Rassismus https://www.tiefgang.net Fri, 13 Mar 2020 16:34:39 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit https://www.tiefgang.net/zeichen-gegen-menschenfeindlichkeit/ Fri, 13 Mar 2020 23:17:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6486 [...]]]>  

+++++ DIE VERANSTALTUNGSREIHE IST GERADE ABGESAGT WORDEN ++++

Im Raum Süderelbe hat die AfD viele Stimmen holen können. Doch es gibt auch weit mehr andere Stimmen. Und die laden nun ein für Vielfalt und gegen Rassismus und Diskriminierung.

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus sind Aktionswochen der Solidarität mit den Gegner*innen und Opfern von Rassismus. In diesen zwei Wochen machen wir das vielfältige Engagement gegen Diskriminierung und Rassismus in Süderelbe besonders sichtbar. Aktive, Institutionen und Bewohner*innen haben gemeinsam ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. Neben Lesungen, Konzerten und Workshops gibt es auch die Möglichkeit zum Austausch, um ein deutliches Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit zu setzen. Nehmen Sie ihre Nachbar*innen mit, besuchen Sie die Veranstaltungen! Zeigen auch Sie Gesicht und erheben die Stimme für ein Zusammenleben in Vielfalt – gegen Diskriminierung hier in Süderelbe und überall. „Als Künstlerin ist Vielfalt für mich lebenswichtig. Ich will nicht in alten Mustern gefangen sein, sondern mit Innovation, Moral und vielen neuen Einflüssen in der Kunst und im Leben neue Marken setzen, die unterhalten und zum Nachdenken anregen. Das braucht Offenheit und ein Aufeinanderzugehen. Gehen Sie mit und kommen Sie zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus Süderelbe!“ (SANDRA KECK, Schirmherrin der IWgR Süderelbe, Schauspielerin, Regisseurin und Autorin – aufgewachsen in Süderelbe) 

Das Programm:

  • , 14. März, 10-13 Uhr: PIMP YOUR CLOTHES AND BAGS – LIVE SIEBDRUCK Fußgängerzone/Neugrabener Markt

Live Siebdruck in der Fußgängerzone. Es können Kleidung, Taschen oder Stoffbeutel mit verschiedenen Motiven zum Thema bedruckt werden. Material zum Siebdrucken haben wir dabei. Für Infos und Hintergründe zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus werden Ansprechpersonen vor Ort sein. (von elbdeich e.V.)

  • , 16. März, 15-17 Uhr, CAFÉ WELCOME, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Immer montags geöffnet: das Café Welcome – Klönschnack und Begegnung. Das Café ist ein Ort der Begegnung für Bewohner*innen aus Süderelbe und Geflüchtete in Neugraben. Menschen verschiedener Herkunft können sich hier begegnen, um bei Tee, Kaffee und Kuchen miteinander ins Gespräch zu kommen und zu spielen. (von Willkommen in Süderelbe)

  • , 16. März, 19.30 Uhr, DIMITAR & DIE LITTLE BIGBAND, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Konzert der LittleBigBand unter der Leitung von Dimitar Georgiev. Das Amateurorchester ist international besetzt, probt wöchentlich im Kulturhaus Süderelbe und begeistert mit jazzigen Arrangements von Filmmusik und weltbekannten Hits. Die Musiker*innen aus dem Raum Süderelbe sind stets offen für neue Mitwirkende, Einstieg jederzeit möglich (Proben: montags, 18:00 Uhr, Kulturhaus/BGZ, 1. Stock). (von Kulturhaus Süderelbe + Dimitar Georgiev)

  • , 17. März, 10-13 Uhr, ARGUMENTATIONSTRAINING, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Stammtischparolen zeichnen sich häufig durch ihre Einfachheit, Plumpheit, Verallgemeinerung und ihren negativen Charakter aus. Was können wir tun, um diesen Parolen und anderen diskriminierenden Äußerungen entgegenzutreten? Gemeinsam werden Strategien entwickelt und eingeübt. Erneut konnte Gregor Schulz (ikm e.V.) als Referent gewonnen werden. Interessierte melden sich bitte unter Angabe des Namens unter: lopa-suederelbe@lawaetz.de (von LoPa Süderelbe)

