Chris Baudy – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Sat, 14 Feb 2026 12:01:05 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Von der Straße in den Kopf https://www.tiefgang.net/von-der-strasse-in-den-kopf/ Sat, 21 Feb 2026 23:37:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13294 [...]]]> Der März im Hamburger Süden beginnt nicht leise, sondern mit einer literarischen Wucht, die man in dieser Dichte nur einmal im Jahr findet. Die 11. SuedLese Literaturtage beginnen …

Wenn am 1. März der Startschuss für die 11. SuedLese fällt, verwandelt sich die Region zwischen Harburg und Buxtehude in eine pulsierende Bühne für das Wort. Die erste Woche setzt dabei sofort ein Zeichen: Es geht um Tiefe, um den Mut neuer Stimmen und um die Frage, wie Literatur uns helfen kann, die Welt – und uns selbst – besser zu verstehen.

Den Auftakt macht am Sonntag (1.3., 16 Uhr) eine fast meditative Begegnung mit der Natur. In der Heimfelder Friedrich-Naumann-Straße bei Alles wird schön e.V. laden Ulrike Burbach, Gisela Baudy und Christian Baudy zu einer Lesung für den Baum ein. Es ist eine Einladung zur Entschleunigung, will heißen: ein bewusstes Innehalten in einer Zeit, die oft zu schnell an uns vorbeizieht. Hier wird der Baum nicht als Kulisse, sondern als lebendiges Mitwesen begriffen – eine poetische Mahnung in Zeiten des ökologischen Umbruchs.

Ein erstes Highlight der Woche erwartet uns am Mittwoch (4.3., 19 Uhr) in der Fischhalle Harburg. Der Historiker Dr. Tillmann Bendikowski nimmt uns mit in Sagenhafte Nordgeschichten. Bendikowski ist ein Meister darin, staubige Archivfunde in lebendige Erzählungen zu verwandeln. Von Untoten im Kloster Harsefeld bis zur Entstehung des berühmten Diercke Schulatlas – er zeigt uns die Seele des Nordens jenseits der Klischees.

Besonders intensiv wird es am Freitagabend (6.3., 20 Uhr) im Treffpunkthaus Heimfeld. Dominik Bloh liest aus seinem neuen Werk Die Straße im Kopf. Bloh, der selbst elf Jahre obdachlos war, beschreibt darin eindringlich den täglichen Kampf mit der Normalität. Auch wenn er heute Bestsellerautor und Träger des Bundesverdienstkreuzes ist, bleibt die Straße in seinem Kopf präsent. Sein Buch ist kein bloßes Anklagen, sondern ein augenöffnender Bericht über das Leben zwischen zwei Welten und die Hürden eines Alltags, den man nach Jahren auf dem Asphalt erst mühsam wieder erlernen muss.

Am Samstagabend (7.3., 19 Uhr) lohnt sich dann ein Besuch in Buxtehude, denn der hört man dann ganz frische Stimmen des Verbrechens. Die Ladies Crime Night ist ohnehin ein Erfolgsformat des Vereins Mörderische Schwestern e.V., doch diesmal stehen exklusiv Debütantinnen im Rampenlicht. Dank einer neuen Förderung durch die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS liegt dieses Jahr erstmals ein besonderer Fokus auf diesen neuen Talenten. Das Prinzip ist nervenaufreibend: Fünf Autorinnen wie Hedda Anders oder Jana Stieler haben jeweils exakt zehn Minuten Zeit, ihre kriminellen Welten zu entfalten. Wenn der Schuss fällt, ist die Lesezeit gnadenlos vorbei. Ein Format, das perfekt zur energischen Atmosphäre der SuedLese passt.

Den Abschluss der ersten Woche bildet am Sonntag (8.3., 15 Uhr) ein intimer Einblick in die norddeutsche Seele. In einer privaten Wohnzimmerlesung in Harburg präsentiert Claus-Peter Rathjen plattdeutsche Texte von Hans-Joachim Meyer. Es ist dieser persönliche Rahmen, der die SuedLese so besonders macht – Literatur zum Anfassen, direkt in der Nachbarschaft.

