Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg https://www.tiefgang.net Wed, 22 Apr 2026 09:50:56 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Das Auge der Epoche https://www.tiefgang.net/das-auge-der-epoche/ Wed, 22 Apr 2026 09:50:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13671 [...]]]> Es gibt Namen, die untrennbar mit dem visuellen Gedächtnis einer Stadt verwoben sind. In Hamburg ist dieser Name F.C. Gundlach.

Pünktlich zu seinem 100. Geburtstag am 16. Juli 2026 beschenkt sich die Hansestadt Hamburg nun selbst mit einer Nachricht, die das Erbe dieses Visionärs für die nächste Generation zementiert: Die Sammlung F.C. Gundlach bleibt nicht nur in Hamburg, sie wächst und wird für mindestens zwanzig weitere Jahre das Herzstück des Hauses der Photographie in den Deichtorhallen bilden.

Gundlach war weit mehr als ein Modefotograf. Er war Netzwerker, Sammler, Kurator und der Gründungsdirektor jenes Hauses, das heute international als eine der ersten Adressen für die Kunstform Fotografie gilt. Sein Credo war zeitlebens die Überzeugung, dass ein Sammler eine moralische Verpflichtung hat, Teile seiner Sammlung oder ihr Ganzes öffentlich zu machen. Er sah seine Schätze als lebendigen Organismus, der auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren muss. Dieser Geist weht nun durch einen neuen Kooperationsvertrag, der die bisherige Leihgabe von 9.000 auf stolze 14.000 Werke erweitert.

Wer war dieser Mann, der die Fotografie in Deutschland aus ihrem Nischendasein als bloßes Handwerk in den Olymp der bildenden Kunst hob? Gundlach kam in den 1950er Jahren nach Hamburg und machte die Stadt zur Zentrale seiner Arbeit. Er fotografierte für die großen Magazine – von Film und Frau bis hin zur Brigitte. Doch seine Bilder waren nie bloße Kleiderständer-Dramaturgien. Er verstand es, Mode als Spiegelbild gesellschaftlicher Identitäten zu inszenieren.

Betrachtet man seine ikonischen Werke, etwa die Aufnahme (Titelbild) der deutschen Models in Santiago de Chile aus dem Jahr 1963, erkennt man seine Meisterschaft: Es ist ein Massenauflauf der Neugier, eine Begegnung zwischen der Eleganz der alten Welt und der dynamischen Realität Südamerikas. Gundlach fing hier nicht nur Stoffe ein, sondern den Moment, in dem Mode zum öffentlichen Ereignis wird. Ebenso legendär ist sein Porträt von Uschi Obermaier in Hamburg 1970.

Uschi Obermaier, Hamburg 1970

In ihrem Blick und ihrer Haltung manifestiert sich der Umbruch einer ganzen Generation – weg von der steifen Etikette, hin zur Freiheit der 68er.

Gundlachs Blick war stets präzise, fast architektonisch. Er setzte den Menschen in Bezug zu seiner Umgebung, sei es vor den ägyptischen Pyramiden oder in den kühlen Betonfluchten der Moderne. Für ihn war Fotografie nie isoliert. Der Titel der kommenden großen Ausstellung im Bucerius Kunst Forum, You’ll Never Watch Alone, bringt es auf den Punkt: Fotografie geschieht durch Austausch, durch Allianzen und das Wirken in Netzwerken.

Die Nachricht der Vertragsverlängerung ist ein Meilenstein für die Hamburger Kulturlandschaft. Dr. Carsten Brosda bezeichnet die Erweiterung als einen Gewinn für die Kulturstadt, um die Position des Hauses der Photographie als international führendes Zentrum zu stärken. Bis 2028 wird die südliche Deichtorhalle umfassend saniert. Wenn sie ihre Pforten wieder öffnet, wird die Sammlung F.C. Gundlach einen völlig neuen Raum erhalten.

