Hamburg 1918.1919 – Aufbruch in die Demokratie https://www.tiefgang.net Mon, 19 Aug 2019 13:24:01 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 100 Jahre Bildung https://www.tiefgang.net/100-jahre-bildung/ Fri, 16 Aug 2019 22:47:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5669 [...]]]> Vor 100 Jahren wurde die Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen gegründet. Kein Grund alt auszusehen.

Das Jubiläum feiern die Bücherhallen Hamburg mit einem Festprogramm und einem Aktionstag (heute, am 17. August 2019). In der Zentralbibliothek am Hühnerposten, den 32 Stadtteilbibliotheken und in zwei Bücherbussen gibt es ein vielfältiges Programm mit über 100 Veranstaltungen für alle Hamburgerinnen und Hamburger. Die Patriotische Gesellschaft hatte am 14. August 1919 die Stiftung errichtet, die bis heute Trägerin der Bücherhallen Hamburg ist. Die Bücherhallen zählen zu den größten und innovativsten Öffentlichen Bibliothekssystemen in Deutschland. Mit jährlich 4,9 Millionen Besucherinnen und Besuchern sind sie die publikumsstärkste Kultureinrichtung Hamburgs und wichtige Orte der gesellschaftlichen Begegnung. In den kommenden Jahren setzen sie ihren erfolgreichen Weg unter neuer Leitung fort.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Seit hundert Jahren ist die Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen eine feste Größe im Hamburger Kulturleben. Heute sind die Bücherhallen viel mehr als Orte zum Lesen und Ausleihen von Büchern. Sie haben sich zu Orten des Lernens und der Begegnung entwickelt, an denen das Buch eines von vielen Medien ist, die genutzt werden. Diese offenen Orte, an denen sich die gesamte Stadtgesellschaft begegnet, brauchen wir in unserer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche umso mehr. Und die steigenden Nutzerzahlen der Bücherhallen zeigen, wie groß das Bedürfnis nach diesen Orten ist. Ich danke Hella Schwemer-Martienßen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die Bücherhallen mit ihrem konsequenten Kurs der Öffnung zu den innovativsten dieses Landes gemacht haben. Ich bin mir sicher, dass Frauke Untiedt diesen erfolgreichen Weg engagiert weitergehen wird.“

Hella Schwemer-Martienßen, seit 1995 Direktorin der Bücherhallen, blickt zurück: „Am Anfang meiner Tätigkeit habe ich nicht gewagt, mir vorzustellen, was aus diesem Bibliothekssystem werden könnte, nämlich eines der erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum. Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie diesen schwierigen Weg der laufenden Veränderungen und harten Einschnitte über Jahre mitgegangen sind. Geholfen hat sicherlich, dass die Bücherhallen als Stiftung organisiert sind. Der Politik danke ich, dass Sparen und Investieren in die Zukunft zusammen gedacht werden, das ist zweifellos der Hamburger Weg zum Erfolg.“

Frauke Untiedt, Direktorin ab dem 1. September 2019: „Die Bücherhallen sind ein fester Bestandteil der sozialen Infrastruktur dieser Stadt. Sie werden immer Orte sein, die Bücher zur Verfügung stellen. Sie verfügen darüber hinaus über eine hohe Aufenthaltsqualität ohne Konsumzwang und geben der Stadtgesellschaft so die Möglichkeit, den Kontakt zueinander zu halten und die sozialen Unterschiede in der besten Tradition ‚Dritter Orte‘ abzumildern“.

Die Bücherhallen Hamburg heute

Die Bücherhallen Hamburg sind heute ein innovativer und lebendiger Kulturbetrieb, der jährlich von rund 4,9 Millionen Hamburgerinnen und Hamburgern genutzt wird. Nach einem Konsolidierungskurs in den 1990er- und 2000er-Jahren haben sich die Bücherhallen unter ihrer Direktorin Hella Schwemer-Martienßen zu einem der modernsten Bibliothekssysteme Deutschlands entwickelt. Die Möglichkeiten der Digitalisierung haben die Bücherhallen früh für sich genutzt und sich auf die gesellschaftlichen Veränderungen eingestellt. Obwohl die Zahl der Buchausleihen zurückgeht, verzeichnen die Bücherhallen eine steigende Zahl von Nutzerinnen und Nutzern. Multimedial und digital hervorragend aufgestellt, sind sie gern aufgesuchte Treffpunkte in den Stadtteilen mit vielfältigen Veranstaltungsformaten für alle Generationen und Kulturen. Ihre flächendeckende Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas im Bereich der Lese- und Medienkompetenzförderung sowie vielfältige Aktivitäten zur Entwicklung des Ehrenamts machen sie zu einem wichtigen Partner in der offenen, vielfältigen und integrativen Stadtkultur.

