Corinne Eichner – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Sat, 02 Aug 2025 09:08:51 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Lohn für die Leidenschaft https://www.tiefgang.net/lohn-fuer-die-leidenschaft/ Fri, 25 Jul 2025 22:50:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12163 [...]]]> Was lange nur eine Forderung war, wird jetzt Realität. Hamburg setzt ein historisches Zeichen und macht Schluss mit der jahrelangen prekären Bezahlung in der Soziokultur.

Jahrelang war es eine stille, zermürbende Realität: Hochqualifizierte Fachkräfte, die mit glühendem Engagement für den gesellschaftlichen Zusammenhalt kämpfen, arbeiten am Existenzminimum. In der Hamburger Soziokultur herrschte ein krasses Missverhältnis zwischen den komplexen Aufgaben und der viel zu geringen Bezahlung. Doch jetzt ist Schluss damit! Ein historischer Meilenstein, der zeigt: Wertschätzung muss wahrlichen Mehr-Wert haben.

Warum der Wandel überfällig war

Der Ruf nach fairer Bezahlung ist nicht neu. Schon vor Jahren wurde klar, dass die leidenschaftliche Arbeit in der Soziokultur auf Dauer nicht aufrechterhalten werden kann. Die Kolleg*innen übernehmen mit großer Verantwortung Aufgaben, die oft eine akademische Ausbildung erfordern, doch die Bezahlung ist mit anderen Branchen kaum vergleichbar.

In einem Artikel aus dem Jahr 2022 brachte Corinne Eichner, damals schon Vorständin des Bundesverbands Soziokultur, die Frustration auf den Punkt: Sie sprach von einem zermürbenden Gefühl der Ausbeutung, das entsteht, wenn junge, exzellent ausgebildete Kolleg*innen feststellen, dass sie für ihre harte Arbeit deutlich weniger verdienen als Freund*innen mit ähnlicher Qualifikation. Sie forderte schon damals: „Professionelles Engagement kann nicht umsonst sein.“

Die Konsequenz? Ein Teufelskreis. Fachkräfte blieben nicht lange, wanderten ab. Und der wichtige Generationenwechsel, der die Soziokultur am Leben halten soll, wurde zur Herausforderung. Denn wer will unter diesen Bedingungen in das Berufsleben starten? Die Gefahr der Altersarmut, die weithin üblichen Befristungen und unbezahlte Mehrarbeit sorgten für eine Aushöhlung der gesamten Branche.

Eine neue Gehaltsstruktur sorgt für Gerechtigkeit

Jetzt hat die Stadt gehandelt – und wie! Die Hamburger Behörde für Kultur und Medien hat zusammen mit der Bezirksbehörde (angesiedelt beim Finanzsenator) eine neue Gehaltsstruktur verabschiedet, die sich am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) orientiert. Das Ergebnis: Rund 65 Prozent der Stellen in der Soziokultur werden höher eingruppiert, und die Stadt investiert dafür eine Million Euro pro Jahr.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda findet klare Worte für diesen längst überfälligen Schritt: „Eine faire Bezahlung in der Kultur ist kein Luxus, sondern eine Frage der Anerkennung und Gerechtigkeit.“ Auch Finanzsenator Dr. Andreas Dressel pflichtet ihm bei: „Wertschätzung bemisst sich nicht nur in Worten, sondern eben manchmal auch in Euro.“

Besonders bemerkenswert: Das Projekt, das von der Initiative „KulturWert“ angestoßen wurde, fand seinen Ursprung im Bezirk Harburg. Das dortige Bezirksamt koordinierte die Initiative federführend. Sozialdezernentin Dr. Anke Jobmann, die selbst aus dem Süden Hamburgs kommt, betonte begeistert: „Hier ist etwas wirklich Großes gelungen.“ Das zeigt, dass der Wandel direkt aus den Quartieren heraus angestoßen wurde – und dass die soziokulturelle Szene im Süden der Stadt, mit ihrer starken Basisarbeit, direkt von dieser Anerkennung profitiert.

Ein historischer Schritt für eine lebendige Zukunft

Dieser Erfolg ist ein Beweis für die Kraft der Zusammenarbeit. Der Dachverband STADTKULTUR HAMBURG e.V. hat den Prozess von Anfang an mitbegleitet. Geschäftsführerin Corinne Eichner, die schon vor Jahren die Missstände anprangerte, bezeichnet das Ergebnis als „historischen Meilenstein“. Die neue Gehaltsstruktur schaffe die Voraussetzungen, dass die Stadtteilkultur künftig auch für junge, hervorragend ausgebildete Menschen ein attraktiver Arbeitsplatz sein kann.

Das ist mehr als nur eine Tarifanpassung. Es ist eine Investition in die Zukunft. Seit den Anfängen nach dem Zweiten Weltkrieg, über die Blütezeit der 70er- und 80er-Jahre bis heute sind Stadtteilkulturzentren wie die GWA St. Pauli, das Haus Drei in Altona, die Motte in Ottensen, das Stadtteilkulturzentrum Lurup oder auch das Kulturhaus Süderelbe lebendige Orte der Begegnung. Sie sind die Herzschläge der Quartiere. Mit der neuen Gehaltsstruktur werden sie endlich strukturell gestärkt und gesichert. Sie können weiterhin ihre große Wirkung für den Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt der Stadt entfalten – und die Menschen, die dort arbeiten, müssen sich nicht mehr um ihre eigene Existenz sorgen. Hamburg hat bundesweit neue Maßstäbe gesetzt. Der Lohn der Leidenschaft ist endlich kein unerfüllter Wunsch mehr, sondern Realität.

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Der Kulturrausch https://www.tiefgang.net/der-kulturrausch/ Fri, 18 Jun 2021 22:55:13 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8064 [...]]]> Vom 15. Juli bis 16. August feiert Hamburg den Kultursommer. Unter dem Motto „Play out loud“ werden Kultureinrichtungen sowie Hamburger Künstler*innen beim Neustart der Kultur unterstützt und in der ganzen Stadt die Vielfalt und Lebendigkeit der Kultur sichtbar gemacht.

Rund 220 Hamburger Veranstalter haben sich mit unterschiedlichsten Formaten um eine Teilnahme am Kultursommer beworben. Eine unabhängige Jury hat jetzt über 100 Konzepte zur Förderung empfohlen, die im Kultursommer teils über mehrere Tage in allen Bezirken ein vielfältiges Programm anbieten werden und Kunst und Kultur zu den Hamburgerinnen und Hamburgern in die Stadtteile bringen.

