KPD https://www.tiefgang.net Tue, 06 Aug 2019 15:48:30 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Turbulente Zeiten https://www.tiefgang.net/turbulente-zeiten/ Fri, 16 Aug 2019 22:30:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5647 [...]]]> Viele haben heutzutage das Gefühl, alles sei im Umbruch, hektisch und die Welt verändert sich rasant. Vor 100 Jahren war es ähnlich. Ein Rückblick, der lohnt …

100 Jahre Bauhaus, 100 Jahre Volkshochschule, 100 Jahre Universität, 100 Jahre Stiftung Bücherhalle … Was war denn da los – vor 100 Jahren?

Die Revolution von 1918/19 markiert eines der epochalen Ereignisse in der Geschichte. Sie steht nicht nur am Anfang der modernen demokratischen Ordnung des Stadtstaates, sondern ist zugleich der erste historische Umbruch des 20. Jahrhunderts in Hamburg. Diese Zeit des Epochenwechsels brachte auch für Hamburg massive Einschnitte und Veränderungen mit sich – für die Bürgerinnen und Bürger auf politischer Ebene, für die Wirtschaft und den Hafen.

Unter dem Motto „Hamburg 1918.1919 – Aufbruch in die Demokratie“ gibt es in und für Hamburg ein breit angelegtes Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Publikationsprogramm. Damit werden ein umfassender Beitrag zur Kenntnis, zum Verständnis und zur Bedeutung dieser komplexen Zeit in der Freien und Hansestadt Hamburg vermittelt und gleichzeitig Aktualitätsbezüge zu Funktionsweisen demokratisch verfasster Gesellschaften geschaffen.

Liest man die Chronologie der Ereignisse von 1918 und 1919 nach, wird deutlich, wie stark diese Jahre das Bewusstsein der Menschen geprägt haben muss. Ebenso macht es dem heutigen Menschen deutlich, wie selbstverständlich manche Dinge geworden, aber es von Haus aus eben nicht sind.

„Januarstreik“

Deutschland­weit fand ein Massen­streik der Arbeiter statt, im Rahmen dessen bessere Arbeits- und Lebens­bedingungen gefordert wurden. In Hamburg schlossen sich vor allem die Werft- und Metall­arbeiter dem Streik an.

20.4.1918

Carl Petersen wird in den Senat gewählt. Petersen war 1924-29 und 1932/33 Hamburgs Erster Bürger­meister und 1930/31 Zweiter Bürger­meister.

5.11.1918

Versammlung in Hamburg

Erste Zeitungs­berichte erscheinen über die revolutionären Vorgänge in Kiel. In Hamburg entwaffnen Matrosen im Hafen Besatzungen der Torpedo­boote, besetzen den Elbtunnel und sichern das Gewerkschaftshaus.

Am Abend formuliert eine Versammlung im Gewerkschafts­haus jene Forderungen:

  • Sofortige Herbeiführung des Friedens
  • Rücktritt der Hohenzollern
  • Sofortige weitgehendste Demokratie im Reich und in den Bundesstaaten
  • Amnestie und sofortige Freilassung aller politisch Inhaftierten
  • Sofortige Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für beide Geschlechter vom vollendeten 20. Lebensjahr an

6.11.1918

Der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt die Macht

Bürgermeister Werner von Melle und Senator Carl Petersen erklären die Bereit­schaft von Senat und Bürger­schaft, sich in den Dienst der „neuen Zeit“ zu stellen. Auf dem Heiligen­geistfeld findet eine Massen­kundgebung statt. Das Stell­vertretende General­kommando flieht aus Altona.

Die Bürgerschaft beschließt einstimmig die Errichtung des Arbeitsamtes

11.11.1918

Kriegsende — Inkrafttreten des Waffenstillstands

Die SPD-Bürger­schafts­fraktion setzt sich für umgehende Neuwahlen der Bürger­schaft ein. Der spätere Hamburger Bürger­meister Max Brauer wird Senator der Stadt Altona.

12.11.1918

Vollständige Machtübernahme des Arbeiter und Soldatenrates

18.11.1918

Senat und Bürgerschaft werden für abgesetzt erklärt (letztendlich nur für 6 Tage), der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt vollständig die politische Macht. Die Exekutive der beiden Räte besteht aus je drei Vertretern der MSPD, USPD und der Links­radikalen sowie 18 Delegierte aus Hamburger Betrieben.

