HfBK – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 21 Aug 2020 12:11:55 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Stipendium für Nichtstun https://www.tiefgang.net/stipendium-fuer-nichtstun/ Fri, 21 Aug 2020 22:06:06 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7184 [...]]]> Alle Welt redet von Nachhaltigkeit. Aber ist „Nachhaltigkeit“ wirklich das richtige Gedankenmodell? Ein Experiment geht der Frage nun auf den Grund …

Professor Friedrich von Borries der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) hat schon im letzten Jahr in einer Reihe von Podiumsdiskussionen hinterfragt, ob etwa die Freiheit von Kunst auch bedingt, folgenlos zu bleiben. Oder wie sähe ein Leben ohne „Erfolg“ aus? Wäre das absichtliche Nicht-Handeln im Sinne von Unterlassen ein Ausweg aus dem Handlungsdruck unserer Gesellschaft?

Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie an der HFBK Hamburg) stellt die Frage, ob die Suche nach „Folgenlosigkeit“ ein sinnvolleres Handlungsparadigma sein könnte vor dem Hintergrund der Erfolglosigkeit der Nachhaltigkeitsdebatten der letzten 40 Jahre.

Dazu sammelt er reale und fiktive Geschichten von Menschen, die versuchen, ein möglichst folgenloses Leben zu führen. Im Rahmen der GLOBART Academy Wien stellt er anhand fiktionaler Geschichten mögliche Handlungsmodelle vor. Bei mehreren Festessen mit ca. 10-20 Gästen werden diese Handlungsmodelle gemeinsamen diskutiert, ergänzt und erweitert.

Im Rahmen der GLOBART Academy werden Lectures und Installationen von renommierten Forscher*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen gestaltet, die zum Diskutieren und Vernetzen einladen. Die auf drei Jahre angelegte Reihe LEBEN MACHT SINN setzt es sich zur Aufgabe, einen LebensRaum zu schaffen, an dessen Entstehung alle Teilnehmer*innen mitwirken und der eine Begegnung unterschiedlicher Menschen, Disziplinen, Perspektiven ermöglicht. Das Ziel der GLOBART Academy ist, Menschen zu inspirieren, aktiv zu werden und die Zivilgesellschaft zu stärken.

Die Diskussionsrunden werden von dem Filmemacher Jakob Brossmann aufgenommen und können im Livestream mitverfolgt werden. Gleichzeitig fließen sie in das derzeit entstehende, genreübergreifende Kunstprojekt „Archiv der Folgenlosigkeit“ ein. Das Archiv besteht aus Filmen, einer Ausstellung und einem Roman.

Teilnehmer*innen der Hamburg Open Online University (HOOU) können über eine für das Projekt erstellte Webseite die Diskussionsrunden live verfolgen und Vorschläge für weitere „Feste der Folgenlosigkeit“ in Hamburg einbringen. Dazu können sie sich im digitalen Raum zu Gruppen zusammenschließen, vernetzen und dann konkret vor Ort aktiv werden. So werden die fiktiven Entwürfe in reale Geschichten von Menschen überführt, die tatsächlich folgenlos leben. Dadurch wird die globale Diskussion auf eine lokale Ebene gebracht und zu direkter Teilhabe aufgerufen. Die Aufzeichnungen und Ergebnisse dieser lokalen Festessen fließen wiederum in das Gesamtprojekt ein.

Stipendium für Nichtstun – die Ausschreibung

Wir leben in einer Zeit, in der man statt nach ›Erfolg‹ und ›Wirksamkeit‹ besser nach Folgenlosigkeit streben sollte: Welche Handlungen kann ich unterlassen, damit mein Leben keine negativen Folgen für das Leben anderer hat?

Zur Förderung der Folgenlosigkeit werden deshalb im Rahmen der Ausstellung Friedrich von Borries: Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben vom 6.11.2020 – 9.5.2021 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) 3 Stipendien für Nichtstun vergeben.