Das vielfältige Programm wird zumeist unter freiem Himmel stattfinden und umfasst zum Beispiel mehrtägige Festivals, Konzerte, Darstellende Kunst, Kino, Lesungen sowie Angebote für Kinder und Jugendliche. Die Vielfalt der Spielorte reicht dabei vom Rathausmarkt bis zum Garten einer Kirchengemeinde – öffentliche Plätze und Parks sollen genauso bespielt werden wie ungewöhnliche Orte, darunter Alsterdampfer, Pontons auf dem Fleet oder Schaufenster. Die Veranstalter gehen jetzt in die Detailplanung und werden nach und nach ihre Veranstaltungen auf der zentralen Website www.kultursommer.hamburg einstellen, die seit heute online abrufbar ist und schrittweise befüllt wird. Hinzu kommen zahlreiche weitere Kulturveranstaltungen, die ohne zusätzliche Kultursommer-Förderung Teil des „Kulturrauschs“ in Hamburg sein werden.

Für mindestens 75 Prozent der Programm-Beiträge müssen die geförderten Veranstalter Hamburger Künstlerinnen und Künstler engagieren. Dadurch ist der Kultursommer auch ein unmittelbares Förderprogramm für die Hamburger Künstlerinnen und Künstler, die so wieder die lange erwarteten Auftrittsmöglichkeiten vor Live-Publikum erhalten. Die Veranstalter sind den unterschiedlichsten Sparten zuzuordnen und planen zum Teil auch spartenübergreifende Programme. So gehören Veranstalter aus der Musik- und Clubszene genauso dazu wie aus den Bereichen Theater/Darstellende Kunst, Kino/Film, Museen/Bildende Kunst, Off-Kultur und Literatur. Zahlreiche Veranstalter schaffen Angebote für Stadtteil- sowie Kinder- und Jugendkultur. Gerade durch diese starke Beteiligung konnte eine sehr breite Präsenz des Kultursommers in allen Bezirken erreicht werden. Um für alle Veranstalter eine schnelle und unbürokratische Umsetzung des Projektes zu gewährleisten, wird das weitere Förderverfahren von Stadtkultur Hamburg vorgenommen, die die notwendige Expertise in der Umsetzung vielfältiger Projekte in allen Stadtteilen haben.

Der Kultursommer wird durch eine Kommunikationskampagne begleitet, die die Behörde für Kultur und Medien in Kooperation mit der Hamburg Marketing GmbH und der Hamburg Tourismus GmbH entwickelt. Damit soll der Neustart der Kulturstadt Hamburg weithin sichtbar gemacht werden. Das von der Hamburger Agentur Karl Anders entwickelte Logo sowie erste Kampagnenmotive finden sich unter www.hamburg.de/bkm/kultursommer-medien zum Download.

Die Veranstalter konnten mit der Bewerbung auch zusätzliche Auftrittstermine für Hamburger Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung stellen, die kurzfristig kuratiert werden. Elf Veranstalter haben hierfür rund 100 Slots angeboten. Um hier eine schnelle und pragmatische Vergabe zu gewährleisten, können sich interessierte Künstlerinnen und Künstler und Gruppen aus Hamburg vom 17.-27. Juni 2021 auf der Onlineplattform www.hamburg.de/kultursommer um Auftrittsmöglichkeiten bewerben. Voraussetzungen sind die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse oder die Erfüllung der entsprechenden Kriterien sowie ein Erstwohnsitz in der Metropolregion Hamburg. Die Veranstalter suchen dann aus dieser Plattform weitere Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Bühnenprogramms aus.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Wir sind überwältigt von der Vielzahl an Bewerbungen für den Kultursommer Hamburg aus den unterschiedlichsten Kultursparten. Hunderte Veranstaltungen werden in der ganzen Stadt erlebbar machen, wie vielfältig und lebendig die Hamburger Kulturszene ist. Besonders freut es mich, dass der Kultursommer in allen Bezirken zu erleben sein wird und wir mit Stadtkultur Hamburg einen kompetenten Partner an unserer Seite haben, der in den Stadtteilen bestens vernetzt ist. Gemeinsam wollen wir den Neustart der Kultur mit einem großen Kulturrausch in der ganzen Stadt feiern.“

Corinne Eichner, Geschäftsführerin von Stadtkultur Hamburg: „Wir sehen einem Sommer entgegen, in dem die Kultur nach dieser langen Phase der unfreiwilligen Lethargie geradezu eine Explosion der Kreativität und Lebensfreude in die Stadt bringt. Endlich können Künstler wieder in direkten Kontakt zu ihrem Publikum treten und endlich kann das Publikum Kunst und Kultur wieder live und dreidimensional erleben. Wir freuen uns sehr, Künstler und Veranstalter dabei unterstützen zu können, die Kultur zurück in die Hamburger Quartiere, auf die Straßen, in die Parks und auf die Plätze zu bringen.“

Eine Übersicht über alle geförderten Projekte erhalten Sie hier: www.hamburg.de/bkm

 

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Senat stärkt Stadtteilkulturarbeit https://www.tiefgang.net/senat-staerkt-stadtteilkulturarbeit/ Fri, 08 Jan 2021 23:30:08 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7565 [...]]]> Während im Bezirk Harburg die sogenannte Stadtteilkultur noch immer arg stiefmütterlich behandelt wird, erhöht der Senat nördlich der Elbe den Etat für selbige und stärkt damit vor allem  den Dachverband.

In der Pressemitteilung dieser Tage heißt es:

„Der Senat stärkt mit zusätzlichen Mitteln die Stadtteilkulturarbeit in Hamburg. Mit einer Förderung von zunächst jeweils 32.000 Euro für 2021 und 2022 unterstützt die Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke (BWFGB) die Interessen der Bürgerhäuser unter dem Dach des Verbands. Ziele sind der Aufbau von professionellen Strukturen für die Vernetzung sowie die konzeptionelle Weiterentwicklung und Qualifikation der Geschäftsführungen der Bürgerhäuser. Neben der zentralen Anlaufstelle in der BWFGB bilden die zusätzlichen Mittel einen weiteren Baustein in der Stärkung der Interessensvertretung der Bürgerhäuser. Parallel dazu plant die Behörde für Kultur und Medien, ihre Förderung für „Stadtkultur Hamburg“ mit dem nächsten Doppelhaushalt um 114.000 Euro pro Jahr auf dann 222.000 Euro zu erhöhen, vorbehaltlich der Zustimmung der Bürgerschaft. Mit dem zusätzlichen Geld sollen die soziokulturelle Netzwerkarbeit und die Serviceleistungen des Verbandes für die Zentren vor Ort weiter ausgebaut werden.

