Corona – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 12 Dec 2024 10:22:23 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Corona-Programm hat gewirkt https://www.tiefgang.net/corona-programm-hat-gewirkt/ Fri, 13 Dec 2024 23:12:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11364 [...]]]> Corona hat alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens verändert. So auch der Kultur. Doch die Bundeshilfen wirkten.Im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wurde dieses Unterstützungsprogramm nun evaluiert. NEUSTART KULTUR war das umfangreichste Unterstützungsprogramm der Bundesregierung für die Kultur während der Pandemie. Ein Expertenteam der Syspons GmbH kommt zu dem Ergebnis: NEUSTART KULTUR hat erfolgreich und wesentlich dazu beigetragen, den Kulturbereich in seiner Vielfalt in den schweren Jahren der Pandemie zu stützen und für die Zukunft zu stärken. Die Evaluation formuliert außerdem Verbesserungsvorschläge und Handlungsempfehlungen, etwa für mehr Übersichtlichkeit und Synergien innerhalb der Programmlinien, als auch eine bessere Verzahnung zwischen Bund und Ländern, das Schaffen von Notfallnetzwerken sowie die Nutzbarmachung von gesammelten Erfahrungen.

Hierzu Dr. Christoph Emminghaus, Geschäftsführer der Syspons GmbH: „Wir freuen uns, mit der Evaluierung einen fundierten Beitrag zur Überprüfung der Wirksamkeit der Kulturförderung in der Corona-Krise leisten zu können und so eine belastbare Grundlage für künftige kulturpolitische Entscheidungen zu schaffen. Den wichtigsten Erfolg leistete NEUSTART KULTUR zur Unterstützung des Erhalts der kulturellen Infrastruktur in der Krise. Darüber hinaus setzte das Programm auch Impulse für die künftige Förderung und für Innovationen in den unterschiedlichen Sparten.“

Staatsministerin Claudia Roth: „Diese externe Evaluation kommt zu dem Ergebnis, dass NEUSTART KULTUR als Rettungs- und Zukunftsprogramm der BKM in einer existentiellen Krise bundesweit großflächige Wirkung gezeigt hat. Mit seiner gleichzeitig breiten wie auch spartenspezifischen Ausgestaltung hat es wesentlich dazu beigetragen, die kulturelle Infrastruktur in Deutschland während und unmittelbar nach der Pandemie nachhaltig zu stabilisieren, zukunftsfähig zu machen und so auch einen guten Übergang in die Zeit nach der Pandemie sicherzustellen. Das Programm hat erheblich dazu beigetragen, dass Kultur während der Pandemie wieder möglich war und Künstlerinnen und Künstler weiterarbeiten konnten. Die Evaluation gibt aber auch wichtige Impulse zur Verbesserung. Für die Zukunft sollten wir Lehren aus den praktischen Erfahrungen und der Evaluierung für derartige Ausnahmesituationen ziehen. Diese Hinweise zur Verbesserung der Arbeit des Bundes und der Zusammenarbeit des Bundes mit den Ländern nehme ich gerne auf und werde sie auch im Kreis der Kolleginnen und Kollegen besprechen. Aufgrund der Erfahrungen in der Bewältigung dieser Krisensituation haben wir in der BKM-Behörde auch bereits eine ständige Projektgruppe Kultur und Krise eingerichtet und sind damit auch für zukünftige Krisenszenarien noch besser aufgestellt.“

Mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro und 78 spartenspezifischen, passgenauen Teilprogrammen, die durch die BKM gemeinsam mit einem Netzwerk aus über 40 mittelausreichenden Stellen entwickelt und umgesetzt wurden, hat NEUSTART KULTUR unter einem hohen Zeit- und Handlungsdruck funktionierende Strukturen geschaffen, die den Kulturbereich in der Pandemie nachhaltig abgesichert haben. Insgesamt wurden im Rahmen von NEUSTART KULTUR von August 2020 bis Juni 2023 über 160.000 Anträge gestellt, von denen mit rund 80.000 die Hälfte bewilligt werden konnte.

Befragt wurden knapp 16.000 Geförderte sowie alle mittelausreichenden Stellen. Darüber hinaus wurden im Rahmen der Medienanalyse 1.340 Beiträge der Berichterstattung über NEUSTART KULTUR untersucht. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass NEUSTART KULTUR nicht nur zur Sicherung des Status quo im Vergleich zur Vor-Pandemie-Zeit, sondern auch zu einer zukunftsrelevanten Stärkung der Letztempfängerinnen und -empfänger beigetragen und die Resilienz von Kultur und Medien gefördert hat. Außerdem wurden die mittelausreichenden Einrichtungen in ihren jeweiligen Sparten gestärkt.

Insgesamt belegen die Evaluationsergebnisse außerdem, dass NEUSTART KULTUR durch die Art und Weise seiner Umsetzung durch die BKM gut auf die individuellen, teilweise sehr spezifischen Branchenbedarfe im Kontext der Pandemie eingehen konnte. Die stark dezentrale Struktur des Programms stellte dabei für die Erreichung der relevanten förderbedürftigen und förderberechtigten Zielgruppen eine Stärke und ein Alleinstellungsmerkmal dar.