Jede natürliche Person kann sich auf ein Stipendium bewerben. Das Stipendiumwird nach Abgabe des Erfahrungsberichtes (15.1.2021) ausgezahlt. Die drei Stipendiat*innen werden auf der Ausstellungseröffnung am 5. November 2020 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg öffentlich bekannt gegeben.

Für die drei zu vergebenden Stipendien, die jeweils mit 1.600 Euro dotiert sind, können sich alle Interessierten ab sofort bis zum 15. September 2020 bewerben. Die Entscheidung der Jury, der u.a. der Philosoph Armen Avanessian (bekannt durch seine Theorie der Beschleunigung) angehört, wird zum Beginn der Ausstellung verkündet.

Die Schule der Folgenlosigkeit ist eine Initiative der HFBK Hamburg in Kooperation mit dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G). Das diskursive Bildungsprogramm ist eine Kooperation zwischen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der HFBK Hamburg.

Über die Vergabe der Stipendien entscheidet eine Jury bestehend aus: Armen Avanessian (HFBK Hamburg); Tulga Beyerle (Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg MK&G); Friedrich von Borries (HFBK Hamburg); Eva-Dorothee Leinemann (Leinemann-Kunststiftung Nicolassee)

Höhe des Stipendiums: je 1.600 €

Bewerbungsschluss: 15. September 2020

Dauer des Stipendiums: während der Laufzeit der Ausstellung in einem von Ihnen zu definierenden Zeitraum

Bitte richten Sie Ihre schriftliche Bewerbung an:

Stichwort: Nichtstun; HFBK Hamburg; Swaantje Benson; Lerchenfeld 2, 22081 Hamburg

Die Bewerbungsunterlagen finden Sie hier zum Download www.mkg-hamburg.de

Mehr Informationen zum Projekt:

www.hfbk-hamburg.dewww.mkg-hamburg.de

 

Die „Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben“ wird gefördert durch die Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke Hamburg(BWFGB), die Hamburg Open Online University (HOOU), die Friede Springer Stiftung, die Kursbuch Kulturstiftung. Die Stipendien für Nichtstun werden von der Leinemann Kunststiftung Nikolassee gefördert. Weitere Partnerinnen sind die Katholische Akademie Hamburg sowie die Evangelische Akademie der Nordkirche.

 

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„Ort der Verbundenheit“ https://www.tiefgang.net/ort-der-verbundenheit/ Fri, 01 Nov 2019 23:42:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5981 [...]]]> Auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme entwickeln Angehörige von KZ-Häftlingen mit Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) einen „Ort der Verbundenheit“.

 

Für viele Angehörige ist das Leiden der ehemaligen Häftlinge im Konzentrationslager ein Thema, das auch ihr eigenes Leben entscheidend prägte. Die ehemaligen Haftstätten bilden für die Angehörigen einen wichtigen Bezugspunkt, an dem sie den Namen ihres dort verfolgten Familienmitglieds vorfinden möchten. Dieser Wunsch inspirierte Angehörige von Häftlingen des KZ Neuengamme zu der Idee eines „Ortes der Verbundenheit“. Vor vier Jahren haben sie sich mit weiteren engagierten Personen aus dem Freundeskreis der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V. in einer Arbeitsgruppe zusammengefunden. Ihr Ziel: die Entwicklung eines partizipativen, aktiven und beständig wachsenden Erinnerungszeichens auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Angehörige von KZ-Häftlingen aus aller Welt wollen damit ihre persönliche Verbundenheit mit ihrem im KZ Neuengamme inhaftierten Familienmitglied am historischen Ort seines Leidens zum Ausdruck bringen können. Das partizipative Erinnerungszeichen wird nun durch das Förderprogramm „Kunst im öffentlichen Raum“ der Stadt Hamburg mit 17.300 Euro unterstützt.

