Prof. Dr. Hermann Parzinger – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 13 Nov 2019 11:42:11 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Raub und Rettung https://www.tiefgang.net/raub-und-rettung/ Fri, 22 Nov 2019 23:48:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6045 [...]]]> Die Nationalsozialisten hatten im Krieg keine Hemmungen. Auch nicht vor der Kunst. Eine Untersuchung hat nun den Kunstraub in russischen Museen beleuchtet. Herausgekommen ist ein ganzes Buch.

Erstmals haben russische und deutsche Forscher gemeinsam die Kriegsverluste von russischen Museen im Zweiten Weltkrieg untersucht. Die Ergebnisse sind in dem jüngst erschienenen Buch „Raub und Rettung. Russische Museen im Zweiten Weltkrieg“ zusammengefasst, das den Kunstraub durch das nationalsozialistische Deutschland anhand detaillierter Fallstudien beleuchtet. Das Buch ist der erste Band der „Studien zu kriegsbedingt verlagerten Kulturgütern“. Herausgegeben wird es von der Kulturstiftung der Länder und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Dazu Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Sprecher des Deutsch-Russischen Museumsdialogs: „Durch den schrecklichen deutschen Vernichtungskrieg erlitt die Sowjetunion immense kulturelle Verluste. Bis heute vermissen Russland, die Ukraine und Belarus Hunderttausende von Objekten, viele Fragen sind noch immer ungeklärt. Das dürfen wir in der Zusammenarbeit mit diesen Ländern nie vergessen. Doch gerade diese schwierige Geschichte verpflichtet uns auch, gemeinsam mit den russischen Kollegen Wege in die Zukunft zu finden und vertrauensvoll zu kooperieren. Die Projekte des Deutsch-Russischen Museumsdialogs oder die von der SPK organisierten Ausstellungen zur Merowingerzeit und zur Bronzezeit legen Zeugnis davon ab.“

Das Projekt „Russische Museen im Zweiten Weltkrieg“ wurde vom Deutsch-Russischen Museumsdialog initiiert. Zwischen 2012 und 2014 wurde es von der Volkswagen Stiftung, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Kulturstiftung der Länder finanziert. Dazu Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: „In der mittlerweile 15-jährigen Geschichte des Deutsch-Russischen Museumsdialoges haben deutsche und russische Museen in vielen verschiedenen Projekten gemeinsam geforscht und ausgestellt. Durch die Vielzahl an Kooperationen lernen wir nicht nur über die je andere, sondern auch über gemeinsame Kultur und Kulturgeschichte. Darum ist der länderübergreifende Dialog so wichtig, vor allem in Zeiten, in denen die Angst vor dem vermeintlich Fremden Konjunktur hat.“

Dr. Britta Kaiser-Schuster, Leiterin des Deutsch-Russischen Museumsdialogs: „Mit den untersuchten Museen gab es eine enge Kooperation im Rahmen eines groß angelegten Forschungsprojekts. Die Arbeit an diesem ersten Band der „Studien zu kriegsbedingt verlagerten Kulturgütern“ war geprägt durch gegenseitiges Vertrauen, den ungehinderten Zugang zu den Depots und Archiven und durch Transparenz. Nur so kann die Arbeit an der gemeinsamen Geschichte der verlorenen Sammlungen gelingen.“

Das Buch „Raub und Rettung“ nimmt die vier Zarenschlösser bei St. Petersburg sowie die Städte Pskov und Novgorod in den Fokus. Die Zerstörung von Kulturdenkmälern und das Ausrauben von Museen waren Teil des Vernichtungskrieges, den das nationalsozialistische Deutschland in der Sowjetunion führte. Hunderttausende von Objekten werden bis heute vermisst, viele Fragen sind unbeantwortet. Und doch fehlt das Verständnis für die immensen Zerstörungen und Verluste an russischen Kulturgütern im Zweiten Weltkrieg in Deutschland weitgehend. Erstmals wird in diesem Buch aus russischer und deutscher Sicht der NS-Kunstraub anhand von detaillierten Fallstudien beschrieben. Betrachtet werden die Zarenschlösser bei St. Petersburg sowie die Städte Pskov und Novgorod. Der Blick auf einzelne russische Museen erlaubt es, eine Geschichte der Kunst im Krieg zu erzählen.

