HeideKultour – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 11 Apr 2018 09:26:13 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Zu Tisch bei Irmgard Gottschlich https://www.tiefgang.net/zu-tisch-bei-irmgard-gottschlich/ Sat, 03 Jun 2017 06:00:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1219 [...]]]> Sonja Alphonso stellte kürzlich auf ´Tiefgang` Ideen und Köpfe der ´HeideKultour` vor und stieß dort auf ein besonderes künstlerisches Fundstück: den Tisch. Und Irmgard Gottschlich.

Irmgard Gottschlich begegnete ich das erste Mal im Heimfelder Kulturverein „alles wird schön“ anlässlich einer Finissage von ihrem Mann Harald Finke. Ich unterhielt mich angeregt mit beiden und besuchte das Künstlerehepaar auch einmal in ihrem Haus in Rehlingen.

Über sie erfuhr ich von der HeideKultour, ein temporäres Kunstevent in 3 Landkreisen und nahm daraufhin Kontakt zum Vorstandsmitglied von Heidekultour e.V. Florence Romberg auf, um auf diese Veranstaltungsreihe aufmerksam zu machen.

Irmgard Gottschlich hat sich in mehrfacher Hinsicht für die HeideKultour engagiert. Sie unterstützte beispielsweise die Öffentlichkeitsarbeit mit Pressemitteilungen und zum anderen initiierte sie „Kunst in Kulturstätten“ im Rahmen der HeideKultour.

 Der Tisch als Kulturgegenstand

Mit ihrer eigenen Installation „ErdbeerHochzeit“ hatte sie im Großen Saal der Villa Breiding ein besonderes Tischtuch aufgelegt und Gedecke aus Materialien zusammengestellt, die den Besuchern über die Schärfung des Bewusstseins für unsere Ernährung auch geistige Nahrung boten. Das Menü bestand aus gehaltvollen Mehrdeutigkeiten, die zum Nachdenken anregten.

Welches Verhältnis der Mensch zur Natur hat bzw. dieses verliert, ist das Grundthema der Künstlerin. Sie nähert sich einer Vereinigung von sinnlicher Wahrnehmung und geistiger Erkenntnis durch den Einsatz mythischer Bilderzählungen, zu denen der Betrachter einen assoziativen Zugang finden kann.

Die Installation sollte zudem an die Tradition der Besprechungen des Soltauer Unternehmens Röders erinnern und jenen Tisch ins Zentrum stellen, an dem der Rat der Familie Röders sich austauschte. Die „Erdbeerhochzeit“ bot nun Anlass zu ganz anderen Tischgesprächen. Über die Symbolik der Zeichnungen und Gegenstände, die Irmgard Gottschlich als Sinnbilder einsetzte, wurde der Tisch und seine vielfältige Nutzung als Kulturgegenstand aller Zeiten und Gesellschaftsstrukturen betont.

Weitere Werke gab es natürlich bei ihr zuhause zu sehen. Und im Austausch mit dieser klugen Frau vergeht die Zeit wie im Fluge.

 

Irmgard Gottschlich (Foto: H. Finke)

Tiefgang (TG): Irmgard, du hast künstlerische Themen, die sich viel mit den kulturellen Aspekten des Matriarchats beschäftigen und in starkem Kontrast zu den herrschenden patriarchalischen Strukturen stehen. Woher rührt dieses starke Interesse?

Irmgard Gottschlich: Mein Leben ist eigentlich ganz normal verlaufen – Kindheit, Ehe, Kinder. Irgendwann habe ich gemerkt, dass unsere normalen gesellschaftlichen Bedingungen und Regeln nicht mit mir übereinstimmen. Ich entdeckte Literatur über wissenschaftliche Frauenforschung und lernte die matriarchalen Kulturen kennen. Diese Gesellschaften lebten im Einklang mit der Natur hierarchielos mit allem, was ist und geschieht. Nichts war voneinander getrennt. Ich verstand mein Unbehagen und vor allen richtete ich es nicht mehr gegen mich selbst.