Im ersten Obergeschoss entsteht ein Bereich, der die Grenzen zwischen Archiv, Forschung und Erlebnis auflöst. 200 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche, ein Schaudepot und die über 10.000 Bände umfassende Sammlerbibliothek werden dort ein neues Zuhause finden. Es ist die Erfüllung eines visionären Traums: Die Sammlung wird zur lebendigen Ressource für die 200-jährige Geschichte der Fotografie und gleichzeitig zum Labor für die Zukunft des Mediums. Künftig werden neben dem zentralen Thema Das Bild des Menschen auch Schwerpunkte wie abstrakte, subjektive sowie Landschafts- und Objektfotografie dauerhaft präsent sein.

Die Triennale als Fest des Sehens

Während die Deichtorhallen aber aktuell noch saniert werden, feiert die Stadt das Medium Fotografie bereits jetzt im Rahmen der 9. Triennale der Photographie. Diese von Gundlach einst initiierte Großveranstaltung macht die Stadt im Sommer 2026 zum Schauplatz für elf Ausstellungen. Das Bucerius Kunst Forum widmet sich dabei Gundlachs Rolle als unermüdlicher Förderer und Sammler. In der Ausstellung werden neben seinen eigenen Ikonen auch Werke von Weggefährt*innen wie Ute Mahler gezeigt, deren Bild Zwei Models im Kreuzgang von 1989 die melancholische Strenge und grafische Kraft illustriert, die Gundlach in der Fotografie so schätzte.

Ute Mahler – Zwei Models im Kreuzgang, 1989 (Fotorechte: Ute Mahler)

Es ist diese Kombination aus dem eigenen Schaffen und dem Blick für die Qualität anderer, die Gundlach so einzigartig machte. Er sammelte nicht für den Tresor, sondern für die Erkenntnis.

F.C. Gundlach hat uns gelehrt, dass ein Foto nie nur ein Abbild der Realität ist, sondern immer auch eine Konstruktion von Wahrheit, Sehnsucht und Zeitgeist. Sein Erbe in Hamburg ist kein staubiges Denkmal, sondern eine Aufforderung zum genauen Hinsehen. Mit der nun gesicherten Zukunft seiner Sammlung in den Deichtorhallen bleibt Hamburg ein Ort, an dem die Fotografie atmen, sich verwandeln und uns immer wieder neu befragen kann. Ein würdigeres Geschenk hätte man dem großen Visionär zu seinem 100. Geburtstag kaum machen können.

Die Ausstellung: F.C. Gundlach. You’ll Never Watch Alone | Laufzeit 8. Mai bis 16. August 2026

Bucerius Kunst Forum | Alter Wall 12, 20457 Hamburg | www.buceriuskunstforum.de

Die Sammlung F.C. Gundlach wird ab der Wiedereröffnung des sanierten Hauses der Photographie in den Deichtorhallen (voraussichtlich 2028) dauerhaft in neuen Räumlichkeiten präsentiert. Aktuelle Informationen zu den Baufortschritten und Interims-Projekten finden Sie unter www.deichtorhallen.de.

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Die Zukunft der südlichen Deichtorhalle https://www.tiefgang.net/die-zukunft-der-suedlichen-deichtorhalle/ Sat, 27 Apr 2024 14:18:28 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10792 [...]]]> Die südliche Deichtorhalle wird seit 2021 grundlegend saniert und erweitert. Ein Besuch zum Zwischenstand …

