Geschichtswerkstatt Harburg – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 27 Feb 2025 15:39:50 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Aus der Vergangenheit lernen https://www.tiefgang.net/aus-der-vergangenheit-lernen/ Fri, 21 Mar 2025 23:58:26 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11554 [...]]]>  

Frank Littek stellt in der Buchhandlung am Sand am Do., 3. April sein Buch „Sechs Tage im Juli“ vor. Ein Interview …

Die Lesung findet in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt Harburg statt. Und es geht um Geschichte, nämlich die „Operation Gomorrha“ am Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Geschichte mit vielen Facetten. Wir haben beim Autor Frank Littek mal nachgehakt …

Frank Littek ist freier Journalist und Buchautor. Der Wirtschaftswissenschaftler hat rund 40 Bücher veröffentlicht, darunter neben zwei Romanen zahlreiche Kinder-, Jugend- und Sachbücher. Er lebt und arbeitet in der Nähe von Hamburg.

Tiefgang (TG): Was hat Sie zu diesem Buch inspiriert?

Frank Littek: Nach meinem Studium habe ich meinen ersten Job als Redakteur im Hamburger Stadtteil Hammerbrook angenommen. Ich fand das Viertel – offen gestanden – hässlich und habe dann begonnen, mich mit der jüngeren Geschichte zu beschäftigen. Dabei war ich natürlich ganz schnell bei den Bombenangriffen von 1943. Das Thema hat sich dann über viele Jahre ausgeweitet, ist gereift, viele weitere Aspekte sind dazugekommen, bis ich das Buch geschrieben habe.

TG: Gab es einen Leitgedanken bei der Entstehung des Romans?

Frank Littek: Ich bin bei der Beschäftigung mit dem Thema immer wieder auf Zitate gestoßen, in denen Zeitzeugen sagten, die Menschen hätten die Zerstörungen durch die Bombenangriffe als „gerechte Strafe“ empfunden.

Recherchiert man weiter, ist bald klar, dass es um die Deportation der Juden geht – und wie verbreitet das Wissen darüber war. Auch das gehörte zum Lebensgefühl dieser Zeit und ist ein Aspekt, von dem wir heute kaum wissen. Ich wollte davon erzählen, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Dafür sprechen meine Figuren. Und das tun sie hoffentlich so, dass der Leser, die Leserin ihnen gerne folgt.

TG: „Sechs Tage im Juli“ sind Fiktion, dennoch finden sich viele Fakten. Wie haben Sie recherchiert?

Frank Littek: Die wichtigste Quelle war zunächst jede Menge Literatur. Dann habe ich mit Zeitzeugen gesprochen und mir die Schauplätze der Geschichte angesehen. Hinsichtlich Fliegerei kamen mir meine jahrelange Arbeit als Luftfahrtjournalist und die vorhandenen Kontakte zugute. Für einige Figuren hatte ich historische Vorbilder, viele Szenen aus dem brennenden Hamburg folgen den Aussagen von Zeitzeugen. Generell möchte ich in meinen Romanen der historischen Realität so nah kommen, wie möglich. Deshalb habe ich viel mit alten Fotos oder zum Beispiel einem alten Stadtplan aus der damaligen Zeit gearbeitet.

TG: Welche Bedeutung hat der Roman für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, aber auch für die mit der Gegenwart?

Frank Littek: Ich glaube, wir tun uns in Deutschland heute schwer damit, einen Umgang mit unserer Vergangenheit zu finden. Dabei ist das sehr wichtig, denn ich kann die Gegenwart nur verstehen und in ihr zukunftsweisend handeln, wenn ich die Vergangenheit kenne, sie einzuordnen und daraus zu lernen vermag. Das kann ein langer Prozess sein, auf dem wir – wie ich finde – bisher gar nicht so schlecht vorangekommen sind. Mein Buch möchte einen Beitrag dazu leisten.

TG: Sie sind Autor von Sachliteratur, Romanen, Kinderbüchern. Was macht Ihnen beim Schreiben am meisten Freude, was ist Ihre größte Herausforderung?

Frank Littek: Auch wenn es kitschig klingt: Mit dem Schreiben kann ich Menschen im Herzen berühren. Das ist sicher nicht bei jedem Leser der Fall, aber vielleicht bei einigen. Genau das ist es, was mich schon als Kind zu dem begeisterten Leser gemacht hat, der ich heute noch bin. Es gibt immer wieder Bücher, die auf eine magische Weise etwas mit mir gemacht haben. Das bei anderen Menschen zu schaffen, ist mir die größte Freude. Die größte Herausforderung besteht darin, ein Buch in allen Aspekten so zu schaffen, dass das gelingt.

TG: Vielen Dank und Vergnügen am Donnerstag, 3. April in der Buchhandlung am Sand!

 

Termin:

Do., 3. April, 19 Uhr: Frank Littek – Sechs Tage im Juli, Eintritt: 10,- €

Buchhandlung am Sand |Hölertwiete 5 | 21073 Hamburg | Harburg

 

]]>
Der 20. Harburger Kulturtag! https://www.tiefgang.net/der-20-harburger-kulturtag/ Fri, 27 Oct 2023 22:38:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10374 [...]]]> Der Harburger Kulturtag feiert am So., 5. November sein 20-jähriges Jubiläum! 

Kunst, Kultur, Shopping, Laternenumzug, Feuerwerk und viel Programm: zum 20. Harburger Kulturtag und am verkaufsoffenen Sonntag zeigt Harburg seine kulturelle Vielfalt in gnazer Breite! Und dieses Jubiläum ist ein wahrer Grund zum Feiern. Der Harburger Kulturtag, ein bewährtes Konzept, überzeugt die Hamburger*innen Jahr für Jahr mit einem breiten Spektrum an kulturellen Angeboten. Der Harburger Kulturtag verbindet erneut die zahlreichen Kultureinrichtungen Harburgs, die die kulturelle Anziehungskraft in Hamburgs Süden eindrucksvoll unterstreichen. Am Sonntag, dem 5. November, von 12 bis 20 Uhr präsentieren sich mehr als 25 Harburger Kulturinstitutionen mit einem speziell für diesen Tag konzipierten Jubiläumsprogramm – und das alles bei freiem Eintritt!
Zusätzlich bieten viele Harburger Schaufenster eine Fülle an Sehenswertem. Im Rahmen des Projekts „KunstSchauFenster“ der Kunstleihe Habrurg werden Werke verschiedener Künstler*innen in den Einzelhandelsgeschäften Harburgs ausgestellt, die Kunstgruppe wattenbergART präsentiert sich in der Passage der CityGalerie und selbst der ewig leerstehende Glaspavillon am Lüneburger Tor wird zum Schauplatz einer Installation des Kunstduos well-wired-Team.