Die Termine der ersten Woche im Überblick:

So., 01. März, 16 Uhr: Burbach, Baudy & Baudy – Lesung für den Baum, Alles wird schön e.V., Friedrich-Naumann-Straße 27, 21075 Hamburg; Eintritt: frei / Spende erwünscht

Mi., 04. März, 19 Uhr: Tillmann Bendikowski: Sagenhafte Nordgeschichten, Fischhalle Harburg, Kanalplatz 16, 21079 Hamburg; Eintritt: 15 Euro

Fr., 06. März, 20 Uhr: Dominik Bloh: Die Straße im Kopf, Treffpunkthaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9, 21075 Hamburg; Eintritt: VVK 12 Euro / AK 15 Euro

Sa. 07. März, 19 Uhr: Ladies Crime Night – Debüts, Stadtbibliothek Buxtehude, Fischerstraße 2, 21614 Buxtehude; Eintritt: 12 Euro

So., 08. März, 15 Uhr: Wohnzimmerlesung mit Claus-Peter Rathjen: Plattdüütsche Texte von Hans-Joachim Meyer, Hastedtstraße 34, 21073 Hamburg; Eintritt: frei / Spende erwünscht (Anmeldung erforderlich)

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Lyrik als Auszeit https://www.tiefgang.net/lyrik-als-auszeit/ Fri, 28 Jan 2022 23:36:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8734 [...]]]> Der Harburger Chris Baudy hat beim Harburger Verlag awsLiteratur kürzlich sein Debüt veröffentlicht. „Blätter unter Bäumen“. Simone Erdmann sprach mit ihm.

Der Lyrikband „Blätter unter Bäumen“ (´Tiefgang` berichtete) enthält Reisenotizen durch die Brille eines Stadt-Radlers und Fußgängers.

Christian Baudy skizziert in verspielten Kurzgedichten die kleinen Besonderheiten des Alltags – Momente, die Auge und Ohr für unsere Umwelt schärfen.

Tiefgang (TG): Deine Gedichtsammlung „Blättern unter Bäumen“ ist gerade bei aws-Literatur erschienen. Erzähl mal, worum es in deinem Debüt-Band geht.

Christian Baudy: Es geht um das Erleben von Stadt-Natur. Momentaufnahmen, Beobachtungen, die ich auf diversen Radtouren, Jogger-Runden und Spaziergängen „im Grünen“ gemacht habe. Und dann in Gedichtform aufgeschrieben habe.

TG: Also reden wir hier von einer Art lyrischer Reisenotizen. Was hat dich dazu motiviert?

Baudy: Ich musste diese Augenblicke einfach irgendwie festhalten. Auch für andere.

TG: Mit welcher Botschaft?

Baudy: Ich möchte meine Leserschaft einladen, draußen mal innezuhalten, Natur zu atmen, zu schmecken, zu riechen und mal genauer hinzusehen und hinzuhören. Praktisch Tuchfühlung mit der natürlichen Umwelt aufzunehmen und den Gefühlen dabei nachzuspüren. Denn das ist sehr wohl auch in der Stadt möglich und auch in vielerlei Hinsicht nötig.

TG: Warum?

Baudy: Wir alle brauchen eine Auszeit vom meist hektischen Alltag: Man vergisst ja fast vor lauter beruflichen Terminen und privaten Verpflichtungen das Luftholen, besonders in der Stadt. Und wenn ich an die Zukunft unseres Planeten denke, die ja letztlich auch unser aller Zukunft ist, dann sollten wir uns unsere Umwelt innerlich und direkt, quasi „vor Ort“ zurückerobern, entspannt betrachten, auf sich wirken lassen und vor allem ihren Wert schätzen lernen.

TG: Aha, daher weht der Wind. Schreibst du bevorzugt Gedichte?

Baudy: Zurzeit schon.

TG: Was bedeutet speziell Dichten für dich?

Baudy: Für mich ist Dichten eine komprimierte Kunstform der Sprachführung, des Erzählens, des Kommunizierens. Da steckt Rhythmus und Klang, Kopf-Kino und Dialogangebot in einem drin. Mit Gedichten kann ich Emotionen, Beobachtungen, Erfahrungen, Reaktionen und Reflektionen relativ kurz, aber nicht mal so eben, zum Ausdruck bringen – mal verspielt, experimentell, mal gereimt, mal humorvoll oder ernsthaft. Und wenn meine Dichtkunst beim Gegenüber eine Saite (gerne auch mehrere) zum Klingen bringt, bin ich am Ziel meiner Träume.

TG: Seit wann schreibst du eigentlich?

