Hamburg Tourismus – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 05 Apr 2022 13:14:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Kultur – Tourismus – Strategie https://www.tiefgang.net/kultur-tourismus-strategie/ Fri, 08 Apr 2022 22:05:01 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8924 [...]]]> Die Covid-Pandemie hat bitterlich zugeschlagen. Auch in der Wirtschaft, der Kultur und im Tourismus. Villeicht ein guter Zeitpunkt, manches neu zu denken?

In einer Pressemitteilung des Senats heißt es:

„Hamburg hat als Kulturstadt eine lange Tradition. Große und kleine Kulturinstitutionen aller Sparten, staatliche Häuser und Freie Szene schaffen ein vielfältiges Kulturangebot, das Hamburgerinnen und Hamburger genauso wie Reisende anzieht. Gleichzeitig ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Hansestadt. Die vor Corona stetig steigenden Übernachtungszahlen zeigen, dass Hamburg ein attraktives Ziel für Reisende aus dem In- und Ausland ist, nicht zuletzt aufgrund des kulturellen Angebots. Mit der Eröffnung der Elbphilharmonie vor fünf Jahren hat sich die internationale Wahrnehmung Hamburgs als Kulturstadt noch verstärkt. Dies war der Anlass für die Hamburg Tourismus GmbH (HHT), sich dem Bereich Kulturtourismus gemeinsam mit der Kulturbehörde und der Wirtschaftsbehörde systematisch zu widmen. Entstanden ist in einem gemeinsamen Prozess eine umfassende Kulturtourismusstrategie. Basierend auf dieser gründlichen Analyse werden Handlungsfelder aufgezeigt und erste konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, wie Hamburg seine kulturtouristischen Potenziale noch besser nutzen kann. Diese werden nun zusammen mit Vertretern und Vertreterinnen von Kultur und Tourismus diskutiert und konkretisiert.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Hamburg hat ein erstklassiges Kulturangebot und ist für Kunst- und Kulturinteressierte ein attraktives Reiseziel. Mit der Kulturtourismusstrategie wollen wir Kultur und Tourismus in Hamburg enger zusammenbringen und einen Prozess starten, von dem beide Seiten dauerhaft profitieren können. Erstmals machen sich Kultur und Tourismus jetzt gemeinsam auf den Weg, um Touristinnen und Touristen gezielt über die Kulturstadt Hamburg zu informieren und Interesse für das Kulturangebot vor Ort zu wecken. Die Strategie zeigt auf, in welchen Bereichen Hamburg besonders viel Potenzial für kulturinteressierte Gäste hat, und schlägt vor, wie dies genutzt werden kann. Sie ist ein erster wichtiger Schritt und wird die Basis für die weitere gemeinsame Arbeit sein. Nun gilt es, die Strategie zusammen mit Akteurinnen und Akteuren aus Kultur und Tourismus mit Leben zu füllen.“

Michael Westhagemann, Senator für Wirtschaft und Innovation: „Wir sind zuversichtlich, dass Hamburg nach dem absehbaren Ende der Pandemie wieder an seine touristische Erfolgsgeschichte anknüpfen wird. Aber gerade die große Bedeutung des Tourismus für den wirtschaftlichen Wohlstand der Hansestadt ist auch Verpflichtung, noch besser und für unsere Gäste noch attraktiver zu werden. Das kulturtouristische Angebot einer Stadt ist einer der wichtigsten Gründe für die Reiseentscheidung. Hamburg ist hier schon in vielen Bereichen sehr erfolgreich, Stichworte Elbphilharmonie oder Musicals. Aber es hat noch viel mehr zu bieten, wofür der Besuch an der Elbe lohnt. Wir wollen daher das Profil weiter schärfen, um noch mehr Menschen mit spannenden kulturtouristischen Angeboten von einer Reise nach Hamburg zu überzeugen.“

