Komponistenverband Hamburg – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 18 Nov 2021 16:46:01 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Klangvolle Performances auch 2022 https://www.tiefgang.net/klangvolle-performances-auch-2022/ Fri, 19 Nov 2021 23:36:01 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8584 [...]]]> Mit einer ungewöhnlichen Konzertreihe starteten Landesmusikrat Hamburg, der Hamburger Komponistenverband und der Rockclub Marias Ballroom just in der Pandemie. Eine ungewöhnliche Spende zum Jahresendspurt sichert nun auch das kommende Jahr.

Eigentlich ist das „Marias Ballroom“ seit mehr als zehn Jahren eine feste Adresse in der Hamburger Rockszene. Eng, laut und schwitzig ging es vor der Covid-19-Pandemie meist zu. Beim Hamburger Kultursommer lernten sich dann der Clubbetreiber Heimo Rademaker und die Komponisten Carsten Gundermann und Ludger Vollmer kennen und nutzten die Krise für neue Kreativität. „klangClub“ ist seit September nun ein neues Konzertformat, in dem komponierte Musik direkt auf die Live-Bühne findet. „Kompositionen sind häufig Auftragsarbeiten“, so Gundermann. „Man arbeitet zum Beispiel fürs Theater oder eine Filmproduktion. Aber Kreativität ist ja nicht nur an Aufträge gebunden. Neue Werke zu schaffen und in einer so abgefahrenen Location mitten im Harburger Phoenix–Viertel auszuprobieren – das hat schon einen besonderen Reiz!“
„Und es ist mal was ganz anderes auch für unser Publikum. Celli und Geigen, Notenständer und klassischer Gesang – ich find s klasse!“, so Heimo Rademaker
über seine ersten Erfahrungen mit dem ungewohnten Genre. Doch dass die Reihe auch gleich ungewohnten Zuspruch erfährt, hätte niemand der Beteiligten gedacht. Denn unverhofft kam nun eine Spende des „Mensch Hamburg e.V.“, der in der Pandemie durch Aktionen wie „Keiner kommt, alle machen mit“ oder „Einer kommt, alle machen mit“ oder einem Panini-Album „Team Hamburg“ und vielen weiteren kleineren Formaten mehr als eine Million Euro für die Hamburger Kultur einsammelte. Eine eigens einberufene externe Jury hatte die Aufgabe, ungewöhnliche und besonders förderwürdige Kulturprojekte auszuwählen und stieß auf den „klangClub“. 10.000 € wurden dem Projekt nun zugesprochen.

Im September startete die ungewöhnliche neue Musikreihe im Marias Ballroom.