Gleichzeitig hätten – etwa durch einheitliche Fördergrundsätze – auch noch stärkere Synergien zwischen den einzelnen Programmbereichen geschaffen werden können. Empfohlen werden außerdem der Ausbau von Notfallnetzwerken und die Bündelung von im Rahmen von NEUSTART KULTUR gewonnenen Erfahrungswerten, um bei künftigen Krisen schneller und noch effizienter reagieren zu können.

Der Evaluierungsbericht steht unter: https://www.kulturstaatsministerin.de/evaluation-neustart-kultur zum Download zur Verfügung.

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

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1,5 Mio. für kreative private Schulen https://www.tiefgang.net/15-mio-fuer-kreative-private-schulen/ Fri, 26 Mar 2021 23:27:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7757 [...]]]> Die Hamburger Kulturbehörde entwickelt Förderprogramm für private Schulen im Kreativ- und Kulturbereich in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Die Behörde für Kultur und Medien entwickelt gemeinsam mit dem Landesverband private Kreativschulen (LPKH) einmalig ein Hilfsprogramm zur Überbrückung Corona-bedingter Ausfälle. Für künstlerische Privatschulen wie Musik-, Mode-, Tanz-, Kunst-, Design-, Gesang- oder Schauspielschulen werden insgesamt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Pro Einrichtung können maximal 75.000 Euro beantragt werden. Antragsberechtigt sind private Kreativschulen, die durch die Stadt Hamburg anerkannt BAföG-berechtigt sind und im Zuge der Corona-Pandemie erhebliche Einnahmeausfälle haben.

In Hamburg gibt es eine Vielzahl von künstlerischen Privatschulen, die als Berufsfachschulen anerkannt BAföG-berechtigt sind und dem Nachwuchs als Ausbildungsorte vielfältige künstlerische Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten bieten. Insbesondere kleine und mittlere Kreativschulen sind im Zuge der Corona-Pandemie durch den eingeschränkten Betrieb von erheblichen Einnahmeausfällen betroffen. Mit der Förderung sollen neue ausbildungsbezogene Projekte der Einrichtungen unterstützt werden, die kreative und innovative Ziele verfolgen. Das können zum Beispiel Präsentationsformate wie Konzerte oder Aufführungen, digitale Formate oder vieles mehr sein. So sollen Hamburgs private Kreativschulen nicht nur finanziell durch die Pandemie kommen, sondern sich auch für die Zukunft aufstellen können.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Für Hamburgs lebendige Kultur und die vielfältige Kreativwirtschaft ist der künstlerische Nachwuchs unverzichtbar. Die privaten Kreativschulen sind ein wichtiges Element der verschiedenen kreativen Ausbildungsangebote. Sie prägen in langer Tradition die künstlerischen Entwicklungslinien der Stadt. Es ist wichtig, dass wir ihnen durch die Förderung eine Perspektive bieten und damit den künstlerischen Nachwuchs unterstützen können.“

Lukas Scheja, 1. Vorstand Landesverband private Kreativschulen: „Der Landesverband der Bafög-anerkannten privaten Kreativschulen in Hamburg möchte diese seiner Satzung entsprechend selbstlos fördern. In Zusammenarbeit mit der Behörde für Kultur und Medien haben wir für die Zeiten der Pandemie diese Projektförderung erarbeitet. Wir wünschen uns den Erhalt der Kreativschulen und ihrer Wettbewerbsfähigkeit in diesen schwierigen Zeiten für den Kulturstandort Hamburg.“

Private, BAföG-anerkannte Hamburger Kreativschulen, die bereits vor dem 1.2.2020 gewerblich tätig waren, können ab sofort und bis zum 30.6.2021 Anträge auf Förderung einreichen. Pro Einrichtung sind mehrere Anträge bis zu einer maximalen Fördersumme von insgesamt 75.000 Euro möglich. Die Anträge finden sich auf der Website des Landesverbands private Kreativschulen (www.kreativschulen.hamburg) und können ab sofort digital über den LPKH eingereicht werden (projektantrag@kreativschulen.hamburg).

 

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„Kriegskinder“ https://www.tiefgang.net/kriegskinder/ Fri, 30 Oct 2020 23:48:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7318 [...]]]> Im Februar war die Welt noch in Ordnung. Kurz vor dem Lockdown starteten wir unser Kunstprojekt „Kriegskinder – Die Schatten der Vergangenheit“. Durch die Corona Pandemie haben wir auch künstlerisch hinterfragt „Was haben Krieg und Corona gemeinsam?

von Ulrike Hinrichs

Die Idee des Kunstprojektes (Die Schatten der Vergangenheit) ist schnell erzählt: Die traumatischen Erfahrungen des 2. Weltkriegs liegen zwar lange zurück, aber sie wirken bis heute nach. Noch immer sind Menschen weltweit auf der Flucht, weil sie von Verfolgung, Krieg und Terror betroffen sind. Das von mir initiierte Kunstprojekt hat unterschiedliche Menschen zusammengebracht, die sich künstlerisch mit dem Thema beschäftigt haben. Die jüngste Teilnehmerin ist 28 Jahre, die Älteste 88 Jahre alt. Entstanden ist eine bunte Mischung an Kunstwerken, die keineswegs nur düstere Kriegsdramen darstellen, sondern das schwierige Thema auch mit Humor beleuchten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotoprojekt Holger Musiol

Auch die Corona Pandemie findet sich thematisch im künstlerischen Ausdruck wider. Wir erinnern uns an das irrationale Hamstern von Toilettenpapier? Und gehamstert wurde auch im Krieg, wenn auch nicht Klopapier, wie die Älteste berichtete, „da hat man sich anders zu helfen gewusst“, sagte sie. In unserer Gruppe kam die Idee auf, die Papprollen zu sammeln, zu gestalten und eine riesige Gemeinschaftsskulptur daraus zu machen.