Michael Otremba, Geschäftsführer Hamburg Tourismus GmbH: „Die Kulturtourismusstrategie kommt zur richtigen Zeit und wird die Anziehungskraft Hamburgs deutlich stärken. Reisende wie Kulturliebhaber sind häufig Suchende nach neuen Horizonten, wollen Grenzen überwinden, neue Perspektiven entwickeln und voller Neugierde neue Verbindungen schaffen. Reisen ist Nahrung für die Seele, Reisen bildet, Reisen fördert den Diskurs in der Gesellschaft und ist damit eine Stütze der Demokratie – Gleiches gilt für die Kultur. Aus diesen tiefgreifenden Gemeinsamkeiten und dem gemeinsamen Verständnis erwachsen vielfältige Chancen – für die Kultur, für den Tourismus, für die Stadt als Ganzes.“

Ausgangssituation und Ziele

Für die Vermarktung Hamburgs ist ein attraktives Kulturangebot ein zentraler Faktor. Gleichzeitig sind Touristinnen und Touristen für Kultureinrichtungen eine wichtige Zielgruppe. Mit der Kulturtourismusstrategie wird ein Fundament gelegt, um das Feld Kulturtourismus in Zukunft systematisch zu bearbeiten. Für alle relevanten Akteurinnen und Akteure ist die Strategie ein Arbeitspapier, das nächste Schritte kurz-, mittel- und langfristig aufzeigt. Ein Ziel ist es auch, eine dauerhaft tragfähige Partnerschaft zwischen Kultur und Tourismus aufzubauen und so Hamburgs nationale und internationale Bekanntheit als touristisch attraktive Kulturstadt zu steigern und die Zahl kulturell interessierter Gäste zu erhöhen.

Zum Vorgehen

Geleitet von der HHT ist die Kulturtourismusstrategie in Kooperation mit der Kulturbehörde und der Wirtschaftsbehörde in einem Prozess entstanden, an dem Marketingexpertinnen und -experten aus Kultur und Tourismus teilhatten, die das Feld Kulturtourismus bereits in ihren Häusern aktiv bearbeiteten.

Basis der Strategieentwicklung war eine Analyse der Ausgangssituation. Dazu zählten eine Befragung von Kulturakteurinnen und -akteuren zur Relevanz von touristischen Zielgruppen und eine umfassende Marktforschung durch eine repräsentative Befragung zur Ermittlung kulturtouristischer Gästepotenziale. Analysen der Stärken und Schwächen sowie der Chancen und Herausforderungen für den Kulturtourismus in Hamburg bildeten die Grundlage für die weiteren Überlegungen.

Die wichtigsten Ergebnisse

Basierend auf der Analyse wurden acht zentrale Handlungsfelder für den Kulturtourismus definiert und für jedes Handlungsfeld konkrete Maßnahmen vorgeschlagen:

Intern Extern
Partnermanagement Profilschärfung Vor-Ort-Erlebnis Zielgruppen
Austausch mit Kulturakteurinnen und -akteuren mit relevanten Leistungsträgern und trägerinnen fördern Kulturtouristisches Themenmarketing implementieren Kulturtouristinnen und -touristen in Echtzeit begleiten Kulturtouristische Zielgruppen identifizieren, erschließen und weiterentwickeln
Services und Beteiligungen auf das Segment Kulturtourismus abstimmen Reiseanlässe durch Vermarktung von kulturtouristischen Jahreshighlights stimulieren Zugänglichkeit von kulturellen Angeboten für Gäste verbessern Relevante Trends in den kulturtouristischen Angeboten und Services abbilden

Die nächsten Schritte

Für jedes Handlungsfeld werden in der Strategie konkrete Maßnahmen vorgeschlagen. Nun gilt es, die Maßnahmen mit den Beteiligten zu diskutieren, zu priorisieren und kurz-, mittel- oder langfristig umzusetzen.

Bei einer Kick-off-Veranstaltung Ende April wird die Strategie allen interessierten Partnerinnen und Partnern aus Kultur und Tourismus vorgestellt. In einem Workshop-Format können alle Interessierten außerdem sofort damit beginnen, gemeinsam an der Umsetzung der Strategie zu arbeiten.

Die HHT hat bereits damit begonnen, einige der Maßnahmen umzusetzen: Die Website der HHT wurde hinsichtlich der kulturtouristischen Angebote grundlegend überarbeitet. Außerdem wird ein Kulturstadtplan entwickelt, der Touristinnen und Touristen zu den kulturellen Highlights der Hansestadt führen wird. Weitere Maßnahmen sind in Planung und sollen mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen und gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern aus Kultur und Tourismus kontinuierlich umgesetzt werden.

