Norbert Hackbusch https://www.tiefgang.net Wed, 09 Feb 2022 10:53:06 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Hamburgs großer Stolperstein https://www.tiefgang.net/hamburgs-grosser-stolperstein/ Fri, 04 Feb 2022 23:50:12 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8749 [...]]]> Der Umgang mit Geschichte ist nicht immer einfach. Der Gedenkort des Hamburger Stadthauses zeigt dies. Und es scheint, man lernt.

Als vor einigen Jahren klar war, dass ein Investor aus dem Hamburger Stadthaus, im Nationalsozialismus berüchtigte Zentrale der Gestapo, ein Shopping-Center machen will, warne die Proteste groß. Als (kostengünstige) Lösung wurde letztlich ein Gedenk- und Lernort installiert, der durch eine private Buchhandlung „Lesesaal“ getragen werden sollte. Da dies alleine die Gemüter nicht besänftigte, wurde zudem auf dem Gehweg vor dem Gebäude eine Kunstinstallation ermöglicht, die symbolisch die historischen Brüche darstellen soll.

Nun meldete die Buchhandlung im Rahmen der Pandemie Insolvenz an und das Thema kam unwillkürlich erneut auf den Tisch der Politik. (siehe Tiefgang „Ende des Dreiklangs“ vom 29. Jan. 2022)

Nun hat die Hamburger Bürgerschaft schnell gelernt: der dortige Gedenkort zur Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wird erhalten bleiben – und sogar ausgeweitet. Dafür hat sich die Bürgerschaft am 2. Feb. 2022 ausgesprochen. Wie der NDR berichtete, kündigte Kultursenator Brosda an, der Gedenkort Stadthaus solle nun ein „großer Stolperstein“ in Hamburgs Zentrum werden. Der NDR ergänzte: „Die Linksfraktion hatte das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, nachdem die Betreiberin des Cafés mit Lesesaal schließen musste. Das Konzept dieses Gedenkformats sei damit endgültig gescheitert, sagte der Linken-Abgeordnete Norbert Hackbusch. Er forderte die Einrichtung eines zentralen Lern- und Gedenkorts für die Opfer des Nationalsozialismus, „aber auch für die Mitglieder des Widerstands“ an selber Stelle.“ (NDR vom 3.2.: „Hamburger Stadthaus soll zum „zentralen Stolperstein“ werden“)

Hierauf reagierten mittlerweile die Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen positiv und teilen mit: „Wir freuen uns über den breit getragenen Beschluss der Hamburger Bürgerschaft, die Verantwortung für den Gedenkort Stadthaus zu übernehmen. Wir begrüßen, dass der Kultursenator sich für die Übergabe der gesamten Fläche an die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte einsetzt. Damit wird aus dem Scheitern des Konzepts, Erinnern und Gedenken zu privatisieren die richtige Konsequenz gezogen: Erinnern und Gedenken müssen öffentliche Aufgaben bleiben!

Damit gibt es endlich eine Chance, zu einem tatsächlichen Gedenk- und Lernort im Stadthaus zu kommen. Der Kultursenator hat öffentlich angekündigt, die Kulturbehörde wolle den Gedenkort nun zusammen mit den Verfolgtenverbänden weiterentwickeln. Daran beteiligen wir uns gern.

Nun hat der Senator in der Bürgerschaft schon verkündet, im Fokus des Gedenkorts müssten die Täter:innen stehen. Auch aus unserer Sicht ist es wichtig, in der ehemaligen Zentrale des Nazi-Terrors in Hamburg zu fragen, wie es möglich war, dass innerhalb weniger Monate aus der Polizei der Weimarer Republik das Werkzeug dieses Terrors werden konnte. Allerdings: wir halten daran fest, dass auch der Widerstand gegen diesen Terror in die Mitte der Stadt zum Stadthaus gehört. Die Beschränkung auf die Täter an diesem Ort ist eine nicht nachvollziehbare und eindimensionale Sicht der Geschichte, die wir als Opferverbände so nicht hinnehmen können und werden. Den zahllosen dort Verhafteten, Verhörten, Gefolterten und Gequälten und den Ermordeten von 1933 bis mindestens 1943 muss würdig und angemessen vor Ort gedacht werden!