Bei unseren regelmäßigen Treffen haben wir viel erzählt und diskutiert. Zu den Werken sind auch kreative Texte entstanden, aus denen im Rahmen der Ausstellungseröffnung gelesen wird. Ursula berichtete uns bei einem der Treffen von ihrer großen Angst, die sie mit 7 Jahren hatte, als sie das erste Mal vom Krieg hörte.

„Seit ich als Kind den Krieg erlebte und die Zeit danach, hat der Tod jede Bedeutung für mich verloren. ›Hast Du schon gehört, es ist Krieg!‹ sagte mir ein Kind auf dem Weg zum Bäcker. ›Was ist das denn“, fragte ich das Kind, das nur um ein geringes älter war als ich mit meinen sieben Jahren. ›Weiß ich doch nicht‹, war die Antwort, „meine Eltern haben es gesagt“. 

Es war der 1. September 1939, ich war auf dem Weg zum Brötchen holen. Die Stimmung fühle ich heute noch, als sei es gestern gewesen. Es musste etwas Schreckliches sein, die Straßen waren wie ausgestorben, ungewöhnlich um diese Morgenstunde. Und die Scheiben der Geschäfte, waren alle mit Pappe und Holz zugenagelt. Mir machte das Angst, eine unbestimmte Angst, mein Herz klopfte. Stumm schaute ich den Jungen an. ›Krieg?‹ fragte ich noch einmal, dann drehte ich mich um und rannte nachhause.

›Mama, es ist Krieg!“. 

›Ja,  sagte meine Mutter, man sagte es eben im Radio.‹

Diese Angst, diese schreckliche Angst !

Wenige Wochen später ging es los mit den Fliegerangriffen. Wir hatten die Marine und viele Werften in unserer Stadt, wo Kriegsschiffe und besonders U-Boote gebaut wurden, deshalb wurden wir ganz besonders bevorzugt von den Fliegern und ihren Bomben. Wenn die Sirenen heulten, dann riss die Mutter uns aus dem Schlaf und schrie, ›zieh Dich an, beeil Dich, wir müssen in den Luftschutzkeller‹. Sie riss das Baby aus dem Korb und einige Kleidung, mein Vater nahm einen schon gepackten Koffer mit wichtigen Papieren und wir hasteten in den Keller, wo schon die anderen Hausbewohner saßen, alle in Wolldecken gewickelt, die Kinder waren in die Stockbetten gelegt und schliefen weiter. Ich nicht. Ich war schon zu groß, für Schulkinder war kein Platz mehr in den Betten.

Dann hörten wir die Flugzeuge, das Schießen der Flak, wieder ein fremdes Wort, das Angst machte. Flak! Wie das knallte, dieses Wort. Es war eine der Abkürzungen, die wir im Laufe der Zeit lernten, Flak, Fliegerabwehrkanone. Einer der Männer, der Luftschutzwart, ging aus dem Keller, um nach Einschlägen von Brandbomben zu schauen. Dann mussten die Erwachsenen löschen und wir Kinder saßen allein dort unten mit unserer Angst.

Die geplante Gemeinschaftsausstellung auf dem Harburger Kulturtag am 8. November 2020 ab 12.00 bis 19.00 Uhr- St. Johanneskirche, Bremer Straße 9, 21073 Hamburg ist aufgrund des neuerlichen Lockdowns abgesagt worden. Ein Ersatztermin ist noch nicht bekannt.

Diese Kriegskinder stellen aus: Anne Flad, Antje Gerdts, Asif Raza Haidari, Edeltraut K. Schlichting, Norbert Schlichting, Holger Musiol, Karen Kandzia, Ralf Schwinge, Rita Peters, Sonja Alphonso, Thanushanth Anandarajah, Ulrike Hinrichs, Ursula Sauerbaum, Yvonne Lautenschläger, Zeinab Alipour.

Projektleitung: Ulrike Hinrichs www.lösungskunst.com

Das Projekt wird gefördert durch die Lokalen Partnerschaften für Demokratie Harburg und Süderelbe im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben!

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„Wir wollen wieder musizieren“ https://www.tiefgang.net/wir-wollen-wieder-musizieren/ Fri, 07 Aug 2020 22:47:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7157 [...]]]> „Musik macht alles besser“ lautet ein altbekannter Schlager. Das denken sicher auch alle Amateurmusikensembles der Stadt über ihr gemeinsames Musizieren. Die Pandemie stellt dies nun aber existenziell in Frage.  

Gut 200.000 Menschen in Hamburg gehen in ihrer Freizeit und teils hoch qualifiziert der Musik nach: in Chören, Ensembles, Zupf-, Blas- oder Orchestern jeder Couleur – sie sind die Kinderstube des Nachwuchses, aus dem manch großer Star von Morgen hervorgeht.

