Clubkombinat Hamburg https://www.tiefgang.net Tue, 21 Jul 2026 14:53:10 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Ist es nun nachts um halb eins? https://www.tiefgang.net/ist-es-nun-nachts-um-halb-eins/ https://www.tiefgang.net/ist-es-nun-nachts-um-halb-eins/#respond Fri, 17 Jul 2026 10:26:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14192 [...]]]> Vom 16. bis 19. September 2026 verwandelt sich St. Pauli wieder in das pulsierende Zentrum der europäischen Musikwelt. Doch über den Vorbereitungen des Reeperbahn Festivals liegt ein tiefer, dunkler Schatten.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer plant eine drastische Halbierung der Bundesförderung. Ein kulturpolitischer Kahlschlag, der die Hamburger Clubszene ins Mark trifft. Doch hinter den Kulissen schwelt ohnehin ein historischer Verteilungskampf: Für viele Kiez-Clubs ist das Festival Freud und Leid zugleich.

Dabei ist es irgendwie ja auch eine Geschichte vom texanischen Traum zum globalen Kiez-Leuchtturm: Man schreibt das Jahr 2000, als ein junger Hamburger Musikmanager namens Alexander Schulz im texanischen Austin aus dem Flugzeug steigt. Er gerät mitten hinein in das vibrierende, laute Chaos der South by Southwest (SXSW). Dort, im drückenden Süden der USA, beobachtet er fasziniert, wie eine ganze Stadt für wenige Tage zur globalen Hauptschlagader der Musikindustrie wird. Aufstrebende Bands spielen in winzigen Kneipen, in Hinterhöfen, auf der Straße. Labels, Booker*innen und Tech-Pionier*innen feilschen an den Tresen um die Zukunft der Popmusik. Schulz hat eine Vision: Was im staubigen Texas funktioniert, muss doch auch im rauen, windgepeitschten Norden Deutschlands möglich sein.

Es dauert sechs Jahre, bis dieser Traum Wirklichkeit wird. Im September 2006 feiert das Reeperbahn Festival seine Premiere auf St. Pauli. Das Konzept ist so einfach wie genial: Die ohnehin dichte, historisch gewachsene Clubstruktur rund um die sündigste Meile der Welt wird zur Bühne für ein gigantisches Schaufenster der Popkultur – ein sogenanntes „Showcase-Festival“. Anstatt etablierte Megastars zu buchen, die ohnehin die Stadien füllen, wird das Festival zum Entdecker-Paradies. Hier treten die vielversprechendsten Newcomer*innen auf, oft noch bevor sie überhaupt einen Plattenvertrag in der Tasche haben.

Über die Jahre entwickelt sich die Hamburger Veranstaltung rasant vom ambitionierten Kiez-Experiment zum unumstrittenen, unersetzlichen Seismografen und wichtigsten B2B-Marktplatz der europäischen Musikbranche. Es ist die vitale Lunge, durch die die heimische Musikwirtschaft atmet. Jedes Jahr im September treffen sich tausende internationale Fachbesucher*innen in den Hamburger Spielstätten, um auf hochkarätigen Konferenzen die Trends von morgen zu verhandeln. Und weil dieses Treffen längst keine rein lokale Angelegenheit mehr ist, sondern auch als nationaler, kulturpolitischer Leuchtturm strahlt, stieg auch der Bund massiv in die Finanzierung ein. Zuletzt trug die Bundesförderung das Festival zu über 70 Prozent – eine lebensnotwendige Partnerschaft, die nun jedoch vor einer Zerreißprobe steht.

Das Festival in nackten Zahlen

Wenn man nun verstehen will, warum in den Chefetagen der Hamburger Musikwirtschaft und hinter den Tresen der Kiez-Clubs derzeit blanke Existenzangst herrscht, muss man den Blick auf die nackten, eisigen Zahlen richten. Die finanzielle Lebensader des Festivals wird im Rekordtempo abgeschnürt. Noch im vergangenen Jahr feierte die Musikbranche einen historischen Höchststand. Mit 6,27 Millionen Euro (!) Bundesförderung im Rücken konnte das Reeperbahn Festival ein Programm auf die Beine stellen, das international Maßstäbe setzte. Aber schon für das laufende Jahr 2026 grätschte der Rotstift der Politik brutal dazwischen und das Budget wurde auf 4,5 Millionen Euro herabgestuft – ein schmerzhafter, aber gerade noch handhabbarer Schnitt. Der aktuelle Haushaltsentwurf von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer für das kommende Jahr aber sieht nun einen noch radikalen Kahlschlag vor. Nur noch 3 Millionen Euro sollen aus Berlin an die Elbe fließen. Faktisch ist das eine Halbierung der Bundesmittel innerhalb von 2 Jahren.

Kulturpolitik nach Gutsherrenart?

Dieser drastische Sparkurs ist aber kein isoliertes Phänomen. Er legt eine tiefe, fast schon ideologische Kluft in der aktuellen deutschen Kulturpolitik offen. Während Weimer bei der Popkultur, den Newcomer*innen und der Nachwuchsförderung mit eisiger Konsequenz streicht – auch die überlebenswichtige Initiative Musik soll um 22 Prozent auf 15 Millionen Euro gekürzt werden –, bleiben andere Töpfe unangetastet oder wachsen sogar. Ausgerechnet die Bayreuther Festspiele, das alljährliche Hochamt der klassischen Hochkultur, dürfen sich über eine Erhöhung der Bundesmittel freuen.

Es ist eine Schieflage, die in der Szene für fassungslose Wut sorgt. Hier wird nicht einfach nur gespart; hier werden kulturpolitisch gänzlich andere Prioritäten gesetzt. Die Botschaft, die aus Berlin gesendet wird, ist fatal: Die lebendige, diverse und wirtschaftlich so bedeutende Popkultur gilt in den Augen des Kulturstaatsministers offensichtlich als streichbares Freizeitvergnügen, während die elitäre Hochkultur als schützenswertes Heiligtum zementiert wird. Wer die Jugend und die Zukunft der Musik so systematisch im Regen stehen lässt, betreibt eine Kulturpolitik nach Gutsherrenart, die den Anschluss an die gesellschaftliche Realität längst verloren hat.

Wenn im September aber nun die Scheinwerfer wieder angehen und die internationale Musikwelt auf St. Pauli anstößt, waren auch so nie alle glücklich mit dem Festival. Für viele lokale Clubbetreiber*innen bedeutete das Festival jahrelang nämlich nicht nur Glanz und Gloria, sondern auch einen harten Kampf um die eigene Existenz. Die Beziehung zwischen der Festivalleitung und der lokalen Clubszene ist ein hochsensibles, historisch gewachsenes Spannungsfeld, das hinter den Kulissen oft heftig knirschte.

Die Fesseln der „360-Grad-Verträge“

Das größte Konfliktfeld der vergangenen Jahre lässt sich wohl in dem Begriff „360-Grad-Vertrag“ zusammenfassen, der unter Kiez-Clubbetreiber*innen fast wie ein Schimpfwort benutzt wird: eine Exklusivitätsklausel. Wer als Band auf dem Reeperbahn Festival spielen wollte, musste oft sogenannte „360-Grad-Verträge“ unterschreiben. Die Bedingung: Die Künstler*innen verpflichteten sich, in einem Radius von teilweise bis zu 150 Kilometern und über einen Zeitraum von bis zu einem halben Jahr vor und nach dem Festival nicht eigenständig in Hamburg aufzutreten.

Für die kleinen, inhabergeführten Live-Clubs war dies ein Desaster. Es schnitt ihnen das eigene, mühsam kuratierte Booking ab und entzog ihnen lukrative Konzerte im restlichen Jahr. Die Bands wurden künstlich verknappt, die Einnahmen der Hamburger Spielstätten drastisch beschnitten. Hinzu kam ein tiefes Gefühl der Fremdbestimmung. Viele renommierte Clubs dienten während der Festivaltage als bloße Hüllen – als reine „Venues“ für das vom Festivalbüro zentral gebuchte Programm. Eigenes Mitspracherecht beim Line-up? Fehlanzeige.

Während sich das mediale Scheinwerferlicht zudem fast ausschließlich auf die Reeperbahn und ihre direkten Nebenstraßen konzentrierte, blieben Clubs abseits der Partymeile oder Konzertorte, die in den Wochen vor und nach dem Trubel auf Publikum angewiesen waren, sprichwörtlich im Dunkeln stehen. Der gigantische Werbe-Hype des Festivals saugte die Aufmerksamkeit und die Kaufkraft der Musikfans wie ein schwarzes Loch auf.

