Harburger Schloß https://www.tiefgang.net Tue, 10 Dec 2019 08:19:39 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Altes neu entdecken https://www.tiefgang.net/altes-neu-entdecken/ Fri, 06 Dec 2019 23:51:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6128 [...]]]> Harburg hat viel Geschichte – vor allem aus den letzten 150 Jahren. Sie neu zu entdecken, ist spannend und kann nun analog oder digital erfolgen. Nah bleibt sie immer.

Harburg hat eine reichhaltige Geschichte, vor allem mit der Entwicklung der Industrialisierung und der einhergehenden Bevölkerungsexplosion. Ob analog oder digital, mit dem neuen Buch „Harburger Geschichtspfad“ und der digitalen Plattform „Kultur-Routen Harburg“ kann diese spannende Stadtgeschichte Harburgs nun neu oder auch wieder entdeckt werden.

Anfang der Woche stellten Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen, Prof. Dr. Weiss, Direktor des Archäologischen Museums und Stadtmuseums Harburg sowie Jens Brauer, Leiter des Stadtmuseums Harburg und Dr. Michael Merkel, Leiter der Digitalisierungsprozesse beider Harburger Museen im Harburger Rathaus gemeinsam die neue digitale Plattform sowie ein neu erschienenes Buch zur Harburger Stadtgeschichte vor.

Der „Harburger Geschichtspfad“ und die „Kultur-Routen Harburg“ (www.kulturrouten-harburg.de) laden zu einer historischen Entdeckungstour ein, die von den Anfängen der bis 1937 selbständigen Stadt, bis in die Gegenwart des südlichsten Hamburger Bezirkes führt. Die neue digitale Plattform “Kultur-Routen Harburg” bündelt außerdem bereits existierende Angebote und Kurzführer zur Harburger Stadtgeschichte, zur Kunst im öffentlichen Raum sowie zur Geschichte des Binnenhafens und des Alten Friedhofs. Die Inhalte können über Smartphone und Tablet abgerufen werden. Der Harburger Geschichtspfad ist ab sofort Teil dieser Plattform und gleichzeitig als Buch erhältlich. Beide Projekte sind ein Gemeinschaftsprojekt des Stadtmuseums Harburg und des Bezirksamts Harburg.

Mit der digitalen Plattform „Kultur-Routen Harburg“ kann die Geschichte Harburgs im Rahmen eines multimedialen Rundgangs entdeckt werden. Die kostenlose Web-App ist auf mobilen Geräten, aber natürlich auch zu Hause am PC nutzbar. Und so funktioniert´s: man entscheidet, welche Themen auf der interaktiven Karte angezeigt werden: ob Kunst, Geschichte, Hafen oder Alter Friedhof (samt namhafter Biografien der Stadtgeschichte). Die Auswahl trifft man im einfach im Themenmenü und durch einen Klick. Und schon hat man entweder alle oder die die einzelnen Angebote in der Ansicht. Der eigene Standort – so auf dem tablet oder smartphone aktiviert –  wird auf der Karte mit der Standortposition angezeigt. Und los geht’s. Da Harburgs Route recht fußläufig ist und sonst auch mit E-Roller oder Stadtrad ergänzt werden kann, ist es eher die Qual der Wahl, was man alles an Harburg wieder- oder neu entdecken kann. Es lohnt sich allemal.

Wer möchte, kann sich aber auch mit dem gedruckten Führer zum Harburger Geschichtspfad auf den Weg machen. Es ist auch ein guter Einstieg, wenn man neu nach Harburg gezogen ist oder den Nachbarn mal eine Freude machen will. Das Buch im handlichen Format stellt 36 Stationen des Pfades vor. Der Pfad führt von den Anfängen der Stadt bis in die Gegenwart und informiert über Gebäude, Plätze und Straßen. Die Web-App sowie das Buch erzählen bekannte Geschichten und eröffnen neue Einsichten in die lange Geschichte Harburgs.

So natürlich vom Harburger Schloß und der Schlossstraße, vom Rathaus und auch dem Museum. Aber auch vom Bassinplatz oder der Straßenbahn oder dem Harburger, der als drei(!)-spurige Einbahn(!)straße in den 1980er Jahren eröffnet wurde. Gute 100 Seiten mit Bildern aus den Archiven und Texten auf Deutsch aber auch in englischen Kurzfassungen.