Jetzt aber stehen sie vor großen Herausforderungen. Trotz Lockerungen der Corona-Verordnungen, nach fast dreimonatigem Shut-Down, ist das gemeinschaftliche Musizieren stark beeinträchtigt und läuft nur langsam wieder an– es fehlt an Platz, Raum und passenden Auftrittsorten. Die Pandemie und die damit verbundene Angst vor Ansteckung erschweren das gemeinschaftliche Musizieren zusätzlich. Die Amateurmusikszene, eines der größten zivilgesellschaftlichen Bewegungen in Deutschland mit großem ehrenamtlichen Engagement, möchte in Hamburg trotzdem positiv in die Zukunft blicken und wieder regulär musizieren können.

„Chöre wie auch Blasorchester benötigen nach aktuellen Empfehlungen einen Mindestabstand von 2,5 m in geschlossenen Räumen und 1,5 m im Freien  zwischen ihren Ensemblemitgliedern, um der Aerosol-Verteilung Rechnung zu tragen. Da braucht es gutes Wetter und leere Parks im jetzigen Sommer. Aber spätestens im Herbst müssten große Räume her, um überhaupt gemeinsam und in normaler Besetzung musizieren zu können“, so Doris Vetter aus dem Präsidium des Landesmusikrates Hamburg und selbst in der Chorarbeit aktiv. „Ein gemeinsames Singen per Videokonferenz“, so ihre eigene Erfahrung, „ist eine gute Möglichkeit zur Überbrückung der akuten Situation. Nach vier Monaten auf Zoom wird es aber höchste Zeit für Präsenzproben. Diese kann kein Online-Tool ersetzen.“

Auch instrumentale Ensembles, Bands und Orchester kämpfen mit den vorgeschriebenen Abstands- und Kontaktregeln. Diese haben häufig auch keine adäquaten Räume, wo alle Mitspielenden unter den gegebenen Umständen proben können.

„Wir sind sehr dankbar, dass die Behörde für Kultur und Medien, vor allem auch Herr Senator Dr. Carsten Brosda, sich von Beginn der Corona-Pandemie an intensiv für die Musik in Hamburg einsetzt. Die BKM unterstützt derzeit die Amateurmusikszene auch aktiv bei der Raumsuche“, bedankt sich Thomas Prisching, Geschäftsführer.

Der Landesmusikrat Hamburg,  größter Dachverband der Musikstadt Hamburg,  möchte hierbei unterstützen. „Wir wären froh, wenn wir geeignete Räume in Hamburg hin und wieder und auf unkompliziertem Wege nutzen könnten“, so der 1. Vizepräsident Matthias Rieger. Und das im gesamten Stadtgebiet, denn „betroffene Chöre und Instrumental – Ensembles finden sich überall in dieser Stadt und wollen auch dort musizieren“.

 Aufruf:

Wenn Sie über private Räume, Säle und Hallen verfügen, die  frei und geeignet sein könnten, freuen sich der Landesmusikrat über eine Information an Frau Anita Rudat unter rudat@lmr-hh.de.

Quelle: www.lmr-hh.de

 

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Finanzielle Unterstützung bei Minijobs https://www.tiefgang.net/finanzielle-unterstuetzung-bei-minijobs/ Fri, 31 Jul 2020 22:40:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7131 [...]]]> Gerade in vielen Kulturvereinen und –betrieben werden unzählige Mini-Jobber*innen beschäftigt. Auch für sie gelten arbeitsrechtliche Bestimmungen. Es gibt aber auch Unterstützung.

Für Minijober*innen gelten ebenso die üblichen Arbeitsrechtsbestimmungen wie in anderen Bereichen. Das gilt für Urlaubs- und Kündigungszeiten ebenso wie für Lohnfortzahlungen. Auch eine fristlose Kündigung aufgrund der Corona-Pandemie ist nicht rechtens. Kurzarbeitergeld aber ist ausgeschlossen, da es die Zahlung in die Arbeitslosenversicherung voraussetzt. Die ist aber bie Minijobs nicht gegeben.

Wie die Minijob-Zentrale erklärt, gibt es aber auch Unterstützung für die Minijob-Arbeitgeber*innen:

„Auch Arbeitgeber von Minijobbern leiden unter den Folgen der Corona-Pandemie. Zur Stabilisierung der Wirtschaft hat die Bundesregierung Hilfspakete auf den Weg gebracht, die Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanzielle Unterstützung bieten. In unserem Blog informieren wir darüber, ob Überbrückungshilfen auch für Minijob-Arbeitgeber gelten und welche Fördermaßnahmen es sonst noch gibt.

Überbrückungshilfe für die Monate Juni bis August 2020

Aufgrund der Corona-Pandemie droht vielen Betrieben die teilweise oder komplette Schließung. Kleine und mittelständische Unternehmen werden in den Monaten Juni bis August 2020 durch Liquiditätshilfen unterstützt. Diese Überbrückungshilfen können auch Arbeitgeber von Minijobbern in Anspruch nehmen.

Unternehmen und Organisationen aus allen Wirtschaftsbereichen, soweit sie sich nicht für den sogenannten Wirtschaftsstabilisierungsfonds qualifizieren, können eine Überbrückungshilfe beantragen, wenn sie infolge der Corona-Pandemie ihren Geschäftsbetrieb vollständig oder zu wesentlichen Teilen einstellen mussten.