Dass diese Spannungen nicht in einer offenen Revolte eskalierten, ist vermutlich der zähen Arbeit des Clubkombinats Hamburg zu verdanken. Der Verband der Hamburger Clubbetreiber*innen hat über Jahre hinweg als diplomatisches Schutzschild agiert. In harten, oft zähen Verhandlungen rangen sie der Festivalleitung und der Politik Zugeständnisse ab. Es wurden finanzielle Ausgleichszahlungen für entgangene Einnahmen vereinbart und strukturelle Förderungen erwirkt, um die Härten der Exklusivitätsklauseln für die Betreiber*innen abzufedern. Erst durch diesen mühsam erkämpften Kompromiss wurde das Festival für die Hamburger Clublandschaft überhaupt erst tragbar.

Stirbt nun die Solidarität im Sparkurs?

Mit den drastischen Kürzungsplänen aus Berlin gerät dieses mühsam austarierte, fragile Gleichgewicht auf St. Pauli nun ins Wanken. Denn die bittere Ironie der aktuellen Krise liegt auf der Hand: Wenn dem Festivalriesen die Millionen weggebaggert werden, droht die mühsam erkämpfte Solidarität mit der lokalen Basis als Erstes unter die Räder zu kommen. Ohne ausreichende Bundesförderung stehen vermutlich auch jene finanziellen Ausgleichszahlungen und strukturellen Hilfen zur Disposition, die das Clubkombinat Hamburg für die kleinen Spielstätten erstritten hat.

In dieser zugespitzten Lage prallen die Positionen der verschiedenen Akteur*innen mit unerbittlicher Härte aufeinander. Wolfram Weimer verteidigt seinen harten Sparkurs unbeirrt. Aus dem Umfeld des Kulturstaatsministers heißt es kühl, die Haushaltskonsolidierung des Bundes erfordere schmerzhafte Einschnitte in allen Bereichen. Dass dabei die zeitgenössische Popkultur die Zeche zahlt, während die klassische Hochkultur geschont wird, wird als notwendige Schwerpunktsetzung deklariert. Carsten Brosda, Hamburgs streitbarer Kultursenator, hält mit aller Kraft dagegen. Er warnt eindringlich vor einer „spürbaren und dauerhaften Schwächung des Musikstandorts Deutschland.“ Brosda lässt dabei auch keinen Zweifel daran, dass Hamburg dieses massive Defizit nicht einfach stillschweigend ausgleichen kann: Ein nationaler Leuchtturm, der als Schaufenster für die gesamte Bundesrepublik dient, darf nicht im Alleingang auf den Schultern der Hamburger Steuerzahler*innen abgeladen werden. Ob das Argument verfängt?!

Die Hamburger Clubszene wiederum steht währenddessen in einem quälenden Dilemma. Einerseits ist der Groll über die jahrelange Dominanz, die Knebelverträge und die gefühlte Arroganz der Festivalleitung bei vielen Betreiber*innen noch immer tief verwurzelt. Andererseits wissen die Kiez-Größen ganz genau: Ein unkontrolliert kollabierendes Reeperbahn Festival würde eine Schockwelle auslösen, die die ohnehin angeschlagene, lokale Club-Infrastruktur mit in den Abgrund reißen könnte.

Wenn der Gigant stürzt, kann er auch die kleinen Bühnen mit sich ziehen. Aus dem berechtigten, jahrelangen Verteilungskampf zwischen „Kiez gegen Festival“ ist im Angesicht der Berliner Kürzungspläne ein existenzieller Überlebenskampf geworden, den man vielleicht und letztlich nur gemeinsam gewinnen – oder krachend verlieren kann.

Am Ende wird es bei dieser Debatte also um weit mehr als um nackte Zahlen, Haushaltslöcher und politische Zuständigkeiten gehen. Es geht um die Frage, welchen Wert wir als Gesellschaft der lebendigen, ungezähmten Kultur beimessen. Wenn im Herbst 2026 die Abgeordneten im Bundestag über den finalen Haushaltsentwurf abstimmen, entscheiden sie auch darüber, ob Deutschland seine lauteste, bunteste und mutigste Stimme behält – oder ob wir sehenden Auges ein historisches, kulturelles Sterben einleiten.

Popkultur ist kein Luxusgut

Popkultur ist kein nettes, verzichtbares Beiwerk, das man in Krisenzeiten einfach wegzensieren oder wegbudgetieren kann. Sie ist der soziale Kitt, der Sauerstoff einer Gesellschaft. In den einst stickigen, verrauchten Kellern von St. Pauli wird verhandelt, wer wir sind, wer wir sein wollen und wie wir miteinander leben. Hier entstehen Utopien. Wer hier den Rotstift ansetzt, spart an unserer Identität. Das Reeperbahn Festival darf nicht zum Opfer eines politischen Trauerspiels werden. Es muss ein Ort bleiben, an dem der Bogen tanzt, an dem junge Künstler*innen ohne Knebelverträge eine faire Chance bekommen und an dem die lokalen Clubs als gleichberechtigte Partner*innen glänzen können, statt als bloße Kulissen missbraucht zu werden.

Die Politik in Berlin steht nun also in der Pflicht. Das parlamentarische Verfahren im Bundestag ist die letzte Reißleine. Es ist die Chance für die Abgeordneten, Weimers einseitige, rückwärtsgewandte Schwerpunktsetzung zu korrigieren. Sie müssen beweisen, dass ihnen die Zukunft der Musikwirtschaft und die Existenz der Clubs auf St. Pauli ebenso viel wert sind wie die Traditionen der klassischen Hochkultur.

Der Kiez darf nicht verstummen. Wenn im September 2026 die ersten Akkorde über die Reeperbahn schallen, sollte das kein wehmütiger Abgesang auf bessere Zeiten sein, sondern ein unüberhörbares, trotziges Lebenszeichen. Die Hamburger Livemusikfans sollten ihre lokalen Clubs unterstützen, auf Konzerte gehen, diesen Freiraum einfordern. Denn eine Stadt ohne laute, mutige Livemusik ist am Ende nur eines: unendlich arm.


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S.O.S. – Save Our Sounds https://www.tiefgang.net/s-o-s-save-our-sounds/ Sat, 21 Mar 2020 16:49:29 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6544 [...]]]> „Save Our Sounds“ ist der Hilferuf der Clubs, die uns bis letzte Woche was auf die Ohren gegeben haben. Und es drängt.

In der Mitteilung zum Kampagnenstart „s.o.s“ heißt es:

„Genau wie viele andere Branchen ist auch die Hamburger Club- und Veranstalterszene durch die Coronakrise akut in ihrer Existenz und Vielfalt bedroht. Insbesondere kleine und mittelständische Kulturbetriebe sind ein äußerst fragiles Gebilde und einem Biotop gleichzusetzen: Wenn es einmal tot ist, geht es in der Form unwiederbringlich verloren. Einigen Hamburger Clubs – darunter Molotow, Uebel & Gefährlich, Hafenklang, Nochtspeicher, Astra Stube, Waagenbau, MS Stubnitz und Gängeviertel – bleiben nur noch wenige Tage bis zur Zahlungsunfähigkeit.

Um ein allgemeines Club- und Kultursterben unbekannten Ausmaßes zu verhindern, müssen wir jetzt handeln! Deswegen startet das Clubkombinat Hamburg in Kooperation mit der Clubkombinat Hamburg , kurz Clubstiftung Hamburg, heute die großangelegte Spendenkampagne Clubkombinat Hamburg . Wer die Hamburger Club- und Kulturlandschaft unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Spendenkonto der Clubstiftung Hamburg tun. „Für die Hamburger Clubs sind Spenden jetzt überlebenswichtig. Die Clubs brauchen dringend und sofort Hilfe, sonst werden die meisten noch nicht einmal die nächste Woche überleben“, sagt Terry Krug, Vorsitzende der Clubstiftung. „Wir als Clubstiftung versuchen nun schnell und unkompliziert zu helfen, um das zu verhindern. Helft bitte mit! Save Our Sounds!“

SPENDENKONTO CLUBSTIFTUNG

Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg Hamburger Sparkasse

IBAN: DE79 200 50 550 1280 366 988

BIC: HASPDEHHXXX

Als Dankeschön an alle, die ab sofort über die Homepage der Clubstiftung 20 Euro oder mehr spenden, hat die Stiftung zusammen mit der Agentur loved ein Bandana designt. „Mit den Halstüchern wollen wir uns bei unseren Spendern bedanken. Wir freuen uns über jeden, der sie als Zeichen der Solidarität trägt. Nur gemeinsam sind wir stark“, so Terry Krug. Die Halstücher wurden gemeinsam mit der Hamburger Agentur loved designed. Für den kurzen Weg zum Bäcker oder den Einkauf-an-der-Tür-abgeben-Besuch bei Mutti einfach den Clubstiftung-Soli-Bandana über Nase und Mund ziehen. Einen professionellen Mundschutz ersetzen sie natürlich nicht, aber schick sind sie allemal. Außerdem können die Clubretter ihr Engagement damit unter den Hashtags #clubsupportHH, #clubretter und #clubstiftung in den Sozialen Medien zeigen. Die Tücher bestehen zu 100% aus Baumwolle und sind natürlich bei 60 Grad waschbar.

