Flüchtlinge https://www.tiefgang.net Sat, 31 Oct 2020 10:25:14 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Das neue Leben https://www.tiefgang.net/das-neue-leben/ Fri, 16 Nov 2018 23:49:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4494 [...]]]> Hundertausende Flüchtlinge kamen auch nach Deutschland. So einfach wir sie „Flüchtlinge“ nennen können, so wenig wird es ihren eigenen Biografien gerecht. Der Film „Newcomers“ schärft den Blick fürs Individuelle und ist bald in Harburg zu sehen.

Flüchtlinge – das assoziiert oft Menschenmassen, Armut, Sprachprobleme und Andersartigkeit. Ma´an Mouslli stammt aus Syrien, wo er IT-Manager war. Auch er kam nach Deutschland, lernte die deutsche Sprache und begann sich dem Filmgenre zu widmen. Sein Sujet: Flüchtlinge wie er. Aber mit Persönlichkeit, eigener Geschichte und eigenem Gesicht. Es entstand der Film „Newcomers“ und gibt einen faszinierenden und berührenden Einblick in die Individuen hinter dem pauschalen Terminus vom „Flüchtling“. Der Film wird nun am Freitag, den 07. Dezember um 20 Uhr im Projekt „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ in der leerstehenden Harburger Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße 44 gezeigt. Und der Filmemacher wird selbst dabei sein und ins Gespräch mit dem Publikum bringen.

Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Newcomers“ ist kein nüchterner Dokumentarfilm. Sondern einer, der jenen ein Gesicht und eine Stimme gibt, die aus der Not Zuflucht bei uns suchen. Wie fühlt es sich für sie an, in einem Land zu leben, das schwankt zwischen Angst und Hilfsbereitschaft, zwischen mitfühlendem Verständnis und Neofaschismus? Was bedeutet es, „Flüchtling“ zu sein? Um diese Frage zu beantworten hatte sich ein interdisziplinär zusammengesetztes Filmteam aus Geflüchteten und Einheimischen auf eine Reise quer durch Deutschland gemacht. Das Team setzte sich zusammen aus überwiegend ehrenamtlich engagierten Menschen, die länger und kürzer in Deutschland leben, teils noch studieren, teils im Berufsleben stehen, einige mit mehr, andere mit weniger Erfahrung in der Film- und Medienbranche. Jeder „Flüchtling“ eine eigene Biographie, eigener Lebensweg, eigenes Empfinden.

In 29 Interviews erzählen die geflüchtete Menschen vom Tragischen, aber auch vom Schönen und Hoffnungsvollen: Von Verfolgung, Krieg und den Umständen der Flucht, aber auch von Träumen und Kindheitserinnerungen, vom stetigen Kampf für Freiheit und Würde.

Das Portal programmkino.de: „Mouslli weiß genau, wie viel er den Zuschauern zumuten kann. Und er arbeitet geschickt mit Kontrasten, sodass jede Geschichte wieder neu die Neugier weckt und sie sich alle zu einer Essenz der Flüchtlingserfahrung verdichten.“

Darüber, wie schwierig die Reisen nach Deutschland waren, wird so gut wie nichts erzählt. Für Mouslli sind diese abenteuerlichen Geschichten, über die andere so gern berichten, nicht wichtig. Stattdessen erzählen seine Protagonisten von ihrem neuen Leben in Deutschland.“

„Newcomers“ ist das bereits dritte Regie-Werk des in Osnabrück lebenden syrischen Regisseurs Ma’an Mouslli. Mit der Dokumentation „Shakespeare in Zaatari” über geflüchtete Kinder im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari gewann er 2016 schon den Preis „Bester Film Non Professional“ beim Film Festival Cologne. „Shakespeare in Zaatari“ sorgte auch international für Aufsehen: Er lief unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes, dem Los Angeles CineFest, dem Human Rights Film Festival Barcelona, dem International Scandinavian Film Festival und dem Roma Cinema Doc. (Quelle: Pressetext newcomers.de)

In einer AG des Osnabrücker Zentrums für Flüchtlinge „Exil“ traf er dann dessen Geschäftsführerin Sara Höweler, mit der er zusammen dann das Konzept von „Newcomers“ entwickelte. Ohne Erfahrungen und ohne Förderung. Und da es ja auch kein kommerzielles Projekt sein sollte, war und ist, beteiligten sich dennoch zahlreiche Stiftungen und Firmen an der Finanzierung, sodass schließlich ein Budget von 130.000 Euro aufgebracht wurde.

In Harburg unterstützt die steg Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH die Vorführung im Quartier, weil der Film einen Beitrag leisten kann, indem er zum Hinsehen, Zuhören und Einfühlen auffordert. Zuschauer werden statt des Fremden den Mitmenschen sehen.

Fr., 7. Dez., 20h: Newcomers, Deutschland 2018. Regie: Ma’an Mouslli, 63 Min., ab 12 J., die Vorführung ist kostenlos. Einlass ab 19.30 Uhr. Ort: 3falt, Neue Straße 44, 21073 Hamburg

Weiterführender Link: ´Tiefgang` vom 30. Jun. 2018: „Hört doch mal einfach zu!“

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Hört doch mal einfach zu! https://www.tiefgang.net/hoert-doch-mal-einfach-zu/ Fri, 29 Jun 2018 22:15:44 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3808 [...]]]> Über Flüchtlinge reden wir viel. Vor allem über den Umgang mit ihnen. Dabei geht uns der Sinn für die einzelnen Menschen verloren. Ein Film wirkt hier wie ein Weckruf.

Am Mittwoch, den 4. Juli um 19.00 Uhr zeigt das Kulturhaus-Kino im Kulturhaus Süderelbe, Am Johannisland 2, 21147 Hamburg, den Film ‚Newcomers‘ von Ma’an Mouslli. Und der Film hat mehr auch lokalen Charakter: denn viele der Interviews in dem Film wurden mit Bewohnern der Erstaufnahme im Geutensweg in Neugraben-Fischbek geführt. Und obendrein wird der Regisseur bei der Filmvorführung anwesend sein und im Gespräch mit dem Publikum Fragen beantworten.