  • Die., 17. März, 19 Uhr, NEUE RECHTE – ALTES DENKEN, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Heute wird viel von der Neuen Rechten gesprochen. Ohne Frage haben sich Methoden, Strategien und Ziele der (extrem) rechten Szene verändert – diese ist vermeintlich moderner und dadurch anschlussfähiger geworden. Bei genauer Analyse gibt es zahlreiche Überschneidungen zwischen den Inhalten, Personen und Gruppierungen mit der „alten“ Rechten. Gruppen wie die Identitäre Bewegung, Pegida, Burschenschaften und rechtspopulistische Parteien sind personell und inhaltlich eng miteinander verknüpft. Wir wollen uns das Themenfeld gemeinsam anschauen und darüber ins Gespräch kommen.

Referent: Fabian Kaufmann, Projekt www.bildungsarbeit.org (von LoPa Süderelbe)

  • , 18. März, Einlass 19 Uhr, Beginn 19.30 Uhr, „WENN ETWAS GESCHEHEN SOLL,

DANN MUSS DIE INITIATIVE VON UNS SELBST AUSGEHEN.“ VORTRAG, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Der Aufstand jüdischer Häftlinge im Oktober 1943 beendete den NS-Massenmord  im Vernichtungslager Sobibór. Damit steht Sobibór nicht nur symbolisch für den eliminatorischen Antisemitismus der Deutschen, sondern auch für den vielfältigen jüdischen Widerstand gegen diese brutale Vernichtungspolitik. Der Vortrag rekonstruiert die Abläufe des erfolgreichen Aufstands, das Schicksal der Geflohenen und fragt nach gegenwärtigen Formen der Erinnerung. (von Offener Stadtteil gegen Rechts)

  • , 19. März, 16-19 Uhr , KUNSTKARAWANE: OFFENE KUNSTWERKSTATT, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Die offene Kunstwerkstatt der Kunstkarawane öffnet die Türen des JoLa und lädt ein zum Siebdrucken und Stenciln. Material zum Bedrucken oder Sprayen haben wir dabei. Wer möchte, bringt eigene Kleidung mit und los geht’s. Das Angebot ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht notwendig. (von elbdeich e.V.)

  • , 20. März, 16.30-18 Uhr, DAS KZ-AUSSENLAGER NEBENAN – GEDENKEN AN 500 JÜDISCHE FRAUEN, , JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Schüler*innen des Gymnasium Süderelbe stellen ihr Schulprojekt zum ehemaligen KZ-Frauenlager am Falkenbergsweg vor. Wo damals Holzbaracken standen, verweist heute nur noch ein unscheinbarer Gedenkstein auf das ehemalige Außenlager des KZ Neuengamme. Das wollen die Schüler*innen ändern und setzen sich dafür ein, das Thema im Geschichtsunterricht zu behandeln, planen neue Hinweisschilder und einen Dokumentarfilm – Ideen der Teilnehmer*innen der Veranstaltung sollen ebenfalls ins Projekt integriert werden. Dazu wird in Kleingruppen gearbeitet.

(vom Gymnasium Süderelbe + Initiative Gedenken in Harburg und Süderelbe-Archiv)

  • , 21. März, 10-13 Uhr: PIMP YOUR CLOTHES AND BAGS – LIVE SIEBDRUCK Fuß-gängerzone/Neugrabener Markt

Live Siebdruck in der Fußgängerzone. Es können Kleidung, Taschen oder Stoffbeutel mit verschiedenen Motiven zum Thema bedruckt werden. Material zum Siebdrucken haben wir dabei. Für Infos und Hintergründe zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus werden Ansprechpersonen vor Ort sein. (von elbdeich e.V.)

  • , 21. 20 Uhr, März, DR. BAJAN, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

„Noch einmal und vielleicht nie wieder“ – Eine Mischung aus Folklore, Chanson und Rock`n`Roll aus Russland – großartig! Vorverkauf: 12 €, Karten an der Abendkasse: 15 € (vom Kulturhaus Süderelbe)

  • 22 März, 15-20 Uhr, VIELFALT IN DER MUSIK SÜDERELBE – OFFENE BÜHNE +

KONZERT, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Junge und alte, einheimische und mehrheimische Menschen, allein oder mit mehreren sind herzlich eingeladen, hier ihr musikalisches Können zu zeigen. Von Klassik über volkstümliche Musik verschiedener Länder bis Pop entsteht ein buntes Programm. Besonders freuen wir uns über Beiträge, die den Respekt gegenüber dem Anderssein zum Ausdruck bringen. Wer Lust hat, als Musiker*in teilzunehmen, meldet sich unter: 0174 8679 853 (von Manfred S.)