Die eingegangenen Spenden werden nach einem transparenten und gerechten Verteilungsschlüssel zwischen großen und kleinen Clubs sowie Veranstaltern ohne feste Spielstätte und

kleinen Festivals aufgeteilt. Wer mit seiner Spende einen bestimmten Musikclub unterstützen möchte, kann zur Zweckbindung den Clubnamen als Verwendungszweck angeben, ansonsten ist der Verwendungszweck „SaveOurSoundsHH“ zu wählen. Die Antragsformulare für Clubs und Veranstalter, die finanzielle Soforthilfe benötigen, finden sich ab sofort auf www.clubstiftung.de unter der Rubrik „für Clubs“.

In den kommenden Tagen und Wochen werden vielfältige Rettungsaktionen gestartet, die über die Dachmarke CLUB GOODS die einzelnen Soli-Aktionen verbinden und von der Hamburger Agentur EIGA realisiert wurden. Neben der Nothilfe für Kultur solidarisieren sich der Clubverband und seine Stiftung bei bestimmten Spendenaktionen mit anderen sozialen Organisationen und halten einen solidarischen Beitrag zurück, um gesellschaftlich relevante Projekte zu unterstützen.

Darüber hinaus appelliert das Clubkombinat an alle Bürger, auf Rückerstattungen von Ticket für nicht stattfindende Veranstaltungen sofern möglich zu verzichten. Bei vielen abgesagten Konzerten wird bereits an Nachholterminen gearbeitet. Sofern es diese nicht gibt, hilft jeder Verzicht auf Rückerstattung, die Clubs, Konzertveranstalter, Musiker*innen und Kartenverkaufsstelle am Leben zu halten.

Das Clubkombinat hat zudem begonnen, Unterstützungsangebote und Informationen für Hamburger Musikveranstalter*innen in Zeiten der Corona-Pandemie online zu bündeln. Weitere Infos unter clubkombinat.de/corona-support. Auf der Homepage des Clubkombinats werden in Zukunft die verschiedenen Spendenaktionen und Aufrufe der bedrohten Clubs gebündelt aufgelistet, Termine für Soli-Aktionen werden in der CLUBPLAN APP veröffentlicht. Darüber hinaus ist eine Sonderausgabe der monatliche erscheinenden CLUBPLAN Broschüre geplant.

www.clubstiftung.de www.clubkombinat.de www.facebook.com/clubkombinat www.instagram.com/clubkombinat www.twitter.com/ClubkombinatHH (Corona CK-Live-Ticker)

www.youtube.com

 

ÜBER DAS CLUBKOMBINAT

Das Clubkombinat ist der Interessenverband der Clubbetreiber*innen, Veranstalter*innen, Booker*innen & Agenturen aus Hamburg. Als Schnittstelle zwischen kreativer Subkultur und etablierten Szeneclubs, dient es als Sprachrohr aller aus Musik und Kultur. Das Clubkombinat vertritt die Interessen seiner Mitglieder in Politik und Wirtschaft und moderiert die Kommunikation zwischen den offiziellen Gremien der Stadt. Die vitale Club- und Musiklandschaft Hamburg zeichnet sich nicht allein durch die großen, international renommierten Läden aus. Sie überzeugt ebenso durch die kleinen, innovativen Clubs, Konzerte und Parties. Denn diese entwickeln jenseits des Mainstreams neue Kulturwerte. Diese gilt es zu fördern und zu fordern. Denn so wird Hamburg, als Kulturmetropole und Musikwirtschaftsstandort ebenso gefördert und gefordert. Und das Beste: Durch die unterschiedlichen Programme und Szenen unserer Mitglieder werden alle Genres von Avantgarde bis Mainstream vertreten. Denn jeder Club bietet sein Bestes – für alle!

ÜBER DIE CLUBSTIFTUNG

Musikclubs üben einen bedeutenden Einfluss auf die Kultur einer Stadt aus und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erlebbarkeit und Progressivität. Hamburg profitiert von seiner lebendigen und vielseitigen Musikclub-Szene, die es zu schützen und zu fördern gilt. Die gemeinnützige „Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg“, kurz Clubstiftung, wurde im Jahr 2010 gemeinsam mit der Stadt Hamburg und dem Clubkombinat Hamburg e.V. ins Leben gerufen, um die musikalische Attraktivität der Stadt zu sichern und für sinnvolle Investitionen die Liquidität zur Verfügung zu stellen. Stifterin ist die Freie und Hansestadt Hamburg. Ziel der Stiftung ist es, mit Fördermodellen die erheblichen Kosten für Hamburger Musikclubs abzumildern.“

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Musikbezirk Harburg! https://www.tiefgang.net/musikbezirk-harburg/ Fri, 20 Sep 2019 22:08:33 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5788 [...]]]> Wer hätte das 2010 gedacht? In diesem Jahr steigt am 19. Oktober die 9. SuedKultur Music-Night und belegt die Lebendigkeit nicht nur der Harburger Musikszene.

Als 2009 die Idee der noch recht jungen Initiative SuedKultur aufkam, eine Art „Nacht der Clubs“ im Süden Hamburgs auf die Beine zu stellen, war nicht absehbar,  wohin der Weg führen würde.

Damals gab es den Rieckhof, den Old Dubliner, den Jazzclub im Stellwerk, das Café Leben in Heimfeld. Das Consortium hatte gerade seine Pforten schließen müssen, dafür brachte sich das Marias Ballroom als Konzertlocation frisch ins Rennen. Hat Harburg überhaupt das Potenzial für eine echte Music-Night? Wohl schon, war man sich einig. Aber glaubt uns das jemand?

Tricky Panda heizt im Old Dubliner ein

Als der Vorstandsvorsitzende der Eisenbahnbauvereinsgenossenschaft Harburg, Joachim Bode davon erfuhr, war er als Live-Musik-Fan gleich davon angetan. Das ist doch endlich mal was für Harburg! Unvergessen damals seine spontane Zusage, die Music-Night mit sagenhaften 5.000,- € zu unterstützen – mit der Aussage: „aber bitte nicht nur einmal!“

Diese Aus- und zugleich Zusage hat bis heute gehalten und war zugleich Garant für die Grundstruktur des immer noch jung daher kommenden non-profit-Festivals.

Joachim Bode vom Eisenbahnbauverein: „Wenn wir den Wohn- und Lebensstandort Harburg auf diese Art und Weise ein Stück nach vorne bringen können, freut uns das sehr. Da machen wir gerne weiterhin mit. Die SuedKultur Music-Night wirkt nach unserem Eindruck bereits weit über den Bezirk hinaus und hat inzwischen viele ´Wiederholungstäter´!“

Schon der Start damals zeigte: Scharen von Leuten liefen von einem Club zum anderen, feierten die Musik, die Clubs und letztlich sich selbst. „Und es war immer friedlich, freundlich und ohne besondere Vorkommnisse“, so Projektleiter Heiko Langanke, der die Music-Night von ihren Anfängen her begleitet.

Beim Dachverband der Hamburger Musikclubs, dem Clubkombinat Hamburg, wurde mit den Jahren auch wahrgenommen, dass die Live-Musik-Stadt Hamburg südlich der Elbe ein impulsives Eigenleben führt. Geschäftsführer Thore Debor: „Bereits um 9. Mal feiert der Hamburger Süden die SuedKultur Music-Night und sich selbst. Und das zu recht – denn wer es schafft ein Event mit 40 Bands auf 15 Bühnen für 5 € auf die Beine zu stellen, hat auch allen Grund dazu. Hut ab und weiter so!“

Janina Dunklau singt bei ContraZt in Heimfeld

In diesem Jahr nun also geht es am Sonnabend, den 19. Oktober in die 9. Runde und wieder sind es 15 Locations mit  40 Live-Acts, die für nur einmalig 5,- €  Eintritt erlebbar sind. Wie jedes Jahr ist auch 2019 klar: alle Gigs schafft niemand, aber doch ist für jeden etwas dabei.

So gibt es Jazz und Filmmusik in der Marmstorfer Auferstehungskirche, in der die Little BigBand spielt. Die Formation hat sich im Neugrabener Kulturhaus Süderelbe gegründet und sich ein hörenswertes Programm aus Film- und Jazzmusik aber auch Rock und Pop angeeignet.

Auch im Kulturcafé Komm du wird die Formation Bruder Schwarz mit Fusion Jazz zu hören sein und in der St. Paulus Kirche Heimfeld, die erstmals bei der Music-Night teilnimmt, zelebriert  das Blues-Urgestein Körrie Kantner mit seiner „not so BigBand“ einen vielstimmigen Kanon aus Blues, Swing, Funk und Soul.