Wir wünschen uns, dass über diese Fragen mit uns gesprochen wird, bevor neue Festlegungen über Fokus und Gestaltung der „gesamten Fläche“ getroffen werden.“

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Entdecke Dich durch Kunst https://www.tiefgang.net/entdecke-dich-durch-kunst/ Fri, 25 Jan 2019 23:05:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4805 [...]]]> Was ein Auflauf! Vergangenen Mittwoch lud die Initiative SuedKultur zur Einweihung der Kunstleihe für Harburg und ganz Hamburg und der Andrang war groß! Ab Sonntag darf dann jeder leihen.Im Obergeschoss des Kulturprojektes „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche Neue Str. 44 im Harburger Zentrum wurde es kurz nach 18 Uhr sichtlich eng. Das Team vom Irish Pub „The Old Dubliner“ aus der Nachbarschaft reichte Sekt und Häppchen, ein Quartett der Akademie für Musik und Kultur aus Harburgs Hafen spielte auf und knapp hundert Menschen tummelten sich inmitten von Kunst verschiedenster Machart. SuedKultur  im wahrsten Sinne.

v.l. Metin Hakverdi, Heiko Langanke, Dr. Jenny Svensson, Ansgar Wimmer (Foto: Muammer Kazanci)

Unter den Gästen fanden sich neben den sich für die Kunstleihe engagierten Institutionen Stiftungen Alfred Toepfer Stiftung, Ansgar Wimmer, Dr. Jenny Svensson von der Claussen Simon Stiftung , Joachim Bode vom Eisenbahner Bauverein wie auch Anke de Vries vom einstigen Kunstverein Kobalt Kunst international auch Prominenz wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi.

Aus der örtlichen Bezirkspolitik glänzten Heinke Ehlers und Jürgen Marek von den Grünen, aus der Bürgerschaft kam Norbert Hackbusch von der Linken. Für die Verwaltung kam stellvertretend für die Bezirksamtsleiterin Sonja Fredenhagen die auch für Kulturfragen zuständige Sozialdezernentin Dr. Anke Jobmann, vom Berufsverband der Bildenden Künste der Vorsitzende Alfred Stephan Mattes und auch das Präsidium samt Mitgliedern der dort aktiven Kunstinitiative der Technischen Universität Hamburg mit Dr. Ralf Grote oder auch Jens Brauer vom Stadtmuseum Harburg waren zugegen. Aus Buxtehude kam die Leiterin der Artothek Buxtehude, Susanne Wiegel und vom Landesverband der Artotheken Schleswig-Holstein kam Stephan Tresp. Und etliche Kunstinteressierte mehr kamen zusammen.

Jürgen Marek und Jürgen Havlik

Und am Sonntag (27. Januar) von 12 bis 17h ist nun die Kunstleihe erstmals der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich und wer will kann dann „Kunst auf Zeit“ für Zuhause, das Büro, die Kanzlei oder andere Orte entleihen.

Besonders wichtig ist den Initiator*innen der bildungsrelevante Ansatz. Mit Kunst seine persönlichen Erfahrungen zu machen, sie einfach mal in den eigenen vier Wänden, in KiTas, im Büro, der Arztpraxis oder Anwaltskanzlei über eine längere Zeit „wirken“ zu lassen, rufe bei den meisten ganz automatisch Veränderungen hervor. War es bei der spontanen Auswahl vielleicht noch die passende Farbe zum Sofa, ist es wenige Tage später doch vielleicht die Vieldeutigkeit des Motivs, die Technik oder Wirkung in unterschiedlichen Launen oder Lichtern.

Die Kunstleihe Harburg legt den Schwerpunkt dabei vor allem auf die zeitgenössische Kunst und auf die regionalen Künstler*innen. Denn so wie die Kunstvermittlung auf der einen Seite wirke, ist es zugleich eine Würdigung der lokalen Akteur*innen auf der anderen Seite. Im Bezirk Harburg, so ergab u.a. die einjährige Recherche der Initiator*innen, gibt es rund 100 Künstler*innen , die hier leben und / oder arbeiten und ausstellen. Ihnen mehr Wahrnehmung zu verschaffen und abseits der ohnehin statt findenden Einzelausstellungen Hilfestellung bei der Präsentation ihrer Kunst zu geben, ist eines der Ziele der Kunstleihe.

