Hermann Reemtsma Stiftung https://www.tiefgang.net Fri, 19 Apr 2024 14:14:40 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Ein neues Zuhause für Künstlernachlässe https://www.tiefgang.net/ein-neues-zuhause-fuer-kuenstlernachlaesse/ Fri, 12 Apr 2024 22:30:32 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10750 [...]]]> Künstlerische Nachlässe zu sichern, wird zunehmend eine Herausforderung. Hamburg hat sie angenommen.

Wie die Behörde für Kultur und Medien Hamburg nun miteilt, soll eigens auf dem Grundstück Sootbörn 22 in Hamburg-Niendorf ein Neubau als Archivgebäude entstehen.  Der zweigeschossige Neubau soll neben dem bestehenden Künstlerhaus Sootbörn errichtet werden und ein Ort zum Bewahren, Erforschen und Ausstellen von Kunstwerken werden. Senat und Bürgerschaft wollen das Projekt des Forums für Künstlernachlässe mit 800.000 Euro aus dem Sanierungsfonds unterstützen und stellen das Grundstück für den Archivneubau unentgeltlich zur Verfügung, die Zustimmung der Bürgerschaft vorausgesetzt.

2003 gründeten engagierte Hamburger Bürgerinnen und Bürger den gemeinnützigen Verein Forum für Künstlernachlässe (FKN), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, künstlerische Vor- und Nachlässe zu sichern, aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seitdem entstanden deutschlandweit zahlreiche Einrichtungen mit gleicher Zielsetzung, die sich 2017 zum Bundesverband Künstlernachlässe (BKN) zusammenschlossen und dessen Vorsitz Hamburg anvertraut wurde.

Seit 2005 hat das FKN seinen Sitz im Künstlerhaus Sootbörn, ein Atelier- und Ausstellungshaus, das sich bereits seit 30 Jahren in dem ehemaligen Schulgebäude in Niendorf befindet. Das FKN macht durch das Bewahren und Erforschen der vielfältigen Nach- und Vorlässe die außerordentliche Bedeutung des künstlerischen Erbes sichtbar, das Malerei, Grafik, Bildhauerei, Objektkunst, angewandte Kunst, Fotografie, Film und vieles mehr umfasst. Mit dem Archivneubau bekommen diese Kunstschätze einen würdigen Ort für die wissenschaftliche Erforschung der Hamburger Kunst- und Kulturgeschichte und ihre Vermittlung durch Publikationen und Ausstellungen.

Die Stadt Hamburg stellt das Grundstück für den Archivneubau in einem unentgeltlichen Erbbaurecht zur Verfügung, die Zustimmung der Bürgerschaft vorausgesetzt. Die Bürgerschaft hat ihre Unterstützung zugesagt und wird die Stiftung Forum für Künstlernachlässe (SFKN) mit einem Zuschuss für den Bau des Gebäudes aus dem Sanierungsfonds in Höhe von 800.000 Euro unterstützen.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien Hamburg: „Mit dem Archivbau erhält das Forum für Künstlernachlässe nun die passenden Räume, um seine hervorragende Arbeit fortzusetzen und auszubauen. Der Verein leistet seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Erforschung künstlerischer Nachlässe und nimmt hier bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Das wollen wir unterstützen. Damit das Forum eine langfristige Perspektive erhält, stellt die Stadt einen Grundstücksteil im Erbbaurecht sowie einen Zuschuss zu den ansonsten mäzenatisch getragenen Baukosten zur Verfügung. Ich hoffe auf eine fruchtbare Symbiose zwischen dem Künstlerhaus Sootbörn und dem Forum für Künstlernachlässe. Das Schaffen und das Bewahren von Kunstwerken rücken so schließlich noch enger zueinander.“

