Emad Hashem – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 26 Sep 2017 13:33:39 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Kunst und Harburg verbindet https://www.tiefgang.net/kunst-und-harburg-verbindet/ Sat, 05 Aug 2017 06:26:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1644 [...]]]> Die Gegenwart ist die Vergangenheit der Zukunft. Was können wir heute tun für ein friedliches Miteinander in Harburg? Ein Projekt will nun eine künstlerische Antwort geben …

Die Frage nach dem friedlichen Miteinander will nun das Projekt „Wir sind Harburg“ beantworten. Initiatorin: die Künstlerin Ulrike Hinrichs (siehe auch: Das Recht auf Kunst und Perspektiven und Willkommen bei den Fischköppen und Von der Integration zur Transklusion).

Unter dem Motto ´Bürger erobern ihre Stadt!` wird mit Pinseln, Stift und Kamera gearbeitet. „Unter diesem Motto fotografieren, malen und schreiben wir – Alt- und Neu-Harburger, Geflüchtete, Freunde, Gäste und Fans von Harburg – unsere Stadt. Wir verbinden uns nach außen sichtbar mit einem Logo „Wir Sind Harburg“. Unsere Bilder, die in einem Harburg-Blog veröffentlicht werden,  bringen unseren Stadtteil noch mehr zum Glänzen. Und wir wollen ein Harburg-Buch gestalten mit unseren  Bildern und Ideen dazu.“, so Hinrichs enthusiastisch zum Projekt. „Wir malen Bilder von unserem Harburg: unsere Lieblingsplätze,  bedeutende Orte, Skizzen aus dem Alltag, schöne Gebäude und spannende Gegenden.“

Harburg sei ja eh ein Stadtteil, in dem Menschen aus den verschiedensten Regionen dieser Welt friedlich zusammenleben. In den letzten Jahren seien zudem viele Geflüchtete in den Bezirk zugewandert. Und so begreifen die Projektler Harburg als Gemeinschaft, die sich in Offenheit, Wertschätzung und gegenseitigem Respekt begegnet. „Wir sehen diese Vielfalt als Chance und Bereicherung. Mit dem künstlerischen Projekt „Wir sind Harburg“ wollen wir diese Vielfalt zwischen den Kulturen und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Harburger noch weiter stärken.“

Das Projekt zielt dabei auf eine Interaktion von verschiedenen Menschen in einer kulturell bunten Gesellschaft. Das gemeinsame künstlerische Schaffen zum Thema Harburg unterstützt den (interkulturellen) Dialog und die Verbindung in der Gemeinschaft. Das künstlerische Schaffen vor allem ermöglicht Begegnungen, die mühelos Sprachbarrieren aufheben und auf Gemeinsamkeiten setzen, statt Unterschiede hervorzuheben. Menschen begegnen sich auf Augenhöhe. Das gemeinschaftliche künstlerische Schaffen zu Motiven in der Umgebung verbindet Menschen untereinander und mit ihrem Stadtteil. Neu-Harburger (insbesondere Geflüchtete) werden in den Bezirk eingebunden. Die Veröffentlichung in einem ´Harburg-Blog` soll zudem die Verbindung untereinander stärken und für alle Beteiligten eine Aufwertung ihrer Kunstwerke schaffen. Als Multiplikator der Idee. Und es steht auch schon fest, dass in der Haspa-Filiale am Sand eine Folgeausstellung kommen wird.

Veranstaltungen: Zur Vorbereitung der Bilder macht „Wir sind Harburg“ Stadtwanderungen  und Kunst-Workshops. Auf den Stadtwanderungen werden Motive fotografiert, die dann künstlerisch umgesetzt werden. Wer Lust hat kann auch Skizzen und Bilder unterwegs fertigen  (Urban Sketching) und die Gruppe künstlerisch unterstützen. Die Künstlergruppe für Flüchtlinge wird das Projekt parallel begleiten. Die Künstlergruppe besteht aus Laien und Profis, wie etwa Emad Hashem, der in Syrien eine Kunstprofessur inne hatte.