Von einem vollständigen oder zu wesentlichen Teilen eingestellten Geschäftsbetrieb spricht man, wenn der Umsatz des Unternehmens in den Monaten April und Mai 2020 zu mindestens 60 Prozent geringer ist als in den Monaten April und Mai 2019.

Minijob-Arbeitgeber können Personalaufwendungen geltend machen

Arbeitgeber haben für Minijobber – anders als für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Daher können sie für Minijobber in den Monaten Juni bis August 2020 durch die Überbrückungshilfe Personalaufwendungen geltend machen. Die Personalaufwendungen werden pauschal mit 10 Prozent der Fixkosten gefördert.

Förderfähige Fixkosten sind beispielsweise Grundsteuern, Mieten, Pachten oder Kosten für Auszubildende. Eine abschließende Auflistung der förderfähigen Fixkosten hat das Bundesministerium der Finanzen zusammengestellt.

Höhe der Überbrückungshilfe abhängig von der Höhe der betrieblichen Fixkosten

Die Höhe der Überbrückungshilfe richtet sich nach den oben genannten förderfähigen betrieblichen Fixkosten und dem Ausmaß des erlittenen Umsatzrückgangs. Weitere Informationen zur Berechnung der Überbrückungshilfe finden Sie auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums.

Bundesweite Antragsplattform für die Überbrückungshilfe

Anträge auf Überbrückungshilfe sind bis zum 31. August 2020 bei der zuständigen Behörde des jeweiligen Bundeslandes zu stellen. Dafür hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Zusammenarbeit mit anderen Bundesministerien und den Bundesländern eine bundesweite Antragsplattform erstellt. Dort sind auch weitere Informationen zur Überbrückungshilfe zu finden.

Arbeitgeber müssen den Antrag in Zusammenarbeit mit einem Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer stellen. Diese können sich online registrieren, den Antrag stellen, Unterlagen einreichen und sich jederzeit über den aktuellen Bearbeitungsstand informieren.

Die Auszahlung des Betrags erfolgt spätestens bis zum 30. November 2020.

Weitere Fördermaßnahmen des Bundes

Die Bundesregierung hat außerdem am 3. Juni 2020 das umfangreiche Konjunktur- und Zukunftspaket „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“ beschlossen. Dieses Paket beinhaltet viele weitere Fördermaßnahmen, zum Beispiel den Wirtschaftsstabilisierungsfonds, Soforthilfen oder Kredite für Arbeitgeber.

Die Bundessteuerberaterkammer informiert ausführlich über diese Fördermaßnahmen des Bundes in ihrem „BStBK-Katalog zum Konjunkturpaket“.“

Quelle: minijob-zentrale.de

 

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„Wir passten nicht ins Raster“ https://www.tiefgang.net/wir-passten-nicht-ins-raster/ Fri, 05 Jun 2020 22:32:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6959 [...]]]> Wie ist es für Menschen, die positiv auf das Virus getestet wurden? ´Tiefgang`-Schreiberin Sonja Alphonso ging dem auf die Spur…

Man erfährt so gut wie nichts über unmittelbar Betroffene der Pandemie, außer der Anzahl der Infizierten, Toten und Genesenen. Wie ist es für Menschen, die positiv auf das Virus getestet wurden? Wie erleben sie die Zeit der Quarantäne? Und wie geht es den Angehörigen damit?

Ich kenne nur eine Person, die ich fragen kann: Wilfried Abels.

Tiefgang (TG): Wie kam heraus, dass deine Familie sich mit Covid-19 angesteckt hat?

Wilfried Abels: Nun, das war erstmal gar nicht so klar. Das wurde von uns als üblicher kleiner grippaler Infekt wahrgenommen. Unser Jüngster war halt etwas „angegrippt“. Er war schlapp, hatte erhöhte Temperatur. Das war es auch schon. Wir haben drei Kinder. Da ist sowas fast schon an der Tagesordnung. Irgendwo holt sich halt immer mal wer was. Zeitgleich traten bei meiner Frau, mir und auch unserer mittleren Tochter ähnliche Symptome auf. Jeweils ein bisschen unterschiedlich gelagert, aber alles nichts Ungewöhnliches. Wir haben da erstmal nur geseufzt und mit den Schultern gezuckt. Das ist in so einer fünfköpfigen Familie halt üblich. Einer schleppt was an. Alle haben das Vergnügen.

Wir haben dann zum ersten Mal aufgehorcht, als plötzlich, von einem Tag auf den anderen, bei meiner Frau und mir, der Geruchs- und Geschmackssinn vollständig weg war. Und das obwohl wir nicht erkältet waren und unsere Nasen frei waren. Das hatten wir so noch nie erlebt. Das war der Moment, wo wir zum ersten Mal überlegten, ob das, was wir gerade haben, vielleicht doch kein einfacher grippaler Infekt ist. Dann haben wir uns an unseren Hausarzt gewendet, der dann das Gesundheitsamt informierte.

TG: Konnte nachverfolgt werden, wer von euch sich bei welcher Gelegenheit angesteckt hatte und das Virus mit nach Hause brachte?

Wilfried Abels: Nein, das ist bis heute nicht geklärt. Das war in der Hochphase der Neuinfektionen. Wir hatten ausführlich mit dem Gesundheitsamt telefoniert, aber eine belastbare Theorie konnten wir nicht entwickeln. Wir waren da alle schon länger im Homeoffice und hatten nur absolut minimale Außenkontakte. Insofern ist das bis heute nicht geklärt.