„Newcomers“ ist ein wirklich sehens- und vor allem zuhörenswerter Dokumentarfilm, in dem geflüchtete Menschen ihre Geschichte selbst erzählen. Das Sujet der erzählenden Menschen, das im allgemeinen Filmgenre nicht mehr sonderlich oft genutzt wird, bekommt hier ein ungeahntes Revival. Denn während wir uns unmerklich angewöhnt haben, wieder mal mehr über als mit Flüchtlingen zu sprechen, macht man hier die Erfahrung, dass schon das Zuhören uns fehlt. Der Filmemacher Ma’an Mouslli hat in hunderten von Stunden etwa einhundert Interviews geführt und filmisch dokumentiert. Ausgewählt hat er letztlich 20 davon. Es sind junge und alte Menschen unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlichen Geschlechts und sexueller Orientierung; Menschen mit und ohne Behinderung. Menschen aus über acht verschiedenen Ländern. In 29 Interviews treten ihre Geschichten in einen Dialog miteinander. Sie erzählen vom Tragischen, aber auch vom Schönen und Hoffnungsvollen: Von Verfolgung, Krieg und den Umständen der Flucht, aber auch von Träumen und Kindheitserinnerungen, vom stetigen Kampf für Freiheit und Würde. Trotz aller Unterschiede zeigen sich Umrisse einer Grunderfahrung des Lebens im Exil. Wie fühlt es sich an, neu in eine Gesellschaft zu kommen? Wohin mit der Vergangenheit, mit den Erinnerungen an das was war? Was heißt es, „Flüchtling“ in Deutschland zu sein?

Die „taz“ schrieb in einer Kritik zum Film: „Da erzählt eine Deutsche davon, wie Flüchtlingsfrauen 1945 von russischen Soldaten vergewaltigt wurden und dass sie auf ihrer Flucht so hungrig war, dass sie heute noch oft an eine ihr geschenkte Griessuppe denken muss. Einige reden darüber, wie sie gefoltert wurden – andere, wie ihre Freunde und Familienangehörigen gestorben sind. Aber Mouslli weiß genau, wie viel er den Zuschauern zumuten kann. Und er arbeitet geschickt mit Kontrasten, sodass jede Geschichte wieder neu die Neugier weckt und sie sich alle zu einer Essenz der Flüchtlingserfahrung verdichten.

Darüber, wie schwierig die Reisen nach Deutschland waren, wird so gut wie nichts erzählt. Für Mouslli sind diese abenteuerlichen Geschichten, über die andere so gern berichten, nicht wichtig. Stattdessen erzählen seine Protagonisten von ihrem neuen Leben in Deutschland. Der hiesige alltägliche Rassismus wird dabei nicht spektakulär beschrieben, sondern eher subtil, wenn etwa eine junge afrikanische Frau schildert, wie ein älteres Ehepaar sich weigerte, ihr beim Einparken ihres Autos zu helfen.“

„Newcomers“ ist dabei das bereits dritte Regie-Werk des in Osnabrück lebenden syrischen Regisseurs Ma’an Mouslli. Mit der Dokumentation „Shakespeare in Zaatari” über geflüchtete Kinder im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari gewann er 2016 schon den Preis „Bester Film Non Professional“ beim Film Festival Cologne. „Shakespeare in Zaatari“ sorgte auch international für Aufsehen: Er lief u.a. bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes, dem Los Angeles CineFest, dem Human Rights Film Festival Barcelona, dem International Scandinavian Film Festival und dem Roma Cinema Doc. (Quelle: Pressetext newcomers.de)

Die „taz“ bewertet den Film als „…viel mehr als nur ein weiterer Film über die Flüchtlingsproblematik…“. „Ein wichtiger Film, der zeigt, dass hinter den täglichen Nachrichten über Flucht, Krieg und Gewalt menschliche Geschichten stecken, die es verdient haben, gehört zu werden“, resümierte die Neue Osnabrücker Zeitung und das Portal programmkino.de zieht das Fazit: „Mouslli weiß genau, wie viel er den Zuschauern zumuten kann. Und er arbeitet geschickt mit Kontrasten, sodass jede Geschichte wieder neu die Neugier weckt und sie sich alle zu einer Essenz der Flüchtlingserfahrung verdichten.“
Interessant ist im Grunde schon die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte des Films. Mouslli war in Syrien IT-Manager und wurde dann in Deutschland zum Filmemacher. Seine erste Dokumentation „Shakespeare in Zaatari“ drehte er über ein Theaterprojekt in einem jordanischen Flüchtlingslager und mit einem syrischen Freund produzierte er eine Reihe von kurzen, humorvollen Lehrfilmen für Flüchtlinge in Deutschland („Wie finde ich eine Wohnung?“ „Wie lerne ich die Sprache?“ etc.pp.), die unter dem Titel „Achso from Osnabrueck“ auf Youtube zu sehen waren.

In einer AG des Osnabrücker Zentrums für Flüchtlinge „Exil“ traf er dessen Geschäftsführerin Sara Höweler, mit der zusammen er dann das Konzept von „Newcomers“ entwickelte. Ohne Erfahrungen und ohne Förderung – da es ja auch kein kommerzielles Projekt sein sollte, war und ist, beteiligten sich dennoch zahlreiche Stiftungen und Firmen an der Finanzierung, das schließlich ein Budget von 130.000 Euro aufgebracht wurde.

Termin: Mi., 4. Juli um 19.00 Uhr zeigt das Kulturhaus-Kino im Kulturhaus Süderelbe, Am Johannisland 2, 21147 Hamburg, www.kulturhaus-suederelbe.de

Deutschland 2018.Regie: Ma’an Mouslli, 63 Min., ab 12 J.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind gerne gesehen.