Folgende Künstler:innen und Institutionen sind am Harburger Kulturtag vertreten:
antikyno, Archäologisches Museum Hamburg, Ateliergemeinschaft Atelier 32, Alles wird schön, Electrum, Fischhalle Harburg, Freundeskreis Harburger Theater e.V., Harburg Pop Up Store, Galerie 1565, Geschichtswerkstatt Harburg, Habibi-Atelier, Harburger Theater, Harburg Info, HinZimmer, KulturKiosk Blohmstraße, Kunstleihe Harburg, Künstler zu Gast in Harburg, Kunstverein Harburger Bahnhof, KulturWerkstatt Harburg e.V., Medical School Hamburg, Paul-Gerhardt-Kirche Harburg, Sammlung Falckenberg, Sparkasse Harburg-Buxtehude, TU Hamburg,
Alle teilnehmenden Institutionen und das dazugehörige Kulturprogramm werden zeitnah auf Social Media und der Website des Harburg Marketing e.V. (www.harburg-marketing.de) kommuniziert. Die Programmflyer sind in der Harburg Info, Hölertwiete 6, zu finden.

Vor 20 Jahren hatte ein Trio um den seinerzeit neuen Chef des Archäologischen Museums, Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, die Idee, Harburgs Kulturszene mal angemessen ins rechte Licht zu rücken und die Idee des Harburger Kulturtags war geboren. Ateliers, Museen und die Falckenberg-Sammlung öffneten ihre Pforten und zeigten ihre aktuellen Arbeiten. Von Jahr zu Jahr wuchs die Teilnehmerzahl und tausende von Menschen nutzten das Angebot. Vor einigen Jahren dann wurde
der Kulturtag mit dem verkaufsoffenen Sonntag im November zusammengelegt. Eine Gelegenheit, Geschäfte und Kultur zusammenzubringen. Doch zunächst liefen Geschäfts- und Kulturbetrieb weitestgehend neben- statt miteinander. Die Pandemie tat ihr übriges.
Daher nahm schon im letzten Jahr die Kunstleihe Harburg die Aktion „KunstSchauFenster“ in Angriff und konnte vor allem mit dem Verband „Unternehmer ohne Grenzen“ zehn Ladengeschäfte mit KunstSchauFenstern bestücken. Zum 20. Harburger Kulturtag und dem Erfolg des letzten Jahres werden es nun zwanzig! „Dabei wurden wir auch die Vitrinen in der Galerie-Passage in der Lüneburger Straße aufmerksam gemacht“, so Sabine Schnell vom Vorstand des Vereins Kunstleihe Hamburg. „Dort wird nun die Künstler*innengruppe wattenbergART einige ihrer Werke und Künstler*innen präsentieren.“ Und auch in der Hölertwiete fiel ein Schaukasten unangenehm auf. In diesem war offenbar seit gut 30 Jahren die Modewerbung nicht getauscht. Nun prangt ein Werk der Harburger Künstlerin Petra Hagedorn dort und schafft es so wieder als Hingucker zu fungieren.
Und auch ein weiterer Lost Place fiel dem Netzwerk rund um die Kunstleihe ins Auge: der schon lange leerstehende Glaspavillon am Lüneburger Tor / Durchgang zum Harburger Ring. „Er ist ideal für eine Installation des Künstlerduos well-wired-team geeignet“, so Sabine Schnell. Was genau ab Dunkelheit zu sehen sein wird, bleibt zunächst eine Überraschung.

Kunst-Farbbildbände und Kinderbücher gibt es am HinZimmer im Hinzeweg in Heimfeld. Nutzen Sie die Gelegenheit für einen Spaziergang in Heimfeld, während die Kunst-Initiativen geöffnet sind. Es gibt viel zu entdecken an diesem Kulturtag Harburg. Im HinZimmer kann man zwischen 15 und 18 Uhr eine wunderschöne Sammlung von Kunstbände anschauen und gegen eine Spende mitnehmen.

 

]]>
Scharfer Krimi in Stumpfer Ecke https://www.tiefgang.net/scharfer-krimi-in-stumpfer-ecke/ Fri, 27 May 2022 22:48:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9032 [...]]]> Die beliebte und traditionsreiche Kneipe „Zur Stumpfen Ecke“ direkt hinterm (noch-)Rieckhof nimmt dieses Jahr an den SuedLese-Literaturtagen teil. Man könnte fragen, warum erst jetzt?!

Wir haben mal nachgefragt – und zwar bei Andrea Petersen und Christoph Ebener, die auch zum Führungsgremium der neuen Genossenschaft gehören, die seit 2022 die Kneipe übernommen  und somit vor allem gesichert hat.

Tiefgang (TG): Wie kommt es, dass eine Kneipe an den Literaturtagen teilnimmt?

Andrea Petersen: Unsere Gäste lesen viel, tauschen und empfehlen sich Bücher und sprechen am Tresen darüber. Kurz: Die Stumpfe Ecke ist literaturaffin, da schien es uns naheliegend nun auch selbst Lesungen zu veranstalten.

TG: Aber gehört Literatur in die Kneipe?

Christoph Ebener: Autorinnen und Autoren können bei uns in einem kleinen, intimen Rahmen ihre Arbeit vorstellen, sind hier nah an den Leserinnen und Lesern dran. Und unsere Kneipe ist ein für jeden offener Ort, auch für Interessierte die vielleicht nicht unbedingt zu Veranstaltungen kultureller Institutionen gehen. Wir glauben, dass eine Kneipe auch im Bereich Kultur hier ein niedrigschwelliges Angebot machen kann.

