Dr. Jochen Brandt – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 23 Jun 2023 09:06:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Auf den Spuren des alten Rathauses https://www.tiefgang.net/auf-den-spuren-des-alten-rathauses/ Fri, 23 Jun 2023 22:58:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10075 [...]]]> An der Herzkammer Winsens wird gegraben und man erwartet manche Überraschung …

Die Vorbereitungen laufen, die Baustelle ist bezogen: Von Mitte Juni bis November wird das Archäologische Museum Hamburg wieder eine archäologische Ausgrabung im Herzen der Altstadt von Winsen durchführen. Das Grabungsareal liegt auf historisch bedeutsamem Gelände, denn der nördliche Kirchvorplatz birgt ein einzigartiges Bodendenkmal-Ensemble. An dieser Stelle befanden sich seit dem Mittelalter das Rathaus der Stadt und ein städtischer Glockenturm. Darüber hinaus war die Fläche zwischen Kirche und ehemaligem Rathaus bis zum Jahr 1829 mindestens 600 Jahre lang ein Friedhof. Die Archäologen hoffen nun, dem Boden an einem der geschichtsträchtigsten Plätze Winsens seine Geheimnisse entlocken zu können, bevor die Neubebauung des Areals startet: Im Rahmen der Innenstadtsanierung „Winsen 2030“ soll hier zukünftig ein Wasserspiel errichtet werden.

 Eine Reise durch die Schichten: Was hoffen die Archäologen zu finden?

Die Altstadt von Winsen steht in den letzten Monaten wiederholt im Mittelpunkt der Stadtplanung. Aktuell soll der historische Ortskern der mehr als 850 Jahre alten Stadt im Rahmen einer Sanierung modernisiert werden. Dabei ergibt sich für die Archäologen die einmalige Gelegenheit, historisch bedeutsames Gelände zu erforschen. Schon die Voruntersuchungen des Archäologischen Museums Hamburg im März erwiesen sich als Volltreffer: Es wurden historische Mauer- und Fundamentreste sowie Bestattungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert gefunden. „Das Rathaus, der Amtssitz des Stadtrates, stellte eines der zentralen Elemente einer mittelalterlichen Stadt dar. An dieser Stelle Winsens schlug über 700 Jahre lang das Herz der Stadt, und wir erwarten bei unseren Untersuchungen spannende neue Erkenntnisse zu deren Entstehung und Entwicklung“, sagt Dr. Jochen Brandt, Kreisarchäologe am Archäologischen Museum Hamburg. Mit modernster Grabungstechnik legen die Archäologen an dieser Stelle nun systematisch die Überreste des mittelalterlichen Stadtkerns frei. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich rund um den Kirchvorplatz viele Bauschichten übereinander aufgebaut, und der Boden unweit des früheren Rathauses hält für die Wissenschaftler immer wieder neue Überraschungen bereit.

Die Winsener Innenstadt – ein spannendes Geschichtsbuch unter der Erde

Die Grabung in der Altstadt lässt ein bisher unbekanntes Bild der mittelalterlichen Stadt Winsen entstehen, das aus archivalischen Quellen allein nicht zu rekonstruieren wäre. Historische Bausubstanz und schriftliche Überlieferungen vermögen nur einen kleinen Ausschnitt der Lebenswirklichkeit dieser Zeit zu vermitteln, zumal das Winsener Stadtarchiv im 16. Jahrhundert bei einem großen Stadtbrand vernichtet wurde und nur noch wenige Urkunden im Niedersächsischen Staatsarchiv existieren. Auch das erste in historischen Aufzeichnungen erwähnte Rathaus fiel 1585 einem Feuer zum Opfer, wurde anschließend aber wiederaufgebaut und 1627 im Dreißigjährigen Krieg erneut zerstört. 1629 ließ die Stadt ein weiteres Mal ein Fachwerkhaus errichten, das bis 1928 Bestand hatte. Es wurde allerdings schon im Jahr 1895 in seiner Funktion als Rathaus abgelöst und schließlich als Gaststätte und Finanzamt genutzt. Die Ergebnisse der aktuellen Ausgrabung haben für die Erforschung der Stadtgeschichte einen besonderen Wert und gewähren einen völlig neuen Einblick in die Entstehung der Stadtstrukturen.

Im Rahmen der Ausgrabung gibt es noch zwei weitere Areale, die für die Wissenschaftler von besonderem Interesse sind: Direkt neben dem Rathaus hatte ein 1578 erstmals erwähnter städtischer Turm seinen Platz, in dem die Kirchenglocken hingen und der nach Zerstörungen mehrfach erneuert wurde. Dieser Turm hatte eine stolze Höhe von 50 Metern und war damit schon von weitem sichtbar. 1822 fiel er einem Blitzschlag zum Opfer und wurde 1837 abgebrochen. Die Fläche zwischen Kirche und ehemaligem Rathaus wurde außerdem bis 1829, also mindestens 600 Jahre lang, als Friedhof genutzt. Auch hier erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse.

Informationen zur Ausgrabung

Das Archäologische Museum Hamburg führt die Grabung als diejenige wissenschaftliche Institution durch, die im Landkreis Harburg und in den als Denkmalbehörde eigenständigen Städten Winsen (Luhe) und Buchholz in der Nordheide die fachlichen Aufgaben der Bodendenkmalpflege wahrnimmt.

