Philipp Meuser https://www.tiefgang.net Wed, 26 Feb 2025 17:02:04 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Vom Provisorium zum Zuhause https://www.tiefgang.net/vom-provisorium-zum-zuhause/ Fri, 28 Feb 2025 23:00:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11530 [...]]]> Nach dem Zweiten Weltkrieg musste für das Dach über dem Kopf improvisiert werden. Eine Ausstellung zeigt nun, dass Notbehelfe oft zur Dauerlösung wurden.

Wohnen auf engstem Raum: Die neue Fotoausstellung „Ley-Bude“ im Freilichtmuseum am Kiekeberg beleuchtet ab Samstag, dem 8. März, den Wandel von Behelfsheimen rund um Hamburg. Die beiden Hamburger Enver Hirsch und Philipp Meuser präsentieren etwa 30 Fotografien, die die Nachnutzung von „Ley-Buden“ aus dem Zweiten Weltkrieg dokumentieren. Am Eröffnungssamstag gibt Enver Hirsch um 15 Uhr eine kostenfreie Führung, ohne Anmeldung. Die Ausstellung bietet bereits vor der Eröffnung der originalen „Ley-Bude“ am 30. Mai im Museum erste Einblicke. Der Museumseintritt beträgt 11 Euro für Erwachsene, für Personen unter 18 Jahren ist er frei. Die Ausstellung ist bis 6. Juli im Hauptgebäude des Museums während der regulären Öffnungszeiten zu sehen. Informationen finden sich unter kiekeberg-museum.de.

Behelfsheime für Ausgebombte

Eine „Ley-Bude“ war ein typisches Behelfsheim, das zwischen 1943 und 1945 vor allem für ausgebombte und evakuierte Familien aus Städten wie Hamburg gebaut wurde. Mit nur 20 Quadratmetern bot sie Platz für bis zu sechs Personen – ohne Bad und mit minimaler Ausstattung. Ihr abschätziger Rufname als „Ley-Bude“ geht auf Robert Ley zurück, den nationalsozialistischen Reichswohnungskommissar. Museumsdirektor Stefan Zimmermann berichtet: „Die ‚Ley-Buden‘ waren als Notlösung gedacht, wurden aber über Jahrzehnte weitergenutzt. Die Fotoausstellung macht sichtbar, wie aus Notunterkünften ein Zuhause wurde – und welche kreativen Wege viele Familien fanden, um sie zu gestalten.“

Fotografien dokumentieren den Wandel

Die Fotoausstellung zeigt, wie die „Ley-Buden“ in der Nachkriegszeit sowohl baulich als auch gestalterisch verändert wurden und sich in die Wohnlandschaft einfügten. Viele dienten später als Wochenend- und Gartenhäuschen, wurden als Hühnerställe genutzt oder zu dauerhaften Wohnungen umgebaut. Wer die Fotografien betrachtet, sieht die Lebensbedingungen der früheren Bewohnerinnen und Bewohner. Das reich bebilderte Buch „Behelfsheim“ von Hirsch und Meuser ist im Museumsladen und unter der ISBN 978-3-00-065630-9 für 37 Euro erhältlich.

Philipp Meuser (Foto: Enver Hirsch)

Über die Fotografen

Enver Hirsch (Foto: Philipp Meuser)

Enver Hirsch, Jahrgang 1968, dokumentiert urbane Spuren des Alltags, während Philipp Meuser, Jahrgang 1986, das Verhältnis von Mensch und Umgebung erforscht. Beide dokumentieren mit ihren Bildern den Wandel der „Ley-Buden“ und anderer Behelfsheime. Ihr gemeinsames Projekt begann 2017 mit der Frage, ob faszinierende Themen auch vor der eigenen Haustür zu finden sind. Gemeinsam zeigen sie die Mischung aus Improvisation, Pragmatismus und persönlicher Gestaltung dieser besonderen Wohnform​​. Sie arbeiten international, veröffentlichen in Magazinen und Büchern und lehren Fotografie an Hochschulen​​.

Ausblick: „Ley-Bude“ als neue Dauerausstellung

Im Freilichtmuseum steht seit April 2023 eine originale „Ley-Bude“, wie sie einst für Einquartierungen im ländlichen Umfeld errichtet wurden. In ihr entsteht eine kleine Dauerausstellung, die zeigt, wie Menschen mit einfachsten Mitteln eine neue Existenz aufbauten. Eröffnet wird sie im Rahmen der Veranstaltung „1945. Der erste Sommer im Frieden“, die vom 30. Mai bis 1. Juni stattfindet. Die „Ley-Bude“ am Kiekeberg wurde 2022 als eine der letzten erhaltenen Behelfsheime der Region aus dem Wald der Lindhorster Heide (Gemeinde Seevetal, Landkreis Harburg) ins Museum gebracht, erforscht und restauriert. Sie ist das erste bauliche Zeugnis im Museum aus dem Zweiten Weltkrieg.

