Mia Raben https://www.tiefgang.net Thu, 09 Apr 2026 12:42:28 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Ein Fest der vollen Häuser https://www.tiefgang.net/ein-fest-der-vollen-haeuser/ Thu, 09 Apr 2026 22:58:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13602 [...]]]> Vier Wochen lang war der Hamburger Süden nicht wiederzuerkennen. Wo sonst der Alltag zwischen Pendelzügen und Hafenbecken taktet, regierten im März die Worte. Die 11. SuedLese ist Geschichte, aber der Nachhall dieses literarischen Marathons ist in Harburg, Wilhelmsburg und bis weit nach Buxtehude hinein noch deutlich zu spüren.

Unter dem passenden Motto Orte der Worte verwandelte sich die gesamte Region in eine einzige, pulsierende Bühne für alles, was zwischen zwei Buchdeckel passt – und oft weit darüber hinausging.

Es war ein Fest der vollen Häuser. Dass die SuedLese längst eine feste Institution ist, zeigte der enorme Andrang. Ob bei den großen Namen wie Michel Abdollahi, der trotz terminlicher Verschiebung für ungebrochene Begeisterung sorgte, oder in der intimen Atmosphäre von Claus-Peter Rathjens plattdeutscher Wohnzimmerlesung: Die Neugier des Publikums war grenzenlos. Wer zu spät kam, stand oft vor verschlossenen Türen – ein schönes Luxusproblem für die lokale Kulturszene.

Besonders hängen geblieben ist die Energie der Debüts. In Buxtehude feierte die Ladies Crime Night Premiere und bewies, dass Krimis im Zehn-Minuten-Takt mit echtem Adrenalin funktionieren. Wenn der Schuss vom Band die Lesezeit gnadenlos beendete, blieb das Publikum mit Cliffhangern zurück, die förmlich nach dem Gang zum Büchertisch schrien. Es ist genau dieser Mix aus Unterhaltung und Anspruch, den die Organisator*innen um Heiko Langanke so meisterhaft kuratieren.

Doch die SuedLese scheute auch die harten, schmerzhaften Themen nicht. Dominik Bloh berichtete in einer fast greifbaren Intensität von seinen Jahren auf der Straße und seinem Weg zurück in die Sichtbarkeit. Rina Schmeller brach im Speicher am Kaufhauskanal mit ihrem Debüt Co das Schweigen über Co-Abhängigkeit, während Mia Raben am Moorburger Elbdeich die unsichtbaren Geschichten polnischer Pendel-Migrant*innen beleuchtete. Diese Stimmen gaben dem Festival eine politische Relevanz, die weit über rein literarische Zirkel hinausreicht.

In den Gesprächen mit den Künstler*innen wurde deutlich, wie sehr die Orte die Texte prägen. Jan Simowitsch entführte seine Zuhörer*innen im Amtshaus Moisburg bis auf die Färöer-Inseln und ließ sie an seinem radikalen Ausbruch teilhaben. Kea von Garnier nutzte die raue Atmosphäre des Stellwerks im Harburger Bahnhof, um über die Verletzlichkeit junger Männer und das Patriarchat zu sprechen. Es sind genau diese Begegnungen auf Augenhöhe, die das Festival so nahbar machen.

Zum Abschluss setzte die belarussische Philosophin Olga Shparaga im Kulturhaus Süderelbe einen wichtigen Akzent. Ihr Bericht über den Mut der Frauen in Belarus und die Kraft der zivilen Solidarität erinnerte daran, dass Kultur und Freiheit untrennbar miteinander verwoben sind.

Organisator Heiko Langanke blickt auf einen rasanten Lauf zurück, der trotz mancher Debatten im Vorfeld die demokratische Grundhaltung des Festivals unterstrich. Sein Beharren auf der Eigenverantwortung der Orte und dem Respekt vor der künstlerischen Freiheit ist das Rückgrat der SuedLese. Wenn am Ende die Wangen der Besucher*innen noch vibrieren, wie es Jan Simowitsch hoffte, dann hat dieses Festival alles richtig gemacht. Der Hamburger Süden hat bewiesen, dass er nicht nur arbeiten, sondern auch leidenschaftlich zuhören und streiten kann. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Kapitel.