Singer-Songwriter sind auch wieder reichlich vertreten. So im Gloria-Tunnel mit dem Duo cookies for the cat, im Sozialkontor Harburg an der Schwarzenbergstraße oder im Heimfelder Nachbarschaftstreff beim Verein ContraZt e.V. mit dem Duo Marlo Grosshardt und Viktor bzw. dem Moorburger Joe Merz.

Psychodelisches gibt es auch. Der Harburger Architekt Carsten Lünzmann baut sein Büro in der Buxtehuder Straße 56 kurzerhand um in den „Millimeterklub“ und dort spielen um 19.30h die Krautrocker „Voodoo Diodes“ auf. Im Marias Ballroom (Lasallestraße) hingegen übernimmt dieses Genre die eigens aus Frankfurt anreisende Band Nazca Space Fox, die sich in der bundesweiten Szene einen herausragenden Ruf erworben hat.

Klezmer und Tango bedient die Band „Zorro Gris“ in der Marmstorfer Auferstehungskirche, Reggae und Roots der Musiker Elan Zack im Café „Komm du“ und für suburbanen Tanzsound sorgt das Stellwerk im Haeburger Bahnhof mit der „Funk Soul Allnighter“-Nacht.

Bruder Schwarz jazt im Komm du

 

Das Ende seiner Europatour wird zudem im „Komm du“ der US-Amerikaner Christopher Worth mit seiner Band WORTH feiern. Wer selbst Musik machen will, ist zur Open-Mic-Bühne ins Heimfelder „Alles wird schön“ geladen, in der später auch eine Jam-Session läuft. Ebenso gejammt wird in der Kulturwerkstat Harburg am Kanalplatz oder im Gloria-Tunnel.

Weitere Top Acts finden sich in der Fischhalle Harburg mit dem US-Sänger Jay Kalian oder der Weltmusik-Formation Makatumbe, in der „Stumpfen Ecke“ mit der Partyband „Die Gäste“, in der Wilhelmsburger Deichdiele mit dem Skandinavier Flemming Borby sowie im Nachbarschaftstreff Heimfeld mit der Leipziger Punkband „wonach wir suchen“.

Pastor von der Weppen singt bei Marius Müler Willenlos in Marmstorf

Zwei Wermutstropfen gibt es leider auch: die Inselklause kann u.a. wegen des Open-Air-Live-Musik-Verbots dieses Jahr ebenso wenig mitmischen wie die Akademie für Musik und Kultur. Diese muß ihren TanzRaum zum Oktober an die Hamburger Stromnetz GmbH abgeben und hat neue Räume noch nicht in Aussicht. Das gesamte Programm wird etwa 2 Wochen vor der Music-Night in etlichen Kulturläden ausliegen und auch im Internet abrufbar sein. Am Abend selbst wählt man den Club seines Vertrauens, zahlt dort 5,- €, bekommt ein Music-Night-Armband und kann damit auch alle anderen Locations besuchen.

Der Hamburger Getränkehersteller Flora Power steuert auch dieses Jahr manche Mate-Drinks und Säfte bei. Unterstützung für Druckkosten und Plakatierung erfährt die Initiative SuedKultur durch die Eisenbahnbauvereinsgenossenschaft Harburg und den Verfügungsfonds Soziale Stadt des Bezirks Harburg.

Ab kommender Woche stellen wir bis zur Music-Night in einer Serie wieder einzelne Locations und Bands vor …

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Zum Brunch bei Maria https://www.tiefgang.net/zum-brunch-bei-maria/ Fri, 18 May 2018 22:53:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3633 [...]]]> Das Clubkombinat Hamburg lädt einmal im Monat seine Mitglieder zum Branchen-Brunch. Jetzt war es in Harburg im Marias Ballroom. Wir haben mal reingeschaut.

Einmal im Monat findet der sogenannte Club-Brunch statt und am liebsten in jeweils einem anderen Club, um auch mal einen expertiven Blick hinter die Kulissen werfen zu können. Diesmal im Phoenixviertel, denn der Süden ist eine echte Hausnummer in Sachen Hamburger Clublandschaft geworden. Unter den mittlerweile 150 Mitgliedern des seit 2004 existierenden Dachverbands der Hamburger Clubbetreiber*innen und Partymacher sind etliche Clubs im Süden, wie es ja jährlichs choin die Music-Night belegt. Sei es das Stellwerk, die Inselklause, der Old Dubliner, die Fischhalle, die Kulturwerkstatt oder eben Marias Ballroom. Glaubt man der verbandsinternen Statistik ist der Süden der Stadt drittstärkster Live-Club-Bezirk der Metropole. Und so ist es fast folgerichtig, dass auch im Vorstand des Verbandes sich (wieder) ein Harburger findet. Heimo Rademaker vom Ballroom in der Lasallestraße.

Und er lud vergangenen Mittwoch zum Branchen-Brunch. Neben Kaffee, Brötchen und Bacon-Eggs dient der Brunch immer auch zum „Netzwerken“, sich kennen- und voneinander lernen und Neues erfahren.

Neu war einiges in Sachen Ökologie. So stellte sich eine Initiative des Vereins Clubkinder vor mit dem kompakten Namen und Programm „fuckstraws!“.

Ihr Begehren: „Plastik in den Weltmeeren. Plastik in der Elbe. Plastik in unserem Trinkwasser. Täglich erreichen uns neue spektakuläre Bilder und eindrucksvolle Zahlen. Leider. Wir finden Müll in Korallenriffen, in Walen, Schildkröten, Vögeln und in unserem Körper. Immer mehr Länder besteuern oder verbieten Plastiktüten oder Einweggeschirr. Endlich. DEN GRÖSSTEN SCHRITT KÖNNEN WIR SELBER MACHEN. TAGTÄGLICH NUTZEN WIR VIEL ZU VIEL PLASTIK. LASST UNS DAS LASSEN!“

Über im Flüssig (Foto: Alexas_Fotos / Pixabay)

Kurzum: Ideen werden gesammelt und umgesetzt, möglichst jeden Plastikmüll im Nachtleben zu meiden. Back to Stroh-Halm im wahrsten Sinne. Die Trinkröhren gibt es übrigens mittlerweile auch edel aus Glas – aber unpraktisch und teuer im Club-Alltag. Ein Tipp an die Clubs war so aber auch: Halme für Drinks überhaupt erst auf Nachfrage rauszugeben.

Mehr Infos dazu: #FCKPLASTIC; fckplastic.org; facebook.com/fckplastic.org

Ebenso interessant ein Vortrag von Vertretern von Greenpeace Energy. Ein Ableger des Umweltvereins, der aber auch Clubs u.a. beim Energiesparen unterstützt. Und das reicht vom Handtrockner über die Glühbirne, dem Bewegungsmelder bis zum Kühlschrank. Man lernt und spart eben nie aus.

Auch konnte freudig für Verbandsmitglieder wieder die ein oder Partnerschaft mit satten Rabatten im Einkauf verkündet werden wie auch der Service des Kombinats ohnehin kaum eine Frage offen zu lassen scheint: clubkombinat.de/mitglieder/service

Harburg ist also mittendrin im urbanen Club-Geschehen, das noch kurze Zeit zur Aktion #FutureMusicCityHH (´Tiefgang` berichtete mehrmals) uns zur gleichnamigen Petition aufruft. Und auch steht fest: Hamburger Musikveranstalter*innen ohne Mitgliedschaft im Clubkombinat ist wohl nur schwer zu helfen. Alle anderen nutzen sie schon.

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Zurück in die Zukunft! https://www.tiefgang.net/zurueck-in-die-zukunft/ Fri, 18 May 2018 22:10:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3644 [...]]]> „Consortium – Programm ohne Grenzen“. Das war der selbstgewählte Titel des früheren Musiklokals in der Neuen Straße 55 in der ersten Ausgabe 2007 des damaligen gedruckten Monatsheftes ´ SuedKultur`. Jetzt gibt es die Idee, es wieder zu beleben.

Das Consortium war eine feste Hausnummer in Harburg. Kneipe, Treffpunkt, Live-Musik. Aber auch schon zuvor konnte das Lokal auf eine lange Geschichte verweisen, die im Grunde nur noch nicht erforscht und erfasst wurde. Bis Mitte 2011 jedenfalls war es neben Old Dubliner, Rieckhof und Jazzclub im Stellwerk DER Live-Club Harburgs. Und dies fast täglich!

In der SuedKultur hieß es:

„Blues, Rock, Jazz, Pop, Klassik, Literatur – die Liste ließe sich noch verlängern. Und sie beschreibt das tägliche Live-Programm vom Consortium. Die Idee ist ebenso einleuchtend wie selten: Weil ein solches Angebot keine besondere Zielgruppe kennt, spricht es alle an: Junge, Alte, Arme, Reiche. Das hat das Consortium zu einem wirklichen Treffpunkt und seine Musik zum Kommunikationsbeitrag gemacht.

