Kreativgesellschaft Hamburg gGmbH – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Sat, 03 Dec 2022 14:16:58 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Förderprogramm gegen Leerstand wird fortgesetzt https://www.tiefgang.net/foerderprogramm-gegen-leerstand-wird-fortgesetzt/ Fri, 02 Dec 2022 23:39:55 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9546 [...]]]> Innenstädte funktionieren nicht mehr. Leerstände wirken wie ein Abgesang auf Fußgängerzonen. Kreative Nutzungen können Abhilfe schaffen. Mit Förderung der Eigentümer*innen …

Das offenbar erfolgreiche Programm „Frei_Fläche: Raum für kreative Zwischennutzung“ geht daher in die Verlängerung. Das hat am 30. November die Hamburger Bürgerschaft beschlossen. Bis zum 31.12.2023 sollen für das Programm, das von der Hamburg Kreativ Gesellschaft umgesetzt wird, rund 4,3 Millionen Euro aus dem regulären Haushalt der Freien und Hansestadt Hamburg zur Verfügung gestellt werden. Auch im ehemaligen Karstadt-Gebäude am Hauptbahnhof sollen unter dem Namen „Jupiter“ weiterhin Ausstellungen und Pop-ups stattfinden und kreative Konzepte umgesetzt werden.

Andreas Dressel, Finanzsenator: „Mit unserem Programm Frei_Fläche konnten wir die Innenstadt und die bezirklichen Zentren beim Wiederbeginn nach Corona gezielt unterstützen. Bedingt durch die Energiekrise bleibt dieses Thema auch in den kommenden Monaten aktuell und die Verlängerung des Programms für 2023 ist daher nur konsequent. 4,3 Mio. Euro stellen wir dafür zur Verfügung. Zahlreiche spannende Projekte wie zum Beispiel im ehemaligen Karstadt Sport-Gebäude an der Mönckebergstraße sind für eine Zwischennutzung aktiviert worden, viele weitere werden in den nächsten Monaten sicher folgen. Es sind Alle eingeladen, die Mittel kreativ zu nutzen!“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Das Programm Frei_Fläche ist in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn für die Stadt: Es verhindert Leerstand, gibt Kreativen den Raum für ihre innovativen Ideen und befördert den Wandel hin zu einer vielfältigen und lebendigen Stadt. Wir brauchen diese kreativen Impulse, um die Stadt zukunftsfähig zu machen. Viele spannende Projekte konnten in den letzten Monaten in der Innenstadt aber auch dezentral umgesetzt werden. Auf diesen guten Erfahrungen können wir nun mit Unterstützung der Bürgerschaft aufbauen.“

Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft: „Die Bürgerschaft kann sich für diese Entscheidung des Dankes vieler Kreativer in Hamburg sicher sein. Mit überzeugenden Konzepten nutzen sie die Chancen, ihre Leistungen und Produkte an Orten zu präsentieren, die sonst unerreichbar sind: Damit geben sie ihren Angeboten einen starken Schub vorwärts. Dass damit auch noch die Einkaufsquartiere bunter und lebendiger werden, zeigt wie effektiv und wirksam das Programm Frei_Fläche ist.“

Das Programm „Frei_Fläche: Raum für kreative Zwischennutzung“ wurde 2021 zur Bekämpfung des Leerstandes und Belebung der Innenstadt von der Finanzbehörde und der Behörde für Kultur und Medien gemeinsam mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft und dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) entwickelt. Es fußt auf dem im Juni 2021 beschlossenen Fonds für kreative Zwischennutzungen in Höhe von rund neun Millionen Euro und war zunächst bis Ende 2022 befristet.

Seit Programmstart konnten insgesamt 61 Projekte aus den Bereichen Mode- und Produktdesign, Kunst, Musik und Performance in 53 verschiedenen Einzelhandelsflächen in der Stadt realisiert werden. Entstanden sind temporäre Ateliers, Ausstellungsräume und Pop-up-Stores an zentralen Orten wie Neuer Wall, Alter Wall, Ballindamm, Hamburger Hof, Ladengeschäfte in Einkaufszentren wie dem Elbe Einkaufzentrum, dem Mundsburg Center oder dem Wandsbek Quarree. Mit dem ehemaligen Karstadt Sports in der Mönckebergstraße 2-4 konnte im Rahmen des Programms Deutschlands größte kreativwirtschaftliche Zwischennutzung realisiert werden: Auf sechs Etagen und rund 8.000 Quadratmetern sind Arbeitsräume, Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen entstanden.

Ein Großteil der Projekte soll auch im kommenden Jahr weitergeführt werden. Einen Überblick über die aktuell laufenden Projekte an den verschiedenen Standorten bietet die Projektwebseite www.frei-flaeche.de.