Das Projekt läuft vom Kulturhaus Süderelbe in Zusammenarbeit mit der Lokalen Partnerschaft Süderelbe und dem DRK-Willkommensbüro Süderelbe. Das Kulturhaus-Kino wird gefördert durch den Hamburger Integrationsfonds

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Der Wunsch nach Normalität https://www.tiefgang.net/der-wunsch-nach-normalitaet/ Fri, 27 Apr 2018 22:06:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3461 [...]]]> Jugendliche, die aus Krisengebieten nach Deutschland geflüchtet sind, wollen nicht „Opfer“ sein sondern suchen Spaß und Normalität. Eine Studie hilft beim Perspektivwechsel.

Dies ist ein erstes Ergebnis einer systematischen Untersuchung der Lebenswelt junger Geflüchteter an der Universität Siegen. Die Stiftung Ravensburger Verlag, von der die Pilotstudie „Junge Geflüchtete in den Angeboten der Jugendarbeit“ unter Leitung des Erziehungswissenschaftlers Professor Dr. Thomas Coelen gefördert wird, hat nun erste Ergebnisse der Studie veröffentlicht.

Jugendliche und junge Erwachsene, die aus Krisengebieten nach Deutschland geflüchtet sind, wollen in Jugendzentren und anderen Angeboten der Jugendarbeit nicht als „Opfer“ in die Kategorie Flucht eingeordnet werden. 16- bis 22-jährige Geflüchtete formulieren „normale“ Ansprüche an Jugendhäuser: Freundschaften schließen, Fußball, Basketball oder Billard spielen, Spaß haben, Ablenkung von Langeweile – aber auch die deutsche Sprache trainieren und potenzielle Hilfe für Behördenkontakte finden.

Dies ist ein erstes Ergebnis einer systematischen Untersuchung der Lebenswelt junger Geflüchteter unter Leitung des Erziehungswissenschaftlers Professor Dr. Thomas Coelen an der Universität Siegen. Bislang gibt es nur sehr wenige empirische Studien zur Lebenswelt junger Geflüchteter.

Forschung zur Lebenswelt junger Geflüchteter

Wie nutzen Minderjährige und junge Erwachsene mit einer Fluchtgeschichte die Angebote der Offenen Jugendarbeit? Wie nehmen sie diese wahr, und welche Sicht haben (sozial-)pädagogische Fachkräfte auf die Situation der Geflüchteten? Mit Förderung der Stiftung Ravensburger Verlag geht das Siegener Forschungsteam aus Erziehungswissenschaftler/-innen im Fachgebiet Jugendbildung, Sozialisations- und Lebenslaufforschung diesen und weiteren Fragen im Umfeld der Flüchtlingsthematik nach.

Ziel: Handlungsorientierung für die praktische Jugendarbeit

Die Ergebnisse der auf zwei Jahre (bis Ende 2018) angelegten qualitativen Pilotstudie mit problemzentrierten Interviews in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sollen dem Forschungsdialog dienen und Handlungsorientierung für die praktische Jugendarbeit bieten. Die bislang interviewten Jugendlichen wurden teils mehrfach interviewt (qualitative Erhebung), ebenso Fachkräfte der Jugendarbeit (repräsentative Erhebung).

Erste Ergebnisse der Interviews mit 16- bis 22-Jährigen präsentiert das Forschungsteam am 8. März 2018 im Rahmen eines Werkstattberichts bei der Fachtagung „Die Offene Kinder- und Jugendarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen“ an der Hochschule Düsseldorf.

Mitmachen: Spaß haben, Freunde finden, Sport treiben

Diejenigen Jugendlichen mit Fluchtgeschichte, die aus eigenem Antrieb regelmäßig Jugendtreffs aufsuchen, hatten von den Angeboten meist durch Freunde oder Gleichaltrige, Jugend- oder Sozialarbeiter erfahren. Sie reagierten positiv auf Sportangebote wie Fußball, Basketball, Volleyball, Tennis und Badminton. Sie wollten „mitmachen“, „Spaß haben“ und erhofften sich Ausflüge und ähnliche Aktivitäten. Eine wichtige Motivation lautet „Freunde finden“, eine andere, der Langeweile (v. a. an ländlichen Wohnorten) zu entkommen. und an der Schnittstelle zu relevanter Politik und Forschung.

Zugleich erhoffen sie sich bei Bedarf von Jugendarbeitern konkrete Hilfe bei Behördenkontakten bzw. empfinden eine potenziell vorhandene Unterstützung („wenn ich sie brauche“) als vorteilhaft und beruhigend. Ebenso möchten sie ihre Deutschkenntnisse in Gesprächen verbessern („man kann nicht nur mit einem Buch lernen“). Bemerkenswert ist, dass einige Jugendliche während des Aufenthalts im Jugendtreff die Aufgabe übernehmen, selbst andere geflüchtete Jugendliche durch Dolmetschen deutscher Aussagen in ihre Muttersprache und umgekehrt zu unterstützen.

Wissenschaftliche Abschlusstagung im November 2018 in Frankfurt

Im aktuellen Fokus des Forschungsprojekts stehen Interviews mit weiteren Jugendlichen. Darunter befinden sich auch junge Geflüchtete, die eine negative Einstellung zu Jugendtreffs haben und Angebote der Jugendarbeit nicht annehmen. Über dieses und weitere Ergebnisse des Forschungsprojekts informiert eine wissenschaftliche Abschlusstagung im November in Frankfurt.

Weiterführende Links

Weitere Informationen zum Pilotprojekt stehen auf den Seiten der Uni Siegen zur Verfügung. Außerdem sind auf den Seiten der Stiftung Ravenburger Verlag Ausführungen von Prof. Dr. Thomas Coelen zu der Frage „Wie verbringen junge Geflüchtete ihre freie Zeit in Deutschland?“ zu finden.

