dpa – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 07 Oct 2025 07:55:36 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Rettungsanker gegen Fake News https://www.tiefgang.net/rettungsanker-gegen-fake-news/ Fri, 10 Oct 2025 22:37:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12643 [...]]]> Die Hamburger Medienlandschaft zieht an einem Strang: Im Rathaus wurde der Kampf gegen algorithmischen Irrsinn und Fake News eingeläutet. Kann ein Schulterschluss aus Politik, Redaktion und Bildung die Demokratie in der Ära der Künstlichen Intelligenz retten?

Hamburg hat Anfang Oktober ein politisches Signal mit Wumms gesendet: Im Rathaus versammelte sich die norddeutsche Medienelite zum »Runden Tisch« auf Einladung von Bildungssenatorin Ksenija Bekeris und Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda. Der Anlass ist durchaus ernst: In einer Welt, in der KI-generierte Inhalte und manipulative Feeds die Informationslandschaft fluten, droht jungen Menschen der kritische Kompass abhandenzukommen.

Die Zeit, in der Nachrichten einfach nur aus Zeitung oder Tagesschau kamen, ist längst vorbei. Heute kämpfen klassische, verifizierte Inhalte gegen einen Tsunami an Desinformation – ein Kampf, der auf den Smartphones der Schüler*innen in Hamburg täglich neu entschieden wird. Es geht nicht nur darum, Fakten von Fiktion zu unterscheiden, sondern auch darum, die Logik hinter der algorithmischen Steuerung zu verstehen, die uns alle in Filterblasen fängt.

Der Austausch war insofern ein direkter Angriff auf diese Komplexität. Das Ziel: Die vielen bestehenden Initiativen zur Nachrichten- und Informationskompetenz bündeln, klug vernetzen und so die Schulen strukturell stärken.

Die Dringlichkeit war in den Worten der Senator*innen spürbar. Es geht um nicht weniger als die Fundamente des demokratischen Miteinanders. Mediensenator Brosda verdeutlichte die hohe Messlatte: „Demokratie lebt davon, dass alle Bürgerinnen und Bürger Nachrichten und Informationen verstehen und einordnen können. Gerade in einer zunehmend digitalen und vernetzten Welt.“ Er hob hervor, dass Hamburg als führender Medienstandort bereits starke Initiativen hervorgebracht habe, wie etwa #UseTheNews, die zeigen, wie moderne Medienbildung gelingen kann.

Bildungssenatorin Bekeris zeigte sich begeistert von der Beteiligung: „Ich freue mich daher sehr, dass die Medienakteure der Einladung so zahlreich gefolgt sind und mit ihrer Expertise den Austausch bereichern.“ Sie sieht in dem Treffen einen wichtigen Impuls, der das Thema »Nachrichten- und Informationskompetenz« in die Stadtgesellschaft trage. Die zentrale Frage sei nun, ob Synergieeffekte genutzt werden können, „um diese wichtigen Kompetenzen der Hamburger Schülerinnen und Schüler weiter zu stärken.“

Was diesen Auftakt so bemerkenswert macht, ist die Bandbreite der anwesenden Akteur*innen: Es waren keine Nischenspieler, sondern die Schwergewichte der deutschen Medienlandschaft, die sich im Rathaus versammelten. Von den Nachrichtenagenturen wie der dpa Deutsche Presse-Agentur über öffentlich-rechtliche Anstalten wie dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) bis hin zu den großen Verlagen wie der Bauer Media Group, Gruner+Jahr/Stern und dem Zeitverlag Gerd Bucerius.

Auch lokale Größen wie das Hamburger Abendblatt und die Morgenpost, sowie innovative Ausbildungsstätten wie die Hamburg Media School und das Hans-Bredow-Institut, waren beteiligt. Diese geballte Expertise, die nun gemeinsam mit der Politik prüft, wie man die Verteidigungslinie gegen Desinformation in den Klassenzimmern aufbaut, ist ein starkes und notwendiges Zeichen.