An den einzelnen Stationen kann das Gestern und Heute nebeneinander erlebt werden. Fotos und kurze Porträts der historischen Orte erzählen, wie sich Harburg entwickelt und gewandelt hat. An vielen Punkten des Geschichtspfades werden dadurch Brüche sichtbar, die der Zweite Weltkrieg, der wirtschaftliche Strukturwandel oder die Stadtplanung im Stadtbild hinterlassen haben. Es werden aber auch einige neue Standorte vorgestellt, wie zum Beispiel eben das Harburger Schloss, in dessen Gewölbekeller demnächst als neue Museumsfiliale des Stadtmuseums Harburg eröffnet werden soll.

Die digitale Plattform „Kultur-Routen Harburg“ bündelt viele bereits existierende Angebote zur Harburger Stadtgeschichte und zur Kunst im öffentlichen Raum. Alle sind attraktiv bebildert, so dass sich ein Ausflug an die geschichtsträchtigen Orte schon von der Couch aus lohnt. Ebenso viel Spaß macht es allerdings, die „Kultur-Routen Harburg“ direkt vor Ort anzuwenden. Die Nutzung der Plattform ist einfach: Durch das Scannen eines QR-Codes gelangt man auf die Webseite der „Kultur-Routen Harburg“. Hier können verschiedene Themen ausgewählt werden und mit Hilfe einer Karte wird man dann von Ort zu Ort geführt.

Das Gemeinschaftsprojekt wurde mit Mitteln der Bezirksversammlung Harburg sowie aus dem Rahmenprogramm integrierte Stadtteilentwicklung mit rd. 30.000 € gefördert.

Das analoge Büchlein ist für 5,- € im Stadtmuseum Harburg und auch dem Shop des Citymanagements erhältlich sowie online im Museumshops: shop.amh.de.

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Der „Schwedenkönig“ war meist rappelvoll https://www.tiefgang.net/der-alte-schwede-war-meist-rappelvoll/ Wed, 21 Dec 2016 14:04:08 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=254 [...]]]> Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht verstehen!Diesen Ausspruch, der dem Historiker Golo Mann zugeschrieben wird, sollten Harburger auch mal beherzigen.

Denn er passt auch zum bereits 2013 von der Harburger Stadtplanerin Birgit Caumanns und der Harburger Historikerin Angelika Hillmer herausgegebenen Buch „Der Kanalplatz am Harburger Binnenhafen“. Und zwar besser als man vermuten könnte. Neben vielen Aspekten der Stadtentwicklung und lokalen Geschichte der Hannoveraner, Französischen und letztlich Hamburgischen Obrigkeiten ist es nämlich auch ein Buch über die Menschen Harburgs. Es geht um Sparksamkeit, die dazu führte, dass das Schloss nicht abgerissen sondern doch noch von den  französischen Besatzungsmächten im 18. Jahrhundert genutzt wurde. Es geht um den „Schwedenkönig“ (genau genommen das Gasthaus und Hotel „König von Schweden“) – eine frühere „In-Location“, die seinesgleichen suchte, um Aus- und Zuwanderer und typische Familiennamen Harburgs. Wer also nicht nur die Eddelbüttler Straße sondern auch mehr über die Familie Eddelbüttel erfahren will – auch er wird hier fündig. Und klar: auch die Trinkhalle (heute Kulturkiosk) an der Ecke Kanalplatz/Blohmstraße von 1876 fehlt nicht.

Warum nun aber ausgerechnet über den Kanalplatz? Dieser Platz inmitten des Harburger Binnenhafens war in räumlicher und funktionaler Hinsicht jahrhunderte lang der Übergangsbereich zwischen Schlossinsel und der Stadt Harburg. Ohnehin lag das Zentrum Harburgs – ursprünglichst mal „Horeburg“ (= Sumpfburg) genannt –  ja nördlich der heutigen Bahngleisstrecke bzw. südlich des Schlosses oder genauer der Schlosszitadelle. Dort lag das Rathaus, Hotel, Schänke und auch der Vorgänger des Finanzamtes. Der Kanalplatz war also in vielerlei Hinsicht zentral. Und ob man es glaubt oder nicht: am Kanalplatz gab es auch eine Esplanade, wenn auch nicht so repräsentativ wie die heutige Hamburger Esplanade ist. Denn der Name hat mehr mit der Bedeutung als Schussfeld vor einer Festung zu tun.