Die Geschichte ihrer Verluste dokumentiert auf eindringliche Weise den Leidensweg der russischen und europäischen Kultur während des Krieges. Neu erschlossene Quellenbestände in Deutschland wie in Russland erweitern die historische Erkenntnis und rücken erstmals auch die handelnden Personen – russische MuseumsmitarbeiterInnen auf der einen, deutsche KunsthistorikerInnen im Dienst der Wehrmacht auf der anderen Seite – in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Der Deutsch-Russische Museumsdialog wurde 2005 von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Kulturstiftung der Länder und über 80 deutschen Museen gegründet. Er stärkt den Austausch zwischen deutschen und russischen MuseumskollegInnen und trägt zur Aufklärung über kriegsbedingt verbrachte Kulturgüter bei.

Quelle: Stiftung Preußischer Kulturbesitz

]]>
Erst Direktor – bald Alleinherrscher https://www.tiefgang.net/erst-direktor-bald-alleinherrscher/ Fri, 07 Jun 2019 22:40:33 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5352 [...]]]> Allerlei Wechsel ist man in den letzten Monaten im Museumsparkett Hamburgs gewohnt. Nun wieder einer. Er steigt aber mal die Treppe herauf.

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Der Stiftungsrat der Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) hat beschlossen, Prof. Dr. Hans-Jörg Czech als neuem Alleinvorstand die Leitung der Stiftung zu übertragen. Er ist seit 2016 Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte und tritt am 1. Juli 2019 die Nachfolge von Börries von Notz an. Der Stiftungsrat folgt damit der einstimmigen Empfehlung einer Findungskommission, zu der unter dem Vorsitz von Senator Dr. Carsten Brosda unter anderem der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Prof. Dr. Hermann Parzinger, Gert-Hinnerk Behlmer (Staatsrat a.D. und Vertreter der Freundeskreise) sowie Karen Pein (Geschäftsführerin der IBA und Mitglied im Stiftungsrat) gehörten.

Die Museen der SHMH stehen vor einem umfassenden Modernisierungsprozess. In fast allen Häusern sind in den kommenden Jahren intensive Sanierungs- und Umbaumaßnahmen sowie Erneuerungen der Dauerausstellungen geplant, mit denen die Häuser für die Stadtgesellschaft weiter geöffnet werden soll. Zudem befasst sich die Stiftung mit den Vorbereitungen für die Errichtung und inhaltliche Ausgestaltung des neuen Deutschen Hafenmuseums. Diese Prozesse hat Prof. Dr. Hans-Jörg Czech zusammen mit dem bisherigen Alleinvorstand Börries von Notz maßgeblich begleitet.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit Hans-Jörg Czech übernimmt ein hoch erfahrener und vielseitiger Museumsexperte die Leitung der Gesamtstiftung mit ihren drei Einzelhäusern und sechs Außenstellen. Als Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte und zuvor des Altonaer Museums hat er in Hamburg und weit darüber hinaus sehr hohe Wertschätzung erworben. Er kennt unsere historischen Museen und Sammlungen und den laufenden Modernisierungsprozess wie kaum ein Zweiter. In der Stiftung stehen mit den großen Umbaumaßnahmen in allen Häusern und der Neugründung des Deutschen Hafenmuseums nicht nur organisatorische und bauliche Fragen auf der Tagesordnung, sondern vor allem viele konzeptionell-inhaltliche Weichenstellungen, die einen versierten Museumsfachmann an der Spitze der Stiftung erfordern. Wer Hans-Jörg Czech in seiner bisherigen Arbeit kennengelernt hat, der weiß, dass er mit viel Umsicht und Kreativität in der Lage ist, historische Themen an unsere aktuellen Debatten anzuschließen und unsere Geschichte in die Gegenwart zu bringen. Gemeinsam mit ihm und den Direktorinnen und Direktoren der historischen Museen werden wir den Häusern der Stiftung zu noch größerer gesellschaftlicher Bedeutung verhelfen und den Neubau des Deutschen Hafenmuseums erfolgreich umsetzen.“