Dr. Ralf Grote (rechts) vom Präsidium der TUHH überreicht ein Werk für die Kunstleihe.

Denn Harburg kann auf eine große Kunsttradition pochen. Es sind nicht allein die bundes- oder landesweiten relevanten Kunstorte wie die Falckenberg-Sammlung, der Kunstverein Harburger Bahnhof oder die Reihe „Kunst verbindet“ des hit-Technologieparks in Harburg, die das Kunstleben von Hamburgs Süden bestimmen. Es gibt auch etliche Ausstellungen und recht regelmäßige Orte auf lokaler Ebene. Ob vom Kunst- und Kulturverein „Alles wird schön“, die seit 40 Jahren stattfindenden Ausstellungen in der Bücherhalle Harburg, seit 15 Jahren der Harburger Kulturtag, das Atelier Seils, Kunst im Kulturhaus Süderelbe, Kulturcafé komm Du, der Kulturwerkstatt Harburg, der Fischhalle, des Ateliers Malrausch, im AKH Krankenhaus Harburg, der Kunstinitiative der Technischen Universität TUHH, den Moorburger Vereinen eldbeich e.V. oder Moorburger Art e.V.  oder der Initiative wattenbergArt – sie alle präsentieren alltäglich Kunstwerke vornehmlich lokaler Künstler*innen und haben auch ein Publikum dafür. Die Recherche ergab, dass über 70.000 Menschen jährlich allein deren Ausstellungen aber auch Kunstkurse frequentieren. Und umso größer die Wahrnehmung dieser Kunst, um so eher ist natürlich auch gegeben, dass diese Kunst gekauft wird.

Kunstleihen – meist als Artothek bezeichnet – gibt es seit den 80er Jahren in der ganzen Bundesrepublik. Als Pendant zu Biblio-, Video- oder Mediatheken kann man bei ihnen Kunst leihen. In Hamburg gab es das bisher nicht, was die Initiative SuedKultur über die Kunstleihe HH-Harburg nun ändert.

Zu leihen sind vorwiegend Werke lokaler Künstler*innen und in Formaten, die eben leihbar sind. Ob Drucke, Fotos, Stiche, Acryl- oder Ölbilder oder auch kleinere Plastiken – die Vielzahl ist nicht nur in den Techniken als auch in den Motiven und Stilisten breit aufgestellt. Und die Kunstleihe startet mit rund 100 Werken.

Das ist auch bei der zu den Ausstellungen ergänzend startenden Kunstleihe ein wünschenswerter Effekt, damit Kunst eben nicht brotlos bleibt. Ihr vorrangiges Ziel ist es aber nicht. Es ist wirklich die Auseinandersetzung mit Kunst auf Zeit. Immer mal etwas anderes an der Wand hängen zu haben, ist immer eine neue Auseinandersetzung. Und wenn es mal nicht gefällt, tauscht man es einfach schnell gegen ein anderes.

Impuls & Vorgeschichte:

Der Impuls zur ersten Hamburger Kunstleihe kam im Januar 2017 in einer Sitzung des bezirklichen Kulturausschusses. Dort lag eine Anfrage eines Verwaltungsmitarbeiters vor. Dieser hatte in den Verwaltungsgebäuden ein ihn offenbar beeindruckendes Werk gesehen, das aber leicht beschädigt war. Da er nicht wusste, wem es überhaupt gehört, ließ er auf dem Amtsweg nach Eigentümer und der Möglichkeit der Reparatur fragen. Es stellte sich heraus, dass es dem Harburger Verein „Künstler zu Gast in Harburg“ gehört, der jährlich Stipendiaten als „artists in residence“ nach arburgHarburg einlädt. Zum Ende ihrer Arbeitsphase erwirbt der Verein von ihnen zudem eines der zu der Zeit geschaffenen  Werke und überlässt sie dem Bezirk, um etwa Büroräume aufzuwerten. Eine Art interne Artothek. Aber warum nur für Behörden? Und schon war die Idee geboren.

Stephan Tresp übermittelt Glückwünsche.

