Hamburgische Staatsoper – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 08 Jul 2025 14:23:13 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Kontinuität und neue Impulse https://www.tiefgang.net/kontinuitaet-und-neue-impulse/ Fri, 04 Jul 2025 22:33:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12080 [...]]]> Die Kulturszene Hamburgs erlebt in diesen Tagen einen bemerkenswerten Staffelwechsel an einigen entscheidenden Schaltstellen. Und nein, Kultursenator Brosda, der auf dem Bundesparteitag der SPD auch höhere Ämter anstrebte, ist damit nicht gemeint.

In der vergangenen Woche kulminierten mehrere Personalentscheidungen und Würdigungen, die nicht nur individuelle Biografien ehren, sondern auch tiefgreifende Implikationen für die zukünftige Ausrichtung und gesellschaftliche Wirkung der Kunst- und Musikinstitutionen der Hansestadt bergen. Die Stadt verabschiedet sich von prägenden Persönlichkeiten, während gleichzeitig neue Führungskräfte in Position gebracht werden, die das Erbe fortführen und zugleich innovative Akzente setzen sollen.

Im Zentrum des Interesses: die Verabschiedung von Kent Nagano und Georges Delnon von der Spitze der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters. Über ein Jahrzehnt hinweg, seit August 2015, prägten Generalmusikdirektor Nagano und Intendant Delnon maßgeblich das künstlerische Profil dieser Institutionen und damit auch die Musikstadt Hamburg als Ganzes. Ihr Wirken war gekennzeichnet von einer dezidierten spartenübergreifenden Denkweise und dem Bestreben, die Musik in die Stadtgesellschaft zu öffnen. Dies manifestierte sich in zahlreichen Premieren und Uraufführungen, die internationale Beachtung fanden und Oper stets als „politischen Spiegel unserer Zeit“ verstanden. Senator Dr. Carsten Brosda würdigte die „außergewöhnliche Kreativität“ dieses Leitungsteams, das selbst die erheblichen Hindernisse der pandemischen Phase mit künstlerischer Exzellenz meistern konnte und das Haus für Neues und Innovatives öffnete: „Trotz der erheblichen Hindernisse während der von Corona geprägten Phase hat sich die künstlerische Kreativität unter diesem Team vielseitig entwickelt.“ Die Wertschätzung der Stadt wurde durch Senatsfrühstücke für beide Persönlichkeiten unterstrichen. Kent Nagano selbst reflektierte seine Amtszeit humorvoll mit den Worten: „Die Amtszeit eines Generalmusikdirektors ist im Vergleich zur fast 350-jährigen Geschichte unserer Institution nur ein kurzer Augenblick, und es ist ein außergewöhnliches Privileg, in den Dienst dieser großen Tradition zu treten.“ Georges Delnon zeigte sich dankbar: „Zu allererst bin ich dankbar dafür, dass ich hier in Hamburg so vieles von dem realisieren konnte, was ich mir vorgenommen hatte.“ Sein Abschied erfolgte mit der letzten Opernvorstellung „Le Nozze di Figaro“ am 3. Juli 2025, während Nagano sich mit einer letzten Uraufführung am 30. Juni 2025 in der Elbphilharmonie verabschiedete. Ihr Abschied markiert nicht nur das Ende einer Ära, sondern eröffnet auch den Raum für die kommende Spielzeit unter Tobias Kratzer und Omer Meir Wellber.

Parallel dazu vollzieht sich ein bedeutsamer Wechsel in der Intendanz des Thalia Theaters. Nach 16 Jahren einer prägenden Leitung durch Joachim Lux tritt mit Sonja Anders eine neue Intendantin ihr Amt an. Die Kontinuität in der Geschäftsführung wird jedoch durch die Vertragsverlängerung von Tom Till um weitere fünf Jahre gesichert. Till, seit August 2016 Geschäftsführer, hat das Thalia Theater erfolgreich durch die pandemiebedingten Herausforderungen geführt und die Modernisierung sowie Öffnung des Hauses maßgeblich vorangetrieben. Senator Brosda betont, dass diese Kontinuität eine „feste Basis“ für den Neustart unter der neuen Intendanz bildet: „Die Kontinuität in der Leitung des Hauses verleiht dem Neustart eine feste Basis und wir freuen uns, dass Tom Till die positive Entwicklung des Thalia Theaters weiter so verlässlich voranbringen wird.“ Sonja Anders selbst äußert sich erfreut über die weitere Zusammenarbeit mit Till: „Tom Till hat ein feines Gespür für Prozesse und die dahinterstehenden Menschen.“ Diese Kooperation verspricht eine spannende Transformation in Repertoire und Ensemble sowie die Adressierung von Zukunftsthemen wie Digitalität, Diversität und Nachhaltigkeit. Tom Till blickt gespannt voraus: „Nach neun aufregenden und ereignisreichen Jahren, in denen ich Joachim Lux und sein herausragendes Ensemble begleiten durfte, wird mit Sonja Anders nun alles anders am Thalia.“

Eine weitere Schlüsselposition im Bildungsbereich der Hamburger Kultur wurde ebenfalls neu besetzt: Am Hamburger Konservatorium verabschiedete sich Markus Menke nach 24 erfolgreichen Jahren in den Ruhestand. Unter seiner Führung entwickelte sich ein vielfältiges Bildungsangebot, das soziokulturelle, inklusive und spitzenmusikalische Förderung umfasste. Ein herausragender Erfolg seiner Amtszeit war der Bau der Musik.Werk.Stadt, die seit November 2024 Musikschule, Akademie und eine Kita mit musikalischem Schwerpunkt unter einem barrierefreien Dach vereint. Senator Brosda würdigte Menkes „Weitsicht und leidenschaftliches Engagement“, das die innovative Kraft einer traditionsreichen Institution entfesselte. Markus Menke selbst sprach von einem „großen Privileg“, die Geschicke des Konservatoriums über einen so langen Zeitraum leiten zu können. Menkes Nachfolge tritt Anke Nickel an, die gemeinsam mit Michael Petermann die Leitung übernehmen wird. Nickel bringt Erfahrungen in Musikpädagogik und Kulturmanagement mit und plant, Bewährtes fortzuführen sowie neue Impulse zu setzen. Sie betont die bundesweit einzigartige Struktur des Konservatoriums: „Das Hamburger Konservatorium mit seinem Dreiklang Musik-Kita, Musikschule und Akademie ist bundesweit einzigartig.“ Sie sieht die zukünftige Aufgabe darin, die Attraktivität des Hauses für Musikbegeisterte und Lehrkräfte zu sichern und städtisches sowie bürgerschaftliches Engagement weiter zusammenzuführen. Michael Petermann, der langjährige Weggefährte, hob die Bedeutung der Teamarbeit hervor: „Direktion als Teamwork zu verstehen war und ist unser Leitgedanke.“

