KünstlerInnen sehen Buxtehude https://www.tiefgang.net Thu, 16 Nov 2017 15:19:15 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Die Schönheit der Schichtarbeit https://www.tiefgang.net/die-schoenheit-der-schichtarbeit/ Fri, 10 Nov 2017 23:46:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2473 [...]]]> Albrecht Dürer war für seinen lebendigen Hasen bekannt. Sie holte sich einen Preis für ihren toten Hasen: Birgit Jaenicke. Nun stellt sie in Buxtehude aus – auch Teile des Atelierbodens.

In der Pressemitteilung der Stadt Buxtehude heißt es:

„Buxtehude. Die letztjährige Gewinnerin des Kunstpreises „KünstlerInnen sehen Buxtehude“, Birgit Jaenicke, präsentiert im Buxtehuder Marschtorzwinger vom 12. November 2017 bis zum 7. Januar 2018 Malerei, Zeichnungen und Illustrationen aus drei Jahrzehnten. „Schönheit ist empfundener Rhythmus“ ist der bei Christian Morgenstern entlehnte Titel dieser Ausstellung, die offiziell am Samstag, 11. November, 15 Uhr, von Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt eröffnet wird. Einführende Worte spricht der Kunsthistoriker Dr. Wolf Jahn.

Die Hansestadt Buxtehude hatte die am Fleth – kaum 100 Meter vom Ausstellungsort entfernt – lebende und arbeitende Künstlerin zu dieser Ausstellung eingeladen, nachdem sie 2016 den mit 3.000 Euro dotierten Kunstpreis der Stadt gewonnen hatte. Birgit Jaenicke zeigt eine repräsentative Auswahl aus ihrem Schaffen von 1986 bis heute.

Farbschicht um Farbschicht

„Toter Feldhase oder das Ende eines Märchens“ heißt die Arbeit, mit der Birgit Jaenicke 2016 den Kunstpreis gewonnen hatte. Das mit Buntstiften/Aquarell gemalte Werk (50 mal 30 Zentimeter) erinnert in seiner Anmutung an die alten Meister. Dürers (lebender) Hase kommt dem Betrachter fast unweigerlich in den Sinn. Erst der ins Detail gehende Blick auf den toten Hasen zeigt, dass er aus rhythmischen Setzungen des Malwerkzeugs entstanden ist. Das sind auch die „Bodenarbeiten“. „Schönheit ist empfundener Rhythmus“ – hier offenbart sich eine Klammer zwischen den zunächst unterschiedlich anmutenden.

Birgit Jaenicke: Birke.

 Bei den Bodenarbeiten kommt nicht nur, was die Größe angeht, eine andere Dimension hinzu. Eine Gaze bildet ihre Basis. Auf ihr baut die Künstlerin in rhythmischer Bewegung Farbschicht um Farbschicht auf, so wie Wasser und Wind in der Natur rhythmisch formen. Die Reichweite des Arms, die Form des Pinsels, der Rhythmus der Bewegung bilden die Struktur. 100 Schichten und mehr liegen so bei einigen der Werke übereinander. Das Ergebnis sind bewegte und bewegende Flächen, deren Anmutung sich bei jedem Schritt des Betrachters um sie herum verändert.

Mit den Jahren abstrakter geworden

Birgit Jaenicke wurde 1958 in Mainz geboren, verbrachte ihre Schulzeit in Buxtehude und nahm 1980 ihr Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg auf. Sie schloss es 1985 mit einem Diplom als Grafikdesignerin ab, um sich gleich im Anschluss schwerpunktmäßig der freien Kunst zuzuwenden. Ihre Malerei und Pinselzeichnungen waren zunächst überwiegend gegenständlich orientiert, wurden aber Jahr für Jahr abstrakter. Werke aus dieser Zeit wie der Flöte spielende „Pan“ mit schwarzer Leimfarbe auf Wellpappe gezeichnet oder Pinselzeichnungen  auf Briefumschlägen  werden auf der Ausstellung im Zwinger zu sehen sein.

Boden- und Schichtarbeiten. (Foto: B. Jaenicke)

Während eines Stipendiums des Landes Schleswig-Holstein mit Studienaufenthalt im Künstlerhaus Cismar entstanden 1992 die ersten Werke, die sich vom Figürlichen lösten und ausschließlich aus Farbe und Form heraus wirkten. Auch die sogenannten Bildgegenstände aus dieser Zeit werden ausgestellt. Ein Stipendium der Deutschen Akademie Rom mit Studienaufenthalt in der Rom nahen Casa Baldi markierte eine erneute Entwicklung. Inspiriert durch die hügelige Landschaft und das intensive, schnell wechselnde Licht widmete sich Jaenicke der Herausforderung, die Gesetzmäßigkeiten in der Wirkung von Landschaft, Licht und Bewegung zu ergründen und in ihrer Malerei ein- und umzusetzen.

 Kunst aus dem Atelierboden

Nicht immer ist es der bewusste künstlerische Schaffensakt, der Bilder entstehen lässt: Beim Arbeiten auf den Fußböden ihrer Ateliers früher in Hamburg und heute in Buxtehude ging der Pinsel immer wieder über den Bildrand hinaus. Jahr um Jahr, Schicht um Schicht. So entstanden auf dem Atelierboden selbst Formen, Rhythmen und Strukturen, die an Landschaften erinnern. Birgit Jaenicke schnitt diese Landschaftsfragmente aus dem Atelierboden heraus und ordnete sie den zugehörigen Werken zu. Auch diese Zuordnungen werden Teil der Ausstellung sein.