Bezirkssenatorin Katharina Fegebank: „Bürgerhäuser sind lebendige Begegnungsorte in den Quartieren. Sie bieten ein vielfältiges kulturelles und soziales Angebot und stärken das Miteinander vor Ort – eine wertvolle Aufgabe, gerade im Zuge der Pandemie. Umso wichtiger ist es, auch die Bürgerhäuser nachhaltig zu unterstützen. Durch die Förderung des Dachverbands, Stadtkultur Hamburg‘ wollen wir die Grundlage dafür schaffen, dass die Bürgerhäuser von dessen Knowhow und Fortbildungsformaten noch mehr profitieren und ein gemeinsames Netzwerk aufbauen können. Damit stellen wir die Weichen für einen Zuwachs an Angeboten in den Quartieren – ein großer Gewinn für alle Hamburgerinnen und Hamburger.“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Als Dachverband für die Stadtteilkultur ist ‚Stadtkultur Hamburg‘ seit vielen Jahren ein wichtiger Partner für unsere Behörde. Zusammen haben wir wesentliche Fundamente für eine starke Stadtteilkulturszene gelegt. Um diese Arbeit weiterzuentwickeln ist es wichtig, dass wir die Mittel für den Dachverband nun substanziell erhöhen. Damit kann er sich strukturell besser aufstellen und seine Mitglieder noch besser vertreten. So stärken wir die Stadtteilkultur insgesamt, die gerade jetzt unter schwierigen Bedingungen in den Stadtteilen präsent bleibt und eine fundamental wichtige Arbeit für die Nachbarschaften macht.“

Corinne Eichner, Geschäftsführerin von „Stadtkultur Hamburg e.V.“: „Mit dieser Stärkung können wir den Verband zukunftsfähig aufstellen und nun auch die Bürgerhäuser besser dabei unterstützen, ihre wichtige Arbeit in den Quartieren auszubauen und ihre Potentiale weiterzuentwickeln. Es macht einfach Sinn, die Stadtteilkulturzentren und Bürgerhäuser in ihrer Arbeit vor Ort in vielen Bereichen zusammenzudenken. Diese Stärkung der kulturellen Teilhabe und der Orte der Begegnung kommt unmittelbar den Menschen im Quartier zugute.“

Der Dachverband „Stadtkultur Hamburg“ hat jahrzehntelange Erfahrung in der Unterstützung von gesellschaftlichem Zusammenhalt und Teilhabe in den Quartieren. Als Dachverband mit über 120 Mitgliedern vertritt er die Interessen der Einrichtungen und Akteurinnen und Akteure, die vor Ort in den Hamburger Stadtteilen kulturelle Teilhabe ermöglichen, Bildung bieten und Vielfalt fördern. „Stadtkultur Hamburg“ schafft Öffentlichkeit für die Angebote und Qualitäten der Stadtteilkultur, sorgt für Austausch und Qualifikation und stärkt die Arbeit vor Ort. Von der Arbeit des Verbandes profitieren neben vielen anderen Einrichtungen und Initiativen auch die Stadtteilkulturzentren, die wie der Verband aus der Rahmenzuweisung der Behörde für Kultur und Medien gefördert werden. Mit den zusätzlichen Mitteln aus der BWFGB und der BKM wird der Verband personell aufstocken und die Belange der Bürgerhäuser und Stadtteilkulturzentren besonders in den Blick nehmen.

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„Unantastbar“ online https://www.tiefgang.net/unantastbar-online/ Fri, 24 Apr 2020 22:54:54 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6811 [...]]]> Besondere Umstände bedürfen besonderer Formate. Und so fand die diesjährige Verleihung des Stadtteilkulturpreises einfach online statt.

Diese Woche wurde der 17. Hamburger Stadtteilkulturpreis in einer Onlinezeremonie an die Projektreihe „Unantastbar. Grundrechte – Greif zu!“ der Zinnschmelze verliehen. Der Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda überreichte den mit 12.000 Euro dotierten Preis stellvertretend für das Gremium der Preisgeber online an Sonja Engler von der Zinnschmelze.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Es sind besondere Umstände, unter denen wir den diesjährigen Stadtteilkulturpreis verleihen. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, die eigentliche Preisverleihung in ein so gelungenes Online-Format zu bringen und die teilnehmenden Projekte sowie das Gewinnerprojekt virtuell, aber von Herzen zu ehren. Mit viel Elan und Engagement hat sich die Zinnschmelze samt Kooperationspartnern mit der Projektreihe ‚Unantastbar. Grundrechte – Greif zu!‘ dafür eingesetzt, die Auseinandersetzung mit unserer Demokratie zu fördern und das kulturelle Leben unserer Stadt noch zugänglicher, offener und vielfältiger zu gestalten. In Zeiten, in denen wir mit vielen Einschränkungen umgehen müssen, freue ich mich besonders, die Grundrechte in ihrer Unantastbarkeit zu würdigen und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen in den Stadtteilen.“

Sonja Engler, Geschäftsführung von der Zinnschmelze: „Eigentlich ist das ja ein ganz trockener Text – ein Gesetzestext. Aber genau das war auch der Kitzel daran, den da rauszuholen, aus der Staubecke: Was heißt es für uns heute? Wir fanden es attraktiv, kulturell damit zu arbeiten. So, dass es Spaß macht. Wir holen das in den Alltag, wir sind keine Schule, wir machen Kulturprojekte, wo man selber tätig werden kann. Unser Anspruch hier als Haus ist es, Projekte zu machen, eine Arbeit zu leisten, wo wir einen gesellschaftlichen Zusammenhalt erzeugen.“