Der Runde Tisch war somit nur der Auftakt. Das eigentliche Werk beginnt jetzt: Die Projekte müssen verzahnt, die Lücken im Bildungsangebot geschlossen und die Schulen dauerhaft mit den Werkzeugen und der Expertise der Medienprofis ausgestattet werden. Denn im digitalen Zeitalter ist Medienkompetenz nicht nur ein Schulfach, sondern die Überlebensstrategie der Demokratie.

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Zum Wert der Medien https://www.tiefgang.net/zum-wert-der-medien/ Fri, 13 Sep 2019 22:23:34 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5746 [...]]]> Mit gleich drei großen Konferenzen ist Hamburg im September internationale Medienhauptstadt und das mit höchst aktuellen Themen. 

Zum einen tagt die Konferenz Global Investigative Journalism Conference (GIJC) 25. bis 29. September. Die GIJC zählt mit rund 1.200 Investigativjournalisten zu den wichtigsten internationalen Journalismus-Tagungen. Sie ist immer wieder Ausgangspunkt für bedeutende grenzüberschreitende Recherchekooperationen. Internationale Experten sprechen unter anderem zu Informations- und Pressefreiheit, Medienrecht, Gründertum und Netzwerksicherheit.

Am 25. September findet dann zudem das Scoopcamp statt. Eine nationale Leitveranstaltung zum Thema „Digitaler Journalismus“, veranstaltet von nextMedia.Hamburg und dpa. Rund 300 Experten, Journalisten und Entwickler diskutieren unter dem Dachthema „New Storytelling“ die Zukunft des Journalismus.

Als Drittes ist dann vom 23. bis 27. September die Innovation Week der International News Media Association (INMA). Zur INMA Innovation Week werden mehrere Hundert Medienentscheider in Hamburg erwartet. Die Veranstaltung ist eine europäische Medienkonferenz, bietet ein lokales Lesersymposium und eine German Media Study Tour.

Abschließend geht es in einer offenen Veranstaltung um den Investigativjournalismus als Lebenselixier der Demokratie.

Investigativjournalismus als Lebenselixier der Demokratie

Freitag, 27.09.2019, 17.00-18.30 Uhr; Gesellschaft, Trostbrücke 4-6, Hamburg

Mit dem Aufdecken von Korruption und kriminellen Machenschaften leisten Journalisten einen wesentlichen Beitrag für das demokratische Gemeinwesen. Ihre Recherchen sind oft aufwändig und gefährlich, die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich vielerorts zusehends – auch in Deutschland. Doch wo der politische und ökonomische Druck auf investigativen Journalismus wächst, gerät auch die demokratische Öffentlichkeit in Gefahr. Anlässlich der „Global Investigative Journalism Conference“ diskutieren namhafte Journalistinnen und Journalisten über aktuelle Herausforderungen und neue Ansätze, diese Arbeit zu schützen und zu stärken. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt!

Die Veranstaltung wird von der Hamburger Behörde für Kultur und Medien organisiert und ist nicht Teil des offiziellen GIJC-Programms.

Anmeldung: Die Teilnahme ist kostenlos. Bitte melden Sie sich online an unter bkm/veranstaltungen

Programm

Keynote: Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien

  • Diskussionsrunde:
    Bastian Obermayer, Süddeutsche Zeitung
    Oliver Schröm, Correctiv
    Pavla Holcova, České centrum pro investigativní žurnalistiku, Tschechien
    Patricia Evangelista, Rappler, Philippinen

Moderator: Adrian Feuerbacher, NDR

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Hamburg wird im September zur internationalen Medienhauptstadt. Zu drei großen Medienkonferenzen werden über 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Stadt erwartet. Erstmals findet die Global Investigative Journalism Conference (GIJC) in Deutschland statt. Zudem wird auf dem Scoopcamp sowie dem Kongress der International News Media Association (INMA) mit Medienvertretern und -vertreterinnen aus der ganzen Welt über die Zukunft der Branche diskutiert. Die Stadt begrüßt die Gäste mit einer stadtweit sichtbaren Kampagne zur Pressefreiheit. Diese wurde von Schülerinnen und Schülern der Hamburg School of Ideas entwickelt. Sie soll die Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt willkommen heißen und bei jungen Hamburgerinnen und Hamburgern ein deutliches Zeichen für die Zukunft unabhängiger Medien setzen.