Prof. Dr. Gora Jain, Vorsitzende Forum für Künstlernachlässe e.V.: „Erinnerungskultur durch Künstlernachlässe lautet das Credo des Forum für Künstlernachlässe, denn künstlerisches Erbe ist kulturelles Erbe und seine Vielfalt gilt es zu bewahren! Wir freuen uns sehr, dass unsere langjährige Arbeit nunmehr gekrönt wird mit einem würdigen Ort und offenem Haus für die Hamburger Kunst- und Kulturgeschichte. Denn eines muss betont werden: Kunst(nachlass)archive sind keine passiven Sammelstellen, sondern aktive Zentren zielgerichteten Handelns zum Quellenerhalt, zum Schutz von Kulturgut und seiner Erforschung. Vor dem Hintergrund einer zunehmend digitalen und KI-generierten Visualität werden Archive und Museen immer mehr zu Orten der Sehnsucht auf der Suche nach Authentizität und real erfahrbarer Überlieferung. Für die Erinnerungskultur bilden sie als Schutzraum der Vergangenheitspflege die Basis für Gegenwartsreflexion und Zukunftsgestaltung. Unser Publikum bestätigt das, denn dicht dran an der Kunst, das ist man bei uns!“

Thomas Sello, Vorsitzender Stiftung Forum Künstlernachlässe Hamburg: „Die Zeit ist reif, nach über zwanzig Jahren seit Gründung des gemeinnützigen Vereins Forum für Künstlernachlässe ein Archivgebäude zu errichten. Denn die Sammlung ist inzwischen auf Werke von über neunzig Künstlerinnen und Künstlern angewachsen, konzentriert auf die Hamburger Kunstszene. Wir brauchen viel Platz, denn es geht ja nicht nur um die sachgerechte Lagerung und Archivierung der Bestände, sondern unsere Schätze sollen auch gesehen werden durch Angebote für Besucherinnen und Besucher: wechselnde Ausstellungen und die Möglichkeit, einzelne Werke im Archiv anzuschauen, insbesondere für die wissenschaftliche Arbeit. Es soll einen Atelierraum geben, wo (Schul-)Gruppen künstlerisch aktiv werden können, angeregt durch die Kunstbetrachtung ausgewählter Werke, angeleitet auch von Künstlerinnen und Künstlern des Hauses. Für diese Vision habe ich das von meinen Eltern 1939 zur Hochzeit erworbene Gemälde ‚Brücke‘ von Max Pechstein an das Zwickauer Pechsteinmuseum verkauft und von dem Erlös die Stiftung für den Neubau gegründet. Nun freue ich mich als einstiger Abteilungsleiter der Museumspädagogik der Hamburger Kunsthalle auf einen lebendigen Ort für die Kunstvermittlung.

Da es sich um ein bedeutendes Werk des Künstlers handelt, das die Sammlung des Museums hervorragend ergänzt, und weil es zudem bekannt war, dass der Erlös in die ‚Stiftung Forum für Künstlernachlässe‘ gehen sollte, fanden sich drei Stiftungen, die das Museum beim Ankauf großzügig unterstützten: Ernst von Siemens Kunststiftung, HERMANN REEMTSMA STIFTUNG und Kulturstiftung der Länder. Nun ist die ‚Brücke‘ großformatig auf dem Flyer zur zehnjährigen Jubiläumsfeier des Pechstein-Museums (im April 2024) zu sehen.

Das Gemälde hatten meine Eltern zu ihrer Hochzeit 1939 erworben. Es war der Grundstock ihrer Kunstsammlung und der Impuls ihrer Berufskarriere für die Kunst. 1945-51 führten sie im Zentrum Hamburgs die ‚Galerie der Jugend‘, in der bereits 1947 eine umfangreiche Pechstein-Ausstellung stattfand. Danach war Gottfried Sello Kunstkritiker und Schriftsteller, während Ingeborg Sello ein Fotoatelier eröffnete, in dem sich internationale Künstlerinnen und Künstler nicht nur für das Portraitfoto trafen. Und meine ältere Schwester Katrin leitete von 1976 bis 1988 den Kunstverein Hannover.