Das war auch das Problem, um überhaupt getestet zu werden. Unser Hausarzt hat uns da glücklicherweise gleich ernst genommen, als ich ihn angemailt und unsere Bedenken geschildert hatte. Aber von dem Zeitpunkt, bis das Gesundheitsamt zum Testen vorbei kam, verging noch eine gute halbe Woche. Wir passten halt nicht ins normale Raster. Wir waren in keinem Risikogebiet gewesen und wir hatten, zumindest wissentlich, keinen Kontakt zu einem Corona-Erkrankten.

Fairerweise muss man aber sagen, dass in dieser Zeit das Gesundheitsamt auch schon mit den offensichtlicheren Fällen mehr als ausgelastet war. Und die Testkapazitäten waren auch sehr knapp. Deshalb wurden von uns fünf auch nur zwei Personen getestet, wovon dann ein Test eindeutig positiv war und einer uneindeutig. Hierzu meinte unser Hausarzt, dass die Tests eigentlich eh schon zu spät gemacht worden seien, da der Virus hauptsächlich nur in der Anfangsphase nachweisbar sei. Um wirklich sicher zu sein, ob wir alle Covid-19 hatten, müssen wir aber auf zuverlässige Antikörpertests warten.

TG: Wie habt ihr den Ausbruch der Krankheit erlebt?

Wilfried Abels: Am schwierigsten war es, sich am Anfang erstmal klar zu werden, wie man mit der Situation umgeht. Die Frage war: „Kann das wirklich Covid-19 sein? Oder bilde ich mir das nur ein und es ist ein ganz normaler Infekt?“ Man will ja sich und das Gesundheitssystem auch nicht umsonst verrückt machen. Zu der Zeit gab es ja auch haufenweise Fehlalarme, weil Leute bei jedem Husten gleich die Sorge hatten, dass sie erkrankt sein könnten. Man will in dem Fall nicht unbegründet Freunde und Nachbarn einspannen, um für einen einkaufen zu gehen.

Andererseits wollten wir, falls wir tatsächlich Covid-19 haben sollten, auch keine anderen Menschen in Gefahr bringen. Aber nur auf eine Vermutung hin, sich selbst komplett zu isolieren, ist halt auch schwierig. Diesen Zwiespalt zu handhaben, solange noch nicht getestet wurde, das war noch mit das Schwierigste.

TG: Meines Wissens musste niemand von euch im Krankenhaus medizinisch versorgt werden, also war der Verlauf vergleichsweise harmlos. Was war das Schlimmste an der Krankheit?

Wilfried Abels: Ja, der Verlauf war relativ harmlos. Wir hatten Glück. Wir alle hatten nach den Kategorien des RKI nur einen milden Verlauf. Die eigentlichen Krankheitssymptome waren auch gar nicht so schlimm. Da hatte ich schon grippale Infekte, die deutlich unangenehmer waren. Während der Erkrankung selber hatte ich keine echten Probleme. Ich hatte nie an Kurzatmigkeit oder sowas gelitten. Allerdings habe ich mich da auch nicht weiter als zwischen Couch und Bett bewegt.

Was aber bei dieser Erkrankung am übelsten war, war wie hartnäckig sie war, und wie schlapp sie uns alle gemacht hat. Als ich wieder anfing, mich normaler zu bewegen, da merkte ich erst, wie kurzarmig ich wirklich war. Selbst nach mehreren Wochen, als wir schon lange wieder aus der Quarantäne entlassen waren, waren wir noch weit davon entfernt, voll einsatzfähig zu sein. Selbst kleine Spaziergänge durch den Stadtteil waren noch ziemlich anstrengend. Da wurde mir erst im Nachgang klar, wie stark meine Lunge wirklich angegriffen wurde. Und unseren Geschmacks- und Geruchssinn haben meine Frau und ich noch immer erst in Ansätzen wieder.

TG: Wie habt ihr euch zuhause informiert, welchen Quellen vertraut?

Wilfried Abels: Grundsätzlich über die üblichen Medien (Fernsehen, Radio, Internet). Wenn wir aber was genauer recherchieren wollten, waren die Webseiten vom Robert-Koch-Institut und der John-Hopkins-Universität unsere erste Anlaufstelle. Für Informationen zu den Maßnahmen, haben wir die Seiten Hamburger Behörden zu Rate gezogen.

TG: Gab es Diskussionen innerhalb der Familie, ob die Maßnahmen gerechtfertigt sind oder nicht? Bzw. wie habt ihr die öffentlichen Debatten erlebt?

Wilfried Abels: Wir haben schon viel diskutiert. Allerdings weniger, ob das sinnvoll ist oder nicht. Da war schon ziemlicher Konsens, dass das im Groben alles so richtig ist. Aber wie geht man damit um? Was macht das mit einem? Das waren schon so Fragen, die uns einzeln und als Familie stark umgetrieben hat. Lagerkoller ist bei so einer Familie auch immer ein Thema, mit dem man sich auseinandersetzen muss, wenn man solange zusammen hockt.

TG: Seid ihr jetzt eigentlich immun oder bleibt ein Restrisiko, dass ihr euch nochmals infizieren könnt?

Wilfried Abels: Nun, wie soll ich das beantworten, wenn die Virologen weltweit darauf noch keine abschließende Antwort haben? Das ist ehrlich gesagt so eine Frage, wo ich selber als Wissenschaftler immer etwas, … hm, wie formuliere ich das …, ungeduldig werde.

