Kulturelle Zwischennutzung – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 30 Apr 2025 14:14:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Harburgs Karstadt-Geister https://www.tiefgang.net/harburgs-karstadt-geister/ Fri, 25 Apr 2025 22:24:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11701 [...]]]> Ein Gespenst geht um in Harburg – das Gespenst der verpassten Möglichkeiten.

Seit der Schließung des Karstadt-Hauses klafft eine Wunde im Herzen des Stadtteils, ein leerstehender Gigant, der mehr sein könnte als nur eine Erinnerung an vergangene Konsumzeiten. Längst kursieren lebendige Visionen für eine kulturelle Wiederbelebung: Theaterbühnen, die sich entfalten, Kinoleinwände, die Geschichten erzählen, Literatur, die zum Austausch einlädt, Tanz, der den Beton zum Beben bringt, Musik, die die Stille durchbricht, und Kunst, die neue Perspektiven eröffnet. Ein pulsierendes Zentrum für Kultur, mitten in Harburg.

Doch die Realität scheint diesen Träumen einen kalten Wind entgegenzublasen. Die Fraktion der Linken in Harburg hatte dringende Fragen zur geplanten Zwischennutzung des ehemaligen Karstadt-Gebäudes an die Finanzbehörde gerichtet (Drs. 22-0561.01) – und die Antworten, die kamen, scheinen mehr Nebel zu werfen als Licht ins Dunkel. „Die Antwort der Finanzbehörde offenbart eine bemerkenswerte Intransparenz und lässt ein schlüssiges Konzept zur kostendeckenden Nutzung schmerzlich vermissen“, konstatiert die Partei.

Ein Kernproblem kristallisiert sich heraus: die Betriebskosten. Bereits Ende 2024 räumte die Sprinkenhof GmbH im Stadtentwicklungsausschuss ein, diese noch nicht zu kennen. Und die aktuelle Stellungnahme der Finanzbehörde? Sie schweigt sich weiterhin aus. Ohne eine klare Kalkulationsbasis aber, so argumentieren Kritiker, gleicht die mögliche Kostenumlage für potenzielle Zwischennutzer einem Blindflug.

Simon Dhemija, der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion Harburg, spitzt die Problematik zu: „Denn die pauschale Aussage, dass die Betriebskosten von der Anzahl und Art der Nutzungseinheiten abhängen, ist irreführend. Die explizite Frage nach der separaten Steuerung von Lüftungs-, Heizungs- und Wasseranlagen wird nämlich negativ beantwortet. Oder anders gesagt: man stellt Karstadt an oder aus.“ Diese „Alles-oder-Nichts“-Strategie in Bezug auf die Gebäudetechnik aber, so Dhemija, schränkt die Flexibilität und Wirtschaftlichkeit einer Teilnutzung erheblich ein. „Eigentlich müsste der Tenor lauten: umso mehr Fläche genutzt wird, um so effizienter!“

Auch die Kostenumlage für bereits erfolgte, temporäre Nutzungen wie des Museums oder den Flohmarkt Anfang März bleibt im Dunkeln. Statt detaillierter Abrechnungen werden lediglich „pauschale Vereinbarungen“ erwähnt, was eine nachvollziehbare Kostenverteilung unmöglich macht. Ebenso wenig wird transparent, welche Einnahmen durch diese Zwischennutzungen generiert wurden. Einblicke in die Wirtschaftlichkeit? Fehlanzeige.

Besonders brisant erscheint die Weigerung, den Berechnungsmodus für zukünftige Zwischennutzer offenzulegen. Die pauschale Verweisung auf „jeweilige Verträge“ und die Vereinbarung von „Pauschalen“ nährt den Verdacht, dass hier Intransparenz Methode hat. Eine nachvollziehbare Grundlage für eine faire Kostenbeteiligung? Scheint Mangelware.

Die abschließende Begründung der Finanzbehörde, aus Gründen des „Betriebs- und Geschäftsgeheimnisses“ von weiteren Informationen abzusehen, wirkt angesichts der Bedeutung einer öffentlichen Immobilie und dem Wunsch nach einer lebendigen kulturellen Zwischennutzung wenig stichhaltig. Hier geht es schließlich nicht um Wettbewerbsvorteile eines privaten Unternehmens, sondern um die Gestaltung öffentlichen Raumes und die Förderung kultureller Vielfalt.

Das Fazit der Linken fällt entsprechend deutlich aus: „Die Antwort der Finanzbehörde wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet.“ Die fehlende Transparenz bei den Betriebskosten, die unklaren Umlageschlüssel und die Weigerung, zukünftige Berechnungsmodelle zu erläutern, deuten entweder auf ein anhaltendes Fehlen belastbarer Daten oder gar auf ein mangelndes, durchdachtes Konzept für eine kostendeckende Zwischennutzung hin.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Bleibt zu hoffen, dass in den zuständigen Behörden doch noch ein Umdenken stattfindet, dass die Chance erkannt wird, das ehemalige Karstadt-Gebäude in Harburg in einen pulsierenden Ort der Kultur zu verwandeln. Denn eine lebendige Innenstadt braucht mehr als nur Handel – sie braucht Orte der Begegnung, der Inspiration und der kulturellen Teilhabe. Harburg hätte es verdient, dass die Geister des leerstehenden Kaufhauses endlich einer lebendigen, kulturellen Zukunft weichen.