Corinne Eichner, Geschäftsführung von STADTKULTUR HAMBURG: „Mit dem Preisträgerprojekt „Unantastbar. Grundrechte – Greif zu!“ zeichnet die Jury des Hamburger Stadtteilkulturpreises in diesem Jahr ein Projekt aus, dessen Thematik nicht aktueller sein könnte. Das Projekt der Zinnschmelze und ihrer Kooperationspartner macht mit den Grundrechten ein Thema von so universaler Bedeutung zum Gegenstand seiner Arbeit und für eine breite Zielgruppe zugänglich, dass es geradezu paradigmatisch für die Qualitäten und Wirksamkeit stadtteilkultureller Arbeit und ihre politische und kulturelle Relevanz für die offene Gesellschaft steht. Wir freuen uns, dass es dank der Unterstützung und Flexibilität aller Beteiligten gelungen ist, die Preisverleihung als Film umzusetzen und trotz social distancing diese wichtige Arbeit zu feiern!“

Über die Projektreihe „Unantastbar. Grundrechte – Greif zu!“ der Zinnschmelze

Die Projektreihe „Unantastbar. Grundrechte – Greif zu!“ der Zinnschmelze befasst sich mit den verschiedenen Artikeln des Grundgesetztes. Diese werden in diversen Kulturveranstaltungen wie Performances, Tanzworkshops, multimedialen Theatervorstellungen oder Diskussionsveranstaltungen thematisiert. Ganz nach dem Motto „Demokratie geht alle etwas an“ gab es Kooperationen mit verschiedenen Projektpartnern wie dem Kulturschloss Wandsbek, dem Goldbekhaus, Lukulule und dem Jugendinformationszentrum (JiZ).

Die Jury sieht das Projekt „Unantastbar. Grundrechte – Greift zu!“ der Zinnschmelze in Barmbek als besonders preiswürdig an, da es die Auseinandersetzung mit den Grundlagen unserer Demokratie fördert und damit für eine breite Zielgruppe und alle Bevölkerungsgruppen und sozialen Milieus zugänglich macht. In Zeiten, in denen die absolute Geltung der Grundrechte nicht mehr von Allen akzeptiert wird, zeigt das Projekt die besondere politische und kulturelle Relevanz von Stadtteilkultur für eine offene, vielfältige Gesellschaft und bezieht gleichzeitig unterschiedlichste Kooperationspartner ein.

Der Stadtteilkulturpreis 2020

Gestiftet und unterstützt wird der Hamburger Stadtteilkulturpreis von der Hamburgischen Kulturstiftung, der Gabriele Fink Stiftung, der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der Behörde für Kultur und Medien. Die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. unterstützt die Umsetzung. STADTKULTUR HAMBURG, der Dachverband für Lokale Kultur und Kulturelle Bildung, ist als Experte und Szenekenner für Konzeption und Durchführung des Wettbewerbs zuständig. Von Anfang Oktober bis Anfang Dezember 2019 konnten sich kulturelle Initiativen, Zentren und Vereine sowie Einzelpersonen, die sich in der Stadtteilkulturarbeit in Hamburg engagieren, für den Preis bewerben. Nach einer Vorauswahl der Teilnehmenden durch die Preisstifter ermittelte eine unabhängige Jury – bestehend aus Robert Hillmanns vom zakk Düsseldorf, der ehemalige Direktorin der Bücherhallen Hamburg Hella Schwemer-Martienßen und der Geschäftsführerin der Klaus und Lore Rating Stiftung Caroline Sassmannshausen – den Preisträger. Gerade in schweren Zeiten wie diesen braucht es Kultur, die den Zusammenhalt stärkt. Die Stadtteilkultur fungiert auch virtuell als Brückenbauer und stärkt Teilhabe, Vielfalt und das Miteinander durch innovative Kultur- und Bildungsangebote.

So wurde am Dienstag, den 21. April 2020 auch der mit 12.000 Euro dotierte Hamburger Stadtteilkulturpreis vom Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda virtuell übergeben. Die Moderation der Veranstaltung übernahm auch 2020 wieder Daniel Kaiser, Leiter der Kulturredaktion von NDR 90,3.

Das Verleihungsvideo: 

 

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Schutzschirm für Stadtteilkulturzentren https://www.tiefgang.net/schutzschirm-fuer-stadtteilkulturzentren/ Sun, 19 Apr 2020 14:35:12 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6770 [...]]]> Ob Kulturhaus Süderelbe, Kulturwerkstatt, Honigfabrik oder Alles wird schön  – die Pandemie schlägt auch bei den Stadtteilkulturzentren durch. Die Kulturbehörde steuert nun nach.

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Im Rahmen des Corona Schutzschirmes des Senates ist auch der Etat der Behörde für Kultur und Medien um insgesamt 25 Millionen Euro erhöht worden. Mit diesem Hilfspaket Kultur sollen im Rahmen existierender Förderinstrumente die Auswirkungen der Corona bedingten Schließungen für kulturelle Einrichtungen abgefedert werden. Hierzu werden derzeit gemeinsam mit den Einrichtungen individuelle Hilfsmaßnahmen entwickelt. Die Hamburger Stadtteilkultur soll aus diesem Hilfspaket mit 1.360.000 Euro unterstützt werden.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Das Leben und die Kultur in den Stadtteilen wird ganz wesentlich von den dortigen Stadtteilkulturzentren geprägt. Da diese in hohem Maße auf ihre eigenen Einnahmen angewiesen sind, sind die derzeit notwendigen Schließungen für die Stadtteilkultur ein herber Einschnitt. Wir sind in intensiven Gesprächen mit den vielen Engagierten vor Ort und den Bezirken und haben mit der Förderung aus dem Hilfspaket Kultur nun einen Rettungsschirm gespannt, mit dem wir der Stadtteilkultur helfen, möglichst gut über die Zeit der Schließung zu kommen. Die kulturellen Angebote in den Stadtteilen sind wichtiger denn je. Sie fördern den Zusammenhalt, die Solidarität und den Gemeinsinn. Dafür lohnt es sich gemeinsam gute Lösungen zu finden.“

