Fake News https://www.tiefgang.net Tue, 13 Jun 2023 13:42:11 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Vertrauen in Medien stabil https://www.tiefgang.net/vertrauen-in-medien-stabil/ Fri, 16 Jun 2023 22:34:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10040 [...]]]> Lügenpresse, Fake-News … in den letzten Jahren wurde viel über Medien diskutiert und gestritten. Eine Studie belegt nun aber, dass das Vetrauen schon noch da ist …

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat exklusiv in der Schriftenreihe die Mainzer Langzeitstudie zum Medienvertrauen in Deutschland veröffentlicht. Der Band kann bestellt werden unter www.bpb.de/520602.

In den vergangenen Jahren wurde vermehrt darüber diskutiert, ob und in welchem Ausmaß das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in mediale Berichterstattungen abgenommen hat. Begriffe wie „Lügenpresse“, grassierende Falschinformationen und die von vielen Beobachtern festgestellte gesellschaftliche Polarisierung verleiten zu dem Schluss, dass das Vertrauen in die etablierten Medien gesunken sein müsse. Aber lässt sich dies auch empirisch feststellen?

Die Mainzer Langzeitstudie zum Medienvertrauen hat über mehrere Jahre hinweg Daten erhoben und ausgewertet. Ihre Ergebnisse und Schlüsse zeichnen erstmals ein systematisches, auf repräsentativen Meinungsumfragen basierendes Stimmungsbild zur Einstellung der deutschen Bevölkerung zum Mediensystem und zur Berichterstattung für die Jahre 2015 bis 2020. Das Buch legt auch die Grundlagen der medialen Vertrauensforschung dar und ordnet die Befunde ein, die auch in über 60 Grafiken und Tabellen aufbereitet werden.

So lässt sich über den behandelten Zeitraum hinweg feststellen, dass das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Medien stabil geblieben ist und im ersten Jahr der Coronapandemie sogar nochmal deutlich angestiegen ist. Eine Haupterkenntnis der repräsentativen Langzeitbefragung: Am Ende des Jahres 2020 stimmten 56 Prozent der Befragten der Aussage zu: „Wenn es um wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale und Krisen – kann man den Medien vertrauen.“ Am meisten Vertrauen genossen dabei öffentlich-rechtliche Medien und Lokalzeitungen, Nachrichten auf Social Media-Plattformen erhielten hingegen die niedrigsten Vertrauenswerte.

Eine flächendeckende Erosion des Medienvertrauens zeigt sich in Deutschland keineswegs, dennoch geben einige Befunde auch Anlass zur genaueren Beobachtung. So spiegelt sich die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung über die Jahre hinweg auch in der Verfestigung der Kluft zwischen denjenigen, die den Medien grundsätzlich Vertrauen entgegenbringen und denjenigen mit medienzynischen Einstellungen, die den Medien in jeglicher Hinsicht misstrauen. Es zeigte sich auch, dass Menschen, die ein hohes Vertrauen in andere Institutionen des demokratischen Rechtsstaats haben, eindeutig auch zu einem höheren Medienvertrauen tendieren. Soziodemografische Merkmale spielten hingegen eine untergeordnete Rolle für das Medienvertrauen. Als viel wichtiger stellten sich politisch-weltanschauliche Einstellungsmuster, etwa die Zustimmung zu Verschwörungserzählungen, heraus.

Die Autorinnen und Autoren leiten aus den Forschungsergebnissen Vorschläge ab, wie das Medienvertrauen künftig gestärkt beziehungsweise zurückgewonnen werden kann. Dazu gehören Transparenz und Selbstkritik, aber auch die Stärkung und Förderung von Medienvielfalt und Medienbildung.

Die langfristig angelegte Studie zum Medienvertrauen basiert auf mehr als einem Jahrzehnt kommunikationswissenschaftlicher Vertrauensforschung am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Mittelpunkt stehen repräsentative Befragungen, die die Entwicklungen, Ursachen und Folgen des Vertrauens erheben. Die Durchführung der Studie wird seit 2022 von der bpb unterstützt.

Der Band, 204 Seiten und verfasst Nikolaus Jackob, Tanjev Schultz, Ilka Jakobs, Oliver Quiring, Christian Schemer, Marc Ziegele und Christina Viehmann, ist für eine Bereitstellungspauschale von 4,50 € exklusiv bei der bpb erhältlich: www.bpb.de/520602.