Infos zum Programm Frei_Fläche: Raum für kreative Zwischennutzung

Finanzbehörde und Behörde für Kultur und Medien haben gemeinsam mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft und dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) das Förderprogramm entwickelt. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft verantwortet die Umsetzung und vermittelt leerstehende Einzelhandelsflächen mit 1,50 Euro pro Quadratmeter zu sehr günstigen Konditionen an Hamburger Kreative zur Zwischennutzung. Damit werden dringend benötigte Räume für Kreative geöffnet und moderne Konzepte für eine lebendige und diverse Stadtentwicklung aufgezeigt. Gleichzeitig wird der für den stationären Einzelhandel schädliche Leerstand vermieden und die Einkaufsquartiere mit attraktiven, kulturellen Angeboten belebt. Die Vermieterinnen und Vermieter der Flächen erhalten für die Laufzeit sämtliche Nebenkosten erstattet.

Das Programm fußt auf dem im Juni 2021 beschlossenen Fonds für kreative Zwischennutzungen in Höhe von rund neun Millionen Euro und war zunächst bis Ende 2022 befristet. Mit dem Beschluss der Bürgerschaft kann dieses Projekt nun bis Ende 2023 verlängert werden.

Aktuelle Zahlen zum Programm (Stand: 15. November 2022)

Anzahl Kreativ-Konzepte auf der Plattform: 227

Anzahl Zwischennutzungen: 53

Zwischengenutzte Quadratmeter (kumuliert): 20.887,7 Quadratmeter

Durchschnittliche Flächengröße je Nutzung: 342,4 Quadratmeter

Durchschnittliche Nutzungsdauer: 226 Tage

Bisher am Programm beteiligte Immobilienunternehmen:

  • alstria office REIT-AG
  • ART-Invest Real Estate Funds GmbH
  • Becken Asset Management GmbH
  • CBRE GmbH
  • ECE Group GmbH & Co. KG
  • MOMENI Real Estate GmbH
  • Procom Property
  • Management AG
  • R+V Lebensversicherung AG
  • Union Investment Real Estate GmbH

Weiterführende Infos zum Programm finden Sie hier.

Programmflyer für die Immobilienwirtschaft: https://bit.ly/3CFF2jJ

 

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Karstadt goes Kultur https://www.tiefgang.net/karstadt-goes-kultur/ Fri, 17 Jun 2022 22:42:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9144 [...]]]> Kulturelle Zwischennutzung – in Harburg offenbar ein Fremdwort, in Hamburg City hingegen jetzt gleich auf 8.000 Quadratmetern und an prominenter Stelle …

Wie die Hamburger Kulturbehörde nun einer Pressemitteilung erklärt, übernimmt die städtische „Hamburg Kreativ Gesellschaft“ bis Ende des Jahres das rund 8.000 Quadratmeter große Karstadt Sport Gebäude und öffnet es für kreative Zwischennutzungen. Hamburgs bekannteste Einkaufsstraße wird so zum Ort der größten kreativwirtschaftlichen Zwischennutzung in Deutschland. In das ehemalige Karstadt Sport Gebäude an der Mönckebergstraße werden bis Ende des Jahres zahlreiche Kulturinstitutionen und Kreative einziehen. Rund 8.000 Quadratmeter Leerstand, verteilt auf sechs Geschosse, verwandeln sich für ein halbes Jahr zu temporären Ateliers, Ausstellungsflächen, Co-Working-Spaces und Produktionsorten. Möglich gemacht wird das umfangreiche Projekt über das Programm Frei_Fläche der Hamburg Kreativ Gesellschaft und dem Fonds für kreative Zwischennutzung, den der Senat im Juni 2021 beschlossen und mit neun Millionen Euro ausgestattet hat.