  • 23. März, 15-17 Uhr, CAFÉ WELCOME, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Ham-burg-Neugraben

Immer montags geöffnet: das Café Welcome – Klönschnack und Begegnung. Das Café ist ein Ort der Begegnung für Bewohner*innen aus Süderelbe und Geflüchtete in Neugraben. Menschen verschiedener Herkunft können sich hier begegnen, um bei Tee, Kaffee und Kuchen miteinander ins Gespräch zu kommen und zu spielen. (von Willkommen in Süderelbe)

  • 23. März, 16-18 Uhr, BEWEGUNG RUND UM DIE WELT, Platz vor dem JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Bewegungsspiele aus vielen Ländern laden Jung und Alt zum Mitmachen auf den Platz vorm JoLa ein. Kommen Sie vorbei und machen Sie mit! (von steg)

  • 25. März, 10-12 Uhr, ELTERNLOTSENFRÜHSTÜCK, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Das kostenlose Elternlotsen-Frühstück bietet immer mittwochs die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre mit den mehrsprachigen Elternlotsen über Familienthemen ins Gespräch zu kommen, neue Leute kennenzulernen oder sich über Angebote im Stadtteil zu informieren. Das Familienfrühstück ist auch eine Plattform der interkulturellen Begegnung, zu dem alle Familien aus dem Quartier eingeladen sind. (vom DRK Harburg)

  • 25. März, 19 Uhr, MAHMOOD FALAKI: „ICH BIN AUSLÄNDER – UND DAS IST AUCH GUT SO“ – LESUNG, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

In seinen pointierten Kurzgeschichten und Momentaufnahmen skizziert der Schriftsteller Mahmood Falaki auf humorvolle Art Begegnungen von Menschen verschiedener Kulturen. Mit ironisch distanziertem Blick beschreibt er komische Dialoge und Missverständnisse, die sich aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Protagonist*innen ergeben und zum Überdenken eingefahrener Sichtweisen und Vorurteilen anregen. Bei aller Komik geht es jedoch auch ans Eingemachte. (von LoPa Süderelbe)

  • , 26. März, 16-19 Uhr , KUNSTKARAWANE: OFFENE KUNSTWERKSTATT, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Die offene Kunstwerkstatt der Kunstkarawane öffnet die Türen des JoLa und lädt ein zum Siebdrucken und Stenciln. Material zum Bedrucken oder Sprayen haben wir da-bei. Wer möchte, bringt eigene Kleidung mit und los geht’s. Das Angebot ist kosten-los, eine Anmeldung ist nicht notwendig. (von elbdeich e.V.)

  • , 27. März, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 19.30 Uhr: DIP UND DABKE, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Gemeinsam Dabke lernen und tanzen – nebenbei gibt es zur Stärkung leckere Dips. Dabke ist ein Volkstanz, der z.B. im Libanon, in Palästina, in Jordanien oder in Syrien getanzt wird. Es ist ein fröhlicher und lebhafter arabischer Kreistanz, den jede*r mit ein bisschen Übung lernen kann. Nachdem die ersten Grundschritte sitzen, gibt es einen „Open Floor Dabke“ mit Live-Musik, zu dem alle eingeladen sind zu tanzen. (von Über den Tellerrand Hamburg (Die Insel Hilft e.V.))