Corinne Eichner, Geschäftsführung Dachverband Stadtkultur e.V.: „Wir sind sehr froh, dass Hamburg sich mit dieser wichtigen Rettungsmaßnahme zur Bedeutung der Stadtteilkultur für unsere Stadt bekennt. In der gegenwärtigen Krise droht der dauerhafte Komplettverlust des kulturellen Lebens und der kulturellen Teilhabe in den Stadtteilen, denn langfristig geschlossene Kultureinrichtungen können meist nicht wieder aufgebaut werden. Zurzeit arbeiten viele Akteure daran, alternative Angebote zu schaffen und Szenarien für eine Zeit nach der Krise zu entwickeln. Wir müssen deshalb auch weiterhin gemeinsam auf allen Ebenen konstruktiv daran arbeiten, dass keine Einrichtung der Krise zum Opfer fällt. Die besonders vielfältige Szene der Hamburger Stadtteilkultur, die sich dadurch auszeichnet, dass sie mit Mitteln der Kultur auf soziale Zusammenhänge einwirkt und die Kultur mit den Werten der Demokratie und der offenen Gesellschaft verbindet, ist unabdingbar für das kulturelle Leben und den sozialen Frieden in Hamburg. Weil sie nahezu keinerlei eigene Einnahmen mehr hat, die ihre Arbeit sonst erst ermöglichen, kann sie die dramatischen Einschränkungen durch die Allgemeinverfügungen nur mit einer starken Unterstützung überleben.“

Die Behörde für Kultur und Medien gibt die Hilfsgelder an die sieben Bezirksämter, bei denen die Stadtteilkultureinrichtungen ihre Anträge stellen können. Die Höhe bemisst sich an dem jeweils nachzuweisenden Liquiditätsengpass, der durch die Schließung entsteht. Wesentlich sind hier die Einnahmeverluste durch nicht stattfindende Veranstaltungen und Ausfall des regelmäßigen Programms. Dabei werden alle schließungsbedingten Einsparungen und Förderungen Dritter berücksichtigt.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

 

 

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Pieksige Fragen stachelige Stoffe https://www.tiefgang.net/pieksige-fragen-stachelige-stoffe/ Fri, 19 Apr 2019 22:28:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5153 [...]]]> Einmal im Jahr wird ein besonderes Projekt  der Stadtteilkultur Hamburgs geehrt. Dieses Jahr ging es nach Jenfeld. Auch zwei Harburger Projekte waren nominiert.

Zehn Hamburger Kulturprojekte waren nominiert. Darunter auch die Kulturtage Süderelbe des Kulturhauses Süderelbe in Neugraben als auch das Projekt „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ der Initiative SuedKultur, das in der leerstehenden Dreifaltigkeitskirche Harburgs eine kulturelle Umnutzung erprobte. Doch der Preis ging nach Jenfeld.

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Der 16. Hamburger Stadtteilkulturpreis wird heute Abend an das Theaterprojekt Jenkitos – Junges Theater Jenfeld der Freien Kulturinitiative (Quadriga gGmbH) verliehen. Seit zehn Jahren bieten die Jenkitos Theaterprojekte für Kinder und Jugendliche in Jenfeld an. Der Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda übergibt den größten Preis der Hamburger Stadtteilkultur in einer festlichen Veranstaltung vor rund 200 Gästen im Oberhafen.  Die Dotierung des Preises ist dieses Jahr von 10.000 auf 12.000 Euro erhöht worden.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Stadtteilkultur ist Kultur von allen für alle, das macht sie so unabdingbar und unmittelbar. Sie schafft Formate und Inhalte, die es Jedem und Jeder ermöglichen, an Kultur zu partizipieren. Freie Träger wie Quadriga leisten auf diese Weise mit Projekten wie den Jenkitos gerade für die wichtige Zielgruppe der Neun- bis Neunzehnjährigen einen altersgerechten Zugang. Ich freue mich über die ausgezeichnete Wahl der Jury und wünsche den Preisträgern weiterhin viel Erfolg und dem Stadtteil viele inspirierende Momente!“

Gesa Engelschall, Geschäftsführender Vorstand der Hamburgischen Kulturstiftung: „Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich kulturell einzubringen, halte ich für überaus wichtig. Bei einer Theaterproduktion mitzuwirken, eine Rolle zu lernen, Masken zu bauen, zu tanzen oder zu musizieren tut gut, stärkt das Selbstbewusstsein und die eigene Persönlichkeit. Ein großer Dank an das Jenkitos-Team für die langjährige, so wertvolle Arbeit in Jenfeld!“

Petra Kochen, Vorstandsvorsitzende der Gabriele Fink Stiftung: „Mutig sein und Freiraum zulassen – genau das ermöglicht das Junge Theater Jenfeld! Wir hoffen, dass die Jenkitos ihrem Namen weiterhin alle Ehre machen: Also gerne mehr ‚pieksige‘ Fragen stellen und auch mal ‚stachlige‘ Stoffe auf die Bühne bringen!“

Ansgar Wimmer, Vorstandsvorsitzender der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.: „Der Stadtteilkulturpreis ist ein wunderbarer Kristallisationspunkt für das engagierte Zusammenwirken einer lebendigen lokalen Kulturszene, verschiedenen Stiftungen und Förderinnen und Förderer sowie der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Das Junge Theater Jenfeld ist in diesem Jahr ein besonders treffender Preisträger, finden sich doch genau diese Akteure neuerdings gemeinsam mit der Schulbehörde auch in der sichtbaren Förderung kultureller Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche zusammen.“

Wibke Kähler-Siemssen, Geschäftsführerin der Patriotischen Gesellschaft von 1765: „Wir gratulieren von Herzen dem Jungen Theater Jenfeld zum Stadtteilkulturpreis 2019. Ein wohlverdienter Preis für ein beeindruckendes Projekt, das kulturelle Bildung, Teilhabe und Begeisterung für Theater mit so großartigen Kindern und Jugendlichen für den ganzen Stadtteil erlebbar macht.“

Corinne Eichner, Geschäftsführerin von STADTKULTUR HAMBURG: „Der Stadtteilkulturpreis hat für die Szene der Stadtteilkultur eine hohe Bedeutung, weil er Aufmerksamkeit auf die herausragenden Projekte der Stadtteilkultur und ihre hohen Qualitäten lenkt. An den Jenkitos lässt sich ablesen, was gute Stadtteilkulturarbeit vermag: Die Spielfreude und Ausdrucksstärke der jugendlichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen sprechen Bände und wirken in den ganzen Stadtteil. Gratulation den Jenkitos und Dank allen Finalisten!“

Über die Jenkitos – Junges Theater Jenfeld

Seit zehn Jahren bietet die Freie Kulturinitiative über die Jenkitos Theaterprojekte für Kinder und Jugendliche in Jenfeld an. In jeder Spielzeit entstehen bis zu drei Theaterproduktionen mit rund 50 Akteurinnen und Akteuren im Alter von neun bis 19 Jahren. Die Stücke entwickeln die Gruppenmitglieder selbst, unterstützt von  erfahrenen Theaterpädagoginnen. Der Name Jenkitos ist ein Kunstwort aus „Moskito“ und „Jenfeld“: Moskitos sind überall auf der Welt beheimatet, und genauso international ist auch das Junge Theater Jenfeld. Und wie Moskitos sollen die Stücke hier und da „piksen“ – kritisch, unbequem und anspruchsvoll sein.

