Jan Off https://www.tiefgang.net Sat, 04 Jun 2022 14:19:55 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Leichte Sprache und Ladies Crime https://www.tiefgang.net/leichte-sprache-und-ladies-crime/ Fri, 10 Jun 2022 22:03:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9105 [...]]]> Die dritte Woche der SuedLese-Literaturtage im Süden Hamburgs startet mit Sommerfrische im englischen Gracewood Hall und endet im Nebelmeer …

Am Mo., 13. Juni um 15 Uhr lädt der Nachbarschaftstreff Eißendorf in der Eißendorfer Straße 124 in Hamburg-Harburg zum Auftakt der 3. Literaturwoche der SuedLese 2022. Zu Gast ist die Hamburger Erfolgsautorin Sandra Rehle, die mit ihrer Gracewood Hall-Romanreihe sich eine große Fangemeinde aufgebaut hat. Bei der diesjährigen Lese überrascht sie mit einem Mix der verschiedenen Handlungsstränge, die aber alle ein und denselben Ausgangspunkt haben werden.

Am Die., 14. Juni um 16.30h geht es dann auf das Kamishibai-Rad in Wilhelmsburg. Seit bereits 2020 begeistern Colombina und ihre Kolleg*innen Kinder ab 3 Jahren mit dem mobilen Erzähltheater. Das Kamishibai-Fahrrad ist in Corona-Zeiten als pandemietaugliches Alternativformat entstanden und inzwischen gar nicht mehr aus dem Viertel Kirchdorfs wegzudenken. Normalerweise hält sich das Rad an keine Fahrpläne. Im Rahmen der 7. SuedLese aber macht es eine Ausnahme: Los geht`s um 16:30 Uhr im Erlerring 1 an der Sandkiste – von dort geht´s weiter über die Spielplätze und Höfe Kirchdorf Süds (ein späterer Einstieg ist kein Problem: einfach Augen und Ohren spitzen – das Fahrrad wird Spuren hinterlassen).

Ebenso für Kinder geht es am Mi., 15.6. um 16 Uhr wieder zu einer Lesung am Fenster des HinZimmers am Hinzeweg in Hamburg-Heimfeld. Abends um 19 Uhr und erst nach Drucklegung des SuedLese-Programmheftes festgelegt ist ein literarisches Symposium im HinZimmer. Cornelia von der Heydt der Bürgerstiftung Hamburg ist im Gespräch mit der Verlegerin und Autorin Sabine Muhl zum Thema „Hochkultur in Leichter Sprache – wie geht das?“. Leichte Sprache ist ein Sprachkonzept für gering literarisierte Menschen. In Deutschland sind über 6 Mio. Menschen davon betroffen, aus den unterschiedlichsten Gründen.

Autorin und Verlegerin Sabine Muhl

Die Bildungsaktivistin und Übersetzerin Sabine Muhl hat nämlich eine Mission: mehr Literatur in Leichter Sprache! Hohe Literaturkunst für alle Interessierten erfahrbar zu machen und sprachliche Barrieren abzubauen, das kann mit Leichter Sprache gelingen. Dazu liest Muhl auch aus ihrer jüngsten Übersetzung des bekannten „kleinen Prinzen“.

Das inklusive Schreiblabor des Sozialkontos Hamburg-Süd präsentiert dann am Do., 16. Juni um 19 Uhr im Treffpunkt an der Schwarzenbergstraße 49 seine Ergebnisse der nun fast vierwöchigen literarischen Arbeit.

In Stelle im Landkreis Harburg entführt Autorin Katharina Kramer in der Gemeindebücherei um 19.30 Uhr ins Mittelalter. »Die Sprache des Lichts« ist ein außergewöhnlicher historischer Roman über ein rätselhaftes Buch und eine abenteuerliche Suche im Europa des 16. Jahrhunderts. Europa 1582: Während die Religionskriege Nachbarn zu Feinden machen, sind Gelehrte, Alchemisten und die Spione der Mächtigen auf der Suche nach der Sprache der Schöpfung, mit der Gott die Welt erschaffen hat. Denn diese Ursprache, so glaubt man, hat noch immer die Macht, das Gesagte entstehen zu lassen.