Ziel ist es, nicht nur die gravierenden Schäden an dem mehr als 100 Jahre alten Baudenkmal zu beheben, sondern zugleich das international renommierte Ausstellungshaus für die Besucher*innen deutlich attraktiver zu machen und technisch zeitgemäß zu modernisieren. Bei dem kürzlichen Baustellenbesuch mit Kultursenator Carsten Brosda, Finanzsenator Andreas Dressel, Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen Hamburg, Bert Antonius Kaufmann, Kaufmännischer Direktor der Deichtorhallen Hamburg und Martin Görge, Geschäftsführer der Sprinkenhof, wurde der Umfang der denkmalgerechten Sanierung der südlichen Deichtorhalle deutlich. Die Substanz der direkt am Wasser gelegenen Halle weist erhebliche Schäden auf. Im Zuge der Sanierung entstehen zudem unter anderem neue zusätzliche Flächen für die Sammlung F. C. Gundlach und Räume für die kulturelle Bildung. Darüber hinaus wird sich die südliche Halle der Deichtorhallen mit zusätzlichem Foyer, Buchhandlung und Gastronomie deutlich sichtbarer in den Stadtraum öffnen. Realisiert und finanziert wird das anspruchsvolle Projekt im Rahmen des sogenannten Mieter-Vermieter-Modells durch die städtische Realisierungsgesellschaft Sprinkenhof. Beim Sanierungsbeginn 2021 war ursprünglich eine rund dreijährige Sanierungszeit vorgesehen. Aufgrund erheblich größerer Schäden als ursprünglich angenommen und der Insolvenz eines Planers, verbunden mit einer Neuausschreibung der vollumfänglichen Planung, werden die Sanierungsarbeiten bis Sommer 2027 andauern.

Mit ihrer Industriearchitektur vom Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Deichtorhallen als Ensemble eines der wichtigsten technischen Kulturdenkmale der Stadt Hamburg. Nachdem 2015 die Sanierung der nördlichen Deichtorhalle erfolgreich abgeschlossen werden konnte, wird nun die Südhalle in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt umfassend saniert. Im Rahmen der Sanierung werden unter anderem gravierende Schäden an der Tragwerkskonstruktion behoben und die Fassaden erneuert. Dabei bleibt die charakteristische und durch das Dach geprägte Silhouette des Denkmals erhalten und die filigrane Gliederung der Giebelverglasung aus der Entstehungszeit wird wiederhergestellt. Gleichzeitig wird sich das Haus zu allen Seiten öffnen und so die Innenstadt mit der HafenCity und dem Kreativquartier Oberhafen verbinden.

Das Foyer am Haupteingang der Nordfassade wird neugestaltet und durch den Rückbau der momentan eingezogenen Geschossebene wieder in seiner ganzen Höhe erlebbar gemacht. Die imposante zentrale Ausstellungshalle wird in ihrem bisherigen Charakter als große flexibel nutzbare Fläche mit über 1.000 Quadratmetern erhalten bleiben, aber technisch vollständig modernisiert. Die Halle öffnet sich zukünftig auch zur Westfassade mit einem Eingang, über den eine neu geschaffene Publikumsfläche im ersten Obergeschoss zu erreichen sein wird. Hier entsteht ein zusätzlicher Bereich zur Präsentation der Sammlung F. C. Gundlach, bestehend aus einer Ausstellungsfläche, einem Schaudepot sowie der Bibliothek F. C. Gundlach. An der Ostseite wird ein neuer Workshopbereich für kulturelle Bildung entstehen. Dazu wird das bisher ungenutzte frühere Toilettenhäuschen der ehemaligen Markthallen mit seiner besonderen Architektur erstmals grundlegend saniert. Hier entsteht außerdem ein neuer Eingang zu den Büro- und Verwaltungsflächen im ersten Obergeschoss. Die Flächen der Buchhandlung und des Restaurants werden besser aufgeteilt und unterstreichen die Öffnung der Deichtorhallen in den Stadtraum.

Für die Sanierungszeit ist auf dem Deichtorplatz mit dem PHOXXI ein temporäres Haus der Photographie errichtet worden, in dem das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm mit besonderen Formaten fortgesetzt wird und Büros der Deichtorhallen übergangsweise eingezogen sind. Zusätzlich finden punktuell fotografische Ausstellungen auch in der Halle für aktuelle Kunst und der Sammlung Falckenberg statt.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die denkmalgeschützten Deichtorhallen sind vor über hundert Jahren als Markthallen errichtet worden und prägen bis heute das Bild der Stadt. Nach der erfolgreichen Sanierung der Nordhalle machen wir jetzt auch die südliche Deichtorhalle fit für den internationalen Ausstellungsbetrieb als ‚Haus der Photographie‘. Hamburg stärkt damit ein herausragendes Kulturensemble, das als Teil der Kunstmeile und in direkter Nachbarschaft zum Oberhafen und den neu einziehenden Clubs in den Bahn-Kasematten noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Die Sanierung dieses herausragenden Baudenkmals stellt uns allerdings vor große Herausforderungen, zumal in einer Zeit, in der die Baubranche stark unter Druck steht.“