Diese Bündelung von Personalwechseln innerhalb weniger Tage in den Top-Ebenen der Hamburger Kulturinstitutionen ist mehr als eine reine Verwaltungsmaßnahme. Sie spiegelt eine bewusste Strategie der Kulturpolitik wider, die sowohl auf Kontinuität und Wertschätzung des Erreichten setzt als auch auf die Notwendigkeit, neue Narrative zu etablieren und die Institutionen zukunftsfähig zu gestalten. Das „Stakeholder-Engagement“ – sei es das Publikum, die Politik oder die Künstler*innen selbst – zieht sich durch fast alle Abschiedsworte und Antrittsbekundungen betont. Die Herausforderung für die neuen Führungspersönlichkeiten wird darin bestehen, die etablierten Stärken zu bewahren und gleichzeitig die kulturelle Infrastruktur Hamburgs mit frischen Impulsen zu versehen, um den sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Man darf gespannt bleiben.

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Neuer Wind an der Staatsoper? https://www.tiefgang.net/neuer-wind-an-der-staatsoper/ Fri, 06 Jun 2025 22:14:35 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11906 [...]]]>

Die Hamburgische Staatsoper, in jüngster Vergangenheit eher für Turbulenzen als für Triumphe in den Schlagzeilen, steht erneut vor einem Umbruch.

Während die Tinte unter dem Vertrag des neuen Intendanten Tobias Kratzer und des Generalmusikdirektors Omer Meir Wellber noch nicht ganz trocken ist, wird nun auch ein neuer Geschäftsführer ins Boot geholt: Jürgen Braasch übernimmt ab der Spielzeit 2025/26 das Ruder.

Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper GmbH setzt auf einen erfahrenen Steuermann. Braasch, mit seiner langjährigen Expertise als Kaufmännischer Geschäftsführer verschiedener Staatstheater, soll das Haus durch die stürmischen Gewässer der kommenden Spielzeit führen. Zuletzt war er Interimsgeschäftsführer des Staatstheaters Kassel, eine Rolle, die ihm in Hamburg erneut zufällt. Denn Braaschs Engagement ist zunächst auf eine Spielzeit begrenzt.

Ein Abschied und ein Neubeginn

Der derzeitige Geschäftsführer, Dr. Ralf Klöter, verlässt die Staatsoper auf eigenen Wunsch. „Ihn zieht es aus persönlichen Gründen zurück an seinen privaten Lebensmittelpunkt an der Kieler Förde“, heißt es in der Pressemitteilung der Kulturbehörde Hamburg. Ein Abschied, der Raum schafft für Neues, aber auch Fragen aufwirft. War es wirklich nur die Sehnsucht nach der Förde, die Klöter zum Gehen bewog? Oder spielten auch die internen Querelen der letzten Monate eine Rolle?

Kultursenator Dr. Carsten Brosda gibt sich optimistisch: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Jürgen Braasch einen so versierten und erfahrenen Theatermanager für die Geschäftsführung der Hamburgischen Staatsoper gewinnen konnten. Er erfüllt alle Voraussetzungen, um den Neustart der Hamburgischen Staatsoper mit dem neuen Team um den Intendanten Tobias Kratzer und den Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber zu begleiten und das Haus für die Zukunft gut aufzustellen.“

„Ein großes Glück“: Braaschs sentimentale Rückkehr

Braasch selbst scheint die neue Aufgabe als eine Art Heimkehr zu empfinden. „In der Hamburgischen Staatsoper habe ich vor 60 Jahren das Musiktheater kennen und lieben gelernt. Meine Oma hatte ein Abonnement und ich durfte sie als Steppke begleiten. Dass ich zum Abschluss meines Berufslebens dieses Haus mitleiten und -gestalten darf ist ein großes Glück“, lässt er verlauten. Eine rührende Anekdote, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Herausforderungen enorm sind. Die Staatsoper braucht mehr als nur sentimentale Gefühle. Sie braucht einen klaren Kurs, eine solide finanzielle Basis und vor allem: Ruhe im Orchestergraben und hinter der Bühne. Die Liste der Baustellen ist lang: marode Finanzen, ein angeschlagenes Image und ein Personal, das sich nach Jahren der Unruhe nach Stabilität sehnt.

Und während die Staatsoper ohnehin mit diesen internen Baustellen zu kämpfen hat, hallt im Hintergrund noch immer das Echo der Debatte um den umstrittenen Neubau im Hafen nach, dessen Kostenexplosion und architektonische Visionen nicht wenige Hamburger*innen spalten. Die Frage drängt sich auf: Kann die Stadt sich solche Prestigeprojekte noch leisten, während andere Kultureinrichtungen am Tropf hängen? Die Staatsoper, selbst ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt, muss sich in einer Zeit behaupten, in der andere kulturelle Leuchttürme wie die Elbphilharmonie mit ihrem immensen Kostenaufwand kritisch beäugt werden. Der Druck, sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ist immens. Die Hansestadt, die sich gerne als Kulturmetropole inszeniert, muss sich die Frage gefallen lassen, ob ihre Prioritäten richtig gesetzt sind. Während Millionen in Prestigebauten fließen, kämpfen freie Theatergruppen und kleinere Kultureinrichtungen ums Überleben. Die Staatsoper, als eine der großen Institutionen, steht hier sinnbildlich für diesen Spannungsbogen.