Um 20 Uhr geht es ebenso unterhaltsam aber auch historisch im Iris Pub „The Old Dubliner“ in der Harburger Lämmertwiete nach Nürnberg. Der Autor, Übersetzer und Schauspieler Fabian Pleiser hat die Gruselgeschichte „The Squaw“ von Dracula-Autor Bram Stoker ins Deutsche übersetzt und präsentiert diese in seinem von ihm konzipierten und inszenierten Bühnenprogramm. Bram Stoker, der hier von Fabian Pleiser verkörpert wird, nimmt das Publikum mit auf eine Reise zur Kaiserburg in Nürnberg im Jahr 1893 und berichtet von einer unsagbar unheimlichen Begegnung mit der Eisernen Jungfrau.

Fabian Pleiser und die Eiserne Jungfrau (Foto: Mittelalterliches Kriminalmuseum Rothenburg o.d.T.)

Das Werk „Nürnberg“ ist 2019 im Selbstverlag erschienen. Es beinhaltet außer der Erzählung von Bram Stoker zwei Aufsätze, die sich zum einen mit dem Mythos und der Realität der Eisernen Jungfrau, zum anderen mit der Entstehung und dem Hintergrund der Geschichte „The Squaw“ befassen.

Während dessen lädt der Rockclub Marias Ballroom, Lasallestraße 11, um 20 Uhr zu einer literarischen Trash-Punkt-Lesung mit Jan Off und seinem neuen Buch „Liebe, Glaube, Hohngelächter“. Lesungen von Jan Off sind wie ein Ritt auf der Rasierklinge. Man weiß nie, welche Gehirnhälfte einem der messerscharfe Vortrag des Autors durchtrennt. Ob der National-Poetry-Slam-Champion von 2001 sich an das angekündigte Programm hält, ist ebenso ungewiss, wie die Frage, ob er seine Zuhörerschaft charmant umgarnen oder nicht minder charmant beleidigen wird. Abschweifungen gehören in jedem Fall genauso zum guten Ton wie spontane Reaktionen auf Äußerungen aus dem Publikum. Das ist echtes Stand-up, wenn auch im Sitzen dargeboten. Nicht selten poetisch, nicht selten politisch, immer aber unterhaltsam. Denn eins hat der Verfassers des Kultromans „Vorkriegsjugend“ seit Punkrocktagen verinnerlicht: Wenn nicht irgendwas verspritzt wird, ist es nicht meine Party.

Am Fr., 17. Juni um 18 Uhr wird im HinZimmer am Heimfelder Hinzeweg der Frage nachgegangen: „Papa, warum sind wir hier?“ Dabei liest der in Afghanistan geborene Homayoon Pardis aus seiner Biografie. Er studierte Englische Literatur und arbeitete als Englischlehrer und Übersetzer. 2009 begann er als Projektmanager für Internationale Organisationen, die sich für die Bildung von Straßenkindern und die Rechte von Frauen einsetzen, zu arbeiten. Ende 2015 floh er dann mit seiner Familie nach Hamburg, baute ein neues Zuhause auf, lernte Deutsch und fand Freunde. In seiner Biographie schildert Homayoon Pardis, dass es möglich ist, eine neue Heimat in Deutschland zu finden, ohne die eigene Herkunft zu vergessen. Denn Ankommen heißt vielmehr als das Finden einer Wohnung, eines Jobs und einer Kita für die Kinder. Es geht um Hoffnung, das Gefühl der Zugehörigkeit und den Glauben daran, einen Neustart erfolgreich meistern zu können. Es ist nicht dem Zufall oder dem Glück überlassen, ob Integration gelingt – dieses Buch soll Mut machen, die sich bietenden Chancen zu ergreifen. Aufgrund begrenzter Plätze wird um Anmeldung gebeten unter cornelia.heydt@buergerstiftung-hamburg.de

Am Sa., 18. Juni geht es ab 19 Uhr musikalisch-literarisch in der Kneipe „Zur Altstadt“ an der Neuen Straße in Harburg zu, wenn der Lyriker Siegfried Kopf liest und der im Landkreis Harburg lebende und arbeitende Deutsche Rockpreisträger Franz Josef dazu Songs spielt.

Ebenso lyrisch-musikalisch geht es zur selben Zeit auf der Hofkunstbühne in Scharmbeck/Winsen zu, wenn Almut Seiler-Dietrich und der aus Afrika stammende Kekso Lamine Diabang einen Abend unter dem Titel „Ich habe dir ein Lied gesponnen“ ausrichten.

Kurzweilig kriminalistisch hingegen ist die Ladies Crime Night um 19.30 Uhr im JoLa, Johannesland 2 in Hamburg-Neugraben. Die Ladies Crime Nights werden seit vielen Jahren erfolgreich überall im deutschsprachigen Raum von den Mörderischen Schwestern e.V. selbst sowie unterschiedlichsten Veranstaltern mit verschiedenen – zumeist regional bekannten – Autorinnen bestritten und sind ein Markenzeichen des Vereins. Bei diesem besonderen Lesungsformat gehen die Ladies über Leichen. Doch keine Angst, nur auf der Bühne. Ihre Geschichten sind humorvoll, blutig, dramatisch, tragisch, dabei aber immer hochspannend … bis zum Sch(l)uss.