2018 konnte die Arbeitsgruppe Studierende der HFBK im Studio Experimentelles Design bei Prof. Jesko Fezer für eine Kooperation gewinnen. Diese entwickelten in intensivem Austausch mit der Arbeitsgruppe verschiedene Entwürfe für den „Ort der Verbundenheit“. Ihren finalen Entwurf legten sie der Kunstkommission der Behörde für Kultur und Medien im September 2019 vor, die ihn für eine Förderung durch das Programm „Kunst im öffentlichen Raum“ auswählte. Das Projekt wird damit eine Anschubfinanzierung von 17.300 Euro für die Realisierung des „Ortes der Verbundenheit“ erhalten. Nach dem vorliegenden Entwurf wird der „Ort der Verbundenheit“ aus drei Elementen bestehen: einer Druckwerkstatt, in der aus Texten und Motiven von Angehörigen gestaltete Plakate erstellt werden, einer öffentlichen Präsentation sowohl der Druckplatten als auch der Plakate auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und einer Website, auf der die Plakate in Form eines online-Archivs weltweit einsehbar sind.

Der „Ort der Verbundenheit“ soll zum 75. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung der Konzentrationslager im Zusammenhang mit einer internationalen Gedenkveranstaltung auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Anfang Mai 2020 eröffnet werden. Schon mehr als 50 Nachkommen von ehemaligen Häftlingen des KZ Neuengamme aus verschiedenen Ländern haben Interesse gezeigt, ein Erinnerungszeichen an ihr Familienmitglied zu gestalten.

Für den „Ort der Verbundenheit“ wird das Plattenhaus umgestaltet und mit einer Druckerpresse ausgestattet. In einem Regal auf dem Weg zum Plattenhaus können die in einem Regal im Außengelände archivierten Druckplatten eingesehen werden. Sie sind mit den Namen der KZ-Häftlinge beschriftetet, denen sie gewidmet sind. Am Fußweg zwischen Klinkerwerk und Plattenhaus werden Plakate von Angehörigen an Plakatwänden gezeigt. Sie sind der Witterung ausgesetzt und zeigen deutlich, dass Erinnerung vergeht. Die in Sichtweite positionierten Druckplatten bieten demgegenüber eine dauerhafte Form der Erinnerung. Diese wird aber erst durch den Druckprozess sicht- und lesbar. Insofern bilden die Druckplatten zugleich eine Einladung, aktiv zu werden und die Erinnerung durch einen Neudruck von Plakaten beständig wachzuhalten.

Interessierte können per Email unter ort_der_verbundenheit@gmx.de mit der Initiative Kontakt aufnehmen.

Informationen über das Projekt: ort-der-verbundenheit

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der ‚Ort der Verbundenheit‘ hält die Erinnerung an die in Neuengamme verübten Verbrechen wach. Der partizipative Ansatz, den die Angehörigen von KZ-Häftlingen gemeinsam mit Studierenden der HFBK entwickelt haben, kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass auch nachfolgende Generationen sich der Verantwortung aus unserer Geschichte stellen. Damit ist es nicht nur ein beeindruckendes künstlerisches Projekt, sondern auch ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen.“

Uta Kühl (AG „Ort der Verbundenheit“): „Die Förderung ist für uns eine große Würdigung unseres Engagements und gibt uns die großartige Chance, unseren Traum von einem ‚Ort der Verbundenheit‘ Wirklichkeit werden zu lassen. Ich bin tief berührt, für mich geht damit ein Herzenswunsch in Erfüllung. Wir wollen ein Netzwerk zwischen Angehörigen ehemaliger KZ-Häftlinge bilden, um uns über die Nachwirkungen der NS-Verfolgung in der eigenen Familie auszutauschen. Dieses Netzwerk soll auch Rückhalt und Solidarität schaffen, um heutigen Ausdrucksformen von Rassismus und Ausgrenzung gemeinsam die Stirn zu bieten.“

