in drei Kategorien vergeben:

  • Kategorie I: Spielstätten mit regelmäßig mehreren Livemusikveranstaltungen in der Woche im Jahr 2016: Preisgeld: 40.000 Euro,
  • Kategorie II: Spielstätten mit durchschnittlich einer Livemusikveranstaltung pro Woche im Jahr 2016: Preisgeld: 20.000 Euro,
  • Kategorie III: Spielstätten sowie Veranstalter, die im Rahmen fester Programmreihen mindestens 10 Livemusikveranstaltungen im Jahr 2016 durchführten, Preisgeld 7.500 Euro.

Neu als Preise sind die Auszeichnungen für „Audience Development“ sowie „Artist Development“ hinzugekommen.

Der Audience Development-Preis prämiert kreative und nachhaltige Aktionen, mit denen neue Zielgruppen gewonnen und das Stammpublikum gepflegt werden. Beim Artist Development hingegen soll die Förderung der lokalen bzw. regionalen Musikszene ausgezeichnet werden. Die Preise sind mit je 7500 Euro dotiert. Des Weiteren kann die Jury einen freien Sonderpreis vergeben, der ebenso dotiert werden kann.

Das Bewerbungsverfahren für APPLAUS 2017 läuft bis zum 30. Juni 2017 – 18 Uhr.

Der Spielstättenprogrammpreis „APPLAUS – Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten“ der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien verbindet konkrete finanzielle Unterstützung für Clubbetreiber mit mehr öffentlicher Aufmerksamkeit für ihre musikalischen Angebote und Belange. Ausgezeichnet werden kulturell herausragende Livemusikprogramme, die maßgeblich zum Erhalt der kulturellen Vielfalt in Deutschland beitragen. Die Initiative Musik realisiert „APPLAUS – Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten“ unter Einbeziehung der Bundeskonferenz Jazz und der Live Musik Kommission – Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V..

Voraussetzungen zur Teilnahme sind u.a. aber, dass der Club nicht mehr als 1.000 Besuchende umfasst und sich überwiegend (mind. 60%) aus eigenen Mitteln statt öffentlicher Unterstützung finanziert.

Die Teilnahmebedingungen finden sich hier: initiative-musik.de-Teilnahmebedingungen

Das Online-Antragsverfahren findet sich hier: antragsverwaltung.de

In der Jury sitzen in diesem Jahr:

  • Steffen Deeg – Leitungsteam Cairo Würzburg
  • Prof. Dieter Gorny – Aufsichtsratsvorsitzender der Initiative Musik, Vorsitzender der Jury
  • Julia Hülsmann, Musikerin
  • Uli Kempendorff, Musiker
  • Reiner Michalke, Programmchef Stadtgarten Köln
  • Esther Rieger-Breuer, Geschäftsführerin Riegerous Artist Management
  • Constanze Schliebs, Künstleragentur AsiaNetwork
  • Dieter Schubert, Geschäftsführender Gesellschafter a.s.s. concerts & promotion
  • Julia von Wild, Freie Kulturmanagerin

Ansprechpartner für weitere Fragen:

Björn Kagel & Geoffrey Vasseur

Mo., Mi., Fr. 10-14 Uhr

T:  030 – 531 475 45 – 1

E-Mail: sppp(at)initiative-musik(dot)de

Hintergrund:

Die ursprüngliche Idee für den Spielstättenprogrammpreis wurde 2003 von der Bundeskonferenz Jazz (BK Jazz) entwickelt. Die BK Jazz setzte sich in etlichen Sitzungen und Gesprächen auf bundespolitischer Ebene für diesen Preis ein und konnte letztendlich gemeinsam mit der Initiative Musik erreichen, dass der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages im November 2012 erstmals 1 Million Euro für dessen Realisierung freigab.

Mehr kommunale Aufmerksamkeit

Ziel des Preises ist es, die kulturelle Leistung der kleinen Spielstätten und Konzertreihen des Jazz, Rock und Pop zu würdigen, sie strukturell zu stärken und ihnen kommunal wie regional höhere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Stellvertretend für die enorm wichtige kulturelle Arbeit der Spielstätten werden seither besonders die Programmmacher gewürdigt, die sich durch ein qualitativ hochwertiges und ambitioniertes Livemusikprogramm im Vorjahr ausgezeichnet haben.

„Künstler und Spielstättenbetreiber sitzen gemeinsam in einem Boot. Nur zusammen können wir für eine Stärkung der Jazzszene in Deutschland sorgen“, so Jazz-Pianistin Julia Hülsmann bei der ersten Verleihung des Preises 2013. „Der Spielstättenprogrammpreis zeigt deshalb genau in die richtige Richtung, denn ausgezeichnet werden Spielstätten, die nicht nur ein künstlerisch herausragendes Programmm bieten, sondern auch auf angemessene Bedingungen für die Musiker achten.“

Die Neiddebatte

Aber wie immer, wenn es ums Geld geht, ist auch in kulturellen Bereichen die Neiddebatte nicht weit. So schrieb 2015 Oliver Hochkeppel treffend in der ´Süddeutschen Zeitung`: „Man musste nicht lange nachfragen, um zu erfahren, dass sich die Jury komplett verkracht, ja, dass es eine Frontstellung der vier Jazzvertreter gegen die fünf Popdelegierten gegeben hatte. Ein offener Brief konnte mit Mühe unterdrückt werden, doch die Jazzmusikerin Angelika Niescier reiste aus Protest gar nicht zur Verleihung an. Und auch Jurymitglied Cornelia Vossebein, Geschäftsführerin der Zeche Carl in Essen, deutete auf der Bühne ihre Enttäuschung an, dass so wenig inhaltlich diskutiert worden wäre. Sieht man sich die Verleihung genauer an, registriert man in der Tat eine auffällige Zunahme der prämierten Pop-Clubs.“  

(2. Juni 2017, hl)

 

 

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