Es ist für Sara und mich als einstige Kunstpädagogen eine glückliche Fügung, dass das Archivgebäude neben dem Künstlerhaus Sootbörn errichtet wird, in dem der Verein von Anfang an seinen Sitz hatte. Die Nähe zur aktuellen Kunstszene gibt gewiss noch besondere Anregungen, vor allem dann, wenn Künstlerinnen und Künstler des Hauses Praxisangebote des Nachlassforums kunstpädagogisch begleiten. Dann wird der Besuch des Nachlassforums zum kreativen Kunsterlebnis.“

Der Neubau

Das neue Gebäude wird dem FKN Raum für die Bewahrung und wissenschaftliche Erforschung der Künstlernachlässe bieten. Er wird auf zwei Geschossen über 680 Quadratmeter Nutzfläche verfügen, auf die sich Räume für Depot, Ausstellungsbereich und Arbeitsräume verteilen. Baubeginn wird voraussichtlich noch dieses Jahr sein, die Bauzeit soll ein gutes Jahr betragen. Als Bauherrin zeichnet sich die eigens zu diesem Zweck gegründete Stiftung Forum für Künstlernachlässe Hamburg (SFKN) verantwortlich. Sie bringt auch den Hauptanteil der Kosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro für den Neubau auf.

20 Jahre Forum für Künstlernachlässe

Im Juni 2024 feiert das Forum für Künstlernachlässe seinen 20. Geburtstag. Unter dem Motto „Entdeckt & Bewahrt!“ lädt das FKN am Freitag, 7. Juni 2024 um 17 Uhr zu einem interdisziplinären Kulturfest mit Kunstausstellungen, Musik und Theater sowie einem Grußwort von Kultursenator Dr. Carsten Brosda ein. Eine große Jubiläumsausstellung wird vom 7. bis 23. Juni gezeigt.

Weitere Informationen unter www.kuenstlernachlaesse.de.

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Heino Jaeger´s Weg nach Stade https://www.tiefgang.net/9799-2/ Fri, 10 Mar 2023 23:43:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9799 [...]]]> 2022 sorgte Heino Jaeger in Hamburgs Süden für Aufsehen. Nun findet ein Teil seines Nachlasses ein Zuhause – in Stade …

Bis zum 5. März 2023 war die Ausstellung zum Werk von Heino Jaeger (1938, Harburg – 1997, Bad Oldesloe) im Museum für Stadtgeschichte in Harburg zu sehen. Genau ein Jahr zuvor nahm sie im Kunsthaus Stade ihren Anfang, das die erste große Retrospektive des Künstlers initiiert hatte. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der gerade in der zweiten überarbeiteten Auflage veröffentlicht wurde und im Kunsthaus Stade sowie in Harburg erworben werden kann.

Ein wichtiger Leihgeber der Schau war der frühere Galerist Heino Jaegers, Christian Zwang. Er hatte auch inhaltlich zur Entstehung der Ausstellung beigetragen und in diesem Zusammenhang erstmals den Wunsch geäußert, seine private Jaeger-Sammlung an ein Museum abgeben zu wollen. Bisher verfügt lediglich das Archäologische Museum Hamburg / Stadtmuseum Harburg über Werke des Künstlers. Die meisten Arbeiten Jaegers befinden sich in Privatbesitz.

Schon im Vorfeld der Stader Ausstellung hatten die Museen Stade eine Arbeit von Heino Jaeger in ihre Sammlungen übernommen. Es handelt sich um das „Panorama der Jahrtausende“, ein wichtiges Zeitzeugnis der 1970er-Jahre, welches von Jaeger und seinem Freund Harold Müller im Auftrag des damaligen Helmsmuseums gestaltet wurde. Nun kommen 155 Werke des Künstlers in Form von Zeichnungen, Gemälden, Aquarellen und Radierungen hinzu. Sämtliche Werke stammen aus dem Nachlass des im Oktober 2022 verstorbenen Galeristen Christian Zwang, dessen Wunsch – die Sammlung an ein Museum abzugeben – zusammen mit seinem Sohn Thomas Zwang realisiert werden konnte. Den Ankauf finanzierte die Hamburger HERMANN REEMTSMA STIFTUNG. „Wir freuen uns, dass die Kunst von Heino Jaeger endlich einen Platz gefunden hat“, wie Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Stiftung, mitteilt.

