Karimah Ashadu – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 05 Dec 2025 17:01:20 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 „Richtungsweisend für die bildende Kunst“ https://www.tiefgang.net/richtungsweisend-fuer-die-bildende-kunst/ Fri, 12 Dec 2025 23:48:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12980 [...]]]> Am 9. Dezember ehrte Hamburg mit dem Lichtwark-Preis zwei Künstlerinnen, deren Werk uns das Gestern radikal befragen und dem Heute neue, kraftvolle Bilder schenken lässt. Von feministischer Malereireflexion bis hin zu intimer, globaler Filmarbeit – dieses Ereignis in der Kunsthalle war ein energiereiches Signal für die Gegenwartskunst, die uns den Kopf verdreht.

Hamburg hat eine neue, kraftvolle kulturelle Wegmarke gesetzt. Am vergangenen Dienstag schlug das kulturelle Herz der Hansestadt höher, als Senator Dr. Carsten Brosda in der Hamburger Kunsthalle zur feierlichen Verleihung des Lichtwark-Preises lud. Die Atmosphäre im Werner-Otto-Saal war geprägt von der tiefen Wertschätzung für zwei Künstlerinnen, deren Werk die internationale Kunstszene prägt.

Mit Jutta Koether erhielt eine der einflussreichsten Stimmen der Gegenwartskunst die Hauptauszeichnung. Für ihr Lebenswerk, das die Szene seit den 1980ern in Aufruhr versetzt, ist der mit 10.000 Euro dotierte Preis eine längst überfällige nationale Anerkennung. Wie Anna Nowak, Künstlerische Leiterin des Kunsthauses Hamburg, in ihrer Laudatio betonte, hat Koether, die lange an der HFBK lehrte, das Verständnis von Malerei nicht nur erweitert, sondern quasi neu verhandelt.

Ihre Markenzeichen? Ein konzeptueller, oft symbolischer Einsatz der Farbe Rot, enorme Dynamik und eine schonungslose Befragung der Kunstgeschichte, um ihre „blinden Flecken“ aufzudecken. Wo Koether malt, wird Geschichte nicht nur erinnert, sondern im Lichte der Gegenwart neu interpretiert. Das ist radikal, das ist vielschichtig, und das war bei der Verleihung am Dienstagabend absolut spürbar und begeisternd!

Die Förderung der Zukunft ist dem Lichtwark-Preis, benannt nach dem visionären Gründungsdirektor der Kunsthalle, Alfred Lichtwark, ebenso wichtig. Und hier glänzte Karimah Ashadu. Die Londoner Künstlerin, die zwischen Hamburg und Lagos arbeitet, nahm den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis entgegen – eine Wahl, die auf eine singuläre, international gefeierte Position verweist.

Wie Milan Ther, Direktor des Kunstvereins Hamburg, ausführte, ist Ashadu eine Entdeckerin neuer, erzählerischer und visueller Räume. Mit ihren multimedialen Arbeiten, oft basierend auf eigens entwickelten Kameratechniken, gelingt ihr das Kunststück, dokumentarische Präzision mit poetischer Bildsprache zu verschmelzen. Sie taucht ein in die sozialen Topografien von Orten – insbesondere in Nigeria – und kreiert aus intimen Porträts von Männern komplexe soziale Strukturen. Ob es um die Performativität von Männlichkeit, das post-koloniale Erbe oder den Begriff der Selbstbestimmung geht: Ashadus Blick ist analytisch, prägnant und stets poetisch.

Die Auszeichnung, nur kurz nach ihrem Silbernen Löwen auf der Venedig-Biennale, ist eine Bestätigung: Ashadu bereichert Hamburgs kulturelles Leben maßgeblich und positioniert sich als eine der prägnantesten Stimmen einer neuen Künstler*innengeneration.

Die Verleihung am vergangenen Dienstag war ein starkes Bekenntnis des Senats zu jener Kunst, deren Werke sich durch besondere Innovationskraft auszeichnen. Wie Senator Dr. Carsten Brosda treffend zusammenfasste, würdigte Hamburg mit Koether und Ashadu zwei Künstlerinnen, die im besten Sinne des Preises „richtungsweisend für die bildende Kunst sind“.