Dr. Andreas Dressel, Finanzsenator und Sprinkenhof-Aufsichtsratsvorsitzender: „Bis die südliche Deichtorhalle wieder für Besucherinnen und Besucher zugänglich ist und mit vielen Neuheiten begeistern kann, wird es leider noch etwas dauern. Wir haben im Vorfeld umfangreiche Voruntersuchungen durchgeführt. Dennoch sind im Zuge der tatsächlichen Bauarbeiten immer mehr Herausforderungen zutage gefördert worden, die im Voraus trotz sorgfältigster Planung nicht abzusehen waren. Dazu kommt die angespannte Lage in der Baubranche und die Insolvenz eines Beteiligten, die das Projekt letztendlich stark verzögern. Wie wir mit damit verbundenen Kostensteigerungen umgehen, wird der Senat im Zuge der Haushaltsberatungen zeitnah entscheiden.“

Prof. Dr. Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen Hamburg: „Die umfassende Sanierung des architektonischen Juwels der südlichen Deichtorhalle bestätigt und inspiriert unsere Pläne, die Deichtorhallen mit dem Haus der Photographie weiterhin als internationales Ausstellungszentrum für Fotografie zu etablieren. Wir danken der Stadt sehr, dass sie dieses herausfordernde Projekt realisiert. Bis zur Fertigstellung werden wir das Medium Fotografie dem Publikum in internationalen Ausstellungen kontinuierlich im PHOXXI, dem temporären Haus der Photographie, und punktuell in der nördlichen Deichtorhalle und in der Sammlung Falckenberg weiter präsentieren und Lust auf mehr machen.“

Bert Antonius Kaufmann, Kaufmännischer Direktor Deichtorhallen Hamburg: „Wir freuen uns darüber, dass die Deichtorhalle nicht nur als historisches Denkmal erhalten bleibt, sondern auch infrastrukturell modernisiert wird. Durch hochmoderne Energie-, Klima- und Lichttechnik sowie erweiterte Raumangebote für die Sammlung F. C. Gundlach und die kulturelle Bildung mit Ateliers, Dunkelkammer, Workshop- und Veranstaltungsräume sowie die Bibliothek F. C. Gundlach wird das Angebot noch attraktiver werden. Darüber hinaus wird der Ausstellungsbesuch durch eine erweiterte Gastronomie und ein neues Shop-Konzept bereichert. Und auch die Mitarbeitenden können sich auf moderne Büroräume freuen.“

Martin Görge, Geschäftsführer Sprinkenhof GmbH: „Bereits vor Sanierungsstart im Jahr 2021 war uns bewusst, dass es sich bei der Ertüchtigung der südlichen Deichtorhalle um eine sehr ambitionierte Bauaufgabe handeln wird. Es ist die erste umfangreiche Grundinstandsetzung innerhalb des Kulturportfolios der Stadt mit dem Ziel, den Werterhalt der städtischen Kulturimmobilien sicherzustellen. Wir hoffen nun auf Basis der guten Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten und mit zuverlässigen Partnern im weiteren Bauverlauf keine weiteren wesentlichen Überraschungen mehr zu haben und die Sanierungsaufgabe erfolgreich und plangemäß durchführen zu können.“

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Neue Kuratorin für das Haus der Photographie https://www.tiefgang.net/neue-kuratorin-fuer-das-haus-der-photographie/ Fri, 13 Oct 2023 22:12:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10335 [...]]]> Die Deichtorhallen Hamburg bekommen zum 1. Februar 2024 mit Nadine Isabelle Henrich eine neue Kuratorin für das Haus der Photographie.