TG: Welche Themen und Protagonisten erwarten uns denn?

Andrea Petersen: Am Die., 07. Juni haben wir die Hamburger Autorin Simone Buchholz zu Gast, die aus ihrem achten und letzten Hamburg-Krimi RIVER CLYDE lesen wird. Über diese preisgekrönte Autorin freuen wir uns besonders, weil ihre Romane die Grenzen des Krimi-Genres deutlich erweitert haben. Und außerdem viel Hamburg darin vor kommt.

Christoph Ebener: Und am Die., 28.Juni haben wir die „Geschichtswerkstatt Harburg“ zu Gast, die ihr erfolgreiches Buch „Die wilden Harburger Kneipen der 60er und 70er“ vorstellen. Die Autoren Guenter Wincierz, Jürgen Meyer und Ulrich Witwer werden ihre Archive öffnen und über ihre Recherchen zur Harburger Kneipenkultur der letzten 100 Jahre erzählen. Es wird bisher unveröffentlichtes Bildmaterial zu sehen und viele Geschichten zu hören geben.

TG: Wird es ab nun regelmäßig Kultur in Eurer Kneipe geben?

Andrea Petersen: Ja. Wir planen nicht nur Lesungen, sondern nach zwei Jahren Pause auch wieder mit Musikern und Bands Konzerte zu organisieren. Geplant sind demnächst auch Sonntags-Konzerte mit klassischer Musik und Abende, an denen DJ´s musikalische Themenabende veranstalten.

Die SuedLese-Termine

  • Dienstag, 7. Juni 2022, Simone Buchholz – River Clyde, 20 Uhr, Eintritt 8 €
  • Dienstag, 28. Juni, Geschichtswerkstatt Harburg e.V. Die wilden Harburger Kneipen der 60er und 70er Jahre, 20 Uhr, Eintritt frei – aber Spende erbeten!

Ort: Zur Stumpfen Ecke eG, Rieckhoffstraße 14, 21073 Hamburg-Harburg, www.stumpfe-ecke.de

Tickets: Karten für die Lesung von Simone Buchholz kosten 8.- Euro. Tickets lassen sich per Email unter genossenschaft@stumpfe-ecke.de vorbestellen oder direkt am Tresen der Stumpfen Ecke erwerben. Zur Lesung der Geschichtswerkstatt ist der Eintritt frei, der Hut wird rum gehen.

 

]]>
Orte jüdischen Lebens in Harburg https://www.tiefgang.net/orte-juedischen-lebens-in-harburg/ Fri, 09 Jul 2021 22:57:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8137 [...]]]> Das Stadtmuseum Harburg zeigt ab dem 22. Juli die neue Sonderausstellung „Orte jüdischen Lebens in Harburg“.

Die Ausstellung „Orte jüdischen Lebens in Harburg“ ist Teil des bundesweiten Themenjahres „2021 – Jüdisches Leben in Deutschland (# 2 0 2 1 J L I D)“ und  bietet ab 22. Juli eine gute Gelegenheit, das jüdische Leben in Harburg besser kennenzulernen. Sie macht sich auf die Suche nach Orten, Personen und Ereignissen aus der über 300 Jahre langen jüdischen Geschichte Harburgs und stellt das bewegende Schicksal der jüdischen Gemeinde und einzelner Gemeindemitglieder vor.

Die kleine jüdische Gemeinde in Harburg zählte im frühen 20. Jahrhundert noch 335 Mitglieder, bis sie 1938 nach dem Novemberprogrom der Nationalsozialisten ganz verschwand und heute fast in Vergessenheit geraten ist. Doch etliche Orte in Harburg erinnern an sie, wie zum Beispiel der Ende des 17. Jahrhunderts gegründet Jüdische Friedhof. Der religiöse Mittelpunkt der Gemeinde lag seit 1863 mit der Synagoge in der Eißendorfer Straße. An den ehemaligen Standort der Harburger Synagoge erinnert heute noch ein Nachbau des Eingangsportals. In der Ausstellung werden erstmals Fragmente der Harburger Thora, die in der Progromnacht beschädigt wurde und zunächst verschwand, präsentiert.

Die Ausstellung „Orte Jüdischen Lebens in Harburg“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Stadtmuseums Harburg, der Geschichtswerkstatt Harburg und der Initiative Gedenken in Harburg.

Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 17 Jahre frei; Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10.00 – 17.00 Uhr

Stadtmuseum Harburg, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg – Laufzeit: 22. Juli 2021 bis 17. Oktober 2021

]]>
Die Har-Bücherei https://www.tiefgang.net/die-har-buecherei/ Fri, 13 Mar 2020 23:18:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6482 [...]]]> Was wurde eigentlich alles über Harburg geschrieben und wer hat in Harburg eigentlich alles geschrieben? Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Diese simple Frage stellten sich Prof. Dr. Peter Hornberger, Vorsitzender des Museumsvereins Harburg e.V. und Heiko Langanke, lange Kulturaktivist in Harburg und aktuell Vorsitzender des Kulturausschusses in der Harburger Bezirksversammlung, als sie kürzlich ins Gespräch kamen. Während Peter Hornberger feststellen musste, dass doch immer wieder engagierte Bürgerinnen und Bürger in Nachlässen Bücher zu Harburg fanden und an ihn herantraten, ob das Stadtmuseum Harburg nicht weitere Verwendung hier für fände, stieß Heiko Langanke durch das Programm der aktuellen SuedLese-Literaturtage wieder mal darauf, wie viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der eigenen Nachbarschaft wirkten und dabei ihre Werke der breiten Öffentlichkeit Harburgs kaum ins Bewusstsein stießen. „Wir wäre es, hier einen Bestand systematisch zu sammeln und Interessierten zugänglich zu machen“, so Hornberger  im Gespräch.  „Die Idee hatte ich auch schon mal“, so Langanke. „Es gibt viele Werke etwa über die Geschichte Harburgs, die aber nur bei intensiver Suche entdeckt werden können. Dabei können sie einen großen Beitrag  leisten, zu dem was man gemeinhin ´Identitätsstiftung´ nennt.“