Diese besondere Atmosphäre lieben nicht nur die Gäste, auch die Musiker genießen sie und kommen oft von weit her, um an der Neuen Straße zu spielen. So standen neben manchem großen norddeutschen Namen auch schon Musiker aus Dänemark, Schweden, Portugal, Italien, Japan und den Niederlanden auf der Bühne. Getreu dem Motto des Hauses, dass sich als „kultureller Hefeteig“ begreift, der auch überraschende Blasen werfen kann.

Es sind natürlich vor allem norddeutsche Künstler, die im Consortium spielen. Ob Bluesphänomen Abi Wallenstein, die Swing-Urgesteine Günter Fuhlisch und Ladi Geissler, der Boogie-Pianist Jan Fischer oder Harburgs Publikumsliebling Jimmy Cornett, sie alle gehören in den festen Kreis derer, die das Publikum immer wieder aufs Neue begeistern.“

Jimmy Cornett Live im „Cons” im Juli ´09: „Rolling´81-Rhythm of Hells

Das Consortium schloss im Sommer 2011. Im selben Jahr starb Jazz-Gitarrist Ladi Geisler und Jazz-Posaunist Günter Fuhlisch dann 2013. Jimmy Cornett begeistert mittlerweile ganz andere Publikumsscharen und zwar bundesweit. Das „Cons“ schloss nicht, weil das Konzept aus der Zeit gefallen war. Nein. Simpler. Der Hausbesitzer hatte gewechselt. Und der „Neue“ hatte vor, ein Hebammen-Café dort unterzubringen. Das hätte wenig Lärm gemacht und so wäre die über dem Lokal liegende Wohnung (früher waren das nicht zufällig eben die Wirtswohnungen) rentabler Mietraum geworden. Die Parteien (Vermieter/ Mieterin) stritten und unterstellten sich diverses. Auf die simpelste Sache kam man leider zu spät: das Mobiliar der über hundert Jahre alten Gaststätte war „immobil“. Es durfte gar nicht den Räumen entnommen werden, da es unter Denkmalschutz steht. Das konnte unser Harburger Experte und Museumschef der Archäologie, Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss bestätigen. Dumm nur: der Tresen samt Gruselköpfen und dunklen Sitzbankeckee waren so gar nicht „Café“-Style. Drum steht das Consortium nun seit eben sieben Jahren leer.

Der Dachverband der Hamburger Musikclubs, Clubkombinat Hamburg e.,V., warnte in einer Stellungnahme schon damals: „Wer glaubt, der Club macht zu, aber sicher an anderer Stelle dafür wieder einer auf, der irrt“. Der Grund: „Die Verordnungen und gesetzlichen Auflagen, die ein Musikclub heutzutage zu erfüllen hat, sind für einen privaten Betreiber ohnehin schon schwer zu erfüllen. Abgaben an die GEMA, Künstlersozialkasse, Kosten für Werbung, Booking, Ton- und Lichttechnik lassen kleinen Clubs zudem finanziell kaum noch Spielraum. Dem Eigentümer der Immobilie muss klar sein, dass er leichtfertig ein Stück Hamburger Musikkultur zu Grabe trägt.“  (Vgl. harburg aktuell.de)

Nun denn, hat sich vielleicht die Bezirksfraktion „Die Linke“ gedacht und „sieben Jahre“ ist ja eine der berühmten Zeitspannen, so dass nun am kommenden Dienstag (29. Mai, 17.30h, Großer Sitzungssaal im Harburger Rathaus) ein Antrag in die Bezirksversammlung eingebracht wird. Dieser fordert die Verwaltung auf, mit dem Eigentümer des Hauses zu sondieren wie es um eine Wiedereröffnung stünde. Und wie ´Tiefgang` aus einigen Kreisen bereits erfuhr: es wird von der Kulturszene begrüßt und auch erfahrende Gastronomen wären an Optionen interessiert, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Im Antrag zur Bezirksversammlung heißt es:

„Sachverhalt:

Das Lokal „Consortium“, Neue Straße 55, das im „Abendblatt“ als „Harburgs einzige Musikkneipe mit Kultstatus“ bezeichnet wurde, ist seit Mitte 2011 geschlossen und steht leer. Der Grund: Das Gebäude wechselte den Besitzer und der neue Eigentümer hatte kein Interesse an einer Musikkneipe im Haus. Stattdessen war zunächst geplant, ein Café für junge Mütter dort einzurichten. Dies scheiterte jedoch an den Denkmalschutzauflagen.

Die Einrichtung des Lokals stammt nämlich aus den zwanziger Jahren und ist samt allem Mobiliar noch vollständig erhalten. Die Schnitzarbeiten, z. B. die ausdrucksstarken Köpfe über der Theke, wurden von dem bekannten Harburger Bildhauer Michael Komorowski angefertigt. Deshalb steht die komplette Einrichtung der Gasträume unter Denkmalschutz. Das bewegliche Mobiliar ist noch im Besitz der früheren Betreiber des Lokals, muss aber aufgrund des Denkmalschutzes in den ursprünglichen Räumlichkeiten verbleiben.

Das „Consortium“ fehlt heute schmerzlich in der Harburger Kulturlandschaft – als urige Kneipe, als gemütlicher Treffpunkt, als Veranstaltungsort für Jazz- Folk- und Rockkonzerte oder Kabarett und als „lebendiges Denkmal“. Es wäre unbedingt wünschenswert, auf die/den jetzige/n Eigentümer/in einzuwirken und zu verhandeln, ob die Musikkneipe unter neuer Leitung wieder eröffnen darf, vor allem da die Räume aufgrund der geschilderten Gegebenheiten ohnehin nicht anders denn als Lokal genutzt werden können. 

Petitum/Beschlussvorschlag:

Die zuständigen Stellen des Bezirksamtes mögen Kontakt zu dem/der jetzigen Eigentümer/in des Gebäudes Neue Straße 55 aufnehmen, um darauf hinzuwirken, dass die ehemalige Musikkneipe „Consortium“ als wichtige Harburger Kultur- und Freizeitinstitution wieder eröffnen kann. Über den Erfolg der Bemühungen möge umgehend im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit berichtet werden.“

Quelle: Drucksachen–Nr.: 20-3799

 

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Hamburgs Moloch https://www.tiefgang.net/hamburgs-moloch/ Fri, 02 Feb 2018 23:59:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2942 [...]]]> Ein Moloch bezeichnete einst Opfer – und wird nun in der Clublandschaft wieder aktuell. In doppeltem Sinne. 

Ende Januar verlieh der Hamburger Clubverband Clubkombinat Hamburg e.V. bereits zum achten Male Preise für besondere Musikclubs der Stadt. Dabei erhielt der Club „Moloch“ gleich zwei Auszeichnungen. Das ´Hafenklang` wurde der innovativste Club des Jahres. Und ein Preis des Protestes wurde auch wieder ausgegeben: die „zerbrochene Gitarre“.

In der Pressemitteilung heißt es:

„Am 25. Jan 2018 wurde im DOCKS der Hamburger Club Award verliehen. Unterstützt durch die Behörde für Kultur und Medien wurden bereits zum achten Mal Preise für herausragende Leistungen in der Livemusikszene vergeben. Zwei der zehn Auszeichnungen gingen an das Moloch.

In einem Online-Abstimmungsverfahren votierte die Jury aus 70 Bewerbungen für die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger in den verschiedenen Kategorien. In der Jury waren in diesem Jahr über 180 Personen aus allen Bereichen der Hamburger Musik- und Veranstaltungsbranche vertreten, zum Beispiel Clubbetreiberinnen und -betreiber, Veranstalterinnen und Veranstalter, Künstlerinnen und Künstler sowie Vertreterinnen und Vertreter von Labels, Agenturen, Medien, Plattenläden oder Verbänden. Vor über 800 geladenen Gästen aus der Musikszene unterstrich Jana Schiedek, Hamburger Staatsrätin für Kultur und Medien, in ihrem Grußwort die große Bedeutung der Clubszene für Hamburg.

Jana Schiedek, Staatsrätin für Kultur und Medien: Hamburg ist seit vielen Jahren zu Recht für die Qualität und Vielfalt seiner Livemusik-Szene bekannt. Mit wie viel Leidenschaft Hamburgs Clubbetreiberinnen und Clubbetreiber das Musikleben unserer Stadt prägen, zeigt auch die Auszeichnung für den Hafenklang als innovativster Club des Jahres. Hamburgs Clubszene kennt keinen Stillstand! Dies feiern wir mit dem Club Award einmal pro Jahr. Ich gratuliere den Preisträgerinnen und Preisträgern des Abends.