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Denken zu wissen, was glaubwürdig ist https://www.tiefgang.net/denken-zu-wissen-was-glaubwuerdig-ist/ Sat, 29 Apr 2017 06:00:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=960 [...]]]> Eine gute Berichterstattung ist in einer zivilisierten Gesellschaft unerlässlich. Allein was ist gut? Ausgerechnet Facebook gibt nun Nachhilfeunterricht und zeigt, wie groß das Dilemma ist.

Unsere Republik ist „nervös“, wie ein Fernsehbeitrag von Stephan Lamby zuletzt in der ARD titulierte. Und es ging ganz wesentlich um das Spannungsfeld von Politik, Wahlen, Populismus, Aufmerksamkeit und Berichterstattung. Wie es zu lösen ist, konnte auch dieser Beitrag nicht aufzeigen. Wohl aber, dass das Verständnis von Berichterstattung nicht wirklich vertieft oder überhaupt vorhanden ist. Die Medien als sogenannte ´vierte Gewalt` der Demokratie? Oder doch nur Lügenpresse? Aber was ist denn ´Lügenpresse` eigentlich? Alles mächtig durcheinander gekommen …

Und dann: ich dachte, ich traue meinen Augen nicht, als nun ausgerechnet beim Start ins Soziale Medium „Facebook“ mir unübersehbar das Thema „Tipps zum Erkennen von Falschmeldungen“ auf den Bildschirm schob.

Facebook weiß das? Warum hat Facebook überhaupt Interesse daran, mir dieses Wissen weiterzugeben? Denn wer sonst profitiert derart stark von Meldungen aller Art? Und nicht nur den schönen und wahren. Hauptsache jeder Nutzer macht Alarm in seinem Fratzenbuch.

Gerade die Symbiose von Text-Mitteilung und Bild, die eben auch dazu führt, dass selbstgebaute Grafiken samt Meldung oder Kommentar zum Lacher, Hingucker und so ein Stück weit zur „Wahrheit“ im Sinne von Wahrnehmung werden, sind ja ganz erheblich von Zuckerbergs Online-Dienst zum gesellschaftlichen Ereignis geworden. Und hat nicht eben Facebook damit erst dazu beigetragen, dass wir kaum mehr wissen, was real oder nur gefaked ist?

Und so lese ich „Wir möchten die Verbreitung von Falschmeldungen auf Facebook unterbinden. Erfahre mehr über das, was wir hier machen.“ Cool. Daumen hoch!

Selbstgebaute Illustration auf Facebook (Grafik debeste)

Und es kommt noch besser: es folgt ein 10-Punkte-Katalog, woran ich als Facebook-Nutzer Falschmeldungen erkenne. Was ist richtig, was ist falsch? Eine Frage, die hunderte von Jahren ganze philosophische Fakultäten ergebnislos beschäftigte – Facebook kriegt´s hin! Da kommt Spannung auf!

Also lesen wir mal …:

 „1. Lies Überschriften kritisch. Falschmeldungen haben häufig reißerische Überschriften in Großbuchstaben und mit Ausrufezeichen. Wenn schockierende Behauptungen in der Überschrift unglaubwürdig klingen, sind sie es vermutlich auch.“

Großbuchstaben und Ausrufezeichen – klare Sache. Die BILD! Ist also Lügenpresse! Im Grunde die ganze „Boulevard-Presse“. Gut zu wissen. Noch besser aber, dass unglaubwürdige und schockierende Behauptungen es „vermutlich“ auch sind. Spricht jetzt irgendwie für sich selbst, oder?

„2. Sieh dir die URL genau an. Eine unechte oder nachahmende URL kann ein Hinweis auf Falschmeldungen sein. Viele Seiten mit Falschmeldungen ahmen echte Nachrichtenquellen nach, indem sie minimale Änderungen an der URL vornehmen. Du kannst die Seite aufrufen, um die URL mit etablierten Quellen zu vergleichen.“

Mhh. URL steht genau genommen für „uniform resource identifier“ und die dienen dazu, websites anzusteuern. Eine echte url ist also www.bild.de ebenso wie www.sued-kultur.de als auch www.facebook.de. Denn sie steuert eben diese Seite auch an. Mit dem, was in den Webseiten zu finden ist, hat es rein technisch und funktional nichts zu tun. Wenn ich also auf Facebook bemerke, dass Facebook gar nicht Facebook sondern „Bild“ ist, dann ist dies eine richtige Falschmeldung – aber eben auf der richtigen url von Facebook und auch deren richtiger website. Nun also sogar richtig, richtig falsch?!?