8.11.1918

Senat und Bürgerschaft werden wieder in ihre Befugnisse zur „Aufrechter­haltung der hamburgischen Verwaltung“ eingesetzt, da die Kredit­fähigkeit der Stadt in Gefahr geraten war.

30.11.1918

Das neue Reichswahl­gesetz tritt in Kraft (Frauenwahlrecht, Verhältniswahl, Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre)

20.12.1918

Beginn der öffentlichen Wohnbauförderung

Die Bürgerschaft beschließt ein Gesetz zur Förderung des Baus kleiner Wohnung mit öffentlichen Mitteln.

1.1.1919

Demonstration auf dem Heiligengeistfeld

Protestversammlung der MSPD, der USPD, KPD und der Hamburger Linksradikalen auf dem Heiligen­geistfeld gegen die Regierung. Auf der Moorweide findet gleich­zeitig eine von der SPD und den Gewerk­schaften veran­staltete Massen­kund­gebung für Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann statt.

7.1.1919

Aufhebung des Zölibats bei Lehrerinnen.

9.1.1919

Die SPD und Gewerkschaften rufen zum Generalstreik am 11.1.1919 auf.

6.3.1919

Mit dem Architekten Emil Maetzel, zugleich Künstler und Mitbegründer der Sezession, tritt eine treibende Kraft der Kultur­szene das Amt des Bau­in­spektors, eine Schlüssel­stellung innerhalb der Bau­verwaltung, an.

16.3.1919

Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft.

Erste gleiche, geheime, freie und allgemeine Wahlen eines Hamburger Parlaments. Ebenso erste Wahlen für Frauen auf Hamburgischer Ebene.

24.3.1919

Erste Sitzung der demokratisch gewählten Hamburgischen Bürgerschaft: Erstmals eröffnet eine Frau ein Parlament in Deutschland: Alters­präsidentin Helene Lange.

26.3.1919

Nach dem Erlass von 135 Verordnungen durch den Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat überträgt dieser wieder die politische Macht an Senat und Bürgerschaft.

28.3.1919

Die neu zusammengesetzte Bürgerschaft wählt den neuen Senat. Werner von Melle wird anschließend zum Ersten, Otto Stolten zum Zweiten Bürgermeister gewählt.

1.4.1919

Spatenstich für die Steenkamp-Siedlung, die erste Kleinhaus­siedlung im Altonaer Raum nach dem Ersten Weltkrieg. Der Garten­stadt­gedanke leitete den Entwurf.

Walter Gropius gründet in Weimar das Bauhaus, die wichtigste Schule für Kunst, Architektur und Design im 20. Jahrhundert.

7.5.1919

Bürgerschaft beschließt Kleinhaus-Siedlung

Angesichts der großen Wohnungsnot beschließt die Bürgerschaft als Bauträger die vollständige Finanzierung einer Siedlung in Langenhorn mit 800 Kleinhäusern.

10.5.1919

Eröffnung der Universität Hamburg

30.5.1919

Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus ist die Neuordnung der Kunsthalle im Sinne des Reformkonzepts Alfred Lichtwarks abgeschlossen und damit der modernen Kunst in Hamburg ein wichtiges Forum geboten.

1.6.1919

Gründung des Hamburger Sportvereins (HSV). SC Germania von 1887, Hamburger FC von 1888 und SC Falke von 1906 schließen sich zusammen

23.-24.6.1919

Hamburger Sülzeunruhen

Auslöser des Aufstands war die Vermutung, dass verfaulte Kadaver zu Sülze verarbeitet wurden. Gewalt gegen Besitzer von Fleisch­fabriken brach aus und auf dem Rathaus­markt wurde ein öffentlicher Pranger aufgestellt. Es kommt zu einer Belagerung des Rathauses. Am 1.7.1919 marschieren Reichswehr- und Freikorps-Truppen in die Stadt ein, um die Unruhen zu beenden, obwohl sich die Lage beruhigt hatte. Durch das rigorose Vorgehen der Truppen kam es insgesamt zu 80 Toten.

28.6.1919

Der Versailler Vertrag wird unterzeichnet.