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Spiegel unserer Zeit https://www.tiefgang.net/spiegel-unserer-zeit/ Thu, 05 Mar 2026 23:48:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13347 [...]]]> Die SuedLese Literaturtage in Hamburgs Süden gehen in die 3. Woche: vom 17. bis 22. März zeigt das Festival eindrucksvoll, wie es gesellschaftliche Relevanz mit künstlerischer Leichtigkeit verwebt. Ein Spiegel unserer Zeit.

Es geht um das Recht auf Rechte, um geheime WGs und um einen Wal, der uns am Ende alle wieder ausspuckt. Es ist diese Mischung aus Tiefgang und Spielfreude, die den Hamburger Süden gerade zum pulsierenden Herz der Literaturszene macht.

Den Auftakt macht am Die., 17.3., 18.30 Uhr Rukiye Cankiran im Kulturhaus Süderelbe. In ihrem Buch Das Recht auf gleiche Rechte legt sie den Finger in eine Wunde, die wir oft allzu gern mit formalen Fortschritten überkleben. Warum klaffen Gesetz und gelebte Realität bei der Gleichstellung noch immer so weit auseinander? Cankiran ist eine Expertin darin, komplexe Strukturen für uns alle zugänglich zu machen, ohne dabei den Mut zu verlieren. Ein erhellender Abend, der zeigt: Gleichberechtigung ist kein Nischenthema, sondern das Fundament unserer Demokratie.

Wer lieber selbst aktiv werden möchte, findet am Wochenende gleich zwei spannende Möglichkeiten. Claudia Schneider lädt am 20./21.3. im Tor zur Welt dazu ein, den Sprung vom Zuschauersessel zur eigenen Szene zu wagen. Erst Theater schauen, dann selbst schreiben – ein kreativer Zündstoff, der ungeahnte Talente weckt. Parallel dazu zeigt Volker Butenschön am Sa., 21.3., 10.15 Uhr in Harburg, wie man jenseits der digitalen Perfektion mit Handlettering ganz persönliche Buchstabenwerke schafft. Es ist die Rückkehr zum Handgemachten, zum Skizzierten, zum Unperfekten.

Der Sa., 21.3., bietet dann die Qual der Wahl. In Wilhelmsburg entführt uns der preisgekrönte Nils Mohl um 18 Uhr in die Buchhandlung Lüdemann. Sein Roman Pepper ist eine berührende Suche nach dem unbekannten Vater, verpackt in eine WG-Geschichte voller Sprachwitz und Musik. Fast zeitgleich (20 Uhr) erzählt Mia Raben im Moorburger Elbdeich e.V. von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einer polnischen Pflegerin und einer Hamburger Matriarchin. Unter Dojczen ist ein Debüt, das feinfühlig und spöttisch zugleich die Grauzonen der häuslichen Pflege ausleuchtet. Wer es politischer und lauter mag, sollte ins Treffpunkthaus Heimfeld: Dort schlagen Anna Lisa Azur und Michael Klütgens um 20 Uhr mit Mann kann. Feminis Muss! – RELOADED zurück. Bissig, charmant und voller Wumms wird hier das Patriarchat zerpflückt.

Zum Abschluss der Woche wird es am So., 22.3., 17 Uhr in Moisburg fast schon mythisch. Jan Simowitsch präsentiert mit Und der Wal spuckt mich aus eine moderne Jona-Erzählung. Der Musiker und Autor verwebt seine Reiseerfahrungen von den Färöer-Inseln mit Klavierkompositionen zu einer Konzertlesung, die uns fragt: Wie bin ich hier eigentlich schon wieder reingeraten? Ein Abend über das Wagnis des Aufbruchs, der uns mit einer ganz besonderen Melancholie und Hoffnung in die neue Woche entlässt.

im Überblick:

Di., 17. März, 18.30 Uhr: Rukiye Cankiran – Das Recht auf gleiche Rechte, Kulturhaus Süderelbe, Am Johannisland 2, 21147 Hamburg; Eintritt: frei

Fr., 20. März, 18 Uhr & Sa., 21. März, 11 Uhr: Claudia Schneider – Theater trifft Text (Workshop), VHS Tor zur Welt, Krieterstraße 2D, 21109 Hamburg; Kursgebühr: 75 Euro