Entwicklung:

Es bildete sich so im Frühjahr 2017 von der Initiative SuedKultur, in der sich rund 50 Kulturinstitutionen des Hamburger Südens vereinen, schnell eine mehrköpfige Arbeitsgruppe, die das Thema genauer ergründete. Recht bald stand auch fest: offenbar hatte seit den 80er Jahren in den wenigsten Fällen eine Artothek aus Kostengründen wohl aber aufgrund mangelnder Leidenschaft der Akteur*innen geschlossen. Andererseits gibt es viele Arten von Kunstleihen und –ansätzen. Wie würde es also am besten für Hamburg passen?

Ein Antrag im bezirklichen Kulturausschuss, von dem man sich erhoffte, das Thema zumindest mit ein wenig Reisekosten unterstützt zu bekommen, lief ins Leere; Doch die Hamburger Alfred Toepfer Stiftung FVS zeigte sich dem Thema gegenüber offen und bewilligte einstweilen 2.000,- €. Und so wurde alsbald Norbert Weber vom Landesverband der Artotheken Schleswig-Holstein eingeladen, um weitere Möglichkeiten, Probleme aber auch Aspekte der Kooperation sowie inhaltliche Facetten zu beleuchten. Es folgten ein Besuch der Stadtgalerie und Stadtbilderei Kiel, die erfolgreich und enthusiastisch eine Kunstleihe auch für Firmen und ihre Büros betreibt. Ein Besuch in der nahegelegenen Artothek in Buxtehude schärfte die Perspektive für die lokalen Künstler*innen und die fundamentale Vermittlungsarbeit für die Kunst. Die Jahrestagung der Schleswig-Holsteinischen Artotheken im süddänischen Apenrade folgten wie auch der Besuch des Kunst- und Kulturzentrums sowie ihrer Artothek in Sonderburg. Am Ende standen nicht nur eine Vielzahl an Eindrücken sondern auch konkreter Austausch, Möglichkeiten der Ausrichtung sowie der Machbarkeit zur Verfügung.

Die Harburger Kunstgruppe wurde 2017 zudem auf die leerstehende Kantine des Rathauses Harburg aufmerksam gemacht, die aber dann 2018 auf einmal nicht mehr zur Verfügung stand, da dort auf Dauer Akten gelagert werden.

In dem Umwidmungsprojekt „3falt“ der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche in Harburg Neue Str. 44 kam dann im Sommer 2018 plötzlich ein Raum in Betracht, der hinsichtlich Lage, Größe und Möglichkeiten nahezu ideal scheint und auch schnell von weiteren Bildenden Künstler*innen für Kunst-Workshops und –Kurse adaptiert wurde.

Volles Haus zur Einweihung.

Alsbald ergab auch der Austausch mit der Kunstinitiative der TUHH, dass diese selbst auch Kunstwerke ihrer Ausstellungen erwirbt und ihren Studierenden und Mitarbeitenden für ihre Arbeitsräume zur Verfügung stellen will. Eines brachte Dr. Ralf Grote vom Präsidium der TUHH auch gleich mit. „Die Kunstleihe ist eine wunderbare Aktion, die wir liebend gerne unterstützen“, so Grote bei der Einweihung. „Auch wir haben ja jede Menge Kunstausstellungen in unseren Institutsräumen und meist behalten wir von den Künstlerinnen und Künstlern eines bei uns“. Und so übergab er eine Fotoarbeit von Monika Vollmer, die Ende letzten Jahres mit der Ausstellung „Wandel – Verwandlung“ sich mit dem aktuellen Thema Braunkohle und Klimawandel beschäftigte. Ebenso als Eröffnungsgabe hatte Jens Brauer, Leiter des Stadtmuseums Harburg einen Druck des Merians mit einer Harburger Stadtansicht des 17. Jahrhunderts mitgebracht. Darauf besonders schön zu sehne, die einstige Dreifaltigkeitskirche, in der die Kunstleihe nun eröffnet.

Ein persönlicher Kontakt von Toepfer-Stiftungs-Vorstand Ansgar Wimmer führte dazu, dass ein privater Sammler sich von der Idee angetan zeigte und bei der altersbedingten Verkleinerung seines Haushaltes einen beträchtlichen Teil seiner Sammlungen zeitgenössischer und teils bundesweit renommierten Kunst ebenso als Leihgabe an die Kunstleihe abtrat. „Es gibt sicher viele bürgerliche Haushalte, die kaum noch wissen, wohin mit all der Kunst! Vielleicht eine gute Anregung, Kunst allen zugänglich zu machen!“

Andreas Patommel v.d. Bücherhalle Harburg (links) und Prof. Michael Ganß im Diskurs.