1.8.1919

Antrag zur Umwandlung der Bücherhallen in eine öffentliche Einrichtung

Die Bücherhallen, die 1899 von der Patriotischen Gesellschaft gegründet wurden, wurden Anfang 1920 zur Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen (HÖB)

1.10.1919

Zusammenschluss der Ortskran­kenkassen und weiterer Kassen zu Allgemeinen Ortskrankenkasse Hamburg (AOK)

5.12.1919

Versammlung der im Wohl­fahrts­bereich tätigen Sozial­demokrat­innen und Sozial­demokraten, in deren Folge im Februar 1920 die Arbeiter­wohlfahrt („Hamburger Ausschuss für soziale Fürsorge“) gegründet wird

Weiterführend: hamburg-18-19.de

Veranstaltungen: hamburg-18-19.de/veranstaltungen

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Seinen Widerstand brach nur er selbst https://www.tiefgang.net/seinen-widerstand-brach-nur-er-selbst/ Sat, 22 Jul 2017 06:03:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1398 [...]]]> 10 Jahre Schutz- und Untersuchungshaft, Verhöre und Repressalien. Irgendwann reichte wohl die Kraft nicht mehr.

Berthold Bormann wurde am 25. Nov. 1904 in Straßfurt geboren und trat 1931 der KPD bei, 1932 wurde er Hauptkassierer der Partei in Harburg. Er war wegen Landfriedensbruchs und Widerstandes gegen die Staatsgewalt vorbestraft. Seit 1932 wohnte er am Reeseberg 90.

Die Adresse davor lautete Friedrich-List-Straße 18. Laut Adressbuch von 1942 lebte er später noch in der Bonusstraße 24a. Vermutlich war seine Wohnung am Reeseberg ausgebombt. Verheiratet war er mit Anna Reuter, geb. am 02. Jun. 1905 in Harburg.

Hintergrund:
Als Hitler am 30. Januar 1933 Reichskanzler wurde, bereitete sich alsbald die KPD auf die Illegalität vor. Aus den Wohnzellen wurden Dreier- und Fünfergruppen gebildet. Am 27. Februar brannte in Berlin der Reichstag. Als Brandstifter wurde Marinus van der Lubbe festgenommen. Ob er Hintermänner hatte, wird wohl nie mehr festgestellt werden können. Die Reichsregierung belastete die Kommunisten mit dem Brandanschlag. Am 28. Februar wurden mit der Verordnung des Reichspräsidenten zum „Schutz von Volk und Staat“ die meisten Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt. Massenverhaftungen gegen Kommu­nisten und auch Sozialdemokraten setzten ein. Selbst Abgeordnete blieben ungeachtet ihrer Immunität nicht verschont. Die sozialdemokratische und kommunistische Presse wurde verboten, die KPD faktisch zerschlagen, jedoch anders als die SPD nie offiziell verboten.

Kontakte im ganzen Süderelbe-Raum

Berthold Bormann beteiligte sich von Anfang an am kommunistischen Widerstand. Zum KPD-Unterbezirk Harburg-Wilhelmsburg gehörten damals auch Teile Nordniedersachsens von Buxtehude über Lüneburg und Uelzen bis Bleckede und Neuhaus. Bormann knüpfte Kontakte zur illegalen Organisation in Winsen, Lüneburg und dem rechtselbischen Neuhaus, brachte Zeitungen (die in Harburg hergestellte „Norddeutsche Zeitung“) und Schriften dorthin und nahm Geld für die Partei und die „Rote Hilfe“ in Empfang.

Auch per Post wurden Materialien über Deckadressen an bei der Polizei unbekannte Kommunisten verschickt, die diese dann weiterzugeben hatten. Für schriftliche Mitteilungen entwickelte Bormann einen eigenen Code, den er seinen Kontaktleuten in Winsen und Lüneburg erläuterte.