Sa., 21. März, 10.15 Uhr: Volker Butenschön – Handlettering (Workshop), VHS Harburg Carrée, Eddelbüttelstraße 47a, 21073 Hamburg; Kursgebühr: 51 Euro

Sa., 21. März, 18 Uhr: Nils Mohl – Pepper, Buchhandlung Lüdemann, Fährstraße 26, 21107 Hamburg; Eintritt: 12 Euro / erm. 6 Euro

Sa., 21. März, 20 Uhr: Mia Raben – Unter Dojczen, elbdeich e.V., Moorburger Elbdeich 249, 21079 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

Sa., 21. März, 20 Uhr: Mann kann. Feminis Muss! – RELOADED, Treffpunkthaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9, 21075 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

So., 22. März, 17 Uhr: Jan Simowitsch – Und der Wal spuckt mich aus, Kulturpunkt Moisburg, Auf dem Damm 5, 21647 Moisburg; Eintritt: 10 Euro

Das gesamte Programm unter www.suedlese.de

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‚Raus! Nur raus!‘ https://www.tiefgang.net/raus-nur-raus-2/ Fri, 30 Dec 2022 23:57:09 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9607 [...]]]> Ein literarischer Stadtführer erschien im Corona-Sommer 2020. Sein Erlös verhilft nun Autor*innen zu Stipendien, um den Blick nach Außen zu richten …

Im Corona-Sommer 2020 haben die Behörde für Kultur und Medien und das Literaturhaus Hamburg im Junius Verlag den Stadtführer „Raus! Nur raus! – Unterwegs zu Lieblingsorten der Hamburger Literatur“ herausgegeben. Die bisher mit dem Buchverkauf erzielten Erlöse von 18.000 Euro kommen nun den Hamburger Literaturschaffenden als Recherchestipendien zugute. Auf die erste Ausschreibung von drei Stipendien à 3.000 Euro haben sich 60 Autoren und Autorinnen sowie Comic-Zeichner und -Zeichnerinnen mit unterschiedlichen Recherchevorhaben beworben. Die Jury hat sich für die Roman- bzw. Comic-Projekte von Anselm Neft, Mia Raben und Xiju Tomorrow entschieden. Im Sommer 2023 werden drei weitere „Raus!-Nur-raus!“-Stipendien ausgeschrieben.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Das große Interesse an den Recherchestipendien belegt, wie groß das Bedürfnis von Autoren und Autorinnen nach der Pandemie ist, sich in der Welt umzuschauen und den Horizont zu erweitern. Recherchieren kann man eben am besten, wenn man rauskommt und andere Menschen und Kulturen kennenlernt. Das Stipendium ermöglicht Hamburger Autoren und Autorinnen – ganz nach dem Motto des literarischen Stadtführers ‚Raus! Nur raus!‘ – genau das. Mit dem Erlös des Buches finanzieren wir Stipendien, mit denen Hamburger Autorinnen und Autoren zu Recherchen die Grenzen der Stadt verlassen können.“

Anselm Neft, geboren 1973 in Bonn, studierte Vergleichende Religionswissenschaft, Vor- und Frühgeschichte, Volkskunde sowie Philosophie. Seit 2016 lebt er als Autor und Publizist in Hamburg, wo er gemeinsam mit Nefeli Kavouras den Literaturpodcast „Laxbrunch“ betreibt. 2018 las er auf Einladung von Nora Gomringer bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. 2019 erschien sein Roman „Die bessere Geschichte“ bei Rowohlt, und er erhielt die Sommerresidenz der Kulturbehörde im mare-Künstlerhaus. Im Frühjahr 2022 ist sein Roman „Späte Kinder“ ebenfalls bei Rowohlt erschienen. Mit dem „Raus! Nur raus!“-Stipendium möchte Anselm Neft nach Japan reisen, um Kōbe kennenzulernen, die Heimatstadt der Hauptfigur seines neuen Romans „Ein Nachruf auf Fukuro Hayashi“, und die moderne und klassische Kunst Japans zu studieren.