 

Die Suche nach der langfristigen Lösung

Während Braasch also nun die Interimsgeschäftsführung übernimmt, macht sich eine Findungskommission auf die Suche nach einer langfristigen Nachfolge. Wer wird das Zeug haben, die Staatsoper aus dem Tal zu führen? Wer bringt die nötige Mischung aus betriebswirtschaftlichem Know-how, künstlerischem Verständnis und diplomatischem Geschick mit?

Die Personaldebatte ist nur eine von vielen Herausforderungen. Die Staatsoper muss sich neu erfinden, ohne ihre Tradition zu verraten. Sie muss ein jüngeres Publikum ansprechen, ohne ihr Stammpublikum zu verprellen. Sie muss innovative Formate entwickeln, ohne den Qualitätsanspruch zu vernachlässigen.

Die kommenden Jahre werden entscheidend sein für die Zukunft der Hamburgischen Staatsoper. Mit einem neuen Leitungsteam und einem erfahrenen Interimsgeschäftsführer besteht die Chance auf einen Neuanfang. Ob dieser gelingt, hängt jedoch von vielen Faktoren ab – nicht zuletzt von der Fähigkeit aller Beteiligten, an einem Strang zu ziehen.

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Wer kommt eigentlich? https://www.tiefgang.net/wer-kommt-eigentlich/ Fri, 13 Jan 2023 23:04:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9637 [...]]]> Wer besucht in Hamburg eigentlich welche Kultureinrichtung? Wie informiert sich das Publikum über Kulturangebote und wie wird die Hamburger Kulturszene wahrgenommen? Die Kulturbehörde will es wissen …

Was hat sich eigentlich seit Beginn der Pandemie verändert? Viele Fragen, denen man noch nicht wirklich nachgegangen ist. Ihre Antworten könnten aber zukunftsweisend sein.

Um repräsentative Daten zur Publikumsstruktur in den Hamburger Kultureinrichtungen zu gewinnen, startet die Behörde für Kultur und Medien in enger Absprache mit Hamburger Kultureinrichtungen im Januar eine breit angelegte Befragung von Besucher*innen, die an verschiedenen Terminen im gesamten Jahr 2023 stattfinden wird. Zunächst wird stichprobenartig das Publikum in den staatlichen Häusern wie den Museumsstiftungen oder den Staatstheatern befragt. Im Laufe des Jahres können sich auch private Kulturinstitutionen an der Befragung beteiligen. Ergänzt wird die Erhebung durch eine Nicht-Besucherbefragung im Laufe des Jahres.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Nach den großen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sehen wir ein sehr uneinheitliches Bild bei den Besucherzahlen: Während einige Kulturveranstaltungen wieder ausverkauft sind, werden andere weiter eher zögerlich besucht. Wir wollen genauer wissen, woran das jeweils liegt und welche Strategien sich lohnen, um das Publikum noch besser anzusprechen. Der erste Schritt ist daher eine breit angelegte Besucherbefragung. Wir wollen erfahren, wie sich das Publikum unserer Kultureinrichtungen zusammensetzt und welche Bedürfnisse es hat. Wir brauchen repräsentative Daten zum Publikum der Kultureinrichtungen und zur Kulturstadt Hamburg. Die Ergebnisse können eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der Kulturstadt Hamburg in den nächsten Jahren sein. Die Kultureinrichtungen können mit dieser Basis noch gezielter auch ein neues Publikum ansprechen und ihre Reichweite vergrößern. Denn wir alle brauchen Kultur.“

Die Befragung der Besucher*innen war ursprünglich für das Jahr 2020 geplant und musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Sie beginnt im Januar und findet in verschiedenen Kultureinrichtungen über das gesamte Jahr 2023 statt. Sie wird vom Leipziger Marktforschungsunternehmen CONOSCOPE durchgeführt und startet in den staatlichen Kulturinstitutionen: Archäologisches Museum Hamburg, Bergedorfer Museumslandschaft, Deichtorhallen Hamburg, Deutsches Schauspielhaus, Hamburg Musik (Elbphilharmonie, Plaza und Laeiszhalle), Hamburger Kunsthalle, Hamburgische Staatsoper, Kampnagel, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, MARKK – Museum am Rothenbaum, Museum für Kunst und Gewerbe, Philharmonisches Staatsorchester, Planetarium Hamburg, Thalia Theater und die Häuser der Stiftung Historische Museen Hamburg.

In jeder Kultureinrichtung werden so viele Besucher*innen befragt, dass die Daten repräsentativ für das jeweilige Haus sind. Alle erhobenen Daten werden außerdem gesammelt ausgewertet, sodass darüber hinaus auch aussagekräftige Ergebnisse zur Publikumsstruktur der Kulturstadt Hamburg insgesamt entstehen. Insgesamt sollen rund 15.000 Besucherinnen und Besucher befragt werden. Geschulte Interviewerinnen und Interviewer werden an mit den Kultureinrichtungen abgestimmten Terminen die Besucher*innen auf Basis eines Fragebogens interviewen. Der Fragebogen kann analog oder digital ausgefüllt werden.

In allen Kultureinrichtungen wird ein identischer Basisfragebogen genutzt. Jede Kultureinrichtung kann außerdem noch eigene Fragen hinzufügen und so Antworten auf individuelle Fragestellungen erhalten.  In den nächsten Monaten können sich außerdem private Kultureinrichtungen anschließen und in ihren Häusern ebenfalls die Besucher*innen befragen. Darüber hinaus soll in einer ergänzenden Nicht-Besucherbefragung im Laufe des Jahres näher untersucht werden, warum Menschen sich gegen den Besuch einer Kultureinrichtung entscheiden und wie sich das Verhalten der Besucher*innen von Kultureinrichtungen in den letzten drei Jahren verändert hat. Es ist geplant, nach rund sechs Monaten ein erstes Zwischenergebnis vorzulegen. Für die Befragung steht insgesamt ein Budget von rund 160.000 Euro zur Verfügung.