Gefängnis an der Buxtehuder Straße

Am 24. Juli 1933 wurde er festgenommen, vom 1. August bis 19. September befand er sich in „Schutzhaft“ im Gefängnis an der Buxtehuder Straße. Am 18. Oktober kam er nach einer erneuten Verhaftung ins gleiche Gefängnis, am 22. Januar 1934 ins Gerichtsgefängnis Lüneburg. Im so genannten Lüneburger Hochverratsprozess beim Kammergericht Berlin wurde er am 24. Januar 1934 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Am 24. Februar 1936 wurde er aus dem Emslandlager Börgermoor mit 28,80 RM „Arbeitslohn“ entlassen. Börgermoor war damals offiziell kein KZ mehr, sondern als Strafgefangenenlager der Justizverwaltung unterstellt. An der Behandlung der Gefangenen hatte sich aber dadurch nichts geändert.

Widerstand bei der Phoenix

Trotz seiner Erlebnisse in der Haft und im Lager beteiligte sich Berthold Bormann erneut am Widerstand. Während des Kriegs gehörte er zur Organisation um Bästlein, Jacob und Abshagen (siehe unter Karl Kock).

Sie hatte Zellen in mehreren Hamburger Betrieben gebildet, auch auf den Werften. Bormann war der Verbindungsmann der Leitung der Widerstandsgruppe (über Oskar Reincke) zu den Harburger Betriebszellen. Anfang Mai 1942 nahm er Kontakt zu Karl Kock mit dem Ziel auf, auf der Phoenix, wo dieser arbeitete, eine Zelle der Widerstandsgruppe aufzubauen. Er half zusammen mit der Leitung der Widerstandsgruppe mit, den mit dem Fallschirm über Ostpreußen abgesprungenen und von der Gestapo gesuchten Wilhelm Fellendorf zu verstecken und außer Landes zu bringen (siehe unter Herbert Bittcher).

In der Verhaftungswelle ab 15. Oktober 1942 wurden Fellendorf und viele Mitstreiter der Bästlein-Organisation aufgespürt und festgenommen, darunter auch Berthold Bormann. Karl Kock konnte sich der Verhaftung zunächst entziehen und tauchte bei verschiedenen Freun­den und Verwandten unter.

Berthold Bormann war in „Schutzhaft“ im Gestapogefängnis Fuhlsbüttel vom 21. Oktober 1942 bis zum 14. März 1943. Er wurde von der Gestapo auf freien Fuß gesetzt mit der Auflage, Karl Kock ausfindig zu machen. Er ging wohl zum Schein darauf ein, besuchte Karl Kocks Ehefrau Elfriede in Wilstorf (Am Mühlenfeld 107) und zeigte ihr seine von der Folter zerquetschten Finger. Er verriet aber nichts, vermutlich kannte nicht einmal Elfriede Kock das Versteck ihres Mannes. Am 25. März 1943 kam er in Untersuchungshaft am Holstenglacis, wurde aber schon einen Tag später wieder entlassen, weil man ihm nichts nachweisen konnte und seine Mitstreiter den unmittelbaren Kontakt Bormanns zur Leitung der Widerstandsorganisation nicht preisgegeben hatten. Am 22. November 1943 erhielt er erneut eine Vorladung zur Gestapo. Am Tag darauf erhängte er sich in seiner Wohnung.

© Hans-Joachim Meyer

(Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

stolpersteine-hamburg.de

Quellen: Hochmuth/Meyer, Streiflichter; VVN-BdA Harburg (Hrsg.), Die anderen; VVN-BdA Harburg (Hrsg.), Stumme Zeugen; Geschichtswerkstatt Lüneburg (Hrsg.): Heimat, S. 194ff.; StaH, 242-1-II, Gefängnisverwaltung II, Abl. 1998/1; StaH, 331-1-II, Polizeibehörde II; StaH, 332-8 Meldewesen, A46; StaH, 430-64 Amtsgericht Harburg II B 25; StaH,, Adressbücher Harburg-Wilhelmsburg und Hamburg; Mitteilung Männergefängnis Hamburg-Harburg vom 21.4.1949; Prozessakten Berthold Bormann und Karl Kock, Privatbesitz; Heyl/Maronde-Heyl, Abschlussbericht; Totenliste VAN.