Kontakt zum Forschungsteam:
Professor Dr. Thomas Coelen, Jennifer Buchna Universität Siegen, Fachgebiet Sozialisation, Jugendbildung, Lebenslaufforschung
E-Mail: thomas.coelen@uni-siegen.de

 

Quelle: Stiftung Ravensburger Verlag

https://www.ravensburger.net/stiftung/aktuelles/flucht/index.html

 

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Der typisch fremde Deutsche https://www.tiefgang.net/der-typisch-fremde-deutsche/ Thu, 29 Mar 2018 22:42:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3163 [...]]]> Mit 12 Jahren flüchtete er alleine aus Sri Lanka. Heute ist er Herzchirurg in Hamburg und hat einiges zu sagen. So auch bei der 3. SuedLese und zwar im Café Refugio: Umeswaran Arunagirinathan.

Umeswaran Arunagirinathan sagt „Moin, Moin“ und lässt sich Umes nennen. Das macht es allen im Umgang leichter. Er stammt aus dem nördlichen Sri Lanka und flüchtete alleine im Alter von zwölf Jahren vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat nach Hamburg. Heute ist er Arzt am Universitären Herzzentrum der Hansestadt.

Tiefgang (TG): Über Ihre Erfolgsgeschichte „Vom Flüchtling zum Herzchirurgen“ wurde vielfach berichtet. Glauben Sie, dass das mit Ihrem angesehenen Beruf zusammenhängt?

Umeswaran Arunagirinathan: Ich persönlich finde es gut, dass meine Geschichte vielfach berichtet wird, damit die Geschichte ein Beispiel für die jetzt ankommende Menschen sein kann. Traurig jedoch, dass es tatsächlich auch mit meinem Beruf Herzchirurgie zutun hat.

TG: Fühlen Sie sich manchmal benutzt als „Vorzeige-Flüchtling“? Es ist vor allem Ihr Verdienst, dass Sie Ihren Weg, der sehr lang und schwierig war, gemeistert haben. Abgesehen von den Kriegs- und Fluchterfahrungen hatten Sie hier über viele Jahre mit Schwierigkeiten zu kämpfen, z. B. der ewigen Angst vor Abschiebung. Was hat Ihnen die Kraft gegeben, nicht aufzugeben?

Umes: Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt benutzt gefühlt. Es wäre falsch, mich als Vorzeige-Flüchtling zu verkaufen, ich persönlich möchte ein Beispiel für eine gelungene Integration sein, dies nicht, weil ich Akademiker und Arzt bin.

TG: Menschen reagieren empathischer auf Einzelschicksale als auf eine anonyme Masse. Ihre Popularität ist gewiss sehr hilfreich, um dem Thema ein freundliches Gesicht und eine Stimme zu geben. Das geht unter die Haut, weil es um das persönliche Erleben geht. War das ein Grund für Sie, das Buch zu schreiben?

Umes: Mit meinem ersten Buch „Allein auf der Flucht“ beschreibe ich meinen Alltag als Kind im Bürgerkrieg auf Sri Lanka und meine Flucht über Afrika nach Europa mit einer Schlepperorganisation. Ich wollte damit eine Art Aufklärung in der Gesellschaft betreiben, um Verständnis zu schaffen, warum Menschen ihre Heimat verlassen und zu uns nach Deutschland kommen. Mit meinem zweiten Buch „Der fremde Deutsche“ möchte ich einen Beitrag für die Integration leisten. Als ehemaliger Flüchtling und deutscher Staatsbürger möchte ich den Dialog zwischen beiden Gruppen fördern, was unverzichtbar ist, um ein gutes Zusammenleben zu gestalten. Wenn ich mit meinen Büchern Menschen eine Stimme geben kann, die aktuell selbst nicht dazu in der Lage sind, dann ist es eine gute Sache.

TG: Seit den großen Flüchtlingsströmen hat sich das gesellschaftliche und politische Klima leider aufgeheizt. Welchen Rat würden Sie den Menschen geben, damit Toleranz kein Fremdwort wird?

Umes: Vorurteile und Rassismus sind die Stolpersteine der Integration. Es ist sehr wichtig, dass Menschen, die zu uns kommen, im Dialog mit der Gesellschaft bleiben. Toleranz ist lernbar. Ich würde meine Mitmenschen bitten, auf den einzelnen Menschen zuzugehen und sie kennenzulernen. Um Toleranz in unserer Gesellschaft zu fördern, benötigen wir die Zeit und die Aufklärung, wozu jeder einen Beitrag leisten kann.

TG: Welche Bedeutung messen Sie dem Herzen bei?

Umes: Unser schönste Organ, das wir besitzen. Zurecht ist sein Platz im Zentrum des Körpers.

TG: Welches kulturelle Erbe ist Ihnen heute noch wichtig? Welche Werte halten Sie hoch?

Umes: Ich habe als Kind von meiner Mutter einiges mitgenommen. Gastfreundschaft, soziales Handeln, das Lachen in unruhigen Zeiten nicht zu verlieren und die Dankbarkeit. Besonders wichtig wäre der familiäre Zusammenhalt.

TG: Gibt es Eigenschaften, die Ihnen an der (nord)deutschen Mentalität besonders gut gefallen?

Umes: Ich liebe allgemein die Pünktlichkeit und die Zufälligkeit in unserem Land, besonders im Norden finde ich es gut, dass ich jeder Tageszeit „Moin Moin“ sagen kann.

TG: Wir bedanken uns sehr HERZlich bei Ihnen und freuen uns auf Ihre Lesung am Do., 19. April um 20 Uhr im Refugio-Café der Gastfreundschaft, Bremer Straße 9, 21073 Hamburg.

Das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso.