Gesagt, getan:  als sie sich zum Thema trafen, wurde ihnen schnell bewusst: hier muss was geschehen. Noch ist die Idee in ihren Anfängen und doch ist klar: sowohl im Stadtmuseum Harburg als auch in der Geschichtswerkstatt aber auch dem Literaturverlag von „Alles wird schön“ (AWS Lit) wie auch in vielen privaten Beständen schlummern Harburger Buch-Schätze, die es zu heben gilt. Dabei wollen die beiden bei raren Exemplaren den Versuch unternehmen, je ein Exemplar im Bestand zu halten und je nach Verfügbarkeit zu digitalisieren und zu erfassen, so dass es der Nachwelt zumindest in digitaler Form erhalten bleibt. Aber bei mehreren Exemplaren soll es auch möglich werden, sich eines zu leihen. „Mit der Harburger Kunstleihe haben wir es sogar mit Kunstwerken geschafft, den Harburger Kreativen mehr Geltung zu verschaffen. Da dürfte es für den Bereich Bücher dich erst recht möglich sein“, so Langanke.

Peter Hornberger und Heiko Langanke rufen nun alle Harburger Interessierten auf, Bücher, die sie über Harburg oder aus der Feder von Harburger Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben und eventuell keine weitere private Verwendung mehr haben, dem Projekt zur Verfügung zu stellen. Als Kontakt bietet sich Dr. Peter Hornberger vom Museumsverein per E-Mail  an Museumsverein@amh.de.

Gesucht werden Geschichtsbücher aber auch jegliche Form von Literatur, die von Schriftstellenden aus Harburg publiziert wurden.

 

]]>
Jetzt ist es Zwölf! https://www.tiefgang.net/jetzt-ist-es-zwoelf/ Fri, 13 Dec 2019 23:16:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6171 [...]]]>  

„5 vor 12“ hieß der Weckruf der Geschichtswerkstatt Mitte 2018. Jetzt scheint es 12 zu sein.  Zeit einer der ältesten Harburger Fabriken Adieu zu sagen.  

Harburg und seine Baudenkmäler: eine unsägliche Geschichte mit seiner Geschichte. Mit der Likörfabrik Hilke am Karnapp 15 und 16 findet sie eine weitere Fortsetzung. Denn es ist mehr als dubios, was sich wieder mal in Harburgs Sektor der Stadtabwicklung zuträgt.

Bereits Mitte 2018 wies die Geschichtswerkstatt Harburg  zum Tag des offenen Denkmals dringlichst darauf hin, dass das unter Denkmalschutz stehende Gebäude offensichtlich vorsätzlich dem Verfall ausgeliefert wird. Unter dem Motto  „5 vor 12 für die alte Likörfabrik: Rettet Hilke!“ wurden Unterschriften für den Erhalt gesammelt. (´Tiefgang` berichtete am 8. Sept. 2018)

Die Spirituosen- und Likörfabrik Louis Hilke geht auf die Brennerei Osterhoff von 1833 zurück, die zu den ersten „fabrikähnlichen Etablissements“ in Harburg gehörte.

1833 von H. Osterhoff gegründet, 1893 von Louis C. Hilke übernommen und bis 1980 von der Familie Berg weitergeführt, war die Likörfabrik Hilke über viele Jahrzehnte eine Institution in Harburg. Seit der Gründung befand sich die Produktionsstätte am Karnapp, der zweitältesten Straße Harburgs, die bereits um 1500 angelegt wurde.

Die noch heute erhaltenen Gebäude Karnapp 15 und Karnapp 16 wurden in den Jahren 1859 und 1899 erbaut. Seit der Einstellung der Produktionsbetriebs 1980 erfolgte keine Pflege des gesamten Gebäudeensembles mehr, so dass sich der gesamte Komplex in einem baulich schlechten Zustand befand. Das Gesamtobjekt steht unter Denkmalschutz. Also ein durchaus relevantes Gebäude für die Stadtgeschichte.

Bis 1985 war es als Fabrik noch aktiv im Gebrauch. Später kaufte es die Harburger Traditionsfirma H.C. Hagemann (die übrigens 2019 gerade still ihr 150jähriges Bestehen hat) für einen Betrag unter 1 Mio. D-Mark. Dann stand es als wahre „Schrott-Immobilie“ für sage und schreibe 2 Mio. Euro (!) im Internet als Kaufangebot.

Das Gebäude war in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Thema der Harburger Stadtent- bzw. –abwickler. Erst sollte es als Erweiterungsbau der Technologiefirmen im Harburger Channel dienen, dann gab es immer wieder politische Stellungsnahmen, man möge auf dieses Gebäude Acht geben. In der Begleitgruppe Binnenhafen Harburg – einer Art Bürgerbeteiligungsforum wurde immer wieder behelligt, wie sehr man in Sorge um das Gebäude sei und letztlich wurde seitens des Baudezernenten beteuert, man frage ernsthaft an, ob die Landesimmobiliengesellschaft (kurz LIG) das Gebäude nicht kaufe und so wieder in den städtischen Einflussbereich hole.

Schöne Worte, wüsste man nicht in Harburg und seit Jahrzehnten all zugut, dass Worte und Taten hier so gut wie keinen Zusammenhang finden. (zur langjährigen Tradition siehe auch Rainer Jogschies Buch „21 Hamburg 90“ in ´Tiefgang`: „Zur DNA eines Bezirks“).