Bis vor wenigen Jahren jedenfalls war dieser einst so zentrale Platz (samt Galgen-Vorrichtung übrigens) etwas in Vergessenheit geraten: Zum einen war er kaum noch als Platz zu erkennen. Und umkreist von Schwerverkehr und als Nachbarin noch eine Spedition – das kam auch nicht allzu einladend daher.

Inzwischen wurde ein Teilbereich des Kanalplatzes im Rahmen der städtebaulichen Entwicklung der Harburger Schlossinsel neu gestaltet und auch eine passierbare Fußgängerbrücke installiert. Deren Vorgängerin man übrigens auch im Buch wieder findet. Und genau diese Geschichte über den Stadtraums und seine Bedeutung bis in die Gegenwart nachzuvollziehen und zu dokumentieren, haben sich die Autorinnen zur Aufgabe gemacht. Und man kann sagen: sehr gelungen!

Fünf Kapitel widmen sich der besonderen Entstehungsgeschichte des Platzes im 17. Jahrhundert, den frühen Nutzungen des 18. und 19. Jahrhunderts, den Auswirkungen des Hafenausbaus und der Technisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts, der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg mit den darauf folgenden Modernisierungsmaßnahmen zur Zeit des Wirtschaftswunders und den Folgen des Strukturwandels bis Ende der 1980er Jahre.

Und neben einer guten und das Verständnis erleichternden Bebilderung kommen auch Zeitzeugen zu Wort. Ihre Erinnerungen vermitteln ein eindrucksvolles und authentisches Bild der Arbeits- und Lebensverhältnisse in den 1950er bis 1980er Jahren.

Im letzten Kapitel werden dann vor dem Hintergrund der Neuorientierung Anfang der 1990er Jahre die Auswirkungen des komplexen Planungsgeschehens auf den Kanalplatz und seine Umgestaltung dargestellt.

Kurzum: Ein detailreiches und anschauliches weil gut bebildertes Buch über die Geschichte des Kanalplatzes mit interessanten Einblicken in die Stadt- und Hafengeschichte Harburgs.

Die Autorinnen: Birgit Caumanns, Dipl. Ing. Stadtplanung, 1950 am Niederrhein geboren, Zweitstudium Städtebau / Stadtplanung an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Den Kanalplatz hat sie im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit entdeckt und ist seit 2005 freiberuflich in eigenem Büro am Kanalplatz 6 tätig. Mit Führungen, Schulprojekten und Bildungsurlauben arbeitet sie an der Schnittstelle zum Bildungsbereich. Dem Erhalt historischer Bausubstanz gilt ihre besondere Aufmerksamkeit: Als ortstypischer Standortfaktor macht sie den Harburger Binnenhafen unverwechselbar und trägt zu einer zukunftsfähigen Entwicklung bei. Birgit Caumanns ist Gründungsmitglied der Geschichtswerkstatt Harburg.

Angelika Hillmer (M.A.), studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung Ethnologie und Geschichte an der Universität Hamburg. Sie ist mit einem gebürtigen Harburger verheiratet und lebt in Kaltenkirchen. Seit 2000 ist sie selbständig, gründete 2007 ihr Büro histoLink, historische und biografische Dienstleistungen, und ist u. a. als Lehrbeauftragte am Institut für Ethnologie tätig. Die Mitarbeit am EU-Forschungsprojekt „European Port Cities: Disadvantaged Urban Areas in Transition“ führte sie 2003 mit einer Einzelforschung in den Harburger Binnenhafen. Seither engagiert sie sich beruflich und ehrenamtlich im Harburger Binnenhafen und setzt sich für den Erhalt seiner kulturellen Identität ein. Sie ist Initiatorin und Gründungsmitglied der Geschichtswerkstatt Harburg.

Birgit Caumanns & Angelika Hillmer | Hamburg 2013 | 226 Seiten | zahlreiche, teils großformatige Abbildungen | ISBN 978-3-00-040566-2 | 15 EUR

Das Buch ist direkt beziehbar über Birgit Caumanns: Tel.: 040 – 432 74 333 oder per Mail info(at)caumanns-hillmer.de

(21.12.2016, hl)

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