Ein Haufen seltsamer Vögel

Und noch etwas vollkommen anderes ist für den Zwinger angekündigt: ein Haufen seltsamer Vögel. Denn seit 2015 arbeitet Birgit Jaenicke, die von 1990 bis 1995 zusammen mit Christa Mücke die Jugendkunstschule Buxtehude aufgebaut hatte und seit 1997 mit ihrer Familie wieder ganz in Buxtehude lebt, auch an einem Bilderbuch. Dessen Zeichnungen zeigen fleißige Amseleltern, träumende Gänse und sogar artistische Stare.“

Quelle: www.buxtehude.de

12. November 2017 bis 7. Januar 2018: Ausstellung „Schönheit ist empfundener Rhythmus“ – Malerei, Zeichnung und Illustration von Birgit Jaenicke aus drei Jahrzehnten im Marschtorzwinger, Liebfrauenkirchhof 1, 21614 Buxtehude

Öffnungszeiten: Di. – Fr. 16 bis 19 Uhr, Sa. & So. 11 bis 18 Uhr. Eröffnung: 11. November, 15 Uhr

Weitere Informationen zur Künstlerin: www.birgit-jaenicke.de

 

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Die Kunst der deformierten Milchtüten https://www.tiefgang.net/die-kunst-der-deformierten-milchtueten/ Sat, 12 Aug 2017 06:44:02 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1800 [...]]]> Der Kunstpreis sollte zum Thema der Verbrauchermesse passen. Vielleicht keine so gute Idee …

Im Frühjahr hatte die Stadt Buxtehude ihren jährlichen Kunstpreis ausgeschrieben. Wir berichteten: ´Tiefgang` vom 29. Apr. 2017)  Aber irgendwie war dieses Jahr etwas Sand im Getriebe. Aus der – immerhin humorvollen – Pressemitteilung der Stadt Buxtehude:

„Buxtehude. Nicken, Kopfschütteln, Lachen, Zweifeln, Reden. Ganz viel Reden – miteinander, aber auch übereinander: Ruhig und ereignislos, wie mancher gehofft hatte, war die Veranstaltung zur Verleihung des Preises „KünstlerInnen sehen Buxtehude“ 2017 am Abend des 09. Augusts nicht. Denn am Ende gab es eine Preisverleihung ohne Preisträger, eine emotionale Auseinandersetzung über Kunst, und die Entscheidung eines Künstlers, sein Bild gleich wieder mit nach Hause zu nehmen.

Doch der Reihe nach: 2017 gibt es keinen Preisträger des Wettbewerbs „KünstlerInnen sehen Buxtehude“. Die Jury hat stattdessen drei Werke lobend erwähnt und das Preisgeld unter den folgenden drei Künstler aufgeteilt; jeweils 1.000 Euro überreicht bekamen Jürgen K. F. Rohde für „Ja! Ja! / effiziente Milchkuh, deformierte Milchtüten“, Sven Brauer für „Wenn Kreise sich windig schließen“ und Britta Lange für „Ahoi Buxtehude!“.

14 Künstler hatten Werke eingereicht

Das diesjährige Motto des mit 3.000 Euro sehr gut dotierten Preises „KünstlerInnen sehen Buxtehude“ lautete – mit Bezug auf die für den 3. September geplante Verbrauchermesse „Vor-Ort-Fair-ändern“ – „Fair-ökologisch-nachhaltig“. Die Künstler waren aufgerufen, ein Werk zu schaffen, das sich sowohl dem ökologischen Thema als auch der Hansestadt Buxtehude widmet. 14 Künstler der Region waren dem Aufruf gefolgt und hatten ein Kunstwerk zum Thema eingereicht. Eine aus vier Personen bestehende Jury hatte getagt und die Entscheidung gefällt: „Die Jury hat sich einstimmig entschieden, den Preis als solchen in diesem Jahr nicht auszuloben“, heißt es in der Begründung, vorgelesen vom für Kultur zuständigen Fachgruppenleiter der Hansestadt Buxtehude Torsten Lange. Und weiter heißt es, in Absprache mit dem Sponsoren, der Sparkasse Harburg-Buxtehude, werde man „das Preisgeld den drei Werken, die sich aus künstlerischer Sicht am besten mit dem Themen ´fair-nachhaltig-ökologisch` auseinandergesetzt haben, zukommen zu lassen.“

Künstler diskutierten kontrovers

Diese Entscheidung stieß nicht nur auf offene Ohren. Einige Künstler diskutierten lebhaft darüber, ob eine solche Entscheidung fair sei, ob die Ausschreibungsbedingungen mit dem Urteil der Jury wirklich erfüllt worden wären und ob die Ausschreibungskriterien bei allen Werken tatsächlich erfüllt seien. Erwin Hilbert aus Tostedt wurde es dann offensichtlich zu viel: Er hängte sein vielbeachtetes Bild „Der verlorene Stachel des Buxtehuder Igels“ ab und verließ mit Bild die Veranstaltung. Im gut besuchten Marschtorzwinger entspann sich eine rege Diskussion über die ausgestellte Kunst im Anschluss an die Preisverleihung.

Interessierte können sich die 13 ausgestellten Werke – ein Mix aus Zeichnungen, Malerei, Kollagen sowie Glas- und Schmiedearbeiten – noch bis zum 10. September im Marschtorzwinger am Westfleth anschauen. Weil es in diesem Jahr keinen Preisträger gibt, wird es keine Einzelausstellung geben und keines der Werke des aktuellen Wettbewerbsjahrgangs wird in den Fundus der geht in den Fundus der Artothek übergehen.

(Quelle: Stadt Buxtehude)

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