Ich verstehe sehr, sehr gut, dass Menschen gerne klare Antworten haben wollen. Und ich verstehe auch, dass sie sich diese Antworten gerade in solchen Krisenzeiten von Wissenschaftlern und von Politikern wünschen. Doch diese klaren Antworten gibt es nicht. Weder Politiker noch Wissenschaftler sind Hellseher und haben keine Glaskugel, um in die Zukunft zu sehen.

Exakte Wissenschaft bedeutet nicht, dass man exaktes Wissen hat. Das wird leider häufig verwechselt. Exakte Wissenschaft bedeutet nur, dass man einen exakten Weg der Erkenntnisgewinnung hat. Aber im Gegensatz zu theologischen Systemen, gehen Wissenschaftler nicht von universellen Wahrheiten aus, sondern nur von immer wieder neu zu überdenkenden Zusammenhängen, die auf einem beobachteten Verhalten der Welt beruhen. Wenn neue Beobachtungen gemacht werden, dann müssen die bisher vermuteten Zusammenhänge neu überdacht und gegebenenfalls auch verworfen werden. Das ist dann kein „Beweis“ dafür, dass „die da alle das ja auch gar nicht wissen“ und jede beliebige Verschwörungstheorie von gleicher Wertigkeit sei, sondern es ist ein ganz zentraler und natürlicher Teil des wissenschaftlichen Prozesses. So funktioniert seit der Epoche der Aufklärung die Wissenschaft. Das ist langsam und anstrengend, und auch immer wieder frustrierend. Aber genau dies hat uns alle erst so weit gebracht, wie wir heute sind.

Insofern, um nach diesem kleinen Exkurs in Richtung Erkenntnistheorie auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen, natürlich gibt es ein Restrisiko, wie immer und überall im Leben. Man weiß auch bisher einfach zu wenig. Es gibt ja auch noch keine Langzeitstudien, da die längste Zeit, dass jemand die Krankheit überwunden hat, nur einige Monate beträgt. Allerdings ist es nach dem bisherigen Stand der Dinge wohl unwahrscheinlich, dass wir uns in näherer Zukunft erneut infizieren können.

TG: Allgemein ist die Pandemie noch längst nicht ausgestanden. Wir alle werden – auf sehr unterschiedliche Art – zu Zeitzeugen einer historischen Ära. Was denkst du, wird sich durch die Erfahrung mit Covid-19 grundlegend verändern?

Wilfried Abels:  Tja, gute Frage. Ich bin sicher, dass die Pandemie einen großen Einfluss haben wird. Aber in welche Richtung? Ich weiß es nicht. Jedes einschneidende Ereignis führt zu Veränderungen, die Chancen und Risiken bedeuten. Das ist aber nur eine Plattitüde, die nichts aussagt.

Während meiner Quarantäne bin ich seit langem mal wieder dazu gekommen zu lesen und habe mir in Ruhe den neuen Roman von Jan Christoph Nerger „S7 – Irrfahrt übers Zeitgleis“ durchgelesen. Da spielte in einer Szene die spanische Grippe eine Rolle und es wurde gut gezeigt, wie diese ein Baustein war, der die kommende Katastrophe begünstigte. Das war schon ein seltsames Gefühl, wenn man gerade selber an so einer Pandemie erkrankt ist.

Ich denke wir müssen alle aufpassen, dass die wirtschaftlichen Verwerfungen, die jetzt auf uns zurollen, nicht von den Populisten jeglicher Gattungsart ausgenutzt werden. Auch wenn ich mich selber eher in der links-grün-versifften Ecke verorten würde, meine ich damit nicht nur die Rechts-Populisten. Im Moment sieht man leider aus allen Ecken Populisten herauskriechen. Momentan ist es erschreckend, wie da jeder versucht, seine ganz eigenen Privatinteressen als staatstragend zu verkaufen.

Aber ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch und denke, dass wir alle miteinander die Kraft haben, diese Krise zu überstehen und vielleicht sogar anschließend die Welt ein bisschen besser machen können. Im Gegensatz zu früheren Generationen haben wir Möglichkeiten, auf die Pandemie zu reagieren, wie es noch nie in der Menschheitsgeschichte möglich gewesen ist. Die Welt hat rund um den gesamten Globus in einem Tempo reagiert, wie es noch niemals vorher geschehen ist. Die Entschlüsselung des Virus passierte in einem Tempo, das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Die Entwicklung eines Impfstoffes hat bis vor kurzem noch Jahre gedauert. Jetzt laufen nach diesen wenigen Monaten schon die ersten klinischen Studien mit Menschen an. Der Spanischen Grippe war die Menschheit ziemlich hilflos ausgeliefert. Die Menschen damals mussten das einfach erleiden. Wir haben heute Möglichkeiten, aktiv gegen die Pandemie vorzugehen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir sowohl im eigenen Land alle Menschen mitnehmen, aber auch nicht vergessen, dass es weltweit viele Menschen gibt, die in Ländern mit viel schlechter funktionierenden Gesundheits- und Staatssystemen leben. Z.B. muss verhindert werden, dass ein Impfstoff, wenn er denn da ist, nur für die reiche zahlungskräftige Bevölkerung in den Industriegesellschaften produziert wird.

