Gewalt gegen Frauen – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Sat, 13 Sep 2025 09:08:13 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Gegen die stille Gewalt https://www.tiefgang.net/gegen-die-stille-gewalt/ Fri, 12 Sep 2025 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12403 [...]]]> Die Stadtbibliothek Buxtehude lädt zu einer Lesung, die mehr ist als eine bloße Buchvorstellung: Am 23. September um 19 Uhr präsentiert die Rechtsanwältin und Autorin Asha Hedayati ihr Werk „Die stille Gewalt“.

Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche literarische Veranstaltung wirkt, ist in Wahrheit die Ankündigung einer schonungslosen Analyse – und ein Aufruf, nicht länger wegzusehen.

Hedayati beschäftigt sich in ihrem Buch mit einem Thema, das für den Leser und die Leserin oftmals nur eine abstrakte Statistik ist: Jede vierte Frau erlebt in ihrer Partnerschaft Gewalt. Die Autorin, die seit fast einem Jahrzehnt als Familienrechtsanwältin tätig ist, gibt Zahlen aber eine Stimme und ein Bild. Und sie legt eine scharfe Kritik an den Tag und zeigt, wie der Staat die betroffenen Frauen nicht nur unzureichend schützt, sondern in seinen eigenen Strukturen Teil des Problems wird.

Partnerschaftsgewalt ist, wie Hedayati es nennt, ein „blinder Fleck“ bei Familiengerichten, der Polizei und den Jugendämtern. „Strukturelle Probleme“, will heißen: es handelt sich nicht um Einzelfälle von Inkompetenz, sondern um tief verankerte, systemische Schwachstellen, die den Opfern den Weg aus der Gewalt unnötig erschweren. Es ist diese Praxisnähe, die Hedayati als Anwältin mitbringt, die ihr Werk so dringlich macht. Sie schreibt nicht aus einer theoretischen Distanz, sondern aus der konkreten Erfahrung, dem Leid der Frauen, die sie vertritt.

Asha Hedayati, die 1984 in Teheran geboren wurde und an der Humboldt-Universität Rechtswissenschaften studierte, nutzt ihre Expertise, um Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen. Ihre Arbeit ist ein wichtiger Beitrag zur juristischen und gesellschaftlichen Aufklärung.

Die klare, analytische Stimme der Autorin findet auch in der Fachwelt Anklang. Die Journalistin Teresa Bücker lobt die entschiedene und präzise Beschreibung bei Hedayati, die Literaturwissenschaftlerin Asal Dardan die „klare, hellsichtige und bestärkende Stimme“ des Buches. Es sind diese Merkmale, die das Werk zu einer unverzichtbaren Lektüre für alle machen, die die gesellschaftliche Dimension häuslicher Gewalt verstehen und verändern möchten.

Die Lesung in Buxtehude, die in Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro der Hansestadt stattfindet, ist Teil des bundesweiten Projektes „Land.schafft.Demokratie“. Dieses fördert Bibliotheken als Orte des Dialogs und der Vielfalt. In diesem Rahmen bietet die Veranstaltung eine wichtige Plattform, um die „stille Gewalt“ zu thematisieren.

Lesung mit Asha Hedayati aus „Die stille Gewalt“ | Do., 23. September, 19 Uhr, Stadtbibliothek Buxtehude, Fischerstraße 2. Eintritt frei, Anmeldung online oder direkt in der Stadtbibliothek ist erwünscht.

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Mit Farbe gegen Gewalt https://www.tiefgang.net/mit-farbe-gegen-gewalt/ Fri, 03 Jul 2020 22:49:02 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7076 [...]]]> Viele Frauen erfahren im Laufe ihres Lebens Gewalt. Eine neue Gruppe im Kulturhaus Süderelbe will destruktiver Gewalt gegen Frauen mit Kreativität begegnen.

 von Ulrike Hinrichs

Gewalt gegen Frauen ist ein weit verbreitetes Thema. Das hat auch die weltweite Metoo Debatte gezeigt. Sie kann Ausdruck eines Machtungleichgewichtes zwischen den Geschlechtern sein. Frauen erleiden körperliche, sexualisierte und psychische Gewalt.

Ebenso strukturelle Gewalt, mit der persönliche Freiheiten, Entwicklungen und Chancen beschränkt werden, ist gesellschaftlich verbreitet. Aber auch in der Familie oder im sozialen Umfeld können insbesondere Kinder und Jugendliche von weiblichen Bezugspersonen seelische wie körperliche Gewalt erfahren. Die Wunden der verletzten Frauen bleiben oft ein Leben lang. Betroffene Frauen fühlen sich ohnmächtig und sprachlos. Sie schweigen aus Angst und Scham. Auch ich habe als junge Frau Gewalt erlebt und konnte erst Jahrzehnte später darüber sprechen.

Das Thema braucht eine sensible Annäherung. Gewalt ist tabu- und schambesetzt. Gerade in der aktuellen Corona Krise mit häuslicher Isolation nimmt auch das Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder zu.

In der Gruppe, die im September im Kulturhaus Süderelbe startet, tauschen sich die Frauen über den künstlerischen Ausdruck in einem geschützten Rahmen zu diesem schambesetzten Thema kreativ aus. Der künstlerische Ausdruck kommt ohne Worte aus. Die Kunst ist eine Sprache der Intuition (siehe auch ´Tiefgang`: Mit der Kunst die Intuition einfangen). Sie kann Unaussprechliches sichtbar machen und Ambivalenzen vereinen. Das Kunstwerk ist wie eine Art Bote, der unbewusste und unentdeckte Wünsche aufzeigt und neue Lösungsansätze präsentiert. Die Frauen finden in der Gruppe Unterstützung und entwickeln Perspektiven, wie sie mit den Erfahrungen umgehen. Die Gruppe als Ressource trägt diesen Prozess. Selbstfürsorge und Selbstakzeptanz ist der erste Schritt aus der Gewaltspirale. Die eigenen Ressourcen aktivieren, Tabus sichtbar machen und Perspektiven entwickelten, werden wichtige Themen sein.

Die Gruppe ersetzt keine Therapie, kann aber den Klärungs- und Heilungsprozess unterstützen.

Jüngst hat auch die Weltgesundheitsorganisation nach einer umfangreichen Studie die unterstützende Wirkung von Kunst bestätigt (siehe auch ´Tiefgang`: Kunst, Natur und Gesundheit).

Die offene Gruppe mit max. 6 Frauen trifft sich im Kulturhaus Süderelbe im Atelier. Leitung: Ulrike Hinrichs, Kunsttherapeutin www.lösungskunst.com Ort: Kulturhaus Süderelbe, Atelier www.kulturhaus-suederelbe.de

10 Termine, 1 x monatlich am Sonntag 12:00 bis 14:00 Uhr. Start 6.9.2020

Das Angebot richtet sich an von Gewalt betroffene Frauen unabhängig von Alter, Einkommen, Herkunft oder sexueller Orientierung.

Das Projekt wird gefördert durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Bezirksamt Harburg / in Kooperation mit dem Kulturhaus Süderelbe

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