Interessierte können sich über das aktuelle Grabungsgeschehen auf den Social-Media-Kanälen des Archäologischen Museums Hamburg informieren. Hier werden regelmäßig aktuelle Informationen über die Fortschritte auf der Grabungsstelle geboten. Am 10.09.2023, dem Tag des offenen Denkmals, bietet das Archäologische Museum Hamburg mehrere Führungen über das Gelände an.

Weitere Informationen auch unter: www.amh.de

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Auf den Spuren von Missionar Ansgar https://www.tiefgang.net/auf-den-spuren-von-missionar-ansgar/ Sat, 01 Jul 2017 06:15:34 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1488 [...]]]> In Ramelsloh wurden interessante Ausgrabungen beendet. Die Geschichte handelt von Brunnen, Wikingern und auch einem Enterich.

In einer Pressemitteilung des „Archäologisches Museum Hamburg“ vom 27. Jun. 2017 heißt es:

„Mitte Juni 2017 konnte das Archäologische Museum Hamburg eine archäologische Ausgrabung erfolgreich abschließen, die sich u.a. mit den Spuren des Hamburger Missionars Ansgar beschäftigt hat. Die Grabung wurde in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Harburg und der Grabungsfirma ArchON Bock & Höppner auf dem Grundstück einer alten Gärtnerei in Ramelsloh, südlich von Maschen, durchgeführt. Im Rahmen von Abrissarbeiten waren dort archäologische Spuren zu Tage getreten.

Flucht vor Wikingern

Es handelte sich um Baubefunde aus der Zeit des 8./9. Jahrhunderts sowie des 14./15. Jahrhunderts. Zum Abschluss der Grabung konnten die Archäologen noch die sehr gut erhaltenen Reste eines Holzkastenbrunnens freilegen. „Von größtem Interesse sind für uns vor allem die frühen Funde, da hier erstmals die Möglichkeit besteht, archäologisch in die Gründungszeit Ramelslohs vor rund 1200 Jahren vorzudringen“, sagt Kreisarchäologe Dr. Jochen Brandt. Die erste historische Erwähnung Ramelslohs datiert aus dem Jahr 845, als der Hamburger Erzbischof Ansgar vor einem Wikingerangriff aus Hamburg flüchten musste und zeitweilig in Ramelsloh Unterschlupf fand. Etliche der jetzt gefundenen Baustrukturen, darunter auch der Keller eines Hauses, könnten aus dieser Zeit stammen. Die Archäologen werden die Funde nun weiter auswerten. Das Grundstück, auf dem ausgegraben wurde, gehörte zum Stift Ramelsloh und beherbergte über lange Zeit, mindestens seit 1601, eine sogenannte Kurie, das Wohnhaus eines Stiftsangehörigen, das ab 1612 zugleich als Dorfschule diente. „Dass hier überhaupt Bebauungsspuren erhalten geblieben sind, grenzt schon an ein Wunder“, so Brandt, „denn das Grundstück ist in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder überbaut worden.“

Ansgar und sein Enterich

Für Interessierte, die gern mehr über das Verbleiben von Erzbischof Ansgar erfahren möchten, bietet das Archäologische Museum Hamburg zurzeit eine ganz besondere Gelegenheit: Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „DUCKOMENTA – MomEnte der Weltgeschichte“ präsentiert das Museum die Geschichte des Missionars Ansgars mit einem Augenzwinkern. Die DUCKOMENTA-Künstler haben einen Ausflug in die Hamburger Frühgeschichte unternommen und sich mit dem Leben und Wirken des Hamburger Missionars Ansgar sowie dem Wikingerüberfall auf Hamburg von 845 beschäftigt.

Missionar Ansgar samt Rimduck. (Foto: InterDUCK)

Das Ergebnis ist als Exponat in der Ausstellung zu sehen: „Ansgar war weit über die Grenzen des fränkischen Reichs dafür bekannt, immer in Begleitung seines Enterichs Rimduck zu reisen. Als die Wikinger 845 Hammaburg überfielen, plünderten und niederbrannten, entkamen Ansgar und Rimduck nur knapp. Während Ansgar schließlich nach Bremen floh, zog seine Ente sich als Einsiedler auf eine Elbinsel zurück. Noch heute erinnert der Name „Entenwerder“ an diesen besonderen Bewohner vor fast 1200 Jahren. Ein mittelalterlicher Künstler hat diese außergewöhnliche Freundschaft zwischen Ansgar und Rimduck ausdrucksstark auf einer gotischen Bildtafel um 1457 festgehalten“, so der Kurator der Ausstellung, Dr. Michael Merkel. Die Ausstellung bietet neben den amüsanten Kunstwerken auch ein vielfältiges Mitmachprogramm rund um die Welt der Enten.“

Weitere Informationen unter duckomenta.com und amh.de.

Informationen zum Ausstellungsbesuch: Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 17 Jahren frei

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10.00 -17.00 Uhr

Ort: Archäologisches Museum Hamburg, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg und Archäologische Ausstellung, Harburger Rathausplatz 5, 21073 Hamburg Die Sonderausstellung ´Duckomenta` läuft noch bis 4. Februar 2018.

Hierzu auch: tiefgang.net

(27. Jun. 2017, TG)

 

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