Und siehe da: seit einigen  Wochen findet sich ein mit Containern erstellter Durchgang vor dem Gebäude und dieses selbst abgezäunt. Das  „Hamburger Abendblatt“  (6.12.2019) nahm die Sache gleich skeptisch auf und recherchierte. Da wurde als Sachstand auf Seiten der Bezirksverwaltung  bzw. des Eigentümers festgehalten: „Nachfragen beim Bezirksamt ergaben, dass weder Baumaßnahmen noch ein Abriss beantragt seien. Aus Webers Firma HC Hagemann heißt es, ein Abriss sei nicht geplant. Man wolle lediglich der Pflicht nachkommen, den Gehsteig zu sichern, falls durch den Verfall Teile des Gebäudes herabstürzen.“

Die Partei „die Linke“ hatte kurz zuvor am 4. Dezember ebenso argwöhnisch ihrerseits zugleich eine Anfrage an die Bezirksverwaltung gestellt, wie es um die Situation stünde. Nun kam am 11. Dezember – also 5 Tage nach dem erwähnten Abendblatt-Artikel die Antwort, in der es ganz anders auf einmal heißt: „Ja, der Abbruchantrag ist am 13.09.2019 bei der Bauprüfabteilung des Bezirks reingegangen.“ (Drs. 21-0394.01)

Laut Abendblatt vom 12. Dezember spreche „die Pressestelle des Bezirksamts mittlerweile von einem internen Missverständnis bei der Bearbeitung der Abendblatt-Nachfrage“. Kann ja mal passieren?!

Im September also lag bereits ein Antrag vor, im Oktober wurde noch mit den Anwohnern über denkbare Rückkäufe geplaudert und im Dezember noch ganz im Walter Ulbrich-Stil versichert, „Niemand hat die Absicht“ das Gebäude abzureißen. Man braucht kein Verschwörungstheoretiker zu sein, um zu sagen: das stinkt zum Himmel.

Dass es um mehr als Formalitäten geht, ist in Harburg dabei schon lange vom Tisch gefallen. Wen wundert´s dann, wenn in Harburg immer und immer wieder dieselben Fehler gemacht werden und eben mehr Stadtabwicklung als –entwicklung betrieben wird. Zum Schluss wird es meist teurer.

 

Siehe dazu auch den Artikel: Hilke: „Nicht nachzuvollziehen!“

]]>
5 vor 12 für Hilke! https://www.tiefgang.net/5-vor-12-fuer-hilke/ Fri, 07 Sep 2018 22:33:28 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4131 [...]]]> Am Tag des offenen Denkmals an diesem Wochenende wartet die Geschichtswerkstatt Harburg nicht nur mit Wissenswertem auf, sondern auch einer Forderung, die wahrlich nicht neu ist: der Erhalt der ehemaligen Likörfabrik Hilke am Karnapp.

Der Tag des offenen Denkmals an diesem Wochenende (8./9. Sept.) steht in der Geschichtswerkstatt Harburg diesmal nicht nur ums Kennenlernen der regionalen Geschichtswahrer. Unter dem Motto „5 vor 12 für die alte Likörfabrik: Rettet Hilke!“ geht es auch konkret um eine Forderung, die seit Jahren artikuliert und begrüßt wird. Nur getan wurde bisher nichts.

Die Spirituosen- und Likörfabrik Louis Hilke geht auf die Brennerei Osterhoff von 1833 zurück, die zu den ersten „fabrikähnlichen Etablissements“ in Harburg gehörte. Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Karnapp 15-16, steht seit Jahren leer und verfällt. Mit verschiedenen Aktionen, u.a. einer Unterschriftensammlung, die in der Geschichtswerkstatt und mehreren Harburger Denkmälern stattfindet, fordert die Geschichtswerkstatt, unterstützt durch die Kulturwerkstatt Harburg, den Erhalt der geschichtsträchtigen Gebäude. Am Sonnabend, 8.09., legt die Fahrradtour „Entdecken, was uns verbindet… in Harburg“ gegen 10.30 Uhr einen Zwischenstopp an den Hilke-Häusern ein. Am Sonntag, 9.09., 12 bis 18 Uhr, zeigt eine Ausstellung in der Geschichtswerkstatt, Kanalplatz 16, historische Bilder von der alten Likörfabrik und dem Karnapp.

Wer das Unterfangen zum Hilke-Gebäude unterstützen möchte, findet sowohl in der Geschichtswerkstatt als auch Kulturwerkstatt als auch in der „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ (Neue Str. 44) Unterschriftenlisten vor.

Vor etlichen Jahren erwarb das Gebäude die Harburger (Brücken-)Baufirma H.C. Hagemann. Jetzt steht sie aber bei „immobilienscout24“ zum Verkauf. Preis 2 Mio. €.

]]>
Eine Reise von 111 Jahren https://www.tiefgang.net/eine-reise-von-111-jahren/ Fri, 06 Apr 2018 22:26:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3370 [...]]]> Harburgs Geschichte kann man nun auch in virtual reality erleben – und ganz analog. Dabei macht es richtig Spaß und schlau zudem. Ein Rundgang mit der Geschichtswerkstatt.

Es ist grau und für den Frühling eigentlich noch zu frisch. Was kann man da besseres unternehmen als einen Spaziergang – und dazu noch mit Unterhaltungswert?

Treffpunkt ist der Harburger Hauptbahnhof. „Hauptbahnhof?“ Ach so. der historische Rundgang führt und zurück ins Jahr 1907. Als Harburg an der Elbe noch eine eigenständige Stadt war und zwei Jahre zuvor der Bahnhof im Hafen vom neuen Hauptbahnhof abgelöst wurde. Eine Zeitreise.

Begrüßt werden wir von Fabian und Kirstin. Wir, das sind etwa 40 Zeitreisende, die um 111 Jahre sanft zurück katapultiert werden. 1907 ist Fabian Tagelöhner. Eigentlich aus Lüneburg, aber um Arbeit zu bekommen, ist Harburg Anfang des 20. Jahrhunderts als eine der größten Städte der Region besser geeignet. Und erreichbar eben über die Zugverbindung vom Süden her. Kirstin ist angestellte Köchin in der Herberge „Heimat“ – dort, wo das Harburg Center steht und auch bald wieder Geschichte ist.