Die 33-jährige Fotografieexpertin war zuletzt u.a. am Getty Research Institute in Los Angeles, dem Fotomuseum Winterthur sowie dem Museum Folkwang tätig. Sie tritt die Nachfolge von Ingo Taubhorn an, der seit 2003 als Kurator am Haus der Photographie die Ausstellungsprogramm maßgeblich prägte und sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen Hamburg: »Ich freue mich sehr, dass wir mit Nadine Isabelle Henrich eine so innovative wie international sehr gut vernetzte Fotoexpertin gewinnen konnten. Mit ihren zukunftsweisenden Ausstellungsideen hat sie uns sofort überzeugt. Als Kennerin sowohl der deutschen als auch der internationalen Kunstszene wird Nadine Isabelle Henrich den Erfolgskurs des 2003 von F.C. Gundlach gegründeten Hauses des Photographie weiter fortsetzen.« 
Bert Antonius Kaufmann, Kaufmännischer Direktor der Deichtorhallen Hamburg ergänzt: »Neben der Fortentwicklung des Ausstellungsprogramms im Phoxxi durch Nadine Isabelle Henrich blicke ich der Ausgestaltung des neuen Hauses der Photographie mit ihr und der Sammlungskuratorin Sabine Schnakenberg als offenen Ort der lokalen wie globalen Fotocommunity freudig entgegen.«

»Mit einem neuen Fokus auf Künstler*innen, die fotografische Zukünfte gestalten, auf international agierende Fotokollektive und auf die Dynamiken digitaler Bildpraktiken, wird mein Programm auch weniger bekannte, bisher oft übersehene fotografische Aspekte in den Blick nehmen. Im Bewusstsein der Verflechtungen der Fotografie mit neuen Technologien und der globalisierten Welt werden die Ausstellungen und das Diskursprogramm die Potenziale des Fotografischen für gesellschaftliche und soziotechnische Fragen der Gegenwart ausloten«, so Nadine Isabelle Henrich.

Werdegang:

Vor ihrem Start am Haus der Photographie in den Deichtorhallen war Henrich (*1990) im Programm „Museumskurator:innen für Fotografie“ der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung (2021-2023) tätig, zuletzt als Curatorial Fellow am Getty Research Institute in Los Angeles (2022/2023) und in den kuratorischen Teams des Fotomuseum Winterthur, des Museum Folkwang und des Münchner Stadtmuseum. Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören u.a. „Poetics of Search“ im Fotomuseum Winterthur (2022/2023), „Visions of Ukraine“ im Museum Folkwang, Essen (2022), „Rüzgâr Buşki: Wayward“ Galerie Wedding, Berlin (2022). In Berlin arbeitete sie als Kuratorin und Doktorandin bei Daimler Contemporary (2017-2020), wo sie u.a. die Gruppenausstellung „Evoking Reality“ (2018/19) kuratierte, mit Arbeiten von u.a. Mustafah Abdulaziz, Clément Cogitore, Tacita Dean, Alia Farid, Cao Fei, Pieter Hugo, Richard Mosse, Viviane Sassen, Berni Searle, Guy Tillim, Sharif Waked, Maya Zack; Zuvor war Henrich als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Heiner Bastian Fine Arts, Berlin/London (2015/16) tätig und unterstützte als Assistenz vor Ort das Team des deutschen Pavillons der 55. Biennale di Venezia, kuratiert von Susanne Gaensheimer (2013). Nach Studien- und Stipendienaufenthalten in Florenz, Rom und Frankfurt schloss Henrich ihren Master in Kunst- und Bildgeschichte an der Humboldt Universität Berlin ab (2016) und finalisiert aktuell ihr Dissertationsprojekt am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin, betreut von Prof. Peter Geimer.

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Gute Aussichten ab Februar https://www.tiefgang.net/8701-2/ Fri, 14 Jan 2022 23:01:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8701 [...]]]> Gute Aussichten könnten viele mla wieder gebrauchen. Das Haus der Photographie nimmt sich dem an und bietet sie ab Februar in einer Ausstellung.