TG: Ich könnte mir vorstellen, dass du mit deinen radikalen – im Sinne von ursprünglich – Gedanken auch auf Widerstand oder Unverständnis stößt in einer Gesellschaft, die noch überwiegend von Männern dominiert wird. Wie gehst du mit Kritik um?

Irmgard Gottschlich: Ich verstehe Kritik nicht als Angriff, sondern als Chance, einerseits meine eigenen Überlegungen zu überprüfen, andererseits in diesem Fall als Unverständnis dessen, um was es geht. Unsere ganzen Probleme haben ihre Wurzeln im Patriarchat, das heisst in ausschließlich politischer und ökologischer Sicht auf unsere Wertesysteme. Es fehlt der Aspekt der Spiritualität.

TG: Würdest du dich als Frauenrechtlerin bezeichnen oder geht es dir vielmehr um ein tieferes Selbstverständnis?

Irmgard Gottschlich: Der Begriff Frauenrechtlerin gefällt mir nicht. Eher bin ich den verschiedensten Definitionen des Feminismus nah, am ehesten dem spirituellen Feminismus, der die alten mutterrechtlichen Kulturen nicht einfach weglässt aus unserer Geschichtsschreibung.

TG: Welche Emotionen kommen in deinen Werken zum Ausdruck? Verarbeitest du Trauer, Wut und Hoffnung in Bezug auf den IST-Zustand oder haben deine Bilder visionären Charakter?

Die ´Erdbeer-Hochzeit` in blau (Foto: H. Finke)

Irmgard Gottschlich: Der emotionale Antrieb meiner Arbeit ist Freude über das Erkannte und visionär Antrieb und berechtigte Hoffnung auf die Möglichkeit vieles umzusetzen, was gut ist für uns Menschen.

TG: Was würdest du als deine größte Stärke ansehen? Und gibt es auch etwas, womit du haderst und mit dir ins Gericht gehst?

Irmgard Gottschlich: Mittlerweile ist es mir möglich, wirkliche Probleme von den alltäglichen überflüssigen Scheinproblemen zu trennen.

Es fällt mit nicht immer leicht, Konflikte auszuhalten, ihnen nicht aus dem Wege zu gehen, ein Verhalten patriarchaischer Konditionierung besonders als weiblicher Mensch.

TG: Welcher Künstler hat dich in deinem Leben nachhaltig beeindruckt?

Irmgard Gottschlich: Joseph Beuys, der interdisziplinär arbeitete. Judy Chicago, die matriarchale Systeme und Arbeitsweisen einbezog.

TG: Liebe Irmgard, vielen Dank für dieses Interview.

Zur Website von Irmgard Gottschlich:irmgardgottschlich.de

(29. Mai 2017, das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso)

]]>
Florence bringt die Farbe in den Frühling https://www.tiefgang.net/florence-bringt-die-farbe-in-den-fruehling/ Sat, 22 Apr 2017 06:00:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=941 [...]]]> Einmal im Jahr geht es mal nicht um Schnucken und ums Wandern. Denn da steht die HeideKultour an. Wir haben schon mal einen Blick riskiert …

Seit einigen Jahren gibt es in meinem Kalender einen festen Termin: Die Kulturelle Landpartie sowie die Mützingenta, die zwischen Himmelfahrt und Pfingstmontag im Wendland stattfindet. In der Region zwischen Dannenberg, Lüchow und Gorleben, wo die Widerstandsbewegung gegen Atomkraft sich einen Namen machte, hält großflächig die Kultur Einzug und lockt einen Strom von Besuchern an. Es gibt viel zu sehen und zu erleben bei den sogenannten Wunderpunkten. Besonders beeindruckend finden viele die Atmosphäre, die geprägt ist von Wertschätzung, Neugierde und entspannter Geselligkeit.

Ich bin bekennender Fan dieses Konzeptes, welches in landschaftlich schöner Umgebung idyllische Begegnungsstätten zu bieten hat und dabei Kulturschaffende und -intererssierte zusammenbringt. Ich habe größte Achtung vor jenen, die ein so umfangreiches Projekt auf die Beine stellen.