Der konsequente Modernisierungsprozess wird fortgesetzt. Die Stiftung erhält seit 2013 Mittel aus dem Sanierungsfonds 2020 und dem IT-Globalfonds, um sowohl die Zentralbibliothek als auch die 32 Stadtteilbücherhallen als Kultur- und Begegnungsorte für die Hamburgerinnen und Hamburger weiterzuentwickeln. Dazu gehören neben wichtigen Baumaßnahmen vor allem Modernisierungsprojekte wie die Selbstbedienung bei Ausleihe und Rückgabe sowie die Erweiterung der Öffnungszeiten über das Open-Library-Konzept.

Am 1. September wird Frauke Untiedt neue Direktorin der Bücherhallen Hamburg. Sie folgt Hella Schwemer-Martienßen, die nach 25 erfolgreichen Jahren als Direktorin in den Ruhestand geht.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten

Mit verschiedenen Veranstaltungen bedanken sich die Bücherhallen Hamburg bei ihren Kundinnen und Kunden, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Kooperationspartnern und Förderern für die langjährige Unterstützung und Anerkennung.

Zum Jubiläum erscheint die Broschüre „Ein Jahrhundert für Hamburg“ zur Geschichte und Zukunft der Bücherhallen mit Beiträgen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Freundinnen und Freunden, Netzwerkpartnerinnen und -partnern.

  • Samstag, 17. August 2019:

Aktionstag für Hamburg an allen Standorten
In allen Bücherhallen in Hamburg (auch in denen, die sonst samstags nicht geöffnet haben) findet ein Aktionstag mit insgesamt über 100 Veranstaltungen statt. Alle Hamburgerinnen und Hamburger sind herzlich eingeladen, ihre Lieblingsbücherhalle zu besuchen oder eine zu entdecken, die sie bisher noch nicht kennen.

Das vollständige Programm gibt es unter www.buecherhallen.de

  • Donnerstag, 22. August 2019:

Mitarbeiterfest für Aktive, Ehrenamtliche und Ehemalige der Bücherhallen Hamburg (geschlossene Gesellschaft)

  • Donnerstag, 29. August 2019:

Fachtag Kulturelle Bildung in der offenen Stadtgesellschaft, veranstaltet von der LAG Kinder- und Jugendkultur e. V., STADTKULTUR HAMBURG e. V., W3 – Werkstatt für Internationale Kultur und Politik e. V. und der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen im Rahmen des 360°-Projekts der Kulturstiftung des Bundes

Das Jubiläum ist Teil des Themen- und Gedenkjahres „Hamburg 1918.1919 Aufbruch in die Demokratie“, mit dem der Senat mit verschiedenen Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen an die Ereignisse vor 100 Jahren erinnert. Ziel des Themenjahres ist es, Beiträge zur Kenntnis, zum Verständnis und zur Bedeutung dieser Zeit für Hamburg zu leisten. Vor allem sollen Bezüge zu den aktuellen Diskussionen um demokratisch verfasste Gesellschaften, ihre Legitimität und Verteidigung hergestellt werden. Weitere Informationen und Veranstaltungshinweise finden Sie unter www.hamburg-18-19.de.

Quelle: www.hamburg.de/bkm

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Turbulente Zeiten https://www.tiefgang.net/turbulente-zeiten/ Fri, 16 Aug 2019 22:30:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5647 [...]]]> Viele haben heutzutage das Gefühl, alles sei im Umbruch, hektisch und die Welt verändert sich rasant. Vor 100 Jahren war es ähnlich. Ein Rückblick, der lohnt …

100 Jahre Bauhaus, 100 Jahre Volkshochschule, 100 Jahre Universität, 100 Jahre Stiftung Bücherhalle … Was war denn da los – vor 100 Jahren?