Die Kulturtourismusstrategie steht hier zum Download bereit: www.hamburg-tourism.de

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Werbung mit Folgen https://www.tiefgang.net/werbung-mit-folgen/ Fri, 24 Aug 2018 22:43:21 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4083 [...]]]> Abgewertete Stadtteile haben ihren Reiz. Selbst für den Tourismus. Nun steht sogar Harburg im Visier. Aber ist das gut?

Einst sprach man gerne von „sozialen Brennpunkten“. Doch dann kamen auch in Hamburg kluge Marketingmenschen und mit ihnen eine neue Wortwahl. In Wilhelmsburg sprach man fortan von „vergessenem Stadtteil“ und schon war klar: da geht noch was. Denn was schön runtergewirtschaftet ist, kann günstig auf Rendite getrimmt werden. Denn für manchen „Entwickler“ heißt es: günstig aufwerten und dann teuer verwerten. Das alte Prinzip der Mehr-Wert-Wirtschaft.

Vor sieben Jahren hatte die Initiative Suedkultur den Gentrifizierungskritiker Christoph Twickel ins Stellwerk geladen. Unter anderem wurde die Frage gestellt, ob auch Harburg die Gentrifizierung drohe. Jetzt wird es wahr, denn auch „Hamburg Tourismus“ erkennt in Harburg noch Potentiale – so denn das Angebot stimme.

Schon 2016 gab es von der Hamburger Bürgerschaft eine Tourismus-Analyse auch zu Harburg.

Dort hieß es auf Seite 16:

„Welche Maßnahmen im Bereich des Tourismusmarketings werden für einzelne Bezirke oder Stadtteile durchgeführt? Grundsätzlich ist das Marketing der HHT auf Zielgruppen und deren Ansprüchen sowie Interessenschwerpunkten an der Destination Hamburg ausgerichtet. Die geografische Einordnung in Stadtteile oder Bezirke spielt dabei aus Sicht des Kunden keine relevante Rolle. Ausschlaggebend für die Wahrnehmung beim Kunden ist die Qualität des touristischen Angebots in den jeweiligen Stadtteilen und Bezirken. Es wird zwischen den Bereichen Übernachtungs- und Tagestourismus differenziert, da in diesen Zielgruppen deutliche Unterschiede vorhanden sind. Die vorhandenen Angebote in den Stadtteilen und Bezirken werden von der HHT themen- und zielgruppenadäquat berücksichtigt. Beispielhaft seien die Onlinekommunikation über den Internetauftritt www.hamburg-tourismus.de mit der Veranstaltungsdatenbank (www.hh-events.de) und die Hamburg Tourismus App (www.hh-app.de) genannt.“

Ende 2017 titulierte „die ZEIT“ dann bereits: „Hamburg wirbt um Millionen zusätzlicher Touristen. Aber wo sollen die alle hin? Da kommt Harburg ins Spiel.“

Im Mai diesen Jahres nun ein Vorstoß der Regierungskoalition von Rot-Grün. Dort war von einer „örtlichen Entzerrung der Touristenströme und die bessere Verteilung von Veranstaltungen auf alle Bezirke“ die Rede und man wolle „mit den betroffenen Bezirksämtern sowie touristischen Institutionen vor Ort quartiersbezogene Konzepte“ entwickeln.

Der NDR berichtete: „Die tourismuspolitische Sprecherin der SPD, Dorothee Martin, betonte, Hamburg sei ein hoch attraktives Reiseziel für Menschen aus aller Welt. Das sei wirtschaftlich gut, dennoch sei wichtig, dass Hamburg eine Marketing-Strategie entwickle, um die Touristenströme zu entzerren und dadurch die lebenswerten Quartiere nachhaltig weiter zu entwickeln, so Martin. „Wichtig ist uns insbesondere, dass auch die Akzeptanz der Hamburgerinnen und Hamburger für den Tourismus hoch bleibt.“