Bei einer LCN lesen üblicherweise 6 Autorinnen jeweils 10 Minuten eine ihrer Geschichten oder aus ihrem aktuellen Krimi. Ist die Zeit abgelaufen, fällt ein (akustischer) Schuss und die Autorin muss sofort abbrechen. Schon betritt die nächste Autorin die Bühne. Musikalisch umrahmt, bietet die Ladies Crime Night eine Menge Spannung und ist zudem ein Vergnügen für die Ohren. Es lesen: Kathrin Hanke, Anke Küpper, Susanne Pohl, Maja Schendel, Stefanie Schreiber, Eva Jensen und Sabine Weiß.

Lutz Flörke

Die dritte SuedLese-Woche endet dann am So., 19. Juni, 18.30 Uhr mit einer Online-Lesung der Harburger Volkshochschule. Geladen ist Lutz Flörke, der zu einem literarischen Roadmovie in der niedersächsischen Provinz lädt. Ein entführtes Kunstwerk, ein toter Ehemann, ein Zwischenfall mit fiesem Hund und eine Buchmesse, auf der zu viel gelacht wird stören seine Suche; ebenso eine Anhalterin, die erklärt: Der Umweg ist das Ziel, Baby!

Das gesamte SuedLese-Programm ist entweder gedruckt in vielen Leseorten oder als PDF zum Download oder Lesen erhältlich unter www.suedlese.de. Die Homepage ist auch per smartphone zu bedienen und dort finden sich auch aktuelle Neuerscheinungen sowie eine Bücherwand mit Titeln der letzten und aktuellen SuedLese.

 

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7. SuedLese – Bücher und ungewöhnliche Orte der Worte https://www.tiefgang.net/7-suedlese-buecher-und-ungewoehnliche-orte-der-worte/ Fri, 13 May 2022 22:47:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9020 [...]]]> Der gesamte Juni wird in Hamburgs Süden dieses Jahr im Zeichen der Literatur stehen. Denn: sie sind wieder da – die 7. SuedLese – Literaturtage in Hamburgs Süden.

Und vor allem wo: gelesen wird am Fenster, mit dem Rad, unterm Kirschbaum, auf dem Sandberg, Flohmarkt oder einem Laster, auf dem Bauernhof, am Kneipentresen und im Musikclub.

Fast 60 Literaturtermine mit gut 80 Autor*innen an gut 30 Orten laden ein, sowohl die Vielfalt des aktuellen literarischen Lebens als auch die spannenden „Orte der Worte“ kennen zu lernen.

Und es ist wieder eine Kooperation von Kulturschaffenden aus dem Landkreis wie dem Bezirk Harburg – ganz unter dem Motto „Stadt – Land – Harburg“.

„Neben spannenden klassischen Lesungsformaten gibt es wie immer auch außergewöhnliche Veranstaltungen wie Slam-Poetry am Kulturkiosk und Poetry-Slam im Stellwerk, Fensterlesungen für Kinder im HinZimmer, den Poetomaten auf dem Flohmarkt am Kanalplatz und viele mehr“, führt Projektleiterin Anne Lamsbach aus und fährt fort: „In der Kneipe ´Zur Stumpfen Ecke` stellt die Geschichtswerkstatt e. V. die wilden Harburger Kneipen der 60er und 70er Jahre vor und in Moisburg können Familien sich märchenhaft mit Hexe, Wassermann & Co auf den Spuren Otfried Preußlers erschließen.“

Lamsbach selbst studierte an der im Harburger Hafen ansässigen Medical School Hamburg „Poesie“ und stieß bereits letztes Jahr zum SuedLese-Team. Am Studiengang entstand dadurch auch das Forschungslabor <<LitLab>>, das auch dieses Jahr die Literaturtage begleitet und künstlerische wie wissenschaftliche Arbeiten beiträgt.