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Der Neue von der Oper https://www.tiefgang.net/der-neue-von-der-oper/ Fri, 09 Dec 2022 23:47:52 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9567 [...]]]> Der Regisseur Tobias Kratzer tritt am 1. August 2025 die Nachfolge von Georges Delnon als Intendant der Hamburgischen Staatsoper an. Das hat nun der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper einstimmig beschlossen und sich damit der Empfehlung einer hochkarätig besetzten Findungskommission angeschlossen.

Der 42-jährige Regisseur ist einer der gefragtesten Namen in der Opernszene und kann bereits auf eine ganze Reihe an Nominierungen und Auszeichnungen verweisen. 2019 inszenierte er in Bayreuth einen viel gelobten „Tannhäuser“.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit Tobias Kratzer können wir einen der derzeit spannendsten Regisseure für die Intendanz der Hamburgischen Staatsoper gewinnen. Er hat die Findungskommission mit einem klaren und ambitionierten Zukunftsentwurf für die Oper überzeugt. Mit zahlreichen Inszenierungen hat er in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er mit seiner ganzen Energie und seinem frischen Blick das Publikum für die Oper begeistern kann. Die Hamburgische Staatsoper wird mit Tobias Kratzer auch neues Publikum ansprechen und sich weiter in die Stadtgesellschaft öffnen. Gemeinsam mit dem bereits für das Hamburg Ballett gewonnenen neuen Ballettdirektor Demis Volpi und dem Geschäftsführer der Oper Ralf Klöter wird Tobias Kratzer die Hamburgische Staatsoper in eine neue Zeit führen und auf Grundlage der Tradition des Hauses starke zeitgenössische künstlerische Impulse setzen.“

Tobias Kratzer, designierter Intendant der Hamburgischen Staatsoper: „Die Hamburgische Staatsoper war in ihrer Vergangenheit vieles: die erste Bürgeroper Deutschlands, ein Ort avancierten Musiktheaters, die Geburtsstätte spektakulärer Uraufführungen. Ich freue mich, zusammen mit den MitarbeiterInnen des Hauses, ab der Spielzeit 2025/26 ein weiteres Kapitel im Geiste dieser an Abwechslungen reichen Geschichte aufzuschlagen!

Nach mehr als 15 Jahren als freischaffender Regisseur finde ich es an der Zeit, meine Erfahrungen im deutschen und internationalen Opernbetrieb in den Dienst eines Hauses zu stellen, um so nicht nur die Rezeption einzelner Werke, sondern die Gattung und Institution Oper als Ganzes einen Schritt weiter in die Zukunft zu bringen.

Als regieführender Intendant werde ich kontinuierlich an der Hamburgischen Staatsoper inszenieren und die musikalische wie szenische Spielkultur des Hauses in den kommenden Jahren mit prägen. Als ein das Opernhaus leitender Künstler, der die unterschiedlichsten Theater und ihr Arbeitsklima immer im konkreten Produktionsprozess kennengelernt hat, werde ich versuchen, die Perspektive der SängerInnen und KollegInnen am Haus bestimmend für Struktur und Offenheit der Hamburgischen Staatsoper zu machen.

Ich danke dem Kultursenator Dr. Carsten Brosda und der Stadt Hamburg für ihr Vertrauen; und Georges Delnon und Kent Nagano für einen freundschaftlichen Übergang.

Den Hamburger ZuschauerInnen verspreche ich spannende Abende an der Dammtorstraße: Ich wünsche mir, dass sie jede Vorstellung meiner Intendanz gut gelaunt, intellektuell stimuliert und mit dem Wunsch wiederzukommen verlassen. Und ich freue mich darauf, 2028 zusammen mit ihnen und der gesamten Stadt den 350. Geburtstag der Hamburgischen Staatsoper zu feiern – als einer Institution, in der jede/r willkommen und von der jede/r gemeint ist!“

Tobias Kratzer, geboren 1980 in Landshut, hat Kunstgeschichte, Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Bern studiert und mit einer Arbeit über „Das Vexierbild als Phänomen und Metapher“ abgeschlossen. Im Anschluss studierte er an der Theaterakademie August Everding Opern- und Schauspiel-Regie. Seit seinem Gewinn des internationalen Regiewettbewerbs Ring Award Graz ist er als freischaffender Opernregisseur tätig, zuletzt mit Gounods „Faust“ an der Opera National de Paris, Beethovens „Fidelio“ am Royal Opera House Covent Garden in London oder am Brüsseler La Monnaie mit Puccinis „Il trittico“.

Tobias Kratzer wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem als Opernregisseur des Jahres 2020 in der Kritikerumfrage im Jahrbuch der OPERNWELT oder mit dem OPER!-award der Zeitschrift OPER! als bester Regisseur. Sein „Tannhäuser“ bei den Bayreuther Festspiele wurde als Inszenierung des Jahres ausgezeichnet. Bereits 2018 erhielt er als bester Regisseur in der Kategorie Musiktheater den Theaterpreis DER FAUST für seine Produktion von Richard Wagners „Götterdämmerung“. Daneben unterrichtete Tobias Kratzer an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Universität Bern, der Kunstuniversität Graz, der Universität Regensburg, der Theaterakademie August Everding und für die Stiftung Oper in Berlin.

Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper folgte mit seiner Entscheidung für Tobias Kratzer der Empfehlung einer hochrangig besetzten Findungskommission. Dieser gehörten unter dem Vorsitz von Kultursenator Carsten Brosda als externe Expertinnen und Experten an: Dietmar Schwarz, Intendant der Deutschen Oper Berlin, Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, Nora Schmid, Intendantin der Oper Graz und Ulrike Schmidt, Geschäftsführerin der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper. Aus dem Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper beteiligten sich Prof. Dr. Regina Back, Stephanie Haase, Thomas Gottschalk sowie Hans Heinrich Bethge, Amtsleiter Kultur der Behörde für Kultur und Medien.