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„Vergiss mich, denn dein Leben gehört dir“ https://www.tiefgang.net/vergiss-mich-denn-dein-leben-gehoert-dir/ Sat, 13 May 2017 06:00:08 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1075 [...]]]> Er war Klempner und Kommunist und mischte in Harburg mächtig auf. Ein Verrat wurde ihm zum Verhängnis …

Felix Plewa wurde 1906 geboren und war eines von 12 Kindern und wuchs in der Rudolfstraße 4 auf, der heutigen Gazertstraße. Spätere Adressen lauteten Adolf-vom-Elm-Hof 4 (1932) und Niemannstraße 30 (ab 1934). Er war Klempner und arbeitete unter anderem bei der Firma H.C.Meyer („Stockmeyer“) – dort wo heute der Handelshof steht – und anderen Stock- und Stuhlrohrfabriken. Auf der Suche nach Arbeit zog er auch nach Bremen und in die Niederlande. Verheiratet war er mit Johanna Keyser, geb. am 19.4.1904 in Harburg, sie wohnten in der damals selbstständigen Gemeinde Neuland und zuletzt ab 19. November 1937 wieder in Harburg am heutigen Deichhausweg (da­mals: Deichstraße 11). Sie bekamen eine Tochter namens Lisa, geb. am 26.3.1936, und später eine weitere namens Anke.
Felix Plewa trat 1930 trat der KPD bei und hatte als sogenannter „Literaturobmann“ für die KPD im Bezirk den Zeitungs-, Broschüren- und Bücherverkauf zu organisieren. Dafür schon saß er 1933 ein Jahr lang in „Schutzhaft“. Nach seiner Entlassung fand er Arbeit bei der Gießerei Johns (Schüttstraße), musste die Stelle aber bald wegen einer Bleivergiftung aufgeben. Er trat 1934 eine neue Stelle als Klempner bei der Klempnerei Breustedt in Heimfeld an (Postweg 13, heute: Alter Postweg).

„Kämpft gegen diese Mörder-, Hunger- und Bettelregierung“

Im Frühsommer 1935, nach einigen nationalsozialistischen Zerschlagungsversuchen der kommunistischen Organisationen wurde Plewa „Politischer Leiter“ des KPD-Unterbezirks zusammen mit August Kerbstadt aus Marmstorf, Heinrich Coors (dem früheren Harburger Leiter des Kommunistischen Jugendverbandes), Paul Reinke aus Heimfeld und Albert Karolczak, einem früheren Betriebsrat bei der Phoenix. Bald gab es wieder illegale Zellen der Kommunisten in Harburg-Stadtmitte, Heimfeld, Eißendorf, bei den Harburger Oelwerken Brinckmann & Mergell (Hobum), den Phoenix-Gummiwerken und den Harburger Eisen- und Bronzewerken (später Krupp, ThyssenKrupp, heute: Harburg-Freudenberger). Unterstützt wurde Plewa auch durch seine Ehefrau Johanna und seinen Bruder Karl.

Arbeiter & Agitator Foto:privat

Felix Plewa selbst unternahm spektakuläre Aktionen. Damals waren Knallkörper mit Zeitzünder im Handel. Plewa füllte sie mit sieben mal zwei Zentimeter großen Streuzetteln mit Parolen wie „Kämpft mit der KPD gegen diese Mörder-, Hunger- und Bettelregierung“ oder „Streik in Vegesack, Husum und Essen! Wehrt euch!“ Diese so präparierten Knallkörper befestigte er Anfang Juni 1935 an der Dachrinne des Arbeitsamtes am Großen Schippsee, den Zeitzünder stellte er auf den Öffnungsbeginn ein. Mitte Juli passierte das Gleiche zum Schichtwechsel bei F. Thörls Vereinigten Harburger Oelfabriken.

Nach dem 1. September 1939 wurde Felix Plewa eingezogen. Die KPD-Abschnittsleitungen wurden aufgelöst. Plewa war damals in Uetersen stationiert. Als seine Frau Johanna ihn dort besuchen wollte, erfuhr sie von seiner Verhaftung. Seine Enttarnung war Folge eines Verrats. Johanna fuhr sofort nach Hause, verständigte seinen Bruder Karl und schaffte illegales Material aus der Wohnung am Deichhausweg. Und kurz danach erschien wirklich die Gestapo, fand aber nun nichts Belastendes mehr vor.

Auch Bruder Karl Plewa war Kommunist und beteiligte sich an der illegalen Arbeit. Er arbeitete als Sanitäter auf der Phoenix. Als dort am 1. Mai eine „Führer-Rede“ übertragen wurde, schnitt er kurzerhand das Kabel durch. Im Herbst 1944 bekam er eine Vorladung zur Gestapo. Er tauchte daraufhin bis zum Kriegsende unter.