Susanne Leonhard, stellvertretende Vorsitzende des Clubkombinat Hamburg e.V., resümiert zur Preisverleihung: „Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass die Leistungen von Clubbetreibern und Veranstaltern angemessen gewürdigt werden. Unser Dank geht an die vielen Jury-Mitglieder, die im Schwarm zu diesen authentischen Ergebnissen geführt haben. Glückwunsch an alle Preisträger!“

Der Preis für den Musikclub des Jahres mit dem innovativsten Konzertprogramm ging an den Hafenklang, knapp vor dem Gängeviertel und dem Uebel & Gefährlich. Trotz seines über 20-jährigen Bestehens erfindet sich der Hafenklang stetig neu und findet eine ausgewogene Balance zwischen bekannten Stars und Underground-Künstlern. Das Programm umfasst neben Konzerten, Festivals und Parties in den unterschiedlichsten Bereichen wie z.B. Punk, Rock, Pop, Metal, HipHop, Indie und Techno auch Bingo-Abende, Lesungen, Wrestling, Filmabende, Tischtennisrundlauf, Kunstausstellungen und Flohmärkte.

Für die beste Newcomerförderung des Jahres 2017 wurde die Astra Stube ausgezeichnet, gefolgt vom Molotow und dem Nochtspeicher/Nochtwache. Überreicht wurde der Preis von Ex-Betreiber Holger Jass, der im Onkel Pö einst Bands wie U2 erste Auftrittsmöglichkeiten in Deutschland bot.

Der Preis für das Konzert des Jahres ging an das Uebel & Gefährlich für das Konzert von Trettmann am 10. Oktober 2017. Auf Platz 2 landete das Hafenklang mit dem Konzert von Ho99o9 und auf Platz 3 das Molotow mit dem Aufritt der Garage-Band Black Lips.

Ausgezeichnet mit dem Award für den besten neuen Club wurde die Nochtwache, die als neu konzipierte Live Location für rund 150 Personen seit 2017 das Nochtspeicher-Programm offiziell ergänzt.

Kein Ehrenpreis: die zerbrochene Gitarre

Geehrt mit der Trophäe für den besten Fremdveranstalter wurde das Veranstalterkollektiv OHA Music, das vor Broken Forms und der éspassiert landete.

Die Clubnacht des Jahres wurde auch prämiert: Hier setzte sich das Moloch mit der „200 Jahre Kunstverein trifft 21 Jahre Equinox vom 22. bis 24. September 2017 vor dem Uebel & Gefährlich mit „MOVE mit Laurent Garnier & Awesome Tapes From Africa“ und dem Hafenklang mit 10 Jahre WobWob! durch.

Der Preis für das Festival des Jahres – klein aber fein ging an das Gängeviertel mit dem „8 Jahre Gängeviertel!“ (24. – 27. August 2017), gefolgt vom Molotow („Burger Invasion“) und dem Knust („15 Jahre Tapete Records“) auf den Plätzen 2 und 3.

Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten neben der Trophäe Preisgelder in Höhe von insgesamt 10.000 Euro, davon 8.000 Euro bereitgestellt von der Behörde für Kultur und Medien.

Der vom Vorstand des Clubkombinat vergebene Ehrenpreis wurde an Karl-Hermann Günther verliehen, der nach Einschätzung des Vorstands mit seinem Engagement und Betrieb der Grossen Freiheit 36, Kaiserkeller, Galeria 36, Docks und Prinzenbar die Entwicklung der Hamburger Clubkultur maßgeblich beeinflusst hat.

Ebenfalls in Eigenverantwortung des Vorstandes des Clubkombinat Hamburg e.V. wurde der Negativpreis “Die zerbrochene Gitarre” vergeben – an „die geräuschempfindlichen BeschwerdeführerInnen in den Hamburger Szene- und Ausgehvierteln“. In seiner Begründung (veröffentlicht auf www.clubkombinat.de) verweist der Clubverband unter anderem auf eine spürbare Zunahme von Lärmbeschwerden, deren Ursachen er in einer zunehmenden Nachverdichtung und scheinbar sinkenden Toleranzgrenzen sieht.

Der Publikumspreis wurde mittels eines Online-Votings ermittelt, an dem sich über 4.000 Hamburger Clubgängerinnen und Clubgänger beteiligten. Die meisten Stimmen erhielt hierbei das Moloch im Oberhafenquartier, das sich gegen den Monkeys Music Club und das freundlich + kompetent behaupten konnte.

Als Moderatorin führte die Hamburger Musikerin Catharina Boutari durch den Abend. Für das musikalische Programm sorgten die Hamburger Live-Acts AROMA, ILGEN-NUR und eine Allstars-Band, aus Musikern der Bands FINDUS, JUPITER JONES und LOVE A.

WEITERE INFORMATIONEN ZU DEN PREISTRÄGERN DES JURY-VOTINGS

KATEGORIE: Musikclub des Jahres mit dem innovativsten Konzertprogramm

Hafenklang, www.hafenklang.com

Trotz seines über 20-jährigen Bestehens erfindet sich der Hafenklang stetig neu. Das Programm umfasst Konzerte, Festivals und Partys in den unterschiedlichsten Bereichen wie z.B. Punk, Rock, Pop, Metal, HipHop, Indie, Techno. Doch das Angebot umfasst noch viel mehr: Es werden auch Bingo-Abende, Lesungen, Wrestling, Filmabende, Tischtennisrundlauf, Kunstausstellungen und Flohmärkte veranstaltet. Dem Hafenklang ist es wichtig, bei einer Auslastung von über 300 Veranstaltungen pro Jahr eine ausgewogene Balance zwischen bekannten Stars und Underground-Künstlern zu halten.

KATEGORIE: Club des Jahres mit der stärksten Hamburger Newcomerförderung

Astra Stube, www.astra-stube.de

Die Astra Stube hat einen besonderen Platz für Newcomer mit den unterschiedlichsten Stilrichtungen. Hier treten internationale Bands auf, die anderswo große Clubs füllen, in Deutschland aber noch als Geheimtipp gehandelt werden, ebenso wie lokale und nationale Acts. Auch Künstler, die sich den eher abseitigen Genres des musikalischen Spektrums widmen, finden hier ihren Platz und ihr Publikum. Unter dem Motto „Newcomer fördern Newcomer“ bietet die Astra Stube jungen Leuten in ihrem Team die Möglichkeit in den Bereichen Tontechnik, Eventmanagement und Booking aktiv ein kreatives und abwechslungsreiches Nachtleben in Hamburg mitzugestalten.

KATEGORIE: Konzert des Jahres

Uebel & Gefährlich, Trettmann, www.uebelundgefaehrlich.com

Das Konzert des Chemnitzer HipHop- und R´n´B-Sängers Trettmann am 10.10.2017 ist das Sinnbild eines gemeinsamen Erfolges von Club und Künstler. Hatte das Konzert im Vorjahr noch vor 150 Gästen stattgefunden, so zahlte sich der Glauben an die Qualität der Sängers im Folgejahr mit einem ausverkauften Haus vor 1.000 begeisterten Fans aus. Auch dank der zahlreichen Live-Gäste auf der Bühne erzeugte die Show eine Gänsehautatmosphäre.

KATEGORIE: Bester neuer Club

Nochtwache, www.nochtspeicher.de/nochtwache

Die Nochtwache, das Kellergewölbe des Nochtspeichers, bietet eine einzigartige, gemütliche Atmosphäre und auch bei wenigen Zuschauern immer eine wohlige, familiäre Stimmung. Viele englische Bands haben die Nochtwache, anlehnend an den Kultclub in Liverpool, schon liebevoll als „Little Cavern Club“ bezeichnet. Nach einem Umbau ergänzt sie als neu konzipierte Live-Location seit 2017 für rund 150 Personen das Nochtspeicher-Programm offiziell.

KATEGORIE: Fremdveranstalter/Clubpromoter

OHA Music, www.oha-music.com

Seit 2013 ist die Hamburger Agentur als Kollektiv aktiv, deren vier Gesellschafter trotz relativ jungen Alters selber reichlich Clubbetreibererfahrungen haben. 2017 veranstalteten sie über 80 OHA! Konzerte und vermittelten mit der hauseigenen Booking-Abteilung vielen Hamburger Live-Künstlern (u. a. Pecco Billo, Pool, Eljot Quent) und Djs (u .a. Suro, DJ Direction und Silly Walks Discotheque) bundesweit Aufritte.

KATEGORIE: Clubnacht des Jahres

Moloch, „200 Jahre Kunstverein trifft 21 Jahre Equinox Subversion“ (22.-24.09.), www.moloch.de

200 Jahre Kunstverein trifft 21 Jahre Equinox. Subversion traf Subvention. Aus dem Fauxpas einer Doppelbuchung wurde am Ende die Party des Jahres. Das Ganze hätte an keinem passenderen Ort als im Moloch stattfinden können. Manche Menschen zieht es in den etablierten Kunstbetrieb, manche eher auf die Tanzfläche, aber an diesem Wochenende konnten sich alle wunderbar mischen und gemeinsam im Moloch feiern, dem Club, der aus genau dieser Mischung von Menschen entstanden ist.