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Karstadt goes Kultur https://www.tiefgang.net/karstadt-goes-kultur/ Fri, 17 Jun 2022 22:42:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9144 [...]]]> Kulturelle Zwischennutzung – in Harburg offenbar ein Fremdwort, in Hamburg City hingegen jetzt gleich auf 8.000 Quadratmetern und an prominenter Stelle …

Wie die Hamburger Kulturbehörde nun einer Pressemitteilung erklärt, übernimmt die städtische „Hamburg Kreativ Gesellschaft“ bis Ende des Jahres das rund 8.000 Quadratmeter große Karstadt Sport Gebäude und öffnet es für kreative Zwischennutzungen. Hamburgs bekannteste Einkaufsstraße wird so zum Ort der größten kreativwirtschaftlichen Zwischennutzung in Deutschland. In das ehemalige Karstadt Sport Gebäude an der Mönckebergstraße werden bis Ende des Jahres zahlreiche Kulturinstitutionen und Kreative einziehen. Rund 8.000 Quadratmeter Leerstand, verteilt auf sechs Geschosse, verwandeln sich für ein halbes Jahr zu temporären Ateliers, Ausstellungsflächen, Co-Working-Spaces und Produktionsorten. Möglich gemacht wird das umfangreiche Projekt über das Programm Frei_Fläche der Hamburg Kreativ Gesellschaft und dem Fonds für kreative Zwischennutzung, den der Senat im Juni 2021 beschlossen und mit neun Millionen Euro ausgestattet hat.

Dr. Andreas Dressel, Finanzsenator: „Für das Projekt Frei_Fläche ist die Zwischennutzung des ehemaligen Karstadt Sport Gebäudes ein toller Erfolg. Zusammen mit unserem Neustartfonds, den wir gerade noch einmal um 500.000 Euro aufgestockt haben, unterstützen wir mit dem Programm Frei_Fläche gezielt die Innenstadt und die bezirklichen Zentren beim Wiederbeginn nach Corona. Solche kreativwirtschaftlichen Nutzungen wie hier jetzt an der Mönckebergstraße und auch schon an zahlreichen anderen Orten in Hamburg sorgen für eine Belebung der Quartiere. Und es sind auch noch ausreichend Mittel vorhanden für viele weitere kreative Ideen überall in der Stadt. Mein Aufruf also: Nutzen Sie die Möglichkeiten unseres Programms Frei_Fläche!“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Es gibt in der Hamburger Innenstadt kaum einen exponierteren Ort als das ehemalige Gebäude von Karstadt Sport. Dass Besucherinnen und Besucher der City dort nun Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft aus Hamburg erleben können statt Leerstand, ist ein bemerkenswerter Erfolg des Programms Frei_Fläche. Auf rund 8.000 Quadratmetern finden Hamburger Kreative dort Raum für ihre Projekte. Die räumliche Nähe der vielfältigen Nutzerinnen und Nutzer wird sicher zu neuen Kooperationen führen und die unterschiedlichsten kulturellen Nutzungen werden auch ein Gewinn für die gesamte Innenstadt.“

Dr. Katja Wolframm, Leiterin Immobilienabteilung der Hamburg Kreativ Gesellschaft: „Ein großes Kaufhaus für die Kreativwirtschaft zu öffnen, war von Beginn an Idee und größte Herausforderung zugleich. Dass uns mit diesem Förderprogramm gelungen ist, was niemand und kein Konzept vorher vermochte, ist eine große Freude. In der Innenstadt ist bisher wenig Kreativwirtschaft erlebbar. An diesem zentralen Ort zu zeigen, welche Potentiale diese Branche hat, ist ein schönes Angebot für alle Besucherinnen und Besucher und eine Einladung an die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Immobilienwirtschaft. Türen auf, spannende sechs Monate stehen bevor.“

Die Hamburg Kreativ Gesellschaft übernimmt das ehemalige Kaufhaus von der R+V Lebensversicherung AG bis zum 31. Dezember 2022. Dafür zahlt sie sämtliche laufenden Nebenkosten, eine Miete wird nicht gezahlt. Für Kreativschaffende stellt die Hamburg Kreativ Gesellschaft die Flächen für 1,50 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung. Vermietet wird das Gebäude in viertel, halben oder auch ganzen Geschossen. Zwei Geschosse (EG und 2. OG) sind mit wechselnden Projekten wie Ausstellungen oder Festivals belegt, in den übrigen Etagen sind Projekte überwiegend über die gesamte Laufzeit vor Ort.

Das Programm Frei_Fläche wird aus dem Fonds für kreative Zwischennutzung des Senats finanziert und ist mit rund neun Millionen Euro ausgestattet. Seit Programmstart im Juli 2021 sind rund 19.466 Quadratmeter an Kreativschaffende aus Hamburg vermietet worden. Aus über 175 eingereichten Ideen für Zwischennutzungen konnten bereits 53 Konzepte mit Raumangeboten von Eigentümerinnen und Eigentümern gematcht und zu erfolgreich abgeschlossenen Förderanträgen geführt werden.

Infos zu den Förderprogrammen gibt es hier: kreativgesellschaft.org

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