„Die Sammlung Zwang bildet das gesamte Werk Heino Jaegers von den späten 1960er-Jahren bis Mitte der 1980er Jahre ab. Alle wichtigen Sujets und Techniken sind vertreten. Es ist nun die größte Museumssammlung des Künstlers, die den öffentlichen Zugang zu seinem einzigartigen Werk sicherstellt. Dies schließt an die mit Ausstellung und Katalog bereits umfassend begonnene Auseinandersetzung zu Jaeger an und bietet zahlreiche neue Möglichkeiten“, so Dr. Sebastian Möllers, Direktor der Museen Stade. Bei den Museen Stade wird der Neuzugang in ein längerfristiges Engagement münden. Es sollen Mittel akquiriert werden, um ein digitales Werkverzeichnis zu erstellen und eine Internetseite über den Künstler zu launchen.

Einen kleinen Auftakt macht die aktuell produzierte T-Shirt-Edition mit drei Motiven Jaegers aus der neuen Sammlung der Museen Stade, welche nun in den Shops der Museen Stade angeboten wird.

HEINO JAEGER

Heino Jaeger war Künstler, Komiker und Nonkonformist. Die Rundfunksendungen, mit denen er in den 1960er- und 70er-Jahren eine breite Aufmerksamkeit erreichte, machten ihn zum Vorbild vieler Satiriker*innen. Obwohl das bildkünstlerische Werk die größte Konstante seines Schaffens darstellt, ist es nahezu unbekannt und wurde mit der Ausstellung im Kunsthaus erstmals umfassend vorgestellt. Dabei wirbt die erlauchte Fangemeinde von Jaeger stetig für sein Werk und jüngst wurde seine Biografie als Roman von Rocko Schamoni veröffentlicht. Die Motive von Jaegers Arbeiten reichen von volks- und naturkundlichen Objektzeichnungen über vermeintlich klassisch anmutende Landschaften, von Straßenszenen hin zu Interieurs. Personen werden häufig technisiert dargestellt und treffen in seinen Zeichnungen und Gemälden auf Tiere oder Mischwesen. Jaegers Kindheitserlebnisse aus der Kriegs- und Nachkriegszeit werden ebenso in seinen Darstellungen sichtbar. Dabei sind die Zurschaustellung des Alltäglichen einerseits und die gleichzeitige Infragestellung eines Normalzustandes andererseits der Kern seiner künstlerischen Arbeit.

Biografie

geboren am 01.01.1938 in Harburg
Vater: Hein (Heinrich) Jaeger (*1901), Fotograf. Mutter: Elli Jaeger (*1904), geborene Grzegorek, Schneiderin. Schwestern: Marion (*1928) und Edith (*1930)

1943 Übersiedlung nach Dresden

1944 Einschulung in Dresden

1945 Zeuge des Luftangriffs auf Dresden im Februar 1945

1945 im Mai Rückkehr nach Hamburg-Harburg

1945-1953 Volksschule in Hamburg-Harburg

1950 Selbstmord des Vaters

1953-1956 Ausbildung zum Musterzeichner für Stoffdruck bei Maria May, Landeskunstschule Hamburg

1956-1959 Studium in der Klasse Freie Grafik und Illustration bei Alfred Mahlau bis zu dessen Emeritierung, Hochschule für bildende Künste, Hamburg (HFBK)

1959-1961 Studium in der Klasse für Schrift-Grafik bei Werner Bunz, HFBK

1959 studienbegleitende Tätigkeiten: Reisebegleiter und Entwurfszeichner für Prospekte und Plakate bei Scharnow-Reisen GmbH KG, Briefträger, Textilentwerfer, Vermesser / Wetterbeobachter auf Feuerschiff Elbe 1, Hilfsbäcker in Brotfabrik, Kautschukverwerter bei den Balatroswerken, H. Rost & Co, Musterzieher in Seifensiederei

ab 1960 freiberufliche Tätigkeiten als Zeichner von Stadtplänen und Lehrfilmen, angestellt als Zeichner im ehemaligen Museum für Völkerkunde, Hamburg (heute: MARKK. Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt)