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Demis Volpi wird Intendant des Hamburg Ballett https://www.tiefgang.net/demis-volpi-wird-intendant-des-hamburg-ballett/ Fri, 21 Oct 2022 22:42:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9443 [...]]]> Demis Volpi tritt am 1. August 2024 die Nachfolge von Prof. John Neumeier als Intendant des Hamburg Ballett und Leiter des Ballettzentrums Hamburg an.

Das hat der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper heute einstimmig beschlossen und sich damit der Empfehlung einer international besetzten Findungskommission angeschlossen. Der 36-jährige Deutsch-Argentinier ist seit August 2020 Ballettdirektor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Er ist ausgebildeter Tänzer und hat sich als Choreograph international einen Namen gemacht. Auch für das Bundesjugendballett hat er bereits choreographiert. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, wird John Neumeier seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis Sommer 2024 verlängern. John Neumeier leitet das Hamburg Ballett seit 1973. Mit seinem Wirken hat Hamburgs Ehrenbürger Ballettgeschichte geschrieben und die Compagnie zu weltweitem Ruhm geführt.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit Demis Volpi kann die herausragende Geschichte des Hamburg Ballett weitergeschrieben und mit neuen Impulsen in die Zukunft geführt werden. Er kennt das Bundesjugendballett und die Ballettschule aus eigener Arbeit und wird das von John Neumeier geschaffene Repertoire lebendig halten. Zugleich freue ich mich auf die Präsentation neuer choreographischer Handschriften und seine eigene Arbeit als Choreograph, da er auch als Künstler Tradition und Innovation vereint. Als ausgebildeter Tänzer verfügt Demis Volpi zudem über ein sehr feines Gespür für die Möglichkeiten einer Compagnie und die Bedürfnisse der Tänzerinnen und Tänzer. Ich bin auch John Neumeier sehr dankbar, dass er bereit ist, ein weiteres Jahr das Hamburg Ballett zu leiten und so einen guten Übergang zu gewährleisten. Hamburg hat seinem Ehrenbürger sehr viel zu verdanken. Er hat in unserer Stadt mit herausragenden Choreographien Ballettgeschichte geschrieben. Sie definieren das Hamburg Ballett. Mit Demis Volpi geben wir das Erbe John Neumeiers in gute Hände und öffnen zugleich die Tür zu einer guten Zukunft des Balletts in Hamburg.“

Demis Volpi, designierter Intendant des Hamburg Ballett: „Ich freue mich sehr über die Berufung zum Intendanten des Hamburg Ballett in der Nachfolge von John Neumeier. Den Mitgliedern der Findungskommission bin ich dankbar für das große Vertrauen, das sie in mich setzen. Die Besonderheit und auch die Herausforderung, die diese Aufgabe mit sich bringt, sind mir sehr bewusst. Die Chance einem Künstler nachzufolgen, der diese Compagnie, die Stadtgesellschaft und ein Publikum aus der ganzen Welt rund ein halbes Jahrhundert lang geprägt und inspiriert hat, ist einfach einzigartig. Ich freue mich sehr darauf, das reiche, von John Neumeier geschaffene Repertoire lebendig zu halten, neue tänzerische Sichtweisen auf unsere Welt zu suchen und zu zeigen und auch meine eigene choreographische Sprache weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit der Compagnie und dem Hamburger Publikum die Zukunft des Hamburg Ballett zu gestalten, soll für uns alle eine aufregende und inspirierende Erfahrung werden.

Trotz der pandemiebedingt schwierigen Umstände, unter denen ich im Sommer 2020 mit der Neuausrichtung des Ballett am Rhein begonnen habe, liegen reiche und beglückende Spielzeiten hinter uns, an die sich zwei weitere hoffentlich ebenso erfüllende anschließen werden. Dass ich diese Arbeit leisten kann, die mit der Berufung nach Hamburg eine so große Anerkennung erfährt, verdanke ich den hoch motivierten Tänzerinnen und Tänzern des Ballett am Rhein, meinem Team und allen Kolleginnen und Kollegen im Haus der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg.

Sehr herzlich möchte ich mich bei John Neumeier für seine Offenheit und positive Reaktion bedanken. Ohne seinen Zuspruch wäre dieser Schritt für mich undenkbar.“

John Neumeier, Intendant des Hamburg Ballett: „Am Beginn dieser Saison war unsere Wiederaufnahme von Dritte Sinfonie von Gustav Mahler eine herausragende Leistung. In einer Zeit, in der man Probleme hat, Theater zu füllen, inspirierte ein 48 Jahre altes Stück vier ausverkaufte Vorstellungen. Diese Compagnie – das Hamburg Ballett – ist ein beeindruckendes und einzigartiges Ensemble.

Als ich kürzlich den Rohschnitt des Anna Karenina-Films ansah, den wir im Mai aufgezeichnet hatten, habe ich spontan gesagt: Dafür habe ich 50 Jahre gearbeitet! Nun gebe ich etwas aus meiner Hand, das für mich unendlich wertvoll ist: diese Gruppe wunderbarer Künstlerinnen und Künstler.

Ich bin der Meinung, dass jede Compagnie ein eigenes Gesicht haben sollte. Ich vertraue darauf, dass Demis Volpi das Hamburg Ballett bewahrt und dieses Ensemble mit einem anderen, einem neuen, aber wiederum unverwechselbaren Gesicht in die Zukunft führt. Dabei freue ich mich, dass Lloyd Riggins als sein Stellvertreter bleibt und dass er zusätzlich eine neue Position als Kurator und Experte für meine Werke übernimmt. Ich kann Demis Volpi, Lloyd Riggins und dem gesamten Hamburg Ballett nur das Allerbeste für die Zukunft wünschen.“

Demis Volpi ist seit 2020 Ballettdirektor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Zuvor war er sehr erfolgreich als freiberuflicher Choreograph und Regisseur tätig und hat Werke unter anderem für das American Ballet Theatre, das Ballet de Santiago de Chile, das Ballet Nacional del Sodre in Uruguay, das Lettische Nationalballett, das Ballett Dortmund, die Compañia Nacional de Danza de México und das Ballet Vlaanderen kreiert. Auch mit dem Bundesjugendballett hat er bereits gearbeitet. Von 2013 bis 2017 war er Hauschoreograph des Stuttgarter Balletts, für das er unter anderem das Ballett „Krabat“ entwickelte.

