Kuratorin Katharina Groth – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 02 Feb 2024 15:51:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Bossards grafisches Hauptwerk https://www.tiefgang.net/bossards-grafisches-hauptwerk/ Fri, 02 Feb 2024 23:12:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10548 [...]]]> Das Museumsjahr 2024 an der Kunststätte Bossard steht im Zeichen des 150. Geburtstages des Künstlers Johann Michael Bossard.

„Wir würdigen Johann Michael Bossard in einer Reihe von Veranstaltungen und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Künstler und seiner Zeit. Folgerichtig liegt der Fokus unserer drei Sonderausstellungen in diesem Jahr auf der Vielfalt seiner Arbeiten, seiner Schaffenskraft und seinem Leben an der Kunststätte“, so Heike Duisberg-Schleier bei der Eröffnung der ersten Sonderausstellung im Neuen Atelier in diesem Jahr.

„Das Jahr – Ein Kreis von Bildern und Gedichten von Johann Bossard“ Teil 1 zeigt 70 Werke, größtenteils Kunst auf Papier, von Johann Michael Bossard, aber auch eine Arbeit von Jutta Bossard. Im Mittelpunkt steht Bossards grafisches Hauptwerk, der Zyklus „Das Jahr“ mit insgesamt 53 Blättern, die den Kreislauf des Lebens anhand der Jahreszeiten thematisieren. Die ausgestellten Entwürfe, Studien, Skizzen, Druckplatten und Grafiken erlauben einen Einblick in die detailreiche Arbeitsweise des Künstlers. „Die Besucherinnen und Besucher erleben eine besondere Ausstellung mit Werkstattcharakter, denn sie können den Prozess der Entstehung der Grafiken vom Entwurf bis zum fertigen Werk nachverfolgen“, wie Heike Duisberg-Schleier hervorhebt.

Bossards Bilderzyklus „Das Jahr“ ist über den langen Zeitraum von 1903 bis 1921 entstanden. Die Kunststätte Bossard zeigt ihn erstmals vollständig in einer zweiteiligen Sonderausstellung. In Teil 1 sind vorwiegend die frühen Arbeiten um 1903 und 1904 zu sehen, sowie weitere Arbeiten aus dem Frühwerk des Künstlers. „Die Ausstellung zeigt akademisch anmutende Arbeiten. Johann Bossard hat gerade sein Studium beendet und war dabei, sich als freier Künstler zu etablieren“, erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Katharina Groth. „Bossards Arbeitsweise und Stil haben sich in den rund 20 Jahren bis zur Fertigstellung des Zyklus weiterentwickelt. Ein Prozess, den wir in unserer Sonderausstellung dank des umfangreichen Sammlungsbestandes aus dem Nachlass des Künstlers herausarbeiten können.“

Neben Wandtexten vermitteln Objektschilder Wissenswertes zu den ausgestellten Arbeiten und geben Querverweise zu Werken an der Kunststätte Bossard selbst. Ergänzt werden sie durch Ausstellungsstelen, in denen die Texte des Zyklus‘ nachzulesen sind. Diese hat Bossard selbst verfasst und in einer eigenen, nicht leicht zu lesenden Typografie gesetzt.

In einem Kuratorenvortrag am Donnerstag, dem 15. Februar 2024, führt Katharina Groth in das grafische Hauptwerk ein und ermöglicht einen intensiven Einstieg in die ausgestellten Arbeiten der Sonderausstellung. Beginn ist um 18 Uhr. Die Sonderausstellung ist täglich außer montags bis zum 25. Mai 2024 zu sehen. Teil 2 startet am 17. November 2024. www.bossard.de

 

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Der blinde Fleck https://www.tiefgang.net/der-blinde-fleck/ Fri, 19 May 2023 22:56:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9990 [...]]]> Bis zum 29. Oktober 2023 ist an der Kunststätte Bossard eine speziell für den Ausstellungsort entwickelte und produzierte skulpturale Intervention unter dem Titel „Der blinde Fleck“  zu sehen.