Die beiden sind samt Kleidung in diese historischen Rollen geschlüpft und ins letzte Jahrhundert. Und sie führen so selbstverständlich durch das einstige Harburg, als sei es noch die Industriestadt mit rauchenden Gummiwerken, gründerzeitlicher Aufbruchstimmung und dem Stolz des aufstrebenden Bürgertums. Man kommt zum Bekleidungshaus Meier an der Moorstraße, Ecke Wilstorfer. Dort gibt es moderne und erschwingliche Kleidung für Damen, Herren, Knaben und Mädchen- und: „Touristen und Radfahrer“, wie Angebotszettel des Bekleidungsgeschäftes anpreist. Vor oder kommt man zum Kriegerdenkmal – erinnernd an die Gefallenen der Kaiserreichskriege um 1870/71 – in die Erste Wilstorfer Straße (heute Lüneburger) zum Hotel „Deutsches Haus“, zum jüdischen Warenhaus Horwitz und vom gerade erbauten „neuen“ Rathaus und bis zum Sand. Ganz in die Vergangenheit zurückgeworfen, wird der Blick auf die Gebäude gelenkt und was man nicht zu sehen vermag, wird per Bild – ganz analog – hochgehalten oder herum gereicht.

„Was da heute draus geworden ist“

Und die Zeitreisenden aus dem 21. Jahrhundert sind schnell gebannt. Hört man noch zu Beginn ein „schlimm schlimm, was da heute draus geworden ist“, wandelt sich die Stimmung bald in ein „oh, wie toll das gewesen ist“. Eine sympathische Art, Städteplanungen Harburgs  erträglicher zu machen. Die Reisenden achten auf die einstige Straßenbahn und ein Gast erzählt beim historischen Schlender, dass die Gebrüder Vering ja „jetzt“ wohl eher im fernen Wilhelmsburg aktiv seien und dort einen Kanal zu bauen gedenken.

Ein Stadtspaziergang durch Harburg auf den Spuren eines historischen Reiseführers von 1907, der wahrlich vom Verlag Lühmann seinerzeit herausgebracht wurde und die Stadt anpries. Fabian Pleiser und Kirstin Rachow machen diese Rundgänge mit Humor und Geschick und einem steten Augenzwinkern im Rahmen des Geschichtswerkstätten-Programms ‘Kiek mol’. Und wer Harburg wirklich kennen und verstehen will, sollte sich den einen oder anderen Rundgang als alternativen Sonntagsspaziergang unbedingt erlauben. Sie sind kostenfrei – sollten aber dennoch mit einer Spende gewürdigt werden. Denn die zwei Stunden sind kurzweilig, humorvoll und erkenntnisreich. Vielleicht sollte auch manch´ Regent des Bezirks sich mal aus anderer Perspektive seinen „Tatort“ anschauen.

Die nächsten Stadtrundgänge:

  • 14. April, 15h: Rundgang zu Gedenkorten mit Stolpersteinen

Die Geschichtswerkstatt Harburg in Kooperation mit der Initiative “Gedenken in Harburg” lädt zu einem Rundgang zu verschiedenen Gedenkorten in Harburg ein.
Treffpunkt /Start: Haupteingang Harburger Rathaus,  Harburger Rathaus Platz 1, 21079 Hamburg

  • 7. Juni, 18h: Rundgang: Bauernhäuser, Arbeiterwohnviertel und ein Bach

Eine Wanderung durch Wilstorf im Rahmen des Programms ‘Kiek mol’
Treffpunkt: Bushaltestelle Reeseberg, bei den Basaltsäulen, Winsener Str. 21, 21077 Hamburg

  • 8. Sept., 10h: Fahrradtour: Irrgarten, Goldene Wiege und der Galoppschuster

Treffpunkt: Geschichtswerkstatt Harburg, Kanalplatz 16, 21079 Hamburg

Mehr Informationen zur Geschichtswerkstatt Harburg unter www.geschichtswerkstatt-harburg.de.

]]>
„Erinnern für die Zukunft“ https://www.tiefgang.net/erinnern-fuer-die-zukunft/ Fri, 13 Oct 2017 22:16:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2144 [...]]]> Das menschliche Zusammenleben ist zuweilen schwer zu verstehen. Denn vieles ist im Gestern begründet. Im November wird in Harburg an vieles erinnert. Und die Termine zeigen, wie wichtig dies ist …

„Erinnern für die Zukunft“ – unter diesem Motto finden die Harburger Gedenktage im Jahr 2017 in einer neuen Form statt. Und zwar den kompletten November 2017 über finden verschiedenste Veranstaltungen statt. Und zwar 24 an der Zahl! Dabei gibt es Rundgänge, Vorträge, Diskussionen, Lesungen, Filmbeiträge oder gar Ausstellungen und Projektarbeit.

Es beteiligen sich dabei Harburger Schulen, Kultureinrichtungen, politische und gesellschaftliche Organisationen und Vereine mit Beiträgen und Veranstaltungen. Damit sind die Gedenktage vielfältig wie der Bezirk selbst. Die Harburger Gedenktage erinnern an die Opfer und die Verfolgten des Nationalsozialismus – mit dem Fokus auf Akteure und Ereignisse im Bezirk Harburg. Sie schauen aber auch auf die Gegenwart und die Zukunft. Extremismus, Diskriminierung und Verfolgung, Flucht und Vertreibung, Krieg, Selbstbehauptung und Widerstand sind auch aktuelle Themen.

Vielfalt an Beteiligten

Und an Beteiligten ist kaum mehr aufzubieten: Die Liste reicht vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, über die Bücherhalle Harburg, den Roten Sessel, das Friedrich-Ebert-Gymnasium,  Geschichtswerkstatt Harburg, Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen, die Initiative Gedenken in Harburg, das Künstlerisch-kulturelles Integrationsprojekt „Wir sind Harburg“, KulturWerkstatt Harburg e.V, Libertäre H-Burg, Regionales Bildungs- und Beratungszentrum Harburg, Süderelbe-Archiv, VVN/BdA Harburg bis zum welt*RAUM. Unterstützt durch die Bezirksversammlung Harburg, das Bezirksamt und den Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost.