In Buenos Aires geboren, wurde Demis Volpi zuerst am Instituto Superior de Arte des Teatro Colón ausgebildet. Seine weitere Ausbildung erhielt er an Canada‘s National Ballet School in Toronto und an der John Cranko Schule in Stuttgart. Anschließend wurde er in die Compagnie des Stuttgarter Balletts aufgenommen.

Volpi hat für seine Arbeiten eine große Zahl internationaler Auszeichnungen erhalten, darunter der Konex Award der gleichnamigen Stiftung in Buenos Aires, „Nachwuchskünstler des Jahres“ der Zeitschrift Opernwelt und der Deutsche Tanzpreis Zukunft des Aalto Theaters Essen. Er war außerdem für den Prix Benois de la Danse und die International Opera Awards nominiert.

Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper folgte mit seiner Entscheidung für Demis Volpi der Empfehlung einer hochrangig und international besetzten Findungskommission. Dieser gehörten unter dem Vorsitz von Kultursenator Brosda an: als externe Expertinnen und Experten Ted Brandsen, Direktor und Choreograph des Niederländischen Nationalballetts, Tamas Detrich, Intendant des Stuttgarter Balletts, Brigitte Lefèvre, ehemalige Tänzerin, Choreographin und Ballettdirektorin der Pariser Oper, Dorion Weickmann, Tanzkritikerin und Autorin/Redakteurin der Zeitschrift „tanz“, Ashley Wheater, Künstlerischer Leiter des Joffrey-Ballet, Chicago, sowie Gigi Hyatt, stellvertretende Direktorin und pädagogische Leiterin der Ballettschule John Neumeier, die Aufsichtsratsmitglieder der Hamburgischen Staatsoper Michael Behrendt, Monika Hess und Elke Weber-Braun sowie Hans Heinrich Bethge, Amtsleiter Kultur der Behörde für Kultur und Medien.

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Hochkultur für weniger Geld https://www.tiefgang.net/hochkultur-fuer-weniger-geld/ Fri, 24 Nov 2017 23:33:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2630 [...]]]> Theater, Schauspielhaus oder Staatsoper – für viele ein Traum, wenn es nicht so teuer wär´. Aber es ist ja bald Weihnachten und da kommen manche Geschenke auch von der Kultur …

In der Pressemitteilung der Staatsoper Hamburg heißt es:

„Die FamilienCard – Mit der ganzen Familie in die Staatsoper, ins Thalia Theater oder in das Deutsche Schauspielhaus – und das zum günstigen Preis? Mit der FamilienCard der Hamburger Staatstheater kein Problem!

Die FamilienCard kann für eine Gebühr von 15,– Euro erworben werden. Sie gilt unabhängig vom Ausstellungsdatum für eine Spielzeit und ist personengebunden und nicht übertragbar. Die FamilienCard gilt für bis zu zwei Erwachsene in Begleitung von Kindern oder Jugendlichen bis 18 Jahre. Auf die verfügbaren Karten der Platzgruppen 1 bis 5 (Staatsoper) erhalten die Erwachsenen eine Ermäßigung von 10%. Die Kinder und Jugendlichen zahlen für ihre Eintrittskarte einen günstigen Festpreis (Hamburgische Staatsoper: 10,– Euro). Die FamilienCard gilt für alle Vorstellungen außer Premieren, Gala-Vorstellungen, Sonderveranstaltungen und Vorstellungen fremder Veranstalter in der Staatsoper (Großes Haus), im Thalia Theater (Großes Haus und Thalia in der Gaußstraße) und im Schauspielhaus (Großes Haus). Die FamilienCard ist im Kartenservice der Hamburgischen Staatsoper sowie im Thalia Theater und im Schauspielhaus erhältlich.“

Weitere Informationen unter: staatsoper-hamburg.de und jung-staatsoper.de , Kartenservice: 040-35 68 68

Und zur Weihnachtszeit stehen zudem einige festliche Termine auf dem Programm:

Die Zauberflöte

Die Zauberflöte von Mozart steht wieder auf dem Spielplan der Staatsoper Hamburg – in der Inszenierung von Jette Steckel und dem Bühnenbild von Florian Lösche. Es gibt ein Wiedersehen mit Willi Schwinghammer als Sarastro, mit Jonathan McGovern als Papageno, mit Christina Poulitsi als Königin der Nacht. Tamino wird von Dovlet Nurgeldiyev und alternierend von Oleksiy Palchikov im Rollendebut verkörpert. Pamina ist Hayoung Lee und alternierend Fatma Said, Papagena wird durch Narea Son und im Rollendebut alternierend von Soomin Lee gestaltet. Es spielt das Philharmonische Staatsorchester unter der Leitung von Adrian Müller.

Vorstellungen am 29. November jeweils um 19.00 Uhr sowie am 26. und 30. November 2017 um 18.00 Uhr. Doppelvorstellung am 3. Dezember um 14.00 Uhr und 19.00 Uhr. Weitere Termine am 5. und 7. Dezember jeweils um 19.00 Uhr

Ensemblekonzert: Bühne frei!

Das Motto des diesjährigen Ensemblekonzerts Bühne frei! lautet „Bretter, die die Welt bedeuten“. Unter der Moderation von Staatsopernintendant Georges Delnon und der musikalischen Begleitung von Studienleiter Rupert Burleigh gestalten Ensemblemitglieder einen vielseitigen Abend. Das traditionelle Ensemblekonzert findet zugunsten der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e.V. statt.