1960-1968 Reisen mit Künstlerfreunden, darunter Michael Mau, Alexander Knispel, Hanns Witteck u.a. nach England, Belgien, Dänemark, Frankreich, ehem. Tschechoslowakei

zahlreiche Ausflüge in Norddeutschland

1965-1968 Zeichner im Landesmuseum Schleswig-Holstein

1966 erste eigene Wohnung in Hamburg-Harvestehude

1967 Zeichner im ehemaligen Helms-Museum (seit 2009 Archäologisches Museum Hamburg / Stadtmuseum Harburg)

1967 Umzug nach Hamburg-St. Pauli

1967 Reise mit Joska Pintschovius nach Frankreich und Besuch in Basel bei Jürgen von Tomëi, deutsch-schweizerischer Karikaturist und Grafiker

1968 Umzug nach Hamburg-Eppendorf

1970-1972 Erarbeitung des „Panoramas der Jahrtausende“ für das damalige Helms-Museum mit dem Freund und Kollegen Harold Müller

1970-1973 Reisen mit Joska Pintschovius u.a. nach Dänemark, England, Belgien

1972 Umzug nach Hamburg-Eimsbüttel, die Souterrainwohnung war ein ehemaliges Tapetenlager

1975 Reise und Versuch einer Auswanderung nach Thailand, Rückkehr noch im selben Jahr

1977 Umzug in die Hamburger Innenstadt

1981 bestellt das Vormundschaftsgericht einen Gebrechlichkeitspfleger für Heino Jaeger

1984 Totalverlust der Wohnung in der Hamburger Innenstadt durch selbstverursachten Brand

1984 Psychiatrieaufenthalt, daran anschließend wohnhaft in verschiedenen Sozialeinrichtungen und stationären Wohngruppen

1986 Umzug nach Bad Oldesloe, in die sozialpsychiatrische Facheinrichtung Haus Ingrid

am 07.07.1997 verstirbt Heino Jaeger an den Folgen eines Schlaganfalls

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„plattform“ mit Qualität https://www.tiefgang.net/plattform-mit-qualitaet/ Fri, 03 Jul 2020 22:04:54 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7065 [...]]]> Zum vierten Mal wurde der mit 50.000 Euro dotierte Barbara Kisseler Theaterpreis in diesem Jahr vergeben und ging an die Jugendsparte des Ernst-Deutsch-Theaters. Aus gutem Grund …

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Die/der unbekannte Jurorin/Juror hat auch in diesem Jahr einen würdigen Preisträger gefunden: Das seit 17 Jahren mit unermüdlichem Einsatz durchgeführte Plattformfestival, das auch ein Ergebnis der kontinuierlichen künstlerischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist. Ganz im Sinne der im Oktober 2016 verstorbenen Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler wird damit ein Privattheater gewürdigt, das ein großes und keineswegs selbstverständliches Engagement im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit aufbringt und dabei in jedem Jahr erneut mit einem auch künstlerisch bemerkenswerten Festival überzeugen kann.

In der Begründung des Jurors/der Jurorin heißt es: „Die Jugendsparte ‚plattform‘ des Ernst Deutsch Theaters gibt es seit 2003. Jugendliche sehen professionelles Theater, erfahren wie es entsteht und erleben einen komplexen, professionellen Bühnenbetrieb. Das Wichtigste aber ist die Erfahrung, selbst auf der Bühne zu stehen. Unter Anleitung von Theaterprofis werden in verschiedenen Jugendclubs eigene Stücke erarbeitet, die dann beim jährlich stattfindenden ‚plattform‘ Festival auf der großen Bühne gezeigt werden. Sämtliche Bühnen (Haupt- und Studiobühne, Probebühne und plattform-Bühne) des Ernst Deutsch Theaters gehören in diesen Tagen den Jugendlichen. Und ihre Aufführungen zeigen dabei nicht nur eine große Vielfalt von Themen und Formen, sie präsentieren in hoher Qualität eine erstaunliche inhaltliche Tiefe, zeigen riesiges Engagement und theatrale Intelligenz. Das Festival ist ein Höhepunkt für die Jugendlichen, fester Bestandteil im Spielplan des Ernst Deutsch Theaters und ein Highlight der Theatersaison. Es hat den Barbara Kisseler Theaterpreis 2019/20 wahrlich verdient.“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die kluge Entscheidung des/der Jurors/Jurorin würdigt die engagierte Haltung und Verantwortung eines Theaters für zukünftige Generationen und für eine Kultur der Anerkennung. Ein Festival über so viele Jahre hinweg zu realisieren und dafür Sorge zu tragen, dass Kinder und Jugendliche den Wert von Kultur für unsere Gesellschaft unmittelbar erfahren können, ist ein mit viel Anstrengung verbundenes Vorhaben. Ich danke Isabella Vértes-Schütter, dem Ernst Deutsch Theater und allen am Festival Beteiligten, dass sie ihre Arbeit jedes Jahr auf künstlerisch vielfältige Weise verbreiten und präsentieren und einen wichtigen Beitrag zur Vielfalt von Hamburgs Theaterszene leisten.“