Prof. Dr. Detlef Garbe (KZ-Gedenkstätte Neuengamme): „Ich bin sehr dankbar für diese von Angehörigen ehemaliger Häftlinge entwickelte Initiative. Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme unterstützt das Vorhaben nach Kräften, weil mit dem ‚Ort der Verbundenheit‘ die Perspektiven der Angehörigen von Verfolgten sichtbar gemacht werden. Das sich stetig weiter entwickelnde Denkmal kann die Besucherinnen und Besucher der KZ-Gedenkstätte Neuengamme anregen, sich mit den weiterhin spürbaren Auswirkungen von Hafterfahrungen auf nachfolgende Generationen auseinanderzusetzen.“

Quelle: www.bkm.hamburg.de

 

 

 

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1 Tact Melody https://www.tiefgang.net/1-tact-melody/ Fri, 19 Oct 2018 22:50:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4372 [...]]]> Verschiedene Zeitebenen, unterschiedliche Perspektiven und doch aus einem Guss: das überzeugte die Jury an eine Kunstinstallation von Stella Sieber.

Zur Verleihung heißt es in einer Mitteilung der HFBK:

„Mitte Oktober wurde der Hiscox Kunstpreis 2018 im Rahmen des festlichen Semesterauftakts an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) verliehen. Zwölf Nachwuchskünstler*innen aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei sowie Zeitbezogene Medien präsentieren hierfür ihre Arbeiten in einer Ausstellung.

Der namhaften Jury gehörten in diesem Jahr Nikola Dietrich (Direktorin Kölnischer Kunstverein), Matthias Mühling(Direktor Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München) und Kito Nedo (freier Journalist, Berlin) an. Sie hatten bereits am Vortag während eines Rundgangs alle künstlerischen Arbeiten begutachtet und sich anschließend in einer angeregten Diskussion auf die Preisträgerin geeinigt. Die Bachelor-Studentin Stella Sieber (Prof. Jutta Koether und Prof. Andreas Slominski) kann sich über die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung freuen.

Die prämierte Installation 1 Tact Melody von Stella Sieber umfasst eine Serie aus Malereien und Bildcollagen. Sie verbindet in ihrer Arbeit Elemente der Malerei, Bildhauerei und der Zeitbezogenen Medien miteinander. Ein Rahmen umfasst jeweils Leinwandbild und Bildschirm, wobei verschieden große Monitore in bemalte Holztafeln eingefasst sind, die als Bild im gemalten Bild und als Nebeneinander auftreten. Die Videoaufnahmen entstanden in der türkischen Euphrat-Region und zeigen Personen vor unterschiedlichen Landschaften, die mit zwei Kameras gleichzeitig im Close-Up und aus der Ferne gefilmt wurden. Stella Siebers Bildobjekte rufen klassische Malereimotive wie Landschaften oder Atelierszenen auf, führen jedoch mehrere Zeitebenen und verschiedene Beobachtungsperspektiven ein. Auf diese Weise überführt sie klassische Genres in eine zeitgenössische Form.

Jurybegründung: „Wir freuen uns, aus der Fülle der hervorragenden Positionen im Wettbewerb mit Stella Sieber eine Künstlerin auszuzeichnen, deren Werk auf bestechende Art aus den Teilen Performance, Malerei und Bewegtbild eine schlüssige Einheit bildet. Ihre Performance Innerhalb dessen… beschreibt eindringlich die Produktionsbedingungen des gegenwärtigen Kunstbetriebs als doppelte Herausforderung: ‚social interaction – material interaction‘. Damit markiert Stella Sieber die Anstrengungen und die Unsicherheit sowohl der sozialen Interaktion als auch die Arbeit am Material. Mit emotionaler Abgründigkeit und Situationskomik gelingt ihr eine kritische Reflektion der Verhältnisse.“

