Kulturausschuss Harburg https://www.tiefgang.net Fri, 11 Jan 2019 11:55:45 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Und jetzt die Nöldekestraße https://www.tiefgang.net/und-jetzt-die-noeldekestrasse/ Fri, 11 Jan 2019 23:27:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4764 [...]]]> Eine Große Anfrage zum Stand der Kultur in Harburg offenbarte, in welch´ desaströsem Zustand die Kultur im Süden wirklich ist. Nun kracht es wieder mächtig. (Teil 3)

Seit Jahren fordert die Initiative SuedKultur Ateliers und Proberäume für Kulturschaffende. Ohne Erfolg. Ob Musikproberäume oder Ateliers – seit Jahren verschlechtert sich die Situation. Und nun nimmt die Not mit der Aufkündigung der Proberäume in der Alten Wache in der Nöldekestraße 17 noch akut zu. Gleich rund vierzig Musiker stehen schon in den nächsten Wochen vor einem massiven Problem.

Die Initiative SuedKultur erhielt Ende der vergangenen Woche einen Hilferuf aus der Nöldekestraße 17 in Harburg. Die einstige Polizeiwache wurde vor einigen Jahren an einen privaten Investor veräußert, der dort auch Proberäume für etliche Harburger Musiker*innen  zuließ. Nun ändern sich in weiten Teilen des Gebäudes die Mietverhältnisse und den Bands wurde kurzerhand gekündigt. Der Vermieter versuchte durchaus Alternativen zu finden. Aber Musikproberäume sind so einfach nicht: es braucht Schalldämmung nach innen und außen. Und bei der aktuellen überhitzten Immobiliensituation ist eh wenig zu bekommen.

Dabei fordert SuedKultur seit Jahren, dass der Bezirk seiner Pflicht nachkommen möge, Proberäume zu er- und vermitteln. So jedenfalls sieht es die Richtlinie für Stadtteilkultur als Aufgabe des Bezirks: „Die Bezirksämter erfassen diese Bedarfe und Potenziale regelhaft und schreiben sie fort.“

Schon 2015 stellte selbst die Bezirksversammlung Harburg fest, dass „ein erheblicher Bedarf in Harburg an Probenräumen für Musiker besteht“ und um konkret zu helfen, startete SuedKultur eine Umfrage unter Harburger Musiker*innen, die auch in der Bezirks-Drucksache 20-0769.01 einfloß. Dort hieß es dann im Januar 2017 – also vor genau zwei Jahren:

„Ergebnis der umfangreichen Recherche ist, dass es im Bezirk Harburg nur vereinzelte Proberäume gibt. Diese sind alle vermietet und es werden Wartelisten geführt. Im Internet auf Vermittlungsportalen sowie auf ebay-kleinanzeigen.de gibt es keine Einträge für Proberäume in Harburg. Daher kann keine Gesamtanzahl an Proberäumen mitgeteilt werden. Es ist auch zu vermuten, dass viele Musiker in privaten Räumen proben. Ermittelt wurden einzelne Proberäume

  • beim Verein Elbdeich e.V. in Moorburg,
  • in drei ehemaligen öffentlichen Toiletten und
  • im Kellergeschoss des Gebäudes Nöldekestraße 17.

Zudem hat SuedKultur eine nicht repräsentative Umfrage durchgeführt, an der 48 Musiker/innen bzw. Bands teilgenommen haben. Von den 48 Teilnehmern/innen der Umfrage probten 19 – 27 (die Angaben waren nicht eindeutig) in Harburg. Die genaue Lage der weiteren Proberäume konnte nicht ermittelt werden.“

Seither sind sowohl die öffentlichen Toiletten als eben jetzt auch das Kellergeschoss in der Nöldekestraße nun hinfällig. Also weniger Proberäume statt mehr. Aber Musik machende Menschen sind es mehr statt weniger geworden.

Nun also stehen weitere 10 Bands mit rund 60 betroffenen Musikern nun unmittelbar vor einem massiven Problem. Denn wo kann geprobt werden? Ohne Proben keine Auftritte. Ohne Auftritte keine Konzertmöglichkeit. Ein harter Schlag für Harburgs Kulturlandschaft.

Bands wie Yellow Carpet, Trashkat, Stillleben, die Betty Ford House Band, A Life in a Minute, die zuweilen auch zum Programm der jährlichen SuedKultur Music-Night beitragen aber auch ein afghanisches Musikprojekt stehen vor dem Aus.