Die Jury sieht das Projekt Jenkitos als besonders preiswürdig an, da es kontinuierliche theaterpädagogische Arbeit in einem Stadtteil leistet, in dem 42 Prozent der Familien mit Kindern unter 15 Jahren von Sozialleistungen leben. Diesen schwierigen Umständen zum Trotz gelingt es dem Jenkitos-Team, zusammen mit den Kindern und Jugendlichen des Stadtteils Theaterproduktionen von hoher Originalität und künstlerischer Qualität zu realisieren. Die Lebenswirklichkeiten der Kinder und Jugendlichen, die sie selbst oft als defizitär wahrnehmen, werden für die selbst entwickelten Theaterstücke produktiv gemacht und rücken dadurch in ein neues Licht.

Zudem ermöglicht das Angebot der Jenkitos ei, eine stärkere Vernetzung und Teilhabe im Stadtteil: Zu den Aufführungen kommen auch Besucherinnen und Besucher aus dem Stadtteil, die sonst selten oder nie ins Theater gehen. Oft finden Veranstaltungen in öffentlichen Räumen wie Parks oder Einkaufszentren statt, so dass der Zugang über die Wahl des Ortes erleichtert wird.

Mit dem Preisgeld will die Jury den Jenkitos die Möglichkeit geben, die gute Arbeit auszubauen und weiterzuentwickeln und darüber hinaus ausdrücklich auch kleinere Initiativen und Projekte ermutigen, sich künftig für  den Hamburger Stadtteilkulturpreis zu bewerben.

Der Stadtteilkulturpreis 2019

Gestiftet und unterstützt wird der Stadtteilkulturpreis von der Hamburgischen Kulturstiftung, der Gabriele Fink Stiftung, der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der Behörde für Kultur und Medien. Die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. unterstützt die Umsetzung. STADTKULTUR HAMBURG, der Dachverband für Lokale Kultur und Kulturelle Bildung, ist als Experte und Szenekenner für Konzeption und Durchführung des Wettbewerbs zuständig.

Von Anfang November 2018 bis Anfang Januar 2019 konnten sich kulturelle Initiativen, Zentren und Vereine sowie Einzelpersonen, die sich in der Stadtteilkulturarbeit in Hamburg engagieren, für den Preis bewerben. Rund 40 Trägerinnen und Träger hatten sich mit ihren Projekten und Programmen beworben.

Als Finalisten nominierten die Preisstifterinnen und Unterstützer neben den jetzt ausgezeichneten Jenkitos weitere neun herausragende Projekte und Programme der Stadtteilkultur (in alphabetischer Reihenfolge): Das Projekt „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ der Initiative SuedKultur, das Programm „Alle im Quartier“ des Goldbekhauses, die Kunstkurse „Farbmäuse und kleine Künstler“ von der LichtwarkSchule gUG, das Jugendfestival „Formation**NOW“ des Lukulule e.V., das Literaturprojekt „Grenzen überschreiben“ des Bramfelder Kulturladens, den „KIKU Leseclub“ des Kinderkulturhauses Lohbrügge, die „Kulturtage Süderelbe“ vom Kulturhaus Süderelbe, die Initiative „Nachbarschaftsgespräche“ des HausDrei und das Programm „Das Stiftviertel: Ein Quartier macht Kultur“ des Kulturladens St. Georg.

Bei der Preisverleihung am vergangenen Dienstga (16.4.2019) hielt die Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren Ellen Ahbe die Laudatio. Zusammen mit Hella Schwemer-Martienßen von der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen und Robert Hillmanns vom zakk Düsseldorf hatte sie den Preisträger aus der Vorauswahl der Preisstifterinnen und Preisstifter ermittelt.“

Quelle: Behörde für Kultur und Medien Hamburg

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Kultur und Stadtentwicklung https://www.tiefgang.net/kultur-und-stadtentwicklung/ Fri, 12 Apr 2019 22:22:33 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5119 [...]]]> Das Magazin ´SozioKultur` 4/18 befasste sich mit Elementen der Stadtentwicklung und kommt zu dem Schluss: ohne Kultur geht es nicht! Manches scheint Harburg aufs Wappen geschneidert.

Im letzten Heft des Jahres 2018 widmete sich das Magazin ´SozioKultur` dem Thema Stadt. Anlass war die Fachkonferenz „Sozio-kultur findet Stadt“ vom September 2018. Darunter findet sich ein Aufsatz unter dem Titel „Wie kann Kultur die Stadt mitgestalten?“ von Corinne Eichner, Geschäftsführerin des Landesverbandes „Stadtkultur Hamburg e.V.“. Manches scheint wie auf Harburg zugeschnitten und ist doch ein Problem vieler Städte, in denen Kultur für Stadtbesucher sich ganz wesentlich von Kulturangeboten für die Stadtbewohner unterscheidet. Nicht nur in der Art des Angebotes, sondern vor allem in ihrer Wirkungsweise.

Die Kultur in unseren Städten ist so vielfältig wie unsere Städte und diese sind so vielfältig wie ihre Bewohner*innen. Vielgestaltig sind auch die Herausforderungen, die die Städte zu bewältigen haben. Was kann Kultur in der Stadt leisten? Wie kann Kultur die Stadt mitgestalten? Und wie geht eigentlich Stadtentwicklung durch Kultur?

Hierzu schreibt Eichner: „Stadtentwicklung und Stadtteilentwicklung haben das Ziel, Lebensqualität zu verbessern. Lebensqualität wird bestimmt durch ein gutes Lebensumfeld und gute Wohnverhältnisse, eine gute Versorgungs- und Infrastruktur, durch Grünflächen, Raum für ein Neben- und Miteinander und auch durch Sicherheit.“ Dabei sei maßgeblich für das Empfinden von Lebensqualität außerdem das Miteinander selbst, der soziale Zusammenhalt. Der Lebensalltag der Menschen in den Städten finde in den Stadtteilen, den Quartieren, statt. Die Quartiere seien ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und ihres Zusammenhalts. Negative Entwicklungen und die Ballung verschiedenster Problemlagen ließen Quartiere mitunter zu Brennpunkten werden – zu Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf.