Bühne frei! am 9. Dezember 2017, 20.00 Uhr, Große Bühne

Hänsel und Gretel

Der Weihnachtsklassiker der Staatsoper Hamburg schlechthin ist Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel. „Kennst du nicht den schauerlich düstern Ort, weißt nicht, dass die Böse dort wohnt?“: Überstürzt brechen die Eltern in den Wald auf, um Hänsel und Gretel vor der Knusperhexe Rosina Leckermaul zu retten. Wie befürchtet, haben sich die Kinder im Wald verirrt und sind auf das Lebkuchenhaus gestoßen. Sie können der süßen Verlockung nicht widerstehen – und tappen in die Falle der Hexe, die Kinder buchstäblich zum Fressen gern hat…

Vorstellungen für die ganze Familie sind am 17. Dezember um 15.00 Uhr sowie am 17., 22. und 27. Dezember jeweils um 19.00 Uhr und am 18. Dezember um 11.00 Uhr

La Bohème

Eine der beliebtesten Opern von Puccini ist zurück an der Dammtorstrasse. La Bohème wird in der Inszenierung von Guy Joosten (2006) für fünf Vorstellungen ab dem 2. Dezember wieder zu sehen sein. Rodolfo ist mit dem mexikanischen Tenor Arturo Chacón-Cruz prominent besetzt, Mimì wird vom Staatsopern-Ensemblemitglied Iulia Maria Dan dargestellt und als Musetta gibt die junge Sopranistin Adriana Ferfecka ihr Staatsoperndebut. Das Philharmonische Staatsorchester spielt unter der Leitung von Stefano Ranzani.

Vorstellungen am 2., 6., 13., 16. und 19. Dezember jeweils um 19:30 Uhr

La Belle Hélène

Jacques Offenbachs Opéra bouffe La Belle Hélène zählt zu seinen größten Erfolgen. Das Regieduo André Barbe und Renaud Doucet verlegten die Handlung in ihrer Inszenierung auf ein Kreuzfahrtschiff der 60er-Jahre: Ihre phantasievolle, spritzige Inszenierung ist ein Garant für gute Laune!

Vorstellungen am 25. und 31. Dezember jeweils um 18.00 Uhr und am 28. Dezember um 19.30 Uhr

Der Literarisch-Musikalische Adventskalender

Mitglieder des Opern-Ensembles, des Internationalen Opernstudios, des Staatsopernchores, des Hamburg Balletts, der Ballettschule, der Jungen Choreografen, des Philharmonischen Staatsorchesters sowie Gäste aus Hamburg präsentieren: Geschichten, Gedichte und Lieder – mal bekannte, heitere und besinnliche Weihnachtsklassiker, mal eher Unbekanntes, Ungewöhnliches und Komisches zur Adventszeit. Lassen Sie sich überraschen!

Für alle Neugierigen lüften wir das Geheimnis bereits jeden Morgen auf unserem Blog.

Adventskalender vom 1. – 23. Dezember 2017, 17.00 bis circa 17.30 Uhr, (sonntags jeweils 12.00 Uhr, am 23. Dezember bereits um 16.30 Uhr) Eingangsfoyer, der Eintritt ist frei, es wird für einen wohltätigen Zweck gesammelt.

Familieneinführungen

Für ausgewählte Vorstellungen werden spezielle für junge Vorstellungsbesucher Einführungen in Werk und Inszenierung angeboten, um den inhaltlichen Zugang zu erleichtern. Die Familieneinführ-ungen sind in Verbindung mit einer Karte für die entsprechende Vorstellung kostenfrei und werden jeweils 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung in den Räumen der Staatsoper angeboten. Die nächsten Familieneinführungen sind:

Familieneinführung (ab 8 Jahren) Die Zauberflöte: 26.11.17, 17.15 Uhr, Chorsaal (Zugang über den Bühneneingang Kleine Theaterstraße 1)

3.12.17, 13.15 Uhr, Stifter-Lounge, 4. Rangfoyer

Familieneinführung (ab 8 Jahren) Hänsel und Gretel: 17.12.17, 14.15 Uhr, Stifter-Lounge, 4. Rangfoyer

Familieneinführung (ab 10 Jahren) La Belle Hélène: 25.12.17, 17.15 Uhr, Stifter-Lounge, 4. Rangfoyer

Informationen und Kartenreservierung sowie Beratung zu Geschenk-Abonnements, – Gutscheinen oder der OpernCard erhlaten Sie unter Tel. 040 – 35 68 68 oder www.staatsoper-hamburg.de

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Mit Tristan gegen die Tristesse https://www.tiefgang.net/mit-tristan-gegen-die-tristesse/ Mon, 02 Jan 2017 09:45:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=337 [...]]]> Über Musik zu schreiben oder zu reden, soll ja ähnlich sein, als wolle man zu Architektur tanzen. Aber so absurd ist es nun wieder nicht …

So gibt es bereits seit einer ganzen Weile eine lose Reihe von aufgelockerten Vorträgen im Kulturcafé „Komm Du“, die neben dem Hören von Musik sich auch mit Hintergründen der Komponisten und ihrer jeweiligen Zeit befasst. Und auch im Jahr 2017 kann man diese sogenannten „klassischen Abende“ nutzen, um Musik, Wissen und Unterhaltung gut miteinander zu vereinen.

Initiator und Vortragender ist ein gewisser Marc-Enrico Ibscher, Jahrgang 1966 und leidenschaftlicher Klassik- und Opern-Fan. Und das seit seiner Kindheit: “Mein Wagner-Leben begann durch die Freundschaft meiner Eltern mit Rudolf Schock“, erinnert Ibscher. „Dabei hörte ich erstmals die Gralserzählung aus ´Lohengrin` und ´Morgenlich leuchtend` aus den ´Meistersingern von Nürnberg` von der Schallplatte.“

1976 war es dann ausgerechnet eine Zeichentrickserie im ZDF, die das Wagner-Interesse erneut anstieß: sie hieß „Geschichten aus der Geschichte Die Nibelungen“ und dort trat die Trickfilmfigur Wagner als emsiger Komponist auf. Er wollte die Nibelungen als Oper komponieren und suchte dafür in lustigen Anekdoten dargestellt Sänger für die Uraufführung.

Es folgten die Lektüre des Opernführers von Ibschers Mutter, natürlich und speziell mit dem Kapitel Richard Wagner. In der 7. Klasse im Musikunterricht wurde dann Sentas Ballade aus dem „Fliegenden Holländer“, also aus der Zeit um 1978/1979, durchgenommen. Und dort entstand dann auch Ibischs erster Vortrag: „ich habe mir die Handlung des Holländers aus dem Opernführer erarbeitet und in der Klasse vorgetragen“.