Henrike Reemtsma, Hermann Reemtsma Stiftung: „Das große Thema des plattform-Festivals im Februar 2020 war ‚Veränderung‘. Die Jugendlichen haben lange daran gearbeitet, alles gegeben und mit ihrer Leistung überzeugt. Wie relevant ihre im Ernst Deutsch Theater ausgehandelten Fragen wenige Wochen später für uns alle werden würden, hat wohl niemand geahnt. Um die Bedeutung mutiger Privattheater in schwieriger Zeit zu unterstreichen, stellt die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG neben dem Preisgeld in diesem Jahr weitere 50.000 Euro zur Verfügung. Sie sollen die Theaternacht 2020 ermöglichen und damit alle Hamburger Privattheater wieder ins Rampenlicht rücken.“

Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird im Andenken an die im Oktober 2016 verstorbene Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler verliehen und jährlich, unterstützt von der Hermann Reemtsma Stiftung, vergeben. Mit dem Theaterpreis wird die Bedeutung und Qualität insbesondere der Privattheater und der Freien Gruppen in Hamburg gewürdigt. Er ist zugleich Würdigung und Ansporn all derjenigen Theater, die die vielfältige Hamburger Theaterlandschaft mit mutigen und begeisternden Stücken bereichern. Ganz im Sinne Barbara Kisselers wird der Preisträger immer unbedingt subjektiv von einem/einer unbekannten Juror/Jurorin vorgeschlagen.

Für die kommende Spielzeit wird jetzt eine neue Person benannt, die Ihren Vorschlag für die Spielzeit 2020/21 im Sommer 2021 in der Funktion als Juror/ Jurorin vorlegen wird.“

Quelle: Behörde für Kultur und Medien Hamburg

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Volles Risiko belohnt https://www.tiefgang.net/volles-risiko-belohnt/ Fri, 26 Jul 2019 22:00:50 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5575 [...]]]> Als Privattheater bleibt nicht viel Spielraum für Experimente und Risiko. Kempowskis Monumentalwerk „Deutsche Chronik“ am Altonaer Theater war so eines. Und es hat doch geklappt. Das wird nun belohnt.

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es dazu:

„Ganz im Sinne der im Oktober 2016 verstorbenen Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler wird dieses Jahr mit dem Altonaer Theater ein Privattheater ausgezeichnet, das eine risikoreiche Saison überzeugend und erfolgreich abschließen konnte. Der Preis würdigt seit der Spielzeit 2016/17 jährlich herausragende Leistungen Hamburger Privattheater oder Freier Gruppen und wird für zehn Jahre von der Hermann Reemtsma Stiftung gefördert. Über die Vergabe des Preises entscheidet ein jedes Jahr neu bestimmter unbekannter Juror oder eine unbekannte Jurorin, der oder die ganz bewusst und unbedingt subjektiv arbeiten soll. Die Preisverleihung findet voraussichtlich im Oktober statt.