Beerdigung Anlass zu Demonstrationen

 Felix Plewa hingegen kam nach seiner Verhaftung im Gestapogefängnis Fuhlsbüttel in „Schutzhaft“ (vom 22. April bis zum 29. September 1942) und danach zum Holstenglacis in Untersuchungshaft. Am 24. Dezember wurde er nach Berlin-Moabit überstellt. In seiner Anklageschrift warf man ihm „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Wehrkraftzersetzung“ vor. Am 6. Januar 1943 wurde er zusammen mit Karl Nieter vom „Volksgerichtshof“ in Berlin zum Tode verurteilt und ins Hamburger Untersuchungsgefängnis zurückverlegt. Gnadengesuche von Familienangehörigen und Nachbarn aus dem Deichhausweg konnten nichts ausrichten. Am 9. März 1943 wurde Felix Plewa in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Die Gestapo warnte seinerzeit ausdrücklich davor, dass eine reguläre Bestattung Plewas in Harburg „Anlass zu Demonstrationen“ bilden könne. Der Leichnam wurde daraufhin an die medizinische Fakultät der Universität Berlin übergeben.

Kurz nach der Urteilsverkündung schreibt Felix Plewa einen letzten Brief an seine Frau Johanna, der beeindruckend zu lesen ist:

„Liebes Hannchen! Hamburg, dem 9.1.1943

Ich bin am 6.1.43, also an Opas Geburtstag, vom Volksgerichtshof Berlin zum Tode verurteilt. Das Wort „Tod“ hört sich grauenhaft an, aber es muss von dir abprallen und du selbst darfst darüber nicht nachdenken. So treu, wahrhaftig, mutig und tapfer du bis jetzt warst, so musst du auch bleiben. Du selbst, liebes Hannchen, gabst mir durch deine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit Kraft und Mut, und du hast mir das Leben an deiner Seite wirklich lebenswert gemacht.

„Das Leben gehört den Lebenden“

Wenn du diesen Brief gelesen hast, dann denke an die Kinder und an die Aufgaben, die du zu erfüllen hast. Das Leben gehört den Lebenden, und mein letzter Wunsch ist, dass du Lisa und Klein-Anke zu Menschen erziehst, die sich immer für das Wahre und Gute einsetzen werden und sich selbst treu bleiben.
Liebes Hannchen! Du bist noch jung, und das Leben steht noch vor dir. Weine nicht, denke daran, dass dein Leben den Kindern gehört und du selbst vom Leben das nehmen darfst, was zum Leben gehört: Glück und Zufriedenheit. Für das, was du mir als Kamerad und Frau gegeben hast, kann ich dir hiermit nur in Worten danken und werde, solange ich noch lebe, an dich und die Kinder denken und der bleiben, der ich war.
Ich muss jetzt schließen und bitte dich, alle guten und aufrechten Verwandten und Bekannten von mir zu grüßen. Vergiss nicht Kalli, Opa und Sophie.
Für dich, Lisa und Klein-Anke, viele, viele Küsse. Euer Vati
Wenn ich nicht mehr bin, dann vergiss mich, denn dein Leben gehört dir, Lisa, Klein-Anke und all den Guten, Ehrlichen und Aufrechten.“

© Hans-Joachim Meyer, www.gedenken-in-harburg.de

Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke

Direktlink zur Stolperstein-Initiative: www.stolpersteine-hamburg.de

Quellen: VVN-BdA Harburg (Hrsg.), Die anderen, S. 149ff., 248ff.; Hochmuth/Meyer, Streiflichter, S. 177, 180, 185f.; StaH, 242-1-II Gefängnisverwaltung II, Abl. 1998/1; StaH, 331-1-II Polizeibehörde II; StaH, 332-8 Meldewesen, A44, A46; StaH, Adressbücher Harburg-Wilhelmsburg und Hamburg; Sta Stade, K 425/2; Bundesarchiv Berlin, FFBS Nr. 2543, 2544; VVN, Komitee-Akten; Heyl/Maronde-Heyl, Abschlussbericht; Totenliste VAN.

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