Bisher erschienen:

Umeswaran Arunagirinathan: „Allein auf der Flucht“, Konkret Literatur Verlag, 2005, ISBN: 9783894582418, Preis:  € 12,50

Umeswaran Arunagirinathan: „Der fremde Deutsche“, Konkret Literatur Verlag, 2017, 141 Seiten, ISBN-13: 9783894582982, Preis: € 12,50

 

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Von der Integration zur Transklusion https://www.tiefgang.net/von-der-integration-zur-transklusion/ Sat, 17 Jun 2017 06:00:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1339 [...]]]> Integration, Inklusion, Diversitäten … worum geht es eigentlich wirklich? Ein Plädoyer für andere Sichtweisen und mehr …

Im Zusammenhang mit der Zuwanderung von Schutzsuchenden ist hierzulande oft von der »Integration« von Geflüchteten die Rede. Bestenfalls wird eine »Inklusion« der Zugewanderten gefordert. Wir wünschen uns ein Umdenken hin zu einer »transzendierten Inklusion« (Transklusion).

Was meinen wir damit?

Inklusion bedeutet Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft (siehe Abbildung). Inklusion steht komplementär zu Exklusion, das eine ist ohne das andere nicht denkbar. In einer inklusiven Gesellschaft sind Unterschiede zwar normal und willkommen. Alle profitieren davon. »Einbeziehen« beinhaltet aber auch das »Ausgrenzen«, was wir nicht wollen.

Denn eine Gesellschaft ist kein geschlossenes System, sondern ein – mal enger mal weiter – gewebtes Netz, permanent pulsierend und sich entwickelnd. Menschen kommen mit ihrer Unterschiedlichkeit und Einzigartigkeit zusammen, begegnen sich und gehen Beziehungen ein. Bei der von uns vorgeschlagenen »Transklusion« (zugegeben auch ein etwas sperriger Begriff) liegt der Fokus nicht auf der Ein– sondern der Wechselbeziehung. Denn wir alle gestalten die Gesellschaft jeden Tag aktiv oder passiv mit. Diese Art der bereichernden Begegnung haben wir in unserem Projekt »Weltküche« gelebt.

Gemeinsamkeiten statt Unterschiede

Das künstlerische Schaffen vor allem ermöglicht Begegnungen, die mühelos Sprachbarrieren aufheben und auf Gemeinsamkeiten setzen, statt Unterschiede hervorzuheben. Menschen begegnen sich auf Augenhöhe. So ist diesem Buch mit Kochrezepten nur bei genauerer Betrachtung zu entnehmen, wer von den Rezeptgebern und Illustratoren zugewandert ist und wer nicht. Die Verbindung der Kulturen ergab sich mühelos im Austausch der Rezepte und bei der künstlerischen Gestaltung der Illustrationen.

Flucht ist ein vorübergehender Status

Flucht ist ein vorübergehender Status, der uns alle betreffen kann. Wir wachsen an der Begegnung mit Menschen. Das durften wir alle im Projekt Weltküche erleben.

(Ulrike Hinrichs, 2016)

 

Ulrike Hinrichsist Einigungsmanagerin (Mediatorin, Coach, Rechtsanwältin) und Kunsttherapeutin – www.lösungskunst.com. Darüber hinaus ist sie Autorin zahlreicher Fachpublikationen. Ehrenamtlich engagiert sich Ulrike Hinrichs mit kunsttherapeutisch orientierten Kreativprojekten für Flüchtlinge in Harburg.

Video zum Projekt „Weltküche“ von SPIEGEL-Online

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Ein guter Ton zur Integration https://www.tiefgang.net/ein-guter-ton-zur-integration/ Sat, 18 Mar 2017 08:00:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=759 [...]]]> „Mit Musik geht alles besser!“ – Der alte Schlagertitel klingt naiv, ist aber in Zeiten verschiedenster Sprachlosigkeit hilfreich. Eine Initiative des aus Norderstedt stammenden Lars Seniuk hat sich dies zu eigen gemacht …

Wer sich in Hamburg für Jazz interessiert, dem ist er schon lange kein Unbekannter: Lars Seniuk. Schon als Jugendlicher fiel er durch BigBand-Arrangements auf, leitete die außergewöhnliche Jugend-BigBand NGA, die u.a. auf den Take-5-Festivals an verkaufsoffenen Sonntagen in Harburg begeisterte und im seinerzeitigen Jazzclub im Stellwerk auch tagsüber probte.

Mittlerweile ist Lars Seniuk Leiter des Hamburger Landesjugendjazzorchesters geworden und damit in große Fußstapfen seines Vorgängers Nils Gessinger getreten. Problemlos, wie einem scheint. Zudem leitet er nach wie vor eine eigene BigBand, das New German Art Orchestra (kurz NGAO), die bisherige BigBand-Musikliebhaber quasi einer auditiven Revolution unterzieht, aber geschmeidig bleibt. Und für den Echo-Jazz 2016 war er auch nominiert.

Kurzum: Musik und insbesondere der Jazz sind sein Leben und Herzblut. Was liegt da näher,  als eben dieses kulturelle Genre auch für Mitmenschliche Belange einzusetzen?

Und während so andere noch über ihre Einstellung zum Thema Flüchtlinge grübelten, das Wort Integration  beschworen, zuweilen ohne die Antwort auf die Frage „worein eigentlich?“ sich je gegeben zu haben, initiierte Lars Seniuk ein Projekt, das dort ansetzt, wo Menschen schnell einander verstehen: in der Kultur – hier speziell der Musik.  Resultat: die gemeinnützige Initiative „Miteinander durch Musik e.V.“. Diese engagiert sich nun schon seit geraumer Zeit bundesweit für Geflüchtete. „Wir haben uns dabei zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge und Flüchtlingskinder mit Hilfe von Musik in Deutschland willkommen zu heißen, zu unterstützen und integrieren, sowie uns aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit zu positionieren“, heißt es zudem Projekt.