Ob es nun Koethers radikale feministische Reflexion ist oder Ashadus tiefgründige Verbindung von individueller Lebensrealität und globalen gesellschaftlichen Strukturen: An diesem Abend wurde in Hamburg einmal mehr bewiesen, dass Kunst keine Dekoration, sondern ein dringender, notwendiger Dialog ist. Ein Dialog, der uns alle reicher macht und der in den Werken dieser beiden Preisträgerinnen seinen kraftvollen Ausdruck findet.

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Bewusstsein schaffend https://www.tiefgang.net/bewusstsein-schaffend/ Fri, 24 May 2019 22:00:49 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5261 [...]]]> Kunst kann Fragen der Gegenwart auf eigene Art und Weise beantworten. Das weiß selbst die Wirtschaft und hat dies nun wieder gewürdigt. Zu sehen auch in Hamburg.

Seit 1953 vergibt der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft den ars viva-Preis an herausragende junge, in Deutschland lebende Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeiten eine eigenständige Formensprache und ein Bewusstsein für gegenwärtige Fragestellungen erkennen lassen. Der Preis ist in diesem Jahr mit Ausstellungen in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig und im Kunstverein in Hamburg sowie einer Künstlerresidenz auf Fogo Island (Kanada) verbunden. Die Künstlerinnen und Künstler erhalten ein Preisgeld in Höhe von je 5.000 Euro. Darüber hinaus gibt der Kulturkreis einen zweisprachigen Katalog heraus, der im Kerber Verlag erscheinen wird. Die Jury kürte die Preisträger aus 49 vorgeschlagenen Künstlerinnen und Künstlern unter 35 Jahren.

ars viva-Preis

Die Videoarbeiten von Karimah Ashadu nehmen das Thema Arbeit in den Blick. Gezeigt werden die Protagonisten ihrer Filme meist im sozio-ökonomischen Kontext Nigerias: Arbeiter in einer Holzwerkstatt in der Lagune von Lagos, Bauern bei der Gewinnung von Palmöl oder Boxer in den Slums Nigerias. Häufig handelt es sich um männlich geprägte Strukturen, die sich unabhängig und parallel zu den politischen Verhältnissen im Land entwickelt haben. In ihren Filmen verwebt die Künstlerin dokumentarische mit fiktiven Elementen und setzt auf den Einsatz ungewöhnlicher technischer Mittel, mit denen sie die Wahrnehmung des Betrachters herausfordert.

In den Fotografien von Thibaut Henz treten häufig besondere Blickwinkel und Details in den Vordergrund. Personen- und Momentaufnahmen werden in starken Farbkontrasten und unterschiedlichen Bildformaten zu Serien zusammengestellt. Dadurch entstehen ungewöhnliche Bildkombinationen. In Ausstellungen stellt er seine Serien oftmals als Displays zusammen, die sich in der Fläche und oft auch über Raumecken erstrecken. Seine Bildkompositionen spielen mit neuen Ästhetiken und Sehgewohnheiten im digitalen Zeitalter.

Im künstlerischen Werk von Cemile Sahin spielt die Verwendung von Wort und Bild eine entscheidende Rolle. In ihren filmischen Arbeiten inszeniert sie beispielsweise im Stile des Film noir Kriminalgeschichten, bei denen die Täterfrage ungeklärt bleibt. Widersprüchliche Erzählungen der Darsteller, von denen jeder den Mord begangen haben will, bilden den Handlungsstrang. Die Erzählungen werden verwoben mit Close-ups expressiver Gesichter und der zeitgleichen Darstellung unterschiedlicher Handlungen. Zu ihrer künstlerischen Arbeit gehören auch Collagen aus Text und Bild sowie Lecture-Performances. Ebenso ist sie Autorin von Romanen.

Der Jury unter Vorsitz von Ulrich Sauerwein gehörten neben Mitgliedern des Gremiums Bildende Kunst des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft die Kooperationspartner Julia Schäfer (Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig), Bettina Steinbrügge (Kunstverein in Hamburg), Zita Cobb, Willem de Rooij und Nicolaus Schafhausen (Fogo Island Arts), Dr. Franziska Nentwig und Mathilda Legemah (Kulturkreis der deutschen Wirtschaft) sowie Dr. Stephanie Rosenthal (Gropius Bau) als Fachberaterin an.

 

Die ars viva-Ausstellung der neuen Preisträger wird am 12. Oktober 2019 in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig eröffnet. Die nachfolgende Ausstellungsstation ist der Kunstverein in Hamburg.“

 

Quelle: Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V.

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