Mittlerweile hat SuedKultur selbst Kontakte zu potenziellen Investoren, um etwa Gebäude zu kaufen und langfristig zu Proberäumen umzubauen. Zudem in anderen Städten wie Dresden oder Köln man hervorragende Beispiele findet, wie man mit Gebäude allein für Proberäumen gar noch ein Geschäft mache kann. Aber all das verpufft, wenn es seitens des Bezirkes weder ein Bewusstsein oder gar eine grundlegende Unterstützung gibt.

Weder zeigte sich der Bezirk bisher in der Lage, Eigentümer leerstehender Gebäude zu ermitteln, wie das alte ZEWU-Gebäude an der Stader Straße. Noch bringt er die Fantasie auf, eigenen Leerstand sinnvoll nutzbar zu machen. Sei es das alte WC-Häuschen am Schwarzenberg-Campus, Ecke Bissinger Straße oder zum alten Häuschen an der Buxtehuder Straße gegenüber des neuen MÖMAX-Centers (siehe aktuelle Drs. 20-4317 der Neuen Liberalen).

Dabei wäre die Bezirksverwaltung wohl gut beraten, möglichst zeitnah einen Runden Tisch einzuberufen und ernsthaft an Problem-Lösungen statt –verschiebungen zu arbeiten. Denn wie will man seit Jahren vom Senat mehr Geld für Stadtteilkultur einfordern, wenn man seinen (wenn auch nicht rechtsverbindlichen) Aufgaben und Pflichten nicht nachkommt?

Und leider betrifft es ja nicht nur Proberäume für Musik sondern auch Ateliers etwa die für Bildende Kunst. Das Thema stiefmütterlich zu behandeln ist grob fahrlässig. Denn im Grunde sind es die Arbeitsplätze von Kulturschaffenden. Man muss sich mal vorstellen, sie bekämen ihre Büros gekündigt, sollen aber weiter Arbeitsergebnisse produzieren.

Neben den rund 60 Musikern, die nun durch die Aufkündigung der Proberäume in der Nöldekestraße betroffen sind, fällt auch die Raumnutzung eines St.-Pauli-Fanclubs und des Tischkickervereins Sidekick e.V. weg, zu dem weitere 60 aktive Mitglieder zählen.


siehe auch:

 

 

 

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Mehr Trubel hinter als auf der Bühne https://www.tiefgang.net/mehr-trubel-hinter-als-auf-der-buehne/ Fri, 13 Apr 2018 22:36:35 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3453 [...]]]> Die Freilichtbühne war in den letzten Jahren in aller Munde aber selten benutzt. Das soll sich nun ändern. Ändern könnte sich aber so manches mehr …

Einst regelmäßige Kultstätte (siehe z.B. Hamburger Abendblatt vom Juli 2010) der weit bekannten „Keine Knete trotzdem Fete“  kam sie 2012 und prompt im Bezirks-Wahlkampf unter die politischen Räder (Hamburger Abendblatt vom Juli 2012). Beschwert hatten sich Anwohner über Lärm und Dreck und von politischer Seite wurde bestimmt, dass elektrisch verstärkte Veranstaltungen nur noch selten und nur über wenige Stunden hin statt finden dürfen. Das Problem dabei: wer auch immer die Bühne nutzen will, muss sich selbst um Genehmigung, Gebühren, WCs, Wasseranschluss kümmern. Dazu eben dann Programm, Werbung, Abgaben und auf gutes Wetter hoffen. So lag es auf der Hand, dass zunehmend Veranstaltungen statt fanden, die eben auch eine Refinanzierung durch Getränkeumsatz ermöglichten: Techno-Parties und ähnliches. Durch die Beschränkungen, die sich eben gegen genau diese Art Veranstaltungen wandten, suchten sich die Veranstalter andere Plätze. Und fanden sie – auch in Süderelbe. Nämlich auf Privatgrundstücken, auf denen weder Gebühren, Anträge, Bestimmungen und anderes für Unmut sorgten.

So verwaiste die Bühne zusehends, bis dann 2015 gar noch eine Denkmalsanierung folgte – für gut 300.000,- €. (siehe Hamburger Abendblatt vom Juni 2013)

Nun also wieder eine schöne Bühne – leider aber ohne Nutzer.