Das komplette Programm zum Herunterladen unter: Harburger_Gedenktage_2017_Programm

Hier eine kleine Auswahl an Terminen:

Marione Ingram

Mi., 1. Nov. 18 Uhr, Friedrich-Ebert-Gymnasium, Pausenmehrzweckhalle, Alter Postweg 30-38, Zugang Eingang Petersweg 6

Zeitzeugengespräch: Marione Ingram über Verfolgung und Rettung im Nationalsozialismus

Marione Ingram ist sowohl Überlebende der Shoa als auch der „Operation Gomorrha“, die Hamburg für zehn Tage in ein Flammenmeer verwandelte und als „Feuersturm“ erinnert wird. Sie ist aus den USA zu Gast und liest aus ihrem Buch „Kriegskind, eine jüdische Kindheit in Hamburg“. Die heute 82-jährige Marione Ingram (sprich: Marion) beschreibt darin, wie sie als achtjähriges Mädchen 1943 der Deportation nach Auschwitz knapp entkommen ist, weil ausgerechnet in der Nacht zuvor die massiven Angriffe der britischen und US-amerikanischen Armee begannen. Marione konnte sich mit ihrer Mutter in einem Bombenkrater in Sicherheit bringen. Dank ihres mutigen Vaters, der immer zu seiner jüdischen Frau gestanden hat, konnten Marione, ihre jüngere Schwester und ihre Mutter die letzten Jahre der Nazi-Terrorherrschaft in einem Gartenhaus versteckt in Hamburg-Rahlstedt überleben. Alle drei sind Anfang der 1950er Jahre in die USA ausgewandert. Dort hat sie ihre traumatischen Erfahrungen in politisches Engagement für die Bürgerrechtsbewegung umgewandelt. Auch dies schildert sie in dem Buch, ebenso wie ihre schlimmen Erinnerungen an die ersten Schuljahre an einer deutschen Schule als gerade erst zehnjähriges Mädchen kurz nach der Befreiung. Wir freuen uns, dass sie nach der Lesung für Fragen bereit steht.

Anmeldung erbeten unter stefanie.engel@ebert.hamburg.de

Veranstalter: Friedrich-Ebert-Gymnasium

Sa., 4. Nov, 15 Uhr, Treffpunkt: Herbert-Wehner-Platz, S-Bahn-Station Harburg Rathaus (S 3, S 31), Ausg. Großer Schippsee

Rundgang: Gedenkorte mit Stolpersteinen für Harburger Opfer des Nationalsozialismus

Erinnerungsarbeit mit der Vierkaten-Schule aus Neu Wulmstorf. (Foto: GiH)

„Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“ – Das sagt der Kölner Künstler Gunter Demnig, der seit 1995 mit seinem Projekt Stolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Stolpersteine sind mit Messingplatten bezogene Pflastersteine mit den Namen und Lebensdaten der ermordeten Menschen. Sie werden auf den Gehwegen vor den Häusern verlegt, in denen diese Menschen einst lebten oder arbeiteten. Der Rundgang dauert ca. 45 Minuten und führt zu vier Gedenkorten mit fünf – von insgesamt 207 – Harburger Stolpersteinen. Eine Veranstaltung im Rahmen des Harburger Kulturtages.

Beitrag: 3 € | Veranstalter: Initiative Gedenken in Harburg

Anna Pröll (Archiv Pröll)

So., 5. Nov., 17 Uhr (Einlass ab 16 Uhr), Sauerkrautfabrik, Kleiner Schippsee 22, Eingang: Am Wall

Film: „Anna, ich hab Angst um dich“

Regie Josef Pröll, Deutschland 2001

Der Dokumentarfilm zeigt Auszüge aus dem Leben von Anna Pröll, die während der Zeit des Nationalsozialismus aktiven Widerstand leistete. So wurde sie mit 17 Jahren wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt und 4 1/2 Jahre „weggesperrt“. Über das Untersuchungsgefängnis Katzenstadel und das Gefängnis Aichach kam sie in das Konzentrationslager Moringen. Der Zuschauer wird durch die Erzählungen Annas, durch ihre menschlichen Verhaltensweisen fasziniert und in eine Zeit versetzt, in der Zivilcourage oft das Leben kostete. „Vor den Zuschauern zieht … ein Leben vorbei… aufregend, ergreifend, beispielhaft in seiner mutigen, humanen Haltung.“ (Augsburger Allgemeine)

Veranstalter: welt*RAUM in Kooperation mit Libertäre H-Burg

Mi., 8. Nov., 18 Uhr, Fischhalle, Kanalplatz 16

Lesung: Claus Günther liest aus „Heile, heile Hitler“

„Die Nazizeit von innen. Mit den Augen eines Kindes. Mit seinen Gedanken, seinen Verwirrungen und Versuchen zu verstehen. Fast belanglos schleicht sich das Gift in den Alltag der Harburger Kleinfamilie, wird stärker, verändert die Menschen.“ So beginnt der Klappentext des Buches von Claus Günther, aus dem er einige Passagen vortragen wird. Claus Günther, gebürtiger Harburger, Jahrgang 1931, wächst in der Eißendorfer Straße auf, besucht die Grundschule und die Oberschule (heute Friedrich-Ebert-Gymnasium), ist Hitlerjunge, kommt in die Kinderlandverschickung und erlebt die frühe Nachkriegszeit in Harburg.

Veranstalter: Geschichtswerkstatt Harburg und Initiative Gedenken in Harburg

Do., 16. Nov. 19:30 Uhr, BGZ Süderelbe, Stadtteilsaal, Am Johannisland 2

Vortrag & Diskussion: Dr. Christian Gotthardt – Widerstand & Verfolgung in Harburg und Wilhelmsburg

Zeugnisse und Berichte 1933 -1945. Im Februar 2005 erschien die erweiterte Ausgabe des Buchs „die anderen. Widerstand und Verfolgung in Harburg und Wilhelmsburg. Zeugnisse und Berichte 1933–1945.“ Die Autoren hatten damals umfangreiche Archivrecherchen vorgenommen und konnten sicher sein, den Gegenstand im Wesentlichen erfasst zu haben. Aber natürlich sind seitdem wichtige Details neu erforscht und wichtige Verfolgtengruppen komplexer begriffen worden. An diesem Abend sollen einige bisher unbekannte Fälle beleuchtet sowie ein – auch zahlenmäßiger – Gesamtüberblick gegeben werden. Spende erbeten.