Ludger Vollmer, Präsident des Hamburger Landesmusikrates und Vorsitzender des Hamburger Komponistenverbandes: „Die ungewöhnliche Spende ermöglicht in dieser schwierigen Zeit nicht nur vielen Musiker*innen und Komponist*innen, ihrem Beruf nachzugehen, sondern unterstützt zudem eine sehr innovative neue Konzertreihe in der Entwicklung eines neuen Formates für den Hamburger Süden, von dem wir uns viel erhoffen, und mit dem wir mit dem Ziel einer nachhaltigen, festen Verwurzelung die Szenen Harburgs und Wilhelmsburgs um einen bunten, kreativen künstlerischen Spot erweitern wollen!“
Und die letzten Konzerte diesen Jahres lassen erahnen, was da noch kommen mag. So spielt am Do., 25. Nov., 20 Uhr das Projekt NIHON CYBERFUNK CEMBALO. Das sind die Japanerinnen Haruka, Kurumi, Mamiko und Gäste mit einer Mischung aus RokokoClassics und brandneuen Arrangements.
Sonaten und Synwave, Fugen und Funk, fernöstliche Balladen und fette Beats machen das Konzert zu einer fröhlichen Stunde in Hamburgs Süden.
Am Do., 9. Dez. um 20 Uhr folgt dann das Projekt Re:Member – a double concerto. Es resultiert aus der Zusammenarbeit der in Deutschland lebenden Komponistin Dong Zhou und der taiwanesischen Tänzerin Chiayi Seetoo und entsprang dem Wunsch, die räumliche Distanz zwischen ihren beiden Lebensmittelpunkten – den Hafenstädten Hamburg und Shanghai – in einem gemeinsamen Projekt künstlerisch zu überbrücken. Zu zweit machten sie sich auf die Suche nach neuen Formen der Erzählung und der Kollaboration. Material fanden die beiden Künstlerinnen in ihren jeweils individuellen und dennoch durch Parallelen gekennzeichneten Biografien. In der gemeinsamen Performance, die aus einer aufgezeichneten Choreografie der Tänzerin und Choreografin Chiayi Seetoo und den elektronischen Klängen der Multimediakomponistin und Musikerin Dong Zhou besteht, verarbeiten die beiden Künstlerinnen signifikante Elemente und Materialien ihrer Biografien sowie der ihrer familiären Geschichte und Herkunft, indem sie diese collagenartig anordnen und miteinander in Beziehung bringen. Das Videoprojekt mit Live-Performance ist eine Reflexion über das Leben mehrerer Generationen zwischen Asien und Europa.
Immer wieder werden Filmpassagen kommentiert durch live eingeschobene musikalische Abschnitte und Improvisationen auf der westlichen Violine und der chinesischen Bambusflöte Zhudi. Es ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang, eine Reflexion darüber, wie ein neuer Raum der künstlerischen Kollaboration geschaffen werden kann – virtuell, physisch und dazwischen. Tanz und Choreogrfie: Chiayi Seetoo / Flöte/ chinesische Di: Ming Wang / Elektronik/ Violine: Dong Zhou / Konzeption: Dong Zhou, Chiayi Seetoo
Und das Jahr endet am Do., 16. Dez., 20 Uhr mit dem Projekt Echo of a Fire long Gone. Hier trifft zeitgenössische Musik auf Performance-Theater: In einem szenischen Konzert setzen sich die chinesische Komponistin Dong Zhou und der Regisseur Levin Handschuh mit der Figur der Marien-Ikone auseinander und kreieren einen Mix aus Ritual und Abschlussball. Ausgehend von Motiven aus Stephen Kings Roman „Carrie“ erlebt das Publikum einen immersiven Abend zwischen Kunstlied und Horror-Zitat. Man kann Echos aus der Vergangenheit lauschen, das Feuer des Abschlussballs nochmal erleben und selbst in die Nacht tanzen. Zusammen mit dem queeren Künstler*innen-Kollektiv XelK, Bühnenbildnerin Lisa Claire Stolzenberger und Dramaturgin Lena Iversen verwandeln Zhou und Handschuh den Ballroom in eine Prom-Night, in der das Unheimliche einzieht.

Neben den Live-Konzerten können auch Tickets für den zugleich laufenden Live-Stream erworben werden, der in jüngster Vergangenheit auch schon internationale Besucher*innen quasi digital ins Marias Ballroom führten.
Ort: Marias Ballroom, Lasallestr. 11, 21073 Hamburg-Harburg
Website und Tickets unter mariasballroom.de

]]>
Vom Rock- zum neuen klangClub https://www.tiefgang.net/vom-rock-zum-neuen-klangclub/ Fri, 27 Aug 2021 22:21:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8307 [...]]]> Während manche sich nichts sehnlicher wünschen als das wieder zu haben, was sie vor der Pandemie hatten, setzte sie bei manchen auch neue Kreativität frei. So auch im Marias Ballroom, der nun vom Rock- auch zum klangClub wird. 