Dr. Andreas Dressel, Finanzsenator: „Für das Projekt Frei_Fläche ist die Zwischennutzung des ehemaligen Karstadt Sport Gebäudes ein toller Erfolg. Zusammen mit unserem Neustartfonds, den wir gerade noch einmal um 500.000 Euro aufgestockt haben, unterstützen wir mit dem Programm Frei_Fläche gezielt die Innenstadt und die bezirklichen Zentren beim Wiederbeginn nach Corona. Solche kreativwirtschaftlichen Nutzungen wie hier jetzt an der Mönckebergstraße und auch schon an zahlreichen anderen Orten in Hamburg sorgen für eine Belebung der Quartiere. Und es sind auch noch ausreichend Mittel vorhanden für viele weitere kreative Ideen überall in der Stadt. Mein Aufruf also: Nutzen Sie die Möglichkeiten unseres Programms Frei_Fläche!“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Es gibt in der Hamburger Innenstadt kaum einen exponierteren Ort als das ehemalige Gebäude von Karstadt Sport. Dass Besucherinnen und Besucher der City dort nun Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft aus Hamburg erleben können statt Leerstand, ist ein bemerkenswerter Erfolg des Programms Frei_Fläche. Auf rund 8.000 Quadratmetern finden Hamburger Kreative dort Raum für ihre Projekte. Die räumliche Nähe der vielfältigen Nutzerinnen und Nutzer wird sicher zu neuen Kooperationen führen und die unterschiedlichsten kulturellen Nutzungen werden auch ein Gewinn für die gesamte Innenstadt.“

Dr. Katja Wolframm, Leiterin Immobilienabteilung der Hamburg Kreativ Gesellschaft: „Ein großes Kaufhaus für die Kreativwirtschaft zu öffnen, war von Beginn an Idee und größte Herausforderung zugleich. Dass uns mit diesem Förderprogramm gelungen ist, was niemand und kein Konzept vorher vermochte, ist eine große Freude. In der Innenstadt ist bisher wenig Kreativwirtschaft erlebbar. An diesem zentralen Ort zu zeigen, welche Potentiale diese Branche hat, ist ein schönes Angebot für alle Besucherinnen und Besucher und eine Einladung an die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Immobilienwirtschaft. Türen auf, spannende sechs Monate stehen bevor.“

Die Hamburg Kreativ Gesellschaft übernimmt das ehemalige Kaufhaus von der R+V Lebensversicherung AG bis zum 31. Dezember 2022. Dafür zahlt sie sämtliche laufenden Nebenkosten, eine Miete wird nicht gezahlt. Für Kreativschaffende stellt die Hamburg Kreativ Gesellschaft die Flächen für 1,50 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung. Vermietet wird das Gebäude in viertel, halben oder auch ganzen Geschossen. Zwei Geschosse (EG und 2. OG) sind mit wechselnden Projekten wie Ausstellungen oder Festivals belegt, in den übrigen Etagen sind Projekte überwiegend über die gesamte Laufzeit vor Ort.

Das Programm Frei_Fläche wird aus dem Fonds für kreative Zwischennutzung des Senats finanziert und ist mit rund neun Millionen Euro ausgestattet. Seit Programmstart im Juli 2021 sind rund 19.466 Quadratmeter an Kreativschaffende aus Hamburg vermietet worden. Aus über 175 eingereichten Ideen für Zwischennutzungen konnten bereits 53 Konzepte mit Raumangeboten von Eigentümerinnen und Eigentümern gematcht und zu erfolgreich abgeschlossenen Förderanträgen geführt werden.

Infos zu den Förderprogrammen gibt es hier: kreativgesellschaft.org

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„Positiv in die Zukunft“ https://www.tiefgang.net/positiv-in-die-zukunft/ Fri, 03 Jul 2020 22:28:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7050 [...]]]> Im technischen Transformationsprozess hat die Musikwirtschaft manche Feder gelassen. Aber nicht alle. Auch dank einer Förderung des Music WorX Accelerators.

 

Nun gibt es wie jedes Jahr wieder eine Ausschreibung zur Förderung mit dem Tenro „jetzt erst recht!“

In der Mitteilung der Kreativgesellschaft Hamburg heißt es:

„Mit dem Music WorX Accelerator fördert die Hamburg Kreativ Gesellschaft 2020 gemeinsam mit der Behörde für Kultur und Medien erneut innovative Geschäftsideen aus der Musikwirtschaft. Die Bewerbungsphase läuft bis zum 13. Juli 2020.

Kreative Geschäftsideen und Innovationen treiben die Musikwirtschaft maßgeblich an. Nicht erst in Zeiten der Corona-Pandemie werden dringend Alternativen zu bestehenden Distributionswegen und neue, digitale Erlös- und Geschäftsmodelle gebraucht. Gemeinsam mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft unterstützt die Behörde für Kultur und Medien die Branche auf ihrem Weg durch Wandel und Krise: Im Music WorX Accelerator fördert die Kreativ Gesellschaft technologiebasierte Geschäftsideen, die die Musikwirtschaft in die Zukunft führen.

Gesucht: Innovative Gründerinnen und Gründer aus Europa

Bewerben können sich Gründerinnen und Gründer aus Hamburg, aber auch aus Deutschland und ganz Europa. Insbesondere sucht die Kreativ Gesellschaft nach Teams, die ihr Unternehmen noch nicht oder erst vor kurzem gegründet haben. Die Bewerbungsphase läuft bis zum 13. Juli 2020.