Baudy: Gedichtet habe ich bereits als Teenager, meist leichte Kost und kurz. Zuerst auf Deutsch, dann zunehmend auch auf Englisch und insgesamt mit mehr Tiefe, aber immer noch kurz. In den letzten Jahren sind auch Kurzgeschichten dazugekommen, die sich, wie viele meiner kurzen Gedichte, entweder auf Online-Portalen und oder in Anthologien tummeln. Ja, und nun liegt ja mein Erstlingswerk vor.

TG: Woher kommen deine Ideen zu den Gedichten?

Baudy: Mal abgesehen von bestimmten Anlässen ist es der Augenblick, der mich zum Dichten bringt. Und die Herausforderung, mit wenigen, aber effektiven Mitteln viel zu sagen und durch geschickte, sprachliche Schachzüge mein zentrales Anliegen und Empfinden auf den Punkt zu bringen. Es braucht nicht immer viele Worte.

TG: Gibt es literarische Vorbilder für dich?

Baudy: Ja im Grunde alle, deren Werke mich sehr ansprechen. Auf Lyrik bezogen fallen mir da spontan ein: die klassischen japanischen Dichter wie Matsuo Bashō und Yosa Buson, der libanesisch-amerikanische Dichter und Philosoph Kahlil Gibran, der österreichische Dichter Erich Fried; auch Janosh oder Wilhelm Busch. Aber auch zeitgenössische Schriftsteller:innen wie etwa Angelika Seithe.

TG: Hast du schon neue literarische Projekte in petto?

Baudy: Och, so einige. Ein weiterer Gedichtband liegt an. Auch das eine oder andere Kinderbuch entsteht gerade im Kopf und so manche Kurzgeschichte wartet auf ihren öffentlichen Auftritt.

TG: Da liegt ja noch Einiges vor dir.

Baudy: Ja, und gut Ding will Weile haben, besonders wenn der Brot-Job ständig dazwischenfunkt, damit die Kasse stimmt.

TG: Und womit verdienst du deine Brötchen?

Baudy: Die Butter zum Brot kommt über freiberufliche Tätigkeiten. Genauer über das Schreiben deutscher und manchmal auch englischer Sachtexte oder Online-Artikel. Manchmal kommen auch deutsch-englische Übersetzungsarbeiten dazu.

TG: Du bist also auch beruflich ein Textarbeiter.

Baudy: Ja, aber ebenso ein Event-Koordinator, Netzwerker und gelegentlich auch Bildungstätiger.

TG: Du bist also ein vielseitig beschäftigter Mann. Ich danke dir für das Gespräch.

(Das Interview für ´Tiefgang“ führte Simone Erdmann)

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„An Traumata muss man nicht scheitern“ https://www.tiefgang.net/an-traumata-muss-man-nicht-scheitern/ Sat, 04 Mar 2017 08:00:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=698 [...]]]> Während für viele Lyrik Ausdruck von Schönem und Geborgenheit ist, denkt Gisela Baudy an Isolation und Trauma. Das wirft Fragen auf, die wir ihr stellen …

 

Tiefgang (TG): Gisela, Ende 2016 ist dein literarisches Erstlingswerk mit dem klangvollen Titel „Tonspuren – Lyrisches Tagebuch“ erschienen. Worum geht es darin?

Gisela Baudy: Im Mittelpunkt steht eine junge Frau namens Clarissa, die schreibend einen Weg aus der inneren Isolation hin zu einem lebendigen Du sucht. Aber der Weg ist nicht geradlinig. Er führt nach schmerzhaften Kindheitserinnerungen über eine scheiternde Liebesbeziehung zunächst in ein noch tieferes seelisches Aus. Doch am Ende des Tunnels öffnen sich für Clarissa Wege zu einem geerdeten Leben, zum Du und zu einer nie gekannten seelischen Weite aus Horizont und Vogelflug.

TG: Warum dieser Titel?

Baudy: Zunächst meint „Tonspuren“ als Begriff ganz profan die Spuren auf einem Tonträger. In der übertragenen Form erinnert er aber an Töne, die von weither im eigenen Innern angeschlagen werden. Ich benutze den Begriff Tonspur ebenfalls doppelt: als Grundton, der in der eigenen Seele in einem bestimmten Lebensabschnitt angeschlagen wird, und als Buchkapitel, das jeweils diese leisen bis schrillen Seelentöne einfangen und beherbergen möchte.

