Kampnagel Intendantin Amelie Deuflhard – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 17 Dec 2021 10:06:54 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Wozu braucht man Krisen? https://www.tiefgang.net/wozu-braucht-man-krisen/ Fri, 17 Dec 2021 23:55:01 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8643 [...]]]> Was hat Corona mit der Kultur gemacht? Diese und ähnliche Fragen stellt sich die Claussen-Simon-Stiftung in ihrer Gesprächsreihe, die im Januar 2022 am Campus Barmbek startet.

Mit Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard auf dem Podium starten die „Hamburger Gespräche für Kultur & Medien“, eine Veranstaltungsreihe der Claussen-Simon-Stiftung und des Instituts für Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, am 19. Januar 2022 ins neue Jahr.

Der am Campus Barmbek voraussichtlich mit Publikum stattfindende und zugleich live gestreamte Abend mit Impulsvortrag und anschließendem Gespräch steht unter der Fragestellung „Wozu braucht man Krisen, wenn doch danach alles weitergeht wie bisher?“ Diese wie auch die folgenden Veranstaltungen der Gesprächsreihe wollen Innenperspektiven unter dem Eindruck von Corona ermöglichen, zurückschauen, aber vor allem nach vorne blicken: Wie kommt wieder Bewegung in unsere Gesellschaft, nachdem wir uns anderthalb Jahre lang Begegnungen im öffentlichen und kulturellen Raum abgewöhnt haben? Was bedeutet es für die Kultur- und Medienschaffenden, wenn sich das Aufleben der (öffentlichen) Kultur den wiederholten Coronawellen beugt? Welche Visionen, Trends und Diskurse verfolgen unsere Gäste, allesamt namhafte Vertreter:innen der Kultur- und Medienszene?

Nach Amelie Deuflhard freuen wir uns auf drei weitere Gäste bis Mai 2022: Anja Würzberg, Programmchefin NDR Kultur des Norddeutschen Rundfunks (16. Februar 2022), Prof. Dr. h.c. Jutta Allmendinger Ph.D., Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (13. April 2022), und Lorenzo Romano, Komponist sowie Inhaber des Opernstipendiums der Claussen-Simon-Stiftung (11. Mai 2022). Für die Teilnahme vor Ort wie auch digital ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Moderiert werden die Abende von Prof. Dr. Regina Back, Geschäftsführender Vorstand der Claussen-Simon-Stiftung, und Prof. Manuel J. Hartung, ab 1. Januar 2022 Vorsitzender des Vorstands der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Beide sind auch als Dozierende am Institut für Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg tätig.

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„Kein Einzelfall!“ https://www.tiefgang.net/kein-einzelfall/ Fri, 21 Feb 2020 23:43:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6406 [...]]]> Dieser Tage findet die 7. Biennale Tanzausbildung auf Kampnagel statt. Einige Gäste von der Elfenbeinküste werden schmerzlich vermisst.

Fünf Schüler*innen des künstlerischen Ausbildungszentrums GLS_LA fabrique culturelle in Abidjan an der Elfenbeinküste haben keine Visa für die Einreise nach Deutschland bekommen und konnten deshalb nicht an der 7. Biennale Tanzausbildung in Hamburg teilnehmen. Bei der Eröffnung des Tanz-Festivals auf Kampnagel haben der Leiter der Schule, Franck Edmond Yao, und Tanzschüler Djédjé Éric Gbadie (er hatte bereits ein Visum und durfte deshalb als einziger reisen) einen Brief der Studierenden an das Publikum verlesen. Darin äußerten die jungen Tänzer*innen ihre Enttäuschung über einen ihrer Meinung nach unfairen und diskriminierenden behördlichen Prozess, der sie willkürlich von einem internationalen Festival exkludiere: „So we are not part of the „international?“, fragen sie in dem Schreiben. Und weiter: „What does „international“ mean? It means that only artists from certain countries are allowed to take part in projects such as the Biennale.” 

Der vollständige Brief der Schüler*innen:

Kampnagel Intendantin Amelie Deuflhard: „Dies ist leider kein Einzelfall. Seit einigen Jahren beobachten wir eine zunehmend restriktive Visa-Vergabe für internationale Künstler*innen. Wir erleben es immer wieder, dass Projekte von u.a. afrikanischen Künstler*innen von deutschen Stiftungen oder Institutionen gefördert werden, dann aber die Einreise und Präsentation der Arbeiten von der deutschen Botschaft abgelehnt wird. Nicht nur für uns als Internationales Produktionshaus, sondern vor allem für die Künstler*innen sind Reisen ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Ohne Reisen gibt es keine Möglichkeit der Begegnung, des Austauschs und des Erlernens anderer Ästhetiken und Strukturen.“

 Die vom 17. bis zum 23. Februar stattfindende BIENNALE TANZAUSBILDUNG 2020 HAMBURG ist ein Treffen der Mitglieder der Ausbildungskonferenz Tanz, das alle zwei Jahre Tanzstudierende zum Netzwerken und gemeinsamen Arbeiten in einer anderen Stadt zusammen bringt. In Hamburg richten Kampnagel, die Ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier, K3 | Tanzplan Hamburg und das Bundesjugendballett dieses Treffen gemeinsam aus. Parallel findet das Festival FOKUS TANZ auf Kampnagel statt. Neben Studierenden von neun deutschen Tanzschulen wurden auch neun internationale Schulen nach Hamburg eingeladen. Gefördert wird die Biennale vom Bundesministerium für Bildung und Forschung; das internationale Austauschprogramm wird zusätzlich gefördert von der Hamburger Behörde für Kultur und Medien. Die Teilnehmer*innen der Biennale äußerten ihre Solidarität mit den ivorischen Kolleg*innen und haben eigeninitiativ begonnen, sich in Gruppen auszutauschen und weitere Aktionen zu planen. Eine Unterschriften-Aktion läuft bereits. Die aus Tunesien angereisten Gäste berichteten ihrerseits über einen ähnlich schwierigen Prozess der Visavergabe. Sämtliche Bemühungen der Biennale-Organisator*innen, die Ausreise der ivorischen Tanz-Schüler*innen zu ermöglichen, blieben erfolglos.

2014 hat der Tänzer und Choreograf Franck Edmond Yao das Ausbildungszentrums GLS_La fabrique culturelle zusammen mit Chantal Djédjé initiiert und gehört zur Leitung. Das Konzept des Zentrums ist, Kultur für alle zugänglich zu machen und Unterricht in verschiedenen künstlerischen Disziplinen anzubieten, um interdisziplinäre, professionelle Künstler*innen, Tänzer*innen, Sänger*innen und Schauspieler*innen auszubilden.

Yao ist ein sowohl an der Elfenbeinküste als auch in Europa erfolgreicher Künstler, der u.a. seit vielen Jahren mit der Regisseurin Monika Gintersdorfer zusammenarbeitet. Gemeinsam haben sie unzählige Projekte auf Kampnagel und an vielen anderen deutschen Theatern realisiert und werden regelmäßig zu internationalen Festivals eingeladen. In dieser Spielzeit zeigt Franck Edmond Yao zum ersten Mal eine mehrteilige eigene Arbeit auf Kampnagel DAS SANDWICH SYNDROM. Darin thematisiert er in Theorie, Tanz und Performance genau diesen Spagat zwischen den Kontinenten Afrika und Europa, den er selbst permanent macht. Eine Zerreißprobe und ein ständiges Jonglieren von Identitäten, Machtgefügen und Bürokratie.

 Quelle: Kampnagel Hamburg

Die nächsten Vorstellungen auf Kampnagel sind am 20. und 21. März.

 

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