  • , 28. März, 14 Uhr, INTERNATIONALES KAFFEETRINKEN, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Zum Abschluss der Internationalen Wochen gegen Rassismus wollen wir gemeinsam Kaffee und Tee trinken, Kuchen essen und uns über die vergangenen (und zukünftigen) Veranstaltungen austauschen. Die Fotos der Aktion „Gesicht zeigen gegen Rassismus“ werden zu sehen sein. Auch für eine Kinderbetreuung durch die Falkenflitzer ist gesorgt. Wer möchte, bringt etwas für das Kuchenbuffet mit! (von LaPa Süderelbe)

  • , 28. März, 14 Uhr, DREI BRÜDER – FILM, JoLa, Am Johannisland 2a, 21147 Hamburg-Neugraben

Der Film 3 Brüder spielt in Neugraben und Neuwiedenthal und erzählt die Geschichte von Omar, seinen Brüdern, dem Dealer Toni und den Schwierigkeiten mit Mitschülern und starken Gefühlen. Zwei Jahre lang haben die Hamburger Filmemacher Ulrich Raatz und Bertolt Hering gemeinsam mit zwanzig jungen Menschen aus sechs verschiedenen Ländern gearbeitet. Der Film entstand in Trägerschaft des Kulturhauses Süderelbe und mit Unterstützung aus dem Integrationsfonds des Bezirksamtes Harburg. (von Ulrich Raatz & Bertolt Hering)

Außerdem im Rahmen der IWgR Süderelbe:   

AUSSTELLUNG IN DER BÜCHERHALLE NEUGRABEN

In der Bücherhalle Neugraben gibt es in der Zeit vom 16.-29.3. eine thematische Medienausstellung zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus Süderelbe. Es werden Bücher und andere Medien zum Thema Rassismus präsentiert, die über das Thema aufklären, die über Diskriminierungserfahrungen berichten und die dazu animieren können, sich mit der eigenen Einstellung zu dem Thema zu beschäftigen.

GESICHT ZEIGEN GEGEN RASSISMUS (FOTOAKTION)

Alle, die nicht nur die Veranstaltungen der Internationalen Wochen gegen Rassismus in Süderelbe besuchen wollen, sondern darüber hinaus auch Gesicht zeigen wollen, haben dazu bei unserer Fotoaktion die Gelegenheit. Kommen Sie vorbei und lassen Sie sich mit dem Süderelbe-Motto „Zusammenleben in Vielfalt – gegen Diskriminierung in Süderelbe und überall“ fotografieren. Die Ergebnisse werden beim Internationalen Kaffeetrinken am 28.03. im JoLa zu sehen sein.

DIE TERMINE AUF EINEN BLICK

SA, 14.3. | 10-13 Uhr am Markt in Neugraben

MO, 16.3. | 16-18. Uhr im JoLa beim Café Welcome

SA, 21.3. | 10-13 Uhr am Markt in Neugraben

SO, 22.3. | 14-18 Uhr im JoLa

SA, 28.3. | 14 Uhr zur Präsentation der Fotos

AUSSTELLUNG „ZUSAMMENLEBEN IN VIELFALT“ vom 14.03. bis 29.03. im JoLa

Die Gruppe „kreativer Begegnungsraum für Kinder“ zeigt ihre Werke (siehe auch Artikel: Zusammenleben in Vielfalt. Wer bin ich, wer bist du? Dieser Frage haben sich die Kinder mit Pinsel und Farbe unter Leitung von Kunsttherapeutin Ulrike Hinrichs genähert.

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Die Stimme der Liebe https://www.tiefgang.net/die-stimme-der-liebe/ Fri, 31 Jan 2020 23:33:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6319 [...]]]> Der deutsche Schriftstellerverband PEN zeigt sich aktuell in einem offenen Brief entsetzt über die Verrohung der deutschen Sprache. Und seien Gründe sind zahlreich …

In dem Brief heißt es:

„Der deutsche PEN ist entsetzt über die Sprache der Verrohung, die seit einigen Jahren vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft vordringt. Die Grenze des öffentlich Sagbaren wird durch gezielte Tabubrüche verschoben, Rassismus oder Sexismus sollen wieder klingen wie zu respektierende Meinungen. Freie Meinungsäußerung bedeutet jedoch keinen Freibrief für Hass und Hetze. Das Recht auf Meinungsfreiheit findet seine Grenze im Straftatbestand der Volksverhetzung. Es findet seine Grenze dort, wo die Menschenwürde angetastet wird. Sprache ist wirkmächtig, Sprechakten folgen Taten. Seit den 1990er Jahren sind in Deutschland fast 200 Menschen Opfer rechtsextremer Mörder geworden. Dies ist unerträglich.