Die Revolution von 1918/19 markiert eines der epochalen Ereignisse in der Geschichte. Sie steht nicht nur am Anfang der modernen demokratischen Ordnung des Stadtstaates, sondern ist zugleich der erste historische Umbruch des 20. Jahrhunderts in Hamburg. Diese Zeit des Epochenwechsels brachte auch für Hamburg massive Einschnitte und Veränderungen mit sich – für die Bürgerinnen und Bürger auf politischer Ebene, für die Wirtschaft und den Hafen.

Unter dem Motto „Hamburg 1918.1919 – Aufbruch in die Demokratie“ gibt es in und für Hamburg ein breit angelegtes Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Publikationsprogramm. Damit werden ein umfassender Beitrag zur Kenntnis, zum Verständnis und zur Bedeutung dieser komplexen Zeit in der Freien und Hansestadt Hamburg vermittelt und gleichzeitig Aktualitätsbezüge zu Funktionsweisen demokratisch verfasster Gesellschaften geschaffen.

Liest man die Chronologie der Ereignisse von 1918 und 1919 nach, wird deutlich, wie stark diese Jahre das Bewusstsein der Menschen geprägt haben muss. Ebenso macht es dem heutigen Menschen deutlich, wie selbstverständlich manche Dinge geworden, aber es von Haus aus eben nicht sind.

„Januarstreik“

Deutschland­weit fand ein Massen­streik der Arbeiter statt, im Rahmen dessen bessere Arbeits- und Lebens­bedingungen gefordert wurden. In Hamburg schlossen sich vor allem die Werft- und Metall­arbeiter dem Streik an.

20.4.1918

Carl Petersen wird in den Senat gewählt. Petersen war 1924-29 und 1932/33 Hamburgs Erster Bürger­meister und 1930/31 Zweiter Bürger­meister.

5.11.1918

Versammlung in Hamburg

Erste Zeitungs­berichte erscheinen über die revolutionären Vorgänge in Kiel. In Hamburg entwaffnen Matrosen im Hafen Besatzungen der Torpedo­boote, besetzen den Elbtunnel und sichern das Gewerkschaftshaus.

Am Abend formuliert eine Versammlung im Gewerkschafts­haus jene Forderungen:

  • Sofortige Herbeiführung des Friedens
  • Rücktritt der Hohenzollern
  • Sofortige weitgehendste Demokratie im Reich und in den Bundesstaaten
  • Amnestie und sofortige Freilassung aller politisch Inhaftierten
  • Sofortige Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für beide Geschlechter vom vollendeten 20. Lebensjahr an

6.11.1918

Der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt die Macht

Bürgermeister Werner von Melle und Senator Carl Petersen erklären die Bereit­schaft von Senat und Bürger­schaft, sich in den Dienst der „neuen Zeit“ zu stellen. Auf dem Heiligen­geistfeld findet eine Massen­kundgebung statt. Das Stell­vertretende General­kommando flieht aus Altona.

Die Bürgerschaft beschließt einstimmig die Errichtung des Arbeitsamtes

11.11.1918

Kriegsende — Inkrafttreten des Waffenstillstands

Die SPD-Bürger­schafts­fraktion setzt sich für umgehende Neuwahlen der Bürger­schaft ein. Der spätere Hamburger Bürger­meister Max Brauer wird Senator der Stadt Altona.

12.11.1918

Vollständige Machtübernahme des Arbeiter und Soldatenrates

18.11.1918

Senat und Bürgerschaft werden für abgesetzt erklärt (letztendlich nur für 6 Tage), der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt vollständig die politische Macht. Die Exekutive der beiden Räte besteht aus je drei Vertretern der MSPD, USPD und der Links­radikalen sowie 18 Delegierte aus Hamburger Betrieben.

8.11.1918

Senat und Bürgerschaft werden wieder in ihre Befugnisse zur „Aufrechter­haltung der hamburgischen Verwaltung“ eingesetzt, da die Kredit­fähigkeit der Stadt in Gefahr geraten war.

30.11.1918

Das neue Reichswahl­gesetz tritt in Kraft (Frauenwahlrecht, Verhältniswahl, Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre)

20.12.1918

Beginn der öffentlichen Wohnbauförderung

Die Bürgerschaft beschließt ein Gesetz zur Förderung des Baus kleiner Wohnung mit öffentlichen Mitteln.