Das Marias Ballroom ist seit mehr als zehn Jahren die Adresse Nr. 1 für erdige Rücksounds in Hamburgs Süden. Inmitten des Phoenix-Viertels gelegen, geben sich in normalen Zeiten meist schwarz- und lederbekleidete Rockmusiker die Klinke in die Hand. Jetzt aber startet Betreiber Heimo Rademaker eine neue Musikreihe, die mehrfach aufhorchen lässt: nicht nur musikalisch, wenn Geigen- oder Ariengesangstöne den Saal füllen, sondern auch schon bei den Kooperationspartnern. Denn unter dem Titel „klangClub“ starten das Marias Ballroom, der Landesmusikrat Hamburg sowie der Hamburger Komponistenverband eine gemeinsame Reihe, die in Hamburg seines gleichen sucht. Komponierter Punk? Verrockte Klassik? „Warum nicht?“, so Ludger Vollmer, Präsident des Landesmusikrates Hamburg. „Wir sind ein Dachverband für alle Musikliebhabenden in Hamburg, haben jede Menge kreative Leute unter unserem Dach, die ständig an neuen Wegen des Musikmachens tüfteln und auch neue Orte dafür brauchen!“ Und Karsten Gundermann aus dem Vorstand des Hamburger Komponistenverbandes ergänzt: „Wir werden oft als ´Ernste Musik` tituliert, was nicht ganz den Punkt trifft. Denn auch Komponist*innen sind ja zuweilen mit Lebensfreude und Spaß bei der Sache und im Grunde ist unsere Musik oft nur von der Herangehensweise, vom Konzept her anders aufgebaut, klingt aber fürs Ohr doch vertraut und gar nicht so ernst.“ Und Clubbetreiber Heimo Rademaker? „Wir haben uns in der Pandemie kennen und schätzen gelernt. Schon beim SuedKulturSommer in Hamburgs Süden waren viele Ensembles aus dem Verbund des Landesmusikrates und haben uns mit klassischen oder jazzigen Tönen bereichert. Die Kulturkrise schafft dort auch neue Allianzen. Und da ich mit dem Bundesförderprogramm ´NEUSTART Kultur` für das Marias Ballroom bis zum Jahresende etwas finanzielle Unterstützung für Konzerte mit beschränkter Besucherzahl erhalte, wollte ich es auch und zugleich nutzen, um einen Neustart in andere musikalische Gefilde zu starten. Wir sind allesamt sehr gespannt, auf das, was sich dort auftut.“

„Komponisten wie Brahms, Händel, oder Telemann haben in Hamburg schon lange die Tradition begründet, die Freiheit des Komponierens über marktübliche Regularien zu stellen und dabei erstaunliche und doch gesellschaftlich breit anerkannte Werke geschaffen“, freut sich Ludger Vollmer auf das Experiment.

Und so wird am Fr., 17. September die Reihe „klangClub“ auch gleich von der Formation „Sam Panda and The Teeth“ eröffnet. Kopf der Formation ist niemand Geringeres als der aus Australien stammende Musiker und Komponist Samuel Penderbayne, der seit 2012 in Deutschland lebt und arbeitet. Er studierte Komposition bei Prof. Moritz Eggert (München), Prof. Frederik Schwenk (Hamburg) und Michael Smetanin (Sydney). In 2015 schrieb er eine Doktorarbeit an der Hochschule für Musik und Theater, Hamburg, deren Titel lautet: Richtlinien für Genre-übergreifende Komposition – Die Verbindung moderner Musik-Genres mit der klassischen Kompositionstradition.

Mit einem Schwerpunk auf Musiktheater und Bühnenmusik hat er unter anderem am Schauspielhaus Frankfurt, Theaterhaus Jena, Theater Bremen und Trier, am Prinzregententheater  (München) und am Sydney Opera House als Komponist und Performer gearbeitet. 2018 wird seine erste Oper „Ithaka“ (Libretto: Helmut Krausser) an der Hamburger Staatsoper uraufgeführt. 2017 übernimmt er gemeinsam mit Alexander Strauch die künstlerische Leitung des aDevantgarde Festival in München.