Wir wenden uns entschieden gegen alle Äußerungen des Antisemitismus. Zunehmend tritt der Hass erschreckend krude auf, wenn Neonazis wie Islamisten die altbekannten antisemitischen Verschwörungstheorien und Stereotypen verbreiten. Antisemitismus kommt aber auch scheinbar harmlos, wohlmeinend, gar im Gewand des Philosemitismus daher. Wer mit paternalistischem Gestus „die jüdischen Mitbürger unserer besonderen Solidarität!“ versichert, sollte sich fragen, warum er nicht einfach von Bürgern und Bürgerinnen spricht. Und wer Kritik am israelischen Regierungshandeln reflexhaft als Antisemitismus verteufelt, sollte sich fragen, warum er an Israel andere Maßstäbe anlegt als an jeden anderen Staat der Erde.

Einige Beispiele:

– Seit Jahren wird die Autorin und Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, durch antisemitische Hassreden bedroht; sie erhält Morddrohungen und steht auf den Listen rechter Terroristen. Wir fordern die Sicherheitsbehörden auf, ihr den notwendigen Polizeischutz zukommen zu lassen.

– Eine Veranstaltung der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron im August 2019 in Berlin musste abgebrochen werden, da 60 offenbar aus London angereiste Vertreter der zum Boykott Israels aufrufenden BDS-Bewegung ihren Vortrag mit Rufen wie „Deine Hände sind voller Blut“ unterbrachen. Lizzie Doron setzt sich für eine Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern ein; sie selbst hält Boykott für ein legitimes Konzept, da niemand dabei getötet werde.

Als Schriftstellerinnen und Schriftsteller lehnen wir im PEN kulturellen Boykott ab, da er den freien Meinungsaustausch unterbindet. Gleichwohl sollten Diskussionen darüber im Interesse eines freien Meinungsaustausches in Deutschland öffentlich Raum und dessen Verfechter Gehör finden können.

– Der Wissenschaftler und Publizist Reiner Bernstein, der sich als Vertreter der Zwei-Staaten-Lösung seit vielen Jahren darum bemüht, israelischen und palästinensischen Friedensaktivisten und Menschenrechtsorganisationen im deutschen Diskurs Gehör zu verschaffen – gemeinsam mit seiner Frau Judith beteiligt er sich am Gedenkprojekt „Stolpersteine“ in München – wurde im Buch „Der neu-deutsche Antisemit“ als „ein selbsthassender Jude“ bezeichnet, der tote Juden in Deutschland liebe, aber mit lebenden Juden in Israel ein Problem habe. Dessen Autor, Arye Sharuz Shalicar, ist Leiter der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten des israelischen Ministeriums für Nachrichtendienste; seine Lesereise in der Bundesrepublik Deutschland wurde vom Beauftragten der Bundesregierung gegen Antisemitismus gefördert. Eine Klage Bernsteins gegen Shalicar und dessen Verlag wegen Rufmords und Verleumdung wurde vom Landgericht Berlin abgewiesen.

Wir erklären unsere Solidarität mit Reiner und Judith Bernstein, die vom „Aktionsforum Israel“ gar des „Terrors gegen Juden“ bezichtigt wurden. Kritik an der israelischen Regierung und ihrer Politik ist nicht mit Antisemitismus gleichzusetzen. Eine solche Sichtweise verweigert anderen, z. B. kritischen zivilgesellschaftlichen Akteuren, die Solidarität.

Unsere Charta verpflichtet jedes PEN-Mitglied nicht nur, „jeder Art der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung“ entgegenzutreten, sondern auch, „mit äußerster Kraft für die Bekämpfung jedweder Form von Hass“ – wie Rassen-, Klassen- und Völkerhass sowie Hass aufgrund des Geschlechtes oder der sexuellen Orientierung – „und für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit zu wirken.“ Diese Ziele, Meinungsfreiheit und Völkerverständigung, widersprechen einander nicht, sondern gehören zusammen. Ihre Dialektik auszuhalten und von Fall zu Fall immer wieder neu auszuloten erfordert Sorgfalt beim Hinhören und Mäßigung beim Sprechen. Freiheit, auch Meinungsfreiheit, ist ohne Verantwortung nicht zu haben. Finden wir uns nicht ab mit den Gräueln, erheben wir Einspruch mit Herz und Verstand und, wo immer möglich, „mit der Stimme der Liebe“!