„Geheimtipps südlich der Elbe“

Im Juli diesen Jahres vermeldete der NDR dann schon erste Entwicklungserfolge seitens der Hamburg Tourismus GmbH. „Hamburgs Tourismus-Chef Michael Otremba will die Gäste gezielt auch südlich der Elbe unterbringen. Dafür suchen fünf Mitarbeiter nach neuen Zielen. Es ist der Kampf gegen zu volle Straßen, Restaurants und Hotels in immer denselben Gebieten rund um die Alster und St. Pauli. Um Auswüchse wie in Barcelona oder Venedig zu vermeiden, will Tourimuschef Michael Otremba die Gäste gezielt auch südlich der Elbe unterbringen. Im Fachblatt fvw sagte er, allein in Harburg seien 20 freie Flächen für Hotelneubauten verfügbar. Auch Bergedorf sei für viele Touristen ein zukünftiger Hotspot, noch aber Geheimtipp.“

Was aber tut die Politik in Harburg? Immerhin gibt es ja einen eigenen Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus. Ein Blick auf die Sitzungsthemen und Protokolle spricht Bände: man interessiert sich fürs Tourismus-Konzept des Alten Landes, streift die Entwicklung der Technischen Uni und ihre Wirkung auf das Umfeld, thematisiert des Öfteren einen Parkplatz in der die Nöldekestraße als Stellplatz für Campingmobile oder träumt von einer HADAG-Fähre, die Touristen in Harburg absetzt. Ob sie sich als Opposition zur Senatspolitik versteht? Oder (ver-)schlummert sie das Thema lieber?

Schade für die Kaufleute und Inhaber der Geschäfte der Lüneburger Straße und des Umfeldes. Sie könnten ein paar ad hoc-Kaufende wohl gut vertragen. Gut aber vielleicht für die Stadtteilkultur. Denn sie hat so Zeit gewonnen – nicht mehr – um sich selbst besser aufzustellen. Denn sie versteht sich als Kultur für die Menschen, die hier wohnen, arbeiten und leben. Und nicht als Tourismus-Faktor für Heuschrecken, die einfallen, punktuelles wahr nehmen, denen aber die Konsequenzen fürs Umfeld recht egal sind. Air B´n`B-Schlafplätze (ja, die gibt es recht viel auch in Harburg), abgegrenzte Hotels am Wasserzugang des Hafens, Luxus-Shops ohne Publikum [nur Gucken, nicht kaufen!]: all das sind Themen, die Tourismus mit sich bringt.

Air B´n`B etwa verschafft Mietern Zusatzeinnahmen zu ihrem Wohnraum, den sie sich sonst meist nicht leisten könnten. Damit aber treiben sie unwillkürlich auch die Mietpreise nach oben – frei nach dem Motto: „was an Miete fehlt, hol ich durch Unter-Vermietung wieder rein“. Damit aber nicht genug: Tagestouristen kaufen meist nur Tagesbedarf ein: Getränke, Snacks, vielleicht mal Klopapier oder Kaffee. Einen Vollsortiment-Markt oder Gemüsehändler aber nutzt er nicht. Zu viele Tagestouristen schmälern so das Einkaufsangebot des Einwohners. In Amsterdam wurde schon die Notbremse gezogen und auch gleich das Stadtmarketing eingestampft.

´Ach was`, sagen Sie nun vermutlich: Harburg und Amsterdam – schön wär´s! Wohl wahr, wohl wahr: aber die Entwicklung auch Hamburgs ist rasant, wird zudem mit Steuergeldern gefördert und beschleunigt so in dieselbe Richtung. 2017 wurden schon 7 Touristen je Hamburger Einwohner gezählt. Und da sei noch „Luft nach oben“. Und Harburg zählt nicht nur zu Hamburg, sondern bekommt bereits Auswirkungen zu spüren. Volle Hotels, volle Bahnen auch im Süden bei den Hamburger Events wie Schlagermove, Christopher Street Day, Ironman oder Marathon. Und Ende des Jahres 2018 fahren am Wochenende dann auch noch die Bahnen von Stade und Buxtehude nachts durch. Ideal, um ein ruhiges und günstigeres Hotel im Landkreis zu beziehen und dann „mal“ in Hamburg und auch Harburg auf den Putz zu hauen.

Vieles davon kommt uns auch zugute. Keine Frage. Aber da solche Entwicklungen nicht aus dem Himmel fallen, ist man gut beraten, sie aktiv mit zu gestalten und nicht erst zu verschlafen, um dann mit viel Ärger und Aufwand im Nachhinein Lösungen „nachzubessern“.

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