Die Initiative SuedKultur freut sich natürlich grundsätzlich, wenn im Süden Hamburgs Kulturflächen genutzt werden können. Einige SuedKulturler hatten auch nach der Sanierung mit Teilender Verwaltung Harburgs bereits erste Ideen geschmiedet, wie es klappen könnte. Doch der Kulturausschuss der Bezirksversammlung entdeckte seinerzeit die Hamburger Kreativgesellschaft, die Flächen wie den Wilhelmsburger Elbinselpark „betreut“. Ihre „Dienste“ kosten nichts, weil es schon eine städtische Gesellschaft ist. Aber schon damals  war klar: mehr als die Nutzung per E-Mail-Verteiler feilbieten, werde auch dort nicht geleistet werden können. Und so gingen wieder zwei Jahre ins Land, in denen wenig und wenn dann eben doch Techno-Events zum Zuge kamen. (siehe Hamburger Abendblatt vom Okt. 2017)

Nun also – nach gut sechs Jahren – ein weiterer Versuch vom Bezirk selbst. Auch diesmal begrüßt die Initiative SuedKultur das Unterfangen. Sollte es dann auch noch nachfolgend möglich sein, die Restriktionen hinsichtlich Nutzungsdauer und Lautstärke wieder aufzuheben, wäre immerhin aus Fehlern gelernt.  Noch besser wäre, man nähme sich auch gleich offensiv der Thematik „Lärmschutzinteressen von Anwohner versus urbanen Veranstaltungen in zunehmend eng besiedelten Gebieten“ an. Damit  wäre vermutlich allen am meisten geholfen. Denn dass es allerorten in Hamburg Reibungsflächen gibt, ist bei zunehmender Bebauung und Zuzug von Menschen mit gleichzeitig steigender Nachfrage nach Unterhaltung und Kultur zwangsläufig. Und: es wird auch Harburg treffen. Ein Verzicht auf Gebühren zur Bühnennutzung könnte zudem den bezirklichen Willen unterstreichen, so dass auch Freiluft-Theater etc. bei Wetterkapriolen zumindest nicht mehr Schaden davon tragen als nötig. Andernorts wird dies durchaus praktiziert.

Aber seien wir realistisch: Harburg wäre nicht Harburg, würde es nicht stets auch Harburger Wege gehen. In diesem Sinne: Glück auf!

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In Harburg sagt man „tschüss“ https://www.tiefgang.net/in-harburg-sagt-man-tschuess/ Sat, 01 Jul 2017 06:38:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1521 [...]]]> Kunst muss man sich leisten können und Harburg hat ja kein Geld. Die alte Leier wird immer wieder bespielt. Nun fiel ihr wieder ein Kunstwerk zum Opfer.

Ist das Kunst oder kann das weg? Der Slogan gilt in Harburg nach wie vor. Trocken vermeldet das Bezirksamt am 28. Juni 2017: „Kunstwerk Neonstele wird abgebaut“ und erläutert dazu: „Alle Bemühungen, einen Sponsor für die Restaurierung des Kunstwerks zu finden, sind gescheitert. Das Bezirksamt Harburg verfügt nicht über die finanziellen Mittel, um die notwendigen Reparaturen auszuführen zu lassen. Der Künstler Valery Bugrov hat sich damit einverstanden erklärt, dass die Stele und der Spiegel abgebaut und entsorgt werden. Der Abbau erfolgt von Mittwoch, 28. Juni 2017, bis Donnerstag, 29. Juni 2017, durch eine Fachfirma.“ Bemerkenswert hierzu ist, dass der Kulturausschuss des Bezirks gar nicht erst in Kenntnis gesetzt war.

Das Werk von Bugrov entstand als „Kunst am Bau“ 1990 und ist eine „Auseinandersetzung mit der Wirkung von Licht in urbaner Umgebung. Akzentuierung der architektonischen Situation mit Lichteffekten. Bugrov hat hier erstmals einen Spiegel eingebunden, der das Licht durch rote Stele reflektiert.“ (netplanet-harburg)

Eine echte Attraktion: Bugrovs „Himmel und Erde“ in der Heide. (Foto: KV Springhornhof)

In der reichen Heide südlich von Harburg gibt es auch ein Kunstwerk von Bugrov namens „Himmel und Erde“. Es wurde 1991 installiert, aber nach nur einem Jahr von Unbekannten zerstört. Eine begehbare Plattform, die zwischen Sonnenstrahlen, Wolken und nachts auch Sternen eine kosmische Verbindung schafft. Immerhin nach ein paar Jahren sammelte der privat finanzierte Kunstverein Springhornhof genug Geld zusammen  und konnte das Objekt als „Himmel und Erde II“ neu platzieren. Seither gehört es zu einer der Kunstattraktionen der Lüneburger Heide. (siehe auch ´Der Spiegel` v. 25. Sept. 2000)

Vermutlich wurde seitens des Bezirks Harburg auch versäumt, hier eventuell mal nachzufragen, ob die Harburger Stele nicht dort weiter Verwendung haben könnte.

weiterführender Link: springhornhof.de

(30. Jun. 2017, hl)

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