TG: Auf dem Buchcover sind aber Tonscherben zu sehen …

Baudy: Richtig. Ich benutze den Begriff „Tonspuren“ bewusst mehrdeutig. Denn aus Ton kann auch zum Beispiel eine Schale bestehen. Tonschalen können, mit Wasser gefüllt, einen heilsamen Ton erzeugen, sie können aber auch beim Hinfallen brechen. Und noch mehr: Tonsplitter sind immer auch Fugen, durch die hindurch sich Keimlinge ein Weg ins Licht bahnen können. Die Protagonistin Clarissa ist alles: eine Zerbrochene und eine Aufbrechende.

TG: In „Tonspuren“ vermischen sich also verschiedene Wahrnehmungsarten wie Bild, Ton und Wort. Sind diese Synästhesien typisch für dein ganzes lyrisches Werk? Ich denke da zum Beispiel an das gleichsam hingekratzte, scharfkantige Gedicht „Wortspitzen“: „Worte / scharf umrandet / glatt / Münzen / auf der Zunge. // Der Fährmann kassiert / und fährt dich heim.“

Baudy: Es gibt gewisse Stimmen, die so reden. Aber jeder hat seine eigene Wahrnehmung, und das ist gut so.

TG: Deine Texte sind für Gedichte und Tagebuchnotizen ungewöhnlich kurz. Wie kommt das?

Baudy: Tonsplitter oder Wortstoppeln wäre für meine Texte der treffendere Ausdruck. Denn Clarissas Seele stottert. Das zeigt sich natürlich auch in ihrer Sprache, die innere Töne nur bruchstückartig festhalten kann.

TG: Hast du literarische Vorbilder?

Baudy: Ich lese gerne Autorinnen und Autoren wie Rainer Maria Rilke, Rose Ausländer, Gottfried Benn, Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Karl Krolow, Reiner Kunze, Erich Fried oder Hans Magnus Enzensberger, aber auch relativ unbekannte zeitgenössische Lyriker wie den Schweizer Autor Fred Stäheli, mit dem ich in Zürich Germanistik studierte, oder die Dichter Angelica Seithe und Nobert Mieck, die ich erst kürzlich für mich entdeckt habe.

TG: Wie lange hast du an deinem Gedichtband gearbeitet?

Baudy: Mit Unterbrechungen an die vier Jahre. Aber ich habe schon früher meine Tagebuchaufzeichnungen nach Textstellen und Gedichten durchforstet und immer wieder zu neuen Themen zusammengestellt. Die Texte selbst gehen bis in meine Studienjahre in Zürich zurück. Inzwischen haben aber viele davon einige Bearbeitungsstufen hinter sich.

Lebensreise des lyrischen Ichs in zehn „Tonspuren“

TG: Und wann entstand der Buchtitel? Es gibt ja inzwischen so einige Bücher mit diesem Titel auf dem Markt.

Baudy: Ja leider – wie so vieles, das plötzlich eine Inflation erlebt. Dabei kam mir der Titel „Tonspuren“ schon viele Jahre früher beim Wiederlesen und Neubearbeiten meiner Texte in den Sinn. Als ich ihn dann später im Internet fand, wollte ich ihn wegen seiner spezifischen Symbolik für mein Buch dennoch beibehalten und erweiterte ihn zu „Tonspuren – Lyrisches Tagebuch“.

TG: Lyrikbände sind oftmals Sammlungen von Gedichten, die in scheinbar beliebiger Reihenfolge abgedruckt oder − seltener − thematisch angeordnet sind. Wie sieht es mit deinen Tonspuren aus?

Baudy: Meine Tagebuchaufzeichnungen und Gedichte zeichnen chronologisch die Lebensreise des lyrischen Ichs in zehn „Tonspuren“, sprich Kapiteln nach. Die Ordnung der Kapitel und der einzelnen Textsplitter innerhalb eines Kapitels ergeben sich aus der Geschichte selbst.

TG: Was möchtest du deiner Leserschaft mit „Tonspuren“ auf den Weg geben?

Baudy: Lass es mich mit meinem Gedicht „Lebensreise“ sagen: „Werden / der du warst / bevor die Flügel brachen. // Werden / der du bist / trotz Flügelbruch.“

Mit anderen Worten: Traumata gehören zum Leben. Aber: Du musst an ihnen nicht scheitern. Du kannst mit ihnen auch leben lernen.

TG: Karl Valentin hat mal gesagt: „Kunst ist schön. Macht aber viel Arbeit. „. Warum schreibst du?

Baudy: Darf ich wieder mit meinem Gedicht „Wenn es gelingt“ antworten?