„3. Überprüfe die Quelle. Stelle sicher, dass die Meldung von einer Quelle stammt, der du vertraust, und die für ihre Glaubwürdigkeit bekannt ist. Wenn die Meldung von einer unbekannten Organisation stammt, überprüfe den Abschnitt „Info“, um mehr zu erfahren.“

Wieder so ein Dilemma. ´Sicher stellen, ob ich vertrauen kann`. Gepaart mit konkreten Definitionen von ´bekannt` oder ´unbekannt`. Sehr hilfreich. Da hat Facebook es gerade geschafft, dass wir uns von den analogen Beziehungen trennen und mit hunderten von sich selbst sympathisch darstellenden Digital-Friends befreunden, da soll ich doch lieber das altbekannte bevorzugen? Das noch größere Problem aber: ich kenne ja nicht mal die Verfassenden dieses Textes. Kann ich denn denen dann überhaupt trauen?

Und so geht es in einem fort …

„4. Achte auf ungewöhnliche Formatierungen. Viele Seiten mit Falschmeldungen enthalten Tippfehler oder seltsame Layouts. Lies mit Vorsicht, wenn du so etwas bemerkst.“

Achtung. Aufpassen. Meine neue Tastatur hat Lügenpresse-Potenzial! Und bitte: mit Vorsicht lesen! Ist das so wie „einen Text zu überfliegen“?!?  Wo man das lernt, sagen sie nicht.

„5. Sieh dir Fotos genau an. Falschmeldungen enthalten häufig manipulierte Bilder oder Videos. Manchmal ist das Foto echt, wurde jedoch aus dem Kontext gerissen. Du kannst nach dem Foto oder Bild suchen, um zu überprüfen, woher es stammt.

6. Überprüfe die Datumsangaben. Falschmeldungen können chronologisch unlogisch sein sowie geänderte Datumsangaben von Ereignissen enthalten.

7. Überprüfe die Beweise. Sieh dir die Quellen des Autors genau an. Mangelnde Beweise oder der Verweis auf ungenannte Experten können ein Hinweis auf eine Falschmeldung sein.

8. Sieh dir die URL genau an. Wenn keine andere Nachrichtenquelle dieselbe Meldung veröffentlicht, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Meldung falsch ist. Wenn die Meldung von mehreren vertrauenswürdigen Quellen veröffentlicht wird, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie wahr ist.

9. Ist die Meldung ein Scherz? Manchmal ist es schwierig, Falschmeldungen von Humor und Satire zu unterscheiden. Überprüfe, ob die Quelle für Parodien bekannt ist und ob die in der Meldung enthaltenen Details und ihr Ton darauf hindeuten, dass es sich lediglich um einen Scherz handelt.

10. Einige Meldungen sind bewusst falsch. Denke kritisch über die Meldungen nach, die du liest, und teile nur Neuigkeiten, von denen du weißt, dass sie glaubwürdig sind.“

Falls jetzt noch wach – Achtung: der letzte Satz war echt gut: „Denke kritisch über die Meldungen nach, die du liest, und teile nur Neuigkeiten, von denen du weißt, dass sie glaubwürdig sind.“

„Denken – kritisch – wissen, was glaubwürdig ist.“

Das Wort „Begriff“ stammt ja irgendwie doch von ´Begreifen`. Vielleicht sollte Marc Zuckerberg mit seinen Leute doch mal ´in Klausur` gehen. Oder einfach abschalten.

P.S.: Sollte der ein oder andere Lesende in Schulunterricht involviert sein und Lust bekommen haben, den 10-Punkte-Plan dort mal im Klassenverbund weiter auf die richtige oder unglaubwürdige Benutzung von Begrifflichkeiten hin untersuchen zu wollen – teilt uns gerne die Fundstücke und die gewonnene Erkenntnis mit.

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