Der Harburger Binnenhafen, gemalt von Mehdi Ghorbani

Termine: Sonntag 13.8.2017 / Samstag 26.8.2017 / Samstag 9.9.2017

  •  Sonntag 13.8 um 13 Uhr auf dem Harburger Rathausplatz. Wir erobern Harburg und malen unsere Stadt, bei gutem Wetter draußen (sonst im Atelier im Binnenhafen)
  • Samstag 26.8.  „Auf den Spuren der Vergangenheit“ Historische Führung von Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Stadtmuseum Harburg Helms-Museum (AMH). Wir treffen uns um (voraussichtlich 12 Uhr) vor dem Harburger Schloss, An der Horeburg 8, 21079 Hamburg (Schlossinsel im Harburger Binnenhafen).
  • Samstag 09.09.2017 Stadtwanderung: Besondere Orte in Harburg, Treffen 13 Uhr an der Außenmühle, am Bootshaus Gotthelfweg 2a · 21077 Hamburg

Gestaltung der Kunstwerke bei schönem Wetter draußen / unterwegs oder in der MSH Medical School Hamburg, Department Kunst, Gesellschaft & Gesundheit im  Harburger Binnenhafen und Recherche zu den Häusern und Denkmählern, für kleine Textanmerkungen im Blog

Wöchentlich trifft sich die Künstlergruppe für Flüchtlinge und begleitet das Projekt parallel künstlerisch, www.heimat-harburg.de

 

 

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Das Recht auf Kunst und Perspektiven https://www.tiefgang.net/das-recht-auf-kunst-und-perspektiven/ Sat, 08 Jul 2017 07:00:26 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1410 [...]]]> Am 4. Nov. 2017 ist wieder Harburger Kulturtag. Wir wollen Euch ein paar der teilnehmenden Künstler*innen mal persönlicher vorstellen. Heute: Ulrike Hinrichs und das Projekt „Wir sind Harburg“.

Sie studierte Jura, wurde von der Kunst gebannt und von Harburg angezogen. Nun stellt sie beim 14. Harburger Kulturtag wieder aus. Und nicht allein, denn „Wir sind Harburg!“: Ulrike Hinrichs.

Tiefgang (TG): Am 4. November 2017 findet zum 14. Male der Harburger Kulturtag statt. Auch dabei die Ausstellung bzw. das Kunstprojekt „Wir sind Harburg – Bürger malen ihre Stadt“. Was hat es mit Ihnen und dem Projekt auf sich?

Ulrike Hinrichs: Das Projekt ´Wir sind Harburg` ist ein künstlerisch-kulturelles Integrationsprojekt. Ich leite seit 2015 die von mir initiierte Künstlergruppe für Flüchtlinge ´Heimat Harburg` (www.heimat-harburg.de). In der Gruppe sind auch Profis, wie Emad Hashem, der in Syrien eine Kunstprofessur innehatte. Diese Gruppe hat mir gezeigt, wie verbindend das gemeinsame künstlerische Schaffen sein kann, auch teilweise ohne gemeinsame Sprache. Auch unsere Ausstellungen haben in Harburg viel Aufmerksamkeit erlangt, zum Beispiel auf dem letzten Harburger Kulturtag. Da ist mir die Idee gekommen, dass auf alle Harburger auszuweiten und ein Kunstprojekt zu starten mit einer Hommage an Harburg, einem Stadtteil, der ja in der feinen Hamburger City oft als Bronx gesehen wird.

Ich sehe Harburg heute ganz anders oder vielleicht gefällt mir dieses Image heute auch. Ich habe lange in Berlin gelebt und bei meiner Rückkehr nach Hamburg war mir der hippe Norden zu hochglanzpoliert. Harburg dagegen ist in Bewegung. Da passieren spannende Dinge, es entwickelt sich Neues, wie zum Beispiel im Harburger Binnenhafen.

Harburgs Tubist von Emad Hashem.

 

TG: Was erwartet den Besucher?

Hinrichs: Unser Projekt ist für Harburger Künstler, kunstinteressierte Anwohner und Zugezogene, insbesondere auch geflüchtete Künstler. Wir malen unsere Stadt: Lieblingsplätze, Denkmale, besondere Orte und historische Plätze.

Der Harburger Tubist von Haji abdulkhader Gazi (Syrien).