Getrommelt wird auch um finanzielle Unterstützung. (Foto: MdM e.V.)

Neben eigenen Projekten und der Bündelung und Vermittlung von ehrenamtlichen Kräften liegt dabei ein weiterer Schwerpunkt der Initiative in der Unterstützung von Drittinitiativen. Dies findet in Form von Beratung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Sach- und Finanzmitteln statt.

Musikprojekte für Geflüchtete in Berlin

„Derzeit befinden wir uns im Aufbau mehrerer Projekte für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Berlin. Diese umfassen Instrumentalunterricht sowie Band- und Ensemblearbeit, u.a. in Kooperation mit Lehrenden und Studierenden der Hochschule für Musik Berlin“, lautet der aktuelle Stand.

Und auch in Hamburg ist die Initiative konkret: In einem Camp für Geflüchtete in Hamburg-Marienthal, in dem viele Flüchtlingskinder leben, die teilweise ihre Eltern auf der Flucht verloren haben und traumatisiert sind, bietet „Miteinander durch Musik“ nun Musikunterricht und die Arbeit in Ensembles an und hilft so den Kindern, Traumata zu verarbeiten, spielerisch Deutsch zu lernen und Freude am gemeinsamen Musizieren zu erleben. Angeboten werden unter anderem Unterricht auf verschiedenen Instrumenten, ein Chor, Musikalische Früherziehung für die 3- bis 5-Jährigen, Percussion- und Body-Percussion-Kurse für die Jugendlichen und gemeinsame Ensembles.

Ein weiteres konkretes Projekt arbeitet derzeit in Dresden. Gemeinsam mit Studierenden der Hochschule für Musik Dresden und weiteren Musikern aus der Region finden dort Gesangs- und Percussion-Workshops für Flüchtlinge statt, die sich an verschiedene Altergruppen richten.

Neben diesen stadtbezogenen Projekten arbeitet „Miteinander durch Musik“ aber zudem an einem Pilot-Projekt, das syrischen Musikern die Integration und den Wiedereinstieg in ihren Beruf erleichtert. Hierbei stehen sprachliche Komponenten, die Vermittlung von europäischer Musiktheorie und -pädagogik sowie Schulung in Organisationsstrukturen ebenso auf dem Programm wie die Bildung von Ensembles für europäische und syrische Musik.

Benefizkonzerte in verschiedenen Städten

Und nicht zu vergessen seien die Benefizkonzerte der Initiative. Sie wirkt unter anderem an der Planung und Durchführung mehrerer Konzerte für Geflüchtete sowie mehrerer Benefizkonzerte zu Gunsten von Flüchtlingen in verschiedenen Städten wie Leipzig und Berlin evtl. auch bald Hamburg mit.

All das liest sich toll? Dann leisten Sie Ihren Beitrag. Als gemeinnützige und nicht-kommerzielle Initiative sind die Initiatoren stets auf Unterstützung von außen angewiesen. Neben ehrenamtlichen Helfern benötigen sie Finanzspenden sowie Sachspenden, beispielsweise in Form von alten oder nicht mehr benötigten Instrumenten. „Gerne organisieren wir auch eine Abholung, falls Sie dies wünschen. Sollten Sie nicht sicher sein, ob die Instrumente noch geeignet sind, nehmen wir diese selbstverständlich gerne vor Ort in Augenschein“, so das pragmatische Angebot der musikalischen  Weltverbesserer.

Finanzspenden können Sie gerne jederzeit auf folgendes Konto überweisen.

IBAN: DE29 8306 5408 0004 9373 09
BIC: GENODEF1SL
Verwendungszweck: Miteinander durch Musik e.V.

Sollten Sie sich ehrenamtlich für „Miteinander durch Musik e.V.“ engagieren wollen, senden Sie eine Nachricht an info(at)miteinanderdurchmusik.de. Gemeinsam kann wir dann ein geeignetes Projekt in Ihrer Nähe gefunden oder initiiert werden und mögliche Zeitkontingente und -räume gemeinsam abgestimmt werden. Auch sucht die Initiative stets nach Musikern, Musikpädagogen, Dolmetschern und Betreuern. Zögern Sie nicht!

Musik als Integrationsmittel wird übrigens auch in Wilhelmsburg  und Barmbek bei Sessions etwa in der Alten Kappelle im Inselpark oder in der Zinnschmelze genutzt. Also immer die Ohren auf halten!

Weitere Hintergründe zum Projekt:

Ein Logo, das nicht nur ums musikalische Herz macht.

www.miteinanderdurchmusik.de

www.facebook.de/miteinanderdurchmusik

Zu Lars Seniuk findet sich ein Kurzportrait auf jazz-guide-hamburg.de

 

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Kultur leistet ganze (Integrations-)Arbeit https://www.tiefgang.net/kultur-leistet-ganze-integrations-arbeit/ Sat, 25 Feb 2017 08:04:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=671 [...]]]> Der Nutzen von Kultur wird gerne hinterfragt. Aber bei einer Thematik herrscht in Hamburg und auch den Bezirken neuerdings große Einigkeit: Integration  – da leistet Kultur ganze Arbeit.

Und daher wird beim Thema Eingliederung Geflüchteter in unseren gesellschaftlichen Alltag ihr Nutzen allerorts sichtbar. Und diesmal werden auch Gelder bereitgestellt, um den Wert der Kultur nutzbar zu machen.

Ganz einfach ist es allerdings nicht, die behördliche Sprache mit inspirierten kulturellen Ideen in Einklang zu bringen. So gibt es zum einen Fonds namens „FREIRÄUME!“ und dann wieder einen „Hamburger Integrationsfonds für kulturelle stadtteilbezogene Integrationsprojekte im Bezirk“ – so auch Harburg.

Die Unterschiede liegen zum einen in ihrer Entstehungsgeschichte und Urheberschaft, zum anderen aber auch in ihrer räumlichen Strahlkraft.