1.1.1919

Demonstration auf dem Heiligengeistfeld

Protestversammlung der MSPD, der USPD, KPD und der Hamburger Linksradikalen auf dem Heiligen­geistfeld gegen die Regierung. Auf der Moorweide findet gleich­zeitig eine von der SPD und den Gewerk­schaften veran­staltete Massen­kund­gebung für Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann statt.

7.1.1919

Aufhebung des Zölibats bei Lehrerinnen.

9.1.1919

Die SPD und Gewerkschaften rufen zum Generalstreik am 11.1.1919 auf.

6.3.1919

Mit dem Architekten Emil Maetzel, zugleich Künstler und Mitbegründer der Sezession, tritt eine treibende Kraft der Kultur­szene das Amt des Bau­in­spektors, eine Schlüssel­stellung innerhalb der Bau­verwaltung, an.

16.3.1919

Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft.

Erste gleiche, geheime, freie und allgemeine Wahlen eines Hamburger Parlaments. Ebenso erste Wahlen für Frauen auf Hamburgischer Ebene.

24.3.1919

Erste Sitzung der demokratisch gewählten Hamburgischen Bürgerschaft: Erstmals eröffnet eine Frau ein Parlament in Deutschland: Alters­präsidentin Helene Lange.

26.3.1919

Nach dem Erlass von 135 Verordnungen durch den Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat überträgt dieser wieder die politische Macht an Senat und Bürgerschaft.

28.3.1919

Die neu zusammengesetzte Bürgerschaft wählt den neuen Senat. Werner von Melle wird anschließend zum Ersten, Otto Stolten zum Zweiten Bürgermeister gewählt.

1.4.1919

Spatenstich für die Steenkamp-Siedlung, die erste Kleinhaus­siedlung im Altonaer Raum nach dem Ersten Weltkrieg. Der Garten­stadt­gedanke leitete den Entwurf.

Walter Gropius gründet in Weimar das Bauhaus, die wichtigste Schule für Kunst, Architektur und Design im 20. Jahrhundert.

7.5.1919

Bürgerschaft beschließt Kleinhaus-Siedlung

Angesichts der großen Wohnungsnot beschließt die Bürgerschaft als Bauträger die vollständige Finanzierung einer Siedlung in Langenhorn mit 800 Kleinhäusern.

10.5.1919

Eröffnung der Universität Hamburg

30.5.1919

Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus ist die Neuordnung der Kunsthalle im Sinne des Reformkonzepts Alfred Lichtwarks abgeschlossen und damit der modernen Kunst in Hamburg ein wichtiges Forum geboten.

1.6.1919

Gründung des Hamburger Sportvereins (HSV). SC Germania von 1887, Hamburger FC von 1888 und SC Falke von 1906 schließen sich zusammen

23.-24.6.1919

Hamburger Sülzeunruhen

Auslöser des Aufstands war die Vermutung, dass verfaulte Kadaver zu Sülze verarbeitet wurden. Gewalt gegen Besitzer von Fleisch­fabriken brach aus und auf dem Rathaus­markt wurde ein öffentlicher Pranger aufgestellt. Es kommt zu einer Belagerung des Rathauses. Am 1.7.1919 marschieren Reichswehr- und Freikorps-Truppen in die Stadt ein, um die Unruhen zu beenden, obwohl sich die Lage beruhigt hatte. Durch das rigorose Vorgehen der Truppen kam es insgesamt zu 80 Toten.

28.6.1919

Der Versailler Vertrag wird unterzeichnet.

1.8.1919

Antrag zur Umwandlung der Bücherhallen in eine öffentliche Einrichtung

Die Bücherhallen, die 1899 von der Patriotischen Gesellschaft gegründet wurden, wurden Anfang 1920 zur Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen (HÖB)

1.10.1919

Zusammenschluss der Ortskran­kenkassen und weiterer Kassen zu Allgemeinen Ortskrankenkasse Hamburg (AOK)

5.12.1919

Versammlung der im Wohl­fahrts­bereich tätigen Sozial­demokrat­innen und Sozial­demokraten, in deren Folge im Februar 1920 die Arbeiter­wohlfahrt („Hamburger Ausschuss für soziale Fürsorge“) gegründet wird

Weiterführend: hamburg-18-19.de

Veranstaltungen: hamburg-18-19.de/veranstaltungen

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