„Zum Abschluss des Semesters stellen Studierende ihre Arbeiten und Erfahrungen, die sie unter der Themenüberschrift ‚Poesie im sozialen Raum‘ gemacht haben vor, berichten dabei von ihren künstlerischen Arbeiten und verknüpfen diese mit theoretischem Kontext. „Motherhood and writing“ etwa ist ein weiteres LitLab-Projekt, welches wir im Rahmen einer SuedLese-Veranstaltung vorstellen.“

Die Aufteilung der Lesungen ist wieder so angelegt, dass an fast jedem Juni-Tag eine oder mehrere Lesungen zu erleben sind. Mit der Kneipe „Zur Stumpfen Ecke“, dem Kulturlaster der Buchholzer Agentur „Waldinsel“, dem Marias Ballroom, dem Moorburger „Wasserturm & Feuerteufel“ aber auch dem Popup Store des Harburg Marketings kommen dieses Jahr etliche neue Orte auf die Literaturlandkarte des Südens Hamburgs. Möglich wurde dies durch eine erneute Unterstützung im Rahmen des Förderprogramms „Neustart Kultur“ der Bundesbeauftragten für Kultur sowie der Stiftung Sparkasse Harburg-Buxtehude.

„Zu den ungewöhnlichen Formaten dieses Jahr zählt sicher die Lesung des Punk-Magazin-Herausgebers Dolf Hermannstädter (9.6.) auf einem Laster, der Nahe der Buchholzer Empore steht“, sagt Lamsbach. Trashig ist aber auch die Buchvorstellung des bekannten Chaos-Autoren Jan Off im Marias Ballroom (16.6.). Für Kinder und ältere Märchenfans zählt sicher die Moisburger Otfried Preußler Huldigung (12.6.) zu den Highlights und für Krimi-Liebhaber geht es am 18. Juni zur Ladies Crime Night nach Neugraben. Die Kunstleihe Harburg zeigt den ganzen Juni über eine poetische Installation der Künstlerin frankhaleesi und auf einem Sandberg an der alten Trasse der Wilhelmsburger Reichsstraße wird kritisch auf die letzten 15 Jahre Stadtentwicklung und dem Schlagwort „Not in our Name“ geschaut. Und auch der sich am Harburger Hafen neu etablierende monatliche Flohmarkt nimmt die Literatur mit auf und hat am 4. Juni unter all den Stöber-Ständen den „Poetomaten“ platziert, der individuelle Poesie ausspuckt.

Kurzum: Die Literatur ist zurück im Süden der Elbmetropole und lässt an Fantasie und Überraschungen kaum etwas aus. Zudem wurde das Internetportal www.suedlese.de weiter strukturiert und soll nun nach Wunsch des SuedLese-Teams zu einem ganzjährigen Literaturportal werden. Neben den aktuellen Lesungen finden sich dort auch viele Funktionen, die die Orientierung vereinfachen. So kann man sich mit einem Merk-Button ausgesuchte Lesungen direkt in seinen Online-Kalender stellen lassen, Bekannte zu Terminen einladen oder auf diese aufmerksam machen und das „Bücherregal“ ist eine Buchhandlung nachempfunden. Unter Rubriken wie Heide-Kimi oder Sachbuch lassen sich schnell bei der SuedLese gelesene oder neu erschienene Harburger Bücher ausfindig machen. Und das Regal ist schon reichlich gefüllt.

Heimo Rademaker, Sprecher des Kulturnetzwerkes SuedKultur: „Trotz Pandemie wurde im Hintergrund unentwegt gearbeitet und nach Wegen aus der kulturellen Zwangspause gesucht. Nach dem fulminanten dreiwöchigen SuedKulturSommer letztes Jahr gilt es nun wieder in eine Art Normalität zu kommen. Die SuedLese ist der literarische Teil davon. Im Herbst wird es auf jeden Fall auch die SuedKultur Music-Night wieder geben und so wie es aussieht, wird im Spätsommer auch ein zweites Harburger Kunstfest stattfinden. Daneben arbeiten wir in monatlichen Workshops aber auch hinter den Kulissen, um zu sehen, wie wir den Süden Hamburgs auch für die Zukunft kulturell fit machen. Da sind wir dankbar, dass auch dieses Jahr noch Bundesgelder für die Wiederbelebung der Kultur bereitstehen.“

Das terminliche Programm und vieles mehr ist wieder in einem gut 80 Seiten dicken Programmheft als Wegweiser zu finden. Darin sind auch die „Orte der Worte“ erklärt. Auf der aktualisierten Homepage www.suedlese.de werden zudem Hintergrundinformationen zu den Locations, den Macher*innen, den Autor*innen aber auch den Büchern gegeben.

Im Online-Feuilleton ´Tiefgang` der Initiative SuedKultur wird es darüber hinaus begleitende Interviews und Porträts der Autor*innen und ihrer Bücher geben.

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