Während der Fördertopf „FREIRÄUME!“ vor allem für Projekte interessant ist, die hamburgweit agieren und nicht an Einzelprojekte eines Bezirks gebunden sind, ist der „Hamburger Integrationsfonds …“ eben „vor Ort“ nutzbar.

Im Grunde, so die Harburger Verwaltung auf unsere telefonische Nachfrage, können Projektinitiativen bei beiden „Töpfen“ Gelder beantragen, werden aber vermutlich – je nach Ausrichtung des Projektes – nur aus einem wirklich Unterstützung bekommen. Man sollte also vorab klären, welcher Antrag an wen die Mühe wert ist.

Hier die Mitteilung samt Unterlagen und Ansprechpartner des Integrationsfonds für den Bezirk Harburg und weiter unten dann für Hamburg:

„Bezirksamt Harburg  

Interessensbekundungsverfahren

Vergabe einmaliger finanzieller Mittel aus dem Hamburger Integrationsfonds für kulturelle stadtteilbezogene Integrationsprojekte im Bezirk Harburg

 1. Ausgangslage

Die Bürgerschaft hat dem Bezirksamt Harburg einmalige Fördermittel in Höhe von 57.142 € aus dem Hamburger Integrationsfonds für die Finanzierung von integrativen Stadtteilkultur- und Kinder- und Jugendkulturprojekte im Jahr 2017 zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich können davon zwischen 1.000 € und 10.000 € pro Projekt beantragt werden, in begründeten Einzelfällen sind Abweichungen möglich.

Ziel ist, den Weg für eine gelingende Integration der in Hamburg lebenden Flüchtlinge und Migrant_innen zu bahnen und tragfähige Strukturen in den Nachbarschaften zu unterstützen sowie das Miteinander von alteingesessenen und neu hinzukommenden Hamburger _innen im Sozialraum zu stärken. Mit Mitteln aus dem Integrationsfonds können beispielsweise Begegnungsräume geschaffen und Nachbarschaftsinitiativen sowie Vereine vor Ort unter-stützt werden. Dies dient auch der Stärkung der Unterstützer_innen rund um Einrichtungen der Flüchtlingsunterbringung. Es geht dabei um den Start langfristiger und nachhaltiger Integrationsmaßnahmen, die sich nach einer Anschubfinanzierung selbst tragen oder durch anderweitige Finanzierung getragen werden. Aus den Fördermitteln können keine Baumaß-nahmen und keine neue Stellen ohne gesicherte Folgefinanzierungen gefördert werden.

  1. Förderziele und Förderkriterien

– Entwicklung von Angeboten kultureller Teilhabe für Geflüchtete

– Partizipation auch ohne Sprachbarrieren

– Stärkung nachbarschaftlicher Bezüge zu Flüchtlingsunterkünften

– Impulse zum Aufbau nachhaltiger Strukturen

– Zusammenarbeit mit bzw. Anträge nur durch Einrichtungen und Akteure der Stadtteilkultur bzw. der Kinder- und Jugendkultur, die das Projekt im Bezirk Harburg durchführen wollen

– Grundsätzlich können zwischen 1.000 € und 10.000 € pro Projekt beantragt werden, in begründeten Einzelfällen sind Abweichungen möglich.

– Besondere Berücksichtigung finden Projekte, bei denen Alteingesessene und Neuzu-gewanderte gemeinsam etwas gestalten.

 

  1. Antragsverfahren

Einreichungsfrist für den Antrag ist Freitag, der 31.03.17. Projektstart kann frühestens Ende April/Anfang Mai 2017 sein. Finanzielle Verpflichtungen für das beantragte Projekt können erst nach der Bewilligung eingegangen werden.

Antragsanforderungen:

– Einreichung eines schriftlichen und unterschriebenen Antrags (Formular anbei bzw. herunterladbar unter http://www.hamburg.de/harburg/kultur-aktuelles/) inklusive einer kurzen (ca. 2 Din A 4-Seiten) Projektbeschreibung/ Projektskizze mit Angabe der zu erreichenden Ziele und Personen sowie des Realisierungszeitraums und einer groben Kosten- und Finanzierungsplanung

– Die geförderten Projekte müssen Informationen über ihre Projekte im Portal „Willkom-menskultur Hamburg“ (www.willkommenskultur-hamburg.de/) veröffentlichen.

– Über die Vergabe der Mittel entscheidet im April 2017 eine Jury, die sich aus Vertreter_innen der Harburger Bezirksversammlung, der Bezirksverwaltung und des Harburger Integrationsrates zusammensetzt.

 

Bitte senden Sie Ihre Antragsunterlagen bis zum 31.03.2017, 14:00 Uhr per Post an:

 

Bezirksamt Harburg

Fachamt Sozialraummanagement

Stichwort „Integrationsfonds Kultur / Bezirke“

Harburger Ring 33

21073 Hamburg

Ansprechpartnerin/Auskunft erteilt:

Frau Lina Knipfer

FA Sozialraummanagement

Kulturangelegenheiten (SR 15)

Tel.-Nr. 040 42871-2520

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  »FREIRÄUME!« Fonds für kulturelle Projekte mit Geflüchteten

– hamburgweit –

 

Für 2017 schreibt der Fonds FREIRÄUME! Mittel in Höhe von insgesamt 400.000 Euro für kulturelle Projekte mit Geflüchteten in Hamburg aus.

Er richtet sich an funktionierende Orte der Stadtteilkultur, die herausragend gute Arbeit in der lokalen Kulturarbeit mit Geflüchteten leisten, und gleichermaßen an künstlerische und kulturpädagogische Projekte, Programme, Institutionen, Initiativen und Einzelpersonen, die hamburgweit kulturelle Angebote mit Geflüchteten durchführen.

Wer kann sich bewerben?