Prof. Dr. Hans-Jörg Czech, zukünftiger Alleinvorstand der SHMH: „Die Stiftung Historische Museen Hamburg steht dank der Modernisierungsvorgänge sowie der Erweiterungen um die PEKING und das Deutsche Hafenmuseum vor fundamentalen, höchst positiven Veränderungen. Ich freue mich sehr darauf, diese Prozesse und die Programmangebote der Stiftung als neuer Alleinvorstand in der bewährt guten Zusammenarbeit mit den Direktorinnen und Direktoren sowie den äußerst engagierten Teams unserer Museen fortentwickeln zu können. Mein Ziel ist es, die Attraktivität unserer Museumsstandorte nachhaltig, überregional und für möglichst breite Besucherkreise zu steigern und dabei innovative Wege in der Verankerung historischer Themen aus der Geschichte Hamburgs in den aktuellen gesellschaftlichen Diskursen zu beschreiten.“

Hans-Jörg Czech begann seine Museumslaufbahn mit einem Volontariat bei den Staatlichen Museen Kassel, bevor er im Jahr 2000 als Assistent des Generaldirektors an das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin wechselte. Dort wirkte er zugleich maßgeblich an der Neukonzeption der 2006 eröffneten Dauerausstellung im Zeughaus mit. 2007 wechselte er als Gründungsdirektor des Stadtmuseums der hessischen Landeshauptstadt nach Wiesbaden. Im Rahmen dieser Tätigkeiten hatte er bereits Gelegenheit, intensive Erfahrungen mit musealen Planungsprozessen zu sammeln, sowohl bei der Betreuung von Bau- und Modernisierungsverfahren, als auch im Hinblick auf die Neuausrichtung von Dauerausstellungen und den Aufbau neuer Sammlungsbestände.

Mitte 2013 berief ihn Senatorin Prof. Barbara Kisseler als Direktor des Altonaer Museums. Mit ihm gelang es, dem Haus wieder zu neuer Stärke als bedeutendes kulturgeschichtliches Museum Norddeutschlands mit starker lokaler Verankerung im Stadtteil Altona zu verhelfen. Unter seiner Direktion wurde 2014 die große Ausstellung „350 Jahre Altona“ präsentiert. Darüber hinaus wurde unter seiner Leitung der Umbau der Museumsgastronomie initiiert und das neue zentrale Sammlungsdepot der SHMH eingerichtet. Anfang 2016 wechselte er an die Spitze des Museums für Hamburgische Geschichte, wo in seiner Amtszeit die erfolgreichen Sonderausstellungen „Kein Bier ohne Alster. Hamburg – Brauhaus der Hanse“ und „Revolution! Revolution? Hamburg 1918/19“ realisiert wurden. In dieser Zeit brachte er zudem gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Planungen zur baulichen Modernisierung des Hauses und zur Neukonzeption der Dauerausstellung auf den Weg. In zahlreichen Gremien von Vereinen und Initiativen hat er sich zu Fragen im erinnerungspolitischen Kontext und zu (post-)kolonialen Diskursen in Hamburg und darüber hinaus engagiert.

Die bewährte Struktur des übergeordneten Alleinvorstands in der SHMH bleibt mit der Übernahme der Position durch Hans-Jörg Czech bestehen. Die Stelle der Direktion des Museums für Hamburgische Geschichte wird in Kürze ausgeschrieben, ebenso wie die Position des Verwaltungsleiters Marc von Itter, der als kaufmännischer Geschäftsführer ins MARKK wechselt. Auf Grund der vielen zusätzlichen Aufgaben im Zuge der kommenden Modernisierungsprozesse wird es zudem eine personelle Verstärkung im Bereich der wirtschaftlichen Steuerung und in der Personalverwaltung geben.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

]]>