Music WorX ist einer der wenigen Acceleratoren weltweit, die sich explizit an Start-ups aus der Musikwirtschaft wenden. Ziel des Programms ist die Hamburger Musikbranche und ihr Innovationsökosystems zu stärken – damit die Stadt auch in Zukunft internationale Musikmetropole bleibt.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Corona-Krise stellt auch die Musikbranche vor große Herausforderungen. Insbesondere das ausfallende Live-Geschäft betrifft weite Teile der Branche. Es ist wichtig, dem mit Innovationen entgegenzutreten und neue Vertriebsansätze zu entwickeln und umzusetzen. Mit dem Förderprogramm Music WorX unterstützt Hamburg Gründerinnen und Gründer dabei, positiv in die Zukunft zu planen. Für die Musikbranche in Hamburg ist es von großer Bedeutung, das die Stadt gerade in schwierigen Zeiten für die internationale Gründerszene attraktiv ist und so, mit Kreativität, Mut und guten Ideen einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der Krise leistet.“

Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft: „Die Corona-Krise macht deutlich, dass über die Geschäftsmodelle in der Musikbranche ganz grundsätzlich nachgedacht werden muss. Das betrifft die Überwindung des Value Gaps ebenso wie die smarte Verbindung von digitalen und Live-Formaten. Wir suchen auch 2020 nach den besten Ideen für die Musikwirtschaft von morgen: Wir laden Pionier/innen aus ganz Europa ein, ihre Konzepte in Hamburg weiterzuentwickeln, hier Netzwerke aufzubauen und mittels Music WorX erfolgreich durchzustarten.“

Drei Monate, vier Teams

Die Kreativ Gesellschaft fördert maximal vier Teams pro Jahr. Der Accelerator läuft von Mitte August bis Anfang November 2020. In dieser Zeit entwickeln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Geschäftsidee weiter – unterstützt durch Experten und Expertinnen sowie Mentoren und Mentorinnen aus der Hamburger Musikwirtschaft. Darüber hinaus knüpfen die Gründerinnen und Gründer wertvolle Kontakte zu relevanten Branchenvertreterinnen und -vertretern.

Das Förderprogramm endet mit dem Music WorX Pitch: Hier präsentieren die Teams ihr Geschäftsmodell dem Hamburger Publikum, einer Fachjury und möglichen Investorinnen und Investoren. Die Gewinner des Pitches erhalten den mit 5.000 Euro dotierten Jurypreis.

Wichtig zu wissen: Music WorX wird öffentlich finanziert. Daher geben die Gründerinnen und Gründer keine Anteile ihres Unternehmens ab.

Bewerbung

Alle Infos zum Programm und das Bewerbungsformular finden Sie hier: kreativgesellschaft.org

Gern gesehen sind Konzepte, die der Musikindustrie helfen, die Coronakrise zu stemmen. Aber selbstverständlich sind auch andere innovative Ideen willkommen.“

 

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Wenn der shabby look zum Luxus wird https://www.tiefgang.net/gentrifizierung-was-ist-ursache-was-wirkung/ https://www.tiefgang.net/gentrifizierung-was-ist-ursache-was-wirkung/#respond Mon, 28 Nov 2016 16:32:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=65 [...]]]> Die explodierenden Immobilienpreise der norddeutschen Metropole werfen in der Kreativbranche grundsätzliche Fragen auf: ist Raum für Kunst und Kultur künftig noch bezahlbar? Eine einfache Antwort gibt es nicht.

Hamburg ist eine der deutschen Metropolen, in denen die Miet- und Eigentumspreise in den letzten Jahren regelrecht explodiert sind: seit der Jahrtausendwende sind laut Mieterbund die Nettokaltmieten alle zwei Jahre um mehr als 5% gestiegen. Lag die Durchschnittsmiete 2001 noch bei rd. 6,- € / qm lag sie 2015 bei guten 8,15 €.

Nicht anders bei denen, die es sich eher leisten können – die Eigentümer: lag im Jahr 2002 der mittlere Bodenrichtwert in Hamburg – also der Preis allein für das Grundstück, noch ohne, dass ein Stein gesetzt wurde – bei Grundstücken für Einfamilienhäuser noch bei durchschnittlich 272 Euro pro Quadratmeter, so stieg er bis 2012 mal eben auf 472 Euro pro Quadratmeter.