Für das Präsidium des PEN-Zentrums Deutschland

Regula Venske, Präsidentin“

Quelle: PEN-Zentrum Deutschland e.V.

 

 

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Jugend gegen Vergessen https://www.tiefgang.net/jugend-gegen-vergessen/ Fri, 27 Apr 2018 22:24:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3505 [...]]]> Der Holocaust des Nationalsozialismus sollte uns eine Lehre sein. Doch die Zeichen stehen schlecht. Ein Wettbewerb soll nun Jugendliche anspornen sich mehr mit dem Gedenken zu beschäftigen.

In der Ausschreibung der Konrad-Adenauer-Stiftung heißt es:

„Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ruft die Konrad-Adenauer-Stiftung zum 10. Mal zur Teilnahme am bundesweiten Internetwettbewerb „DenkT@g“ auf.

Zum 10. Mal rufen wir Euch dazu auf, Euch intensiv mit dem Holocaust und der NS-Diktatur, aber auch mit heutigen Formen von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus auseinanderzusetzen.

Habt Ihr Euch schon einmal mit dem Holocaust beschäftigt? Habt Ihr bereits judenfeindliche Sprüche gehört? Oder habt Ihr schon rassistische Situationen erlebt oder beobachtet? Dann setzt ein Zeichen, werdet kreativ und gestaltet mit unserer Hilfe eine Website zu Eurem Thema. Bis zum 31. Oktober 2018 könnt Ihr Euer Projekt bei uns hier ganz einfach anmelden:

Wer kann teilnehmen?

Ihr seid zwischen 16 und 22 Jahre alt? Dann habt Ihr bereits alle Voraussetzungen erfüllt. Der Wettbewerb denkt@g richtet sich bundesweit an Schüler, Studenten, Auszubildende und Motivierte. Detaillierte Informationen zu den Wettbewerbsbedingungen findet Ihr in unseren Teilnahmebedingungen

Preise!

Gewinnt mit Eurem Projekt 3000 Euro für den ersten, 2000 Euro für den zweiten und 1000 Euro für den dritten Platz: Zusätzlich erhalten die besten 15 eine Fahrt nach Berlin zu unserer Preisverleihung (für bis zu 10 Teilnehmer der jeweiligen Gruppe) sowie tolle Sachpreise!

Organisatorisches

Meldet Euer Projekt ganz einfach online hier an. Danach werden wir Euch per Mail kontaktieren. Wenn Ihr noch Fragen zum denkt@g habt, schaut doch gern in unsere FAQ, schreibt uns eine Mail oder kontaktiert uns auf unseren Social Media Kanälen.

Der Einsendeschluss für die Wettbewerbsbeiträge ist der 31. Oktober 2018. Die Preisverleihung findet im Januar 2019 in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin statt.“

Quelle: denktag.de

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Der typisch fremde Deutsche https://www.tiefgang.net/der-typisch-fremde-deutsche/ Thu, 29 Mar 2018 22:42:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3163 [...]]]> Mit 12 Jahren flüchtete er alleine aus Sri Lanka. Heute ist er Herzchirurg in Hamburg und hat einiges zu sagen. So auch bei der 3. SuedLese und zwar im Café Refugio: Umeswaran Arunagirinathan.

Umeswaran Arunagirinathan sagt „Moin, Moin“ und lässt sich Umes nennen. Das macht es allen im Umgang leichter. Er stammt aus dem nördlichen Sri Lanka und flüchtete alleine im Alter von zwölf Jahren vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat nach Hamburg. Heute ist er Arzt am Universitären Herzzentrum der Hansestadt.

Tiefgang (TG): Über Ihre Erfolgsgeschichte „Vom Flüchtling zum Herzchirurgen“ wurde vielfach berichtet. Glauben Sie, dass das mit Ihrem angesehenen Beruf zusammenhängt?

Umeswaran Arunagirinathan: Ich persönlich finde es gut, dass meine Geschichte vielfach berichtet wird, damit die Geschichte ein Beispiel für die jetzt ankommende Menschen sein kann. Traurig jedoch, dass es tatsächlich auch mit meinem Beruf Herzchirurgie zutun hat.