Doch im besten Fall schaffen wir es durch diese Krise vielleicht ja auch wieder als Gesellschaft ein bisschen mehr Mut zurückzugewinnen. Vielleicht lernen wir wieder, an unsere Fähigkeit zu glauben, die Zukunft aktiv und positiv gestalten zu können. Aufgaben gibt es ja wahrhaftig genug.

TG: Du arbeitest an der TUHH. Glaubst du, dass Wissenschaft, Forschung und Technik an Bedeutung gewonnen haben?

Wilfried Abels: Hmm, warten wir es mal ab. Im Moment überschlagen sich ja alle mit Bekenntnissen zu Wissenschaft und Technik. Ich reibe mir momentan z.B. ziemlich die Augen, wie auf einmal jeder die Digitalisierung vorantreiben will.

Doch seit gut 30 Jahren, seitdem ich noch ein junger, etwas verschrobener Computer-Nerd der ersten Generation war, hängt Deutschland bei dem Thema locker zehn bis fünfzehn Jahre hinter dem Ausland her. Ende der 1980er Jahre hatte ich schon in den Niederlanden mal ein nettes Gespräch mit einem Elektronik-Verkäufer geführt, der sich sehr über die damalige Deutsche Bundespost amüsierte, als es um das Thema Datenkommunikation ging, weil diese alles, was auch nur entfernt nach Innovation roch, als geradezu blasphemisch von sich wies. Und seit damals hat sich an der Mentalität in Deutschland, wenn es um technische Innovation geht, nicht grundsätzlich was geändert.

Wenn es jetzt überall heißt: „Ja, Deutschland braucht einen Innovationsschub!“, dann antworte ich mal mit einem Zitat von Goethe aus Faust: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“

TG: Du bist nebenher auch Fantasy- und Science Fiction-Autor und auch Mitglied einer Second Life-Community namens „Brennende Buchstaben“. Dort finden Online-Lesungen im virtuellen Raum statt. Ein Format, das mehr Zukunft hat, weil Avatare sich nicht anstecken können?

Wilfried Abels: Ich denke schon, dass das Thema Online-Veranstaltungen in Zukunft einen größeren Raum einnehmen wird als bisher. Die Brennenden Buchstaben sind schon seit über zehn Jahren dabei, virtuelle Formate zu entwickeln. Es geht dabei ja auch nicht nur um Avatare, die computerspielartig durch die Gegend laufen, sondern grundsätzlich um Fragen wie:

Wie können sich Kulturschaffende präsentieren? Wie kann man ortsunabhängige Veranstaltungen organisieren? Wie beeinflusst Technologie Kultur? Wie kann man neue visuelle Kunstformen schaffen. Wo liegen Grenzen? Was gibt es für Möglichkeiten?

Da wurde in den letzten Jahren von vielen Mitstreitern und vor allem dem Organisator Thorsten Küper eine hervorragende Arbeit geleistet. Bald zweihundert Autoren ist so Raum für Veranstaltungen geschaffen worden, wo Ländergrenzen übergreifend Lesungen organisiert wurden, und wo ein sehr reger Austausch und eine internationale Vernetzung zwischen Kulturschaffenden erreicht wurde. Diese Formate wurden bisher gerne ein bisschen als Spielerei belächelt. Doch ich denke, so ganz langsam fängt ein Umdenken statt. Außerdem, ist Spielen und Spielerei nicht der eigentliche Motor jeder Entwicklung?

TG: Die Pandemie wird vermutlich viel Stoff liefern, um Geschichten zu erzählen, die den nüchternen Zahlen Leben einhauchen. Wird der von dir gegründete und ehrenamtlich betreute awsLiteratur Verlag das Thema in einer Anthologie aufgreifen?

Wilfried Abels: Oh, sehr gerne! Das wäre auf jeden Fall ein spannendes Projekt. Allerdings möchte ich an dieser Stelle kurz das Konzept unseres Verlagsprojektes bei Alles wird schön e.V. erläutern. Unser Verlag ist kein klassischer Verlag mit einem speziellen Verlagsprogram, das von einem Leitungskomitee von oben bestimmt wird und dann umsetzt. Wir sind ein Do-It-Yourself Verlag. Bei uns steht der Community Gedanke im Vordergrund, wo wir eine Art Plattform zur Verfügung stellen wollen, auf der sich Autor*innen gegenseitig unterstützen. Unsere Aufgabe sehen wir primär darin, diesen Prozess des gegenseitigen Unterstützens zu koordinieren und Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten.

Wir versuchen, helfend und steuernd Projekte zu begleiten und vor allem technische Unterstützung bei Themen wie Layout, Cover, ISBNummern und Druckvorbereitung zu liefern. Das eigentliche Buchprojekt muss aber von der/dem Autor*in selber geleistet werden. Da wir alle nur ehrenamtlich tätig sind, sind unsere Ressourcen leider sehr begrenzt. Doch wenn sich eine kleine Projekt-Gruppe „Covid-19-Anthologie“ zusammenfinden würde, die gerne so eine Anthologie erstellen möchte und die sich um die Zusammenstellung der Geschichten, das Lektorat und das Korrektorat kümmern würde, dann wäre es uns bei awsLiteratur eine Freude, so ein Projekt heraus zu geben.

TG: Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview – und bleibt gesund!

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