Vor gar nicht langer Zeit erfuhr ich von der HeideKultour, die an drei Wochenenden in Folge ebenfalls ein reichhaltiges kulturelles Angebot zu bieten hat: Kunst, Konzerte, Tanz, Theater, Literatur, Ausstellungen, workshops, „Kunst in Kulturstätten“ und die Deutschland-Premiere von Frank Rosenzweig´s Projekt „VIELE KINDER – EINE WELT“, einem internationalen Kunstprojekt, das gerade in New York für Furore sorgte.

Und all das quasi vor unserer Haustür.  Von Karoxbostel bis Hodenhagen und von Tostedt bis Amelinghausen finden an über 30 Orten Veranstaltungen und Ausstellungen von Kulturschaffenden statt.

Ich traf eine der beiden Organisatorinnen und wollte wissen, wie alles anfing.

„Der Anspruch ist gestiegen“

Als ich bei Florence Romberg in Buchholz an die Tür klopfte, öffnete mir die patente Künstlerin mit dem charmanten, französischen Akzent in einem farbfleckigen Overall. Im Atelier blieb mein Blick an vielen fantasievollen Eyecatchern sowie einer ästhetischen, alles überragenden Figur hängen, die einerseits durch ihre Größe im Mittelpunkt stand, andererseits auffiel, weil sie noch blass, statt bunt bemalt war.

Ich wollte am liebsten gleich die Kamera zücken, doch Florence winkte ab, es ginge nicht um sie und ihre Totomis.

Zum Gespräch zogen wir ins Wohnhaus um und saßen in einer offenen Küche, in der es sich erfahrungsgemäß besonders gut reden lässt. Sie gab mir einen Einblick in die Gründungszeit. Angeschoben wurde die HeideKultour 2014 u. a. von Gabi Eiberg, und zwar auf Anregung der „Irene und Friedrich Vorwerk Stiftung“. Zunächst dominierten noch Landfrauen und Gartendeko das Geschehen, doch davon kann heute keine Rede mehr sein. „Der Anspruch ist gestiegen“, sagt Florence Romberg, die inzwischen zusammen mit Elke Andrae die Großveranstaltung managt. 2016 wurde eigens ein Verein gegründet, dem jedoch leider keine Gemeinnützigkeit bescheinigt wurde. Daher ist dieses Kulturprojekt auf Förderer angewiesen. „Naturpark Lüneburger Heide“, „Lüneburgischer Landschaftsverband“ sowie die „Irene und Friedrich Vorwerk Stiftung“ unterstützen die diesjährige HeideKultour.

Zum Glück gibt es auch viele engagierte Helfer. Neben den Teilnehmern selbst beispielsweise auch den Hanstedter Bürgermeister, der half, die Programmhefte zu verteilen. Die 15.000 gedruckten Exemplare fanden reißenden Absatz und waren innerhalb kurzer Zeit vergriffen. Selbstverständlich kann man sich auch online über all die Termine informieren, um den Überblick zu behalten, was wann wo stattfindet.

Wie wäre es am 6./7. Mai mit einem mit einem Besuch im KUNSTNETZWERK 13 in Hanstedt, um sich Arbeiten von 23 Künstlerinnen aus den Bereichen Fotografie, Malerei, Zeichnung und Druckgrafik anzusehen? Oder mit einer Lesung 5./6. Mai um 19 Uhr in Dohren. Globetrotter Harry Hüttenhain erzählt seine Geschichte „Junge, was soll nur aus dir werden“.

Dies und viele weitere Angebote, sortiert nach Orten und Kategorien finden Interessierte unter  www.heidekultour.de/

Noch zwei besondere Termine: „Kunst in Kulturstätten“

6.-21. Mai: SCHWARZGALLIGKEIT UND FROHSINN, Installationen und zeichnerische Interventionen von Reinhold Engberding und Peter Nikolaus Heikenwälder, Eröffnung 5. Mai 19 Uhr Holmer-Mühle

7.-28. Mai: „ErdbeerHochzeit“, Installation von Irmgard Gottschlich in der Villa in Breidings Garten, Eröffnung 6. Mai um 16 Uhr

Das Programmheft zum downlad: http://heidekultour.de

(21. Apr. 2017, Sonja Alphonso)

]]>