Beim „klangclub“ kommt er mit seinen „Teeth“ – Musiker mit unterschiedlichstem musikalischen Background: Rock, Klassik, Elektro, Jazz, Folk etc. „Die Grenzen der Genres sind dazu da, überschritten zu werden, Risse und Brüche sind Ziele musikalischer Interaktion. Die Band ist viele Bands, denn sie tritt in unterschiedlichen Formationen auf und nimmt den Zuschauer mit auf eine parforce-Tour durch klassisch anmutenden Liedgesang, harmonisches Klangrauschen, modalem Jazz, pulsierenden Grooves, Rock und Elektro-Club-Sounds“, so Pernderbayne zum Konzept. Und wenn man es hört, ist einem nach allem, aber sicher nicht nach „Ernster Musik“!

Besetzung: Vocals (Samuel Penderbayne), E-Piano (Henriette Zahn), Geige (Anna Neubert), Cello (Maya Fridman), E-Schlagzeug (Lin Chen)

Am Do., 30. September heißt es dann ´When I fall in love` und geht dann weiter mit dem Duo René Mense und Thorsten Kuhn.  Die beiden Hamburger Musiker kennen sich seit gemeinsamen Studientagen an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, wo sie 1995 ihren Abschluss im Fach Komposition machten. Sie sind seitdem u.a. auch als Arrangeure der gehobenen Unterhaltungsmusik tätig und geben Konzerte in verschiedenen Genres. Sie werden im Marias Ballroom mit ihrem Programm ´When I fall in love ` das Publikum mit auf eine Reise in die zauberhafte Welt amerikanischer Broadway- und Filmsongs der Swing-Ära bis in die späten 60er Jahre von so namhaften Autoren wie u.a. George Gershwin, Kurt Weill oder Burt Bacharach nehmen. Der Titel deutet an, dass es – natürlich – um das Verliebtsein geht; die Songtexte erzählen aber nicht nur von dem Verliebtsein in Menschen, sondern auch von Dingen, die einem lieb und teuer sind, von Träumen, Landschaften, Jahreszeiten, kurz: den schönen Seiten des alltäglichen Lebens eben…

Am 15. Oktober kommt das Projekt „Blue Note Bach“, bei dem Pianist Jens Schöwing Bach modern und auf einem elektronischen Fender Rhodes interpretiert. Am 28. Oktober gastiert die in Hamburg weit bekannte „UKW Band“ ihr Programm „weltklang“ und am  18. November ist das Projekt CELLO LOOP des Cellisten Stephan Schrader zu erleben.

Jens Schöwing präsentiert mit CELLO LOOP ein halbes Orchester ganz alleine

Neben der Möglichkeit eines Präsenzbesuches hält Clubbetreiber Heimo Rademaker aber noch ein weiteres Schmankerl bereit: denn ausgestattet mit neuer Kamera- und Stream-Technik wird er eine regelrechte Broadcasting-Station ins Leben rufen und so sind im Rahmen des Konzertes auch Interviews mit den Künstler*innen vorgesehen und die Konzertmitschnitte auch eine Zeitlang im Internet als Videomitschnitt zu erleben.

Es wird sich also auch für jene lohnen, die mal den gediegenen Konzertsaalbesuch in einen Clubbesuch der anderen Art tauschen wollen. Sollte die Reihe ausreichend Anhänger finden, denkt Heimo Rademaker jedenfalls daran, die Reihe auch in den nächsten Jahren zu verstetigen und auch weiteren Nachwuchskomponisten und -musikern eine Bühne zu bieten.

Ort: Marias Ballroom, Lasallestr. 11, 21073 Hamburg-Harburg

Website und Tickets unter  mariasballroom.de

mit frdl. Unterstützung der Initiative Musik im Rahmen der NEUSTART-Förderung

]]>