Der Kontakt wiederum zur renommierten Claussen-Simon-Stiftung Hamburg, die in verschiedenen Kulturgenres jährlich Stipendien vergibt, ergab eine Schenkung der Stiftung von insgesamt acht Werken aktueller Stipendiat*innen. Von denen stammt der Photograf Philipp Meuser direkt aus dem Bezirk Harburg. Zwei weitere Künstlerinnen (Linda Hollkott und Simone Karl) wiesen zumindest durch ihre Kunst einen starken regionalen Bezug auf, da sie beispielsweise in den Phoenixhallen schon ausstellten.

Ein weiterer Austausch mit der benachbarten Dependance „arts & change“ der Medical School Hamburg will sich künftig zudem einem Kursangebot an. Unter Federführung von Prof. Michael Ganß soll elementare und erlebbare Kunstvermittlung für Kleinkinder über Schulen bis hin ins hohe Alter erarbeitet werden und anhand der Kunstleihe-Werke direkt vor Ort erfahrbar machen, welche Wirkung Kunst in vielen Belangen des Alltags hat.

Und das war den ganzen Abend über zu spüren: angeregte Gespräche vor allem über Kunst aber auch das Kulturprojekt 3falt, über Harburg und sein kulturelles Miteinander allerorten.

Ziele:

Aus all den recherchierten und erfahrenen Eindrücken kam die Arbeitsgruppe zu der Überzeugung, dass es in einer Millionenstadt Hamburg am Sinnvollsten ist, die Kunstleihe bezirklich zu organisieren. Damit wäre ein unmittelbarer Bezug in die Nachbarschaft gegeben, der Austausch über Kunst wäre konkret und nahbar und die Vermittlung demnach vermutlich individueller und vor allem leidenschaftlicher. Um aber die Kunstleihe zum keinen politischen Strömungen und Wechseln auszusetzen, zum anderen optional auf ganz Hamburg ausweiten zu können, soll der Kunstfundus sowie Ausleihebetrieb alsbald in eine kleine, unabhängige Stiftung eingebracht werden. Eine renommierte Hamburger Anwaltskanzlei (Rose & Partner) war von der Idee angetan und erarbeitete alsbald pro bono die rechtliche Konstruktion.

Die Stiftung wird die Kunst selbst als Kapitalstock vorhalten und kann aber auch durch öffentliche Zuwendungen gefördert werden. Abhängig sollte sie aber von eben diesen nicht werden. Unter dem Dach der Stiftung könnte dann aus jedem Bezirk eine weitere Kunstleihe entstehen, die sich unabhängig organisieren, aber die Struktur der Stiftung nutzen kann.

Unterstützer:

Bisher waren es also allen voran die Alfred Toepfer-Stiftung, die nicht nur durch die erste Unterstützung zur Recherche sondern auch dem Voranbringen bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht genug gedankt werden kann, aber auch die Eisenbahnbauverein Genossenschaft sowie der lokale und nun  leider aufgelöste Kunstverein „Kobalt Kunst international e.V.“ sowie die Claussen-Simon-Stiftung, ohne die das Projekt nicht zur Verwirklichung gekommen wäre. Aber es sind auch die zahlreichen Künstler*innen vor Ort gewesen, die die Idee immer weiter trieben, die unzähligen Gespräche, die die Leidenschaft und die unzähligen Aspekte von Kunst bereichernd einbrachten und bringen. Und letztlich alle Partner der Initiative SuedKultur, die seit nunmehr 12 Jahren besteht und nun neben einer jährlichen Music-Night für Musik und den Literaturtagen Suedlese nun auch einen weiteren Schwerpunkt für die Bildenden Kunst in Hamburgs Süden setzen konnte. 

Plakat zur Kunstleihe

Die Ausleihe

Erste offizielle Öffnungstage:

So., 27. Jan in der Zeit von 12-17 Uhr sowie Sonntag, der 3. Februar ebenso von 12-17h.

Wer Kunst dann direkt entleihen möchte, möge daran denken, seinen Personalausweis, 12 € einmalige Erfassungsgebühr sowie die Entleihgebühr in Höhe von 6,- €  je Werk und für ein ganzes Vierteljahr dabei zu haben.