Weitere Informationen zur Kampagne und die Plakatmotive gibt es hier: www.hamburg.de

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „In der Medienstadt Hamburg wird die Zukunft des Journalismus gedacht und gestaltet. Wir können nicht nur auf eine lange Tradition großer Medienhäuser zurückblicken, sondern sind auch immer schon der Ort gewesen, an dem neue Geschäftsmodelle entwickelt wurden, die die Zukunft der Medien langfristig sichern. Es ist uns eine große Ehre, im September mit Gästen aus der ganzen Welt über die Zukunft freier und kritischer Medien diskutieren zu können. Mit unserer Begleitkampagne wollen wir das Bewusstsein für den Wert der freien Presse fördern. Demokratische Politik ist ohne kritischen, unabhängigen Journalismus nicht vorstellbar.“

Die derzeit bedeutendste internationale Journalismus-Konferenz GIJC ist vom 26. bis 29. September in der HafenCity Universität und beim „Spiegel“ zu Gast. Über 1.000 Journalistinnen und Journalisten aus 130 Ländern tauschen sich in über 150 Workshops und Paneldiskussionen über Themen wie investigative Recherche, Datenjournalismus, grenzüberschreitende Kooperationen und Pressefreiheit aus. Als Rednerin wird unter anderem Maria Ressa erwartet, eine couragierte Enthüllungsjournalistin von den Philippinen und „TIME-Person of the Year 2018“. Ausrichterinnen der GIJC in Hamburg sind die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche, die Hamburger Interlink Academy for International Dialog and Journalism und das Global Investigative Journalism Network.

Julia Stein, Erste Vorsitzende Netzwerk Recherche: „Hamburg bietet vielen kritischen und internationalen Journalisten einen sicheren Hafen. Denn in der Geburtsstadt der freien Presse und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks weht nicht nur ein freier Geist, hier ist die Bereitschaft, Journalismus in seiner Unabhängigkeit anzuerkennen und handfest zu fördern, groß. Als Netzwerk Recherche danken wir der Stadt und allen Partnern, die #GIJC19 zu einem Highlight für Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt zu machen.“

In derselben Woche wie die GIJC finden auch das diesjährige Scoopcamp (25. September) und die Media Innovation Week der International News Media Association (INMA, 23. bis 27. September) statt. Das Scoopcamp ist die Innovationskonferenz für Medien von nextMedia.Hamburg und der dpa. Speaker sind unter anderem die frühere Digitalchefin des Stern, Anita Zielina (City University of New York), Shazna Nessa (Head of Visuals, The Wall Street Journal) und Alan Rusbridger (Lady Margaret Hall, University of Oxford), langjähriger Chef des britischen Guardian und einer der weltweit angesehensten Journalisten.

Auf der INMA tauschen sich führende Medienverantwortliche aus aller Welt aus. Im Zentrum stehen neue Geschäftsmodelle für klassische Nachrichtenmedien. Sprechen werden unter anderem Philipp Westermeyer, Gründer des Online Marketing Rockstars Festival, Christian Röpke, CEO ZEIT Online, und Peter Kropsch, Geschäftsführer der dpa. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz lernen zudem im Rahmen einer „Study Tour“ Medienunternehmen in Hamburg und Berlin kennen, darunter DIE ZEIT, Funke Medien und NOZ Digital.

Die Behörde für Kultur und Medien lädt die Gäste der Konferenzen und alle Interessierten zudem am 27. September von 17 bis 18.30 Uhr zu einer eigenen Diskussionsveranstaltung in die Patriotische Gesellschaft ein. Unter dem Titel „Investigativer Journalismus – Lebenselixier der Demokratie“ hält Senator Dr. Carsten Brosda eine Keynote. Im Anschluss diskutieren Bastian Obermeyer (Süddeutsche Zeitung), Oliver Schröm (Correctiv), Pavla Holcova (Tschechien) und Patricia Evangelista (Rappler, Philippinen).“

Weitere Infos: netzwerkrecherche.org  www.scoopcamp.de inma.org

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