 „In jedem gelungenen Gedicht / klopft ein Herz / für die Gesundung eines Herzens. // Arbeit Erde / für das Gelingen / einer bewohnbaren Erde.“

Meine Gedichte wollen Gegenwart (er-) lebbar machen. Sie wollen da und dabei sein. Und sie sind auf der Suche nach Weggenossen, die die Erde etwas wohnlicher machen.

Schade nur, dass sie viel Arbeit machen, aber keine auskömmlichen Erträge einbringen. Ich zitiere hier nur Walter Moers, wenn er schreibt: „Schreiben ist der verzweifelte Versuch, der Einsamkeit etwas Würde abzugewinnen – und etwas Geld!“ (Aus: „Die Stadt der Träumenden“)

TG: Womit verdienst du denn dein Brot?

Baudy: Ich arbeite als freie Journalistin und Online-Redakteurin für einen kleinen gemeinnützigen Verein zu den verschiedenen Themen Umwelt- und Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Bildung und verwandte Themen. Aber: Das (nicht freiwillige) Leben als Freie ist nicht gerade einfach.

TG: Gibt es noch andere literarische Publikationen von dir?

Baudy: Im Bereich Lyrik veröffentliche ich noch nicht lange. Seit 2014 sind in literarischen Anthologien und Zeitschriften einige meiner Gedichte erschienen. Ansonsten habe ich noch Glossen für Zeitungen geschrieben.

TG: Du bist bei der Schreibwerkstatt Harburg. Warum?

Baudy: In der Schreibwerkstatt suche ich einen inneren Freiraum und die Motivation für kreatives Schaffen, das sich im Alltag nur allzu leicht verschüttet. Auch fasziniert es mich immer wieder, wie die Leiterin Kerstin Brockmann vorgelesene Texte professionell analysiert, besonders Gelungenes hervorhebt und mögliche Schwachstellen schnell erkennt. Und es tut gut zu sehen, dass sie bei aller Analyse und konstruktiver Kritik die Autoren immer aufzubauen versteht.

TG: Du liest am 21. März 2017 in der Gemeinschaftslesung „Begegnungen“ aus deinem Gedichtband zum Thema „Vogelschrift“. Was hat es damit auf sich?

Baudy: Das Bild des Vogelflugs durchzieht alle meine Kapitel und scheint mir das Thema „Begegnung“ symbolisch am besten aufzunehmen. Denn Vögel fliegen nicht einfach, sie beschriften mit ihrem Flug den Himmel und bringen etwas Lyrik und Gegenwart in den tristen Alltag. Lass dich überraschen.

TG: Zuletzt noch ein Spruch: Die Katze lässt das Mausen nicht. Wie sieht’s bei dir aus: Planst du schon dein nächstes literarisches Werk?

Baudy: In Zukunft würde ich mich gerne weiteren Themen zuwenden. Ich denke neben allgemein Menschlichem auch an Umwelt- und soziale Themen. Vielleicht probiere ich auch mal andere literarische Formen aus. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Denn der (Berufs-) Alltag ist gefräßig. Er lässt der Kreativität wenig Spielraum.

TG: Wenn ich das mal in meine eigenen Worten fassen darf: Kunst kommt nach Brot.

Baudy: Ja, ganz genau.

TG: Ich danke dir für das Gespräch.

 

Gisela Baudy ist Mitglied der Schreibwerkstatt Harburg, die mit der Gemeinschaftslesung „Begegnungen“ am 21. März 2017 ab 19:30 Uhr bei „Alles wird schön“, Friedrich-Naumann-Straße 27 die SuedLese-Literaturtage eröffnen wird. Die Autorin stellt einige Kostproben aus ihrem Buch vor.

Gisela Baudy – Tonspuren – Lyrisches Tagebuch, Verlag Stimme fürs Leben e.U., Wien 2016. Printausgabe: ISBN 978-3-903032-08-8 (188 Seiten). Mit Fotos von Gisela und Chris Baudy. Preis: 19,90 Euro (E-Book 9,90 Euro). Zu bestellen u. a. im Online-Shop des Verlages, bei www.buchhandel.de oder über die kostenlose Hotline der Buchhandlung Osiander 0800 9201 300.

Siehe auch die Besprechung hier bei ´Tiefgang`.

(28. Feb. 2917, das Gespräch führte Christian Baudy, freier Autor, Online-Redakteur und Mitglied der Schreibwerkstatt Harburg)

 

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