Um ein Werk zu leihen, bedarf es nämlich nicht viel: einen gültigen Personalausweis und eine einmalige Gebühr für die Erstellung des Kunstleihe-Ausweises in Höhe von 12,-€. Die Leihgebühr für ein Werk und für ein Vierteljahr beträgt 6,- € und liegt damit unter dem Preis eines Tagestickets der Hamburger Verkehrsbetriebe.

Die Werke werden in eigens erstellten Kartons handlich und gut transportabel mitgegeben.

Gerne würde die Kunstleihe schon jetzt weitere Entleihtage – etwa auch in der Woche – anbieten. Da aber bisher all diese Arbeit noch unentgeltlich ehrenamtlich erfolgt (Entscheidungen über Anträge zur kommunalen Unterstützung sind noch nicht gefallen), bittet die Kunstleihe um die arg eingeschränkte Leihe um Verständnis. Ebenso ist der bisherige Internetauftritt bislang nur rudimentär unter www.sued-kultur.de/kunstleihe.

weiterführend siehe auch: Hamburger Abendblatt vom 25. Januar 2019

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Kultur und Politik – passt das überhaupt? https://www.tiefgang.net/kultur-und-politik-passt-das-ueberhaupt/ Sat, 24 Jun 2017 06:37:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1449 [...]]]> 2017 ist Bundestagswahlkampf und das heißt: alle Parteien schießen aus allen Rohren und zu so ziemlich allen Themen. „Die Linken“ sogar zur Kultur. Wir schauen mal hin.

Kultur ist eines der Themen, für die fast jede*r Politiker*in nur Gutes über hat. An den Taten gemessen merkt man aber: der Ausspruch unseres Ex-Kanzlers Schröder, Kultur- und Familienpolitik sei „Gedöns“, ist real. Lippenbekenntnisse auf der einen, aber wenig Kulturetat geschweige denn –konzept auf der anderen Seite verweisen darauf, dass offenbar der Glaube herrscht, mit Kulturpolitik sei eben kein Blumentopf zu gewinnen.  So stellte die Frankfurter Allgemeine erst im NRW-Wahlkampf wieder fest: „Im Wahlkampf sind sich alle Parteien in Nordrhein-Westfalen in einem einig: Kulturpolitik ist Nebensache.“

„Mit Kultur kann man Politiker jagen“

Und FAZ-Redakteur Andreas Rossmann resümierte vorausschauend: „Mit Kultur kann man die Politiker in NRW jagen: Vor der Wahl liegt das ganze Elend offen zutage. Dass die Kulturpolitik an Rhein und Ruhr marginalisiert wird, verheißt für das Land nichts Gutes.“ (FAZ vom 12. Mai 2017)

Und so wie in NRW ist es auch beim Bundestagswahlkampf kein Thema und in Hamburg mag die Elbphil-harmonie ein zeitungsfüllendes Thema sein. Im Kulturausschuss hingegen finden sich nicht mehr ganz so viele Ambitionen. Und selbst im Kulturausschuss im Bezirk Harburg fand sich bei einem letzten Workshop-Treffen von Kulturschaffenden, Verwaltung und Politik ein einziger Vertreter einer politischen Fraktion. Von den Grünen. Kultur ist schön und gut, aber andere Dinge eben wichtiger.

Eigentlich erstaunlich, da ja mit wenig Mitteln schnell Begeisterung und Elan erreicht werden könnte und kann. Eine Veranstaltung sticht daher gerade etwas heraus aus dem Nichts all der zur Zeit uns anschreienden Wahlplakate. (Wahlplakate sind es natürlich nicht. Die dürfen ja erst wenige Wochen vor der Wahl hängen. Aber viel mehr Plakate werden es wohl zumindest in der Anzahl auch nicht mehr werden können.) Denn die Bürgerschaftsfraktion der Linken lädt genau zum Thema Kulturpolitik am Donnerstag, 13. Juli 2017 um 19.30h in den Medienbunker ins „Übel & Gefährlich“ in die  Feldstraße 66 ein. Thema „Die Rahmenbedingungen der Kulturpolitik“. Und interessant ist dabei vor allem, dass in der illustren Diskussionsrunde Klaus Lederer,  Kultursenator von Berlin und eben in der rot-rot-grünen Regierung für die Linken sitzen wird.