In der Begründung des diesjährigen Jurors/der Jurorin heißt es:  „Getreu seinem Motto ‚Wir spielen Bücher‘ hat sich das Altonaer Theater mit den sechs Romanen aus Walter Kempowskis ‚Deutscher Chronik‘ an ein literarisches Monumentalwerk gewagt. Mit seiner vierteiligen Theaterfassung hat Intendant Axel Schneider ein außergewöhnliches Zeitdokument auf die Bühne gebracht, das mit großem erzählerischen Bogen, prägnantem szenischen Zugriff und glaubwürdigen Charakteren deutsche Geschichte in deutschen Geschichten aufspürt. Mit drei weiteren starken Inszenierungen – ‚Baskerville‘, ‚Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke‘ und ‚Absolute Giganten‘ – zeigte das Theater seine große stilistische und thematische Bandbreite, mit der es ganz unterschiedliche Publikumsschichten begeistert.“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Diese hervorragende Wahl des unbekannten Jurors oder der unbekannten Jurorin zeigt – auch im Rückblick auf die letzten Entscheidungen – wie vielfältig die Theaterlandschaft in Hamburg ist. Beginnend mit der Kindertheatergruppe Kirschkern & Compes über den Lichthof als wichtiges off-Theater hat jetzt ein großes privates Theater der Stadt diesen wunderbaren Preis erhalten. Diese Vielfalt auch in den unterschiedlichen Preisträgern zu dokumentieren, hätte Barbara Kisseler mit Sicherheit sehr gefallen. Gerade für ein privates Theater ist es ein Wagnis, einen Kempowski-Zyklus auf die Bühne zu bringen. Es spricht für das Altonaer Theater, dass es vor schwierigen Stoffen nicht Halt macht und damit großen Erfolg hat. Diese Bühne ist eine große Bereicherung für das vielfältige Angebot der Kulturstadt Hamburg. Mein Dank gilt der Hermann Reemtsma Stiftung, die mit diesem besonderen Preis dazu beiträgt, das Andenken an Barbara Kisseler zu bewahren.“

Henrike Reemtsma, Hermann Reemtsma Stiftung: „In der Spielzeit 2018/19 ist das Altonaer Theater voll ins Risiko gegangen, künstlerisch und wirtschaftlich. Eine vierteilige Kempowski-Saga, das hätte auch schief gehen können. Am Ende stand ein großer Erfolg. Deshalb verdient das Altonaer Theater den nach Barbara Kisseler benannten Preis.“

Der mit 50.000 Euro dotierte Theaterpreis wird im Andenken an die im Oktober 2016 verstorbene Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler verliehen. Unterstützt wird die jährliche Vergabe durch die Hermann Reemtsma Stiftung. Jedes Jahr wird eine Person benannt, die ihren Vorschlag für die kommende Spielzeit vorlegt und das Vergabeverfahren anonym betreut. Mit dem Theaterpreis wird die Bedeutung und Qualität insbesondere der Privattheater und der Freien Gruppen in Hamburg gewürdigt.  Er ist zugleich Würdigung und Ansporn all derjenigen Theater, die die vielfältige Hamburger Theaterlandschaft mit mutigen und begeisternden Stücken bereichern.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

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„Bossards Schatz wird nun gehoben“ https://www.tiefgang.net/bossards-schatz-wird-nun-gehoben/ Fri, 10 Nov 2017 23:58:06 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2444 [...]]]> Im Ortskern der Gemeinde Jesteburg hat die Kunststätte Bossard ihr neues Museumsdepot eröffnet. Es ist zugleich ein Schaumagazin und birgt viel Entdeckenswertes.

In Jesteburg hat die Kunststätte Bossard jetzt das gesamte Museumsdepot in einem ehemaligen Schulgebäude auf einer Fläche von 360 m2 eingerichtet. Rund 6.000 nicht-ortsgebundene Kunstwerke von Johann und Jutta Bossard sowie einige Arbeiten von Bossard-Schülern sind dort eingelagert. Darunter Gemälde, Drucke, Handzeichnungen, Baupläne, Gussformen und Plastiken sowie Architekturmodelle, Porzellan, Textilien, Mobiliar, außerdem ein Fotoarchiv, der Briefwechsel, theoretische Schriften und Notizen. In dem Depot wurde eine Restaurationswerkstatt eingerichtet und ein Leseplatz für das Nachlass-Archiv ermöglicht weitere Forschungen.

„Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass es uns mit großzügigen Fördermitteln gelungen ist, das Erbe von Johann und Jutta Bossard hier fachgerecht und angemessen unterzubringen“, sagte Dr. Gudula Mayr, Leiterin der Kunststätte Bossard, anlässlich der Eröffnung. „Damit kann die Kunststätte Bossard ihren musealen Auftrag zum Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln unter hervorragenden Bedingungen gerecht werden.“

Freunde und Förderer des neuen Depots (Foto: Bossard)

Möglich wurde die Einrichtung des neuen Depots durch Fördermittel der Stiftung Niedersachsen und der Hermann Reemtsma Stiftung sowie der Gemeinde Jesteburg, die das Gebäude mietfrei zur Verfügung stellt und baulich herrichtete.
Träger der Kunststätte Bossard sind der Landkreis Harburg, die Sparkasse Harburg-Buxtehude und die Gemeinde Jesteburg. „Mit dem Schaumagazin eröffnen wir im Zentrum der Gemeinde Jesteburg neue Wege zur Kunststätte Bossard“, sagte Landrat Rainer Rempe, Vorsitzender des Stiftungsrats der Kunststätte Bossard, zur Eröffnung. „Das war ein langer Weg, aber das Ergebnis ist eindrucksvoll und wir hoffen, dass mit dem Schaumagazin noch mehr Besucher die Schätze der Kunststätte Bossard entdecken.“

Zur Eröffnung sagte Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung: „Das Depot ist der Kern, die Schatzkammer eines jeden Museums. Dort lagert der größte Teil der Sammlung, denn nur ein Bruchteil kann gezeigt werden. Wer sein Depot in Ordnung hat, seine Sammlung kennt, mit der nicht sichtbaren Sammlung arbeitet und dem Publikum öffnet, der macht gute Museumsarbeit. Bossards Schatz wird nun gehoben – Gratulation!“

Die Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen Lavinia Francke gratulierte ebenfalls zur Eröffnung: „Als Landeskulturstiftung nehmen wir besondere Orte von Kunst und Kultur jenseits der urbanen Zentren in den Blick. Sie eröffnen den Blick auf Traditionen und Persönlichkeiten, die Niedersachsen kulturell geprägt haben. Die Kunststätte Bossard ist ein solcher Ort. Mit dem neuen Schaudepot gelingt es Frau Mayr und ihrem Team, die gesammelten Schätze angemessen zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

Der Depotbestand der Kunststätte Bossard ist bereits umfassend inventarisiert, große Teile davon mussten jedoch extern ausgelagert werden und waren damit der Öffentlichkeit nicht zugänglich. „In dem neuen Depot werden wir sicher noch manche schlummernden Schätze heben und für Ausstellungen nutzen können“, freut sich Dr. Gudula Mayr. Sie dankte allen Förderern und Unterstützern, der Hermann Reemtsma Stiftung, der Stiftung Niedersachsen und der Gemeinde Jesteburg sowie den Mitarbeitern, besonders Stefanie Nagel, die als Restauratorin wesentlich an der Einrichtung des Schaumagazins beteiligt war.

Für die Öffentlichkeit wird das Schaumagazin ab Januar 2018 jeweils am zweiten Samstag im Monat in einer Führung um 15.15 Uhr zugänglich sein. Eintritt. 5 € pro Person. Anmeldung erforderlich: Tel. 04183 / 51 12.

Kunststätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg, ist das einzigartige Gesamtkunstwerk in Jesteburg, Metropolregion Hamburg, 2012 ausgezeichnet mit dem Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe „Europa-Nostra-Preis“, bietet einmaligen Kunst- und Naturgenuss. Auf einem ca. 3 ha großen Heidegrundstück, mitten im Wald gelegen, verwirklichten Johann Michael Bossard und seine Frau Jutta Bossard-Krull ihren Lebenstraum von einer Stätte, an der die verschiedenen Künste Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst zu einer Einheit verschmelzen.

Quelle: www.bossard.de

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