TG: Fühlen Sie sich manchmal benutzt als „Vorzeige-Flüchtling“? Es ist vor allem Ihr Verdienst, dass Sie Ihren Weg, der sehr lang und schwierig war, gemeistert haben. Abgesehen von den Kriegs- und Fluchterfahrungen hatten Sie hier über viele Jahre mit Schwierigkeiten zu kämpfen, z. B. der ewigen Angst vor Abschiebung. Was hat Ihnen die Kraft gegeben, nicht aufzugeben?

Umes: Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt benutzt gefühlt. Es wäre falsch, mich als Vorzeige-Flüchtling zu verkaufen, ich persönlich möchte ein Beispiel für eine gelungene Integration sein, dies nicht, weil ich Akademiker und Arzt bin.

TG: Menschen reagieren empathischer auf Einzelschicksale als auf eine anonyme Masse. Ihre Popularität ist gewiss sehr hilfreich, um dem Thema ein freundliches Gesicht und eine Stimme zu geben. Das geht unter die Haut, weil es um das persönliche Erleben geht. War das ein Grund für Sie, das Buch zu schreiben?

Umes: Mit meinem ersten Buch „Allein auf der Flucht“ beschreibe ich meinen Alltag als Kind im Bürgerkrieg auf Sri Lanka und meine Flucht über Afrika nach Europa mit einer Schlepperorganisation. Ich wollte damit eine Art Aufklärung in der Gesellschaft betreiben, um Verständnis zu schaffen, warum Menschen ihre Heimat verlassen und zu uns nach Deutschland kommen. Mit meinem zweiten Buch „Der fremde Deutsche“ möchte ich einen Beitrag für die Integration leisten. Als ehemaliger Flüchtling und deutscher Staatsbürger möchte ich den Dialog zwischen beiden Gruppen fördern, was unverzichtbar ist, um ein gutes Zusammenleben zu gestalten. Wenn ich mit meinen Büchern Menschen eine Stimme geben kann, die aktuell selbst nicht dazu in der Lage sind, dann ist es eine gute Sache.

TG: Seit den großen Flüchtlingsströmen hat sich das gesellschaftliche und politische Klima leider aufgeheizt. Welchen Rat würden Sie den Menschen geben, damit Toleranz kein Fremdwort wird?

Umes: Vorurteile und Rassismus sind die Stolpersteine der Integration. Es ist sehr wichtig, dass Menschen, die zu uns kommen, im Dialog mit der Gesellschaft bleiben. Toleranz ist lernbar. Ich würde meine Mitmenschen bitten, auf den einzelnen Menschen zuzugehen und sie kennenzulernen. Um Toleranz in unserer Gesellschaft zu fördern, benötigen wir die Zeit und die Aufklärung, wozu jeder einen Beitrag leisten kann.

TG: Welche Bedeutung messen Sie dem Herzen bei?

Umes: Unser schönste Organ, das wir besitzen. Zurecht ist sein Platz im Zentrum des Körpers.

TG: Welches kulturelle Erbe ist Ihnen heute noch wichtig? Welche Werte halten Sie hoch?

Umes: Ich habe als Kind von meiner Mutter einiges mitgenommen. Gastfreundschaft, soziales Handeln, das Lachen in unruhigen Zeiten nicht zu verlieren und die Dankbarkeit. Besonders wichtig wäre der familiäre Zusammenhalt.

TG: Gibt es Eigenschaften, die Ihnen an der (nord)deutschen Mentalität besonders gut gefallen?

Umes: Ich liebe allgemein die Pünktlichkeit und die Zufälligkeit in unserem Land, besonders im Norden finde ich es gut, dass ich jeder Tageszeit „Moin Moin“ sagen kann.

TG: Wir bedanken uns sehr HERZlich bei Ihnen und freuen uns auf Ihre Lesung am Do., 19. April um 20 Uhr im Refugio-Café der Gastfreundschaft, Bremer Straße 9, 21073 Hamburg.

Das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso.

Bisher erschienen:

Umeswaran Arunagirinathan: „Allein auf der Flucht“, Konkret Literatur Verlag, 2005, ISBN: 9783894582418, Preis:  € 12,50

Umeswaran Arunagirinathan: „Der fremde Deutsche“, Konkret Literatur Verlag, 2017, 141 Seiten, ISBN-13: 9783894582982, Preis: € 12,50

 

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