Bewerben können sich sowohl Stadtteilkulturzentren, Bürgerhäuser, Jugendzentren, Geschichtswerkstätten als auch Flüchtlingseinrichtungen sowie kulturelle Institutionen, freie Initiativen, Vereine und Einzelpersonen. Die Projektdurchführenden sollten über eine nachweisbare künstlerische oder kulturpädagogische Qualifizierung und über Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten verfügen. Beantragt werden können Fördermittel für künstlerische und kulturpädagogische Projekte in Hamburg, die zur Integration und Teilhabe von Geflüchteten beitragen und den interkulturellen Dialog unterstützen. Gefördert werden sowohl Vorhaben mit Geflüchteten, die in naher Zukunft realisiert werden und neue Impulse setzen, als auch bewährte Projekte und Programme mit Geflüchteten.

Der Projektförderfonds ist offen für alle künstlerischen Sparten und Bereiche. Projekte, die bereits durch FREIRÄUME! gefördert worden sind, können im Sinne der Nachhaltigkeit einen Antrag auf Folgeförderung stellen. Pro Projekt können in der Regel zwischen 5.000 und 15.000 Euro beantragt werden. Ein finanzieller Eigenanteil wird nicht vorausgesetzt. Kofinanzierungen durch die Freie und Hansestadt Hamburg, andere Stiftungen oder Förderer sind zulässig, müssen aber explizit im Finanzplan ausgewiesen werden.

Die Projekte sollten mehrere der folgenden Qualitätskriterien erfüllen:

  • Ermöglichung von Orten der Begegnung bzw. von geschützten Freiräumen für den interkulturellen Dialog
  • Ermöglichung von kultureller/gesellschaftlicher Teilhabe
  • Förderung der Partizipation von Geflüchteten ohne Sprachbarrieren
  • Niedrigschwelliger Zugang zu kulturellen Angeboten in Hamburg
  • Vermittlung von Willkommens- und Anerkennungskultur
  • Entfaltung stadtweiter Bedeutung und Wirksamkeit

Die Projekte werden außerdem auf ihre praktische Realisierbarkeit geprüft: Ansprache der Teilnehmer, Vernetzung des Projektes zu bestehenden Initiativen, Institutionen und Einrichtungen der Flüchtlingsarbeit, Offenheit des Projektes für die Bedürfnisse der Teilnehmer, Flexibilität des Projektes im Umgang mit Herausforderungen wie z.B. Fluktuation der Teilnehmer. Initiatoren und Unterstützer des Fonds

Der Fonds FREIRÄUME! wurde Anfang 2016 von der Hamburgischen Kulturstiftung, der Körber-Stiftung und der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. in Zusammenarbeit mit Stadtkultur Hamburg ins Leben gerufen und von zahlreichen Hamburger Stiftungen, privaten Förderern und Unternehmen unterstützt. Das bürgerschaftliche Engagement wird 2017 durch die Freie und Hansestadt Hamburg mit 200.000 Euro aus dem Hamburger Integrationsfonds gematcht. Es stehen damit insgesamt 400.000 Euro für kulturelle Projekte mit Geflüchteten zur Verfügung.

Verfahren und Modalitäten

Die Anträge können zu den folgenden Antragsfristen an die Hamburgische Kulturstiftung gestellt werden: 31. März 2017 und 31. Mai 2017.

Die erste Antragsfrist wird von der Hamburgischen Kulturstiftung, die zweite Antragsfrist von Stadtkultur Hamburg betreut. Eine Förderentscheidung liegt nach vollständiger Projekteinreichung nach ca. sechs Wochen vor.

Die Förderentscheidung wird von einer sechsköpfigen Jury getroffen, die mit jeweils einem Vertreter aus der Körber-Stiftung, der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. und der Hamburgischen Kulturstiftung sowie jeweils einem Vertreter aus der Kulturbehörde, der LAG Kinder- und Jugendkultur und Stadtkultur Hamburg besetzt ist. Sie werden schriftlich benachrichtigt, ob Ihr Projekt gefördert wird oder nicht.

Alle Förderanträge (Frist 31. März und 31. Mai 2017) müssen digital eingereicht werden an:

Hamburgische Kulturstiftung, z. Hd. Julia Schwerbrock, schwerbrock@kulturstiftung-hh.de

Ein Förderantrag umfasst:

a) das einseitige Antragsformular zum Förderantrag (zu finden unter www.kulturstiftung-hh.de, Stichwort »Projektförderung«),

b) eine detaillierte Projektbeschreibung mit folgenden Informationen:

  • Konzept
  • Ort und Zeitplan des künstlerischen oder kulturpädagogischen Projekts in Hamburg
  • Projektdurchführende (Lebenslauf, Nachweis über künstlerische oder kulturpädagogische Qualifizierung und Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten)

c) einen aussagekräftigen Finanzierungsplan mit folgenden Eckdaten:

  • Kostenkalkulation mit Übersicht über die geplanten Ausgaben mit Angabe der einzelnen Positionen
  • Finanzplan (bitte vermerken, welche Mittel sicher und welche noch ungesichert sind bzw. welche weiteren Anträge gestellt oder geplant sind und wann mit den Förderentscheidungen zu rechnen ist)
  • beantragte Fördersumme (in der Regel 5.000 bis 15.000 Euro)

Die Förderanträge werden nur akzeptiert, wenn sie digital eingereicht werden und wenn der Antrag aus maximal zwei Anlagen (zzgl. Antragsformular) besteht.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Erste Frist (31. März 2017):

Julia Schwerbrock, Hamburgische Kulturstiftung, Projektbereich Kinder- und Jugendkultur/Kulturelle Bildung,

Tel.: 040/339099, Email: schwerbrock@kulturstiftung-hh.de

Zweite Frist (31. Mai 2017):

Corinne Eichner, Stadtkultur Hamburg Geschäftsführung,

Tel.: 040 / 879 76 46 –0, Email: eichner@stadtkultur-hh.de

 

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