KATEGORIE: Festival des Jahres – klein, aber fein

FABRIQUE im Gängeviertel, 8 Jahre Gängeviertel (24.-27. August 2017), www.das-gaengeviertel.info

Das Gängeviertel feierte mit über 70 Künstlern mit Aktionen, Ausstellungen, Vorträgen, Konzerten drei Tage seinen achten Geburtstag. Auch Diskussionsrunden über die Verhandlungen mit dem Senat und die Aufarbeitung des G20-Gipfels standen im Fokus der Veranstaltung.

 

 

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London Calling https://www.tiefgang.net/london-calling/ Fri, 29 Dec 2017 23:22:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2775 [...]]]> Die Metropolen ändern sich rasant. Wachstum, Platzmangel, Preissteigerungen. Darunter leiden auch die Live-Musikclubs. Hamburg startete eine Petition, London erklärt Live-Clubs zur Chefsache. Was ist da los?

In wenigen Jahren ist das passiert, was 2009 bei der Kampagne „not in our name“ in Hamburg prognostiziert wurde: „Viele europäische Metropolen konkurrieren heute darum, zum Ansiedelungsgebiet für diese „kreative Klasse“ zu werden. Für Hamburg hat die Konkurrenz der Standorte mittlerweile dazu geführt, dass sich die städtische Politik immer mehr einer „Image City“ unterordnet. Es geht darum, ein bestimmtes Bild von Stadt in die Welt zu setzen: Das Bild von der „pulsierenden Metropole“, die „ein anregendes Umfeld und beste Chancen für Kulturschaffende aller Couleur“ bietet.“ (siehe „Manifest“ der Initiative „not in our name“, 2009)

Dabei war das nicht mal neu. In seinem Buch Le droit à la ville von 1968 (!) entwarf der französische Philosoph und Soziologe Henri Lefebvre das Recht auf Stadt als ein Recht auf ein transformiertes, erneuertes urbanes Leben. Darin thematisierte er schon früh die sozialen Probleme, die durch die rasche Urbanisierung der Nachkriegszeit, insbesondere durch den Massenwohnungsbau entstanden. Lefebvre beklagte zahlreiche Qualitätseinbußen, die mit dem Urbanisierungsprozess einhergingen. Stadt als Ort der kreativen Schöpfung werde zunehmend dem Tauschwert und der industriellen Verwertungslogik unterworfen werde und für ihre Bewohnerinnen und Bewohner schließlich in den Zwang münde „sich in Schachteln, Käfigen oder ,Wohnmaschinen‘ einschließen zu lassen“.

Nun ganz so ist es nicht gekommen. Jedenfalls nicht so und auch noch nicht. Aber das sich da was zusammen braut, zeigen jüngste Initiativen wie in Amsterdam. Dort wurden ab Herbst 2017 reine Tourismusläden nicht mehr zugelassen und das Stadtmarketing gleich ganz eingestampft. Der Widerstand der Stadtbevölkerung gegen einen touristischen Ausverkauf wurde zu groß. Paris hat frühzeitig verschiedene Schwerpunkte im urbanen Gebiet geschaffen, um das direkte Zentrum nicht zum Pulverfass und touristischen Disneyland werden zu lassen. Ob es reicht, kann man bezweifeln.

Jetzt hat Londons Bürgermeister Sadiq Khan mit dem „London Plan 2018“ die sogenannten Grassroots Music Venues (dt. etwa wie Kleinstmusikbühnen) zur Chefsache erklärt. In einem Masterplan sollen die Themen Stadtentwicklung und Kulturräume künftig strukturell verbunden und behandelt werden.

Auszüge aus dem London Plan:

Das “Agent of Change”-Prinzip verlagert die Verantwortung für die Abschwächung der Auswirkungen von bestehenden lärmerzeugenden Aktivitäten oder Nutzungen auf die neu geplante lärmsensitive Nutzungen.
„Die Bezirke sollten sicherstellen, dass die Planungsentscheidungen das „Agent of Change“-Prinzip widerspiegeln und die bestehenden lärmerzeugenden Nutzungen sensibel berücksichtigen, wenn neue Projekte, insbesondere Wohngebiete, in der Nähe vorgeschlagen werden.
Neue Projektentwickler sollten Lärm und andere potenzielle Belästigungen durch Folgendes steuern:

1) Gewährleistung eines guten akustischen Designs zur Minderung und Minimierung vorhandener und potenzieller Lärmauswirkungen von bestehenden Nutzungen in diesem Gebiet.

2) Ausarbeitung von Minderungsmaßnahmen in einem frühen Stadium der Entwurfsphase, mit notwendigen und angemessenen Vorkehrungen, die durch Planungsverpflichtungen gesichert sind.

3) Neue lärmsensitive Projekte sollten soweit wie möglich von bestehenden lärmerzeugenden Unternehmen durch Entfernung, Abschirmung, Innenausbau, Schalldämmung und Isolierung sowie andere akustische Gestaltungsmaßnahmen getrennt werden.

Neue Entwicklungen sollten so gestaltet sein, dass etablierte lärmerzeugende Veranstaltungsstätten rentabel bleiben und ohne unangemessene Einschränkungen weiter bestehen oder wachsen können.
Neue lärmerzeugende Projekte wie industrielle Nutzungen, Musiklokale, Kneipen, Eisenbahninfrastrukturen, Schulen und Sportstätten, die in der Nähe von Wohngebieten und anderen lärmsensiblen Gebäuden geplant werden, sollten Maßnahmen wie Schalldämmung zur Linderung und Bewältigung von Lärmbelastungen für Bewohner und Unternehmen in der Nachbarschaft ergreifen.
Die Bezirke sollten Entwicklungsvorschläge ablehnen, die nicht eindeutig aufzeigen, wie Lärmauswirkungen gemildert und gemanagt werden.“

Weitere Infos unter: musicvenuetrust.com

Die Petition des Brancheverbandes Clubkombinat Hamburg, das unter dem Namen #FutureMusicCityHH einen Schutz von Live-Musikclubs in Hamburg einfordert (´Tiefgang` berichtete), hat die Diskussion zumindest auch in Hamburg  neu befeuert. Und zumindest darf man gespannt sein, ob das Venedig des Nordens bereit ist, Konzepte und Strategien anderer Metropolen in den Diskurs aufzunehmen.

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Fördern und gefördert werden https://www.tiefgang.net/foerdern-und-gefoerdert-werden/ Sat, 20 May 2017 05:45:28 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1157 [...]]]> Kleine Musikclubs sind die Kinderstuben der Stars von Morgen. Das war der StarClub für die Beatles ebenso wie das alte Knust in der Brandstwiete für R.E.M.. Das gehört gefördert. Sagen die Clubs, aber auch der Senat.

Und so haben zum neunten Male die Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg – kurz Clubstiftung – und die Behörde für Kultur und Medien jetzt das Antragsverfahren für die neuerliche Förderrunde des Live Concert Accounts (LCA) gestartet.

Die Förderung richtet sich an Musikclubs und Musikinitiativen mit festem Spielort in Hamburg, die

  • seit mindestens einem Jahr vom derzeitigen Betreiber geführt werden und
  • jährlich mindestens 24 Livemusik-Konzerte veranstalten
  • die keine institutionelle Förderung bekommen und
  • deren Gesamtveranstaltungsfläche nicht größer als 500 Quadratmeter ist bzw.
  • deren Kapazität nicht über 1000 Personen fasst.

                                   250.000 € stehen zur Verfügung

Nachdem bereits im letzten Jahr die Rekordzahl von 52 Musikclubs Fördergelder von der Stadt erhalten hat, stehen in diesem Jahr durch eine einmalige Erhöhung um 100.000 Euro (von 150.000 auf 250.000 Euro) so viel Mittel wie nie zuvor bereit, um Clubkonzerte zu unterstützen. Weitere Spenden der Clubstiftung werden insbesondere die Talententwicklung als wichtigen Teil der Livemusik-Kultur zusätzlich befördern.

Bereits im vergangenen Jahr wurde das regelmäßige Budget der Behörde für Kultur und Medien für den LCA von jährlich 150.000 Euro durch zusätzliche Mittel in Höhe von 50.000 Euro angehoben. Zusätzlich brachte die Clubstiftung 15.000 Euro aus dem FairTix-Ticketing für den LCA als Direktspende ein. Dank einer Spende des privaten Musikunterstützers Jan Szlovak von 20.000 Euro konnte die gesonderte Unterstützung von Nachwuchskonzerten (sogenannte „LCA+“) ausgebaut werden, so dass 2016 insgesamt 235.000 Euro zur Verfügung standen.