Mit dem Projekt knüpfen wir an das Harburger Leitbild Zusammenleben in Vielfalt an. Harburg ist ein Stadtteil in dem Menschen aus den verschiedensten Regionen dieser Welt friedlich zusammenleben. Wir begreifen uns in Harburg als Gemeinschaft, die sich in Offenheit, Wertschätzung und gegenseitigem Respekt begegnet. Mit dem künstlerischen Projekt ´Wir sind Harburg` wollen wir diese Vielfalt zwischen den Kulturen und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Harburger noch weiter stärken. Das gemeinsame künstlerische Schaffen zum Thema Harburg unterstützt den – auch interkulturellen – Dialog und die Verbindung in der Gemeinschaft. Das gemeinschaftliche künstlerische Schaffen zu Motiven in der Umgebung verbindet Menschen untereinander und mit ihrem Stadtteil. Neu-Harburger – insbesondere Geflüchtete – werden in den Bezirk eingebunden.

Den Besucher erwartet in der Ausstellung eine spannende Vielfalt an Kunst von ganz unterschiedlichen Künstlern. Das gemeinsame Thema ist Harburg.

TG: Beim Harburger Kulturtag schon mal dabei gewesen? Wie gefällt er?

Hinrichs: Ich habe selbst schon zwei Mal auf dem Kulturtag ausgestellt und im letzten Jahr mit der Künstlergruppe für Flüchtlinge. Es ist wirklich viel los auf dem Kulturtag. Viel Bewegung, viele verschiedene Menschen. Mir gefällt auch die Idee des Kulturtages, für einen Tag die Kunst in Geschäften in den Vordergrund zu stellen. 2015 habe ich z.B. im Mieterverein ausgestellt, genau dort, wo ich einmal in der Woche berate.

TG: Was ist das Besondere an den Werken? Ihre Technik, Ihre Idee, Ihre Ausdruckskraft?

Hinrichs: Das wirklich Besondere ist aus meiner Sicht die Vielfalt an Kunst von ganz unterschiedlichen Künstlern, auch Geflüchteten, die die Stadt vielleicht nochmal ganz anders sehen oder eben auch nicht. Das gemeinsame und verbindende Thema ist Harburg. Mich interessieren an dem Projekt die verschiedenen Perspektiven zu Harburg. Orte und Objekte werden von verschiedenen Künstlern, auch Geflüchteten, aus verschiedenen Blickwinkeln gemalt, wie beispielsweise der Tuba-Bläser auf dem Harburger Rathausplatz, den wir in der Künstlergruppe für Flüchtlinge gemalt haben.

TG: Wie sind Sie persönlich zur Kunst gekommen?

Hinrichs: Ich habe schon als Kind mit Leidenschaft gemalt, hatte Kunst Leistungskurs und wollte eigentlich auch Kunst studieren. Dann bin ich leider falsch abgebogen auf dem Lebensweg. Eines der sehr wenigen Dinge im Leben, die ich heute noch bereue. Also liebe LeserInnen, folgen sie bei der Berufswahl ihrer Leidenschaft!

TG: Gibt es bevorzugte Techniken, Materialen in der eigenen Kunst?

Hinrichs: Ich arbeite hauptsächlich skulptural, mit Holz und in jüngster Zeit mit Pappmachee aus altem Büropapierschredder. Dabei verwende ich auch alte Haushaltsflaschen als Grundlage und verarbeite auch Fundstücke in den Figuren. www.aufdemsofa.com

TG: Gibt es eigentliche ein eigenes Atelier, eigene Räume, in denen die eigenen Arbeiten regelmäßig zu sehen sind?

Hinrichs: Nein. Ein eigenes Atelier wäre mein Traum.

TG: Sie arbeiten auch als Anwältin und Kunsttherapeutin. Sind das nur scheinbar krasse Gegensätze?

Hinrichs: Ja und nein. Auf den ersten Blick mag das nicht zusammen passen und in gewisser Weise stimmt das auch. Aber man muss das Ganze differenziert betrachten.

In der Rechtsberatung haben die Menschen vorrangig erst einmal einen oft hoch eskalierten Konflikt, den sie lösen wollen. Das erfordert oft mehr Seelenbeistand als die Rechtsberatung selbst, auch wenn man das in seinem Jurastudium natürlich nicht beigebracht bekommt.