„Zentrale Frage der Soziokultur war von Anbeginn, wie mit Kunst und Kreativität das Leben im Stadtteil freundlich gestaltet und zukunftsorientiert ausgerichtet werden kann. Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf haben neben den allgegenwärtigen Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels mit weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen. Dort sind die Menschen in besonderem Maße von sozialer Benachteiligung, Migration und baulicher Dichte betroffen. Bildungsmangel, (Jugend-) Arbeitslosigkeit, „neue Armut“, Segregation unter der Bevölkerung, kulturelle Konflikte, Verdrängung angestammter Bewohner*innen sind nur einige der möglichen Folgen. Entsprechend wird das Lebensumfeld und damit das Quartier von seinen Bewohnern, aber auch von außerhalb, als negativ wahrgenommen. Oft werden die Bewohner*innen solcher Quartiere stigmatisiert. Als Folge identifizieren sie sich nicht mehr mit dem Stadtteil. Mit der Identifkation der Bewohner*innen verschwindet auch jedes aktive Bestreben, sich einzubringen und etwas zu verändern – ein Teufelskreis.“

Resignation und die Suche nach einfachen Lösungen in Form populistischer Sprüche sind eine der Folgen. Nähme man also Stadtentwicklung – auch und gerade in Harburg – nicht nur als baulichen Aspekt nach dem Motto: „Hauptsache mehr Wohnungen und Büros“ sondern stellte zum Beispiel durch Einbeziehung der Kultur auch Fragen des „Wie wollen wir hier eigentlich leben?“ mit ein, käme man der wahren und sich stets wandelnden Identität vermutlich ein ganzes Stück näher.

Das ganze Themenheft ist online abrufbar unter: www.soziokultur.de

 

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Die Brückenbauerin https://www.tiefgang.net/die-brueckenbauerin/ Fri, 22 Dec 2017 23:26:02 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2684 [...]]]> Der Dachverband STADTKULTUR HAMBURG feiert sein 40jähriges Bestehen. Grund genug mal nachzufragen, ob es wirklich viel zu feiern gibt …

Der Dachverband STADTKULTUR HAMBURG feiert gerade sein 40jähriges Bestehen. STADTKLTUR HAMBURG vertritt die Interessen von zur Zeit 120 Einrichtungen und Akteuren der Hamburger Stadtteilkultur aus dem sogenannten Non-Profit-Bereich. Sie schafft Öffentlichkeit, sorgt für Austausch und Qualifikation, gibt Impulse, stärkt die Arbeit vor Ort und gestaltet die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Stadtteilkultur in unserer Stadt mit. Grund genug, dass wir mal die Geschäftsführerin fragen, was es denn so zu feinern gibt …

Tiefgang (TG): 40 Jahre Stadtkultur Hamburg, das ist eine lange Zeit. Seit wann bist Du in der Leitung?

Corinne Eichner: Ich begleite den Dachverband seit Ende 2011.

TG: Was ist in der Zeit an besonders schönen Erinnerungen hängen geblieben?

Corinne Eichner: Einige tolle Stadtteilkulturpreisverleihungen, bei denen einmal diejenigen im Mittelpunkt standen, die sich sonst immer sehr für die Teilhabe anderer an der Kultur einsetzen. Viele interessante Performances und Projekte in Stadtteilkultureinrichtungen. Und die großartige Zusammenarbeit mit den Stiftungen, die zum Fonds FREIRÄUME geführt haben, mit dem die Kulturarbeit mit Geflüchteten gefördert werden konnte.

TG: Und was war in der Zeit weniger schön oder gar „grausam“?

Corinne Eichner: (lacht) Die habe ich alle verdrängt – wenn es denn welche gab.

TG: Richtet sich die Kultur einer Metropole wie Hamburg richtet sich zunehmend nach touristischen Interessen? Zumindest kann man den Eindruck gewinnen. Zählt der Stadtbewohner also immer weniger?

Corinne Eichner: Die Elbphilharmonie überstrahlt natürlich derzeit in Hamburg in der öffentlichen Wahrnehmung alles und wir müssen aufpassen, dass die Vielfalt in der Hamburger Kultur noch gesehen und auch gefördert wird. Die Musicals und Großtheater hingegen scheinen deshalb eine große Rolle zu spielen, weil sie ganz einfach durch sehr viel Werbung auffallen. Sie befriedigen ein ganz bestimmtes Kulturbedürfnis und werden durch kommerziell orientierte Unternehmen betrieben. Aber sie stehen damit nicht in Konkurrenz um Kulturfördermittel.

Das Problem der geringeren Wahrnehmung anderer Kulturformen wie der Stadtteilkultur und der damit verbundenen geringeren Förderung im Vergleich zur hoch subventionierten sogenannten Hochkultur – schon in diesem Wort liegt ja eine deutliche Wertung – ist aber alles andere als neu. Die Stadtteilkultur erhält nur etwa zwei Prozent der Mittel der Behörde für Kultur und Medien – deren Etat mit ebenfalls zwei Prozent ohnehin der kleinste der Hamburger Behörden ist. Hier müsste unbedingt eine Veränderung passieren.

Corinne Eichner (Foto: Stadtkultur HH)

TG: Gab es besondere Persönlichkeiten oder Locations  bzw. Initiativen, die im StadtKultur-Bereich nachhaltig gewirkt haben?

Corinne Eichner: Die Stadtteilkultur arbeitet ja sehr kooperativ und kollaborativ. Die gefeierten Intendanten-Persönlichkeiten oder dergleichen sucht man bei uns vergeblich. Veränderungen werden fast immer von Gruppen angestoßen – auch wenn dahinter natürlich immer Persönlichkeiten stehen.

TG: Wie siehst Du die Entwicklung der Stadtkultur Hamburgs generell? Welche „Player“ sind heute von Relevanz? Was hat sich inhaltlich verschoben?

Corinne Eichner: So lange bin ich ja noch nicht dabei. In den letzten sechs Jahren haben sich Entwicklungen angebahnt, die heute wichtig sind, aber Umwälzungen gab es in dieser Zeit keine. Das wichtigste Thema der letzten Jahre war vor allem die Kulturarbeit mit Geflüchteten. Inzwischen ist es der Kampf um die offene Gesellschaft, die unser aller Mitwirken erfordert.

TG: Was ist heute typischer „Streitpunkt“?