Mia Raben, geboren 1977 in Hamburg, studierte Politikwissenschaften und Europarecht, absolvierte ihren Master am Deutschen Literaturinstitut und arbeitete als freie Korrespondentin in Warschau. 2016 wurde sie zur Romanwerkstatt der Bayerischen Akademie des Schreibens im Literaturhaus München eingeladen. Das Albrecht-Lempp-Stipendium des Literarischen Colloquiums und des Polnischen Buchinstituts ermöglichte ihr einen Schreibaufenthalt in Krakau. 2022 erhielt sie das Stipendium des Künstlerdorfes Schöppingen. Mia Raben lebt als freie Journalistin in Hamburg. Das „Raus! Nur raus!“-Stipendium möchte Mia Raben nutzen, um in Łódź, der Geburtsstadt ihrer Mutter, für ihren Roman „Fallende Steine, die sich der Schwerkraft widersetzen“ zur polnischen Textilindustrie recherchieren.

Die Comic-Künstlerin Xiju Tomorrow, geboren 1988 in Tiel (Niederlande), ist freie Zeichnerin und hat an der HAW Illustration studiert. Ihre Arbeiten mischen Comic mit freier Zeichnung, Text und Bild, philosophische Auseinandersetzung mit Schaubild, weiten den Begriff der Erzählung und Zeichnung über das Blatt hinaus in den Raum hinein. Das „Raus! Nur raus!“-Stipendium wird Xiju Tomorrow in die USA führen, wo sie an drei Standorten der NASA für ihr Comic-Projekt „Frankenstine“ recherchieren möchte.

Informationen zur zweiten Ausschreibung der „Raus! Nur raus!“-Stipendien sind im Sommer 2023 über www.hamburg.de/bkm/literatur und www.literaturhaus-hamburg.de einzusehen.

 

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Ein Ziegel der Worte https://www.tiefgang.net/ein-ziegel-der-worte/ Fri, 02 Apr 2021 22:34:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7797 [...]]]> Über 50 Autor*innen aus Hamburgs Literaturkosmos – quasi in Stein gemeißelt und jetzt erhältlich: der ZIEGEL.

Das literarische Hamburg, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2021. Dies sind die Abenteuer­ von über 50 Autorinnen und Autoren. Für die 17. ZIEGEL-Ausgabe haben sie fremde Galaxien erforscht­, neues Leben und ein anderes Miteinander entdeckt. Sie sind »Überland« gereist, mit der »blauen Blume im Gepäck« zu einer »Fernerkundung« aufgebrochen und haben »Lazarus in den Dingen« gefunden. Sie haben einen »Sommer der Gespenster« erlebt, »Späte Kinder« gefunden und erfahren, »Was Glück ist«. Sie haben manchmal sich selbst vergessen, schweben gelernt und gesehen, dass »das Gras auf der anderen Seite nicht immer grüner“ ist. Während die Welt mit rasender Geschwindigkeit ins Stocken geriet, ist der ZIEGEL mit dem Credo Wir sind Astronauten aufgebrochen, um Zukunftsräume zu erkunden.

Der ZIEGEL, das Hamburger Jahrbuch für Literatur, ist seit Jahren in Umfang und Qualität eine im deutschsprachigen Raum einmalige Anthologie. Auch in diesen besonderen Zeiten ruft er die literarischen Stimmen Hamburgs zusammen – für ein dickes Buch und eine höchst kurzweilige Lektüre. In ihm finden sich Beiträge von Katharina Hagena, Stefan Beuse, Karen Köhler, Heinz Strunk, Anselm Neft, Ulla Hahn, Andreas Moster, Katrin Seddig, Marc Degens, Rasha Khayat, Nils Mohl, Till Raether, Ulrike Syha, Michael Weins, Ella Carina Werner, Dagrun Hintze, Sven Lenz, Sigrid Behrens, Hasune El-Choly, Sean Keller, Alexander Posch, Mia Raben, Magdalena Saiger und vielen anderen.

Illustriert wurde diese Ausgabe von dem Hamburger Zeichner Sascha Hommer. Mit ihm und seiner astronautischen Besatzung dringt der ZIEGEL in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

ZIEGEL #17 – Hamburger Jahrbuch für Literatur 2021, Hardcover, Zweifarbiger Innenteil mit farbigen Illustrationen und Titelprägung

536 Seiten, blaues Lesebändchen, pinkes Vorsatzpapier

ISBN 978-3-948722-07-4; Preis: 18,00 € inkl. MwSt, versandkostenfrei

»Hamburgs fetteste Lektüre.« Thomas André, Hamburger Abendblatt

www.mairisch.de

 

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