Gleichzeitig ist das Recht auch Ausdruck eines Wertesystems in unserer Gesellschaft. Das wird ja auch gerade heute wieder viel diskutiert. Insofern gibt die Rechtslage bei der Lösung eines Konfliktes quasi eine gerechte Richtung vor, an der man sich orientieren kann.

Ich arbeite aber heute nur noch als außergerichtlich anwaltliche Mediatorin und für den Mieterverein zu Hamburg. Gerichtliche Auseinandersetzungen sind für alle Beteiligten sehr undankbar. Ich habe daher früh begonnen, mich im psycho-sozialen Bereich weiterzubilden, als Mediatorin, Coach und dann auch als Kunsttherapeutin.

Könnte ich die Lebensuhr nochmal zurückstellen, dann würde ich aber gleich Kunsttherapie studieren. Ich bin fasziniert von der Kunst als Sprache der Intuition. Dazu schreibe ich auch gerade mit einem Kollegen ein Fachbuch, das in Kürze erscheint.

Ulrike Hinrichs samt ´Luzifer`.

TG: Vielen Dank für das erkenntnisreiche Gespräch.

Die Ausstellung ist im Rathaus zu sehen und läuft auch nach dem Harburger Kulturtag (4. Nov.) noch bis zum 23.11.2017 und ist auch Teil der Harburger Gedenktage.

(Das Interview für ´Tiefgang` führte Heiko Langanke)

 

 

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Willkommen bei den Fischköppen! https://www.tiefgang.net/willkommen-bei-den-fischkoeppen/ Sat, 24 Jun 2017 06:00:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1344 [...]]]> Eine Ausstellung nur mit Fischköppen? Das könnte zum Himmel stinken. Das Gegenteil aber ist der Fall. Und lecker wird´s auch.

„Die Heimat ist nicht das Land – sie ist die Gemeinschaft der Gefühle“ sagte mal der schottische Lyriker Ian Hamilton Finlay. Und dieses Motto hat sich die Künstler*innengruppe „Heimat Harburg“ zu Herzen genommen und was kam dabei heraus? Jede Menge Fischköppe. Und welcher Ort wäre passender, um die Werke zu zeigen? Klar, die neue, alte Fischhalle im Hafen Harburg.

Ein Herz für Fischköppe: Künstler Zeinab Alipour

Die Ausstellung der Gruppe „Heimat Harburg“ wird am Sonntag, 2. Juli 2017 um 12 Uhr eröffnet und ist dann bis zum 30.7. dort zu sehen.

Die Künstlergruppe selbst trifft sich einmal wöchentlich auf dem Wohnschiff „Transit“ im Salon 3 und mit Blick aufs Wasser des Harburger Hafens. Nun werden die Arbeiten dieser Gruppe in der wenige Meter entfernt liegenden Fischhalle der Öffentlichkeit präsentiert. Zur Vernissage am 2. Juli 2017 ab 12 Uhr gibt es zudem Fingerfood von Geflüchteten und auch das gemeinsam erstellte Kochbuch „Kleine Weltküche“ (siehe auch unter unseren Buch-Besprechungen) wird so vorgestellt – kulinarisch und zum Mitnehmen.

„Alle reden von Integration, wir leben sie“, ist das Motto einer Künstlergruppe um Initiatorin Ulrike Hinrichs. Nun ist zu sehen, was sie damit meinen: in einer Ausstellung eben von „Fischköppen“.

Hinrichs weiter: „Wir unterstützen einander, malen gemeinsam, lernen voneinander, entwickeln uns. Alle sind willkommen in der Künstlergruppe für Flüchtlinge.“ Profis etwa wie Emad Hashem, der an der Universität in Syriens Hauptstadt Damaskus eine Kunstprofessur inne hatte oder kleine Künstlerinnen wie die elfjährige Samera, ebenfalls aus Syrien, die Spaß am Malen hat. „Wir freuen uns, dass Emad Hashem nun auch Kunstkurse für uns anbietet“, so Hinrichs.

Fish´n´tips: auch als Postkarte erhältlich.

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Zum Projekt „Heimat Harburg“: heimat-harburg.de

Zur Fischhalle: fischhalle-harburg.de

Die Ausstellung ist vom So., 2. Juli bis zum So., 30. Juli 2017 in der Fischhalle Harburg, Kanalplatz 12, 21079 Hamburg zu sehen.

(14. Jun. 2017, hl)

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