Hamburg ist also wahrlich ein teures Pflaster. Und die Gentrifizierung – also quasi die „Veredelung“ von Stadtteilen oder im Grunde des ganzen Stadtstaates, der Hamburg ja nun mal ist – sorgt nicht nur die linken Sozialpolitiker und -romantiker. Es sorgt und trifft auch und vor allem viele Kulturschaffende in der Nordmetropole. Denn reibt sich der Immobilienmakler die Hände, so scheint es, nimmt er zugleich dem Künstler die Butter vom Brot. Die einst hip gewordenen Lofts – einst alte, ausgediente Gewerbe-Etagen – sind heute vielmehr zum Wert-Begriff der Makler geworden und stehen für individuelle aber eben auch luxuriöse Lebensform. Wer sich das leisten kann, wird wohl eher selten auf die Idee kommen, ein Atelier der herkömmlichen Art betreiben zu wollen. „Shabby Look“ ist nicht mehr Ausdruck des „Ich hab nix, aber mache was draus“ sondern des „Ich hab was und gönne mir trashiges Ambiente!“ Shabby Look als Luxus.

Und hier trifft es Kulturschaffende in ihrem existentiellen Dasein. Sie verfügen selten über das finanzielle Vermögen für großzügige Räume. Dafür aber haben sie aber oft den Spirit und eben jene Schaffenskraft, aus shabby etwas Eigentümliches und Individuelles zu erschaffen. Was aber, wenn selbst das nicht mehr möglich ist? Wenn selbst leer stehende Gebäude eben leer bleiben, weil sie sich so „besser rechnen“. Ausgerechgnet ein Gesetz hat hier viel Unheil angerihctet: es erlaubt Immobilienbesitzern seit einigen Jahren, Gewinne aus gut laufenden Immobiliengeschäften steuerlich mit „Verlusten“ aus z.B. leer stehenden Gebäude gegen zurechnen – also im Grunde real erzielte Gewinne geringer zu versteuern. Und so zwar nicht unmittelbar, aber ebenso real erzielte Grundstückspreissteigerungen als „Verluste“ darzustellen.

Wie auch immer: es gibt kaum noch Probe- und Arbeitsräume für Kulturschaffende und es sieht wahrlich nicht nach Besserung aus. Und das Dumme: auch die Kulturschaffenden sind es immer wieder, die durch ihre Anwesenheit und ihr Vermögen aus shabby noch einen look gestalten, das I-Pünktchen setzen oder eben der Veredelung noch das schmucke Kunst-Krönchen aufsetzen. Aufwertung zur späteren Verwertung.

Wo aber ist eine Lösung in Sicht? Der Wegzug etwa nach Berlin war lange Zeit ein gangbarer Weg vieler Künstler auch aus Hamburg. Auch natürlich wegen des noch mondäneren Geistes der Hauptstadt. Doch auch in Berlin ist Gentrifizierung ja keine Unbekannte. Ein Blick in den Prenzlberg – ein schwäbisches Biotop im preußischen Berlin – spricht da Bände.

Der Zug aufs Land? Nichts für jene Künstler, die sich aus Multikultur, menschlichem Dasein und auch dem Scheitern speisen.

Oder eine Förderung wie etwa durch die Kreativgesellschaft Hamburg gGmbH – einem städtischen Tochterunternehmen, dass quasi indirekt und unter anderem Miete subventioniert, um künstlerischen und kreativen Potenzialen Möglichkeiten zu erhalten? Schon absurd. Statt beispielsweise städtische Gebäude schlichtweg  der Kunst freizugeben, wird eine geordnete Übergabe und indirekte Subvention zwischengeschaltet. So schlägt bei vielen geförderten Kulturinstitutionen ein erheblicher Teil der Fördermittel für Mieten an städtische Immobilenfirmen zu Buche. Ein Mehr an Fördermitteln kann so schnell in höheren Mieten in Rauch aufgehen. Oder anders gesagt: rechte Tasche – linke Tasche.  Das Geld fehlt letztlich dort, wo man es eigentlich vermutet und auch braucht: in der Kunst und Kultur.

Nun wird ein Gänge-Viertel nicht stetig wiederholbar sein und auch bleibt die Frage, ob der Konflikt „Recht auf Stadt/Leben/Kunst“ versus „Vermarktung/Veredelung/Verwertung der Stadt“ wirklich damit gelöst oder nicht vielmehr umgangen oder verschoben wurde. Und diese Art von Diskussion stellt sich auch nicht in den meisten „Außenbezirken“ der Stadt gar nicht. So auch nicht in Harburg. Aber Probe-Räume, Ateliers oder Lofts aus früheren Zeiten – die sind hier ebenso wenig bezahlbar oder vorhanden wie im Zentrum. Wo also wird die Kunst bleiben?

(10. Okt. 2016, HL)

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