Berlins Kultursenator am Tisch

Reine Oppositionspolemik dürfte hier also nicht möglich sein und seine bisherigen Aktionen (Ablehnung des bereits vom Bund durchfinanzierten Konzeptes eines ´House of Jazz` mit Trompeter Till Brönner oder der ´Kreuz`-Streit um das Berliner Stadtschloss) lassen ja eine gewisse „neue Linie“ erkennen. Ebenso am Tisch: Amelie Deuflhard, künstlerische Leiterin von Kampnagel sowie Norbert Hackbusch, kulturpolitischer Sprecher für die Hamburger Linken-Fraktion. Er fiel zuletzt durch Forderungen nach freiem Eintritt zu Dauerausstellungen in Hamburger Museen auf wie auch zur Forderung einer Kulturtaxe bei nachts im Hafen liegenden Kreuzfahrtschiffen.

Smart stehend für Kultur: Berlins Senator Klaus Lederer

 

Und worum soll es gehen? Der Titel jedenfalls lautet „Kultur | Politik – Was geht?“

Aus der Vorankündigung:

„ ´In der Kulturpolitik (geht es) darum, gute Rahmenbedingungen für die künstlerische Arbeit herzustellen.`

Klingt nach einem guten alten Deal? Geht so Kulturpolitik? Geht so! Wie steht‘s mit dem Zutrauen zwischen Kulturpolitik und Kulturszene? Was erwarten Kulturschaffende von der Kulturpolitik? Was erwarten Kulturpolitiker*innen von Kulturschaffenden? Wer ist wofür zuständig und wofür nicht? Gibt es für alle Beteiligten jenseits der ausgetretenen Pfade noch Ansätze für wahrnehmbare, konkrete Veränderungsprozesse?

In Punkto auskömmliche Förderung kommen Kulturpolitiker*innen und Kulturschaffende traditionell selten auf einen Nenner. Diskussionen über kulturpolitische Visionen hinterlassen bei allen Beteiligten gerne einen staubigen Beigeschmack: Am Ende geht’s immer um‘s Geld und davon gibt‘s eh nie genug.

Aber wie steht es eigentlich um den kulturpolitischen Status Quo? Diverse Bücher, Blogs und Podien haben das gängige kulturpolitische Setting ausführlich in Frage gestellt: Es galt neue Finanzierungsmodelle zu finden, mehr Markt zuzulassen, weniger Kanon festzuschreiben und verstärkt von den Nutzer*innen her zu denken. Kulturinstitutionen haben derweil ihren Betriebscharakter geschärft, Behörden ihre Controlling-Abteilungen ausgebaut und Künstler*innen sich nebenbei zu Betriebswirt*innen ausgebildet.

Alle haben sich irgendwie weiterentwickelt aber wohin?

Gerungen wird nach wie vor um die wettbewerbsfreien Zonen. Gestritten wird immer noch, und erfreulicherweise wieder mehr, für faire Arbeitsbedingungen, über den Zugang zu den Institutionen oder über den gesellschaftspolitischen Wert einer öffentlich gewollten (bspw. (post-)kolonialen) Erinnerungskultur.

Vieles davon findet sich durchaus in den großen zyklischen Verlautbarungen der Kulturpolitik wieder: In Kulturhaushaltsdebatten, Wahlprogrammen oder Koalitionsverträgen. Aber die skeptisch gerunzelte Stirn vieler Kulturakteure bleibt. Was nützen die aufrichtigsten Versprechen, wenn gar kein Verfahren zur Hand ist, mit dem man etwas ausrichten kann? Wenn der Ausbau der Projekt- und Fondsförderung an der Arbeits- und Bewältigungsrealität von Kulturschaffenden vorbeigeht?

Oder wenn eine Schuldenbremse die Logik von Tarifausgleich und Bedarfsanmeldungen aushebelt? Sobald Kulturpolitik kraftlos in ein deklaratorisches Stadium zurücksinkt, ist das Zutrauen fix dahin. Ist das so? Und wenn ja, was tun und wie geht das?“

(Quelle: linksfraktion-hamburg.de)

Termin: Do., 13. Juli 2017 um 19.30h im „Übel & Gefährlich“, Feldstraße 66, 20 359 Hamburg

(21. Jun. 2017, HL)

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