Ort: Freilichtmuseum am Kiekeberg | Am Kiekeberg 1 | 21224 Rosengarten-Ehestorf | kiekeberg-museum.de

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Kraftvolle Kunst-Präsenz https://www.tiefgang.net/kraftvolle-kunst-praesenz/ Fri, 06 Sep 2019 22:29:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5733 [...]]]> Die Kunstszene Harburgs ist vielfältig und breit. Dies zeigte sie nun einmal mehr – aber in Buxtehude.

Harburg Kunstleihe ist noch jung, da sie erst Anfang diesen Jahres als eine Artothek ins Leben gerufen wurde. Doch sie machte es nicht nur erstmals in Hamburg möglich, für wenig Geld zeitgenössische lokale Kunst für Zuhause, das Büro oder die Praxis leihen zu können, sondern vernetzte auch die Harburger Künstlerinnen und Künstler auf neue Art und Weise.

Bei 3. Buxtehuder Kunstfest präsentierte sich nun der Kunstzirkel erstmals an einem gemeinsamen Stand und offenbarte die Stärke ihrer Vielfalt. Direkt neben dem Alten Rathaus Buxtehudes, in dem die städtische Buxtehuder Artothek gerade ihr 35jähriges Bestehen feiert, zeigten 15 Künstlerinnen und Künstler aus Harburg ihre Positionen der Kunst. Zu sehen farbstarke Landschaftsbilder von Christine Waldbüßer oder Jan Ratschat, digitale Fotoarbeiten von Petra Hagedorn oder Philipp Meuser, Acrylarbeiten von Anne Flad, Yvonne Lautenschläger oder Gabriele Wendtland oder auch Zeichnungen von Irmgard Gottschlich oder Pflanzenarbeiten von Antje C. Gerdts oder Harald Finke und viele andere mehr. Beide Festtage waren  trotz der Hitze sehr gut besucht und viele Gäste waren überrascht von der beeindruckenden Vielfalt aus der Nachbarschaft.

Aufgebaut: der Stand der Harburger Kunstgruppe (Foto: Sonja Alphonso)

„Der Buxtehuder Artothek sind wir sehr verbunden  und es war uns eine Freude, in direkter Nachbarschaft mit einem Stand neben dem Alten Rathaus auch die Harburger Kunstszene zeigen zu können“, so Sabine Schnell vom Kunstzirkel der SuedKultur. „Manche Buxtehuder waren überrascht, dass Hamburg erst jetzt – 35 Jahre später – eine Kunstleihe etabliert. Auf der anderen Seite war es für viele Harburger Künstler beeindruckend, die Buxtehuder Artothek mit ihrer Vielfalt und doch jung gebliebenen Kunst erstmals zu besuchen. Und auch der Austausch mit anderen Kunstschaffenden auf dem Fest hat alle Seiten bereichert“, so Schnell weiter.

Sonja Alphonso, die ebenfalls  am Stand der Initiative SuedKultur beteiligt war: „Man merkt dem Buxtehuder Kunstfest an, dass der Cheforganisator Sven Brauer selbst Künstler ist. Das Fest ist mit viel Umsicht und Charme entwickelt und somit vorbildlich, wie man zeitgenössische Kunst einer breiten Öffentlichkeit nahe bringt.“ Als Zeichen der Verbundenheit kündigte der Leiter des Buxtehuder Kunstfestes, Sven Brauer, dem SuedKultur-Team an, in Kürze selbst der Harburger Kunstleihe einen Besuch abzustatten und auch ein eigenes Werk zur Ausliehe mitzubringen.

Nach dem künstlerischen „Ausflug“ will das Kunst-Team der SuedKultur sich nun aber wieder voll auf die Kunstleihe Harburgs konzentrieren. Dort sind derweil mehr als 40 Werke an diverse Haushalte und Büros verliehen und so wird es Zeit die Sammlung wieder „aufzufüllen“. Einige Drucke, die aus einer privaten Sammlung überlassen wurden, sind frisch gerahmt. Die Kunstinitiative der Technischen Uni Hamburg will einige ihrer Bestandswerke über die Kunstleihe einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und auch das Fernsehen hat sich angekündigt, um in Kürze einen filmischen Bericht über die Tätigkeit der Harburger Kunstleihe zu machen. Es ist also viel zu tun.

Wer Interesse hat, kann die rund 150 Werke umfassende Ausstellung der Kunstleihe jeden Sonntag von 12-17h in der ehemaligen Filiale der Sparkasse Harburg-Buxtehude, Eißendorfer Straße 124 besuchen. Dort stehen dann auch meist Kaffee, Kuchen oder ein Glas Sekt bereit und laden zum Austausch.

Wer ein Werk leihen möchte, tut dies für 3 Monate und für 6,- € Leihgebühr. Ein Personalausweis sollte unbedingt mitgebracht werden.

Just Anfang dieser Woche besuchte das NDR-Fernsehen die Harburger Kunstleihe für das Hamburg Journal:

Weiterführende Links: www.sued-kultur.de/kunstleihe; facebook.com/KunstleiheHarburg; instagram.com/kunstleihe

 

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