1980 bekam er dann seinen ersten Querschnitt vom „Fliegenden Holländer“ auf einer Musikcassette (für die Jüngeren – der Vorgänger eines MP3s) geschenkt.

Ab 1981, also als 15jähriger, war Ibscher dann schon durch und durch Wagner-Fan und schleppte alles Taschengeld in diverse Plattenläden, um Wagner-LP’s zu kaufen. Nach und nach füllte sich das junge Archiv mit allen Musikdramen und als LP oder Cassette, zu Weihnachten, zum Geburtstag, von seinen Eltern oder selbst beschafft.

Seinen ersten Opernbesuch erlebte Ibscher – noch heute gut erinnernd –  am 5. Mai 1981, „Der fliegende Holländer“ in der Hamburgischen Staatsoper mit René Kollo als Erik und Norman Bailey als Holländer („authentische Besetzung meiner ersten MC!!!“). Ab 1983 wurde er zudem Statist an der Hamburgischen Staatsoper, im April 1985 als Ritter im Lohengrin. Sein (vorerst) letzter Statisten-Auftritt kam erst 1999 in „Turandot“.

„Zufällig erfuhr ich von der Existenz des Richard-Wagner-Verbandes und trat dem Verband im März 1992 bei. Aus beruflichen Gründen lebte ich zu dieser Zeit in Flensburg und trat auch dort sofort trat dem Flensburger Richard-Wagner-Verband bei und unterstützte die Vorsitzende, indem ich ihr Ideen für Veranstaltungen lieferte und Hamburger Referenten abwarb oder engagierte.“

1993 überließ sie ihm zum ersten mal Karten für Bayreuth (Tannhäuser und Holländer).

Eine jahrelange Zusammenarbeit rund um das Thema Wagner sorgten für Aufsätze in Fachzeitschriften und Vorträge zu Bruckner und Wagner, in den Folgejahren dann über Schumann und Schubert. Nach dem Tod der langjährigen Vorsitzenden wurde Ibscher – trotz mittlerweile wieder nach Hamburg verlegten Wohnsitzes erster Vorsitzender und ist es bis heute.

Kurzum: Ibscher ist Fachmann von Wagner und Opern allgemein. Er hielt zahlreiche Vorträge nicht nur in Flensburg, sondern auch in Hamburg, Helgoland, Düsseldorf, Münster, Graupa (Pirna/Dresden) und München über Themen wie Johann Strauß, Josef Strauß, Wilhelm Kienzl, Anton Bruckner, Friedrich von Flotow und Schumann in Verhältnis zu Wagner oder auch Rudolf Schock als Wagner-Sänger. Neuerdings gibt er auch eine Einführung in ein völlig unbekanntes, nur fragmentarisch erhaltenes Bühnenwerk Wagners.

Eines aber sei besonders erwähnt: ein Schwerpunkt seines Musikinteresses sind Musikerpersön-lichkeiten in Wagners Umfeld, aber nicht nur Freunde sondern auch Gegner wie Brahms und Schumann. „Dazu interessieren mich auch sehr seine Wurzeln, d.h. Mozart, Haydn und Gluck. Zu allen diesen Persönlichkeiten existieren Vorträge, oder sind (Haydn) noch in Arbeit.“

Seine Vorträge sind biographisch gestaltet, d.h. anhand des Lebensweges der Personen und der Entstehungsgeschichte ihrer bekanntesten oder auch unbekannteren Werke. Dazu erklingen Musikbeispiele, die etwa ein Drittel bis 40 % der Dauer des Vortrages ausmachen, neuerdings auch begleitet durch Powerpoint Präsentationen von Bildern der Komponisten und ihrer Lebens- und Wirkungsstätten. Angst vor zu viel Gerede und zu wenig Entertainment ist also unbegründet.

Ibscher füllt damit im Übrigen eine kulturelle Lücke in Harburg. Denn lange Jahre hab es die Reihe „Musik im Gespräch“ des einstigen Kulturredakteurs der „Harburger Anzeigen & Nachrichten“, Ernst Brennecke, der wöchentlich über musikalische Themen referierte und stets um die 60-70 Zuhörende in seinen Bann zog. Zuletzt gastierte die Reihe im „Stellwerk“ und wurde 2012 eingestellt. Gut nun, dass diese Tradition auf eine andere Art und Weise wieder Einzug hält.

Und wen´s interessiert, sollte sich folgende Termine im Kulturcafé „Komm Du“ (Buxethuder Straße) im Kalender notieren:

  • Am Do., 26. Jan. um 20h:“Anton Bruckner – Musikant Gottes auf Erden“

In einem Alter, das mancher seiner berühmten Kollegen, wie etwa Schubert und Mozart, nicht einmal erreichen durften, wurde Anton Bruckner (1824-1896) erst hauptberuflicher Komponist. Der Wagnerianer Bruckner, ein tiefreligiöser Sonderling und europaweit gefeierter Orgelvirtuose, wurde in seiner zweiten Lebenshälfte mit den großen Sinfonien gegen seinen Willen von der konservativen Wiener Musikkritik zu einer Art Gegenpapst zu Brahms aufgebaut. Der Vortrag zeichnet Anton Bruckners Lebensweg mit zahlreichen bekannten und unbekannten Musikbeispielen nach.

Weitere Informationen vorab:

 zu Anton Bruckner (1824 – 1896):
Anton Bruckner im Netz

Zum Reinhören: Anton Bruckner – Symphonie Nr.3 in d-moll „Wagner-Symphonie“ (1877 fassung)
Bruckner als Hörbeispiel

  • Am Do, 27.04.2017: „Friedrich von Flotow“
  • Am Do., 26.10.2017: „Joseph Haydn“

Der Eintritt ist übrigens frei, gegen eine Spende aber nichts einzuwenden!

(29. Dez. 2016, TG)

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