Für den doppelreihig angelegten Baumkreis, das sogenannte Omega, setzt der Hamburger Bildhauer Daniel Wrede das große Projekt »Der Blinde Fleck« um.

In seiner künstlerischen Arbeit setzt sich Wrede intensiv mit Material und dessen Wirkung und Bedeutung in unserer Gesellschaft auseinander. Den vom Künstlerehepaar Bossard angelegten Gartenraum eignet sich Wrede als Ausstellungsraum an, greift mit seiner Arbeit die Kreisform auf und verändert zeitlich begrenzt die Wahrnehmung dieses Ortes. Dabei hat er bewusst die räumliche Distanz zum Gebäudeensemble der Kunststätte gewählt. Mit dem ungewöhnlichen Material Gelatine, das sich durch Luftfeuchte und Temperatur verändert, hat er einen Anknüpfungspunkt zu Bossards Hauptthema »Werden und Vergehen« gefunden.

Die Arbeit »Der Blinde Fleck« lässt durch ihre Form, insgesamt 164 Zylinder aus mit gelbem Pigment versetzter Gelatine, und einer exakten Anordnung in zwei mal zwei Meter Abständen zahlreiche Assoziationen zu. So bietet Wredes Installation etwa die Möglichkeit, sich mit historischen Ereignissen aber auch mit der direkten Umgebung, der Kunststätte Bossard selbst, und den blinden Flecken in der eigenen Biografie auseinanderzusetzen.

Nach intensiver Recherche und einer Vorbereitungszeit von rund eineinhalb Jahre hat sich die Umsetzung der ortsspezifischen Installation letztlich gewandelt. Statt wie ursprünglich geplant auf eine monumentale und plakative Geste in Form eines einzigen großen Flecks zu setzen, zeigt sich das Werk vor Ort nun mit einzeln gesetzten Zylindern, die den Gästen der Ausstellung ein persönlich aktives Eintauchen in die Arbeit ermöglichen. Die Installation lässt damit auch die Vielschichtigkeit der Aufarbeitung zur Kunststätte Bossard sichtbar werden.

„Der Besucher wird Teil des Kunstwerkes, steht nicht davor, sondern kann in den einzelnen Reihen bewusst in den Dialog gehen, neue Perspektiven gewinnen und als Besucher Verantwortung übernehmen, sich mit diesem geschichtlichen Ort und mit seinen eigenen blinden Flecken auseinander zu setzen“, so Daniel Wrede. Ein Durchschreiten des Kunstwerks ist ausdrücklich gewünscht.

Die Kuratorin Katharina Groth holt mit Daniel Wrede erstmals einen zeitgenössischen Künstler an die Kunststätte Bossard, der sich intensiv und gezielt mit den aktuellen Diskussionen um das Künstlerehepaar Bossard beschäftigt. „Über die Auseinandersetzung mit seiner Arbeit stößt Daniel Wrede einen Dialog zwischen Werk und Betrachter und regt zum vertiefenden Nachdenken über das Gesamtkunstwerk Kunststätte Bossard, das Künstlerehepaar Bossard aber auch den Stellenwert von zeitgenössischer Kunst an“, betont sie. „Für die Kunststätte Bossard lässt sich über die Blinden Flecken in der Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk des Künstlerehepaars Bossard weiter an der aktuellen wissenschaftlichen Aufarbeitung nachdenken und die externe Forschung mit unserem Ausstellungsprogramm begleiten.“

Daniel Wrede wurde 1979 in Pinneberg geboren und lebt in Hamburg. Nach einer Ausbildung zum Bauzeichner im Hochbau und dem Studium des Kommunikationsdesigns wechselte er in die freie Kunst. An der Hochschule für Künste Bremen schloss er sein Studium 2015 mit dem Meisterschüler ab.

Die Ausstellung ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. www.bossard.de

KUNSTSTÄTTE BOSSARD | Bossardweg 95 | 21266 Jesteburg

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