Corinne Eichner: Nach Außen: Die Mittel aus der Rahmenzuweisung Stadtteilkultur sind für den aktuellen Haushalt erhöht worden. Aber leider reicht die Erhöhung nicht einmal aus, um die Defizite, die vorher in den Stadtteilkulturzentren aufgelaufen sind, auszugleichen. Hier muss es ein deutliches politisches Bekenntnis geben, wie wichtig die Kultur für Alle genommen wird, verbunden mit der entsprechenden finanziellen Förderung – sowohl für die Zentren, als auch für viele kleinere und neu aufkommende Initiativen.

Nach Innen: Die knappen Mittel führen mitunter dazu, dass es eine Konkurrenz um Gelder gibt, die die Arbeit eines Verbandes, der für alle Mitglieder da sein soll, erschwert.

TG: Ist Soziokultur als Faktor kulturgesellschaftlichen Ausdrucks denn heute noch wichtig oder ist es mehr eindeutig Kultur oder mehr eindeutig Soziales geworden?

Corinne Eichner: Es gibt immer wieder Versuche, die Soziokultur gewissermaßen in eine „soziale Ecke“ zu drängen. Damit wird man aber dem künstlerischen und kulturellen Anspruch, den sie erhebt, nicht gerecht.

Gerade in der Kultur stecken so viele Möglichkeiten, Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung zu nehmen. Dies kann man beispielhaft besonders gut ablesen an den vielen tollen Projekten, die in der Stadtteilkultur Hamburgs gemeinsam mit geflüchteten Künstlern entstanden sind. Vielleicht ist die Soziokultur mehr Kultur UND mehr Soziales geworden.

TG: In den Bezirken fällt Kultur nach wie vor in die Bereiche „Sozialraummanagement“? Ist das noch zeitgemäß oder sollten nicht auch Bezirke sich „Kulturbüros“ und „Sozialmanagements“ parallel leisten?

Corinne Eichner: Das wäre ein Traum! (lacht) Leider scheint das bis heute nicht finanzierbar und der kulturelle Sachverstand in den Bezirken ist sehr unterschiedlich. Wir würden uns wünschen, dass es zumindest gute Einweisungen und Fortbildungen für die Mitarbeiter geben würde und seltenere Wechsel des Personals, als wir dies heute mitunter erleben.

TG: Wo liegen die künftigen Hauptaufgaben der Soziokultur Deiner Meinung nach?

Corinne Eichner: Kultur für Alle wird niemals ein abgeschlossener Prozess, sondern immer eine Aufgabe sein, an der zu arbeiten sein wird. Und der Transformationsprozess der Hamburger Gesellschaft zu einer superdiversen Stadtgesellschaft mit gleichen, gerechten Chancen für Alle braucht die Soziokultur dringender als je zuvor. Denn die Soziokultur ist in der Lage, Begegnungen zu schaffen, Brücken zu bauen und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, die zu der Erfahrung von Selbstwirksamkeit führen, die es einem Populismus gleich welcher Richtung sehr schwer machen und arbeitet damit einem Auseinanderdriften der Gesellschaft wirksam entgegen.

TG: Welche Ziele von STADTKULTUR HAMBURG werden Deine vorrangigsten sein?

Corinne Eichner: Die Weiterentwicklung der diversen und transkulturellen Gesellschaft voranbringen durch das Einbringen von Impulsen und das Anregen von Diskursen, das Sichtbarmachen der Leistungen der Stadtteilkultur in Öffentlichkeit und Politik und die Verknüpfung der Digitalisierung mit den Bedürfnissen der Menschen mit den Mitteln der Kultur.

TG: Vielen Dank für das Interview und auf die nächsten 40 Jahre!

Corinne Eichner wurde Anfang Dezember 2017 in den Vorstand der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren gewählt. Sie wird sich dort insbesondere um die Themen Öffentlichkeitsarbeit, Politikberatung, Digitalisierung und Generationenwechsel kümmern.

Weiterführender Link: stadtkultur-hh.de

Das Interview für ´Tiefgang` führte Heiko Langanke.

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Auch Rechte ohne Recht https://www.tiefgang.net/auch-rechte-ohne-recht/ Sat, 01 Jul 2017 07:00:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1505 [...]]]> Welch` ein Aufschrei Anfang des Jahres: alle Parteien dürfen im Bürgerhaus Wilhelmsburg tagen – nur die AfD muß draußen bleiben. Doch es ist rechtens.

Was für eine Aufregung: im Januar hatte der Stiftungsrat des Bürgerhauses in Wilhelmsburg sich geweigert, Räume an die Partei AfD zu vermieten. Das Bürgerhaus erhält öffentliche Zuschüsse – Grund genug also für die AfD sich diskriminiert (und natürlich in ihrer Auffassung der Ungleichheiten in der Gesellschaft benachteiligt) zu fühlen. Denn während sich andere Parteien regelmäßig im Bürgerhaus Wilhelmsburg treffen, wurden Anfragen der AfD zuletzt mehrfach abgelehnt.

Nun hat der Dachverband der Stadtteilkultureinrichtungen in Hamburg „Stadtkultur Hamburg e.V.“ in einem Rechtsgutachten klären lassen: es ist rechtens. „Politische Parteien und andere Gruppierungen haben kein Recht auf die Nutzung von Räumen stadtteilkultureller Einrichtungen in Hamburg – unabhängig davon ob und in welcher Höhe die Häuser öffentliche Mittel erhalten“, so Geschäftsführerin Corinne Eichner in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „SOZIOkultur“.

Ein juristisches Gutachten von Prof. Dr. Holger Schwemer von der Uni Hamburg und Freie Uni Berlin kommt darin zu dem Ergebnis: „Die Vergabeentscheidung der privatrechtlich organisierten Einrichtungen der Stadtteilkultur in Hamburg bei der Raumvergabe unterliegt keinen Bindungen aus dem Gleichheitssatz …“

Begründet sei dies dadurch, „dass die Einrichtungen aufgrund ihrer Selbständigkeit nicht in die staatliche Leistungsverwaltung eingebunden sind und hinsichtlich der Vermietung von Veranstaltungsräumen keine Monopolstellung haben“.

Videobeitrag vom Jan. 2017 vom Sender „Hamburg 1“:

hamburg1.de

NDR-Beitrag vom 18. Jan. 2017:

ndr.de/fernsehen

(29. Jun. 2017, hl)

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