„kleine Musikclubs unverzichtbar“

Kultursenator Carsten Brosda (Foto: clubkombinat)

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der Live Concert Account hat sich in den letzten neun Jahren als Förderinstrument sehr bewährt und wird im kontinuierlichen Dialog mit der Szene weiterentwickelt. Die solidarisch eingebrachten Anteile aus dem clubeigenen Ticketing wie auch die großzügige private Spende zeigen, dass der LCA insgesamt ein Erfolgsmodell ist. Wenn wir wie in diesem Jahr die Möglichkeit haben, das vorgesehene Budget aufzustocken, so tun wir das gerne, weil es unmittelbar der Veranstaltung von Livemusik in den so unverzichtbaren kleineren Musikclubs und der musikalischen Vielfalt in Hamburg dient.“

Leithammel der Clubs: Karsten Schölermann (Foto: Knust)



Karsten Schölermann, 1. Vorsitzender der Clubstiftung, unterstreicht die Bedeutung der Hamburger Club-Förderung: „Zwei Drittel der geförderten Konzerte sind Kleinstkonzerte, die wir im Rahmen des LCA-PLUS-Konzeptes gesondert fördern. Kleinere Konzerte mit geringem Eintritt und wenigen Besuchern haben einen besonderen Stellenwert bei der Entwicklung neuer Talente und sind somit besonders förderungswürdig. Damit können insbesondere die kleinen Vielveranstalterclubs in ihrer Kulturarbeit zusätzlich unterstützt werden.“

Je mehr Konzerte, desto höher die Förderung

Der Live Concert Account (LCA) ist ein Fördermodell für Hamburger Livemusik-Spielstätten, das gemeinsam von der Behörde für Kultur und Medien, dem Clubkombinat Hamburg e. V. und RockCity Hamburg e. V. entwickelt wurde. Dieses Förderinstrument für Livemusik ist in seiner Form bundesweit einmalig: Die jeweilige Förderung pro Club wird im Kern auf der Grundlage der entrichteten GEMA-Vergütungen des Vorjahres bemessen und anhand eines Verteilungsschlüssels errechnet. Mittels dieser Quote wird im Verhältnis zur verfügbaren Fördersumme direkt an die Antragssteller ausgeschüttet. Das bedeutet: Je mehr Konzerte, desto höher die Förderung.

Die Antragsunterlagen sind ab sofort online verfügbar und können bei der Clubstiftung eingereicht werden.
Anträge stellen:

Die Clubs können ihre Anträge bei der Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg (Clubstiftung) einreichen, die die Abwicklung des Verfahrens für die Clubs übernimmt.

Die Antragsfrist endet am 1. September 2017 (Poststempel).

Antragsunterlagen und weitere Informationen unter
hamburg.de/bkm und
clubstiftung.de
Weitere Informationen finden Sie unten im Download oder direkt bei der:

Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg
Kastanienallee 9
20359 Hamburg
Tel.: 040-235 18 777
Fax: 040-235 18 885
E-Mail: kontakt@clubstiftung.de
stiftung-private-musikbuehnen-hamburg.de

(19. Mai 2017, hl)

Weiterführend: Wie steht es um die Clubszene in Hamburg?

Ein Video, produziert 2013 im Rahmen des Projektseminars „Musikproduktion in der Stadt. Feldforschung zwischen künstlerischem Prekariat und städteplanerischen Zukunftsstrategien“ unter der Leitung von Robin Kuchar an der Leuphana Universität Lüneburg.

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Der Vielklang der Gesellschaft https://www.tiefgang.net/der-vielklang-der-gesellschaft/ Sat, 29 Apr 2017 06:00:14 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=968 [...]]]> Der Landesmusikrat Hamburg hat zusammen mit weiteren Musikinstitutionen das  „Netzwerk Musikstadt Hamburg“ gegründet. Denn mit der Elbphilharmonie allein ist kein Stadtstaat zu machen …

Zu den weiteren sieben Gründungsmitgliedern gehören auch das Clubkombinat Hamburg, die Handelskammer Hamburg, die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft, das Jazzbüro Hamburg, das Netzwerk Musik von den Elbinseln, RockCity und der VUT Nord. Unterstützt wird das Netzwerk zudem u.a. von Tonali, der Hamburg Kreativ Gesellschaft und dem Urban Music Studies Scholars Network.

Seitens des Landesmusikrates heißt es dazu:

„Die Netzwerkpartner werden sich künftig regelmäßig treffen, um sich über anstehende Themen in Bezug auf die Musikstadt Hamburg auszutauschen. Im Fokus dieses Forums für die Musikszene Hamburgs stehen die Verbesserung von Kommunikation und Zusammenarbeit der Musikakteure untereinander und der Dialog mit Behörden und Politik. Das Netzwerk soll die Erarbeitung von Ideen und Maßnahmen zur Förderung der „Musikstadt Hamburg“ als Zusammenspiel von Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft vereinfachen und lädt dafür alle Musikakteure der Stadt ein, sich aktiv zu beteiligen.

Die Vertreter der Gründungsmitglieder unterzeichneten in der Handelskammer eine entsprechende Absichtserklärung, die auch das Selbstverständnis des Netzwerks formuliert.

´Das Musikleben Hamburgs ist nicht nur geprägt von Musicals, Festivals, der Elbphilharmonie und einer lebendigen Clubszene, sondern auch von den vielen Chören und Orchestern der Laien- und Amateurmusik. Gerade sie ermöglichen breiten Bevölkerungskreisen eine kulturelle Teilhabe, die in Ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden darf`, betonte Rüdiger Grambow, Präsident des Landesmusikrates. ´Das Netzwerk will dazu beitragen, dass die verschiedenen Musiksparten und Genres bei der Weiterentwicklung der Musikstadt Hamburg zusammenwirken.`“

(Quelle: Landesmusikrat in der Freien und Hansestadt Hamburg e.V.)

Musizieren bedeutet immer Verständigung

Der Landesmusikrat hatte erst zum Jahresende 2016 eine Musikstadt-Kampagne – Zusammenfinden für Demokratie, Toleranz und Vielfalt“ gestartet und dies auch als klare Botschaft zum G20-Gipfel im Juli 2017 formuliert. Dazu hieß es einleitend:

„Der Landesmusikrat Hamburg befürwortet eine offene und pluralistische Gesellschaft. Ausgrenzung, das Schüren von Ängsten und undemokratische Handlungsansätze widersprechen dem humanistischen Gesellschaftsbildseiner Mitgliedorganisationen. Musiker/-innen widmen sich in ihrem Schaffen dem eigenen kulturellen Erbe und dem sogenannten Fremden in gleicher Weise. Musizieren bedeutet immer Verständigung, ist ein gemeinschaftliches Agieren. Individuelle Fähigkeiten verschmelzen zum Gemeinschaftsergebnis.

Die eigene Position dient beim Musikmachen immer einer übergeordneten Position. Gegenseitiger Respekt und gemeinsame Verantwortung sind für Musiker/-innen selbstverständlich. Der Landesmusikrat positioniert sich im gesellschaftlichen Diskurs deutlich gerade im Hinblick auf das Jahr2017, in dem die Welt auf Hamburg und die Elbphilharmonie schaut.

Nicht nur in diesem herausragenden Konzerthaus soll Musik als Grenzen überbrückende Sprache Zeichen setzen, dass in ganz Hamburg für alle Menschen das Leben lebenswert ist.“

Ob das nun neue Netzwerk Teil oder Ergebnis dieser Kampagne ist, bleibt abzuwarten.

(26. Apr. 2017, hl)

 

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Im Schatten des Rampenlichts https://www.tiefgang.net/clubfibel/ https://www.tiefgang.net/clubfibel/#respond Mon, 28 Nov 2016 16:34:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=67 [...]]]> Der Interessensverband der privaten bzw. ungeförderten Hamburger Musikclubs, das „Clubkombinat Hamburg“, hat im Frühjahr 2016 eine überarbeitete Ausgabe der „Clubfibel für Frischlinge – Leidfaden/Leitfaden für Clubbetreiber, Veranstalter und Behörden“ herausgegeben, die für 5,- € dort erhältlich ist.

In dem Handbuch im DIN A 4 Format geben gestandene Clubbetreiber und andere Aktive der Hamburger Musikwirtschaft hilfreiche Tipps und Hinweise rund um Clubs mit Live-Musik. Chronologisch startet es beim Türsteher, handelt von der Getränkebar, der Bühne, dem Backstage-Bereich bis zur Buchhaltung. Vorschriften, Genehmigungsverfahren, Auflagen, Gagen, Abgaben, Abrechnungen oder andere Alltäglichkeiten werden einfach, oft ironisch bis satirisch und so auf jeden Fall hilfreich dargestellt und abgehandelt. Die Fibel soll Neulingen helfen, die gröbsten Fehler zu vermeiden und den Elan in geordnete Bahnen zu lenken. Unter den Autoren finden sich erfahrene Clubbetreiber wie Karsten Schölermann (Knust, Logo, Stellwerk), Konzertveranstalter Karsten Jahnke, Andrea Rothaug (Musikerverein Rockcity) oder Tino Hahnekamp (Uebel&Gefaehrlich). Erhältlich ist der über 100seitige Band beim Clubkombinat Hamburg www.clubkombinat.de.

(25. Nov. 2016, hl)

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