Mit der Ausstellung GUTE AUSSICHTEN – JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE 2020/2021 präsentiert das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg vom 11. Februar – 1. Mai 2022 die Preisträger*innen des renommierten Nachwuchspreises für Absolvent*innen der Fotografie. Im 17. Jahrgang von GUTE AUSSICHTEN wählte die Jury acht Preisträger*innen aus.

Jeder GUTE AUSSICHTEN-Jahrgang ist ein Seismograph, in dessen Ausschlägen das vielgestaltige Echo der aktuellen gesellschaftlichen und politischen, wie auch ästhetischen und medialen Diskurse widerhallt. Die ausgewählten Fotograf*innen lassen sich angelehnt an Brigitte Kronauers Roman »Das Schöne, Schäbige, Schwankende« betrachten. Kronauer ist der Auffassung, dass die in ihrem Buch porträtierten Figuren diese drei Entwicklungsstufen zu durchlaufen hätten. Auf die Fotografie übertragen zerlegen die GUTE AUSSICHTEN-Künstler*innen ihre Themen, Modelle und Motive in zahlreiche mögliche Wirklichkeiten, die allesamt das »Schöne, Schäbige oder Schwankende« offenbaren.

Die an der HAW Hamburg und der Royal Academy of Arts, Den Haag ausgebildete SOPHIE ALLERDING setzt sich in ihrem Zyklus »Leuchtende Augen« mit der physischen Verbindung von Mythen im brasilianischen Amazonas-Regenwald auseinander – was dabei entsteht ist purer, magischer Realismus.

In multimedialen, raumgreifenden Arbeit »Ataxia/Ataraxia« sucht der in Leipzig lebende LEON BILLERBECK, der an der Bauhaus Universität in Weimar studiert hat, nach Formen der Konfrontation und Verarbeitung der neurologischen Krankheit seines Vaters.

ROBIN HINSCH, der ebenfalls u.a. an der HAW Hamburg studierte, hinterfragt in »WAHALA« die Ausbeutungsmechanismen und Produktionsbedingungen der weltweiten Förderung fossiler Brennstoffe. Eine frühere Serie von Hinsch war bereits 2015 im Rahmen des European Photo Exhibition Award in den Deichtorhallen Hamburg zu sehen.

Die Berliner Fotografin JANA RITCHIE richtet in ihrer Langzeit Serie »Familie Ritchie« den Fokus auf die Ambivalenz sowie das Individualitäts- und Unabhängigkeitsbestreben von sich selbst und ihren durchwegs weiblichen Familienmitgliedern.

TINA SCHMIDT und KERRY STEEN, die ihren Abschluss an der Fachhochschule Bielefeld machten, belegen in »The Evidence of Jahalin« die Existenz der Jahalin-Beduinen in der Khan-al- Ahmar School Community, einem Beduinendorf inmitten der Westbank, und dokumentieren deren Vertreibung durch die israelische Siedlungspolitik.

In der für die Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig entstandenen Abschlussarbeit »Blastogenese X« inszeniert CONRAD VEIT einen als Tierdokumentation getarnten Schwarzweißfilm aus hybriden Lebensformen, der jede Grenze zwischen Mensch und Tier sowie Männlichkeit und Weiblichkeit dekonstruiert.

In »squares« von KONSTANTIN WEBER treiben selbst programmierte oder gefundene KI-basierte Programme den Transformationsprozess an und ignorieren das eigentliche fotografische Motiv. Weber studierte Soziologie und Humangeographie in Frankfurt sowie Freie Bildende Kunst in Mannheim und Offenbach.

Summa summarum präsentiert GUTE AUSSICHTEN – JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE 2020/2021 über 130 Fotografien, zehn Videos, sieben Klang- und Soundinstallationen, fünf skulpturale Objekte, vier Smartphones mit Gesichtserkennungssoftware, drei Bücher, zwei Soundfiles mit Bild-zu-Text-KIs, einen 16mm-Film, ein Heft, eine Plastiktüte mit fotografischen Fragmenten und eine webbasierte QR-Code-Applikation.

www.deichtorhallen.de

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