Kunst nimmt innerhalb der Hiscox Gruppe traditionell eine wichtige Stellung ein und so fördert der Spezialversicherer seit Jahrzehnten international junge Künstler*innen. Seit 2008 kann auch Hiscox Deutschland auf einen eigenen Förderpreis blicken, der in Kooperation mit der Hochschule für bildende Künste Hamburg bereits zum 11. Mal vergeben wird. Der Hiscox Kunstpreis für junge Nachwuchskünstler*innen ist mit 7.500 € dotiert. Neben der finanziellen Förderung in Form eines Preisgeldes wird den Nominierten zusätzlich ermöglicht, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren und in einem durch die Grafikklasse der HFBK gestalteten Katalog zu zeigen. Durch dieses leidenschaftliche Engagement leistet Hiscox einen wichtigen Beitrag für eine unabhängige Entwicklung herausragender Studierender zu Beginn ihrer künstlerischen Karriere.“

Quelle: www.hfbk-hamburg.de

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Die Ästhetiken des Virtuellen https://www.tiefgang.net/die-aesthetiken-des-virtuellen/ Sat, 12 Aug 2017 05:56:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1791 [...]]]> Er gilt als „Chronist des irren Amerika“: Superman am Klo, Pinselstiel im Auge – Peter Sauls Bilder sind so schrill wie absurd. Zum Kulturtag ist er in Harburg zu sehen …

Der US-ameri­ka­ni­sche Maler PETER SAUL, geboren1934 in San Fran­cisco, hat ab den späten 50er Jahren ein Cross­over aus Pop Art, Surrea­lis­mus, Abstrak­tem Expres­sio­nis­mus, Chicago Imagi­nism, San Fran­cisco Funk und Cartoon Culture entwi­ckelt, in dem er es versteht hoch­kom­plexe Themen der poli­ti­schen und sozia­len Wirk­lich­keit anzu­spre­chen.

Verletzung des guten Geschmacks

Lange bevor »Bad Painting« ein zentrales Anliegen der zeitgenössischen Kunst wurde, verletzte PETER SAUL ganz bewusst den guten Geschmack. In seiner unverwechselbaren Sprache hat der Maler ein Cross-over aus Pop-Art, Surrealismus, Abstraktem Expressionismus, San Francisco Funk und Cartoon Culture entwickelt, in dem er politische und soziale Themen aufgreift. Mit der Pop-Art teilt er das Interesse am Banalen, an der Konsumgesellschaft und den heiteren Bildwelten des Comics in leuchtenden, ansprechenden Farben.

Schatten des American Dreams

Abseits von großen künstlerischen Schulen hat Saul ein äußerst eigenwilliges Œuvre entwickelt. Nie wirklich zu einer Gruppe oder Bewegung gehörend, malt er seit mehr als 50 Jahren auf seine Weise gegen die wechselnden künstlerischen Moden an. Sauls Bilder erzählen Geschichten, neigen zur Übertreibung und wehren sich gegen eindeutige Lesarten.

Nicht zuletzt ist sein Werk aber auch mit den ästhetischen Strategien der Gegenkultur in Kalifornien verbunden. Eine fast zornige Malerei zeigt sich, wenn Saul die Schattenseiten des American Dream thematisiert. Hier offenbart sich die Gleichzeitigkeit von überbordendem Humor und spielerischer, aber doch harscher Systemkritik. Erstmals in Europa präsentiert die Ausstellung einen umfassenden Überblick über den bislang zu selten beachteten, bedeutenden »artist’s artist«.

Die Ausstellung zeigt rund 50 Arbeiten Peter Sauls, die durch eine umfängliche Präsentation mit Werken aus der Sammlung Falckenberg ergänzt wird.

Die Deichtorhallen zeigen vom 30. September 2017 bis 28. Januar 2018 in Kooperation mit der SCHIRN Kunsthalle Frankfurt einen umfassenden Überblick über das Werk des US-amerikanischen Künstlers PETER SAUL.
Am Harburger Kulturtag am Sa., 4. November: „Peter Saul“ und „Ästhetiken des Virtuellen“ mit stündlichen Kurzführungen durch die Sonderausstellungen und Sammlung.

Um 15 Uhr findet ein Künstlergespräch in der Ausstellung des Graduiertenkollegs „Ästhetiken des Virtuellen“ der HFBK statt.

Weiterführender Link:

deichtorhallen.de

schirn.de/magazin

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