Veranstalter: Süderelbe-Archiv | Harburger Gedenktage 2017 | zeitzeugengespräch | Harburger Gedenktage 2017

Sa., 18. Nov., 9 bis 16 Uhr, Treffpunkt: 9 Uhr vor dem Helms-Museum (Busbucht). Abfahrt: 9:30 Uhr

Bus-Exkursion zur Gedenkstätte Lager Sandbostel

Das STALAG X B war eines der größten Kriegsgefangenenlager Norddeutschlands. Zwischen 1939 und 1945 waren dort mehr als 313.000 Kriegsgefangene, Internierte und zuletzt etwa 9.500 KZ-Häftlinge aus mehr als 50 Nationen untergebracht. Tausende sind gestorben und wurden auf dem Lagerfriedhof bestattet. Die Teilnehmer der Bus-Exkursion erhalten auf dem geführten Rundgang über das Lagergelände eine Einführung in die Geschichte des STALAG X B sowie die Gelegenheit zur Besichtigung historischer Gebäude. Im Anschluss können die zwei Dauerausstellungen besucht werden. Ebenso besteht die Möglichkeit des individuellen Gedenkens am Gedenkstein und für einen Besuch der Kriegsgräberstätte Sandbostel (ehem. Lagerfriedhof).

Begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung: Tel. 040 7927016 oder diewackers@web.de, Beitrag: 10 € pro Person, ermäßigt 5 € Veranstalter: VVN/BdA Harburg

 

Do., 23. Nov. 18:30 Uhr, Friedrich-Ebert-Gymnasium, Pausenmehrzweckhalle, Alter Postweg 30-38, Zugang Eingang Petersweg 6

Hannes Heer (Foto: Ulrike Deuscher)

Vortrag und Diskussion: Hannes Heer – Die Wehrmachtsausstellung

Das Ende der Legende von der „sauberen Wehrmacht“ und neue Legenden Lange glaubten viele, für die Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg sei allein die SS verantwortlich gewesen, die Wehrmacht sei sauber geblieben. Mit dieser Legende räumte 1995 die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht“ gründlich auf: Sie hat, im besten Sinne des Wortes, Geschichte gemacht.

Der Historiker Hannes Heer (* 1941) berichtet über die Kontroversen, die sich an die Ausstellung anknüpften: Konservative und Rechtsradikale protestierten gegen die angebliche Nestbeschmutzung, in der Presse wurden Fälschungsvorwürfe laut, Jan Philipp Reemtsma erstellte schließlich eine neue Ausstellung. Angesichts dieser Auseinandersetzungen, die zum Teil noch andauern, verspricht es ein spannender Abend zu werden.

Anmeldung für Gruppen/Schulklassen: Tel. 4287631-0 oder -12 bzw. joerg.isenbeck@ebert.hamburg.de.Spende erbeten. Veranstalter: KulturWerkstatt Harburg e.V. in Kooperation mit dem Friedrich-Ebert-Gymnasium

]]>
Diese Bahn ist abgefahr´n! https://www.tiefgang.net/diese-bahn-ist-abgefahrn/ Fri, 08 Sep 2017 22:31:23 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1971 [...]]]> Will man von links nach rechts kommen, kann es nicht schnell genug gehen und in Hamburg geht man üblicherweise dafür in den Untergrund zur U- und S-Bahn. Das war nicht immer so.

Im Juni 2017 hat der Harburger Geschichtsforscher Klaus Barnick eine neue Broschüre mit dem Titel „Straßenbahnen und O-Busse in Harburg“ herausgebracht. Als Mitglied der Geschichtswerkstatt Harburg skizziert er darin die Geschichte des elektrischen Nahverkehrs anhand der fast 70 Jahre eingesetzten Straßenbahnen und Oberleitungsbusse in Harburg. Der Schwerpunkt seines Buches liegt dabei mehr auf der Entwicklung und Streckenführung ab 1902 als auf technischen Details. Zahlreiche, überwiegend farbige Abbildungen geben dabei fast beiläufig Einblicke in das historische Harburg und seine Straßen und Plätze.

Rührselige Geschichte einer vergangenen Zeit. Da konnte man von der Reeperbahn bis nach Rönneburg fahren. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass die heute veranschlagte halbe Stunde nicht gereicht haben dürfte. Dafür war der Ausblick umso schöner.

Der kleinformatigen Broschüre (50 Seiten) ist die DVD „Linie 12. Die letzte Straßenbahn in Harburg“ beigefügt. Die Schmalfilmaufnahmen des Amateurfilmers Ernst Voss von 1971 dokumentieren die Fahrt der Linie 12 von der Alten Harburger Elbbrücke bis nach Rönneburg. Joachim Hillmer hat die Szenen neu geschnitten und mit Kartenausschnitten und einem gesprochenen Kommentar versehen, DVD ca. 34 Min.

 

 

Klaus Barnick (Hg.): „Straßenbahnen und O-Busse in Harburg“, Taschenbuch: 50 Seiten, Geschichtswerkstatt Harburg; Auflage: 1, Erscheinungsdatum 10. Juni 2017, ISBN-10: 394356004X, ISBN-13: 978-3943560046, 10,- €

Die Broschüre ist auch in der Geschichtswerkstatt Harburg, Kanalplatz 16 (Fischhalle) erhältlich.

geschichtswerkstatt-harburg.de

 

Wer Glück und Interesse hat, findet im ein oder anderen (Online-)Archiv oder –Antiquariat auch noch das Taschenbuch von ´Detlev Lüder: Die Straßenbahnen in Harburg, ihre Vorläufer und Nachfahren` das der Forscher zum Eisenbahnwesen Mitte der 80er Jahr im Eigenverlag herausbrachte.

 

 

 

 

Fahren Sie doch mal mit und entdecken Harburg aus einer anderen Zeit:

 

]]>